Adventliche Verheißungen Ursprung der Verheißungen zu Gen 3,15

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1 Adventliche Verheißungen Ursprung der Verheißungen zu Gen 3,15 1. Advent als Ankunft und Erwartung Wenn wir heute über den Advent sprechen, dann meinen wir die vier Wochen vor Weihnachten, in denen wir uns auf das Hochfest der Geburt Christi vorbereiten. Das Wort Advent bedeutet Ankunft (lat. adventus). Mit der Ankunft ist die Erwartung verbunden. So steckt im Wort Advent die zweite Bedeutung: Erwartung, d.h. Warten auf den, der kommen soll. Und wer ist das? Jesus! Er ist vor 2000 Jahren schon einmal gekommen. Wir Christen aber warten auf sein zweites Kommen Christi am Ende der Zeiten, wie es im Glaubensbekenntnis heißt: Er wird kommen zu richten die Lebenden und die Toten. Davon war die Rede im Evangelium. Ich möchte heute über das erste Kommen und über das Warten auf dieses Kommen predigen. 2. Der Ursprung des Wartens und des Kommens Aber warum haben die Menschen auf Jesus gewartet? Warum sollte er überhaupt kommen? Sein Kommen hängt mit einer großen Tragödie in der Menschheitsgeschichte 1

2 zusammen: Gott schuf den Menschen als sein Abbild. Der Mensch soll in Freundschaft mit Gott leben. Das Bild vom Garten Eden steht für das Glück des Menschen und für seine innige Beziehung zu Gott. Der Mensch wollte allerdings wie Gott sein - eine unvorstellbare Anmaßung! Durch den Ungehorsam Gott gegenüber verlort er sein Glück; die Freundschaft mit Gott wurde gebrochen, seine Gottebenbildlichkeit ging verloren. Er musste das Paradies verlassen. Die schlimmste Folge dieses Ungehorsams war die ewige Verdammnis. Kein Mensch konnte aus eigener Kraft diese tiefe Wunde heilen. Eine finstere Wolke überdeckte die Menschen. Mit Jesaja kann man sagen: Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker (60,2) 3. Die Urverheißung (Gen 3,15) Der Mensch musste Konsequenzen seines Ungehorsams tragen aber Gott ließ ihn nicht ganz fallen. Adam und Eva bekommen eine Verheißung: da ist die Rede von einer Frau, deren Nachwuchs den Kopf der Schlange (des Versuchers) vernichten wird. Das Motiv der Frau und der Schlange lässt uns an Maria denken (Marienaltar in unserer Kirche). Sie wird oft als die zweite Eva genannt. 2

3 Die Kirchenväter haben diese Stelle (Gen 3,15) messianisch verstanden, d.h. gleich nach dem Sündenfall gibt Gott der Menschheit eine Hoffnung auf Rettung. Damit beginnt ein langes Warten, der erste Advent, ein Warten auf einen Retter, der wirklich in der Lage ist, die verlorene Beziehung zu Gott wiederherzustellen, der es vermag, die tiefe Wunde, welche die Ursünde verursacht hatte, zu heilen. 4. Die Entfaltung der Urverheißung Im Laufe der Geschichte wurde die Urverheißung oft erneuert. Nennen wir hier nur drei Beispiele. Der Prophet Jesaja greift sie auf und entfaltet sie weiter: Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben (7,14). Vom Propheten Micha (3,1-4) erfahren wir, dass der verheißene Retter aus dem Stamm Juda und der Stadt Betlehem kommt, dass sein Ursprung in ferner Vorzeit liegt, dass er der Friede und der Hirt seines Volkes sein wird. Und der Prophet Zefanja spürt die Nähe des Messias, indem er ruft: Juble, freu dich von ganzem Herzen Tochter Jerusalem, denn der Herr hat das Urteil gegen dich aufgehoben. Dein Gott ist in deiner Mitte (vgl. 3,14-17) 3

4 5. Die Erfüllung der Verheißung in Jesus Das Warten auf den verheißenen Retter dauerte sehr lang. Den biblischen Zeitangaben nach waren es viertausend Jahre, wofür symbolisch die vier Adventssonntage stehen. Durch den Mund der Propheten erinnerte Gott an seine Urverheißung immer wieder und konkretisierte sie. Stellt man alle messianischen Verheißungen zusammen, wird klar, dass sie allein auf Jesus ausgerichtet sind, dass sie in Jesus Christus erfüllt worden sind. So gilt er als der verheißene Erlöser, der die Menschheit von der Macht des Satans befreit. In ihm ist Gott wirklich in unserer Mitte. Durch seinen Tod und seine Auferstehung hat er das Urteil gegen die Menschheit aufgehoben und allen den Weg zu Gott frei gemacht. Als guter Hirt, der das verletzte Schaf auf seinen Schultern trägt, führt er uns ins Paradies zurück, wie einst Mose sein Volk ins gelobte Land. Wichtig ist, dass wir diesen Weg gehen, und zwar so, wie er ihn gegangen ist. Amen. 4

5 Gen 3,1-15 Lesung aus dem Buch Genesis Die Schlange war schlauer als alle Tiere des Feldes, die Gott, der Herr, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen? Die Frau entgegnete der Schlange: Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen, und daran dürft ihr nicht rühren, sonst werdet ihr sterben. Darauf sagte die Schlange zur Frau: Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiß vielmehr: Sobald ihr davon eßt, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Böse. Da nahm die Frau von seinen Früchten, aß und gab auch ihrem Mann, und auch er aß. Da gingen beiden die Augen auf Gott, der Herr, rief Adam zu und sprach: Wo bist du? Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, und versteckte mich. Darauf fragte Gott: Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe? Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen. Gott, der Herr, sprach zu der Frau: Was hast du da getan? Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt, und so habe ich gegessen. Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. Er trifft dich am Kopf, und du triffst ihn an der Ferse. 5

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