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1 Mai 2012 Gestaltungsmöglichkeiten der Consumerization am Beispiel Bring Your Own Device von Jan Goldacker Zusammenfassung der empirischen Studie

2 2 Bring Your Own Device Inhalt Motivation der Studie 2 Methodik 3 Gesellschaftlicher Zeitgeist 4 Regulatorischer Rahmen 5 Technische Lösungen 6 Über die Beteiligten 7 Motivation der Studie Zu Beginn des Jahres 2011 wurde mit Bring your own Device (BYOD) eine vermeintlich neue Marketingphrase auf die Agenda der Entscheider gesetzt. Die etablierten Bereitstellungsmethoden für Informationstechnologie (IT) werden in Frage gestellt und für Endanwender konzipierte Hardware scheint unaufhaltsam in die professionellen Strukturen zu sickern. Sicherheitskonzepte werden umgangen und neue rechtliche Risiken entstehen. Die Consumerization of IT beschreibt diesen Trend, bei dem eine Vielzahl von Organisationsangehörigen aller Ebenen neue Anforderungen an ihre Arbeitsmittel stellen. Dieser Wandel kann auf das persönliche Umfeld zurückgeführt werden, welches durch unterschiedliche IT-Geräteklassen mit einer hohe Leistungsfähigkeit und Benutzerfreundlichkeit geprägt wird. Hinzukommt die hohe Anzahl verfügbarer Hardware, so dass meist nicht nur ein technisches Produkt die Freizeit dominiert. Auf diese Weise werden private und berufliche Lebenszeit mit IT in einem derart hohen Maße durchdrungen, dass Mitarbeiter eine Geräteintegration fordern. Zur Flexibilisierung der Endgerätewahl wird seit 2008 das Konzept Bring your own Device erprobt. Es werden technische Lösungen entwickelt und Pilotprojekte ausgeweitet, so dass nun BYOD zu einem der wichtigsten Themen in der öffentlichen Diskussion avanciert ist. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung zeigt, dass es sich hierbei um mehr als eine Mode handelt.

3 Bring Your Own Device 3 Methodik Ausgangspunkt der Untersuchung bildet eine umfassende Analyse der vorhandenen Literatur. Analog zu der öffentlichen Debatte wird sich auf die Endgeräte von Wissensarbeitern begrenzt. Während der Recherchen konnte eine mangelhafte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Consumerization of IT festgestellt werden. Daher wurde sich über qualitative Experteninterviews weiter genähert. Es konnten neun Interviewpartner gewonnen werden, deren Organisationen ein BYOD-Ansatz realisieren. Zu ihnen gehören IT- Führungskräfte und IT-Sicherheitsbeauftragte, so dass ein technischer Hintergrund die Analyse der Gestaltungsmöglichkeiten zuließ. Eine erste Erkenntnis konnte aus der Gewinnung der Gesprächspartner gewonnen werden: Unabhängig von der Organisationsgröße wird sich mit BYOD befasst. Hinzukommt allerdings ein Branchenschwerpunkt: Überwiegend IT-Unternehmen widmen sich der Suche nach Lösungen für eine Flexibilisierung bei der Endgerätewahl. Dies lässt sich bei einigen Firmen darin begründen, dass sie nicht nur für ihre eigenen Mitarbeiter eine Realisierung anstreben, sondern primär Anforderungen ihrer Kunden erfüllen wollen. BYOD-Initiativen sind zurzeit überwiegend Pilotprojekte, deren Heterogenität der Geräte und deren Anwenderanzahl beschränkt sind. Im Folgenden basieren die Aussagen daher auf Recherchen und der Reflektion durch die Interviewpartner. IT Versicherung Bankenwesen 1oo 22% 11% 67% bis Mitarbeiter Diagramme: Branche und Mitarbeiteranzahl der befragten 9 Organisationen

