sneep-vöw-sommerakademie Nachhaltige Wertschöpfungsketten Dokumentation

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1 sneep-vöw-sommerakademie Nachhaltige Wertschöpfungsketten Dokumentation 22. bis 26. August 2011 Karl-Renner-Haus, Berlin

2 2 sneep-vöw-sommerakademie Impressum Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung e.v. (VÖW) Potsdamer Str Berlin Telefon: Telefax: sneep - Studentisches Netzwerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik Redaktion: VÖW-Geschäftsstelle - Uta Zetek, Max Langner; sneep - Evelin Pfeiffer Stand: 1. November 2011

3 August 2011, Berlin 3 Inhaltsverzeichnis 1 Einführung Kennenlernen und Programmeinführung Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (VÖW) sneep - Studentisches Netzwerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin Problematik der Wertschöpfungsketten Wie kommt es zu Wertschöpfungsketten? Problematik der Wertschöpfungsketten: Beispiele und Praxis Exkursionstag - Nachhaltige Wertschöpfungsketten in der Praxis Gruppe 1: Nahrungsmittelerzeugung Abschlussbericht der Arbeitsgruppe Abschlusspräsentation der Arbeitsgruppe Gruppe 2: Textil Abschlussbericht der Arbeitsgruppe Abschlusspräsentation der Arbeitsgruppe Gruppe 3: Erneuerbare Energien/ Agrarhölzer Abschlussbericht der Arbeitsgruppe Abschlusspräsentation der Arbeitsgruppe Instrumente Einführung & Carbon Footprints Life Cycle Assessment Einführung sozialer Standards in globale Wertschöpfungsketten Governance/ Koordinations- und Durchsetzungsproblematik Globale Gewerkschaften und soziale Standards in globalen Wertschöpfungsketten? Aktivitäten und die Motivation von Global Gap im Bereich der Einführung von Standards für globale Wertschöpfungsketten Einführung in die ethikgeleitete Auseinandersetzung mit Wertschöpfungsketten Podiumsgespräch - Möglichkeiten und Grenzen einer Förderung von Wertschöpfungsketten zur Erreichung entwicklungspolitischer Ziele Evaluation Abschlussbericht

4 4 sneep-vöw-sommerakademie 12 Referent/innenübersicht Konzeption und Organisation der Sommerakademie...125

5 August 2011, Berlin 5 1 Einführung Welche Werte werden in globalen Wertschöpfungsketten geschaffen? Wie können ökologische, soziale und ökonomische Werte gleichberechtigt berücksichtigt werden? Wann führt dies zu einer echten Entwicklung? Welche Maßstäbe wollen wir als Konsumenten aus Industrieländern an die Weltwirtschaft stellen? Unternehmen stehen im Fokus: Als Teil der Lösung, aber natürlich auch mit Blick auf ihre Herausforderungen probieren wir ihre Methoden zur Wertschöpfung aus. Vor dem Hintergrund der genannten Fragestellungen werden wir Vorstellungen von Wert und Wertschöpfung genauer betrachten. Gleichzeitig beleuchten wir die Perspektiven der anderen Akteure entlang von Wertschöpfungsketten Regierungen, ArbeitnehmerInnen, KonsumentInnen, NGOs und internationale Organisationen. Impulsreferate wechseln mit intensiver Gruppenarbeit, die immer tiefer in die Problematik globaler Wertschöpfungsketten einführen. In einer Reihe von Formaten (Fallbeispiele, Round Tables, Workshops) werden die Vor- und Nachteile verschiedener Instrumente des Wertschöpfungskettenmanagements, wie zum Beispiel Zertifizierung, Lifecycle Management oder Sustainability Scorecard, diskutiert. Abschließend sollen eigene Lösungen und Ideen mit ExpertInnen diskutiert werden. Wir freuen uns, Euch bei der Sommerakademie begrüßen zu dürfen! An dieser Stelle möchten wir auch den weiteren Kooperationspartnern und Förderern der Sommerakademie herzlich danken:

