Ready. to go! USA in der Flaute. Wir bieten Ihnen Einblick in den größten Logistikmarkt der Welt und zeigen, was das mit Ihnen zu tun hat s.

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1 Das Kundenmagazin N nr Ready to go! logistics Das kundenmagazin nr USA in der Flaute. Wir bieten Ihnen Einblick in den größten Logistikmarkt der Welt und zeigen, was das mit Ihnen zu tun hat s. 12 Kraftwerksbau Weltweite Lieferkette für Kuwait S. 32 Erfahrung Mit dem Kombinierten Verkehr quer durch Europa S. 38 Zukunft Mobilitätsforscher Prof. Dr. Jens-Uwe Fischer S. 24

2 Inhalt Juli 2009 Liebe Geschäftspartner und Freunde von DB Schenker, Let s do it das ist vielleicht die wesentlichste Aussage in der amerikanischen Mentalität. Wir haben hinter die Kulissen der größten Wirtschaft der Welt geschaut und die Rezepte gefunden, mit denen die USA den Aufschwung von morgen planen. Mobilität für alle und alles, das ist das Credo der modernen Gesellschaft. Wir haben einen von Deutschlands führenden Mobilitätsplanern gebeten, uns zu erklären, wie das in Zukunft funktionieren soll. Was Güter betrifft, so sind wir im Kombinierten Verkehr schon einen Schritt weiter als andere. Schauen Sie mit uns nach Dänemark zu den Menschen, die Ihre Waren quer durch Europa transportieren. Eines aber bleibt unverändert: Damit schwerste Güter pünktlich ans Ziel gelangen, müssen die Logistiker mit Herzblut arbeiten. Begleiten Sie uns auf einer See- und Landpartie von Antwerpen nach Kuwait. Zu guter Letzt möchte ich mich von Ihnen verabschieden. Im Herbst wird Bernd Weiler meinen Job übernehmen, während ich nach 2½ Jahren in die Kommunikation für den Gesamtkonzern wechseln werde. Aber ich bin überzeugt, auch weiterhin die Zeit zu finden, dieses Magazin mit Begeisterung zu lesen. Es hat immer großen Spaß gemacht danke! Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Ihre schtes_lieferdatum_ Bestelleingang 1 TV Name Liefertermin Adresse Forward to local Sony Warehouse Dr. Antje Lüssenhop Leiterin Kommunikation DB Schenker Fotos: Titel: Kai-Uwe Gundlach, Seite 2 3: M. Lautenschläger, Steffen Jänicke, Chad Ehlers/TIPS/Agentur Focus Grafik: KircherBurkhardt Infografik { Prof. Dr. Jens-Uwe Fischer }»Wer Mobilität plant, muss an Städte denken.« Bestellung&Lieferdatum_Okay_ Bestellung&gewünschtes_Lieferdatum_ Bestelleingang 1 TV Name Liefertermin Adresse Forward to local Sony Warehouse Vision 44 Umwelt Wissenschaftler wollen blinde Passagiere im Ballastwasser von Schiffen bekämpfen Solution Bestellung&Lieferdatum_Okay_ Projektlogistik DB Schenker liefert für ein Kraftwerk in Kuwait schwere Bauteile aus aller Welt 38 Intermodal Kombinierter Verkehr über Tausende Kilo meter quer durch Europa News Aktuelle Informationen von DB Schenker 4 Wie funktioniert... Kontraktlogistik? 10 Interview Prof. Dr. Jens-Uwe Fischer zur Mobilität von morgen 24 People Mitarbeiter weltweit 28 Update Fakten, Trends und News 46 Nachgefragt Wie lang stehen stillgelegte Flugzeuge still? 50 Impressum 47 Sie suchen einen Ansprechpartner? Unsere Adressen finden Sie auf Seite 49 Wie funktioniert 2 Logistics... Kontraktlogistik, zum Beispiel für Sony in den USA? 10 Logistics 3 USA Die größte Marktwirtschaft der Welt bietet Logistikern vor allem bei der Kontraktlogistik enorme Chancen. Noch aber liegt die Wirtschaft am Boden 12

3 News Logistik in ihrer 4. Dimension für den Porsche Panamera Praxistest Schienenkompetenz für die Oberklasse DB Schenker Rail bringt per Bahn Porsche-Karosserien in Europas modernste Autofabrik nach Leipzig Absolute Maßarbeit: Um den Porsche Panamera der Öffentlichkeit vorstellen zu können, muss das edle Gefährt in den 94. Stock des Shanghai World Financial Center gelangen per Fahrstuhl. Vorsichtig wird das Fahrzeug auf einen Schlitten in den Lift geschoben und aufgerichtet Fotos: Porsche AG (4) Wer drückt den Knopf? Ein chinesischer Sicherheitsmann neben dem senkrechten Porsche Anfang April: Premiere auf der Auto Shanghai. Der neue Porsche Panamera wird im Shanghai World Financial Center der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Zuvor reiste das Gefährt mit dem Fahrstuhl in den 94. Stock des Gebäudes senkrecht! Seit Juni 2009 wird der Panamera, Porsches jüngste Baureihe, produziert. Die Endmontage des viertürigen Sportwagens erfolgt im Porsche-Werk in Leipzig. Bei der Zulieferung von Karosserien setzt die Porsche AG auf DB Schenker Rail, die Güterbahn der Deutschen Bahn AG. Vom Volkswagen-Standort Hannover aus werden die Karosserien mit der Bahn zur Endmontage ins Porsche-Werk Leipzig transportiert. Ab August soll die Produktion in Leipzig soweit angelaufen sein, dass wöchentlich drei Ganzzüge mit jeweils 24 Wagen fahren können. Wir sind seit 25 Jahren Partner von Porsche, seit 2002 versorgen wir das Leipziger Werk per Schiene mit Karosserien für den Cayenne, sagt Dr. Karl-Friedrich Rausch, im Vorstand der DB Mobility Logistics AG verantwortlich für das Ressort Transport und Logistik. Porsche sucht die enge Verbindung zur DB. In der Vergangenheit hat der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Porsche AG, Dr. Wendelin Wiedeking, sich immer wieder zur Bahn bekannt: Wir setzen auf die Schiene, weil uns die Straße am Herzen liegt. Das Besondere der Transporte für Leipzig besteht in der exakten Taktung der beiden Versorgungsströme für die Fahrzeugtypen Panamera und Cayenne. Zudem müssen die Wagen in spezieller Reihenfolge sowie seitengerecht gestellt werden, damit die Züge automatisch entladen werden können. Die korrekte Reihenfolge ist erforderlich, da Porsche die Produktion der individuell auf Kundenwunsch gefertigten Fahrzeuge genau getaktet hat. 4 Logistics Logistics 5

4 News Schienenaffine Logistics DB Schenker Logistics hat sich jetzt europaweit auf schienenaffine Logistik eingestellt: DB SCHENKERrailog steht für bahnspeditionelle Logistik und ist Teil des Landverkehrs von DB Schenker. Damit bündelt DB Schenker das Know-how der ehemaligen Töchter Railog und Fertrans. Wir unterstützen unsere Kunden jetzt noch besser, die Bahn in Planungen und Abläufe einzubinden, sagt Karl Nutzinger, als Mitglied des Vorstandes der Schenker AG für den Landverkehr verantwortlich. Die Verantwortung für den Service hat seit April 2009 Daniel Wieland übernommen. Railog bündelt die bahnaffine Logistikkompetenz von DB Schenker Logistics Preisverleihung: Dr. Karl-Friedrich Rausch, Vorstand für Transport und Logistik der DB Mobility Logistics AG (Mitte) Tor nach Asien: Istanbul ist dank der DB AG näher an Mitteleuropa gerückt Asien Europa in 37 Stunden In nur noch 37 statt bisher rund 60 Stunden ist im März ein Test- Containerzug von Europa nach Asien gefahren. Der Zug aus Ljubljana Richtung Istanbul ist ein gemeinsames Projekt der Staatsbahnen von Slowenien (SZ), Kroatien (HZ), Serbien (ZS), Bulgarien (BDZ) und der Türkei (TCDD). Mitarbeiter des DB-Konzerns haben die Bahnen als Berater und Moderator unterstützt. Die größten Zeitgewinne werden durch eine engere Kooperation der fünf Bahnen, straffere Zollprozesse und durch den Einsatz einer Doppeltraktion aus einer Mehrsystem- und einer Diesellok erzielt. Durch bauliche und betriebliche Verbesserungen soll die Fahrzeit auf der Kilometer langen Strecke bis 2014 auf 25 Stunden sinken. Dann wäre der Zug doppelt so schnell wie ein Lkw, der zwischen Slowenien und der Türkei bis zu 57 Stunden unterwegs ist. VW prämiert DB Schenker Ende Juni hat der Volkswagen-Konzern DB Schenker als Premium-Lieferant mit dem Group Award 2009 ausgezeichnet. Hintergrund war das herausragende Engagement von Schenker Automotive Railnet (SAR) beim Logistikkonzept zur Versorgung des neuen Volkswagen/Skoda- Werkes im russischen Kaluga. SAR, Teil der DB Schenker Automotive Rail, koordiniert Lieferverkehre mit verschiedenen Eisenbahnen und garantiert hohe Liefersicherheit in Kaluga. Fotos: DB AG (2), istockphoto, Guido Harari/laif, Abu Dhabi Classics Klassik-Szene am Persischen Golf Cecilia Bartoli ist unbestritten eine der führenden Künstlerinnen im Bereich der klassischen Musik. Die außerordentliche Anzahl von sechs Millionen verkauften CDs, die mehr als 100 Wochen in den internationalen Pop-Charts standen, zahlreiche Goldene Schallplatten, vier Grammys, sieben Echos und ein Bambi, zwei Classical Brit Awards, der Victoire de la Musique sowie viele andere renommierte Preise spiegeln den enormen Erfolg ihrer Alben wider. Und sie hat, nach eigenen Angaben, den gesicherten Status als Künstlerin mit den derzeit besten Verkaufsziffern erreicht. Einer ihrer Konzerthöhepunkte war kürzlich in Abu Dhabi: Dort gab die Mezzo-Sopranistin Ende vergangenen Jahres gemeinsam mit dem Kammerorchester Basel Werke von Rossini, Bellini und anderen Komponisten zum Besten. Mit The Romantic Revolution verzauberte Bartoli das Publikum. Eröffnung: Oscar-Preisträger Jeremy Irons lud zur musikalischen Weltreise Weltstar Cecilia Bartoli: Ende 2008 eroberte die Diva das Publikum in Abu Dhabi Hintergrund der Show ist die Konzertserie Abu Dhabi Classics. Das kleine, zahlungskräftige Emirat Abu Dhabi lädt Kulturgenießer seit 2008 zu einer Reihe hochkarätiger Konzerte, zum Beispiel der Bayreuther Festspiele, der Wiener Philharmoniker, des London Philharmonic Orchestras, mit den Dirigenten Christian Thielemann, Lorin Maazel und Zubin Mehta sowie Solisten wie Cecilia Bartoli oder dem Pianisten Lang Lang. Bis Mai rückten die weltbekannten Stars das Emirat ins Zentrum der internationalen klassischen Musikszene. Dass Künstler und ihre kostbaren Instrumente pünktlich und zuverlässig nach Abu Dhabi gelangen, lag in den Händen von DB Schenker. Logistics 7

