Umfrageergebnisse. Das Wirtschaftswachstum in unruhigem Fahrwasser sichern Themen im Einkauf Themen im Einkauf 2012

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1 D&B Studie Umfrageergebnisse Themen im Einkauf 2012 Das Wirtschaftswachstum in unruhigem Fahrwasser sichern Themen im Einkauf 2012 UMFRAGE DER D&B DEUTSCHLAND GMBH AUF DEM 46. BME-SYMPOSIUM 2011 Autor: Michael Seifert, Manager Business Development & Services Supply Management Solutions D&B Deutschland GmbH Management-Summary 1. Zentrale Themen im Einkauf sind und bleiben Ausgabentransparenz und Risikomanagement. Ausgbentransparenz stand schon immer ganz oben auf der Agenda der Einkäufer schließlich muss man messen, was man steuern will. Ohne Transparenz über Ausgaben und Kosten kann der Einkauf schlichtweg seine Aufgaben nicht erfüllen. Der Prüfstein des Erfolges ist der Umsetzungsstand. Das gilt in ähnlicher Weise auch für das Risikomanagement. Das Thema ist mit der Finanz- und Wirtschaftskrise auf die Prioritätenliste der Einkäufer gelangt und dort seither geblieben. Auch hier macht der Umsetzungsstand den Unterschied. 2. Die Einkäufer bescheinigen Ausgabentransparenz eine hohe Bedeutung und sich selbst dabei eine gute Performance. Ohne Zweifel: Die Hausaufgaben wurden erledigt. Nicht übersehen werden kann jedoch ein Trend zur Performance-Verschlechterung das erreichte Niveau der Ausgabentransparenz wird im Vergleich zu den Umfrageergebnissen von 2010 schlechter beurteilt. Dies bleibt weiter zu beobachten. 3. Dem Risikomanagement schreiben die Einkäufer weiterhin eine hohe Bedeutung zu. Trotzdem schätzen sie ihre Performance diesbezüglich nur als mittelmäßig ein. Der Durchschnittswert bei der Benotung der Qualität des Risikomanagements ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gefallen: um eine halbe Note. Insgesamt besteht seit dem Ende der Finanzkrise ein Trend zur Verschlechterung des Risikomanagements im Einkauf. Immer weniger Einkäufer bezeichnen ihre eigenen Bemühungen auf diesem Gebiet als gut oder besser. Es scheint, als fehle der Druck der Krise. Die früher geäußerten Bekenntnisse zur weiteren Professionalisierung des Risikomanagements bleiben wohl vorerst Lippenbekenntnisse. 4. Große Verliererin unter den Top-Themen des Einkaufs ist die Nachhaltigkeit. Ende 2010 mit dem Ausblick auf 2011 sahen die Einkäufer dieses Thema noch auf Platz zwei ihrer Prioritätenliste. Rückblickend auf das vergangene Jahr landet die Nachhaltigkeit nun auf dem vorletzten Platz des Rankings. Daran ändert vorerst auch nicht, dass sie für 2012 wieder höher priorisiert wird. D&B hat im Hinblick auf die besondere Bedeutung des Themas die Teilnehmer des BME-Symposiums noch einmal gezielter befragt. Die Ergebnisse werden in einer gesonderten Studie veröffentlicht. 5. Global Sourcing kein Modewort, sondern gelebte Realität. Das trifft natürlich vor allem für eine der in der Umfrage am stärksten vertretenen Zielgruppen zu: große mittelständische und Großunternehmen. Sie realisieren die Hälfte ihrer Beschaffung oder mehr im Ausland. Deutlich differenziert sind hier die einzelnen Branchen, auch das Engagement in den verschiedenen Märkten zeigt deutliche Unterschiede.