6 6 sneep-vöw-sommerakademie 2 Kennenlernen und Programmeinführung 2.1 Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (VÖW) Die 1985 gegründete Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (VÖW) ist ein inter- und transdisziplinäres Netzwerk. Die VÖW ist ein gemeinnütziger Verein und setzt sich mit Fragestellungen der nachhaltigen Entwicklung sowie ihrer praktischen Umsetzung auseinander. Der besondere Schwerpunkt der Aktivitäten liegt auf dem Gebiet des nachhaltigen Wirtschaftens und dem Beitrag, den Unternehmen, Politik und Hochschulen dazu leisten können. Das Netzwerk bietet durch die Zusammensetzung seiner Mitglieder und seine Aktivitäten vielfältige Kontaktmöglichkeiten zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis. Neben dem Austausch unter den Mitgliedern, der durch Arbeitsgruppen und den VÖW-Listserver unterstützt wird, organisiert die VÖW Veranstaltungen unterschiedlicher Art und Ausrichtung. Dokumentiert wird die Arbeit im Rahmen von eigenen Publikationen sowie in der gemeinsam mit dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) herausgegebenen Fachzeitschrift "Ökologisches Wirtschaften" feiert die VÖW ihr 25-jähriges Gründungsjubiläum. Weitere Informationen zur VÖW: Prof. Dr. Bernd Siebenhüner, Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg Dr. Bernd Siebenhüner, Jahrgang 1969, ist der Vorsitzende der VÖW. Er studierte Volkswirtschaftslehre und Politologie an der Freien Universität Berlin. Er war von 1996 bis 2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Betriebliches Umweltmanagement der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und absolvierte einen Postdoc-Forschungsaufenthalt an der Kennedy School of Government, Harvard University. Nach erfolgreicher Zwischenevaluation als Juniorprofessor an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg wurde er im Januar 2007 auf den Lehrstuhl für Ökologische Ökonomie berufen. Derzeit koordiniert er dort das Forschungsprojekt ALICE und ist stellvertretender Leiter des Global Governance Projekts am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Prof. Siebenhüner koordiniert den ökologischen Schwerpunkt im Rahmen des Diplom- Studiengangs Wirtschaftswissenschaften und des neuen Masterstudiengangs "Sustainability Economics and Management". Forschungsschwerpunkte sind kollektive Lernprozesse, ökologische Ökonomie, Umweltbildung, ökologische Ethik, deutsche und internationale Umweltpolitik und konzeptionelle Fragen der Nachhaltigkeit. Webseite:

7 August 2011, Berlin sneep - Studentisches Netzwerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik Was bedeutet nun eigentlich das Wörtchen sneep? Ist es ein Fremdwort, eine Abkürzung oder ein Akronym? Gibt es überhaupt eine Bedeutung oder Übersetzung? Und wenn ja, was steckt genau dahinter? Alle Niederländer und besonders: alle niederländischen Angler müssen wir leider vorab enttäuschen: Wir haben nichts mit dem Süßwasserfisch Nase zu tun (auch Näsling, Speier oder Schwarzbauch genannt), der auf Niederländisch Sneep heißt und wohl auch recht schmackhaft sein soll. Darüber hinaus gibt es aber in der Tat auch eine tiefere Bedeutung, welche nicht aus reinem Zufall das Kernanliegen unserer Organisation widerspiegelt. Durch eine subtile Interpretation des Kürzels s.n.e.e.p. kombiniert mit fundierten Englischkenntnissen kann man bei einiger Mühe und Geduld nämlich zu folgender Wortaufschlüsselung gelangen: student network for ethics in economics and practice oder mittlerweile auch: student network for ethics in economic education and practice Es finden sich also auch schon in dem kurzen und prägnanten Namen sneep die wesentlichen Kennzeichen unserer Organisation: sneep ist ein von Studenten für Studenten organisiertes Netzwerk, welches sich zum Ziel gesetzt hat, das Thema Ethik genauer: Wirtschafts- und Unternehmensethik sowohl an den Hochschulen als auch in der unternehmerischen Praxis voranzubringen. Evelin Pfeiffer, sneep Evelin Pfeiffer studierte Geschichte in Berlin und Paris. In ihrem Nebenfach BWL stieß sie das erste Mal auf das Thema Wirtschaftsethik. Seit Sommer 2009 engagiert sie sich bei der Lokalgruppe sneep Berlin, seit Anfang 2010 als Lokalgruppenleiterin. Seit Mai 2010 studiert sie berufsbegleitend an der Steinbeis Hochschule Berlin einen Master in 'Responsible Management'. Für ein halbes Jahr hat sie in München in der Kommunikationsberatung KleeneWöltje gearbeitet, die auf Nachhaltigkeit spezialisiert sind. Nun schreibt sie in Berlin an ihrer Abschlussarbeit zu Stakeholder-Dialogen. Darin untersucht sie u.a., ob das Web 2.0 zu dessen effizienter Gestaltung betragen kann, und so "Stakeholder Democracy" (Matten/Crane) oder "Stakeholder Capitalism" (Freeman) eine bessere Chance auf praktische Umsetzung erhalten.