5 News Temporausch: Die IndyCar-Rennen sind die Formel 1 der USA Logistik für IndyCars DB Schenker ist in den USA offizieller Sponsor der Indy Racing League (IRL) geworden. Die IRL koordiniert als Veranstalter der IndyCar Series- Rennen die Logistik über das DB Schenker Sports Events-Team und die DB Schenker-Geschäftsstelle in Freeport im Bundesstaat New York. DB Schenker steuert 2009 den Transport von vier Sicherheitsautos zu allen IndyCar Series-Rennen in den USA und in Kanada. Für die Sicherheitsautos, die in bestimmten Situa- DB Schenker in seinem Element Let Love Flow! unter diesem Motto tanzte Wien im Mai 2009 auf dem 17. Life Ball der Aidshilfe. Der Event, der in diesem Jahr dem Element Wasser gewidmet war, verlangte nicht nur von den Festgästen hohen Kostümaufwand. Auch die Dekoration des Wiener Rathauses stellte DB Schenker als Logistikpartner vor enorme Herausforderungen. Zu den aufwendigsten Requisiten der karitativen Veranstaltung gehörte ein Wasserbecken mit 25 Millionen Liter Fassungsvermögen. tionen das Tempo der Fahrer drosseln, hat DB Schenker sogar ein Transportfahrzeug besonders gestalten lassen. Die IndyCar Series gelten als US-Pendant zur Formel 1. Wir freuen uns, DB Schenker als Indy- Car Series-Partner willkommen zu heißen, sagt IRL-Vice President Greg Gruning. Logistik ist ein wesentlicher Teil des Geschäfts. Die globale Reichweite und Erfahrung von DB Schenker entsprechen unseren Bedürfnissen. Blumenpracht in Schwerin Mehr als 1,5 Millionen Besucher werden bis Mitte Oktober im ostdeutschen Schwerin erwartet. Grund: die Blumen- und Pflanzenpracht rund um das Schweriner Schloss. Für die diesjährige Bundesgartenschau (BUGA) ist DB Schenker offizieller Logistikpartner. Seit Herbst 2008 versorgen die Logistikexperten die fast Quadratmeter große Ausstellungsfläche, die mit insgesamt rund Bäumen, Rosen und Pflanzen bestückt ist. Zudem versorgt DB Schenker die 21 Hallenschauen über die gesamte Ausstellungszeit hinweg mit frischen Gewächsen. Just in time. Dazu haben wir ein speziell auf die BUGA abgestimmtes Logistikkonzept erstellt, erklärt Winfried Palmen- Dréan von DB Schenker in Güstrow. Duftende Pracht: DB Schenker liefert Blumen an für die BUGA in Schwerin Tue Gutes und sprich darüber: Gäste kamen zur Aidshilfe-Gala Fotos: LAT/dpa, Max Lautenschläger (2), Laurent Ziegler/Lifeball 2009, Britta Demmer/UNICEF, Claudia Kempf/DB AG Hilfe für Kambodschas Kinder Mit Euro unterstützt DB Schenker Kinder in Kambodscha. Einen Scheck in dieser Höhe überreichte der scheidende DB Schenker-Chef Dr. Norbert Bensel auf der diesjährigen Branchenmesse transport logistic in München an einen Repräsentanten der Ann-Kathrin-Linsenhoff-Stiftung für UNICEF. Mit der Spende unterstützt DB Schenker ausgewählte Projekte für Straßenkinder und Premiere ohne CO₂ Kunden von DB Schenker können Schienentransporte auf europäischen Relationen CO₂-frei buchen. DB Schenker garantiert, dass der Traktionsstrom aus regenerativen Energien, zum Beispiel Wasserkraft, stammt. Damit können wir den CO₂-Footprint unserer Kunden ganz erheblich verbessern, sagt Dr. Klaus Kremper, CEO von DB Schenker Rail. Das Angebot koste den Kunden je nach Relation rund zwei Prozent mehr als herkömmliche Transporte, so Kremper. Der Energieverbrauch des Transports wird auf der Basis des Umweltbilanzierungstools EcoTransIT berechnet. Waisenkinder in Kambodscha: Die UNICEF will ihnen eine Perspektive geben HIV-infizierte Jugendliche. Über 200 Straßenkinder haben allein im vergangenen Jahr über die UNICEF- Partnerorganisation Friends Mith Samlanh Hilfe erhalten. Bürgerkrieg und Aids haben die Gesellschaft in Kambodscha stark zerrüttet. Rund Kinder haben Mutter, Vater oder beide Eltern verloren; rund Kinder sind HIV-positiv. Wasserkraft: Die DB AG setzt auch im Güterverkehr auf nachhaltige Energie Rail im neuen Gewand Der Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn fährt ab sofort unter der Bezeichnung DB Schenker Rail und bündelt alle nationalen und europäischen Logistikaktivitäten auf der Schiene. Damit reagieren wir auf den Konsolidierungsdruck im Wettbewerb, sagte Dr. Klaus Kremper, CEO von DB Schenker Rail. Was wir hier entwickeln, hat Vorreiterfunktion in Europa. Mit unseren Mitarbeitern bauen wir unseren Spitzenplatz als führende Güterbahn in Europa weiter aus. In DB Schenker Rail gehen die Unternehmen der Railion-Gruppe sowie die Güterbahn English, Welsh & Scottish Railway Holding Ltd. heute DB Schenker Rail (UK) Ltd., die spanische Transfesa, die Beteiligung an der italienischen Nordcargo sowie die polnische PCC Logistics auf. DB Schenker Rail verfügt mit Güterwagen und Lokomotiven über den europaweit größten Fuhrpark und ist in die Geschäftseinheiten West, Central und East sowie die regionenübergreifenden Einheiten Automotive und Intermodal untergliedert. Klaus Kremper: CEO DB Schenker Rail 8 Logistics

6 Wie funktioniert... Kontraktlogistik? Effiziente Bündelung von mehreren logistischen Funktionen: DB Schenker bietet für individuelle Kundenwünsche Leistungen aus einer Hand zum Beispiel für Sony in den USA Los Angeles San Diego (Zentrale) El Paso Laredo Chicago Pittsburgh (Recycling Altgeräte) Netzwerk für Sony: Für den Kunden nutzt DB Schenker sein gesamtes US-Netzwerk. DB Schenker-Terminals befinden sich in Los Angeles, El Paso, Laredo und Chicago. Mehr als Sony-Sendungen werden so pro Jahr verschickt Bestellung&gewünschtes_Lieferdatum_ Online-Bestellung Kunden bestellen ein neues Fernsehgerät unter sonystyle.com. Anschließend legen sie fest, wann das neue Gerät geliefert werden soll. Bestelleingang Bestelleingang Forward 1 TV 1 TV to local Sony Name Name Warehouse Liefertermin Liefertermin Adresse Adresse Forward to local Sony Warehouse Bestellung&Lieferdatum_Okay_ Bestätigung Am Sony-Hauptsitz in San Diego an der US-Westküste werden der Auftrag und das Auslieferungsdatum bestätigt Auslieferung DB Schenker liefert das TV-Gerät aus, stellt es auf und holt das alte Gerät ab Entsorgung Den alten Fernseher bringt DB Schenker zum eigenen Terminal zurück und verschickt ihn von dort zum Recycling ins Sony-Entsorgungszentrum in Pittsburgh Abholung Vom DB Schenker-Terminal fahren Lkw los, um die Waren im Sony-Warehouse abzuholen. Sie kehren anschließend mit Fernsehgeräten und anderen Bestellungen zum Terminal zurück Logistics Logistics LOGISTICS 26 LOGISTICS 5. Transport Nachdem die Waren im DB Schenker-Terminal je nach Zielort zusammengestellt wurden, verlassen sie nun auf Lastwagen das Terminal. Eilige Sendungen gelangen über das Luftfrachtnetzwerk und anschließend mit dem Laster rasch zum Kunden. 4. Planung Im DB Schenker-Terminal werden die Lieferpapiere elektronisch erfasst. Die Mitarbeiter im Global Services Center (GSC) planen nun die Auslieferroute entsprechend dem vom Kunden gewünschten Lieferzeitpunkt. Gleichzeitig können die Mitarbeiter im GSC alle Sendungen bis zur Auslieferung verfolgen. Grafik: KircherBurkhardt Infografik

7 Power Vorbereitung auf die zukunft Sinkende Frachtvolumina und Überkapazitäten beim Transportraum prägen den weltweit größten Logistikmarkt. Die US-Regierung pumpt Milliarden summen in die Wirtschaft, um die Infrastruktur zu erneuern. Nicht alle Logistiker sind gleich betroffen von der Krise. Experten sagen dem Markt für Kontraktlogistik ein starkes Wachstum im nächsten Jahr voraus. Der Trend zum Outsourcing hält weiter an Ruhige Gewässer: Ein Binnenschiff auf dem East River passiert New York [ Text ] Humphrey Leigh Foto: Alan Schein/corbis 12 Logistics