2 2 D&B Studie Themen im Einkauf 2012 Summary Umfrageergebnisse 6. Global Footprint nicht nur der hohe Anteil der internationalen Märkte an der Gesamtbeschaffung, sondern noch viel mehr das breite Engagement der deutschen Einkaufsorganisationen in einer Vielzahl von Märkten ist kennzeichnend. Nur eines von fünf Unternehmen kauft heute noch vor der Haustür ein. Das Gros fühlt sich auf internationalen Märkten zu Hause. Eine permanente Herausforderung für die Professionalisierung des Einkaufs ist die Entwicklung internationaler Beschaffungsorganisationen mit qualifizierten Mitarbeitern und Experten. 7. Die Globalität der heutigen Beschaffung in deutschen mittelständischen Unternehmen und Großkonzernen erfordert eine adäquate Akzeptanz der damit verbundenen Komplexität. Die strategischen Abteilungen des Einkaufs täten daher gut daran, ihre Hausaufgaben nicht zu vernachlässigen und die heißen nun einmal Ausgabentransparenz und Risikomanagement. Umfrageergebnisse Im Jahr 2011 hat sich die konjunkturelle Entwicklung von 2010 in Deutschland erfreulicherweise fortgesetzt. Mit gut 3 Prozent Wachstum (nach 3,7 Prozent 2010) gehört das vergangene Jahr zu den erfolgreichsten seit der Deutschen Wiedervereinigung. Nach dem dramatischen Einbruch 2009 erreichte das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt damit wieder das Vorkrisenniveau 1. Ob Binnennachfrage oder Außenhandel, Arbeitsmarkt oder Staatsdefizit überall positive Entwicklungen. Mehr als einmal wurde 2011 rückblickend als Boom-Jahr bezeichnet. Die 2010 bei vielen Unternehmen gefüllten Auftragsbücher haben sich 2011 in Rekordumsätze und satte Gewinne umgewandelt. Das gilt für fast alle Branchen, angeführt von der Automobilindustrie, und macht selbst vor der Bauindustrie nicht halt. Doch zum einen: Wo Licht ist, ist auch Schatten. Das Wirtschaftsklima kühlte sich zum Jahresende deutlich ab, die Konjunktur erlitt einen Dämpfer. Die Prognosen für 2012 sind sehr zurückhaltend. Wachstum ja, aber auf mehr als 1 Prozent will sich aktuell niemand festlegen. Zum anderen (oder ist das die Ursache?) wird 2011 immer deutlicher, dass die Weltwirtschaft krisenanfällig bleibt. Die desolate griechische Wirtschaft (aber nicht sie allein) bescherte uns das neue Schreckenswort Euro- Krise. Es beherrscht die Medien seit Monaten und prägt den Beginn des neuen Jahres. Die konkreten Auswirkungen auf die Realwirtschaft lassen sich nur erahnen Unsicherheiten sind die Folge. Das Jahr 2011 hat darüber hinaus erneut unter Beweis gestellt, wie sehr die globale Vernetzung von Volkswirtschaften und Unternehmen unsere Handlungsspielräume determiniert dies bekam der Einkauf im Besonderen zu spüren. Der Tsunami in Japan mit der darauf folgenden Reaktorkatastrophe in Fukushima war nicht das einzige Ereignis, das einmal mehr die Agilität globaler Supply Chains und der mit ihnen verbundenen Beschaffungsstrategien einem Stresstest unterzog. Lektionen, die ihre Auswirkungen sicher auch im Handeln der Einkaufsverantwortlichen hinterlassen haben. Wie verhält sich der Einkauf als wettbewerbsdifferenzierender Faktor in diesem komplexen und von vielen Unwägbarkeiten bestimmten Wirtschaftsumfeld? Welche Themen priorisiert der Einkauf 2012 und welche finden weniger Beachtung? Bereits seit 2009 somit 2011 zum dritten Mal befragt D&B jährlich auf dem im November stattfindenden BME-Symposium Einkäufer, Entscheider und Experten zu ihrer Sicht der Dinge. Auch 2011 wurden wieder fast 200 Symposiumsteilnehmer befragt. 1

