Inhaltsverzeichnis. Kaufen und Verkaufen: der Kaufvertrag 9

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1 Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis Kaufen und Verkaufen: der Kaufvertrag 9 1 Einführung Rechtliche Grundlagen des Kaufens und Verkaufens Was ist ein Vertrag? Der Kaufvertrag und andere Vertragstypen Wichtige Gesetze Phasen beim Kaufen und Verkaufen Anbahnung Abschluss Erfüllung 19 2 Was wird vereinbart? Der Inhalt des Kaufvertrages Warenart (Qualität) Verweis auf Standardqualitäten Marken und Typen Normen Qualitätsklassen (Handelsklassen) Beschreibung und Abbildung Besichtigung Sonderregelungen Spezifikationskauf Kauf auf Probe Kauf in Bausch und Bogen Menge (Quantität) Verträge mit genauer Mengenangabe Verträge mit ungefährer Mengenangabe Verträge ohne Mengenangabe Gewicht der Verpackung Preis Formen der Preisfestsetzung im Kaufvertrag Verträge mit feststehendem Preis Basiskauf Kostenschwankungsklausel Indexklausel (Wertsicherungsklausel) Markt- oder Börsenpreis Rabatte Preisangabe und Umsatzsteuer Lieferbedingungen Erfüllungszeit der Lieferung Erfüllungsort der Lieferung Kosten- und Risikoübergang beim Versen dungskauf Gesetzliche Regelung Kaufvertragsklauseln Zahlungsbedingungen Erfüllungszeit der Zahlung Vorauszahlung und Anzahlung Prompte Zahlung Kreditkauf Erfüllungsort der Zahlung Zahlungsform (Hinweis) Weitere Vereinbarungen Eigentumsvorbehalt Pönale Gewährleistung und Garantie (Hinweis) Reuegeld (Stornogebühr) Verpackung Funktionen der Verpackung Regelungen im Kaufvertrag Montage, Montageanleitung, Einschulung Umtauschrecht Kleiner Druck, große Bedeutung: Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) Der Inhalt von AGB Geltung der AGB Gefahren der AGB 50 3 Wie kommt der Kaufvertrag zustande? Von der Anbahnung zum Abschluss Vertragsanbahnung Vertragsanbahnung durch den Käufer Bezugsquellenermittlung Anfrage Angebotsvergleich Vertragsanbahnung durch den Verkäufer Anpreisungsformen Besonderheiten bei Anpreisungen gegenüber dem Verbraucher Besonderheiten bei der Online-Anpreisung Vertragsabschluss Verbindliches Angebot Bestellung Bestellung nach verbindlichem Angebot Bestellung nach Anpreisung Auftragsbestätigung Auftragsbestätigung NACH Abschluss des Kaufvertrages Auftragsbestätigung ALS Abschluss des Kaufvertrages Kaufvertrag in Vertragsform Besonderheiten des Vertragsabschlusses im Fernabsatz, insbesondere im Internet 68 4 Wie wird der Kaufvertrag erfüllt? Von der Lieferung zur Zahlungsfreigabe Lieferung Versand Transportmittel Fahrtroute Ausstellen der Lieferpapiere Warenübergabe zum Transport Rechnungslegung Rechnung Prüfung und Verbuchung Warenannahme und Zahlungsfreigabe 81 5 Wie wird bezahlt? Zahlungsformen Barzahlung Barzahlung im engeren Sinne 85 5

2 Inhaltsverzeichnis Begriff und Bedeutung Zahlungsbestätigungen bei Barzahlung Postgelddienste Giroverkehr und Girokonto Begriff und Bedeutung des Giroverkehrs Girokonto Verfügungs- und Zahlungsberechtigung Kontoauszug Spesen Zinsen Onlinebanking (Electronic Banking, E-Banking) Begriff Vor- und Nachteile des Onlinebanking Zahlung unter Verwendung von Girokonten Einmalzahlungen (Überweisungen) Überweisung mit Bareinzahlung Bargeldlose Überweisung Wiederkehrende Zahlungen Scheck Zahlungskarten Kreditkarte Zahlungsfunktion Zusatzfunktionen Kosten Sicherheitshinweise Bankomatkarte (Maestro-Karte) Funktion Kosten Sicherheitshinweise Quick die Elektronische