8 Power Trucks sind die Lastesel der Nation Transporte in den USA finden überwiegend auf der Straße statt und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Im Gegenteil Power Veränderter Markt Das US-Frachtvolumen steigt bis 2020 voraussichtlich auf fast 19 Milliarden Tonnen. Nach ATA-Prognosen wird das Volumen auf der Schiene um ein Fünftel wachsen. Dabei verlieren die Eisenbahnen Anteile am Gesamtmarkt Prozent 2008 (insgesamt 14,7 Milliarden Tonnen) Prognose 2020 (insgesamt 18,7 Milliarden Tonnen) Abfall Anstieg Zehn Container-Blocks entsprechen einem Prozent 13,8 / 13,3 9,9 / 8,5 6,3 / 5,7 0,1 / 0,1 Quelle: ATA/US Freight Transportation Forecast to 2020 Kreditklemme und sinkende Konsumausgaben das sind die beiden Elemente, die der US-Wirtschaft und dem Logistiksektor den Boden unter den Füßen weggezogen haben. Der Freight-Transportation-Services-Index, mit dem die US-Regierung das Frachtaufkommen misst, erreichte im April 2009 den niedrigsten Stand seit sieben Jahren: Laster, Bahnen, Flugzeuge, Binnenschiffe und Pipelines transportierten ein Fünftel weniger Volumen als vor einem Jahr. Doch das Gesamtbild der Branche ist ein wenig komplizierter. Kontraktlogistikdienstleister zum Beispiel, in den USA 3PL genannt (für Third Party Logistics), machen weitaus bessere Gewinne als die reinen Straßenspediteure. Weil viele Verlader Innovationsprogramme auflegen, um ihre Logistikkosten zu senken, sichern sie gleichzeitig Potenzial für künftiges Wachstum. Weil die Lastwagenflotten aufgrund hoher Überkapazitäten reduziert wurden, sind Experten nun besorgt, ob in näherer Zukunft genügend Frachtraum zur Verfügung steht, wenn die Wirtschaft wieder anspringt. 68,8 / 70,9 Stärkerer Anteil Während der Gesamtmarkt wächst, gewinnen Trucker immer mehr Marktanteile. Alle anderen Verkehr sträger verlieren Anteile, obwohl auch sie 2020 mehr transportieren als heute Die Aussichten für Kontraktlogistiker sind gut. Der Druck, den Gürtel enger zu schnallen, zwingt die Unternehmen, Kosten bei internen Prozessen und der Verteilung zu senken und gleichzeitig ihr Eigenkapital zu stärken. Daher werden viele Unternehmen vermutlich stärker als zuvor gezwungen sein, Aufträge an Dritte zu vergeben, die das Transport-, Warehousing- und Verteilungshandwerk beherrschen und sich gleichzeitig bestens mit der Vielfalt behördlicher Auflagen auskennen. Dr. Thomas C. Lieb, Vorsitzender des Board of Management der Schenker AG, sieht hier Chancen: Die USA befinden sich in der Krise. Daher ist unsere Präsenz in Nordamerika wichtig. Denn unser Ziel ist es, mit voll integrierten Logistikdienstleistungen die beiden größten Märkte miteinander zu verbinden: die USA und Europa. Selbst 2008, als die Rezession weltweit Fuß fasste, stieg der Nettoumsatz der US-Kontraktlogistiker um acht auf 127 Milliarden Dollar, so die Unternehmensberater von Armstrong & Associates. Zwar werde der Umsatz in diesem Jahr Grafik: KircherBurkhardt Infografik um neun Milliarden Dollar sinken und erst 2010 wieder auf das Niveau von 2008 klettern (siehe Grafik oben). Doch insgesamt legten die 3PL-Umsätze auf dem gesamten US-Markt um mehr als 15 Prozent zu. Dieser Trend gilt auch international. Nach einer Studie der Unternehmensberater Frost & Sullivan von März 2008 wächst die weltweite Nachfrage nach 3PL-Dienstleistungen um zehn bis 15 Prozent. Auf 648,6 Milliarden US-Dollar Umsatz wird sich dieser Markt im Jahr 2014 belaufen. Zwei Faktoren sind für die steigende Nachfrage verantwortlich: die zunehmende Komplexität der internationalen Lieferketten und der Wunsch von Unternehmen, sich auf ihre Kernkompetenzen zu besinnen und andere Bereiche auszulagern beziehungsweise an Dritte zu vergeben. Der weltweite Logistikmarkt befindet sich in einer überaus produktiven Phase seiner Entwicklung, sagt Archana Rajagopalan von Frost & Sullivan. Dr. Thomas C. Lieb sagt: In den kommenden Jahren werden wir erleben, wie die Globalisierung im Welthandel voranschreitet. Zwar wird sich die Globalisierung nach regionalen Ausrichtungen verändern, aber sie wird nicht stehen bleiben. Die Amerikanische Gesellschaft der Bauingenieure vergibt regelmäßig Schulnoten zur US-Infrastruktur. Das soll den Verkehrspolitikern helfen, bei der Erneuerung der Infrastruktur Prioritäten zu setzen. Doch die Aufgaben sind immens. Derzeit steht die US-Wirtschaft mit ihren niedrigen Frachtvolumina und schwierigen Kreditbedingungen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Finanzielle Sorgen überwiegen alle anderen, erklärte Timothy P. Manning, Vice President of Transportation beim US-Logistikgiganten C. H. Robinson Worldwide, im Frühjahr auf einer Handelsmesse. Alle bemühen sich um Produktivität, Effizienz und Cashflow. Doch gleichzeitig schauen alle auf die Konsumenten. Deren Ausgaben machen mehr als zwei Drittel der Wirtschaft aus und geben den Anstoß zu weltweiten Lieferketten: Wenn Produkte nicht nachgefragt werden, werden sie nicht hergestellt und auch nicht transportiert. Die Amerikaner jedoch, schuldenbeladen, von kollabierenden Immobilienpreisen und Aktienmärkten geschüttelt und zudem von Job-Unsicherheiten bedroht, haben ihre Konsumausgaben auf unbestimmte Zeit gedrosselt: 110 Milliarden US-Dollar weniger geben die Bürger voraussichtlich in den kommenden zehn Jahren aus, haben die Unternehmensberater von MergeGlobal festgestellt. Das wiederum senkt das US-Bruttoinlandsprodukt von ursprünglich anvisierten 3,1 Prozent Wachstum auf 2,3 Prozent. Straßen: Note 4 Ein Drittel aller Straßen sind in schlechtem Zustand oder marode. Jedes Jahr verbringen die Amerikaner durchschnittlich 4,2 Milliarden Stunden im Stau. > 14 Logistics Logistics 15

9 Power { Ray LaHood, US-Verkehrsminister }»Im Gütertransport entwickeln wir neue nationale Güterverkehrskorridore, um Laster, Schiffe und Eisenbahnen besser zu nutzen.«unbemerkt davon haben die Kontraktlogistiker kräftig zulegen können. Sie haben Aufgaben wie Bestellmanagement, Warehousing, Kundenvermittlung und Compliance übernommen. Doch der Mehrwert, den sie Unternehmen versprechen, basierte vor allem auf einem, auf regelmäßigen und wachsenden Transporten jedoch traten die USA in die gegenwärtige Rezession ein und damit sank die Zahl der zu transportierenden Güter. Es ist ganz klar: Das Wachstum in Lieferketten wird lange beschränkt bleiben, weil es einfach nicht genug Fracht gibt, sagt Rosalyn Wilson von der gleichnamigen Unternehmensberatung in Arlington im US-Bundesstaat Virgina. Sie legt mit der Handelsgruppe Council of Supply Chain Management Professionals (CSCMP) alljährlich einen Bericht über den Stand der Logistikbranche vor. Anfang dieses Jahres erkannte Wilson ein weiteres Problem: Viele Verlader entscheiden heute unter starkem Überlebensdruck. Das bedeutet dauernde Verschiebungen von Frachtvolumina und -aufträgen innerhalb der Branche, vor allem auf der Straße. Doch zumindest die Kontraktlogistiker hatten Glück, so Wilson. Denn sie wurden von der Krise in der amerikanischen Bau- und Autoindustrie nicht so betroffen. Dennoch führt das nicht automatisch zu einer Kehrtwende der Transportbranche, so Wilson: Solange die Trucker nicht auf die Beine kommen, misslingt das der gesamten Logistikbranche. Der Einschlag der Rezession wird hier auch dann noch Wellen schlagen, wenn der Abschwung längst aus dem Bewusstsein der Bürger verschwunden ist. So sind zum Beispiel die ehemals umfangreichen Frachtraum-Kapazitäten auf der Straße durch Insolvenzen und kollabierende Auslieferungen neuer Trailer und Wechselbrücken drastisch reduziert worden. Die heutigen Frachtraten allerdings bleiben niedrig, weil die Nachfrage immer noch stärker fällt als die Kapazitäten. Dennoch werden die Frachtraten auf der Straße, so prognostizieren es Experten, dann raketenartig ansteigen, wenn sich die Nachfrage eines Tages stabilisiert hat frühestens Mitte kommenden Jahres. Amerikas Brücken sind im Durchschnitt 43 Jahre alt und zum Teil nur auf 50 Jahre Nutzung ausgelegt. Ein Viertel aller Brücken ist marode. Die Zahl einstürzender Brücken steigt. Manche Staaten wollen nun mehr Geld in die Brückensanierung stecken. Die beiden Westküstenhäfen Los Angeles und Long Beach, die noch vor zwei Jahren durch lawinenartige Asienimporte mit enormen Verspätungen zu kämpfen hatten, haben ihre Aktivitäten verringert, seitdem der Bedarf an chinesischen Gütern gesunken ist. Das wirkt noch Meilen östlich nach, wo die Häfen Boston und New York weniger Güter aus dem Westen aufsaugen müssen. Hohe Kosten und fehlende Kredite bringen US-Importeure und ihre Logistiker dazu, über ihre Strategien nachzudenken. Zum Beispiel das Sourcing von Arbeitskräften und Material in Asien. Schon 2008 trieb der Ölpreis die Kosten internationaler Transporte in die Höhe und stellte dieses Verfahren infrage. Auch heute fragen sich viele, ob sich der Aufwand noch lohnt, wenn Seefracht drei bis vier Wochen bis in die US-Häfen benötigt und so die Inventarkosten in die Höhe treibt. Reine Luftfracht wird sowieso nur bei sehr hochwertigen Gütern in Betracht gezogen. Niedrige Kosten und hohe Produktivität lassen viele Hersteller in China bleiben. Doch Unternehmen planen immer öfter, die Produktion näher zum Endkunden zu bringen. So überlegt zum Beispiel ein Möbelhersteller aus dem US-Bundesstaat Indiana der ungenannt bleiben möchte, seine Werke aus China in die USA zu verlagern, um Transitzeiten sowie Transport- und Lagerkosten zu verringern. Der schwedische Möbelhersteller Ikea lässt in einer neuen Fabrik in Martinsville in Virginia fertigen, statt aus Übersee in die USA zu transportieren. Aussagekräftig sind die Möbelhersteller deswegen, weil ihre schweren, großräumigen Waren beachtliche Transportkosten nach sich ziehen. Unabhängig davon, wie die Rezession die Logistik der weltweiten Produktion umgestaltet, betrachtet Dr. Lieb von DB Schenker die US-Unternehmen als immens wichtig, weil sie starke Marken vertreten, die rund um die Welt erkannt werden. Globale Player benötigen eine starke Präsenz in den USA, so Dr. Lieb. Das galt vor der Krise und wird auch dann gültig sein, wenn sie vorbei ist. Doch auch an anderen Themen für die Industrie mangelt es nicht, angefangen bei volatilen Ölpreisen und stetig Brücken: Note 4 Jährlich sind geschätzte 17 Milliarden US-Dollar nötig, um die Brücken zu sanieren. Aktuell stehen dafür aber nur 10 Milliarden US-Dollar bereit. Foto: Peter Endig/dpa Grafik: KircherBurkhardt Infografik > Knotenpunkte im Welthandel Neuausrichtung für Amerikas Hafenstädte Der Güterverkehr zwischen den US-Häfen ist, nach TEU-Containern (20-Fuß-Einheiten) gemessen, im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent gesunken, so der Bericht des Council of Supply Chain Management Professionals. Zuwachs im Umschlag verzeichneten New York, Savannah und Norfolk an der Ostküste. Die Westküstenhäfen erlitten Einbußen. Möglich ist, dass sie diese Verluste nicht mehr kompensieren, denn andere Häfen haben ihre Anlagen verbessert und sind damit attraktiver geworden In Mio. t DIE 8 WICHTIGSTEN HÄFEN In Mio. t In Mio. t NEW ORLEANS, LA 262,4 1 2 In Mio. t In Mio. t NEW ORLEANS, LA HOUSTON/GALVESTON, TX 3 LOS ANGELES, CA 4 NEW YORK CITY, NY 5 PHILADELPHIA, PA 6 PORT ARTHUR, TX 7 MOBILE, AL 8 SEATTLE, WA In Mio. t PHILADELPHIA, PA 6 PORT ARTHUR, TEXAS 7 MOBILE, ALABAMA 8 76, In Mio. t HOUSTON/GALVESTON, TX 3 LOS ANGELES, CA 4 253,4 62, Wichtigster US-Zollhafen für Seefracht ist New Orleans in Louisiana 127,8 54, In Mio. t In Mio. t NEW YORK CITY, NY SEATTLE, WASHINGTON Power Das US-Konjunkturpaket sieht 4,6 Milliarden US-Dollar allein für Wasserwege vor. Darin sind Mittel für Häfen, Brücken, Staubrücken und Projekte im Landschaftsschutz enthalten. Im Güterumschlag nach Tonnen liegt New Orleans bei Einfuhren vorn, hat das Verkehrsministerium festgestellt. Gemessen am Warenwert führt jedoch Los Angeles mit 337 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007 die Reihe der Häfen an. 87,2 47, Quelle: US Bureau of Transportation/Plunkett Research Ltd. 16 Logistics Logistics 17