3 3 D&B StuDie themen im einkauf 2012 UMFRAGEERGEBNISSE unternehmen nach Branchen transport/logostik gross-/einzelhandel BanKen/VerSicherung 7,23 % 6,63 % 5,42 % 15,06 % MaSchinen-/anlagenBau VerarBeitenDe industrie VerSorgung 7,83 % 15,06 % DienStleiStungen chemie/pharma 7,83 % automobil-/zulieferindustrie telekom/it 9,64 % 14,46 % 10,84 % Wie schon in den vergangenen Jahren war die Branchenherkunft der Einkäufer breit gefächert. Einzig aus den Bereichen Agrar- und Forstwirtschaft, Lebensmittelindustrie, Bauwirtschaft und Öffentliche Beschaffung nahmen nur wenige an der Befragung teil sie wurden daher für die Einzelauswertungen nicht berücksichtigt. Die Größenklassen der Unternehmen beziehen sich auf den von D&B erfragten Unternehmensumsatz. Erneut waren es vor allem mittelständische und Großunternehmen, die das Teilnehmerbild des Symposiums prägten. Der Anteil kleinerer Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 100 Millionen Euro hat gegenüber 2010 tendenziell eher abgenommen (2010: 28,9 Prozent, 2011: 24,3 Prozent). unternehmen nach umsatz > 1 MrD. 22,89 % 500 Mio. 1 MrD Mio. 43,37 % < 100 Mio. 23,49 % 10,24 %

4 4 D&B StuDie themen im einkauf 2012 THEMEN IM EINKAUF themen im einkauf Seit in der Finanz- und Wirtschaftskrise das Thema Risikomanagement endgültig seinen Platz auf der Agenda des Einkaufs gefunden hat, liefert es sich mit der Ausgabentransparenz ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den ersten Platz auf der Prioritätenliste. Bei der D&B Umfrage Ende 2010 prognostizierten 90 Prozent der befragten Symposiumsteilnehmer der Ausgabentransparenz eine hohe Bedeutung für Drei Viertel sahen dies auch für das Risikomanagement. Im Rückblick auf das Jahr 2011 fällt die Beurteilung verhaltener aus und die Plätze wurden vertauscht. Gut zwei Drittel der Befragten gaben an, das Risikomanagement im Einkauf habe für sie eine hohe Bedeutung im vergangenen Jahr gehabt, etwas weniger sehen das auch für die Ausgabentransparenz. Wie auch immer die Gewichtung ausfällt: Beide bleiben die zentralen Themen im Einkauf, daran ändert sich auch in der Prognose für 2012 nichts. Drei Viertel der Umfrageteilnehmer waren sich 2010 darin einig, dass der Bedarfssicherung 2011 eine große Bedeutung zukommen würde. Der sich bereits abzeichnende konjunkturelle Aufschwung wurde mit der Erwartung oder auch Befürchtung verknüpft, im bevorstehenden Geschäftsjahr die eine oder andere Herausforderung bei der Sicherung der Versorgung der Unternehmen mit Rohstoffen, Produkten und Services bewältigen zu müssen. Dies hat sich rückblickend im Wesentlichen bestätigt. entwicklung der themen im einkauf hohe/sehr hohe Bedeutung PROGNOSE 2011 ausgabentransparenz 88,46 % nachhaltigkeit BeDarfSSicherung risikomanagement 73,25 % 73,15 % 71,97 % global Sourcing 61,74 % RÜCKBLICK 2011 risikomanagement ausgabentransparenz BeDarfSSicherung 62,65 % 60,84 % 68,90 % nachhaltigkeit global Sourcing 36,75 % 42,77 % PROGNOSE 2012 ausgabentransparenz 78,31 % risikomanagement BeDarfSSicherung nachhaltigkeit 69,42 % 67,47 % 67,47 % global Sourcing 56,02 %

5 5 D&B StuDie themen im einkauf 2012 THEMEN IM EINKAUF AUSGABENTRANSPARENZ Große Erwartungen gab es für 2011 bezüglich der Nachhaltigkeit im Einkauf. Sie landete in der Wertung auf Platz zwei. Auch hier waren es drei von vier Einkaufsverantwortlichen und Experten, die voraussagten, dass dieses Thema 2011 eine große Bedeutung haben werde. In der Rückschau am Ende des Jahres ergab sich jedoch ein völlig anderes Bild. Noch nicht einmal die Hälfte der Befragten kann konstatieren, dass nachhaltige Beschaffung für sie 2011 eine große Rolle gespielt hätte. Die Projektion in die Zukunft ist