REPORT 5 KONJUNKTURBERICHT MIETER EINES GUTEN NAMENS. 8 WIRTSCHAFTSFORUM Peer Steinbrück diskutiert mit Unternehmern

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1 5 KONJUNKTURBERICHT Wirtschaft hat Herbstblues 8 WIRTSCHAFTSFORUM Peer Steinbrück diskutiert mit Unternehmern 40 EHRENAMT Workshop zum Arbeitsprogramm 2013 IHK REPORT MAGAZIN DER INDUSTRIE- UND HANDELSKAMMER DARMSTADT RHEIN MAIN NECKAR 14 FRANCHISE MIETER EINES GUTEN NAMENS

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3 IHK-REPORT EDITORIAL 1 Aufschwung oder Rezession? Die unklare Nachrichtenlage spiegelt das allgemeine Gefühl derzeit wider: Mal lesen wir, dass sich die konjunkturellen Erwartungen in Europa aufhellen das prognostizierte etwa das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Oktober, mal schreiben die Zeitungen über die europaübergreifende Flaute in einzelnen Branchen, etwa über die Absatzschwäche der Autobauer. In China wird eine Wachstumsschwäche befürchtet. Und das Bundeswirtschaftsministerium sprach sogar von stürmischen Gewässern, die Deutschland im kommenden KEINE SORGE TROTZ ABKÜHLUNG Unsere Aktien befinden sich in einer stabilen Seitwärtsbewegung, aber auf einem hohen Kursniveau. Jahr durchqueren muss. Wer hat Recht? Und wie geht es den Unternehmen hier bei uns in der Region Darmstadt Rhein Main Neckar? Am besten verlassen wir uns auf unsere eigenen Daten. Im Konjunkturbericht (siehe Seite 5) finden Sie die Ergebnisse der aktuellen Befragung unserer Unternehmen. Und die zeigt: Unsere Aktien befinden sich in einer stabilen Seitwärtsbewegung, aber auf einem hohen Kursniveau, um einmal den Jargon der Börsenanalysten zu bemühen. Ein guter Indikator für die wirtschaftliche Lage in unserem Kammerbezirk sind die Ausfuhren immerhin liegen wir mit einer Exportquote von 60 Prozent deutschlandweit an der Spitze. Bisher war das Jahr 2012 für unsere exportierenden Mitgliedsunternehmen ein sehr gutes. Bis zum Sommer nahmen die Ausfuhren zu, seitdem stagnieren sie auf dem hohen Niveau des Vorjahres. Das zeigen die Zahlen für ausgestellte Ursprungszeugnisse Dokumente, die die Unternehmen für den Export ihrer Waren außerhalb der EU benötigen. Hauptzielregion der südhessischen Exporte ist zwar immer noch die EU, wir erleben aber eine beachtliche Verschiebung: der EU-Anteil fiel in den letzten drei Jahren von 60 auf 40 Prozent. Internationale Märkte wie China, Südkorea, Russland und auch die Schweiz haben erheblich an Bedeutung gewonnen. Auch die Türkei bleibt ein interessanter Absatzmarkt für hiesige Unternehmen, vor allem bei Konsumgütern. Die rückläufige Entwicklung in Südeuropa konnten unsere Unternehmen in anderen Märkten ausgleichen. Trotzdem sieht bei den Ausfuhren hier in Südhessen nicht alles rosig aus, denn auch aus den Wachstumsmärkten kommen wie oben beschrieben eher zurückhaltende Meldungen.Die befragten Unternehmen erwarten, dass die Auslandsnachfrage in den nächsten Monaten nicht weiter zunimmt. In Konsequenz hat sich bei den ingenieurgetriebenen Wirtschaftszweigen wie den Automobilzulieferern oder Investitionsgütern das Tempo spürbar verlangsamt. Insgesamt hat sich das Konjunkturklima abgekühlt, und der starke Start in das Jahr 2012 konnte nicht durchgehalten werden. Sorgen sollten wir uns dennoch noch nicht machen. MEIN TIPP Foto: Jens Steingässer Dokument-Nr. 329 Südhessen international Die Exportquote in Südhessen liegt bei 60 Prozent. Klar, dass wir als IHK für unsere exportorientierten Unternehmen zahlreiche Informationen auf der Homepage zur Verfügung stellen. Zum Beispiel den kostenlosen Newsletter International, aktuelle Nachrichten zu den Themen Zoll und Export, Rechts- und Steuertipps oder Länderinformationen. _ Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer IHK Darmstadt

4 2 INHALT IHK-REPORT IHK REPORT EDITORIAL 51 NAMEN UND NACHRICHTEN 54 FREIZEIT 56 AMTLICHES 56 IMPRESSUM 4 AKTUELLES 4 Erwartungen gehen deutlich zurück Die IHK Darmstadt stellt den Konjunkturbericht Herbst 2012 vor. 6 Die Energiewende ein Marathonlauf Ein Jahr nach dem Energiegipfel in Hessen hat die IHK Darmstadt zu einer prominent besetzten Podiumsdiskussion eingeladen. 7 Mitgliedsunternehmen sensibilisieren Das IHK-Jahresthema 2012 Energie und Rohstoffe für morgen neigt sich langsam dem Ende entgegen. 10 Dieburger Journalismus-Studenten gewinnen Ernst-Schneider-Preis 14 SCHWERPUNKT 14 Mieter eines guten Namens Franchising boomt: Die Teilhabe an einem etablierten Geschäftsmodell bringt viele Vorteile mit sich hat aber auch Schattenseiten. 16 Der Franchise-Nehmer muss sich frühzeitig Rat holen Rechtsanwalt Johannes Wigand von der Darmstädter Kanzlei Dr. Ebner & Kollegen Rechtsanwälte & Notare über Franchiserecht 17 Service für alle Verbände, IHKs und Banken unterstützen Franchise-Nehmer und Franchise-Geber auf ihrem unternehmerischen Weg. Lesen Sie, welche Hilfe Sie wo bekommen. IHK Darmstadt auf YouTube ihkdarmstadt