10 Power Power wachsenden Kosten für die Sicherheit, über eine veraltete Infrastruktur bis zu hohen Umweltschutzauflagen. Fraglich ist zudem, ob der 787-Dollar-Milliarden-Konjunkturplan von Präsident Barack Obama, der das veraltete Transportsystem wieder aufbauen soll, wirkt. In den kommenden fünf Jahren will die US-Regierung 500 Milliarden US-Dollar in die Infrastruktur stecken. Das Geld stammt zum einen aus Obamas Konjunkturpaket, zum anderen aus einem Transportwege-Fonds, den der Kongress frühestens im September verabschieden könnte. Dabei sind die investierten Summen höher als der Betrag, der nötig war, um einst das komplette US-Autobahnnetz zu bauen. Kein Zweifel besteht daran, dass dieses Geld notwendig ist; das US-Verkehrsministerium prognostiziert, dass der Gütertransport sich bis zum Jahr 2035 verdoppelt. 48 Milliarden US-Dollar soll das Verkehrsministerium in Straßen, Brücken, Transitsysteme, Häfen und andere Infrastrukturanlagen stecken, so Verkehrsminister Ray LaHood. Auf dem internationalen Verkehrsforum in Leipzig sagte er vor Kurzem: Im Gütertransport entwickeln wir derzeit neue nationale Güterverkehrskorridore, die uns helfen, Laster, Binnenschiffe und Eisenbahnen besser zu nutzen. Die intermodalen Verbindungen, die er in Europa gesehen habe, könnten als ausgezeichnetes Modell für die USA dienen, unterstrich LaHood. Und schließlich gibt es grundsätzliche Überlegungen. So zwingt zum einen die Verringerung an Lkw-Kapazitäten die Logistikdienstleister, langfristig höhere Frachtraten zahlen zu müssen, während sie zugleich höhere Kosten für Sicherheit und Zollabwicklung tragen. Zum anderen werden auch die Kosten steigen, die mit dem allgemeinen Geschäft verbunden sind, zum Beispiel im Gesundheitswesen. Außerdem gibt es langfristige Überlegungen zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit, die die Eisenbahnen gegen die Trucker ausspielen könnten. Gesetze, die Eisenbahnen im Kongress unterstützten, bieten Unternehmen Steuererleichterungen, die mehr Fracht auf die Schiene bringen. Wenn zehn Prozent aller Langstreckenverkehre dauerhaft von der Straße auf die Schiene verlegt würden, entspräche das bei den CO₂-Emissionen dem Verzicht auf zwei Millionen Autos oder 280 Millionen neu gepflanzten Bäumen, so die Eisenbahnen. Die Straßenspediteure hingegen, die mit der Schiene konkurrieren, gleichzeitig aber bei intermodalen Transporten auf sie angewiesen sind, verhalten sich abwartend, so Clayton Boyce vom amerikanischen Truckerverband ATA, der die großen Trucker-Unternehmen repräsentiert. Grundsätzlich gilt, dass der größte Anteil am CO₂- Fußabdruck von Unternehmen nicht in der Supply Chain entsteht, sondern wenn Rohstoffe aus dem Boden gefördert und zu ersten Rohmaterialien verarbeitet werden. Dennoch ist es vor allem in der Supply Chain am einfachsten, CO₂- Emissionen zu identifizieren und zu reduzieren. >»Stabil auf niedrigem Niveau«Heiner Murmann ist seit Januar 2008 CEO von Schenker Americas Schenker Americas-CEO sieht noch keinen wirtschaftlichen Aufschwung [ Interview ] Kevin Cote [ Foto ] Judy Alexander Herr Murmann, was ist die größte Herausforderung für DB Schenker in den USA? Das ist ohne Frage der Wirtschaftsabschwung und die sinkenden Frachtvolumen, die wir derzeit erleben. Es ist eine gewaltige Herausforderung, unser Netzwerk dennoch aufrechtzuerhalten. Wir müssen die adäquate Antwort finden. Wir dürfen nicht überreagieren das wäre problematisch, wenn die Wirtschaft wieder an Fahrt gewinnt oder zu wenig reagieren und uns so in eine finanziell schwierige Lage manövrieren. Das exakt auszujustieren, ist bei weitem die größte Herausforderung. Wie lange werden die Volumina noch sinken? Ich kann schon jetzt Anzeichen dafür erkennen, dass sich der Markt stabilisiert. Aber diese Stabilisierung findet auf einer sehr viel niedrigeren Ebene statt als in der Vergangenheit. Unsere Premium-Luftfracht-Produkte sind außergewöhnlich stark betroffen. Die Frage ist, ob das nur eine Überreaktion des Marktes ist oder schon ein neuer Trend. Experten sagen voraus, dass die Logistikbranche schon im kommenden Jahr in einigen Bereichen wieder wächst. Wo ist DB Schenker am besten aufgestellt, um dann profitieren zu können? Wir sind in allen unseren Bereichen gut aufgestellt. Unsere Kontraktlogistik-Angebote bieten den Kunden sehr viel Mehrwert. Wir können unseren Kunden helfen, im Abschwung Kosten zu reduzieren und dann Wachstum zu generieren, wenn die Märkte wieder stärker werden. Bei internationalen Transporten halten wir weiterhin gute Marktanteile in der Luft- und Seefracht. Da können wir in dem Moment wachsen, wenn der Markt wieder loslegt. Unsere heimischen Landtransporte in den USA, die wir 2006 durch den Erwerb von BAX Global ausgebaut haben, stärken unsere Position dann, wenn die Verbraucher wieder mehr kaufen. Deshalb machen uns unsere internationalen Kapazitäten mit unserem ausgedehnten nordamerikanischen Vertriebsnetzwerk zu einem attraktiven Partner für all die Unternehmen, die auf den mächtigen US-Markt drängen. DB Schenker ist ein Unternehmen mit Sitz in Europa und weltweiter Geltung. Doch was unterscheidet DB Schenker in den USA von seinen Wettbewerbern? Wir unterscheiden uns von anderen europagestützten Wettbewerbern dadurch, dass wir über ein integriertes Netzwerk verfügen, das weltweiten Zugang mit lokaler Präsenz verknüpft. Wir bewegen nicht nur Güter von Asien, Europa oder anderen Märkten in die USA. Sondern wir steuern auch die Verteilung im Landverkehr und die Auslieferung bis zum Endkunden. Mit unserem heimischen Netzwerk können wir die letzte Meile integriert bedienen. Das ist einmalig. VITA Zwischen den Welten Heiner Murmann ist in Essen geboren. Mit 15 Jahren zog er nach Kanada um, absolvierte die dortige Highschool und erwarb einen BA-Abschluss in Vancouver startete er eine internationale Trainee-Ausbildung bei der Stinnes AG in Mülheim und New York zog er nach Montreal und war dort in verschiedenen Positionen für DB Schenker in Kanada tätig, ab 1999 als CEO. Murmann ist seit 2003 CEO von DB Schenker in den USA und seit 2008 CEO von Schenker Americas. Was unterscheidet denn die Logistikbranche in den USA von der in anderen Staaten? Obwohl die aktuelle Situation sehr anspruchsvoll ist, haben die USA im Laufe der Zeit immer wieder bewiesen, dass sie das Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind. Die Geografie ist gigantisch, die wirtschaftliche Dichte hoch und selbst im Abschwung ist hier der weltweit größte Markt. Unsere Stärken ergänzen diesen Markt. Wir verfügen über ein integriertes, ganzheitlich ausgerichtetes Netzwerk, das alle Bereiche der US-Industrie bedient. Wir sind in allen Großstädten präsent. Und wir haben innovative, serviceorientierte Mitarbeiter für qualitativ hochwertige Services. Bei der DB Schenker-Mutter, der Deutschen Bahn AG, ist Dr. Rüdiger Grube auf Hartmut Mehdorn als Vorstandsvorsitzender gefolgt. Wie ist die Reaktion in den USA? Das betrifft unsere Kunden nicht wirklich. Aber im Unternehmen sind wir dankbar über die Unterstützung, die wir von Hartmut Mehdorn und von Dr. Bensel, dem ehemaligen DB Schenker-Chef, erfahren haben. Beide haben uns mehrmals besucht und vor allem in schwierigen Zeiten geholfen. Nun freuen wir uns darauf, Dr. Grube und Dr. Rausch zu treffen und mit ihnen über Chancen und Risiken zu sprechen. Der Erwerb von BAX Global war ein Meilenstein in der Internationalisierung der DB. Hat die Integration funktioniert? Und was sagen die größten Kunden? Wir haben Anfang Juni die letzte Phase der Integration abgeschlossen. Es ist sehr komplex, zwei Unternehmen in den USA zusammenzuführen. Wir mussten zwei sich ergänzende Unternehmen integrieren, die auf unterschiedlichen Geschäftsmodellen aufbauen. Das hatte neben den Veränderungen in täglichen Operationen auch Auswirkungen auf das Gesamtsystem. Der Erfolg allerdings zeigte, dass es sich wirklich gelohnt hat. Wir können nun unseren Kunden integrierte Lösungen anbieten, die zuvor nicht möglich waren. Bestes Beispiel und zugleich unsere größte Erfolgsstory ist Cisco Systems. Cisco ist ein Unternehmen, das in der Kommunikations- und Netzwerktechnik führend ist. Die Produkte sind sehr teuer, nehmen viel Platz in Anspruch und sind sehr empfindlich. Das heißt, sie verlangen nach einer einzigartigen Mischung aus sorgfältiger, sicherer Abwicklung und wirtschaftlicher Auslieferung. Wir haben dafür eine Lösung erarbeitet, die internationale Transporte mit bestandsgeführten Hubs in den USA und Asien bald auch in Europa und einem zentral gesteuerten Kontrollsystem mit absoluter Transparenz verbindet. Produkte können nun zentral in die ganze Welt versandt werden. Weder BAX Global noch DB Schenker hätten eine solche Lösung allein anbieten oder dieses Geschäft gewinnen können. Nur gemeinsam haben wir diese und andere innovative und attraktive Lösungen für ausgesprochen anspruchsvolle Kunden entwerfen und umsetzen können. Cisco ist heute einer der drei wichtigsten Partner von DB Schenker. 18 Logistics Logistics 19