zwar wieder optimistisch, dort rangiert das Thema durchaus auf Augenhöhe mit dem Risikomanagement. Ob das so aber umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Einkauf und Global Sourcing werden oft in einem Atemzug genannt wie global ist aber der Einkauf deutscher Unternehmen tatsächlich? Schließlich wird uns Deutschen immer wieder vorgeworfen, als Exportweltmeister auf den internationalen Märkten zwar unsere Absatzchancen hervorragend zu nutzen, jedoch wenig in diesen Märkten für die Nachfrage zu tun. Global Sourcing rangiert in dieser Hinsicht tatsächlich konstant an letzter Stelle. Waren es in der Prognose noch gut 60 Prozent der Umfrageteilnehmer, die hier einen Schwerpunkt ihrer Tätigkeit sahen, meinen rückblickend magere 37 Prozent, dies wäre wirklich so gewesen. ausgabentransparenz BeDeutung hoch, PerforMance gut D&B hat auf dem BME-Symposium die Entscheider und Experten im Einkauf gefragt, wie sie das erreichte Niveau der Ausgabentransparenz in ihren Unternehmen einschätzen mit durchaus positivem Resultat. Fast die Hälfte schätzt ihren Status als gut oder besser ein. Nur jeder Siebente kommt zu der Einschätzung genügend oder schlechter. Trotzdem blieb die Einschätzung hinter der Vorjahresbewertung zurück da waren es noch 57,7 Prozent (2011: 46,96 Prozent), die ihr Ergebnis mit gut und sehr gut beurteilten, 10,25 Prozent (2011: 13,42 Prozent) urteilten mit genügend und schlechter. Das spiegelt sich auch im Notendurchschnitt wider betrug er 2010 noch 2,42, sank er jetzt geringfügig auf 2,63 ab. Bewertung ausgabentransparenz Bei der Eigenbewertung der Branchen ergibt sich im Vergleich ein deutlich verändertes Bild. An der Spitze lösen die Banken und Versicherungen mit einem Durchschnittswert von 2,0 (Vorjahr: 2,36, Rang 3) die Automobil- und Zulieferindustrie mit 2,61 (Vorjahr: 1,93, Rang 4) ab. Der Groß- und Einzelhandel, der 2010 mit einer Quote von 2,14 noch den zweiten Platz behauptete, teilt sich nun mit 3,0 den letzten Platz mit der Transport- und Logistikbranche, die bei einem Wert von 2,58 schon im vorhergehenden Jahr auf den hinteren Plätzen rangiert hatte. Möglicherweise wirkt sich hier aus, dass das Thema Ausgabentransparenz 2011 nicht den Stellenwert bekam, der ihm eigentlich zugedacht war hier zeigt sich deutlicher Nachholbedarf für niveau der ausgabentransparenz nach noten Sehr gut gut BefrieDigenD 9,76 % 37,20 % 39,63 % BanKen/VerSicherung 2,00 VerSorgung 2,31 VerarBeitenDe industrie 2,40 genügend ungenügend 11,59 % 1,83 % automobil-/zulieferindustrie 2,61 chemie/pharma 2,62 telekom/it 2,63 DienStleiStungen 2,79 MaSchinen-/anlagenBau 2,88 gross-/einzelhandel 3,00 transport/logistik 3,00

6 6 D&B StuDie themen im einkauf 2012 RISIKOMANAGEMENT risikomanagement BeDeutung hoch, PerforMance MittelMÄSSig Je weiter wir uns von der Finanz- und Wirtschaftskrise entfernen, umso mehr scheint das Thema Risikomanagement aus dem Fokus des Einkaufs zu geraten. Zusätzlich verschlechtert sich die Performance der eingesetzten Steuerungssysteme. Bewertung risikomanagement Haben 2010 noch knapp 20 Prozent der Umfrageteilnehmer ihr Risikomanagement mit den Noten 4 oder 5 bewertet, sind es 2011 schon gut 30 Prozent. Auf der anderen Seite der Skala sind es dagegen nicht über 40 Prozent wie 2011, die sich die Wertung gut und besser geben, sondern noch nicht einmal mehr 30 Prozent. Sehr gut gut 5,49 % 22,56 % BefrieDigenD 41,46 % genügend 25,00 % ungenügend 5,49 % Zwar hat sich an der Beurteilung des Stellenwertes des Risikomanagements in den letzten Jahren nach der Krise wenig geändert um die 70 Prozent der Befragten