5 IHK-REPORT INHALT 3 UNTERNEHMERKNIGGE INTERNATIONALE SPIELREGELN, TEIL 4 8 EUROPA IST EIN FANTASTISCHES PROJEKT SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück zu Gast bei der IHK 20 RATGEBER 20 Sind Ihre Dienstleister noch ganz dicht? Wer bestimmt, was geschieht, der haftet für alles, was passiert. Dieser Grundsatz prägt die Beziehung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. 22 Post-Werbung so ist s r(r)echt Der IHK-Report zeigt wann Werbung per Post ohne vorherige Einwilligung zulässig ist. 39 IHK IN DER REGION 39 Eine Branche wird unterschätzt Zehntklässler aus Mörfelden lernen Logistikberufe kennen. Nicht nur die beteiligten Unternehmen, auch die Schüler sind von dem Pilotprojekt angetan. 40 Fachkräfte sichern durch attraktive Standortbedingungent Mitglieder der IHK-Vollversammlung und der Ausschüsse haben sich in einem Workshop gemeinsam mit IHK-Mitarbeitern mit der Bedeutung unterschiedlicher Standortfaktoren beschäftigt. 42 U NTERNEHMEN IM FOKUS 42 Verein IT for work gegründet Erfolgreiches Unternehmensnetzwerk gibt sich eine verbindlichere Form, um noch mehr Service und Beteiligung zu bieten. 44 Die Generation Y lebt im Arbeiten Die Nachwuchskräfte der Generation Y haben längst Einzug in die Unternehmen erhalten. 46 AUSBILDUNG 46 Berufe zum Anfassen Chemische Versuche, malen oder mauern mit praktischen Beispielen stellten gut 40 Unternehmen auf der 12. Ausbildungsmesse Südhessen ihre Angebote vor. 48 Regionale Unternehmen werden vorwiegend über Praktika bekannt 49 WEITERBILDUNG 49 Der Musterschüler Zusatzqualifikationen helfen dabei, sich von der Masse abzuheben. CHINA Begrüßung: Die ranghöchste Person der Gäste betritt als erste den Raum eines Geschäfttermins. Sie begrüßen anschließend Ihre chinesischen Kollegen enstprechend ihres Status. Heutzutage gibt man sich in China zur Begrüßung die Hand das war traditionell nicht üblich. Allerdings gilt ein fester Händedruck in China nicht als Zeichen von Stärke und Durchsetzungskraft, sondern als unhöflich. Gespräche: Für Geschäftsbeziehungen mit Chinesen brauchen Sie Zeit, auch in Verhandlungen sollte es nie hektisch werden. Das heißt allerdings nicht, dass Sie unpünktlich sind. Weiterhin gilt: Ein Nicken ist kein Zeichen der Zustimmung, sondern des Interesses. Seien Sie bescheiden ob bei einem Geschäftstermin oder beim Smalltalk. Es wird gerne gesehen, wenn Sie Ihre eigene Kompetenz herunterspielen. Sollten Sie Visitenkarten austauschen, nehmen Sie die Ihres Gegenübers mit beiden Händen entgegen, lesen Sie sie und legen Sie sie offen vor sich auf den Tisch. Essen: Es bringt Ihnen viele Sympathiepunkte, wenn Sie mit Stäbchen essen und auch ungewöhnliche Speisen probieren. Als Gastgeber eröffnen Sie mit einem Toast, während des gesamten Essens gibt es viele weitere Toasts. Falls Sie diese mit Wein oder Schnaps begonnen haben, ist es später fas tunmöglich, auf nicht-alkoholische Getränke umzusteigen. Geschäftsessen enden nach dem letzten Gang in der Regel Obst, der Gastgeber steht auf und geht. Ein gemütliches Beisammensitzen bei einem Glas Wein gibt es nicht. Übrigens: Schnäuzen Sie sich beim Essen nie die Nase, das gilt als extrem unhöflich. Grafik: Matthias Enter, Fotolia Titelgrafik: Hausgrafik, Motiv: illustrart, Fotolia

6 4 AKTUELLES IHK-REPORT Foto: Stefan Daub IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Uwe Vetterlein links und Dr. Peter Kühnl stellen den Konjunkturbericht der Presse vor. Kühnl ist im Geschäftsbereich Standortpolitik der IHK unter anderem für den Konjunkturbericht und für Statistik zuständig. Erwartungen gehen deutlich zurück Die IHK Darmstadt stellt den Konjunkturbericht Herbst 2012 vor. Dabei wird deutlich, dass die Euphorie der vergangenen Monate endgültig verflogen ist. IHK BERICHTET REGELMÄSSIG Die IHK Darmstadt berichtet regelmäßig über die konjunkturelle Situation in ihrem Bezirk. An der viermonatlichen Umfrage beteiligen sich rund Unternehmen aller Wirtschaftszweige. Die aktuelle Befragung lief bis Ende September. Den Konjunkturbericht der IHK Darmstadt können Sie im Internet unter als PDF herunterladen. INFORMATION Dr. Peter Kühnl Geschäftsbereich Standortpolitik T: E: Die anhaltende Euro-Krise führt auch in der Region Darmstadt Rhein Main Neckar zu einer Abschwächung der Konjunktur. Der starke Start in das Jahr 2012 konnte nicht durchgehalten werden. Vor allem bei den ingenieurgetriebenen Wirtschaftszweigen wie den Automobilzulieferern oder Investitionsgütern sind leichte Rückgänge zu erwarten. Das wird in den nächsten Monaten auch Folgen für den Arbeitsmarkt haben. Allerdings erwarten wir für Südhessen in diesem Jahr immer noch ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent. Damit liegen wir im Bundesdurchschnitt, sagte Hauptgeschäftsführer Dr. Uwe Vetterlein zum Konjunkturberichtes Herbst der IHK Darmstadt. Im Frühsommer war die konjunkturelle Entwicklung noch deutlich robuster. Aber Staatsschuldenkrise und Euro-Diskussion zeigen nun doch Wirkung: Gegenüber der letzten Konjunkturumfrage fällt der IHK-Geschäftsklimaindikator deutlich um 14,2 Punkte auf 104,6 Punkte. Offenbar sind viele Unternehmen verunsichert, weil keine Lösung der Probleme im Euro- Raum in Sicht ist und sich auch weltweit die Nachfrage abschwächt, sagt Vetterlein. ZUKUNFTSERWARTUNG EINGETRÜBT Immerhin 39 Prozent der befragten Unternehmen im IHK-Bezirk Darmstadt Rhein Main Neckar beurteilen ihre aktuelle Lage noch als gut, weitere 45 Prozent als befriedigend und 16 Prozent als schlecht. Die Zukunftserwartungen haben sich deutlich eingetrübt. Jedes vierte Unternehmen rechnet mit einer Verschlechterung der Geschäfte in den nächsten Monaten, nur jedes sechste Unternehmen mit einer Verbesserung. Besonders pessimistisch blicken Hersteller von Ausrüstungs- und Investitionsgütern in die nähere Zukunft. Hier erwartet jedes dritte Unternehmen eine schlechtere Geschäftsentwicklung. Das hat Folgen für den Arbeitsmarkt. In der Industrie wird in Summe die Beschäftigung etwas zurückgehen. Im Baugewerbe und bei haushaltsnahen Dienstleistungen schaffen die Unternehmen dagegen noch zusätzliche Stellen. In der Summe wird die Zahl der Beschäftigten aber wohl konstant bleiben so ein zentrales Ergebnis der IHK-Konjunkturumfrage. Vetterlein richtet bei dem Pressegespräch deutliche Worte in Richtung Politik: Wenn es nicht gelingt, die Eurozone in ruhigeres Fahrwasser zu bringen, kann aus dieser instabilen Situation auch ein Abschwung werden. Was die Unternehmen brauchen, sind verlässliche Planungsgrundlagen.