Geldbörse Prepaid-Karten Zahlungskarten aus der Sicht des Verkäufers Zahlung beim Onlineshopping Traditionelle Zahlungsmethoden Vorauszahlung Zahlung nach Rechnung Einzugsermächtigung Nachnahme E-Payment Zahlungskarten Spezielle Verfahren Wechsel Wechselausstellung Verwertung des Wechsels Vorlage bei Fälligkeit Wechseldiskontierung Brutto-Netto-Wechsel Materielle und formelle Wechselstrenge Die Wahl der Zahlungsform Wenn etwas schiefgeht Probleme und Störungen Probleme beim Abschluss des Kaufvertrages Mangelnde Geschäftsfähigkeit Gesetzes- oder Sittenwidrigkeit Rücktritt vom Kaufvertrag Grundsätzliche Regelungen Besondere Rücktrittsrechte für Konsumenten Pflichtenverstöße durch den Verkäufer Lieferverzug Lieferung mangelhafter Ware Was ist ein Mangel? Gewährleistung Mängelrüge und Gewährleistungsfristen Garantie Produkthaftung Pflichtenverstöße durch den Käufer Annahmeverzug Zahlungsverzug Ansprüche des Verkäufers Das Mahnwesen Wenn der Streit eskaliert: Rechtsdurchsetzung Kommunikation im Geschäftsverkehr Mündliche Kommunikation Vorbereitung des Verkaufsgesprächs Durchführung des Verkaufsgesprächs Nachbereitung des Verkaufsgesprächs Rationalisierungsmöglichkeiten Schriftliche Kommunikation Optische Gestaltung von Geschäftsbriefen Gestaltung von Papierbriefen Fax Aufbau von Geschäftsbriefen Schreibstil Rationalisierungsmöglichkeiten Kommunikationsanlässe im Kaufvertrag Fallstudie Anfrage Verlangtes Angebot Rückfrage zum Angebot Bestellung Auftragsbestätigung Lieferverzug Antwort auf Lieferverzug Lieferschein und Rechnung Reklamationen Beantwortung einer Reklamation Mahnungen Rechnungsausgleich 200 Erfolgreich wirtschaften: das Unternehmen Grundlagen der Wirtschaft und des Wirtschaftens Warum gibt es Unternehmen? Wozu ist Geld wichtig? Was ist ein Markt? Wie funktioniert ein Markt? Wie arbeiten Unternehmen und Haushalte zusammen? Das Unternehmen und seine Leistungsbereiche 218 6

3 Inhaltsverzeichnis 2.1 Produktion Produkte Produktionsfaktoren Produktionsprozess Wirtschaftlichkeit Produktivität Beschaffung Lieferanten und Beschaffungsmarkt Beschaffung von Sachgütern Absatz Zahlungsverkehr und Finanzierung Personalwesen Mitarbeiter im Unternehmen Forderung nach Humanisierung der Arbeit Problem der Arbeitslosigkeit Unternehmensführung und Informationswesen Aufgaben des Managements Bedeutung von Information und Wissen Das Unternehmen und seine Ziele Unternehmensziele Zielbildungsprozess Unternehmenserfolg und Rechnungswesen Bedeutung des Gewinns Das Unternehmen und seine Umwelt Gesellschaftlich-rechtliche Umweltbedingungen Technologische Umweltbedingungen Ökologische Umwelt 242 Sammlung der Gesetzestexte 245 Glossar 254 Stichwortverzeichnis 261 Literaturverzeichnis 264 Quellenverzeichnis 264 7

4 Kaufen und Verkaufen: der Kaufvertrag Kaufen und Verkaufen: der Kaufvertrag Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sind Schüler einer berufsbildenden Schule und stehen mit Ihrer jüngeren Schwester Gaby vor einem Marktstand. Gaby ist wie immer sehr neugierig und stellt Ihnen folgende Fragen: 1. Was will der Marktmann hier? 2. Warum stellt er sich bei jedem Wetter auf den Wochenmarkt? 