11 Power { Dr. Thomas C. Lieb, Vorsitzender des Board of Management der Schenker AG }»Green Logistics ist für uns sowohl eine Lösung als auch eine Kundenanforderung. Wir hoffen auf Zuwachs in den nächsten Jahren.«Der chinesische Logistikgigant Cosco hat IBM damit beauftragt herauszufinden, wie Emissionen in der heimischen chinesischen Lieferkette reduziert werden könnten. IBM kam zu dem Ergebnis, dass allein die Verringerung der Vertriebszentren von derzeit 100 auf 40 die Logistikkosten um 23 Prozent und die CO₂-Emissionen um 15 Prozent senkt. Cosco könnte rund Tonnen CO₂ einsparen. Präsident Barack Obama finanziert mit dem Konjunkturpaket die Entwicklung von Hochgeschwindigkeitszügen. Mehr Passagiere werden allerdings auch mehr Staus bewirken, denn Güterund Personenverkehr nutzen das gleiche Netz. Nachhaltigkeit wird ein immer wichtigeres Kriterium für Logistikkunden, hat auch DB Schenker festgestellt. Das Unternehmen arbeitet gegenwärtig mit Kunden bei einer Reihe von Initiativen zusammen, um Emissionen im Straßenverkehr zu senken, CO₂-Ausstoß durch intermodale Transporte zu verringern und Kunden bei nachhaltigen Transportketten beratend zu unterstützen. Grüne Logistik ist sowohl eine Lösung als auch eine Erfordernis von Kunden, sagte Dr. Thomas Lieb von DB Schenker. Über die letzten Jahre hat die Sensibilität unserer Kunden für Nachhaltigkeit kontinuierlich zugenommen. Wir gehen davon aus, dass die Bedeutung von Green Logistics in Zukunft eher noch stärker wächst. Logistikdienstleister müssen sich dem anpassen und ihre Netzwerke entsprechend ausbauen, in entsprechendes Personal investieren und in der Lage sein, schon in früherem Stadium entsprechende Lösungen anzubieten. Die Anforderungen der Verlader jedoch bleiben unverändert. Der Einzelhandelsgigant WalMart zum Beispiel verlangt weiterhin von den Herstellern, dass die Ware binnen zwei Tagen im Regal liegt. Und der Konsumgüterhersteller Kimberly-Clark legt letzte Hand an eine vier Jahre andauernde Umstrukturierung des nordamerikanischen Vertriebsnetzwerks, um aus 70 öffentlichen Warehouses von mehreren Verladern betrieben nur noch neun Mega-Vertriebszentren zu machen. In das Projekt sind eine Vielzahl von Spediteuren und Kontraktlogistikdienstleistern involviert. Erfolgreiche Logistikdienstleister aber müssen vor allem auf ihre Fähigkeiten setzen, zu investieren und Kosten zu senken, indem sie Kompetenzen des Kunden übernehmen und seine Supply Chain verbessern, sagt Charles Clowdis, Managing Director North America bei der Unternehmensberatung IHS Global Insight. Das unterliege keinem Wirtschaftszyklus. Ideal wäre, dass die Kontraktlogistikdienstleister den Kapazitätsabbau steuern. Allerdings müssten die Dienstleister auch halten können, was sie versprechen. 3PL-Dienstleister werden immer stärker zeigen müssen, wie sie das Geld ihrer Kunden sparen und wie viel, so Clowdis. Bis 2007 hat sich der US-Argarkonzern John Deere & Co. bei Anlieferungen auf ein eigenes nordamerikanisches Netzwerk verlassen. In diesem Jahr hat John Deere C. H. Robinson beauftragt, die Logistik umzugestalten. Robinson hat daraufhin ein Logistik-Management-Zentrum ins Leben gerufen. Von hier aus analysiert Robinson nun Lieferketten, Nachfrage und Transportdetails von John Deere und entwickelt Maßnahmen, um die Logistik vom Materialeinkauf über die Auswahl der Spediteure bis zur Einzelleistung zu verbessern. Damit hat Robinson Deere viel Geld erspart und die Qualität und Verfügbarkeit der Dienstleistungen verbessert, geben auch externe Experten zu. Noch vor wenigen Jahren nutzten Verlader Kontraktlogistikdienstleister vor allem, um niedrige Frachtraten zu erzielen. Heute übernehmen ausgefeilte Online-Tools diese Aufgabe ebenso effizient. Im Laufe der Zeit haben die Verlader daher Kontraktlogistikdienstleister mit den Aufgaben betraut, die sie zuvor inhouse erbrachten. So zeigt das John-Deere-Robinson-Beispiel, dass ein Kontraktlogistikdienstleister in jedem wirtschaftlichen Umfeld für seinen Auftraggeber Werte erwirtschaften kann. Es zeigt zudem, warum sich dieser Bereich der Branche in der Vergangenheit so gut entwickelt hat und warum er wenn auch verlangsamt weiter wächst. Doch nicht alle Unternehmen werden wieder auf die Beine kommen. Experten sagen Dienstleistern, die aufs Transportmanagement spezialisiert sind, ausgezeichnete Ergebnisse voraus, weil Firmen alle oder zumindest große Teile ihrer Transportfunktionen vergeben was mehr als die Hälfte der Gesamtlogistikkosten der Unternehmen ausmacht. Das mag ein Grund dafür sein, weshalb einige Kontraktlogistikdienstleister weiterhin Wachstum vorweisen Schiene: Note 3 Der Bedarf an Schienengüterverkehr könnte sich bis 2035 auf 37,2 Mrd. t verdoppeln, dafür müssten die USA 148 Mrd. US-Dollar investieren. > Foto: Michael Neuhaus/DB AG Grafik: KircherBurkhardt Infografik Kosten im vergleich StraSSentransporte machen rund die Hälfte der Logistikkosten in den USA aus. In Europa sind es nur 36 %, sagen die Marktforscher von Armstrong & Associates Weltweit andere SÜDAMERIKA gesamt Argentinien Venezuela Brasilien ASIA/PAZIFIK ges. Asien andere Japan Indien China EUROPA gesamt Europa andere Großbritannien Spanien Italien Deutschland Frankreich NORDAMERIKA gesamt Mexiko Kanada USA Transport Inventarisierung Warehousing 40,4 % Verwaltung IM MODAL-SPLIT LIEGT DIE SCHIENE IN DEN USA VORNE 50 % 59,6 % 50 % Luft Wasser Schiene % % % % Power Kosten nach Verkehrsträger, in % In Prozent der Transportleistung (tkm) Straße See (Binnenschifffahrt/EU-27) Schiene Pipeline Binnenwasserwege USA EU-27 JAPAN CHINA 3,1 5,2 4 1,9 7,8 3,3 43,2 10,7 45, , ,4 30,2 37,3 24,7 Quelle: EU, 2009 Straße Quelle: Armstrong & Associates 20 Logistics Logistics 21

12 China Power Power die import- Export-story Handelsbilanz: Die USA kaufen mehr Güter und Dienstleistungen im Ausland ein, als sie verkaufen einer der Gründe für den hohen Kreditbedarf Kanada Mexiko Japan Deutschland Import Export in Milliarden US-Dollar 102,3 125,2 152,4 196,7 243,5 287,8 321,4 Auf Binnenwasserstraßen wird viel Fracht bewegt... ein Schiff nimmt so viel Last wie 870 Lastwagen auf. Die USA verfügen über Meilen Wasserstraßen und Kanäle. Die meisten Schleusen hingegen sind 60 Jahre alt. 337,8 China 169,9 163,4 160,9 189,9 China und Kanada sind wichtigste Handelspartner Mehr als 16 Prozent aller US-Importe stammen aus China nach Wert gerechnet. Rund ein Fünftel der US-Exporte geht nach Kanada 211,9 230,7 248,9 260,0 Wasser: Note Schleusen gibt es in den USA, 30 von ihnen wurden im 19. Jahrhundert errichtet. Ihre Erneuerung kostet rund 125 Milliarden US-Dollar. Kanada Mexiko China Japan Deutschland Quelle: Plunkett Research Ltd. Grafik: KircherBurkhardt Infografik können, während ihre Transportaktivitäten zahlenmäßig gesunken sind, sagt Evan Armstrong, Präsident der Unternehmensberatung Armstrong & Associates. Anders sieht es allerdings bei Logistikern aus, die ihre Services ausschließlich um Warehousing und Vertriebszentren aufgebaut haben. Weil die Transportnachfrage gering bleibt und die Kreditkrise die Kapitalkosten treibt was Transporte und Lagerhaltung verteuert, sehen die US-Importeure weniger Bedarf für zusätzliche große Warehouses und Vertriebszentren. Auslaufende Verträge für solche Anlagen werden daher vermutlich eher die Lagerflächen verringern, sagen Experten voraus. Auch Neuverträge werden vermutlich eher geringere Lagerflächen betreffen als noch vor zwei oder drei Jahren. Doch weil die Importeure so kostenbewusst sind, sind auch andere Maßnahmen denkbar, zum Beispiel Lagerhäuser mit anderen zu teilen. Logistikdienstleister, die vor allem in diesem Bereich aktiv sind, werden die Hauptlast des Abschwungs ertragen müssen, so Armstrong. Vor allem Operationen wie Warehousing und Vertriebszentren-Steuerung werden in Schwierigkeiten geraten, so Armstrong. Nach der Rezession werden die führenden US-Logistiker vermutlich finanzstark sein und in einzelnen Bereichen stark aufgestellt sein. Überlebende könnten dann ihre Fähigkeiten auf mehrere Industriebereiche ausweiten, um kontinuierlich Einkommen zu erzielen, so Clowdis von IHS Global Insight. Benjamin Gordon, Gründer der US-Unternehmensberatung BGSA Strategic Advisors, prognostiziert, dass die Konsolidierung innerhalb drei unterschiedlicher Bereiche stattfindet: unter Firmen, die sämtliche Services anbieten; unter Unternehmen, die auf bestimmte Dienstleistungen spezialisiert sind, und unter Firmen, die nur ausgewählten Branchen Dienstleistungen anbieten, wie zum Beispiel der Telekommunikation oder dem Einzelhandel. Die Logistikbranche schreitet in ihrer Konsolidierung voran werden die 50 führenden US-Dienstleister voraussichtlich 80 Prozent des nordamerikanischen Marktes beherrschen, zurzeit sind es rund 50 Prozent, so BGSA- Schätzungen. Die vergangenen fünf Jahre haben nach Gordons Einschätzung die Konzentration von Supply Chain Services belegt. So hat zum Beispiel der Warehousing- und Vertriebsgigant Exel das Unternehmen Power Packaging gekauft, um Warehousing und Verpackung miteinander zu verbinden. Weil die Unternehmen die Zahl ihrer Logistikdienstleister reduzieren, wird eine solche Konzentration zum dauerhaften Trend. Dienstleister, die in dem Segment Lösungen anbieten, werden dafür reichlich belohnt werden, so Gordon. Der Schlüssel dafür ist zielgerichtete Expansion mit leicht zu integrierenden Services, die spezifischen Kundenanforderungen genügen, sagt Gordon. Unternehmen, die diese Ziele erfüllen, werden zu den Gewinnern gehören. Das erklärt, warum DB Schenker die Präsenz auf dem nordamerikanischen Markt zum strategischen Ziel ernannt hat. Wir werden die engen Beziehungen zu unseren US- Kunden beibehalten, so Dr. Lieb vom Logistikdienstleister DB Schenker. Unser wichtigstes Anliegen ist, dass wir rasch auf deren Bedürfnisse reagieren können vor allem auf diesem Markt, der besonders rasch grundlegende Veränderungen erfährt. rezession Weniger Fracht für die Logistiker Weniger Verkehr: Die Fracht auf den Straßen ist im April um 2,2 % gefallen, im März sogar um 4,5 %, so der Truckerverband ATA. Die Rezession trifft vor allem Speditionen. Weniger Kosten: Die Logistikkosten sind auf 9,4 % des BIP gesunken. Vor der Rezession waren sie auf mehr als 10 % gestiegen. Weniger Wachstum: In diesem Jahr werden Kontraktlogistiker voraussichtlich kein Wachstum verzeichnen können. ATA-INDEX FÜR FRACHTRAUM AUF DER STRASSE In Tonnen, saisonbereinigt, 2000 = 100; bis April LOGISTIKKOSTEN IN DEN USA In Prozent des BIP 9,9 10,3 9,5 8,8 8,6 8,8 9,5 9,9 10,1 9, KONTRAKTLOGISTIKMARKT IN DEN USA In Mrd. US-Dollar (* 2009 /2010 Prognose) 65, '09 71,1 76,9 89,4 103,7 Quelle: American Trucking Association 113,6 119,0 Quelle: CSCMP 127,0 118,0 125, * 2010* Quelle: Armstrong & Associates 22 Logistics Logistics 23