7 IHK Darmstadt Rhein Main Neckar Konjunkturbericht Herbst 2012 Die Wirtschaft gerät außer Tritt Situation in Deutschland in der Zukunft. Die meisten Unternehmen Die Geschäfte deutscher Unternehmen wollen ihre Kapazitäten und die Zahl der laufen schlechter, und ihre Erwartungen Beschäftigten konstant halten. Die Hälfte haben sich eingetrübt. Mit dem Urteil des aller Unternehmen rechnet mit einem stagnierenden Exportgeschäft. Bundesverfassungsgerichts und der Ankündigung der EZB zum Kauf von Staatsanleihen sind zwar Unsicherheitsfaktoren Ihr Bericht aktuelle fehlt? wirtschaftliche Kein Problem, Lage sowie die Der IHK-Geschäftsklimaindex bündelt die verschwunden. Bei vielen Handelspartnern Deutschlands lahmt aber die Kon- Frühsommer-Umfrage Dok.-Nr.: ist er um 14,2 Zäh- Sie Erwartungen finden ihn online der auf Unternehmen. Seit der junktur. Dies lässt die deutschen Exporte Ein gedrucktes ler auf Exemplar 104,6 deutlich erhalten Sie gefallen. Dieser nur langsamer wachsen und drückt die Stimmung. Vor allem die deutsche Industrie Wert 0 61 deutet darauf hin, dass die südhes- unter knapp der Telefonnummer über der Marke von 100 liegende meldet geringere Auslastung und schwächere Zukunftserwartungen. Für das Jahr ten nur schwach wachsen wird. sische Wirtschaft in den nächsten Mona prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von einem Prozent. Geschäftsklima Entwicklung in Südhessen Die Unternehmen aus der Region Darmstadt Rhein Main Neckar berichten von einer etwas verschlechterten Geschäftslage. 39 Prozent der Unternehmen machen gute, weitere 45 Prozent befriedigende Geschäfte. Immerhin 16 Prozent sprechen von einem schlechten Geschäftsverlauf. Die Erwartungen an die kommenden Monate des Jahres sind deutlich gesunken. Jedes vierte Unternehmen rechnet mit einer Verschlechterung der Geschäfte, nur jedes sechste mit einer Verbesserung. Besonders ausgeprägt ist der Pessimismus in der Industrie, insbesondere der Ausrüstungs- und der Investitionsgüterindustrie. Auch vier von zehn Einzelhandelsunternehmen befürchten schlechtere Geschäfte Indikatorpunkte Lage Erwartungen positiv (%) unverändert (%) negativ (%) IHK Darmstadt Geschäftsklima

8 6 AKTUELLES IHK-REPORT Die Energiewende ein Marathonlauf Fotos: Fotostudio Michels Diskutierten über die Energiepolitik: (von links) Friedhelm Utsch (Abteilungsleiter für Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Energie, Bauten bei der Loh Services GmbH & Co. KG), Prof. Dr. Claudia Kemfert (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung), Moderator Andreas Horchler, Umweltministerin Lucia Puttrich, Dr. Constantin Alsheimer (Vorstandsvorsitzender der Mainova AG), Dr. Christof Bauer (Vorsitzender der Hessischen Energiekommission) Ein Jahr nach dem Energiegipfel in Hessen hat die IHK Darmstadt zu einer prominent besetzten Podiumsdiskussion eingeladen. Debattiert wurde angeregt über die Kosten der Energiewende und die Frage nach einem Masterplan. Die Strompreise steigen nächstes Jahr. Und zwar deutlich. Was am Abend der IHK-Podiumsdiskussion noch als realistische Erwartung im Raum stand, wurde wenige Tage später amtlich. Die sogenannte EEG-Umlage zur Förderung von Windund Solarenergie wird um 47 Prozent erhöht auf exakt 5,277 Cent je Kilowattstunde und lässt so die Preise 2013 einen deutlichen Sprung nach oben machen. Genau dieses Szenario beschäftigte das prominent besetzte Podium genauso wie die zahlreichen Besucher der IHK-Veranstaltung in Darmstadt. Vor genau einem Jahr wurden während des ersten hessischen Energiegipfels ambitionierte Ziele festgelegt. Unter anderem soll der Endenergieverbrauch bei Strom und Wärme bis zum Jahr 2050 möglichst zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Was ist aus diesen Zielen inzwischen geworden? Die IHK Darmstadt hat gemeinsam mit der IHK Arbeitsgemeinschaft Hessen und dem IHK-Forum Rhein-Main eingeladen, um zu dieser Frage eine erste Jahresbilanz zu ziehen. Wir produzieren inzwischen einen gigantischen energetischen Butterberg durch erneuerbare Energien, mahnte Lucia Puttrich. Hessens Ministerin für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erläuterte an diesem Abend die bisherigen Aktivitäten der hessischen Landesregierung zur Energiewende. Es geht nicht nur um Erzeugung erneuerbarer Energien, sondern auch um deren Integration. Wir brauchen einen Gesamtumbau des Systems. Dazu gehöre eben auch, die Energie-Effizienz zu steigern, Netze und Speicherkapazitäten auszubauen und die Akzeptanz der Bevölkerung zu erhöhen. Hessen habe ein Paket mit 81 Einzelmaßnahmen geschnürt. Es ist jedoch ganz dringend an der Zeit, dass wir unsere Maßnahmen koordinieren und alle, auch im Bund, an einem Strang ziehen, betonte Puttrich. Mit dieser Formulierung kam Hessens Umweltministerin nahe an die zentrale Forderung vieler Diskussionsteilnehmer heran, die Dr. Matthias Müller, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der hessischen IHKs (ARGE) eingangs auf den Punkt brachte: Mit großer Sorge stellen wir aus Sicht der Wirtschaft fest, dass es keinen Masterplan gibt für die Energie-