8 8 sneep-vöw-sommerakademie 2.3 Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der Humboldt- Universität zu Berlin Die Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät ist auf eine problemorientierte und zugleich interdisziplinäre Forschung ausgerichtet. Sie kombiniert die Weiterentwicklung ihrer theoretischen und methodischen Grundlagen mit der Konzipierung anwendungsfähiger Problemlösungen für landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzungssysteme, den Umweltschutz, die ländliche Entwicklung und die Politikberatung. Ihre zentralen Forschungsgebiete sind sowohl regionaler als auch globaler Natur. Dabei stehen Fragen der Sicherung der Welternährung ebenso im Vordergrund wie die Gewährleistung einer ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Ressourcennutzung und die Bewahrung der natürlichen Umwelt. Prof. Dr. rer. nat. habil. Wolfgang Bokelmann, Humboldt Universität zu Berlin Prof. Bokelmann ist seit 1994 Professor an der HU Berlin, Department für Agrarökonomie. Er vertritt dort die Fächer Agrarmanagement, Agrarmarketing und Umweltmanagement. Studium an der Fachhochschule Osnabrück und der Universität Hannover. Promotion und Habilitation zu betriebswirtschaftlichen Fragestellungen im Agrarsektor. Aktuelle Forschungsarbeiten beschäftigen sich mit Unternehmensnetzwerken im Agribusiness, der räumlichen Organisation von Wertschöpfungsketten in der Landwirtschaft, Wertschöpfungsketten für ökologische Produkte sowie Untersuchungen zum Sektorinnovationssystem Landwirtschaft. Das Fachgebiet koordiniert verschiedene EU-finanzierte Projekte mit Universitäten in Entwicklungsländern: Supply Chain Management and Post Harvest Technology (EU-ASIA-Link), Value Chains for Poverty Reduction in the Agri-Food Sector Problem-Based Learning in Higher Education (EU-EDU-Link) und Rural Society, Economy and Natural Resources Integrating Competence in Rural Development (EU-ALFA III).

9 August 2011, Berlin Problematik der Wertschöpfungsketten 2.5 Wie kommt es zu Wertschöpfungsketten? Prof. Dr. rer. nat. habil. Wolfgang Bokelmann, Humboldt Universität zu Berlin Abstract: Wie kommt es zu Wertschöpfungsketten und welche Problematiken gibt es bei deren Management? Der Begriff der Wertkette wurde zunächst von PORTER (1989) eingeführt, um einzelne Aktivitäten in Unternehmen hinsichtlich ihres Wertbeitrages am Endprodukt beurteilen zu können. Mit zunehmender (weltweiter) Arbeitsteilung ist sie dieser Begriff erweitert worden, um den Prozess der Wertentstehung eines Produktes vom Vorprodukt bis hin zum Konsumenten zu erfassen und den Wertbeitrag der einzelnen Stufen zum Gesamtergebnis zu ermitteln. Antriebskräfte für eine zunehmende Arbeitsteilung innerhalb von Wertschöpfungsketten liegen in der konsequenten Nutzung ökonomischer Vorteile der Arbeitsteilung sowie in einer Reduktion von Koordinationskosten (z. B. Kommunikation), Logistikkosten sowie dem Abbau von Handelshemmnissen. Die Aufgabenverteilung innerhalb der Wertschöpfungskette ist nicht vorgegeben, sondern leitet sich aus den jeweiligen komparativen Vorteilen und Kompetenzen der beteiligten Akteure ab. Dementsprechend ist Konfiguration dieser Ketten sehr unterschiedlich. Innerhalb von Organisationen wird der Koordinationsbedarf auf Interdependenzen arbeitsteiliger Aktivitäten zurückgeführt. Diese Begründung lässt sich ohne Einschränkungen auch auf Wertschöpfungsketten übertragen. Entscheidend für die Leistungsfähigkeit von Lieferketten sind die organisatorischen Vorkehrungen, mit denen die Interaktionen der Akteure innerhalb von Wertschöpfungsketten aufeinander abgestimmt werden. Der Beitrag konzentriert sich darauf, Steuerungsaspekte in Wertschöpfungsketten zu beleuchten. Dabei geht es sowohl um Steuerungsziele - zum Beispiel die Frage ob und inwieweit gesellschaftlicher Anforderungen berücksichtigt werden können - als auch um Mechanismen der Koordination (Governance of Value Chains, 'Grades and Standards'). Speziell soll diskutiert werden, wie Nachhaltigkeitsaspekte in internationalen Wertschöpfungsketten berücksichtigt werden können. Zur Person Siehe Seite 8.