räumen ihm eine hohe Bedeutung ein, aber die Aussagen differieren stark von Branche zu Branche. Während bei den Banken und Versicherungen, der Verarbeitenden Industrie und der Versorgungswirtschaft drei Viertel bis vier Fünftel der Einkäufer und Experten die Bedeutung des Risikomanagements als hoch einschätzen, sind es im Groß- und Einzelhandel, bei Dienstleistungsunternehmen und im Bereich Transport und Logistik gerade einmal die Hälfte. Bewertung risikomanagement eher hoch nach Branchen automobil-/zulieferindustrie 72,22 % BanKen/VerSicherung 83,33 % chemie/pharma DienStleiStungen gross-/einzelhandel 56,52 % 54,55 % 61,54 % MaSchinen-/anlagenBau 80,00 % telekom/it 66,67 % transport/logistik 55,56 % VerarBeitenDe industrie VerSorgung 72,00 % 76,92 %

7 7 D&B StuDie themen im einkauf 2012 RISIKOMANAGEMENT GLOBAL SOURCING Keine Überraschung, dass in dieser Reihenfolge auch die Notendurchschnitte bei der Eigenbewertung der Qualität des Risikomanagement ausfallen. Dabei hat sich die Gesamtbewertung aller Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr um eine halbe Note verschlechtert betrug der Durchschnitt 2010 noch 2,60, liegt er jetzt bei 3,06. notendurchschnitt Qualität des risikomanagements VerSorgung 2,46 BanKen/VerSicherung 2,58 VerarBeitenDe industrie 2,88 automobil-/zulieferindustrie 3,06 MaSchinen-/anlagenBau 3,08 chemie/pharma 3,15 telekom/it 3,19 transport/logistik 3,33 DienStleiStungen 3,38 gross-/einzelhandel 3,45 Betrachten wir die Entwicklung der letzten Jahre, scheint es, als fehle der weiteren Entwicklung des Risikomanagements im Einkauf der entscheidende Impuls. Wir haben 2009 festgestellt, dass durch die Finanz- und Wirtschaftskrise das Risikomanagement schlagartig in den Mittelpunkt des Interesses rückte. Vor der Krise gab nur knapp ein Drittel der befragten Unternehmen dem Risikomanagement einen hohen Stellenwert. Mit der Krise stieg der Wert auf über 70 Prozent. Vielfältige Optimierungen wurden realisiert und weitere Verbesserungspotenziale identifiziert. 2 Ende 2009 bescheinigten sich noch 46,5 Prozent der auf dem BME-Symposium Befragten ein gutes bis sehr gutes Risikomanagement. Seitdem ist der Anteil kontinuierlich gesunken. Zwar ist die Bedeutung des Risikomanagements für den Einkauf nicht mehr zu leugnen, die Bemühungen um weitere Professionalisierung bleiben aber Lippenbekenntnisse. Die Anreize dafür sind wohl zu schwach. Wie global ist global Sourcing? D&B fragte die Teilnehmer des BME-Symposiums 2011 nach dem Anteil der verschiedenen Beschaffungsmärkte an ihrem Einkaufsvolumen. Die Antworten dokumentieren einen tatsächlichen Global Footprint der deutschen Unternehmen: Fast 50 Prozent ihres Einkaufs realisieren sie im Ausland zumindest bezogen auf die Zielgruppe, die auf dem Symposium vertreten war. Die Rangfolge der Märkte nach Einkaufsvolumen ist Westeuropa, Asien (beide um 15 Prozent), gefolgt von Osteuropa und Nordamerika. Mittel- und Südamerika sowie Afrika spielen als Schlusslichter mit je ca. 1 Prozent keine Rolle. Verhältnis der einzelnen Märkte zum gesamten einkaufsvolumen alle unternehmen DeutSchlanD 54,13 % WeSteuroPa asien osteuropa nordamerika Mittel-/SüDaMeriKa afrika 16,77 % 13,04 % 7,59 % 6,30 % 1,64 % 0,54 % 2 Siehe D&B Studie risikomanagement im einkauf,