13 Interview Vernetzte Bewegung Die Mobilität von morgen hängt davon ab, wie Menschen und Güter in und zwischen den Städten zirkulieren. Prof. Dr. Jens-Uwe Fischer fordert daher ein radikales Umdenken [ Interview ] Axel Novak [ Fotos ] Steffen Jänicke»In Zukunft ist Mobilität Verdichtung sowie intelligentes, integriertes Verkehrsmanagement.«Mobilität und Infrastruktur: Das sind die beiden Themen, denen sich Prof. Dr. Jens-Uwe Fischer verschrieben hat. Ursprünglich aus dem Sanierungsmanagement stammend, unterrichtet Fischer heute an der ehrwürdigen Universität Leipzig und gilt als einer der profiliertesten Mobilitätsforscher in der Bundesrepublik. Wie mobil sind Menschen und Güter in Zukunft? Menschen und Güter werden mobiler, weltweit. Dieser Entwicklung müssen sich alle, die Mobilität planen, stellen. Der deutsche Bundesverkehrsminister will nun nach dem Masterplan Güterverkehr einen Masterplan Personenverkehr entwickeln, um Rahmenbedingungen für die Mobilität der Bevölkerung in Deutschland zu schaffen. Die Frage ist: Wie können wir Mobilität planen, die die Bedürfnisse der künftigen Bevölkerung aufnimmt? Was sind die Bedürfnisse? Ein wichtiger Punkt ist der demografische Wandel: Was bedeutet es für Mobilität, wenn die Gesellschaft immer mehr altert? Ältere Menschen haben ganz andere Bedürfnisse in ihrer Mobilität. Sie erwarten einen bestimmten Komfort, sie sind bereit, für Serviceleistungen zu zahlen und sie akzeptieren ein geringeres Reisetempo, wenn der Service stimmt. Ältere Reisende erwarten Tür-zu-Tür-Service in vernetzten Systemen. Wir müssen ihnen das Gefühl geben, dass die gesamte Kette von Verkehrsträgern Taxi, Bus, S-Bahn, Bahn eine kontinuierliche Reise ist. Das ist für all diejenigen interessant, die heute Mobilitätsdienstleistungen von morgen anbieten. Das bedeutet für ein Unternehmen wie die DB AG, noch flexiblere Systeme anbieten zu müssen. Und das heißt für die Kommunen als Besteller, nicht nur einzelne Strecken auszuschreiben, sondern auf Basis des Vernetzungsgedankens Angebote für Mobilitätsketten vom Anbieter zu fordern. Die Gesellschaft mit dem höchsten Anteil von älteren Menschen ist Japan. Kann Europa von Japan lernen? Im Unterschied zu Europa haben die Japaner die Städte an die Eisenbahn gebaut. Wir dagegen haben in den 60er Jahren die Wohnviertel vom Bahnhof und aus den Stadtzentren in die Vorstädte verlegt. Insofern können wir natürlich etwas von Japan lernen: Wir müssen jetzt den Bahnhof als Mobilitätsknotenpunkt und damit das Stadtzentrum wieder zum Nukleus urbaner Entwicklung werden lassen. Eigentlich müssten die Kommunen sagen: Was biete ich im Bahnhofsumfeld an, was muss zusätzlich in Bahnhofsnähe geschehen und errichtet werden, um nach dem Motto Stadt der kurzen Wege mehr anzubieten? Einkaufsmärkte zum Beispiel gehören an die Bahn, auch wegen des Lärmschutzes. Sportstätten, Veranstaltungsorte und natürlich Gewerbe. All das reduziert Verkehre und Leerfahrten bei Menschen und Gütern. Die Hälfte der Menschheit lebt in großen Städten in Asien oder Südamerika. In Deutschland gibt es keine Megacitys. Was bedeutet das für hiesige Mobilitätskonzepte? In Deutschland sind gewisse Simulationen möglich, zum Beispiel in Frankfurt am Main oder in München. Wir haben hier keine Megacitys, sondern Megaflächen. Das Problem in Großstädten ist, wie verknüpfe ich Urbanität und Mobilität? Derzeit findet in den Großstädten und ihrem Umland eine Fülle von Transferbewegungen zwischen Arbeiten, Wohnen und Leben statt. Das muss ich reduzieren, wenn ich in Zukunft einer mobileren Bevölkerung schnelle Mobilität bieten will, die sich die Menschen leisten können. Ich muss diese Ströme runterbrechen auf die Quartiere. Ich muss daher polyzentrisch denken. Ziel ist, in einem Viertel zu leben und zu arbeiten. Jede Region müsste eigentlich polyzentrische regionale Masterpläne erstellen. Daraus können wir Mobilitätskonzepte entwickeln, die auf Megacitys übertragbar sind. > Logistics 25

14 Interview»Die DB AG ist Leadership. Sie verfügt über das im Vergleich umfassendste Mobilitätskonzept.«Foto: Sasse/laif Was für Konzepte sind das? Die Lösung heißt Verdichtung, intelligente Lösung und integriertes Verkehrsmanagement. Drei Dinge zeichnen künftig die Mobilität aus: Flexibilität, internationale Verkehre und intelligente Verknüpfung. Vor allem der letzte Punkt ist etwas, das wir weiterentwickeln müssen. Intelligenter heißt, dass Transporte rasch intermodal möglich sind. Dazu gehört die Fähigkeit, von individuellen Systemen auf standardisierte Systeme umzuschalten und zurück. Für eine Reisekette nutze ich auch eine Reihe von Verkehrsträgern. Heißt aber auch, dass die Module, die dahinterstecken, einfacher zu bedienen sind. Ein Beispiel dafür ist Touch and Travel, ein System, das es über das Handy ermöglicht, eine Reihe von Verkehrsträgern wie Busse, Bahnen und S-Bahnen zu nutzen. Das erhöht die Flexibilität ungemein. Wir können die Mobilitätsprobleme der Zukunft nur lösen, wenn wir die Verkehrsträger miteinander verknüpfen. Mobilität ist vom Energiepreis abhängig ist sie in Zukunft noch bezahlbar? Wenn Sie Mobilität bezahlbar machen wollen, dann brauchen Sie Durchsatz. Mobilität ist dann teuer, wenn sie individuell, auf einzelne Gruppen und Personen ausgerichtet ist. Unsere Kunst wird weiter sein, dass der Kunde in der 1. Klasse sich nicht eingeschränkt fühlt durch die überwiegende Zahl der Reisenden in der 2. Klasse. Die acatech Studie Mobilität 2020 hat gezeigt, dass in Deutschland bei sinkender und alternder Bevölkerung die Mobilität gleich bleibt, das Volumen der Berufsverkehre aber zurückgeht, während Freizeit- und Urlaubsverkehre zunehmen. Hier wird es weiter individuelle Angebote geben. Differenzierung findet durch Mobilität statt. Aber das Grundbedürfnis muss für alle machbar sein, das geht nur, wenn die Mengen stimmen und so der Preis. Was halten Sie von nachhaltigen Transportkonzepten? Ist nicht der Verzicht auf Mobilität wirklich grüne Mobilität? Nein, denn Verzicht auf Mobilität würde Kommunikationsverzicht und Reduzierung von Lebensqualität bedeuten. Grüne Mobilität heißt für mich obwohl ich den Begriff nicht schätze nachhaltig gestaltete Mobilität im Sinne von Qualität und Ressourcenschonung. Dazu gehören reduzierte CO₂-Emissionen und Leerfahrten, gestiegene Auslastung von Verkehrsträgern und intelligente Mobilitätssysteme. Denkbar ist im Rahmen der E-Mobilität die Kooperation mit Energiekonzernen und Autoindustrie wie zum Beispiel RWE-Daimler-Evonik, die gemeinsam die Serienproduktion von mobilen Hochleistungsbatterien starten wollen. Das ist eine gute Basis für optimierte, integrierte Lösungen, das sind Chancen für grüne Mobilität. Politik setzt derzeit auf Infrastruktur. Zwei Milliarden Euro fließen in den Verkehrsbau. Das Geld für Infrastrukturinvestitionen fließt leider nicht nur dort, wo es benötigt wird. Es gibt in der Bundesrepublik eine geografische Aufspaltung zwischen einer wirtschaftlich Megacity: Mobilität und Urbanität sind heute nicht mehr zu trennen starken Region von Hamburg über die Rhein-Main-Schiene bis nach Süddeutschland und einem Restgebiet mit wirtschaftlich starken Kernen, das durch demografischen Abgang und wirtschaftliche Schwäche gekennzeichnet ist. Wir haben heute schon eine demografische Segregation. Daher gibt es Forderungen aus der Politik an die Bahn, neue Mobilitätskonzepte zu entwickeln, um diese Segregation aufzuheben. Das betrifft ja die Mobilität von Personen und von Gütern. Wo sollte denn im Logistikbereich investiert werden? Dort, wo die stetig wachsenden Logistikströme entlanggehen. Deutschland ist nicht isoliert, sondern das europäische Transferland für Waren. Die Frage ist: Wie können wir diese Verkehrsströme nutzen, die nicht nur Transferströme sind, sondern eine Wirtschaftsfunktion haben? Wie führen wir diese Ströme? Im Augenblick verteilen sie sich noch auf Hauptachsen. Aber wir müssen davon ausgehen, dass die Standardverkehre nach der Krise massiv ansteigen werden. Wir werden dann einen übergroßen Bedarf an Logistikkonzepten und Trassen haben. Woran mangelt es heute bei der Planung von Mobilität? Vor allem an vernetztem Denken. Jeder optimiert sich in seinem Bereich. Es fehlen einfach übergeordnete Projektteams auch mit den Verkehrsverbünden und der Politik. Sie unterstützen die Deutsche Bahn AG. Stoßen Sie da auf Verständnis mit Ihrer Forderung nach vernetztem Denken? Die DB ist Leadership. Im Vergleich zu anderen europäischen Bahnen sind wir diejenigen, die nach der Krise weiterhin das umfassendste Mobilitätskonzept anbieten. Logistics 27