9 IHK-REPORT AKTUELLES 7 wende, weder im Land noch im Bund. Bislang habe es den Anschein, dass wir nur basteln. Ein übergreifender Masterplan sei notwendig, um die Energiewende mit angemessener Versorgungssicherheit und wettbewerbsfähigen Energiepreisen zum Erfolg zu bringen, forderte Müller. Die Erhöhung der EEG-Umlage auf über fünf Cent pro Kilowattstunde sei nach Ansicht der ARGE ein Beispiel für die negativen Auswirkungen einer mangelhaften Projektkoordination. Jeder Grundschüler versteht, dass Strom so nicht finanziert werden kann, pflichtete Dr. Christof Bauer bei. Der Vorsitzende der Hessischen Energiekommission mahnte dringend zu einem Kassensturz, um eine effiziente Planung zu ermöglichen. Friedhelm Utsch von der Loh Services GmbH forderte ebenfalls passende finanzpolitische Rahmenbedingungen für die Industrie. Und Mainova-Vorstand Dr. Constantin Alsheimer stellte grundsätzlich kritisch in Frage, die Kosten der Energiewende auf den Strompreis umzulegen. Eine alternative Idee dazu seien passende Steuern, schlug Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung vor. Als ausgewiesene Expertin für den deutschen Energiemarkt legte sie an diesem Abend anschaulich Chancen und Risiken des Großprojekts dar. Die Energiewende ist ein Marathonlauf, und wir sind erst gut einen Kilometer gelaufen. Der Energieumbau benötige private Investitionen im dreistelligen Milliardenbereich. Dafür seien einerseits verlässliche politische Rahmenbedingungen nötig. Andererseits kann die Energiewende durchaus zum Konjunkturmotor werden, betonte Kemfert. Für eine kluge Energiewende sei aus ihrer Sicht mehr nötig, als nur die Verbesserung der Energieeffizienz, die Erhöhung der gesellschaftlichen Akzeptanz und die Gestaltung eines intelligenten Marktdesigns, das auch die Nachfrageseite einbeziehe. Wir brauchen dringend eine Verbesserung des Emissionsrechtehandels. Der Energie- und Klimafonds ist so gut wie leer, weil diese Maßnahme nicht funktioniert. Und wir benötigen ein Energieministerium, das federführend für die Umsetzung des geforderten Masterplanes verantwortlich ist. Beim Marathonlauf Energiewende sei man auf einem guten Weg, urteilte Kemfert. Was uns dringend noch fehlt, ist die nötige Umsetzungsenergie. bs Mitgliedsunternehmen sensibilisieren Das IHK-Jahresthema 2012 Energie und Rohstoffe für morgen neigt sich langsam dem Ende entgegen. Dazu drei Fragen an den Experten für Umwelt und Energie der IHK Darmstadt Mark Becker: IHK-Report: Was hat das bundesweite Jahresthema speziell in der Region der IHK Darmstadt Rhein Main Neckar bewirkt? Mark Becker: Unsere Kernbotschaften für das Jahresthema sind die langfristige Sicherstellung der Versorgung mit Energie und Rohstoffen. Das Ganze muss zu wirtschaftsverträglichen Preisen und unter Berücksichtigung und Beibehaltung eines hohen ökologischen Standards erfolgen. Diese Botschaften wollten wir der Politik und der Öffentlichkeit als Anliegen der hiesigen Wirtschaftsunternehmen sichtbar machen. Gleichzeitig war es unser Ziel, unsere Mitgliedsunternehmen, wo nötig, für diese Fragen zu sensibilisieren und über Ansätze für eigene Maßnahmen zu informieren. Ich denke, dies ist uns durch unsere Veranstaltungen, Vorträge, Publikationen und Gespräche mit Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung ganz gut gelungen. Welche Angebote fanden besonders große Nachfrage? Den Kern unseres Angebotes bildete sicherlich die mit den IHKs Hanau und Offenbach durchgeführte Reihe Info-Frühstück zum Jahresthema. Hier boten wir den Teilnehmern in einem neuen Veranstaltungskonzept den Raum, gezielt Einzelaspekte vom Energieeinkauf bis hin zu Green IT mit externen Referenten zu diskutieren. Unsere beiden eher politisch orientierten Veranstaltungen Realisierung von Infrastrukturprojekten im Energiebereich und Ein Jahr Energiewende in Hessen waren ebenfalls sehr gut geeignet, einerseits um die aktuellen Diskussionsstände zu beleuchten, andererseits, um unsere Botschaften zu platzieren. Wie kann und wird die IHK Darmstadt die begonnene Energiewende weiter begleiten? Derzeit bereiten wir gemeinsam mit einer externen Forschungseinrichtung eine Studie über die aktuelle und künftige Stromversorgung des Landes Hessen und unserer Region vor. Das Problem in öffentlich geführten Diskussionen ist ja nicht, dass keine Daten zur Verfügung stehen, sondern vielmehr, dass die zitierten Daten häufig nicht vergleichbar oder regionalisiert verfügbar sind. Diese Studie setzt genau hier an und bildet mit den daraus abzuleitenden Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen die Grundlage für unsere politische Arbeit in den kommenden Jahren und besonders für unsere Begleitung des anstehenden Landtagswahlkampfes. Ebenfalls planen wir für das kommende Jahr eine vergleichende Studie über die viel komplexere Fragestellung der Wärmeversorgung und des Wärmebedarfs in Hessen und Südhessen. INFORMATION Mark Becker Referent für Umwelt und Energie T: E:

10 8 AKTUELLES IHK-REPORT Brigitte Zypries, SPD-Bundestagsabgeordnete für Darmstadt und Darmstadt-Dieburg, und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Gespräch mit IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Uwe Vetterlein (rechts). gerecht. Zinnhardt sollte hinterher von einem Feuerwerk an Gedanken sprechen. In freier Rede brach der Finanzminister und Ministerpräsident a.d. eine Lanze für Europa und die gemeinsame Währung. Vor dem Hintergrund einer globalen Kräfteverschiebung hin zu Ländern wie China und Brasilien könne Europa nur dann als Wirtschaftsraum bestehen, wenn es seinen Integrationsprozess fortsetze. Forderungen, Griechenland und andere Krisenstaaten vom Euro abzukoppeln, bezeichnete Steinbrück als dumpfbackig und nationalistisch, denn die Folgen wären unkalkulierbar. Deutschland sei extrem exportorientiert. Es wird uns daher immer nur so gut gehen, wie es unseren Nachbarn geht. Stramme Spardiktate seien nicht die alleinige Lösung, wenn es darum gehe, überschuldeten Nationen wie Griechenland zu helfen. Konsolidieren ist gut, aber bitte nicht in tödlicher Dosis, so Steinbrück in dem von FAZ-Redakteur Manfred Köhler moderierten Forum. Peer Steinbrück bei seiner Rede im Großen Saal der IHK Europa ist ein fantastisches Projekt SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück zu Gast bei der IHK So viel Auftrieb war selten: Peer Steinbrück lockte am 15. Oktober fast 200 Zuhörer samt vielen Medienvertretern in die IHK. Der Große Saal der Kammer war voll besetzt, Parkplätze gab s schon lange vor Beginn keine mehr. Steinbrück war der Einladung gefolgt, beim 12. Darmstädter Wirtschaftsforum der IHK Darmstadt mit dem Thema Quo vadis Deutschland? Deutschlands Rolle in Europa zu sprechen. Seine Zusage hatte der Sozialdemokrat schon Anfang des Nach dem Wirtschaftsforum war noch etwas Zeit für weitere Diskussionen beim Kaffee. Jahres gegeben. IHK-Vizepräsident Arnd Zinnhardt brachte im Grußwort seine Freude darüber zum Ausdruck, dass Steinbrück den Weg nach Darmstadt fand schließlich ist dieser zwischenzeitlich zum SPD-Kanzlerkandidaten nominiert worden. Steinbrück aber stand zu seinem Wort und legte seine wirtschaftspolitischen Überzeugungen dar. Und das in der ihm eigenen Deutlichkeit. Dem Attribut, Vertreter einer klaren Kante zu sein, wurde er spielend Fotos: Dagmar Mendel PLÄDOYER FÜR VIELFALT Die Wiedervereinigung habe die Deutschen zwischen 1990 und 2012 rund zwei Billionen Euro gekostet. Und dann soll uns Europa nicht ein Viertel oder Fünftel dieser Summe wert sein?, fragte Steinbrück, der sich als leidenschaftlicher Europäer präsentierte. Wir haben es hier nicht nur mit einem ökonomischen und bürokratischen Gebilde zu tun. Es ist ein fantastisches Projekt, das für kulturelle Vielfalt, Freizügigkeit, Meinungsfreiheit und 60 Jahre Frieden steht. In der abschließenden Fragerunde wich Steinbrück auch Fragen zu seiner künftigen Steuerpolitik nicht aus. Zum Ende der Veranstaltung bekannte ein Zuhörer seine Sorge angesichts von Inflation; wie Steinbrück diese Gefahr einschätze, wollte er wissen. Steinbrück erklärte, dass er eine inflationäre Entwicklung über zwei bis drei Prozent hinaus für momentan unwahrscheinlich hält. Aber ich gebe zu: Über die nächsten drei Jahre hinaus wäre so etwas möglich. In welchem Ausmaß dies dann geschehen werde, fragte der Zuhörer. Steinbrück maß sich keine seherische Gabe an und griff zur Ironie. 4,13 Prozent am 25. Januar 2016, antwortete er launig und erntete viele Lacher. jd

