Auktion: 26. Juni tribal Art Aborigines Kunst

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1 Auktion: 26. Juni 2013 tribal Art Aborigines Kunst

2 Kunst aus Afrika und Ozeanien Lot Auktion: Mittwoch, 26. Juni 2013, Uhr Ausstellung in Zürich: Samstag, 8. bis Montag, 17. Juni, von 10 bis 19 Uhr Ausstellung in Genf: Freitag, 21., bis Montag, 24. Juni, von 10 bis 18 Uhr Experte: Jean David English translation of our catalogue is available uppon request. La traduction française est enligne sur kollerauktionen.ch et walu.ch

3 101 ASMAT FIGUR Indonesien, West-Neuguinea, Irian Jaya-Provinz. H 89,5 cm. Provenienz: Nachlass Schweizer Privatsammlung, Aarau. Der Verkaufserlös geht zugunsten der Hanela-Stiftung für direkte Hilfe an Menschen, die - aus irgendwelchem Grunde - in Not geraten oder behindert sind. Solche feingliedrige Darstellungen verkörpern bestimmte Ahnen mit deren Namen sie lokal auch benannt wurden. Angefertigt wurden sie im Rahmen der Festlichkeiten beim Bau von Kulthäusern der Männergesellschaften. Anlässlich dieser Riten stellen Akteure den Ursprungsmythos nach und illustrierten die Geschehnisse mit solchen filigranen Schnitzwerken. Meyer, Anthony JP (1995). Ozeanische Kunst. Köln: Könemann Verlagsgesellschaft. CHF / / * IATMUL SCHÄDEL Papua-Neuguinea, Sepik. H 23 cm. Provenienz: - Ludwig Bretschneider, München (1965). - Seither in deutschem Familienbesitz. Solche Reliquien spielen eine zentrale Rolle in den Trauerritualen der Iatmul. Nach einer anfänglichen Erdbestattung wird der Schädel eines Verstorbenen unter Befolgung eines über Generationen vorgegebenen Ablaufes zeremoniell verehrt, bevor er nach einigen Monaten entweder wieder begraben, im Männerhaus aufbewahrt oder zerstört wird. Die Wiederherstellung der Gesichtszüge wird mit Hilfe einer yibagenannten Modelliermasse (mit Öl angereicherter roter Ton und Kalk) erreicht. Das geschickte Übermodellieren, dessen Ziel eine möglichst lebensnahe Darstellung ist, übernimmt ein geübtes Mitglied des Clans und findet im Männerhaus statt. Aufderheide, Arthur (2009). Overmodeled Skulls. Duluth: Heide Press. CHF / /

4 103 BAGA MASKE Guinea. H 133 cm. Provenienz: - Mory Diané, Conakry, vor Mamadou Diaou, Bamako und Paris, Anfang 1960er Jahre. - Mamadou Kaba Diané, New York, Anfang 1960er Jahre. - Patrick Erouart-Siad, New-York, Anfang 1990er Jahre. - Schweizer Sammlung seit Die Baga leben im Küstengebiet von Guinea und obwohl heute die meisten (sunnitische) Muslime sind, halten sie trotz ihrer muslimischen Oberschicht und der christlichen Missionierung während der französischen Kolonialherrschaft an traditionellen Glaubensvorstellungen fest. Trotzdem hat die animistische Kultur inklusive der Masken- und Figurentradition zunehmend an Bedeutung verloren und viele der alten Kunstwerke wurden im Zug der Konvertierungen zerstört oder verkauft. Zu den beeindruckendsten Erzeugnissen der afrikanischen Bildhauerei gehören die markanten, d'mba-genannten Büsten aus dem Simo-Bund, die anfänglich oft als nimba oder n'mba bezeichnet wurden. Es gibt davon nur wenige authentische Exemplare, meistens in Museen, die alle wie das hier Angebotene vor 1950 zu datieren sind. Die vorliegende Skulptur fand laut glaubhafter Darstellung der Involvierten noch vor der Unabhängigkeit Guineas den Weg in den Westen. Mamadu Dio, ein lokaler Zwischenhändler, erwarb sie demnach im Land selbst mit Hilfe der Kolonialbeamten als moslemische Missionare solche Objekte konfiszierten. Mory Diané verkaufte das Werk nach Paris an Mamadou