4 4 Bring Your Own Device Gesellschaftlicher Zeitgeist Der Neologismus Consumerization of Information Technology, kurz Consumerization, wurde von Douglas Neal und John Taylor auf dem CSC's Leading Edge Forum 2001 geprägt. Dieser bezeichnet einen Trend, bei dem IT-Innovation nicht mehr primär von Unternehmensbedürfnissen ausgehen, sondern aus dem Endverbrauchermarkt stammen und ihren Weg in die Organisationen finden. Das heißt, dass Technologie für Endverbraucher zunehmend im professionellen Umfeld eingesetzt wird. Daher wird auch von einer Konvergenz, einem aufeinander Zubewegen, der Konsumentenelektronik und der Unternehmens-IT gesprochen. Bisher ist der Begriff Consumerization nicht scharf umrissen, auch wenn Gemeinsamkeiten in der Verwendung auffallen. Häufig werden Endgeräte als zentrales Element genannt, insbesondere Mobiltelefone. Einige Autoren erweitern diesen Begriff um Anwendungen oder sehen sogar Infrastrukturbereitstellung inbegriffen. Ebenfalls können Web 2.0- Dienste in diesen übergeordneten Trend hinein interpretiert werden. Im Weiteren wird die Consumerization als Zunahme von Endverbrauchertechnologien im Organisationseinsatz definiert. Die Technologie kann jegliche Software und Hardware umfassen, deren Verwendung zu einem Nutzen für beispielsweise Organisationsangehörige oder Kunden eines Unternehmens führt. Als ein solcher Nutzen kann die Integration der technischen Anwenderumwelt verstanden werden. Die Lebenszeit lässt sich vereinfacht in Freizeit und Arbeitszeit gliedern, wobei die Grenze zwischen diesen vernachlässigbar ist. Dieser Umstand bildet das zentrale Element der Consumerization, bei der die Vermischung von beruflichem und privatem im Sinne der Soziologie als Entgrenzung der Arbeit betrachtet werden kann. Hierzu gehören die bereits etablierten alternativen Arbeitszeitmodelle, wie Gleitzeit, ebenso wie die räumliche Freiheit durch Telearbeit. Konsequenter Weise wird nun die Integration der Endgeräte angestrebt. Ein begleitender Trend, die Commoditization of IT, begünstigt diese Entwicklung. Zunehmend weisen private Geräte einen gleichen oder höheren Funktionsumfang und Bedienkomfort auf. Somit entsprechen die Endverbrauchergeräte dem State of the Art, der von den Organisationsangehörigen aus unterschiedlichen Gründen angestrebt wird. Eine Integration wird folglich eher zum Nachteil der Dienstgeräte entschieden. Daher kann BYOD als ein Modell zum Endgerätemanagement verstanden werden, bei dem die Beteiligung der Organisationsangehörigen an der technologischen Ausstattung ihres Handlungsraums eine maßgebliche Bedeutung zukommt. Mit BYOD können Bedürfnisse der Arbeitnehmer adressiert und Innovation im Sinne des Arbeitgebers gefördert werden.

5 Bring Your Own Device 5 Regulatorischer Rahmen Sowohl in den Medien als auch im wissenschaftlichen Kontext wird BYOD primär als technische Herausforderung verstanden. Im Zentrum befindet sich hingegen die Mitbestimmung und deren Ergebnisse führen zu zahlreichen juristischen sowie organisatorischen Fragen. Erst die Beantwortung ermöglicht rechtliche Sicherheit und reduziert Risiken für Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer. Die Ergebnisse der Interviews zeigen ein ähnliches Muster. Zunächst wird die technische Machbarkeit geprüft, bevor eine Analyse der regulatorischen Rahmenbedingungen erfolgt. Auch wenn die Realisierung individuell auf die Organisation angepasst sein muss, sind dennoch immer ähnliche Fragen zu klären. In der Übersicht werden die wesentlichen Aspekte dargestellt. Spätestens im Fall einer Haftung für Schäden am oder durch das Gerät müssen klare Handlungsstrategien bekannt sein. Klarheit sollte vor allem durch schriftliche Vereinbarungen geschaffen werden. Bereich Eigentum Finanzierung Softwarelizenzen Urheberrecht Datenschutz Datensicherheit Mitbestimmung Arbeitsschutz Regulationsbedarf Schon bei der Anschaffung eines Dual-Use -Produktes muss der Eigentümer bestimmt sein. Im Geschäftsverkehr mit Endverbrauchern (Verbraucherschutz) und mit Unternehmen gelten unterschiedliche Regelungen. Je nach Konstellation ist auch der Rechtsraum zu klären. Neben dem Steuerrecht sollten insbesondere die Folgen der Finanzierungsweise berücksichtigt werden. Mit Ende des Arbeitsverhältnisses sollte das Gerät an den Mitarbeiter übergehen. Richtlinien für Wartung, zusätzliche Sicherheitssoftware, Anmeldung bei der GEZ, Geräteanzahl und Gerätetypen sollten monetäre Aspekte berücksichtigen. Bei der Einrichtung des Endgeräts sind die Softwarelizenzen darauf zu prüfen, ob diese lediglich die Nutzung auf Unternehmensgeräten zulassen. Durch BYOD werden die Nutzungsmöglichkeiten von Pflichtwerken durch das Unternehmen nicht berührt. Allerdings besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit für Freiwerke, deren Nutzung durch das Unternehmen zu verhandeln ist. Vor einem Zugriff auf Bereiche mit (möglicherweise) persönlichen Mitarbeiterdaten muss eine Zustimmung des Arbeitnehmers eingeholt werden. Nur eine klare Trennung von privaten und beruflichen Daten vermeidet rechtliche Risiken. Der Schutz der Unternehmensdaten muss mit BYOD gewährleistet sein. Ebenfalls sind Verträge mit z.b. Kunden auf Geheimhaltungsund Verschwiegenheitspflichten zu prüfen, die das Speichern nur auf unternehmenseigenen Geräten zulassen. Vor der Realisierung von BYOD muss der Sozialpartner aufgrund der Möglichkeiten zur Leistungskontrolle einbezogen werden. Zusätzlich zu ergonomischen Aspekten sollten Anforderungen zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit an die Arbeitsmittel definiert werden.