3. Was muss der Marktmann alles machen, damit er überhaupt das Obst auf dem Markt zum Verkauf anbieten kann? 4. Sie kennen die Apfelsorte Gala. Da die Äpfel groß und knackig sind und Sie diese sonst bei keinem anderen Stand gesehen haben, wollen Sie hier 1 kg Gala kaufen. Sie sagen daher zum Marktmann: Geben Sie mir bitte 1 kg Gala. Der Marktmann verlangt EUR 2,30. Sie sind mit dem Preis einverstanden. Haben Sie, Ihrer Meinung nach, einen Kaufvertrag abgeschlossen? Wenn ja, woraus schließen Sie das? 5. Was muss anschließend der Marktmann und was müssen Sie machen, damit Sie endlich in den süßen Apfel beißen können? 6. Der Marktmann hat die Äpfel beim Bauern selbst eingekauft und dafür EUR 1,40 pro Kilo bezahlt. Warum verlangt er beim Verkauf EUR 2,30 pro Kilo? 7. Was macht er mit dem Obst, das er nicht verkaufen konnte?? Arbeitsaufgabe Versuchen Sie, gemeinsam mit Ihrem Lehrer diese Fragen zu lösen. 9

5 Kaufen und Verkaufen: der Kaufvertrag 1 Einführung Die Wirtschaft lebt vom Kaufen und Verkaufen. Für die Abwicklung von Kauf und Verkauf haben sich im Wirtschaftsleben bestimmte Regeln entwickelt. Sie erleichtern die reibungslose Abwicklung eines Geschäftes, sodass Erzeuger Händler Endverbraucher (Konsumenten) rasch und sicher zu ihrem Geld bzw. zu der vereinbarten Ware kommen. Diesen Vertrag kann man sowohl mündlich als auch schriftlich abschließen! Eine dieser Regeln ist, dass die Beteiligten einen Vertrag abschließen. Nämlich dann, wenn sich Käufer und Verkäufer darauf geeinigt haben, zu welchen Bedingungen der eine kaufen und der andere verkaufen will. Sie legen in diesem Kaufvertrag fest, wer welche Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit dem Kauf bzw. Verkauf übernimmt. Erst dann, wenn der Kaufvertrag abgeschlossen ist, wird die Ware geliefert und bezahlt der Fachmann sagt, der Kaufvertrag wird erfüllt. In der Folge erfahren Sie Grundsätzliches über Kaufverträge. Sie be kommen auch einen Überblick darüber, wie das gesamte Kapitel Kaufen und Verkaufen: der Kaufvertrag gegliedert ist und wie die einzelnen Abschnitte dieses Kapitels zusammenhängen. Kaufen und Verkaufen: der Kaufvertrag Rechtliche Grundlagen des Kaufens und Verkaufens Phasen beim Kaufen und Verkaufen Was ist ein Vertrag? Vertragstypen Wichtige Gesetze Anbahnen Abschluss Erfüllung Unsere Ziele Nach Bearbeitung dieses Abschnitts wissen Sie, r was man unter einem Vertrag versteht und warum Verträge Vereinbarungen sind, die man sehr ernst nehmen muss; r was man unter einem Kaufvertrag und einem Werkvertrag versteht; r welche weiteren wichtigen Arten von Verträgen es gibt; r welche Gesetze man kennen sollte, wenn man Kaufverträge abschließt. 1.1 Rechtliche Grundlagen des Kaufens und Verkaufens Was ist ein Vertrag? Auch wenn ein Vertrag noch nicht erfüllt ist: Nach dem Abschluss gibt es kein Zurück! Verträge sind Vereinbarungen mit Rechtsfolgen. Das bedeutet: r Im Normalfall kann eine vertragliche Vereinbarung nicht rückgängig gemacht wer den. Der Abschluss eines Vertrages muss daher gut überlegt werden. r Wenn ein Vertragspartner die Vereinbarung nicht einhält, kann der andere sein Recht bei Gericht durchsetzen. Allerdings ist nicht jede Vereinbarung ein Vertrag. 10