8 8 D&B StuDie themen im einkauf 2012 GLOBAL SOURCING Dass die 50 Prozent nicht erreicht werden, geht eindeutig auf das Konto der kleineren mittelständischen Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 100 Millionen Euro. Ihr Anteil bei der Beschaffung auf internationalen Märkten liegt lediglich bei einem Drittel. Global Sourcing hat also klar etwas mit der Unternehmensgröße zu tun und letztlich mit der Fähigkeit und der Notwendigkeit, in internationale Märkte einzutreten sowie der damit verbundenen Konsequenz, in diesen Märkten auch zu beschaffen. Verhältnis der einzelnen Märkte zum gesamten einkaufsvolumen unternehmen höherer umsatzklassen 66,89 % < 100 Mio. 33,11 % 48,83 % Mio. 51,17 % 50,00 % 500 Mio. 1 MrD. 50,00 % Interessant ist, dass es bei den Unternehmen der anderen Umsatzklassen keine deutlichen Unterschiede mehr hinsichtlich ihres Beschaffungsengagements in internationalen Märkten gibt der Anteil liegt bei allen um die 50 Prozent. > 1 MrD. 50,73 % 49,27 % DeutSchlanD ausländische MÄrKte Deutliche Unterschiede gibt es bei den Branchen. Den mit Abstand höchsten Beschaffungsanteil auf internationalen Märkten hat die Telekommunikations- und IT-Industrie: Fast 70 Prozent ihrer Produkte und Dienstleistungen kauft sie im Ausland ein. Es folgt die Automobil- und Zulieferindustrie mit einem 60-prozentigen Anteil internationaler Beschaffung. Geringeres Engagement zeigen die Versorgungsunternehmen. Sie beschaffen rund ein Drittel ihrer Güter und Services im Ausland. Dienstleistungsunternehmen liegen hier gar nur bei einem Viertel. Verhältnis der einzelnen Märkte zum gesamten einkaufsvolumen Branchen automobil-/zulieferindustrie BanKen/VerSicherung chemie/pharma 40,44 % 59,56 % 57,27 % 42,37 % 47,73 % 52,27 % DienStleiStungen 25,00 % 75,00 % gross-/einzelhandel MaSchinen-/anlagenBau 44,09 % 41,80 % 55,91 % 58,20 % telekom/it 32,00 % 68,00 % transport/logistik VerarBeitenDe industrie 51,67 % 48,33 % 49,79 % 50,21 % VerSorgung 33,67 % 66,33 % DeutSchlanD ausländische MÄrKte

9 9 D&B Studie Themen im Einkauf 2012 Global Sourcing Branchendifferenziert ist auch der Anteil des Einkaufs in den einzelnen Märkten. Während Westeuropa im Allgemeinen der wichtigste internationale Beschaffungsmarkt für deutsche Unternehmen ist, folgt bei der Telekommunikations- und IT-Industrie Asien bereits auf Rang zwei. Mit 25,33 Prozent sind sie auch hier Spitzenreiter. Gleiches gilt für Banken und Versicherungen (16,82 Prozent) sowie die Unternehmen aus Transport und Logistik beides Branchen, denen man nicht per se einen hohen Beschaffungsanteil in Asien attestieren würde. Betrachten wir die weiteren Beschaffungsmärkte im Ranking, kommt Osteuropa und Nordamerika nachrangige Bedeutung zu im Allgemeinen werden hier nur einstellige Prozentsätze beim Marktengagement erreicht. Ein überdurchschnittliches Engagement zeigt in Osteuropa die Transport- und Logistikbranche mit 14,17 Prozent gefolgt von den Versorgungsunternehmen (Rohstoffeinkauf) und der Automobil- und Zulieferindustrie, die ebenfalls beide mehr als 10 Prozent ihre Bedarfe in Osteuropa decken. In Nordamerika ist es die Telekommunikations- und IT- Industrie, die hier mehr als 12 Prozent ihres Einkaufs realisiert, gefolgt von der Chemischen und der Pharmaindustrie mit je 11,25 Prozent. Durchschnittlicher Marktanteil Global Sourcing Branchen in einzelnen Märkten Deutschland Westeuropa Asien Osteuropa Nordamerika Mittel-/Südamerika Afrika Automobil-/Zulieferindustrie 40,44 % 21,88 % 16,19 % 11,25 % 7,75 % 2,13 % 0,38 % Banken/Versicherung 57,27 % 10,91 % 16,82 % 6,82 % 4,55 % 1,82 % 1,82 % Chemie/Pharma 47,73 % 17,50 % 14,18 % 6,05 % 11,00 % 2,91 % 0,64 % 75,00 % dienstleistungen 12,33 % 3,05 % 3,43 % 4,05 % 1,19 % 0,95 % GroSS-/Einzelhandel 55,91 % 17,27 % 13,36 % 9,55 % 2,45 % 0,73 % 0,73 % Maschinen-/Anlagenbau 58,20 % 18,82 % 9,78 % 5,34 % 5,48 % 2,28 % 0,10 % Telekom/IT 32,00 % 21,00 % 25,33 % 7,33 % 12,00 % 1,33 % 1,00 % Transport/Logistik 51,67 % 15,00 % 16,67 % 14,17 % 1,67 % 0,83 % 0,00 % Verarbeitende Industrie 49,79 % 17,21 % 15,67 % 7,54 % 8,13 % 1,58 % 0,08 % 66,33 % Versorgung 12,42 % 5,83 % 12,08 % 2,33 % 0,83 % 0,17 %