Diaou. Dieser sandte es dann mit zwei anderen Masken des gleichen Typs an Morys Sohn Mamadou Kaba Diané, der in New York Sammler mit afrikanischer Kunst belieferte. Eine der anderen Masken hat dieser dann an Nelson Rockefeller verkauft und die andere an den New Yorker Galeristen John Klejman. Die dritte Maske, also die hier angebotene, behielt Mamadou Kaba Diané zunächst für sich bevor er sie in den 1990er Jahren aus finanzieller Not an Patrick Erouart-Siad verkaufte. In einem uns vorliegenden Video-Interview bestätigt Mamadou Kaba Diané diese Provenienz und erwähnt ein leider unauffindbares Foto aus der New Yorker Zeit auf dem die drei Masken zusammen zu sehen sind. Die unverwechselbare Kreation gehört in die Gruppe der vier weiblichen Tanzaufsätzen, die als Metapher für die Gründung der Baga-Kultur stehen. Auch bei den Baga gilt die Frau als Gründerin der Gesellschaft. Ihnen und den sie ehrenden Masken kommt die Bewahrung der zentralen Tugenden zu. Sie stehen für Schönheit, Fruchtbarkeit, gutes Betragen, Rechtschaffenheit, Würde und Erfüllung der sozialen Pflichten. Die Gestalten werden als Darstellung der erstrebenswerten weiblichen Ideale und der vorbildlichen Rolle der Frau in der Gesellschaft betrachtet. Die n'dba stellt die "ältere Mutter" dar, eine Karikatur der universellen Mutter, deren wesentliche Eigenschaft die selbstlose Hingabe ist. Die andern drei Masken sind die d'mba-da-tshol (die junge Närrin), die dzigiren-wöndë (die junge Braut) und die sa-sira-ren (die junge Schönheit). Die Gestalt trat bei allen wichtigen Anlässen wie Erntefesten, Empfängen, Vermählungen, Geburten und Beerdigungen auf. Am unteren Teil der kolossalen Skulptur war ursprünglich ein Gestell aus Ästen angebracht, das dem Tänzer erlaubte, die Maske zu schultern. Darüber kam ein Maskenkleid aus Textilien und Raphia zu liegen, das ihn zur Gänze versteckte. Orientieren konnte sich der Tänzer nur durch die Gucklöcher zwischen den Brüsten der Büste, weshalb er meist von einer Begleitperson geführt wurde. Formal einzigartig ist der überdimensionierte schmale Kopf mit der Stirnwulst, den geheimnisvollen Augen, der dominanten Nase und dem im Vergleich winzigen Mund. Die Ohren und die sorgfältig geflochtene, oben als Kamm endende Frisur sind gekonnt ausgearbeitet - die Ritzmuster auf den Wangen geben die Stammeszeichen der Baga wieder. Europäische Polsternägel aus Messing zieren die klaren Linien. Mustergültig sind auch die Werkzeugspuren an der Oberfläche des harten, nachträglich patinierten Holzes. Lamp, Frederick (1996). Art of the Baga. A Drama of Cultural Reinvention. München, New York: Prestel-Verlag. CHF / /

5 DOGON FIGUR Mali. H 41 cm. Provenienz: Nachlass Schweizer Privatsammlung, Aarau (1960er und 1970er Jahre) Der Verkaufserlös geht zu Gunsten der Hanela-Stiftung für direkte Hilfe an Menschen, die - aus irgendwelchem Grunde - in Not geraten oder behindert sind. Die Dogon stellten männliche sowie weibliche Figuren auf unterschiedliche Altäre, von denen die meisten den Ahnen - wirklichen und mythischen - geweiht waren. Die Figuren galten als ein Bindeglied zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Welt, mittels deren der Besitzer Kontakt zu den Geistwesen aufnehmen konnte. Homberger, Lorenz (1995). Die Kunst der Dogon. Zürich: Museum Rietberg. CHF / / * DOGON FIGUR Mali. H 25 cm. Provenienz: - Galerie Henseler, München. - Deutsche Privatsammlung. Beschrieb siehe Lot 104. CHF / / * DOGON FIGUR Mali. H 152 cm. Provenienz: - Henri L. Schouten, Amsterdam (1972). - Seither