6 6 Bring Your Own Device Technische Lösungen Zur Klassifizierung der technischen Lösung ist interessant, wo werden Daten gespeichert, wo wird Logik ausgeführt und wo wird die Ausgabe aufbereitet. Aus juristischer Sicht wäre es sinnvoll, auf einem Endgerät lediglich eine Bildschirmausgabe zu übertragen. Speicherung und Ausführung von Unternehmensanwendungen erfolgen auf einem Terminalserver. Die Anwender erhalten eine komplette Arbeitsumgebung. Allerdings wird BYOD eingesetzt, um dem Mitarbeiter im selbstgewählten Kontext das Arbeiten zu ermöglichen. Um dennoch eine weitestgehend kontrollierte Umgebung zu betreiben, kann Browser-Technologie verwendet werden. Nutzerseitig wird lediglich die Ausgabe erzeugt. Durch plattformunabhängige Programmierung kann zusätzlich Logik auf die Endgeräte verlagert werden. In virtuellen Maschinen werden entsprechend portierte Anwendungen ausgeführt. Hierbei kann es zu Wechselwirkungen zwischen Betriebssystem und Anwendung kommen. Durch die Isolation einer Software kann diese in einem abgeschlossenen Container, bzw. in einer Sandbox, ausgeliefert werden. Eine regulierte Umgebung separiert die Unternehmensanwendung von der Endanwenderplattform. Wird auf einem Endgerät eine vollständige Umgebung benötigt, um beispielsweise auch ohne eine Netzwerkverbindung zu arbeiten, eignet sich Virtualisierung mittels Hypervisor. Hierbei können auch Daten in einer kontrollierten Umgebung und auf dem Endgerät abgelegt werden. Ein einfacher Wechsel zwischenmehreren vollwertigen lokalen Umgebungen ist möglich. Unabhängig von der technischen Lösung sind zusätzliche Maßnahmen im Bereich Security, Verfügbarkeit und Performance notwendig. In der Praxis zeigt sich zudem, dass die Lösung möglichst konform zur bestehenden IT-Infrastruktur sein sollte. Dies reduziert den Aufwand durch Synergien und erhöht die Benutzerakzeptanz. Für eine Bewertung ist außerdem der Aufwand zur Verteilung und für Support zu berücksichtigen, der dennoch eine Kosteneinsparung gegenüber den herkömmlichen Konzepten zum Endgerätemanagement darstellt. Zurückzuführen ist dies auch auf die sich von selbsteinstellende Homogenität der Endgeräte trotz freier Wahl des Arbeitsmittels. Erfahrungsgemäß bestehen trotz der aufgeführten Lösungen Schwierigkeiten, alle Arbeitsplätze durch BYOD zu gestalten. Heterogene Oberflächen der Anwendungen erschweren die Umstellung auf eine einzige Publikationsart. Einen einfachen BYOD- Einstieg bieten Anwendungen für Termine, Adressen und s. Mit der Wahl einer zukunftsfähigen Lösung kann außerdem die Infrastruktur strategisch für bisher unbeachtete Endgeräte vorbereitet werden. Erste Ausblicke liefern innovative Hersteller für Fahrzeuge und Bekleidung, die IT in ihre Produkte integrieren.

7 Bring Your Own Device 7 Über die Beteiligten Autor Jan Goldacker Jan Goldacker ist Wirtschaftsinformatiker (M.Sc.). Sein Interesse gilt insbesondere strategischen IT-Fragen, sowie der Realisierung von Services mit Hilfe von Internettechnologien. Sein akademischer Weg begann mit dem dualen Studium zum Bachelor bei der IBM Deutschland GmbH. Anschließend absolvierte er ein Master-Studium an der Universität Hamburg. Kooperationspartner Die Universität Hamburg gehört mit ca Studierenden zu den größten in Deutschland. Das Department Informatik der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften begleitete die Studie wissenschaftlich. Unterstützer Wir danken den Interviewpartner für die investierte Zeit und Geduld.

8 8 Bring Your Own Device Herausgeber Jan Goldacker Clara-Zetkin-Str Neubrandenburg Foto der Titelseite aboutpixel.de / schneller Rainer Sturm Stand Mai 2012

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