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12 10 AKTUELLES IHK-REPORT DIE PREISTRÄGER 2012 Wirtschaft in regionalen Printmedien Harald Schumann: Mit Dummheit Geld machen, Der Tagesspiegel. Lobende Erwähnung für die Serie Erfolgsideen von Birgit Leute in Neue Braunschweiger. Wirtschaft in überregionalen Printmedien Reiner Luyken: Mein gutes Geld, Die Zeit Dieburger Journalismus-Studenten gewinnen Ernst-Schneider-Preis Beim 41. Ernst-Schneider-Preis für Wirtschaftsjournalismus in Berlin bekamen Studenten der Hochschule Darmstadt den Internet-Preis für ein gemeinsames Projekt mit dem Hessischen Rundfunk verliehen. Förderpreis für Nachwuchsjournalisten Christian Salewski: Capital/Financial Times Deutschland Wirtschaft online Thomas Strothjohann, Carla Schneider, Simon Berger, Martin Brandt, Burghard Schnödewind: Eurozone Ostend Wie der Neubau der EZB ein Viertel verändert, boerse.ard.de (Koproduktion HR mit der Hochschule Darmstadt) Hörfunk Kurzbeitrag Stephanie Pieper: Das Jahr des Rettungsschirms, rbb Hörfunk Große Wirtschaftsendung Dr. Heidi Mühlenberg: Europas Solar-Vision, MDR Technik Dirk Schneider: Stromkollaps, MDR/Fernsehen. Der Technikpreis wird von VDMA und VDW Verein deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.v. gestiftet. Innovation/Unterhaltungssendung Thomas Fischermann, Marcus Rohwetter, Mark Schieritz, Arne Storn: Der Superknall/Fünf Jahre Krise, Die Zeit Fernsehen Große Wirtschaftssendung Birgit Kappel, Sabina Wolf: Angriff aus dem Netz. Die Wirtschaft im Visier von Onlinekriminellen, ARD (BR). ERNST-SCHNEIDER-PREIS Jetzt bewerben für Ernst-Schneider-Preis Alle Autorinnen und Autoren, deren Beiträge wirtschaftliche oder technische Themen ideenreich und verständlich darstellen, sind ab sofort herzlich zur Teilnahme am 42. Wettbewerb eingeladen. Einsendeschluss ist der 18. Januar Die stolzen Preisträger: Zweiter von links Burghard Schnödewind, Redaktionsleiter von boerse.ard.de, der das Projekt organisiert hat. Das war ein Jubel: Studenten der Hochschule Darmstadt erhielten beim diesjährigen Ernst-Schneider-Preis der Industrie- und Handelskammern in Berlin eine Auszeichnung in der Kategorie Internet. Die jungen Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten bekamen die Auszeichnung für den Beitrag von boerse.ard Eurozone Ostend Wie der Neubau der EZB ein Viertel verändert verliehen. Das Projekt ist eine Koproduktion des Hessischen Rundfunks und der Hochschule Darmstadt. In einem virtuellen Rundgang durch das Frankfurter Ostend können Nutzer sich durch 20 Reportagen, Interviews und Porträts klicken und sehen, wie der Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) die Infrastruktur des Stadtviertels verändert. Die Würdigung der Jury zeigt, dass es sich lohnt, wirtschaftliche Zusammenhänge mit dem unmittelbaren Lebensraum der Nutzer zu verknüpfen: Der Preis ist eine schöne Belohnung für die mittlerweile etablierte Zusammenarbeit zwischen der Online-Redaktion des Hessischen Rundfunks und dem Studiengang Online-Journalismus der Hochschule Darmstadt, erklärte Foto: Jens Schicke Burghard Schnödewind, Redaktionsleiter von boerse.ard.de. Der Studiengang Onlinejournalismus hat seinen Standort auf dem Campus Dieburg. Der Ernst-Schneider-Preis ist der Journalistenpreis der deutschen Wirtschaft. Er ist nach dem Unternehmer und Kunstmäzen Ernst Schneider benannt, der von 1963 bis 1969 Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages war. Mit dem höchstdotierten und seit 41 Jahren vergebenen Preis für Wirtschaftsjournalismus wollen die Industrie- und Handelskammern den Bürgern mehr Wissen über wirtschaftliche und wirtschaftlichtechnische Zusammenhänge vermitteln und die Medien ermutigen, neue Wege bei der Umsetzung von Wirtschaftsthemen zu gehen. Die Auszeichnung wird in den vier Kategorien Print, Fernsehen, Hörfunk und Internet vergeben. Zum größten deutschen Wettbewerb für Wirtschaftspublizistik hatten die Redaktionen in diesem Jahr Beiträge eingesandt. Die Themenpalette reichte vom Mikrokredit über die Staatsverschuldung bis zur Onlinekriminalität.

13 IHK-REPORT AKTUELLES 11 NEUES AUS BERLIN UND BRÜSSEL Brüssel Gegen Digitalen Tacho für 2,8 Tonner Die Pläne von EU-Kommission und -Parlament, den Einbau digitaler Kontrollgeräte auch für gewerblich genutzte kleinere Fahrzeuge mit einem Aktionsradius ab 100 Kilometern vorzuschreiben, lehnt der DIHK ab. Begründung: Hoher finanzieller und bürokratischer Aufwand, aber kein Mehr an Verkehrssicherheit. Denn kleinere Fahrzeuge werden durchweg auf kürzeren Strecken eingesetzt und liegen damit meist weit unter den Fahrzeiten, die Ruhepausen verlangen. Die neuen Geräte sollen bis 2020 flächendeckend eingebaut sein. Allein der Einbau eines digitalen Kontrollgerätes kostet bis zu Euro. Es ist bislang für Busse mit mehr als neun Sitzplätzen und für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht vorgeschrieben künftig soll dies bereits ab 2,8 Tonnen gelten. Foto: DIHK/Heiner Kirch Berlin Vereinfachungen im Reisekostenrecht greifbar nah Die Bundesregierung will endlich die Aufzeichnungspflichten bei Auswärtstätigkeiten verringern und Rechtssicherheit durch gesetzliche Definitionen schaffen. So sieht es der entsprechende Gesetzentwurf vor. Die Politik kommt damit der langjährigen Forderung des DIHK nach Vereinfachungen im komplizierten Reisekostenrecht nach. Bei Dienstreisen jährlich sind diese für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Finanzverwaltung ein echter Beitrag zum Bürokratieabbau. An den Bundesrat geht der Appell, das Vorhaben nicht zu blockieren auch im eigenen Interesse. Denn die Finanzämter in den Ländern werden ebenfalls von den Vereinfachungen profitieren.