10 10 sneep-vöw-sommerakademie 2.6 Problematik der Wertschöpfungsketten: Beispiele und Praxis Andreas Zamostny, Schlange & Co. Zur Person Andreas Zamostny ist Mitgründer von Schlange & Co. und Experte für die Themen Umwelt- und Sozialmanagementsysteme, Supply Chain Management, Strategieentwicklung, CR-Reporting und Enablon-Software. Nach einem Studium der Umweltwissenschaften am Van Hall Institut in Groningen und Leeuwarden/Niederlande begann im Jahr 2000 seine berufliche Laufbahn bei OTTO in Hamburg. Als Nachhaltigkeitsberater in der Abteilung für Umwelt- und Gesellschaftspolitik beriet er Fachbereiche wie den Einkauf oder die Katalogherstellung in allen Fragestellungen rund um nachhaltige Prozess- und Produktoptimierung. Ab 2002 war er Umweltmanagementverantwortlicher von OTTO. Nachdem Andreas Zamostny bereits seit der Gründung im Jahre 2000 projektbezogen für die Otto-eigene Unternehmensberatung Systain Consulting gearbeitet hatte, wechselte er Anfang 2005 vollständig zu Systain und betreute als Senior Consultant Mandate für börsennotierte Unternehmen. Für die AVE (Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels) bzw. die BSCI (Business Social Compliance Initiative) war er in Asien unterwegs, um Führungskräfte von unter anderem Textilherstellern zum Thema Sozialstandards zu schulen. Webseite: Die Präsentation von Andreas Zamostny wird den Teilnehmern auf Wunsch zugänglich gemacht.

11 August 2011, Berlin 11 3 Exkursionstag - Nachhaltige Wertschöpfungsketten in der Praxis 3.1 Gruppe 1: Nahrungsmittelerzeugung Betreuung: Bokelmann, König Die Exkursion führt die Teilnehmer zu einigen wichtigen Akteuren der regionalen Bio- Nahrungsmittel Wertschöpfungskette. Anhand der verschiedenen Stationen von Produktion, Beratung, Bündelung, Zertifizierung, Großhandel und Einzelhandel gewinnen die Teilnehmer einen Einblick in die Perspektiven der Akteure und ihre Ansätze zur Umsetzung von Nachhaltigkeitsaspekten, sowohl regional als auch international. Zeitplan Exkursion 7:00 Abholung am Karl-Renner-Haus 9:00 Ökodorf Brodowin Demeter-Betrieb 12:30 BIO COMPANY, Filiale Brunnenstraße 1-7 Kommunikation von Nachhaltigkeitsaspekten am POS (Regionalpartnerschaften, Landpartie, Regionalmagazin) 14:00 Naturland Verband, Naturland Fachberatung und Marktgesellschaft der Naturland Betriebe Möglichkeiten der Regulierung nachhaltiger Wertschöpfungsketten (Zertifizierungen von Umweltund sozialen Leistungen der Landwirtschaft: fair, regional, Bio, bio-mit-gesicht) 15:00 Terra Naturkost Funktionen des Großhandels im Hinblick auf die Gestaltung nachhaltiger Wertschöpfungsketten (Regional ist erste Wahl, internationale Ressourcensicherung, Handelsethik) Ca. 17:00 Ankunft Berlin Mitte u.u. Weiterfahrt zum Karl-Renner-Haus