10 10 D&B StuDie themen im einkauf 2012 GLOBAL FOOTPRINT global footprint Um den Global Footprint deutscher Unternehmen im Einkauf zu beurteilen, soll es nicht ausreichen, die Beschaffungsanteile in den einzelnen Märkten so beeindruckend diese auch sind herbeizuziehen. Die Herausforderungen globalen Handelns sind ja nicht an die Menge der zu beschaffenden Güter und Services geknüpft, sondern an die Tatsache des Engagements in fremden Märkten an sich. Dies stellt besondere Anforderungen an den Einkauf, seine Organisation, seine Logistik, die interkulturellen Fähigkeiten und seine Mitarbeiter. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass nur eines von fünf Unternehmen sich auf lediglich einen oder zwei Märkte für den Einkauf beschränkt das Einkaufen vor der Haustür ist also ein vom Aussterben bedrohtes Modell. zur Gruppe der Fortgeschrittenen. Schließlich gibt es eine nicht kleine Gruppe von Experten fast 20 Prozent der Befragten die so gut wie überall auf der Welt zu Hause sind. anzahl der genutzten Beschaffungsmärkte (häufigkeit der nennung in %) 22,37 % 26,32 % 7,89 % 13,16 % 11,84 % anzahl BeSchaffungSMÄrKte Rund zwei Drittel der befragten Einkäufer und Experten auf dem BME-Symposium 2011 gaben an, in drei, vier oder sogar fünf Märkten unterwegs zu sein sie gehören 6,58 % 11,84 % 6 7 anteil der aktiven unternehmen in den jeweiligen Märkten DeutSchlanD 96,05 % WeSteuroPa 84,87 % asien osteuropa 61,84 % 62,50 % nordamerika 46,71 % Mittel-/SüDaMeriKa 21,05 % afrika 9,87 % Das zeigt auch eine weitere Auswertung, die die Häufigkeit der Nennung der einzelnen Märkte als Beschaffungsmärkte zum Gegenstand hat. Einkaufen in Deutschland ist und das ist keine Überraschung für annähernd alle Einkäufer üblich. Fast genauso sieht es mit Westeuropa aus. Mehr als vier Fünftel der befragten Unternehmen kaufen bei den westeuropäischen Nachbarn ein. Bei den osteuropäischen Nachbarn sind es immerhin noch drei von fünf. Damit liegt das Interesse an diesem Beschaffungsmarkt fast gleichauf mit dem am fernöstlichen Markt. Auch hier zeigen gut drei von fünf Einkaufsorganisationen Aktivitäten.

11 11 D&B Studie Themen im Einkauf 2012 Global Footprint Hat die vorherige Auswertung gezeigt, dass die Beschaffungsanteile in Nordamerika, Mittel- und Südamerika sowie in Afrika im Verhältnis zu den anderen Märkten relativ gering sind, so heißt das nicht, dass sie von generellem Desinteresse sind. Fast jedes zweite Unternehmen kauft in den USA oder Kanada ein, gut jedes fünfte sogar in Mittel- und Südamerika, und selbst in Afrika ist jedes zehnte Unternehmen mit Einkaufsaktivitäten unterwegs. Auch aus dieser Perspektive lohnt es sich, die Branchen genauer anzusehen. Den deutlichsten Global Footprint haben hier wohl die Chemische und die Pharmaindustrie. In fünf von sieben möglichen Beschaffungsmärkten sind jeweils mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen engagiert. Darüber hinaus zeigen diese Branchen mit fast 50 Prozent des Engagements in Nordamerika und annähernd 20 Prozent in Afrika auch in diesen Märkten die höchste Präsenz. An zweiter Stelle, nahezu Kopf an Kopf, rangiert die Automobil- und Zulieferindustrie. In Osteuropa ist ihre Präsenz in den Märkten deutlich stärker ausgeprägt als bei der Chemischen und der Pharmaindustrie, dafür liegt sie in Asien und Nordamerika