in deutschem Familienbesitz. Die Dogon verehrten Altarfiguren, von denen die meisten den Ahnen - wirklichen und mythischen - geweiht waren. Die Figuren galten als Bindeglied zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Welt, mittels deren der Besitzer Kontakt zu den Geistwesen aufnehmen konnte. Laut Henri Schouten stammt sie aus dem Dorf Diankabou in der den Falaises vorgelagerten Seno-Gegend des zentralen Dogon-Gebietes. Der Stil dieser Skulptur ist mit der von Hélène Leloup als niongom bezeichneten Gruppe verwandt. Laut Leloup wurden in dieser Gegend nur wenige ähnlich grosse Figuren aus hartem Holz in verlassenen Schreinen gefunden. Alle weisen dabei die auch hier vorhandenen Merkmale auf. Der längliche runde Kopf, die pfeilförmige Nase, die vorstehenden Augen, der Prognathismus, die am Körper anliegenden Arme, die Brüste die unter einer Art Kragen liegen, und das Fehlen von Ziernarben sind die typischen Eigenschaften dieser Skulpturen. Rätselhaft bleibt nur die Bedeutung des senkrechten Fortsatzes auf dem Kopf. Das Geschlecht der Statuen ist wegen der Abnutzung durch den Gebrauch und der fortgeschrittenen Verwitterung meistens schwierig zu bestimmen, wobei einige Figuren als zusätzliche Hürde Hermaphroditen darstellen. Die wesentlichste Eigenschaft ist aber das Ausnützen der natürlichen Form des zum Schnitzen verwendeten Holzes. Auch bei der vorliegenden Figur ist die nach vorne geneigte Haltung damit zu erklären. Die vorliegende Dogon-Figur ergänzt die seltenen Beispiele dieser markanten Kreationen. Sie ist ohne Zweifel ein interessantes Werk eines anonym gebliebenen Künstlers und vereint alle Attribute, die bei den Dogon grösste Wirkung ausgelöst haben müssen. CHF / /

6 107 Abb. S. 60 BAMANA MASKE Mali. H 63 cm. Provenienz: Ulrich von Schroeder, Zürich (1970er Jahre). Buschkuh-Maske aus dem Sogo-bò-Theater. Das Marionettenspiel, bei dem auch Masken erschienen, dient der Vermittlung von moralischen Werten und von Wissen, weshalb die Spieler eine wichtige soziale Verantwortung innehaben. Da die Aufführungen aber in erster Linie auch als Unterhaltung angesehen werden, geniessen die Darsteller trotzdem grosse Meinungsäusserungsfreiheit. Diese lebendige und engagierte Theaterform geniesst noch heute grosse Popularität. Die von Fischern und Ackerbauern gleichermassen vor versammelter, teilweise aktiv teilnehmender Dorfgemeinschaft aufgeführten Marionettentheater folgten einer präzisen Dramaturgie. Es gab bis zu zwanzig "Akte", in denen jeweils eine Charaktere eine in sich geschlossene Parabel aufführte. Zwischen den einzelnen Sequenzen gab es Gesangsund Tanzeinlagen. sogo-bò heisst übersetzt "Die Tiere kommen hervor". Zu den wichtigsten Charakteren gehören denn auch die Wildtiere. Es wurden aber auch Themen aus dem Alltag aufgegriffen, so neben Szenen aus der Jägerwelt auch solche über das Verhältnis zwischen Mann und Frau. 109* BAMANA TÜRSCHLOSS Mali. H 46 cm. Provenienz: deutsche Privatsammlung. Schloss einer Reis- oder Getreidekorn-Speichertüre. Riegel und Schloss werden als Symbol des Zeugungsakts verstanden und mit dem Schöpfungsgeschehen der Urzeit assoziiert. Der älteste bekannte Schloss-Mechanismus der Menschheitsgeschichte ist das Fallriegelschloss. Schon im alten Ägypten wurden solche Schlösser verbreitet angewandt. Im oberen inneren Bereich des Kastens befinden sich mehrere Metallstifte, die durch ihr Eigengewicht in dafür vorgesehene Löcher des Riegels fallen und diesen blockieren. Der dazugehörige Schlüssel hat Zinken, die