6 1 Einführung Beispiele r Martha verspricht ihrem Vater, ihm am Sonntag bei der Gartenarbeit zu helfen, wenn er dafür am Montag mit ihr ins Kino geht. Wenn der Vater die Ver ein barung nicht einhält, wird er (hoffentlich) ein schlechtes Gewissen haben. Mar tha kann ihn aber nicht zwingen, mit ihr ins Kino zu gehen die beiden haben eine Vereinbarung getroffen, aber keinen Vertrag im rechtlichen Sinn geschlossen. r Der Vater möchte sich ein neues Auto zulegen und unterschreibt im Autohaus Leitner einen Kaufvertrag. Noch bevor das Auto abholbereit ist, reut ihn die Entscheidung. Er ist an den Vertrag jedoch gebunden und muss ihn erfüllen, das heißt: das Auto abholen und bezahlen. Das Autohaus kann ein Gericht einschalten, wenn der Vater das nicht tut.? Erklären Sie Ihrem Banknachbarn an diesen Beispielen mit eigenen Worten den Unterschied zwischen einer Vereinbarung und einem Vertrag. Wer einen Vertrag abgeschlossen hat, der hat Pflichten übernommen. Er kann sich aber umgekehrt auch darauf verlassen, dass der Vertragspartner seine Pflichten erfüllen wird. Dadurch wächst die Bereitschaft, auch mit Unbekannten Geschäfte zu tätigen. Beachten Sie: Viele Menschen denken an ein Schriftstück, wenn Sie das Wort Vertrag hören. Aber Verträge müssen nicht schriftlich abgeschlossen werden. Auch wenn Sie ganz ohne Unterschrift eine CD kaufen, ja selbst wenn Sie nur ein kleines Eis erwerben, schließen Sie einen Vertrag Der Kaufvertrag und andere Vertragstypen Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über wichtige Typen von Verträgen, bei denen der Aus tausch von Leistungen und Gegenleistungen vereinbart wird (= entgeltliche Verträge). Vertragstyp Leistung Gegenleistung Beispiele Kaufvertrag Ware Kaufpreis Der Autohändler Leitenthal kauft 60 Sommerreifen à EUR 40,00. Werkvertrag Dienstleistung ( Werk ) Werklohn Elektro-Kobl repariert die defekte Waschmaschine von Frau Freiling. Die Reparatur kostet EUR 125,00. Dienstvertrag Arbeit Lohn, Gehalt Luise Kempmann arbeitet als Friseuse und erhält dafür EUR 1.050,00 pro Monat. Mietvertrag Kreditvertrag Versicherungsvertrag Überlassung einer Sache zum Gebrauch Überlassung einer bestimm ten Geldsumme auf Zeit Mietzins Zinsen Erbringung einer bestimmten Leistung im Versicherungsfall Versicherungsprämie r Herr Meier vermietet an Herrn Frühwirth für EUR 700,00 pro Monat einen Raum in seinem Haus als Geschäftslokal. r Unternehmer Koller mietet am Flughafen einen Leihwagen. Ines Waldner nimmt bei einer Bank einen Kredit in Höhe von EUR ,00 auf, um damit Werbe maß nah men für ihr neues Sport geschäft finan zieren zu können. Der Tennisverein TopSpin zahlt regelmäßig eine Feuerversicherungs prämie. Dafür deckt die Versicherung den Vermögensschaden ab, wenn es einmal brennen sollte. Unterscheide Werkvertrag und Dienstvertrag: Während der Werk unternehmer selbstständig tätig ist und einen Erfolg schuldet, leistet der Dienstnehmer abhängige Arbeit für einen Dienstgeber und schuldet nur sein Bemühen. Der Vertragspartner muss kein einzelner Mensch sein. Auch Vereinigungen von Personen, z. B. eine Aktien gesell schaft, ein Verein oder eine politische Partei, können Verträge schließen. Man spricht dann von juristischen Personen. 11

7 Kaufen und Verkaufen: der Kaufvertrag Wir befassen uns in diesem Kapitel mit dem Kaufvertrag und dem Werkvertrag. Viele der Bestimmungen, die für den Kauf vertrag gelten und die Sie in diesem Buch kennenlernen werden, gelten auch für den Werkvertrag. Beim Kaufvertrag vereinbaren Ver käufer und Käufer, Ware gegen Geld zu tauschen. Einkauf (Beschaffung) Lieferanten Güter Unternehmen Güter Kunden Geld Geld Verkauf (Absatz) Der Verkäufer verspricht, die Ware r in der vereinbarten Qualität und Menge r in fehlerfreiem (mangelfreiem) Zustand r rechtzeitig und am vereinbarten Ort sowie r zum vereinbarten Kaufpreis in das Eigentum des Käufers zu übergeben. Der Käufer verspricht, r