Nachhaltigkeit in der Supply-Chain der Textilwirtschaft

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1 Nachhaltigkeit in der Supply-Chain der Textilwirtschaft Carsten Gandenberger Lüneburg,

2 Aufbau des Vortrags Theoretische Grundlagen des Forschungsprojekts Von welchen Ressourcen lebt die Textilwirtschaft? Instrumente eines nachhaltigen Ressourcenmanagements 2

3 Ausgangspunkt: Die Unternehmung als ressourcenabhängiges System Unternehmen werden von ihrer Umwelt mit den benötigten Ressourcen versorgt. Konsequenz: Das Überleben des Unternehmens hängt vom Überleben seiner Umwelt ab. 3

4 Nachhaltigkeit als Antwort auf das Problem der Ressourcenknappheit Hier: Nachhaltigkeit als betriebswirtschaftliche Entscheidungsrationalität Teilweise widersprüchliche Anforderungen von Effizienz und Nachhaltigkeit betrifft auch das Supply-Chain Management 4

5 Ressourcen sind alle Mittel, die das Unternehmen zum Wirtschaften braucht Ressourcenbegriff umfasst weit mehr als nur die natürlichen Rohstoffe: Auch soziale und ökonomische Ressourcen werden berücksichtigt Konzentration auf strategische Ressourcen, um Komplexität des Untersuchungsgegenstands zu reduzieren Hier: Strategische Ressourcen sind absolut knapp und ermöglichen es dem Unternehmen flexibel auf externe Chancen und Risiken reagieren 5

6 Einordnung in die Nachhaltigkeitsforschung In der Literatur finden sich drei Perspektiven die Thema Nachhaltigkeit: Normative Perspektive: Nachhaltigkeit als berechtigte Forderung der Weltgesellschaft (z.b. Brundtland) Innovationsperspektive: Nachhaltigkeit durch (technologische) Innovationen, die zu einer höheren (Öko-)Effizienz führen Ziel: win-win oder triple-win Situationen Rationale Perspektive: Nachhaltigkeit als ökonomische Rationalität mit dem Ziel der Substanzerhaltung. Dazu müssen Verbrauch und Nachschub an lebensnotwendigen Ressourcen langfristig ausgeglichen sein. 6

7 Aufbau des Vortrags Theoretische Grundlagen des Forschungsprojekts Von welchen Ressourcen lebt die Textilwirtschaft? Instrumente eines nachhaltigen Ressourcenmanagements 7

8 Warum sollte die Textilwirtschaft nachhaltig mit ihren Ressourcenquellen umgehen? Abnehmende Leistungsfähigkeit wichtiger Ressourcenquellen Abnehmende Ressourcenzuflüsse vom Absatzmarkt Begrenzte Anbauflächen für Baumwolle Endliche Vorräte fossiler Ressourcen Soziale Legitimität auf dem Prüfstand... Wachsende Bedeutung von Ressourcen für Unternehmen Steigende Kundenbedürfnisse Hohe Wettbewerbsintensität Steigende Anforderungen des Kapitalmarkts Anforderungen der Gesellschaft - Umwelt- und Ressourcenschutz - Einhaltung von Sozialstandards - 8

9 Analyse ÖKONOMISCHER RESSOURCEN anhand der Ressource Kapital 9

10 Die ökonomische Substanz der deutschen Textilwirtschaft ist gefährdet 8 6 Umsatzentwicklung des Textilfachhandels in % im Vergleich zum Vorjahr Der deutsche Textileinzelhandel hat seit 1992 ein Drittel seines Umsatzes verloren. Insgesamt setzt der Einzelhandel mit Textilien jährlich 55,6 Mrd. um (2004). Quellen: TW, BTE 10

11 Der Ressourcenzustrom vom Absatzmarkt hängt von der Konsumfähigkeit und Konsumbereitschaft der Haushalte ab Zustrom an Kapitalressourcen (via Umsatz, Cash Flow) Konsumfähigkeit der Haushalte Reale Entwicklung der Netto- Einkommen Ausmaß der nicht für den Konsum bestimmten Ausgaben (z. B. Altersvorsorge) Konsumbereitschaft der Haushalte Mode- und Markenbewusstsein Soziale Bedürfnisse Soziale Normen Stimulation durch Kaufanreize (Werbung, Warenbild, Beratung) Erwartungen über die künftige konjunkturelle Entwicklung 11

12 Konsequenz für das Supply-Chain Management: Es wird ein steigender Ergebnisbeitrag erwartet Kosten reduzieren 1% Kostensenkung im Einkauf = 10% Umsatzplus Ausschöpfung von Kostensenkungspotentialen entlang der Supply Chain - Auswahl der Lieferländer, Lieferanten - Ausschalten von Zwischenhändlern - Gesamtoptimierung der SC (Einkauf, Logistik, Lagerhaltung) Vert. Integration Erlöse steigern Schnellere Reaktion auf Markttrends Beschleunigung der Supply-Chain Prozesse 12

13 Analyse ÖKOLOGISCHER RESSOURCEN anhand der Ressource Baumwolle 13

14 Baumwolle als wichtiger Faserrohstoff Baumwolle hat einen Anteil von 40% am Faserbedarf bei Bekleidung Die Anbauflächen für Baumwolle sind aus klimatischen Gründen begrenzt Gleichzeitig steigt die Nachfrage auf dem Weltmarkt jährlich um ca. 3-4%. Folge: Intensivierung des Baumwollanbaus um höhere Flächenproduktivität zu erzielen Quellen: PAN 14