14 12 AKTUELLES IHK-REPORT Geschichts-Puzzle Wie gut kennen Sie den Kammerbezirk der IHK Darmstadt? Nr. 9 Folge 8 BLICK ZURÜCK In vergangenen 150 Jahren haben die IHK und Südhessen viel erlebt. Lesen Sie in dieser Folge über die Themen Umwelt und Energie in der Region und der IHK-Arbeit. Foto: RWE PowerAG, Kraftwerk Biblis Noch können Sie gewinnen. Welchen Ort in Südhessen zeigt unser Geschichts- Puzzle? Schicken Sie Ihre Antwort an Für die richtige Antwort erhalten Sie die anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der IHK Darmstadt erschienene Festschrift Von den Anfängen der Industrialisierung zur Engineering Region. Ihnen fehlen noch Puzzle-Teile? Dann schauen Sie unter Dokumentnummer 968, und lösen Sie das Rätsel. Viel Glück! Das obige Foto zeigt den Bau des Atomkraftwerkes Biblis Anfang der 1970er Jahre. Rechts ist Block A zu sehen, dessen Bau bei der Aufnahme des Fotos bereits fortgeschritten war. Links ist der gerade erst begonnene Bau von Block B. Der Standort wurde aus zwei Gründen gewählt: Erstens wegen der Nähe zum Rhein-Main-Gebiet und dem Industriestandort Mannheim, zweitens wegen der Lage am Rhein, dessen Wasser für den Betrieb des Kernkraftwerkes genutzt werden sollte. Die Steigerung der Produktivität brachte einen erhöhten Energieverbrauch mit sich. Ende der 1960er Jahre sah man im Bau von Atomkraftwerken eine sichere Energiequelle für die Zukunft, nachdem Erdöl die Kohle zurückgedrängt hatte und auch der Gasverbrauch weiter zunahm. Der erste Block des Atomkraftwerks Biblis ging im Jahr 1974 in Betrieb, drei Jahre später der zweite. Bald lieferte es den größten Teil des hessischen Stromverbrauchs. Der wirtschaftliche Wandel wirkte sich in dieser Zeit auch auf die IHK- Arbeit aus. Die IHK beschäftigte sich zunehmend mit Umweltschutz. Im Januar 1972 nahm der Ausschuss für Fragen zum Umweltschutz seine Arbeit auf. Heute hat er als Ausschuss für Umwelt und Energie 16 Mitglieder und kümmert sich um Umweltpolitik und Umweltrecht sowie Energiewirtschaft. Die IHK Darmstadt berät und unterstützt Unternehmen außerdem bei den Themen Energie und Rohstoffe, zum Beispiel in kostenfreien Gesprächen mit Energieberatern oder in Weiterbildungen zum Energiemanager. Und was das Atomkraftwerk Biblis betrifft: Seit dem von der Bundesregierung im vergangenen Jahr auferlegten Moratorium sind die beiden Blöcke vom Netz und werden nicht wieder angefahren. sle Lesen Sie in der kommenden Folge: Südhessen nach der Jahrtausendwende.

15 IHK-REPORT AKTUELLES 13 LESERPOST Die Berichterstattung über die vergangenen 150 Jahre in der Region Darmstadt Rhein Main Neckar anlässlich des IHK-Jubiläums hat einige unserer Leser dazu bewogen, sich bei uns zu melden und ihre Mitarbeit an der Jubiläumsseite anzubieten. Das hat uns sehr gefreut! An dieser Stelle drucken wir ab sofort Beiträge, die gemeinsam mit Ihnen entstanden sind. ERINNERUNGSSTÜCKE GESUCHT Haben auch Sie alte Dokumente oder Fotos von südhessischen Unternehmen, die es längst nicht mehr gibt? Haben sie Produkte oder andere Exponate von Firmen aus der Region, die schon einige Jahrzehnte alt sind? Der IHK-Report ist anlässlich des 150-jährigen Jubiläums der IHK Darmstadt auf der Suche nach Erinnerungsstücken der südhessischen Wirtschaft. Diese stellt er dann in einer kleinen Serie in der IHK-Zeitschrift vor. Lassen Sie mit uns alte Erinnerungen wieder aufleben und melden Sie sich bei: Thomas Klein Leiter Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit T: E: IHK Darmstadt auf twitter ihkdarmstadt Der ehemalige Industrieberater Karl Erich Haeberle und eine von der Firma Carl Schenck gebaute Maschine zur Materialprüfung Karl Erich Haeberle, gelernter Ingenieur und jahrzehntelang international tätiger Industrieberater aus Seeheim-Jugenheim, hat die Redaktion des IHK-Reports auf diematerialprüfungsanstalt (MPA) der TU Darmstadt aufmerksam gemacht war sie an der Großherzoglichen Technischen Hochschule Darmstadt gegründet worden, weil die technischen Fortschritte der Industrialisierung auch die Aufklärung von Schäden an Bauteilen notwendig gemacht hatte. Der in Stuttgart geborene Haeberle erinnert sich noch sehr gut daran, wie er selbst zum ersten Mal mit dem Thema Materialprüfung Das kleinste ist auch das wichtigste Teil: Hier wurden Prüfstäbe eingespannt und getestet. in Berührung kam: Ich war sechs oder sieben Jahre alt und brachte meinem Vater, der als junger Sicherheitsingenieur bei den Technischen Werken in Stuttgart arbeitete, sein Sonntagsvesper. Als Belohnung führte er mich durch das Kraftwerk, eines der größten der damaligen Zeit. Inzwischen kennt sich Haeberle deutlich besser aus und führte die Redaktion des IHK-Reports zur MPA in die Grafenstraße 2 in Darmstadt. In einem Flur im Erdgeschoss finden sich noch alte Maschinen, mit denen Materialien auf ihre Festigkeit, Elastizität, Haltbarkeit oder andere Eigenschaften geprüft wurden. Das Foto zeigt Karl Erich Haeberle mit einer Maschine, die die Darmstädter Firma Schenck gebaut hat. Haeberle, der mehrer Jahre als Abteilungsleiter bei der Firma Carl Schenck angestellt war, zeigt auf einen kleinen, aber wichtigsten Teil der Maschine: Hier wurden die Prüfstäbe aus verschiedenen Materialien eingespannt. Es gab übrigens noch einen weiteren Grund für ihn, sich für die Geschichte der Materialprüfung zu interessieren: Mein Vater wurde von einem Souverän dieses Faches, dem Professor Geheimrat Karl von Bach, der für seine Leistungen in dem Gebiet vom württembergischen König den Adelstitel verliehen bekommen hatte, an den Dampfkesselrevisionsverein empfohlen, erinnert sich Haeberle. Den Verein gibt es immer noch, nur heißt er anders: Es ist der TÜV. An der damaligen Technischen Hochschule Darmstadt wiederum hatten die Aktivitäten der Materialprüfer dazu geführt, dass 1927 der erste Lehrstuhl für Werkstoffkunde in Deutschland gegründet wurde. fri Fotos: Franziska Richter

16 14 SCHWERPUNKT FRANCHISE IHK-REPORT MIETER EINES GUTEN NAMENS Franchising boomt: Die Teilhabe an einem etablierten Geschäftsmodell bringt viele Vorteile mit sich hat aber auch Schattenseiten. Drei Franchise-Nehmer und ein Franchise-Geber berichten. Wenn einer das Fast-Food-Geschäft von der Pike auf gelernt hat, dann Michael Krützfeldt. Als 17-jähriger Schüler begann er, bei McDonald s zu jobben. Auch während seines Studiums arbeitete er weiter bei der Burger-Kette, um schließlich zwölf Jahre lang dort angestellt zu sein, zuletzt als Bezirks- und Abteilungsleiter. Vor fast zehn Jahren machte er sich zusammen mit seiner Frau selbstständig und eröffnete ein McDonald s-restaurant in Bensheim; ein weiteres in Heppenheim folgte vor zweieinhalb Jahren. Vom Franchising hält er viel. Man muss sich nicht mühsam erfinden. Wir sind Mitglied in einem erfolgreichen Verbund, der ein fertiges Konzept vermittelt, sagt der 50-Jährige und bemerkt schmunzelnd: Als,McKrützfeldt hätten wir kaum so viele Kunden. KEHRSEITE DER MEDAILLE Das Unternehmen ist ihm zur Heimat geworden. Erprobte Organisationsabläufe und ein dichtes Netz von Kontrollen bürgten für Qualität; die Akquise erfolge über einen großen Konzern, der teure Fernsehund Radiospots schalte. Der Kehrseite der Medaille ist er sich bewusst. Die Vorteile sind gleichzeitig auch die Nachteile, sagt Krützfeldt. Es gebe weniger unternehmerische Freiheit: Das Produktsortiment sei restriktiv, um den Wiedererkennungswert zu erhalten. Und ein Franchise-Nehmer müsse viel Geld in die Hand nehmen. Die Erschließung und den Bau eines Restaurants trägt McDonald s selbst. Der Konzern verlangt aber Euro als Einstiegsgebühr. Für Innenausstattung und Equipment sind mindestens Euro zu zahlen. Hinzu kommen Pachtzinsen und fünf Prozent Gebühr vom Nettoumsatz. Das alles nimmt Krützfeldt gerne in Kauf. Schließlich stehen McDonald s-restaurants im Ruf, sehr profitabel zu sein. Außerdem ist er mit Leib und Seele bei der Sache. Eine aussichtsreiche Alternative hätte es für ihn sehr wohl gegeben: die Karriere als Zahnarzt. Nach dem Physikum war damit aber Schluss, denn Krützfeldt hatte längst Feuer für McDonald s gefangen.