die Ware anzunehmen und r den Kaufpreis rechtzeitig zu bezahlen. Dienstleistungen kann man nicht angreifen und nicht lagern (z. B. Taxifahrt, Haarschnitt, Vortrag, Konzert). Werkverträge werden immer wichtiger, weil die Bedeutung des Dienstleistungs bereichs ständig wächst! Werden nicht Waren, sondern Dienstleistungen verkauft, so spricht man von einem Werkvertrag. Dabei verpflichtet sich der Werkunternehmer, eine be stimmte Leistung nämlich das Werk erfolgreich zu erbringen. Beispiele Bau eines Hauses durch den Baumeister, Organisation einer Urlaubsreise durch das Reisebüro, Reparatur eines Autos, Gestaltung einer Homepage, Erstellung einer Steuererklärung, Vorführung eines Kinofilmes. Manchmal bezieht ein Kunde auch gleichzeitig Waren und Dienstleistungen und oft sind die Grenzen zwischen Kaufvertrag und Werkvertrag fließend. Beispiele r Frau Freimuth bestellt im Möbelhaus einen Kleiderkasten (Ware), der von den Mitarbeitern des Möbelhauses zugestellt und aufgebaut wird (Dienstleistung). r Karl Gruber bestellt beim Schneider einen Maßanzug. Dieser fertigt den Anzug nicht nur an (Dienstleistung), sondern stellt auch den Stoff bei (Ware) Wichtige Gesetze Im Abschnitt 2 erfahren Sie genauer, worüber man sich beim Kaufen und Verkaufen einig werden muss. Für den Abschluss von Kaufverträgen gilt grundsätzlich Inhaltsfreiheit: Die Vertragspartner können vereinbaren, was sie wollen, sofern ihre Vereinbarung nicht gegen ein Gesetz oder gegen die guten Sitten verstößt. Damit die Vertragspartner aber nicht jedes Detail selbst aushandeln müssen und um Schwächere zu schützen, bestehen gesetzliche Bestimmungen, die das Zustan dekom men und den Inhalt von Verträgen regeln. Besonders im Falle von Streitigkeiten aus einem Vertrag sind diese Bestimmungen sehr wichtig. 12

8 1 Einführung r Einige dieser Bestimmungen gelten nur dann, wenn die Vertragspartner selbst zum betref fen den Punkt nichts Anderslautendes vereinbart haben. Solche Bestimmungen heißen nach giebig (dispositiv). Disponieren = selbst verfügen. Beispiel Wann der Kaufpreis zu zahlen ist, können die Vertragspartner frei vereinbaren. Haben Sie nichts vereinbart, so gilt die gesetzliche Bestimmung: Der Kaufpreis ist bei Übergabe der Ware zu bezahlen (Zug um Zug). r Andere Bestimmungen sollen den Schwächeren schützen und können vertraglich gar nicht (zwin gende Bestimmungen) oder nur zugunsten des Schwächeren (halb zwin gen de Bestimmungen) ab geändert werden. Beispiel Wird eine Ware mangelhaft geliefert, so kann der Käufer diesen Mangel bis zu zwei Jahre nach dem Kauf beim Verkäufer reklamieren (Gewährleistung). Ist der Käufer Konsument, so kann diese Gewährleistungsfrist vertraglich nicht verkürzt werden. Beachten Sie: Im Geschäfts- und im Privatleben ist es von großem Vorteil, Rechtskenntnisse zu be sitzen, denn: Ge setzeskenntnis schützt davor, unwissentlich gegen ein Gesetz zu verstoßen, und hilft, die eigenen Rechte besser wahrzunehmen! Welche Gesetze gelten, hängt davon ab, wer sich beim Vertragsabschluss gegen übersteht. Man unterscheidet: r Privatkäufe: Geschäfte zwischen zwei Privatpersonen. r Einseitig unternehmensbezogene Geschäfte: einer der beiden Vertragspartner ist Unternehmer: Verkäufe von Privat an einen Unternehmer (z. B. Verkauf eines Gebrauchtwagens an einen Autohändler). Verbrauchergeschäfte (der Verkäufer ist Unternehmer, der Käufer ist Konsument). r Zweiseitig unternehmensbezogene