die einzelnen Stifte anheben können, damit der Riegel wieder verschoben werden kann. Weil weder die Anzahl Stifte noch deren Anordnung in geschlossenem Zustand von vorne erkennbar sind, ist ein spurloses Öffnen ohne den passenden Schlüssel unmöglich und der Besitzer bemerkt einen ungewollten Zugriff sofort. Colleyn, Jean-Paul (2001). Bamana. Zürich: Museum Rietberg. CHF / / Colleyn, Jean-Paul (2001). Bamana. Zürich: Museum Rietberg. CHF / / BAMANA FIGUR Mali. H 43,5 cm. Provenienz: Ulrich von Schroeder, Zürich (1970er Jahre). Jo nyeleni genannte Figur aus der jo-gesellschaft. Darstellung einer jungen, hübschen Frau, welche bei Sing- und Tanzauftritten mitgetragen oder nahe der Tanzfläche aufgestellt wurde. Sie sollte einerseits das Konzept von Schönheit und Grazie mitklingen lassen und andererseits zusätzliche Aufmerksamkeit auf die Vorführungen lenken und somit die Zahl der Gaben erhöhen, die die Tänzer von den Zuschauern erhielten. Colleyn, Jean-Paul (2001). Bamana. Zürich: Museum Rietberg. 110 SENUFO LIEGE Elfenbeinküste. L 220 cm. B: 73 cm. Aus einem Stück geschnitztes, gbag genanntes Kult-Bett. Jedes Dorf der Senufo war im Besitz mindestens eines solchen der Gemeinschaft gehörenden Ritualgegenstandes, der bei Bestattungen eine zentrale Rolle einnahm. Zwischen Begräbnissen wurde die Liege jeweils als Meditationsstätte verwendet. Die eingearbeitete Kopfstütze symbolisiert den Seelenvogel, der, wie in unzähligen anderen Kulturen, als Bote und Seelenträger Diesund Jenseits verbindet. Barbier, Jean Paul et al. (1993). Arts de la Côte d'ivoire. Genf: Museé Barbier-Mueller. CHF / / CHF / /

7 111 SENUFO ROLLENZUG Elfenbeinküste. H 20,5 cm. Provenienz: - Edgar Beer, Brüssel (1974). - Schweizer Privatsammlung. Sich mit reizvollen Objekten zu umgeben, war ein grundlegendes Anliegen der Völker der Elfenbeinküste, was in diesem künstlerisch gestalteten Gebrauchsgegenstand besonders deutlich zur Geltung kommt. Der Rollenzug ist Bestandteil des Schmalband-Webstuhls. Er diente der Verankerung der Rolle, durch deren Mittelrille die Verbindungsschnur zweier sog. Litzenstäbe verlief, mit deren Hilfe man die Kettfäden heben und senken konnte. CHF / / ROLLENZÜGE Elfenbeinküste. H 16 cm bis 19 cm. Beschrieb siehe Lot 111. CHF / / ROLLENZÜGE Elfenbeinküste. H 15 cm bis 18 cm. 116 BAULE FIGUR Elfenbeinküste. H 41 cm. Provenienz: - Mission Catholique, Ferkessédougou. - Emil Storrer, Zürich (1953). - Nachlass Schweizer Privatsammlung. Die Zuordnung der Baule-Figuren ist ausserhalb des gesellschaftlichen Kontexts und im Nachhinein schwierig. Allgemein wird der Verwendung nach zwischen symbolischen Partnern aus der anderen Welt und Wahrsage-Figuren unterschieden, wobei die Grenze zwischen diesen Gruppen häufig fliessend ist. Die liebevollen blolo-bla- und blolo-bian-figuren gründen auf der Vorstellung, dass jeder Baule im Jenseits (blolo = andere Welt) einen spirituellen Partner, d.h. eine Ehefrau (bla) oder einen Ehemann (bian), hat und bestrebt sein muss, mit diesem in bester Beziehung zu leben. Gelingt ihm dies nicht, macht ihm sein Jenseits-Partner das Leben schwer. Die eher beopferten Wahrsage-Figuren werden asye-usu genannt und stehen in Verbindung zu sämtlichen ungezähmten Dingen der Natur. Sie wurden bei rituellen Handlungen zur Erlangung der Aufmerksamkeit der Buschgeister eingesetzt. Diese omnipräsenten Wesen galt es stets zu besänftigen, auch weil sie als äusserst launisch galten und gelegentlich Besitz von Unvorsichtigen ergreifen konnten. Vogel, Susan M. (1997). Baule. Yale: University Press. CHF / / Provenienz: Schweizer Privatsammlung, 1960er Jahre in situ erworben. Beschrieb siehe Lot 111. CHF / / ROLLENZÜGE Elfenbeinküste. H 18 cm bis 23 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung, 1960er Jahre in situ erworben. Beschrieb siehe Lot 111. CHF / / ROLLENZÜGE, 6 SPINNWIRTEL, WEBKAMM UND -SCHIFF Elfenbeinküste. H 13 cm bis 26 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung, 1960er Jahre in situ erworben. Beschrieb siehe Lot CHF / /