17 IHK-REPORT SCHWERPUNKT FRANCHISE 15 Relativ neu im Franchising sind Reiner Sturm und Armin Becker. Der eine hat vor einem Jahr mit seiner Partnerin Britta Walleneit die Destille in der Darmstädter Adelungstraße 1 übernommen ein renommierter Whisky-Shop und Anbieter von hochwertigen Spirituosen, Essigen und Ölen. Der andere hat sich vor zweieinhalb Jahren mit Europas größtem Anbieter für mobilen Hydraulikservice, Pirtek, in Wiesbaden selbstständig gemacht und inzwischen in Pfungstadt sein zweites Geschäft eröffnet. Alle sind zufrieden, keiner fühlt sich als Unternehmer zweiter Klasse. Bei diesem Geschäftsmodell gibt es ein gutes Fundament, da wackelt nichts, sagt der 51-jährige Sturm. Unabdingbar sei aber, vor Vertragsunterzeichnung den Rat von Fachleuten einzuholen und die Leistungen des Franchise-Gebers gründlich zu FRANCHISING? Franchising ist eine partnerschaftliche Vertriebsform zwischen Franchise-Geber (auch Systemleiter genannt) und Franchise-Nehmer ( Franchise-Unternehmer ). Der Franchise-Geber ermöglicht die Übernahme seines markterprobten und etablierten Geschäftskonzeptes. Der Franchise-Nehmer setzt dieses als rechtlich selbstständiger Unternehmer vor Ort um. Dafür zahlt er dem Franchise-Geber einmalig eine Einstiegsgebühr sowie laufende Gebühren. Die Höhe des Einstands ist sehr variabel, weil abhängig von der Branche. Verlangt werden zwischen Euro (bei kleineren Unternehmen) und rund Euro (bei McDonald s). Die laufende Gebühr orientiert sich am Umsatz. Laut Deutscher Franchise-Verband (DFV) sollte sie nicht mehr als zehn Prozent des Netto- Umsatzes betragen. Die Branche wächst kontinuierlich und ist in allen Wirtschaftsbereichen vertreten gab es in Deutschland rund Franchise-Geber und Franchise-Nehmer (im Vorjahr: ). Beschäftigt werden annähernd Menschen (Vorjahr: ). prüfen. Destille habe sich als fairer Partner herausgestellt. Es existiere 20 Mal in Deutschland, sei etabliert und kein Newcomer. Extrem entgegenkommend findet Sturm etwa, dass man beim Sortiment Auswahlmöglichkeiten hat: Zudem können wir neben der Destille-Produktpalette Whiskys, Schokoladen und Accessoires nach eigener Wahl verkaufen. VIEL ARBEIT FÜR DEN ERFOLG Von der Firma Pirtek gibt es sogar 57 Servicecenter deutschlandweit. Der Dienstleister wirbt damit, innerhalb einer Stunde vor Ort zu sein, wenn auf einer Baustelle oder Industriehalle ein Hydraulikschlauch defekt ist. Becker hat zehn eigene Angestellte und genießt Gebietsschutz. Das bedeutet, er hat exklusive Vertriebsrechte in seinem Einzugsgebiet und muss keine Konkurrenz fürchten. Vorkenntnisse zur Hydraulik seien nicht erforderlich gewesen, dafür aber kaufmännisches Basiswissen. Früher war Becker als Abteilungsleiter in der Automobilbranche tätig. Dann hatte er dringend Lust auf etwas Neues. Franchise empfiehlt der 50-Jährige ohne Abstriche. Kleiner Wermutstropfen: Eine Lizenz zum Gelddrucken sei es nicht. Belohnt wird nur, wer gehörig ackert. Meine Work-Life- Balance könnte ausgeglichener sein, sagt Becker und lacht. Dass multiplizierbare Betriebsideen nicht zufällig einen Siegeszug angetreten haben, belegt auch das Beispiel des Franchise-Gebers Veritas-Süd. Das Unternehmen mit Sitz in Mörlenbach ist Hersteller von Tiernahrung mit insgesamt 180 Artikeln für Hunde, Katzen, Pferde und Nager. In seiner Branche zählt Veritas- Süd zu den Marktführern: mit deutschlandweit 42 Franchise-Nehmern, davon acht in Südhessen. Als Frischdienst-Partner von Veritas beliefern diese ihre Kunden alle vier Wochen im Voll- oder Nebenerwerb. Die Tätigkeit ernährt ihren Mann und ihre Frau, sagt Geschäftsführer Klaus Riebeling, und der Erfolg gibt ihm recht: Wir sind weiter auf Expansion ausgerichtet. jd Grafik: Hausgrafik, Haus: Ogerepus, Fotolia