Geschäf te: Geschäfte zwischen Unternehmern. Privatkauf Privat an Privat Einseitig unternehmensbezogene Geschäfte Privat an Unternehmer Unternehmer an Konsument (= Verbrauchergeschäft) Zweiseitig unternehmensbezogenes Geschäft Unternehmer an Unternehmer Mit diesem Symbol verweisen wir auf wichtige Paragrafen aus einem Gesetz. So können Sie einzelne Bestimmungen selbst nachschlagen! Weiters finden Sie im Anhang eine Sammlung von Gesetzesauszügen. Von einem Unternehmer ist hier dann die Rede, wenn er das Geschäft im Rahmen seines Unternehmens, nicht als Privatperson, tätigt. Konsumentenschutzgesetz (KSchG) Handelsusancen (Gebräuche) Produkthaftungsgesetz (PHG) Unternehmensgesetzbuch (UGB) Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB) Im E-Commerce außerdem: E-Commerce-Gesetz (ECG), Signaturgesetz (SigG) Für alle Kaufverträge gelten die Bestimmungen des Allgemeinen Bürgerlichen Ge setz buches (ABGB). Im E-Commerce gelten zusätzlich das E-Commerce-Gesetz (ECG) und das Signaturgesetz (SigG). 13

9 Kaufen und Verkaufen: der Kaufvertrag Usancen = Gewohn heiten und Gebräuche im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen, die allgemein bekannt sind. Sie gelten in der Regel nur für bestimmte Branchen und in bestimmten Gegenden. Zum Beispiel: Bei Sonderanfertigungen ist es üblich, dass ein bestimmter Prozentsatz des vereinbarten Kaufpreises bereits bei Vertragsabschluss bezahlt werden muss. Diese Bestimmungen werden durch weitere Ge setze ergänzt und teilweise abgeändert: r Für Geschäfte, an denen mindestens ein Unternehmer in Ausübung seines Unternehmens beteiligt ist, gilt das Unternehmensgesetzbuch (UGB). r Ist der Verkäufer Unternehmer, gilt außerdem das Pro dukthaftungsgesetz (PHG). r Ist eine Privatperson (Verbraucher, Kon sument) Kunde eines Unternehmens, so liegt ein Verbrauchergeschäft vor und es gilt das Konsumentenschutzgesetz (KSchG). Es schützt den Verbraucher durch eine Reihe von Bestimmungen, von denen nicht zum Nachteil des Verbrauchers abgewichen werden darf. Gegenüber einem Verbraucher hat das Unternehmen nämlich meh rere Vorteile: Expertenwissen über die Produkte und Dienstleistungen, die es anbietet, mehr Erfahrung in wirtschaftlichen Dingen, bessere Rechtskenntnisse, mehr finanzielle Mittel, um die eigenen Rechte durchzusetzen oder die Ansprüche des Konsumenten abzuwehren, vorformulierte Allgemeine Geschäftsbedingungen. r Für zweiseitig unternehmensbezogene Geschäfte (ein Unternehmer verkauft an einen Unternehmer) sind Usancen zu beachten. Notizen zu den Arbeitsaufgaben:? wiederholungsfragen Wiederholen und anwenden (Abschnitt 1.1) 1. Was ist der Unterschied zwischen einer Vereinbarung und einem Vertrag? 2. Welche Vertragstypen kennen Sie? Geben Sie jeweils an, worin die Leistung und worin die Gegenleistung besteht, die die Vertragspartner einander versprechen. 3. Was versprechen Käufer und Verkäufer einander, wenn sie einen Kaufvertrag abschließen? 4. Je nachdem, wer die Partner eines Kaufvertrages sind, unterscheidet man verschiedene Arten von Geschäften. Welche? 5. Welche Gesetze gelten für diese Geschäfte jeweils? arbeitsaufgaben 1. Sabrina hat mit Maria vereinbart, am Montagnachmittag zum Italiener auf ein Eis zu gehen. Kurzfristig entschließt sie sich, lieber für die bevorstehende Mathematik-Schularbeit zu lernen. Na gut, meint Maria, dann halte ich mich auch nicht an unsere Abmachung, dir mein altes T-Shirt um EUR 15,00 zu verkaufen! Welcher wichtige Unterschied besteht zwischen den beiden Vereinbarungen, die Sabrina und Maria getroffen haben? 