15 People Frischer Fisch für den Weltmarkt aus dem Meer direkt auf den Tisch: Für maritime Köstlichkeiten knüpft DB Schenker aufwendige Lieferketten Kühle Ware: Das DB Schenker-Team am Flughafen Oslo (v. l. Erik Thorud, Gro Dalen, Kari Lehtinen, Georg Øhquist) mit frischem Lachs aus norwegischer Zucht Foto: Jan Erik Svendsen Wenn etwas schiefgeht, dann meist am Tag der Abreise, seufzt Kari Lehtinen aus Erfahrung. Er leitet das DB SCHENKERjetcargo fresh-team am norwegischen Flughafen Oslo, das verderbliche Ware per Luftfracht in alle Welt bringt. Das Land ist einer der größten Fischexporteure, bei Lachs für Japans Sushi-Küchen liegt es an der Spitze. Im Durchschnitt exportieren wir 300 Tonnen Fisch wöchentlich, erklärt Lehtinen. Der Großteil geht nach Hongkong, Tokio und Osaka. Das Geschäft mit der verderblichen Ware ist straff organisiert. Fünf Key- Account-Manager betreuen die Kunden, rund 15 norwegische Fischexporteure. Am Flughafen Oslo ist das DB Schenker-Team rund um die Uhr abrufbereit, um notfalls einzugreifen. Wir buchen Laderaum für den Fisch und versuchen, die besten Preise und Lösungen für unsere Kunden zu erzielen, sagt Lehtinen. Anschließend prüft das Team, ob die Ladung pünktlich und unbeschädigt eingetroffen ist. Die Ausfuhr muss ausführlich dokumentiert werden: Labels, Zollerklärungen und Gesundheitszeugnisse ergänzen die Sendung. Maximal vier Tage dauert es, bis der Fisch beim Kunden ankommt. Falls gewünscht, übernehmen wir Transporte auch von anderen Flughäfen oder liefern die Ware bis zum Kunden direkt aus, erklärt Lehtinen. Bei möglichen Verspätungen können wir auf das weltweite DB Schenker-Netzwerk zugreifen. Logistics 29

16 People People Zuhören, begreifen, entscheiden: Dr. Karl- Friedrich Rausch lotet derzeit in persönlichen Gesprächen aus, wie das Unternehmen am besten auf den Wirtschaftswandel reagiert 3 Fragen an Hans-Georg Werner Kampf um Kunden und Fracht Hans-Georg Werner erklärt, wie DB Intermodal auf sinkende Verkehre reagiert»ich habe Respekt vor DB Schenker«Seit Juni ist Dr. Karl-Friedrich Rausch für das Logistikressort der DB Mobility Logistics AG verantwortlich DB Schenker bleibt auf Kurs: Anfang Juni hat Dr. Karl-Friedrich Rausch das Transport und Logistikressort der DB Mobility Logistics übernommen. Ich habe höchsten Respekt für die Art und Weise, wie man in den vergangenen Jahren den Transport- und Logistikbereich in ein schlagkräftiges Unternehmen von Weltgeltung ausgebaut hat, sagte der gebürtige Hesse. Dadurch stehen wir mit DB Schenker gerade in der jetzigen schwierigen Situation besser da als viele Konkurrenten. Wir müssen unsere Alleinstellungsmerkmale wie das weltweite, verkehrsträgerübergreifende Netzwerk mit einer starken Schiene in Europa ausspielen. Noch weiß niemand, wann die Rezession wieder in Wachstum übergeht. Aber ich sehe das als besondere Herausforderung: Auch heute unseren Kunden weltweit qualitativ hochwertige Services mit unserem gesamten Netzwerk anzubieten, so Rausch. Wir müssen Lösungen für den Moment bereithalten, wenn die Nachfrage nach weltweiten Versorgungsketten wieder steigt. Der Wirtschaftsingenieur verfügt über profunde Kenntnisse in der Verkehrsbranche. Rausch arbeitete 15 Jahre bei der Lufthansa, bevor er 2001 zur Deutschen Bahn als Technik- Vorstand kam. Seit 2003 leitete er das Vorstandsressort Personenverkehr bei der DB AG und von Juni 2008 bis Ende Mai 2009 das gleiche Ressort bei der DB Mobility Logistics AG. Fotos: Marc Darchinger/DB AG, Max Lautenschläger (2), Pablo Castagnola Netzwerkerin: Heute arbeitet Dr. Weddewer bei einer Unternehmensberatung Ausgezeichnete Arbeit DB Schenker hat im Mai Dr. Martina Weddewer von der Universität Paderborn mit dem DB Schenker Award 2008 ausgezeichnet. Weddewer promovierte am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Produktionswirtschaft, bei Prof. em. Dr. Otto Rosenberg. Ihre Arbeit über Verrechnungspreissysteme für horizontale Speditionsnetzwerke leiste einen wertvollen, anregenden Beitrag für Unternehmen, sagte der ehemalige DB Schenker-Chef Dr. Norbert Bensel anlässlich der Preisverleihung. Die wissenschaftlich fundierte und innovative Arbeit biete praktische Elemente, um solche Kooperationen zu verbessern. Weddewer erhielt ein Preisgeld in Höhe von Euro, weitere Euro bekam ihr Doktorvater Professor Otto Rosenberg für seinen Lehrstuhl. Mit dem DB Schenker Award prämiert eine unabhängige Jury wissenschaftliche Arbeiten rund um die Logistik. Der Award gehört mit einem Preisgeld von Euro zu den wichtigsten internationalen Auszeichnungen der Branche; ab 2009 hat DB Schenker das Preisgeld für den Lehrstuhl auf Euro verdoppelt. Die Bewerbungsfrist für den DB Schenker Award 2009 läuft noch bis zum 1. August. Preisträgerin Dr. Weddewer mit Prof. Rosenberg (l.) und dem damaligen DB Schenker- Chef Dr. Bensel 1 Wie gehen Sie mit sinkenden Transportvolumen und wachsender Konkurrenz bei DB Intermodal um? Ich rechne für 2009 mit 20 Prozent weniger Verkehren als Aber wir steuern mit vielen Mitteln gegen: Wir bauen Relationen neu auf und erhöhen Frequenzen zum Beispiel im Albatros-Netz um zehn Prozent. Stichwort Konkurrenz: Wir kommen unseren Kunden sehr entgegen. So gehen wir bei den Preisen runter und streichen Mindestmengen-Verpflichtungen. 2 Wie ist die Lage für die Operateure? Die mussten ihr Netz an vielen Stellen kappen. Aber um ein verlässliches Angebot zu halten und die Operateure zu stärken, teilen wir zum Beispiel in einigen Fällen das Auslastungsrisiko und fahren Relationen trotz geringerer Auslastung weiter. 3 Reicht das aus, um den Abwärtstrend zu stoppen? Gerade jetzt müssen neue Denkansätze her. Wir führen mit vielen Partnern Gespräche. Warum nicht stärker kooperieren, also statt zwei halbleerer Züge für zwei Operateure nur noch einen fahren? Oder Einzelwagen in Kombizügen mitlaufen lassen? Oder neue Standorte stärker in den Fokus nehmen? Vor allem müssen wir weiter an der Qualität arbeiten. Hans-Georg Werner leitet DB Intermodal seit Oktober Davor war er Chef des Marktbereichs Chemie/Mineralöl/ Düngemittel und Geschäftsführer der DB Schenker BTT GmbH 30 Logistics Logistics 31

17 Solution Leidenschaft: Wer sperrige, übergewichtige Güter pünktlich durch die ganze Welt transportieren will, muss mit Herzblut bei der Sache sein Heavy lifts fur die scheichs Ein 400 Tonnen schwerer Siemens-Transformator soll auf eine Kraftwerksbaustelle in Kuwait? DB Schenker übernimmt [ Text ] Axel Novak [ Fotos ] Pablo Castagnola Logistics 33

18 Solution { Christoph Hilgers, DB Schenker }»Minutiöse Vorplanung und Vorbereitung sind für solche Jobs der halbe Weg zum Erfolg.«Schutzschicht: Im Nürnberger Transformatoren-Werk wird der Apparat für den Transport verpackt Antwerpen, Anfang März, 5:00 Uhr morgens. Die Wintersonne ist noch nicht aufgegangen, aber im Hafen herrscht schon Betrieb. Im fahlen Licht der Scheinwerfer liegt der Stückgutfrachter BBC Greenland am Quai. Bald schiebt sich ein Schwimmkran aus dem Dunkel an die Bordwand des Frachters und hievt schwere Last ins Schiff. Keine zwanzig Minuten dauert es, bis das Schwergut auf dem unteren Ladedeck ruht. Das ist ein Siemens-Trafo für Kuwait, fast 400 Tonnen schwer, sagt Günter Gauls, Logistiker in der Abteilung Global Projects der Schenker Deutschland AG. Er ist die ganze Zeit hin- und hergewandert an Deck und hat begutachtet, wie und wohin die Fracht verladen wird. Routiniert mustert er Mannschaft und Schiff. Günter Gauls ist seit Jahrzehnten in dieser Branche tätig, die ihn um die Welt führt. Jetzt stützt er die Ellbogen auf das Brückengeländer der BBC Greenland und beobachtet, wie auf dem lower hold, dem Unterdeck des Frachters, die Stauer die Ladung sichern. Während der Schwimmkran weitere Stückgüter an Bord hebt, strömt unablässig Wasser in die Ballasttanks der BBC Greenland, um das Gewicht der Fracht auszugleichen. Arbeiter schweißen stählerne Ringe auf dem Frachtdeck fest. Stahlseile und Stopper halten später den Trafo gegen das Rollen und Stampfen des Schiffes fest. Wenn so ein Frachtstück bei Seegang in Bewegung gerät, dann gefährdet es Schiff und Besatzung, sagt Gauls. Globaler Job Schwere Güter für Kuwait Mülheim Deutschland 2 Dampfturbinen à 132 t Nürnberg Deutschland 1 Transformator à 392 t Norfolk USA 2 Generatoren à 307 t HCMC Vietnam Laem Chabang Thailand Kuwait 24 Diverter Damper à t Banten Indonesien 4 Kondensatormodule à 53 t 4 Kondensatormodule à 51 t 8 Boxen à t Der Trafo hat bereits eine lange Reise hinter sich: Bei seinem Bau schon hatten die Ingenieure im Siemens-Werk in Nürnberg den späteren Transportweg im Auge. Damit er auf dem Weg vom Nürnberger Werk zum Donauhafen unter einer Straßenbrücke hindurchgeführt werden konnte, durfte er nicht länger als 13,6 Meter sein. Im Hafen setzten die Logistiker Deutschlands größten mobilen Kran ein, auf dem Binnenschiff MS Breydel galt es schließlich, das schlechte Wetter zu meistern. Winterlicher Schnee und vereiste Staustufen insgesamt 42 Schleusen sind zwischen Nürnberg und der Rheinmündung zu überwinden drohten die Fahrt über Donau und Rhein um Tage zu verzögern. Und dann kündigte auch noch das Seeschiff Verspätung an, das den Trafo im Hafen aufnehmen sollte. Der Apparat ist Herzstück einer gigantischen Baustelle. Beim Großprojekt Siemens Az Zour CC Extension/Kuwait baut der Technikkonzern ein Gaskraftwerk für die kuwaitische Regierung aus. Mit der Logistik des Projekts beauftragte Siemens das DB Schenker Global Projects-Team: Hunderte von einzelnen Komponenten und Containern insgesamt Tonnen Fracht, Frachttonnen müssen nun bis Ende dieses Jahres an den Arabischen Golf gelangen. Erst die exakte Planung und Kontrolle der einzelnen Etappen macht es möglich, dass viele teils Hunderte von Tonnen schwere Einzelstücke perfekt getimt zu Puzzlestücken einer Großbaustelle werden. Doch was das Az Zour-Projekt so besonders macht, ist weniger das immense Gewicht der einzelnen Bauteile, sondern die internationale Herkunft aller Komponenten. Das Motto ein Hersteller, ein Land hat in der Globalisierung nicht überlebt. So bestellte Siemens technische Komponenten weltweit, in den USA, in Indonesien, Thailand oder Vietnam, um den extrem engen Zeitplan in Az Zour halten zu können. Die Bauteile gelangten per Bahn, per Laster oder mit dem Binnenschiff in die Seehäfen und wurden von dort mit Schwergutfrachtern nach Kuwait gebracht. Dass all dies Material pünktlich im Hafen eintrifft, rechtzeitig verladen werden kann und wie vereinbart auf der mehrere tausend Kilometer entfernten Baustelle montiert werden kann, das ist die Aufgabe von DB Schenker Global Projects. Minutiöse Vorplanung und Vorbereitung sind für solche Jobs Voraussetzung und der halbe Weg zum Erfolg, sagt Christoph Hilgers, der als Projektlogistiker bei der Schenker Deutschland AG den gesamten logistischen Komplex um die Erweiterung des kuwaitischen Kraftwerks steuert. DB Schenker übernimmt die gesamte Logistik der Bauteile und sorgt dafür, dass auch schwerste Frachten mit Übermaß pünktlich nach Kuwait gelangen. Viele Brücken tragen ein Kraftwerksteil mit 300 Tonnen Gewicht nicht. Oder Grafik: KircherBurkhardt Infografik > Schon bei der Konstruktion des Trafos haben die Ingenieure den Transportweg berücksichtigt Know-how: Die Siemens-Logistiker nach der Verladung auf den Trailer Umschlag: Deutschlands größter mobiler Raupenkran setzt den Trafo in Nürnberg aufs Binnenschiff