18 16 SCHWERPUNKT FRANCHISE IHK-REPORT Foto: privat Der Franchise-Nehmer muss sich frühzeitig Rat holen Rechtsanwalt Johannes Wigand von der Darmstädter Kanzlei Dr. Ebner & Kollegen Rechtsanwälte & Notare über Franchiserecht IHK-Report: Herr Wigand, das Franchising ist gesetzlich nicht geregelt und daher eine Kombination aus verschiedenen vertraglichen Rechtsgebieten. Mit welchen Fällen haben Sie in der Praxis zu tun? Johannes Wigand: Im Schwerpunkt sind es Franchise-Verträge im Bereich der Gastronomie-, Lebensmittel- und Textilbranche. Zentrale Regelungsbereiche sind neben der Laufzeitvereinbarung und Kündigung die Preisbindung, etwaige Ausgleichsansprüche des Franchise-Gebers und die mitunter fehlende Unterstützung durch Werbung und sonstige Maßnahmen zur Absatzförderung. Besonderes Augenmerk ist auch auf die Reichweite vorvertraglicher Aufklärungspflichten des Franchise-Gebers zu legen. Danach muss der Franchise-Geber den Franchise-Nehmer beispielsweise richtig und vollständig über die Rentabilität des Systems unterrichten, darf es insbesondere nicht erfolgreicher darstellen, als es tatsächlich ist. Welche Folgen hat es, wenn nicht ordnungsgemäß aufgeklärt wurde? Dem potenziellen Franchise-Nehmer sollte bereits im Stadium der Vertragsanbahnung eine Kalkulationsgrundlage offengelegt werden, die auf den bisherigen Erfahrungen des Systembetriebs beruht. Ihm sollten auch seine voraussichtlichen arbeitsmäßigen und finanziellen Belastungen vor Augen geführt werden. Er muss abschätzen können welche über das von ihm aufzubringende Start- beziehungsweise Einsatzkapital hinausgehenden Aufwendungen eingerechnet werden müssen. Außerdem muss er wissen, wie der Zeitraum der Anfangsverluste in Grafik: Hausgrafik der Anlaufphase ( Durststrecke ) einzuschätzen ist und wie die Gewinnchancen danach realistisch beurteilt werden können. Aufgrund seines überlegenen Wissensstandes wird der Franchise-Geber die vorgenannten projektbezogenen Aufklärungspflichten regelmäßig erfüllen können. Unterbleibt jedoch eine hinreichende Aufklärung, macht er sich gegenüber dem Franchise-Partner schadensersatzpflichtig. Unter Umständen muss der Vertrag rückgängig gemacht werden. Vor diesem Hintergrund kann nur empfohlen werden, sich vor Abschluss des Vertrages bereits hinreichend zu informieren und gegebenenfalls anwaltlichen Rat einzuholen. Dies gilt vor allem auch mit Blick auf die weiteren (Miet- oder Pacht-) Verträge, die neben dem Franchise-Vertrag abzuschließen sind. Und wie gestalten sich die Erfolgsaussichten, falls der Franchise-Nehmer den Vertrag vorzeitig beenden will? Beim Franchising handelt es sich um ein Dauerschuldverhältnis, das meist über mehrere Jahre geschlossen wird fünf, sieben oder gar zehn Jahre. Das ordentliche Kündigungsrecht wird hierbei vertraglich ausgeschlossen. Es verbleibt lediglich ein außerordentliches Kündigungsrecht. Hierfür muss ein wichtiger Grund vorliegen, etwa eine schwerwiegende Vertragsverletzung des Franchise-Gebers. Es ist durchaus schwierig, diese hohen Voraussetzungen im Einzelfall mit Erfolg darzustellen. jd

19 IHK-REPORT 17 SERVICE FÜR ALLE Verbände, IHKs und Banken unterstützen Franchise-Nehmer und Franchise-Geber auf ihrem unternehmerischen Weg. Lesen Sie, welche Hilfe Sie wo bekommen. Grafik: Hausgrafik ADRESSEN IM INTERNET Nützliche Adressen im Internet: Informationsbörse Franchise-Net: Angebote und mehr als 500 Adressen für potenzielle Existenzgründer Nationale und internationale Franchise- Information: Vermittlungsportal für Existenzgründungen und Selbstständigkeit, Literaturübersichten, Beschreibungen und Links zu 1000 Geschäftskonzepten Franchise-Institut für die deutsche Wirtschaft GmbH: Infos und Adressen Messen: informiert über Messen. Vertrauen durch strenge Kontrollen Der DFV e.v. ist der Spitzenverband der deutschen Franchise-Wirtschaft. Er hat zurzeit 285 Mitglieder, und zwar ausschließlich Franchise-Geber: beispielsweise TUI, OBI-Baumärkte, Fressnapf, Schülerhilfe und Portas. Nach Angaben von DFV-Geschäftsführer Torben Leif Brodersen vertritt der Verband damit fast 30 Prozent aller Franchise-Geber. Der DFV-System-Check, den Vollmitglieder alle drei Jahre absolvieren müssen, garantiere die gute Qualität. Zudem verpflichten sich alle Mitglieder, nach dem Ethikkodex des europäischen Franchisings zu handeln. Laut einer vom DFV beauftragten, noch laufenden Studie bestehen Franchise-Gründer häufiger am Markt als klassische Existenzgründer. Demnach Fortsetzung nächste Seite

20 18 SCHWERPUNKT FRANCHISE IHK-REPORT Fortsetzung von Seite 17 sind Franchise-Gründer im Durchschnitt nach einem Jahr noch zu 94 Prozent aktiv. Bei unabhängigen Gründungen konnten sich demgegenüber nur rund 85 Prozent der Unternehmer behaupten. Im dritten Jahr seien noch 83 Prozent der Franchise-Unternehmer aktiv und 68 Prozent der übrigen Selbstständigen. Für Aufsehen sorgte die Sandwich- Kette Subway. Die Mitgliedschaft beim DFV, der eine Qualitätsgemeinschaft ist, wurde Anfang dieses Jahres auf Betreiben des Verbandes im gegenseitigen Einvernehmen (Brodersen) beendet, nachdem sich viele Franchise-Nehmer übervorteilt fühlten und an die Öffentlichkeit gingen. Unter anderem mussten sie horrende Franchise-Gebühren an Subway zahlen: wöchentlich acht Prozent und zudem 4,5 Prozent Werbegebühr. In Zusammenarbeit mit dem DFV bietet die Wilhelm-Knapp-Fachschule für Wirtschaft in Weilburg eine Ausbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt mit Schwerpunkt Franchising an. INFORMATION Ausbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt mit Schwerpunkt Franchising T: E: Deutscher Franchise-Verband e.v. (Berlin) T: E: Lobby für Franchise-Nehmer Der Deutsche Franchise Nehmer Verband (DFNV) prüft Franchise-Systeme auf freiwilliger Basis und verleiht ein Prüfsiegel. Laut DFNV-Präsident Bernd- Rüdiger Faßbender hat seine Organisation zurzeit Mitglieder. Es besteht immer die Gefahr, dass der Systemleiter seine Marktmacht zu Ungunsten des Franchise-Unternehmers ausnutzt, warnt Faßbender. Es komme allerdings auch vor, dass Franchise-Unternehmer sich in betrügerischer Absicht ins Netzwerk eines Systemleiters einschleichen. Wenn sie dann das Know-how erworben haben, verlassen sie das System und setzen das Erlernte in einer eigenen Firma über ein Familienmitglied oder Bekannte um, sagt Faßbender. Seriösen Franchise-Unternehmern rät Faßbender, die Firmen der Systemleiter genau unter die Lupe zu nehmen. Man muss die Bilanzen und den Vertrag gründlich prüfen und sehen, ob die Branche auf dem aufsteigenden oder absteigenden Ast sitzt. Ohne die Hilfe eines guten Rechtsanwalts und zudem eines Steuerberaters und Wirtschaftsprüfers geht das nicht. Der DFNV hält laufende Franchisegebühren in Höhe von bis zu fünf Prozent des Umsatzes für gerechtfertigt. INFORMATION Deutscher Franchise Nehmer Verband e.v. (Bonn) T: E: DFNV Deutscher Franchise-Nehmer Verband e.v. Checkliste hilft Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bietet Franchise-Nehmern die Möglichkeit, Fördermittel zu erhalten. Mit dem ERP-Gründerkredit-StartGeld etwa werden Existenzgründer und junge Unternehmen bis drei Jahre nach Geschäftsaufnahme mit einer Finanzierungssumme von bis zu Euro pro Antragsteller gefördert. Hierfür hat das Franchise-System bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen: Unter anderem muss die rechtliche und wirtschaftliche Selbstständigkeit des Franchise-Nehmers geregelt sein. Der Franchise-Vertrag muss dem Franchise-Nehmer zudem eine nachhaltige selbstständige Existenz sichern, also kein Wettbewerbsverbot für die Zeit nach Vertragsende enthalten. Die KfW bietet Franchise-Nehmern eine Checkliste an, um die persönliche Eignung überprüfen und Franchise-Geber beurteilen zu können. INFORMATION KfW (Frankfurt) T: E: IHK Darmstadt auf YouTube ihkdarmstadt

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