12 12 sneep-vöw-sommerakademie Aufgabenstellung Nahrungsmittel durchlaufen heute mehr als in früheren Zeiten vielfältige Produktions- und Verarbeitungsschritte. Bedingt durch eine zunehmende Öffnung der Märkte und damit einhergehend einem wachsenden (Preis-)Wettbewerb bilden sich immer differenziertere Wertschöpfungsketten heraus. Durch zunehmende Arbeitsteilung, steigende Anforderungen an die Produkte bei gleichzeitig eher sinkenden Preisen lastet der Druck auf allen Akteuren, die Produktivität zu erhöhen und Prozesse in der Wertschöpfungskette effizienter zu gestalten. Damit steigt aber auch die Anonymität in diesen Ketten und das Vertrauen der Konsumenten schwindet mehr und mehr. Nicht zuletzt wächst aufgrund der ökologischen und sozialen Folgen dieser Entwicklung die Kritik in der Gesellschaft. Dieser Hintergrund bietet Erzeugern und Vermarktern aber auch die Möglichkeit, sich durch Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in diesem Markt zu differenzieren und vom Standardangebot abzuheben. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Verbraucher die zusätzlichen Bemühungen anerkennen und Vertrauen in solche Produkte gewinnen. In dem Fallbeispiel soll analysiert werden, wie die Nachhaltigkeit von Wertschöpfungsketten bewertet werden kann und welche Möglichkeiten existieren, diese zu verbessern. Dazu sollen auch Antriebskräfte und Hindernisse aufgezeigt werden, die eine Verbesserung der Situation befördern bzw. dieser im Wege stehen. Arbeitsschritte im Rahmen der Fallbearbeitung Akteure und Arbeitsteilung: Im ersten Schritt soll beschrieben werden, welche Akteure direkt und indirekt in Wertschöpfungsketten beteiligt sind und welche Logik hinter der Arbeitsteilung in den Wertschöpfungsketten steht. Koordination arbeitsteilige Zusammenarbeit: Im zweiten Arbeitsschritt geht es darum herauszuarbeiten, welche Interdependenzen in den Wertschöpfungsketten zu berücksichtigen sind und welche Mechanismen verwendet werden um die Zusammenarbeit zu koordinieren. Nachhaltigkeitsaspekte in Wertschöpfungsketten: In diesem Arbeitsschritt soll reflektiert werden, welche Aktivitäten die Umwelt und die sozialen Bedingungen in einer Gesellschaft berühren und in wieweit diese zu beeinflussen sind. Möglichkeiten zur Verbesserung der Nachhaltigkeit von Wertschöpfungsketten: Auf Grundlage der vorangehenden Arbeitsschritte soll diskutiert werden, wie die positiven und negativen externen Effekte von Aktivitäten in Wertschöpfungsketten im Sinne der Gesellschaft verbessert werden können. Dabei soll auch darüber nachgedacht werden, welche gesellschaftlichen Akteure gefordert sind und welche Rolle der Staat hier spielen kann.

13 August 2011, Berlin 13 Mit BIOKOOP Umstellungshindernisse aus dem Weg räumen und gemeinsam nachhaltige Angebotsanpassungen erreichen Ein Projekt mit realistischen Zielen, praktischer Herangehensweise und wissenschaftlicher Begleitung Obst und Gemüse zählen zu den beliebtesten Lebensmitteln, die in Bio-Qualität gekauft werden und das in steigenden Mengen. Zunehmend soll Bio aber nicht nur Bio sein, sondern vor allem den Zusatznutzen frisch und regional bieten. Aktuelle Entwicklungen des Jahres 2009 haben gezeigt, regionale Herkünfte schaffen Transparenz und erhalten die Glaubwürdigkeit im zunehmend globalisierten Bio-Markt. Aus dem Brandenburger Umland ist in Berlin, Europas größter Bio-Hauptstadt im LEH, jedoch so mancher Bio-Apfel oder Bio-Salat, nur schwer zu finden und auch im Bio-Supermarkt kommt das Obst oder Gemüse gerne mal von weiter her. Die heimischen Erzeuger können die große Nachfrage nach regionalen Bio-Lebensmitteln nicht decken - nicht nur in Berlin / Brandenburg auch anderswo in Deutschland. Eine Chance für die Bauern? Und wenn ja warum ergreifen die heimischen Landwirte sie nicht? Antworten auf diese Fragen sucht das Projekt BIOKOOP an der Landwirtschaftlich- Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Bokelmann. Gefördert durch das BMELV im Rahmen des Bundesprogrammes Ökologischer Landbau (BÖL) besteht das oberste Projektziel im Aufbau stabiler Grundlagen, um das Angebot an heimischem Bioobst und gemüse langfristig zu steigern und somit den Erwartungen der Verbraucher zu entsprechen und die offene Lücke im Absatz zu schließen. Wie das funktioniert? Durch Kommunikation und Kooperation - BIOKOOP, der Name ist Programm! In zunächst drei Beispielregionen, Brandenburg, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz, kommen alle Beteiligten der Wertschöpfungskette vom Erzeuger, über den Verarbeiter bis hin zum Naturkost- und Lebensmitteleinzelhandel an einen Tisch und reden miteinander und zwar auf Augenhöhe, erläutert Dr. Bettina König, eine der Projektmitarbeiterinnen. Indem einander die unterschiedlichen Sichtweisen und Argumente, die zuvor in Einzelinterviews ermittelt wurden, näher gebracht werden, sollen bestehende Unsicherheiten bei der Abstimmung von Angebot und Nachfrage konkret sichtbar und abgebaut werden. Steht für die Erzeuger die Absatz- und Einkommenssicherheit im Vordergrund, versuchen Handel und Region die Potenziale des regionalen Anbaus und der Vermarktung besser zu erschließen. Welchen Blickwinkel man auch wählt, stets wird deutlich, dass sich die Probleme nur gemeinsam entlang der regionalen Lieferkette lösen lassen. Somit wirbt das Projekt für mehr Verständnis miteinander und es funktioniert, freut sich König, die das Projekt BIOKOOP vor allem als wichtige und einmalige Informations- und Kommunikationsplattform versteht. Erste Ergebnisse offenbaren die zum Teil erheblichen Informationsdefizite und die widersprüchlichen Sichtweisen der einzelnen Beteiligten über die jeweils andere Seite. Gleichzeitig zeigt sich jedoch auch die große Motivation und Bereitschaft aller, diese zu überwinden und gemeinsam Lösungswege zu entwickeln. In einem ersten Treffen in Brandenburg haben die dort ansässigen regionalen Marktpartner bereits erste Strategieoptionen entworfen. Diese konzentrieren sich zum Einen auf die Entwicklung und Bereitstellung einzelner erprobter, regionaler Bio-Produkte in großen Mengen, zum Anderen sollen regionale Bio-Spezialitäten in Zusammenarbeit mit Erzeugern, Verarbeitern und Einzelhandel in