8 117 GURO MASKE Elfenbeinküste. H 28 cm. Provenienz: - Französische Privatsammlung. - Armand Arman (Armand Pierre Fernandez, Vence/New York, ). - Reynold Kerr, New York (1998). - Schweizer Privatsammlung. Die Guro sind Nachbarn der Baule und wohnen im Zentrum der heutigen Republik Elfenbeinküste. Vorwiegend in Dörfern ansässig, bildet die Landwirtschaft, früher im stärkeren Mass ergänzt durch die Jagd, die wirtschaftliche Grundlage der Ethnie. Ihre traditionelle Religion wurde durch lokale Bünde bestimmt. Zentrale Themen des Glaubens waren Fruchtbarkeit und Ahnenkult. Die vorliegende Maske stammt aus einem Ensemble, welches auch als Familie bezeichnet wird und aus insgesamt drei Maskengestalten besteht: aus den gehörnten Tiergestalten zamble und zauli sowie der weiblichen gu mit menschlichen Zügen. Das Bruderpaar zamble und zauli war für die Schlichtung von Streitigkeiten in der Gemeinschaft zuständig. Ihrem Erscheinen folgte gewöhnlich der Auftritt von gu, welche meist als Ehefrau von zamble galt. Die gu genannte Maskengestalt mit der anmutigen Gesichtsmaske - Synonym für jugendliche Schönheit - stellt der Legende nach ein Wesen der Wildnis dar, das einst von den Vorfahren mit Mühe gezähmt werden konnte. Die Kunst der Guro zeichnet sich trotz der engen künstlerischen Verbundenheit mit den benachbarten Yaure und den Baule durch einen unverwechselbaren, subtilen und kraftvollen Stil aus, was diese anmutige Maske eindrucksvoll vor Augen führt. Fischer, Eberhard / Himmelheber, Hans et al. (2008). Guro. München: Prestel Verlag. CHF / /

9 118 GURO MASKE Elfenbeinküste. H 43 cm. Provenienz: - Amerikanische Privatsammlung, Detroit. - Reynold Kerr, New York (1998). - Schweizer Privatsammlung. Publiziert: Lüthi, Werner & David, Jean (2009). Gold in der Kunst Westafrikas. Zürich: Galerie Walu. Seite 66. Die Guro sind Nachbarn der Baule und wohnen im Zentrum der heutigen Republik Elfenbeinküste. Vorwiegend in Dörfern ansässig, bildet die Landwirtschaft, früher im stärkeren Mass ergänzt durch die Jagd, die wirtschaftliche Grundlage der Ethnie. Ihre traditionelle Religion wurde durch lokale Bünde bestimmt. Zentrale Themen des Glaubens waren Fruchtbarkeit und Ahnenkult. Die vorliegende Maske stammt aus einem Ensemble, welches auch als Familie bezeichnet wird und aus insgesamt drei Maskengestalten besteht: aus den gehörnten Tiergestalten zamble und zauli sowie der weiblichen gu mit menschlichen Zügen. Das Bruderpaar zamble und zauli war für die Schlichtung von Streitigkeiten in der Gemeinschaft zuständig. Ihrem Erscheinen folgte gewöhnlich der Auftritt von gu, welche meist als Ehefrau von zamble galt. Die gu genannte Maskengestalt mit der anmutigen Gesichtsmaske - Synonym für jugendliche Schönheit - stellt der Legende nach ein Wesen der Wildnis dar, das einst von den Vorfahren mit Mühe gezähmt werden konnte. Die Kunst der Guro zeichnet sich trotz der engen künstlerischen Verbundenheit mit den benachbarten Yaure und den Baule durch einen unverwechselbaren, subtilen und kraftvollen Stil aus, was diese anmutige Maske eindrucksvoll vor Augen führt. Fischer, Eberhard / Himmelheber, Hans et al. (2008). Guro. München: Prestel Verlag. CHF / /