knapp hinter diesen. Wenn man in dieser Disziplin von einem Schlusslicht sprechen kann, dann sind es die Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor. Nur im heimischen Markt und vor der eigenen Tür in Westeuropa kommen sie auf einen Präsenzwert von über 50 Prozent in allen anderen Märkten ist das Interesse eher gering. Anteil der Unternehmen in den jeweiligen Märkten nach Branchen Deutschland Westeuropa Asien Osteuropa Nordamerika Mittel-/Südamerika Afrika Automobil-/Zulieferindustrie 93,75 % 100,00 % 75,00 % 93,75 % 68,75 % 37,50 % 12,50 % Banken/Versicherung 84,82 % 54,55 % 63,64 % 45,45 % 27,27 % 18,18 % 9,09 % Chemie/Pharma dienstleistungen 90,91 % 100,00 % 90,91 % 81,82 % 81,82 % 18,18 % 45,45 % 100,00 % 61,90 % 23,81 % 14,29 % 14,29 % 33,33 % 38,10 % GroSS-/Einzelhandel 100,00 % 81,82 % 63,63 % 72,73 % 36,36 % 27,27 % 9,09 % Maschinen-/Anlagenbau 100,00 % 96,00 % 60,00 % 64,00 % 52,00 % 20,00 % 4,00 % Telekom/IT 86,67 % 86,67 % 66,67 % 46,67 % 60,00 % 13,33 % 13,33 % Transport/Logistik 100,00 % 100,00 % 50,00 % 100,00 % 16,67 % 16,67 % 0,00 % Verarbeitende Industrie 100,00 % 83,33 % 75,00 % 54,17 % 50,00 % 16,67 % 8,33 % Versorgung 100,00 % 91,67 % 41,67 % 66,67 % 33,33 % 8,33 % 8,33 %

12 12 D&B Studie Themen im Einkauf 2012 fazit Fazit Die Auswertung der Anzahl der unterschiedlichen Märkte, in denen sich die Unternehmen engagieren, belegt deutlicher als die Beschaffungsanteile der Unternehmen, wie stark sich der Einkauf in den letzten Jahren internationalisiert hat. Das hat sicher eine Vielzahl von Konsequenzen für die weitere Professionalisierung der Beschaffungsfunktion in den Unternehmen. Um die gewachsene Komplexität des Einkaufs bewältigen zu können, braucht es zuallererst leistungsfähige Organisationen, die über hoch qualifizierte Mitarbeiter und Spezialisten verfügen. Stehen diese nicht in-house zur Verfügung, ist ihre externe Verfügbarkeit durch erfahrene Beschaffungsdienstleister zu sichern. Die Herausforderungen internationaler Märkte zu meistern und hier schließt sich der Kreis heißt aber auch, die Ausgabentransparenz als wichtige Prämisse für die Steuerung der Beschaffung stets im Auge zu haben und nicht zu vernachlässigen. Darüber hinaus wird ein professionelles Risikomanagement das sollten die letzten wechselvollen und von immer neuen kleinen und großen Krisen geprägten Jahre deutlich gemacht haben mehr und mehr zur Voraussetzung für erfolgreiches Handeln im Einkauf auf globalen Märkten. D&B Deutschland GmbH Havelstraße Darmstadt T ( ) F ( ) D&B Deutschland GmbH Über D&B D&B Deutschland (früher Dun & Bradstreet) ist ein Unternehmen der Bisnode Gruppe und gehört zum weltweiten D&B Netzwerk, dem Weltmarktführer für Wirtschaftsinformationen und Firmenbewertungen. Unternehmen aus allen Branchen nutzen die Daten und Lösungen von D&B Deutschland zur Bonitätsprüfung, bei der Kundengewinnung und im strategischen Einkauf. Basis dafür ist die D&B Datenbank mit Informationen über 4,7 Millionen deutsche und mehr als 200 Millionen Unternehmen weltweit. In die Bonitätsbewertung der Firmen fließt auch deren Zahlungsverhalten ein. Dazu wertet D&B alleine in Deutschland jährlich mehr als 700 Millionen Rechnungsinformationen aus. Die Zuordnung aller Informationen zu den Unternehmen ist durch die von D&B eingeführte D-U-N-S Nummer eindeutig. Die D-U-N-S Nummer wird unter anderem vom Verband der Automobilindustrie (VDA), vom Verband der Chemischen Industrie (VCI), von der Europäischen Kommission und von der ISO als Standard empfohlen und eingesetzt.

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