14 14 sneep-vöw-sommerakademie kleineren Mengen neu- bzw. weiterentwickelt werden. In folgenden Treffen wird das weitere Vorgehen gemeinsam ausgearbeitet, kontinuierlich angepasst und schließlich konkret umgesetzt. Eine sachlich, neutrale Moderation der Workshops garantiert die nötige persönliche, offene Gesprächsatmosphäre und ebnet bis zum Ende 2011, dem Ende der Projektlaufzeit den Weg zu einer langfristig, stabilen eigenverantwortlichen Zusammenarbeit aller Beteiligten. Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe bieten und schon bald funktionierende, regionale Wertschöpfungspartnerschaften hervorbringen, die eine Fortsetzung der Arbeit auch nach dem Ende des Projektes ermöglichen., so Dr. Andrea von Allwörden, die zweite der Projektmitarbeiterinnen an der Humboldt-Universität zu Berlin. Wir wollen ihre Sicht der Dinge kennen lernen. Wo sehen Sie Ursachen und Konflikte in der Zusammenarbeit entlang der Lieferkette? Lernen Sie den Standpunkt und die Perspektive der anderen Seite kennen. Dabei bringen wir Sie mit anderen Marktpartnern zusammen und garantieren Ihnen einen persönlichen und offenen Austausch. Abgestimmt auf Ihren spezifischen Arbeits- und Zeitrahmen entwickeln Sie gemeinsam neue Ideen und setzen Lösungswege, hin zu einer verbesserten Zusammenarbeit in der Lieferkette, um. Diese Chance können derzeit noch weitere Erzeuger aus dem konventionellen und ökologischen Obst- und Gemüseanbau ergreifen und gemeinsam mit Verarbeitern und Händlern von BIOKOOP profitieren. Bei Interesse und Fragen stehen wir gerne zur Verfügung Laufzeit: 01/2009 bis 12/2011 Finanzierung: Bundesprogramm ökologischer Landbau (BLE) Partner: Dr. Marianne Altmann Co Concept (Moderation Workshops) Pfalzmarkt eg Gartenbauzentrale Papenburg eg Naturland Berlin-Brandenburg Kontakt: Humboldt-Universität zu Berlin Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät Department Agrarökonomie, Fachgebiet Ökonomik der gärtnerischen Produktion Dr. Bettina König, Dr. Andrea von Allwörden,