19 Solution { Günter Gauls, DB Schenker }»Wenn so ein Frachtstück bei Seegang in Bewegung gerät, gefährdet es Schiff und Besatzung.«Zum Schutz von Ladung, Mannschaft und Schiff wird der Trafo auf dem Unterdeck verlascht Sicherung: Ein Stauer schweißt Stahlringe am Deck fest. Sie dienen als Zurrpunkte für den Trafo Beladung: Binnen weniger Minuten hievt ein Schwimmkran den Trafo auf das Unterdeck Teamwork: Der Kapitän fliegt nach der Beladung heim nach Russland. Das Kommando nach Kuwait übernimmt sein Nachfolger aus England Foto: Olaf Linnemann Häfen: Manche können wir aufgrund der geringen Wassertiefe nicht direkt anlaufen. Für derlei Probleme müssen die Logistiker Lösungen parat haben: Verstärkte Brücken und speziell konstruierte Bypässe gehören dann ebenso zu den Möglichkeiten wie Bargen für Häfen mit geringem Tiefgang. In Kuwait allerdings kommt uns ein geografischer Vorteil zupass, ergänzt Gauls. In dem Wüstenstaat gibt es keine Flüsse als natürliches Transporthindernis. Das bedeutet, dass wir auf einige Umwege und Improvisation verzichten können. Die Projektlogistik ist ein Geschäft, das einen nicht mehr loslässt. Für Hilgers und Gauls käme kein anderer Job mehr infrage. Der Speditionskaufmann Hilgers ging als 23-Jähriger nach Libyen. Ich habe so früh die Anforderungen von der Empfängerseite kennengelernt, erzählt er. Mir war es wichtig, auf der Baustelle zu sehen, wo der Schuh drückt. Seit fünf Jahren arbeitet er für DB Schenker. Auch Gauls sammelte jahrelang Erfahrungen in der arabischen Welt, später in Russland. Nun plaudert er auf der Brücke mit dem russischen Kapitän der BBC Greenland. Im Hafen von Antwerpen treffen Welten zusammen. Am Ziel: Nach wochenlanger Reise ruht der Trafo auf seinem Fundament Kurze Zeit später läuft das Schiff aus. Bis Kuwait ist es weit: das Mittelmeer, der Suezkanal, der Golf von Aden, in dem Piraten auf Beute lauern. Das ist für die Reederei BBC nichts Neues. Vor einem Jahr wurde die BBC Trinidad gekapert und kam erst nach 21 Tagen frei. Mittlerweile bewachen Kriegsschiffe die Routen, private Sicherheitsdienste bieten sich an. Gleichzeitig verhandeln die Diplomaten der Anrainerstaaten über Friedensmissionen. Wenn der Handel ausbleibt, brechen in den arabischen Staaten die Profite weg. Die BBC Greenland sucht daher Gesellschaft. Knapp zwei Wochen nach dem Auslaufen in Antwerpen wartet sie unweit der somalischen Küste auf einen Konvoi. Die Zeit drängt, denn bis zu Euro kostet jeder Tag. Doch kurze Zeit später stößt die BBC Greenland mit ihren drei Schwesterschiffen MS BBC Switzerland, MS BBC Leer und MS Anja zu einem indischen Kriegsschiff. In dessen Kielwasser gleiten die schwer beladenenen Schiffe aus Deutschland sicher durch den gefährlichen Golf. Doch statt Piraten überrascht ein anderes Phänomen die Logistiker: Sintflutartiger Regen und Hagelschauer lassen Kuwait im Schlamm versinken. Auf der Kraftwerksbaustelle schwimmen die Wege weg und müssen neu befestigt werden. Am 6. April legt die BBC Greenland abends im Hafen von Kuwait an. Tags zuvor sind Uwe Müller, Logistiker Gauls und Kapitän Olaf Linnemann in Kuwait eingetroffen. Während Müller für Siemens den Transport überwacht, kontrolliert Linnemann als sogenannter Surveyor der Versicherung kleine Fehler schon könnten Millionen kosten. Fast fünftausend Kilometer Seeweg liegen nun hinter der BBC Greenland und ihrer Fracht. Da sind die letzten 60 Kilometer vom Hafen zur Baustelle ein Katzensprung. DB Schenker kooperiert vor Ort mit einem festen Partner: Die Alghanim Group of Shipping & Transport im Team mit El-Hoss Engineering & Transport Co. ist Marktführer in Kuwait, wenn es darum geht, Schweres und Sperriges zu transportieren. Wir arbeiten schon seit mehr als einem Jahrzehnt mit Alghanim zusammen, sagt Gauls. Bei so anspruchsvollen Jobs sei es wichtig, sich auf die Partner verlassen zu können: Never change a winning team. Wenige Stunden nach dem Anlegen wird das Schiff entladen. Weil der Transformator im lower hold steht, wird erst das Zwischendeck geleert, bis der Apparat auf einen Schwerlast-Trailer umgeladen werden kann. Nur ein solch mächtiges Gefährt mit 192 Rädern kann so schwere Last aufnehmen. Die letzten Kilometer werden zum Hindernislauf: Brücken und Straßenquerungen müssen umfahren und zu niedrige Stromleitungen angehoben werden. Dennoch arbeiten die Logistiker zwei Tage heraus, um das Wochenende zu vermeiden: Der Weitertransport hätte sich unweigerlich verzögert. Drei Tage dauert es schließlich, bis der Transport auf der Baustelle eintrifft. Und dann geht alles schnell. Ruhig gleitet das stählerne Monstrum über Schienen auf das Fundament. Arbeiter öffnen die Transportverkleidung. Der Schock-Recorder wird abgelöst und an die Ingenieure in Deutschland geschickt das kleine Gerät hat alle Erschütterungen während des Transports aufgezeichnet. Bald darauf, am 14. April, verschickt Alghanim die Nachricht an die Auftraggeber in Deutschland: Der Trafo ist montiert. Gauls und Hilgers sind längst wieder unterwegs. Die nächsten Projekte warten schon. Logistics 37

20 Solution Teamwork: Für Jan T. Andersen in Taulov und Marie Schulz in Høje Taastrup bei Kopenhagen sind exakte Absprachen unabdingbar Fernweh, ausgebremst Kombinierter Verkehr, Kilometer quer durch Europa? Das ist kein Job für Träumer. Sondern für knallharte Realisten [ Text ] Hans Borchert [ Fotos ] Christian Bruch Kleine Überraschung Rundläufen nach Mailand, nach Verona und noch viel weiter: durch die der Nord-Süd-Achse Alpentransit DB Intermodal, das sind alleine auf vorweg: Diese junge Frau hat neben ihrem Marken, die Abruzzen bis tief nach durch die Schweiz und Anbindung Gespür für Züge auch Süditalien. der bedeutendsten skandinavischen sportliche Ambitionen. Karate, schwar- Was für eine spektakuläre Eisenbahn- im vertakteten planmäßigen Verkehr. Häfen inklusive 500 Züge pro Woche zer Gürtel, Erster verbindung. Über Kilometer Sind Tonnen transportierte Nachtarbeit: Das Bürogebäude am KV-Kombiterminal im dänischen Taulov Dan. Muss man noch mehr sagen? Marie Schulz ist eine Kämpferin. Nicht nur auf der Matte, auch im Geschäft. Seit neun Monaten steht ihr Schreibtisch in Kopenhagen. Høje Taastrup, Spotorno Allé 12. Keine Adresse, die jedermann kennen müsste, es sei denn, er ist Kunde oder Partner des Kombinierten Verkehrs (KV) von DB Intermodal auf der Achse zwischen Skandinavien und Italien. Der höchste Norden, der tiefste Süden und dazwischen ganz Europa aufgerollt in unzählige KV-Verbindungen. In etwa so lässt sich das Alltagspanorama der Marie Schulz, 28, beschreiben, denn als Projektmanagerin betreut sie die Containerverkehre von DB Intermodal. Und die fahren, angebunden über Antennenverkehre, zum Beispiel von Oslo in Norwegen über Schwedens Malmö, das dänische Terminal Taulov, über Hamburg und Maschen oder die Ostseehäfen gen Bella Italia. In durchgehend produziert und aus einer Hand angeboten. Mit Lkw- oder Schiffsverkehren im Vor- und Nachlauf. Und mit unzähligen beteiligten Parteien, die alle an einem Strang ziehen müssen, um den Kombinierten Verkehr auf die Schiene zu stellen. Das zu koordinieren, ist die Aufgabe von Marie Schulz. Zugnummer, dazu ein bisschen Fantasie, mehr braucht es nicht. Schon wechselt vor ihrem geistigen Auge unablässig die Szenerie. Grenzüberschreitend geht es von Alpenpass zu Tunnelröhre, von Küstenlinie zu Flusstal. Von Feld, Wald und Wiese hin zum pulsierenden Leben in den Häfen, den Metropolen. Es sind keine alltäglichen Assoziationen. Natürlich nicht. Aber das Bild im großen Rahmen, sagt die junge Frau mit den kessen Sommersprossen im hübschen Gesicht, lehrt immer wieder aufs Neue die ungeheure Komplexität unseres Geschäfts. Güter. Sind: Steuerung von Personal und Material, darunter europaweite Wagendisposition, Bereitstellung von Equipment, Depotleistung und Service rund um Ladeeinheiten wie Container, Wechselbrücken oder Sattelauflieger. Sind: Betrieb verschiedenster KV-Terminals in Dänemark, Tschechien, den Niederlanden. Sind auch enge Zusammenarbeit mit den Operateuren Kombiverkehr, Hupac, Cemat und CargoNet auf der Marktseite. Die Traktionsleistung wird in enger Kooperation mit den DB Schenker Rail-Gesellschaften Green Cargo und BLS Cargo, RTC sowie Lokomotion konzipiert und durchgeführt. In Summe nennt sich solches Leistungstiefe, denn verknüpft werden in durchgehender Transportkette die Verkehrsträger Lkw, Schiene, Schiff. Hans-Georg Werner, Chef von DB Intermodal, meint hierzu: Wir kombinieren die systembedingten Stärken der einzelnen Verkehrsträger > Logistics 39

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