15 Die steigende Fasernachfrage kann nur durch höhere Flächenproduktivität befriedigt werden 15

16 Erhebliche ökologische Belastungen durch den intensivierten Baumwollanbau Ökologische Probleme des Baumwollanbaus Bodenversalzung/Erosion durch intensive künstliche Bewässerung Verlust landwirtschaftlicher Anbauflächen Verlandung von Gewässern (Aralsee), Austrocknen von Flüssen und Absinken des Grundwasserspiegel wegen des hohen Wasserverbrauchs Ausgelaugte Böden durch Anbau in Monokultur tw. sinkende Erträge Schädlinge bilden Resistenzen aus Steigende Kosten und ökologische Belastungen durch höheren Pestizideinsatz Quellen: Paulitsch et al.; WZU Augsburg 16

17 Die Verlandung des Aralsees ist eng mit dem Anbau von BW verknüpft 17

18 Derzeit gibt es allerdings kaum Ansätze für einen nachhaltigen Umgang mit Baumwolle Nachhaltige Alternative: Baumwolle aus kontrolliert ökologischem Anbau Bestehende SC-Initiativen: Kooperation zwischen COOP Schweiz und der Remei AG im Bereich ökologisch optimierter Textilien. - Langfristige Verträge mit Baumwollbauern in Indien und Tansania - Verzicht auf Pestizide und Monokultur Natürliche Nährstoffkreisläufe und Schädlingsbekämpfung - Abnahmepreise liegen 15-25% über dem Weltmarktpreis Ebenso Otto, Nike, Levis, Patagonia, Hess Natur mit Bio-BW Sortimenten Aber: Weltmarktanteil von Bio-Baumwolle liegt insgesamt nur bei 0,2% Quellen: Coop, Otto 18

19 Analyse SOZIALER RESSOURCEN anhand der Ressource Legitimität 19

20 Gefährdung der license to operate durch die Verletzung von Sozialstandards In den Zulieferbetrieben der Textilwirtschaft kommt es immer wieder zu Verletzungen von Sozialstandards Solche Verletzungen werden häufig von NGOs, wie z.b. der Clean Clothes Campaign, aufgedeckt und publik gemacht Die Rückwirkungen sind Imageschäden und negative PR für die betroffenen Händler und Markenhersteller 20

21 Problem: Ethisch motivierte Codes of Conduct stehen im Widerspruch zur ökonomischen Rationalität Die meisten Textilunternehmen haben Codes of Conduct verabschiedet, die die Lieferanten zur Einhaltung von Sozialstandards, z.b. SA 8000, verpflichten Wegen der Vielzahl an Lieferanten (z.b. H&M > 700 Lieferanten) kann nur eine stichprobenartige Kontrolle in Form von Lieferantenaudits erfolgen, die sich zudem leicht manipulieren lassen Die ethischen Anforderungen der Codes of Conduct stehen zudem teilwiese im Widerspruch zu den ökonomischen Vorgaben an die Lieferanten 21

22 Konflikt zwischen ökonomischen und ethischen Zielen der Beschaffungspolitik Ökonomische Ziele Niedrige Beschaffungspreise Kurze Lieferfristen Flexibilität / Zusammenarbeit auf Auftragsbasis Ethische Ziele Existenzsichernde Löhne Vermeidung von Überstunden (>60h/Woche) Effektive Maßnahmen zum Gesundheitsschutz Dilemma-Management als Voraussetzung für Nachschub in Legitimität 22

23 Aufbau des Vortrags Theoretische Grundlagen des Forschungsprojekts Von welchen Ressourcen lebt die Textilwirtschaft? Instrumente eines nachhaltigen Ressourcenmanagements 23

24 Umweltanalyse Lokalisierung der strategischen Ressourcenquellen 24

25 Systematisches Monitoring der Ressourcenaustauschbeziehungen mit Hilfe der Strategischen Ressourcenlandkarte Resource Financial resources Social legitimacy Oil Source of supply Consumers (ability and propensity to consume) Society Fossil resource depots Disturbances of resource supply Saturation of market Violation of social minimum standards - Resource depletion - Increasing demand - Political instabilities Resource consumption Increasing competition from other consumer goods and services - NGO Criticism - Negative media coverage - Production of synthetics - Energy consumption Resource supply - Attractive assortments - Strong brands - High availability of merchandise - Compliance to social standards - Transparency - Open dialogue with stakeholders - Regenerative raw materials for fibre production - Regenerative energy sources Resources laws of reproduction - Fashion satisfies basic but also more sophisticated human needs - High volatility of demand - Different social standards in developing and developed world - Structural barriers to achieve compliance - Finite resource - Political instabilities in sourcing countries Negative repercussions on businesses Negative growth perspectives, scarcity of financial resources Damages to brand name and company reputation Price increases, shortages in supply 25

26 Identifikation von Normstrategien mit Hilfe einer strategischen Ressourcenmatrix hoch Gefährdung des Ressourcennachschubs gering gering hoch Strategischer Wert der Ressource 26

27 Vielen Dank! 27

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