15 August 2011, Berlin Abschlussbericht der Arbeitsgruppe Von Melanie Lukas, Franziska Mittelstädt, Corina Müller, Alexandra Palzkill, und Katharina Sevecke Im Rahmen der sneep-vöw-sommerakademie wurden Wertschöpfungsketten der Branchen Textil, erneuerbare Energien (am Beispiel von Agrarhölzern) und Nahrungsmittelerzeugung von jeweils einer studentischen Teilnehmergruppe untersucht und unter dem Fokus des nachhaltigen Wirtschaftens beurteilt. Im vorliegenden Abstract wird die Wertschöpfungskette der Bio- Nahrungsmittelproduktion im Raum Berlin-Brandenburg fokussiert, wobei einige bedeutende Punkte, die sich der Gruppe im Rahmen einer Exkursion innerhalb der Sommerakademie aufgezeigt haben, herausgestellt werden. Die Diskussion um die Umweltauswirkungen von Produktions- und Konsummustern hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich weiter entwickelt und ist mittlerweile im gesellschaftlichen Bewusstsein angekommen. Das Bedarfsfeld der Ernährung und des Produktkonsums stellt dabei neben Bauen und Wohnen sowie Verkehr ein wichtiges Feld für die nachhaltige Entwicklung in globaler und nationaler Sichtweise dar (Umweltbundesamt, 2007). In der Betrachtung der Wertschöpfungskette ist der von Porter im Jahr 1989 eingeführte Begriff der Wertkette hilfreich. Dabei steht im Vordergrund, einzelne Aktivitäten im Unternehmen hinsichtlich ihres Wertbeitrages am Endprodukt beurteilen zu können. Im Laufe der Zeit wurde dieser Begriff um die Aspekte des Ressourcenverbrauchs und um die Betrachtung von geschaffenen Werten durch das konkrete Produkt erweitert. Nach dieser Einschätzung ist die Gestaltung und Koordination von Wertschöpfungsketten stark von der Ausprägung und Verantwortlichkeit der individuellen Akteure abhängig. Als Grundlage für die Minimierung negativer ökologischer Folgen von Produktions- und Konsumprozessen ist die ganzheitliche Betrachtung der Wertschöpfungskette erforderlich. Dabei sollten auch qualitative Faktoren wie z.b. Transparenz berücksichtigt werden. Bei der Betrachtung der untersuchten Wertschöpfungskette können vier wichtige Akteure aufgezeigt werden. Neben Erzeugern und Produzenten stellen Zwischenhändler und Handel die wichtigsten Stationen auf dem Weg des Lebensmittels zum Endverbraucher dar. Zudem werden Zertifizierungsverbände (wie Naturland und Bioland beziehungsweise der Demeter Verband) oder Öko-Kontrollstellen als bedeutende Prüfinstanz integriert. Im regionalen Beispiel Berlin- Brandenburg wurden das Ökodorf Brodowin als Produzent, der Zwischenhändler Terra Naturkost sowie der Händler Bio Company besucht, als auch die Zertifizierungsinstanz Naturland. Die Akteure pflegen eine enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit, die mehr auf einer Handschlag-Philosophie basiert als auf einer normierten, juristisch abgesicherten Vertragsbeziehung. Als passive Akteure sind sowohl der Endverbraucher als auch die Politik zu nennen, die in dieser Gruppenarbeit in der Überlegung berücksichtigt wurden. In der Untersuchung zeigen sich drei wichtige Aspekte für Verbesserungspotentiale in der Wertschöpfungskette. Die Verpackung von Bioprodukten ist eines davon. Das Potential liegt in den Verpackungseinheiten, die in der Regel konventionellen Materialien und Designs folgen. Neben freiwilliger Zertifizierung, Entwicklung und Nutzung innovativer Verpackungsmaterialien (z.b. 40%iger Kreideanteil) ist zu einer Beschleunigung des Produzentenverhaltens auch die politische Festlegung entsprechender Rahmenbedingungen notwendig. Durch die Besteuerung von Müll, Limitierung der Müllmenge, z.b. ähnlich der Idee des Emissionshandels oder die Subventionierung