2. Ist eine der folgenden Aussagen richtig? 14 r Ein Vertrag kommt erst zustande, wenn ich etwas unterschreibe. r Ein abgeschlossener Kaufvertrag kann jederzeit wieder aufgelöst werden, solange er noch nicht erfüllt worden ist. r Wenn jemand nach dem Kauf bemerkt, dass er das Produkt eigentlich überhaupt nicht braucht und dies beweisen kann, kann er den Kauf rückgängig machen. 3. Frau Steiger sieht in einem Modegeschäft ein Kleid, das ihr gefällt. Weil sie nicht genug Geld bei sich hat, lässt sie das Stück zurücklegen und erklärt der Verkäuferin, das Kleid am nächsten Tag abzuholen und den Kaufpreis zu bezahlen. Am nächsten Tag sieht sie im Schaufenster eines anderen Geschäfts aber dasselbe Kleid zu einem günstigeren Preis. Sie kauft es und lässt sich im ersten Geschäft nicht mehr blicken. a) Ist im ersten Geschäft ein Kaufvertrag zustande gekommen? b) Muss Frau Steiger das erste Kleid bezahlen oder kann sie einwenden, dass sie das Kleid inzwischen schon günstiger gekauft hat?

10 1 Einführung 4. Welcher Vertrag liegt im Folgenden jeweils vor? a) Die Firma Planet Consulting berät Huber & Partner in Steuer- und Finanzfragen. b) Bene-Büromöbel kauft bei der Elektrogroßhandels-GmbH Michael Müller 57 Samsung-Handys zum Preis von EUR 42,00 pro Stück. c) Heinz lässt sich beim Friseur mit der neuen Paintingtechnik hellblonde Effekte ins Haar färben. d) Sonja verabredet sich mit Maria für morgen Abend zum Joggen. e) In den Sommerferien arbeiten Luise und Herbert bei Burger-King und erhalten dafür EUR 980,00 pro Monat. f) Der Golfklub Wien-Donaustadt beauftragt die Gartenbaufirma Grünspecht mit dem Wässern, Düngen und Schneiden der Trainingsflächen. g) Der Lebensmittelhändler Josef Moravek kauft 150 Schneekoppe-Müsliriegel bei C+C Pfeiffer. h) Judith Freiling hat sich ein schmuckes Häuschen an der Donau gekauft. Leider ist es überschwemmungsgefährdet. Welchen Vertrag könnte sie abschließen? i) Die Firma Donautrading kauft 25 Notebooks der Marke Sony VAIO BX196VP bei Elektro-Lungenschmied. j) Gerhard Roitner borgt sich bei seiner Bank EUR ,00 aus, um sein Haus auszubauen. k) Hans kann in der Wiener Mollardgasse für EUR 55,00 pro Monat einen Parkplatz benutzen. Notizen zu den Arbeitsaufgaben: 5. Was versteht man unter einer nachgiebigen, unter einer halb zwingenden und unter einer zwingenden Bestimmung? 6. Geben Sie an, welche Gesetze in den folgenden Fälle gelten: a) Die Holz-Großhandels-GmbH verkauft an den Tischler Heinz Holzinger 10 m³ Kirschholz. b) Der Hautarzt Dr. Heinz Rockenschaub kauft bei der Buchhandels-KG die zehnteilige Reihe: Ich und mein Auto. c) Die Geschäftsführerin der Palmers-Filiale Wien-Mariahilf, Andrea Palic, kauft bei Amazon drei CDs von den Rolling Stones. d) Die Schnitzelbude bestellt mit Fax bei der Fleischerei Hütthaler 100 Schnitzel zum Preis von EUR 150,00. e) Sie kaufen bei Saturn das neueste Handy von Sony Ericsson mit Zwei- Megapixel-Kamera um EUR 289,00. f) Hans Herberstein verkauft seinen Zweitfernseher um EUR 75,00 an die 19-jährige Luise Rimmer. g) Maria Setter will ihren alten Mitsubishi Lancer loswerden. Der Autohändler Markus Planic kauft ihn zum Preis von EUR 2.500,00. 15

Inhaltsverzeichnis. Kaufen und Verkaufen: der Kaufvertrag 9

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