16 16 sneep-vöw-sommerakademie von nachhaltigen Verpackungsinnovationen, können Anreize zur systematischen Minimierung des Müllaufkommens geschaffen werden. Die Herausstellung des Faktors Regionalität in der Wertschöpfungskette ist ein weiterer wichtiger Ansatzpunkt unserer Untersuchung. In diesem Zusammenhang ist ein Kriterium von Naturland aufzugreifen. Im Rahmen der Leitlinien wird darauf verwiesen, dass ökologische Landwirte und Lebensmittelverarbeiter sich zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise verpflichten und, dass sie regionalen Handelspartnerschaften und Vermarktungswegen Vorrang geben (Naturland, o.j.). Ein wichtiges Kriterium zur Förderung dieser Ausrichtung ist die Steigerung von Wertschöpfung innerhalb ländlicher und oft strukturschwacher Regionen. Als kritisch ist das Fehlen einer Definition von Regionalität zu bewerten. Aufgrund der hohen Verbrauchergunst, die mittlerweile stark regionale Produkte und weniger Bioprodukte nachfragen (Nestle, 2011), nutzen die konventionellen Lebensmittelerzeuger das Label Regionalität als Vorteil. Die Transparenz in der Wertschöpfungskette zeigt sich als dritter wichtiger Faktor. In der Lebensmittelproduktion und im Handel zeichnet sich eine starke Informationsasymmetrie ab. Die Qualität des Gutes Lebensmittel kann vom Verbraucher lediglich durch oberflächliche Prüfung und den sensorischen Eindruck getestet werden, so dass das Vertrauen in Siegeln und Richtlinien unabdingbar ist. Es handelt sich bei zertifizierten Lebensmitteln also um eine Mischung aus Prüfund Vertrauensgut. Daher sollte daraufhin gewiesen werden, dass Kampagnen zur Förderung der Transparenz wie Bio mit Gesicht (Naturland 2011) stärker ausgebaut werden müssen. Wie sich in der Betrachtung gezeigt hat, basieren viele Vorteile zur Gestaltung von Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette auf einem hohen Vertrauensvorschuss und einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit aller Akteure. Im Verhältnis dazu ist eine globale Ausgestaltung einer Wertschöpfungskette anders auszurichten. Hier gewinnen Standards und Richtlinien, die auf der Prozess- und produktebene angreifen an Bedeutung (Dietsche, 2011), was in Vorträgen der Sommerakademie herausgestellt wurde. Eine weitere Herausforderung des wachsenden Marktes ist, dass viele Konsumenten auch bei Biolebensmitteln die gleiche Angebotsvielfalt und Qualität 1 erwarten, wie sie es vom konventionellen Handel gewohnt sind. Damit nimmt der Professionalisierungsdruck beim Erzeuger zu. Diesbezüglich stellt sich die Frage, ob der Gedanke der Nachhaltigkeit, (den Bio und Regional verkörpern), zeitgleich nicht auch die Frage der Suffizienz mit einschließt und nicht auch Einschränkungen im Sortiment möglich wären. Zumindest die Sensibilisierung des Kunden bezüglich Saisonalität und Natürlichkeit der Produkte kann stärker fokussiert werden. Innerhalb von Schulbildungsprogrammen oder mit Hilfe von Verbänden oder Zertifizierungsverbänden wie Naturland könnte beispielsweise eine Aufklärung der Konsumenten erfolgen. Hiermit könnte erreicht werden, dass zumindest die bereits sensibilisierten Biokunden, nicht zwingend eine ganzjährige Verfügbarkeit der Produkte erwarten und fordern und die Natürlichkeit des Produkts (und auch das natürliche Aussehen) zu schätzen wissen. In der Zukunft wird eine detaillierte Analyse der kritischen Punkte, wie z.b. der Verpackungsproblematik von Nöten sein. Zudem müssen von Seiten der Verbände und Erzeuger weiterhin und kontinuierlich neue Ideen und Ansprüche an die Politik formuliert werden, um den Prozess und die Förderung von biologischer und biologisch-dynamischer Landwirtschaft weiterhin voranzubringen und moderne, innovative Lösungsansätze zu entwickeln. 1 Bspw. gut aussehendes Obst und Gemüse

17 August 2011, Berlin 17 Ergänzung: Abb. 1: Abbildung der betrachteten Wertschöpfungskette Quellen: Dietsche, C. (2011): Umweltgovernance in globalen Wertschöpfungsketten - Umweltschutz und Qualitätssicherung im Handel mit tropischen Garnelen und Ledererzeugnissen, LitVerlag: Münster. Nestle (Hrgs.) (2011): Nestle-Studie 2011 Zusammenfassung: So i(s)st Deutschland 2011; Frankfurt. Abrufbar unter Studie-2011/Documents/Nestle%20Studie%202011_Zusammenfassung.pdf Naturland (Hrgs.) (o.j.): 15 gute Gründe Öko-Qualität zu kaufen!; Gräfeling. Abrufbar unter 15Gruende_Endfassung.pdf Naturland (2011): Bio-mit-Gesicht Kampagne; Abrufbar unter: Porter, M. E. (1989): Wettbewerbsvorteile (Competitive Advantage) Spitzenleistungen erreichen und behaupten. Frankfurt 1989 Umweltbundesamt (2007): Klimaneutral leben: Verbraucher starten durch beim Klimaschutz,

18 18 sneep-vöw-sommerakademie Abschlusspräsentation der Arbeitsgruppe

19 August 2011, Berlin 19

20 20 sneep-vöw-sommerakademie

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