10 Abb. S. 60 BAULE MASKE Elfenbeinküste. H 35,5 cm. Provenienz: - Edgar Beer, Brüssel (1976). - Schweizer Privatsammlung. Die kpan genannten Porträtmasken waren Teil des drei bis vier Maskenpaare umfassenden goli-tanzes. Die goli erschienen z.b. nach der neuen Ernte, beim Besuch von Gästen, bei Bestattungszeremonien und in Zeiten der Gefahr, etwa bei Epidemien. Mit ihrer Hilfe sollte eine Verbindung zu den übernatürlichen Mächten hergestellt werden, die auf das Leben der Menschen einen direkten Einfluss ausüben und so kommendes Unheil abwehren konnten. Die Vorstellung der Baule einer idealen kpan-maske ist nicht ein naturalistisches Abbild eines Gesichts, sondern viel mehr eine harmonische, ausgeglichene Kreation, deren Ausdruck den Betrachter in ihren Bann zieht. Vogel, Susan M. (1997). Baule. Yale: University Press. CHF / / * ASANTE SITZ Ghana. H 92 cm. Publiziert: Lüthi, Werner & David, Jean (2009). Gold in der Kunst Westafrikas. Zürich: Galerie Walu. S. 64. Ausgestellt: Helvetisches Goldmuseum, Burgdorf (2009). asipim ("ich bin standhaft") genannter Stuhl eines Könighofes von Kumasi. Die den ranghohen Notabeln vorbehaltenen Sitze sind bis heute Symbol von Würde und Macht. Sie sind die wichtigsten Regalien der Asante-Regenten. Je nachdem variiert ihre Rolle vom einfachen Gebrauchsgegenstand sowie als Symbol des ganzen Staates. Zwischen Besitzer und Sitz besteht eine ganz besondere Intimität: Die Asante-Weisheit besagt, dass es zwischen ihnen keine Geheimnisse gibt. Die Sitze werden von Hinterbliebenen so lange als Memorabilien aufbewahrt, bis sich niemand mehr an die einstigen Besitzer erinnern kann. Bocola, Sandro (1994). Afrikanische Sitze. München, Prestel Verlag. CHF / / ASANTE SITZ Ghana. H 33 cm. Beschrieb siehe Lot 120. CHF / / ASANTE SPRECHERSTAB-OBERTEIL Ghana. H 25 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. "Ein Sprecher macht des Häuptlings Worte süss." (Asante-Sprichwort). Die okyeame genannten Sprecher und Berater der Regenten tragen als Amtszeichen einen aus Holz geschnitzten Würdestab (poma). Diese Insignien bestehen meist aus mehreren Teilen, die zusammengesteckt und mit Blattgold oder Goldblech überzogen sind. An dessen oberen Ende wird der Stab von figürlichen Darstellungen gekrönt, die Sprichwörter darstellen. Die Verwendung dieser Amtszeichen geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Es entwickelte sich damals - inspiriert durch die Stöcke mit Knauf, welche die europäischen Kaufleute mit sich trugen - der Brauch, dass Boten und Gesandte des Asante-Königs solche Stäbe als Zeichen ihrer Vollmacht mit sich trugen. Die dargestellte Hand hält ein rohes Ei. Damit einher geht der Sinnspruch "König zu sein ist wie ein Ei in der Hand zu halten; hält man ein Ei zu fest in der Hand, zerdrückt man es, hält man es zu wenig fest, fällt es zu Boden und zerbricht". Ausgedrückt wird damit die Einstellung des Herrschers zu seiner Macht über das Volk. Ross, Doran und Eisner, Georg (2008). Das Gold der Akan. Museum Liaunig. Neuhaus: Museumsverwaltung GmbH. CHF / / * Abb. S. 60 AKAN PRESTIGEOBJEKT Elfenbeinküste. H 15 cm. Provenienz: R. und D. David, Zürich. Publiziert: Lüthi, Werner & David, Jean (2009). Gold in der Kunst Westafrikas. Zürich: Galerie Walu. S. 12. Ausgestellt: Helvetisches Goldmuseum, Burgdorf (2009). Aus Holz geschnitzte, mit Blattgold überzogene Miniatur-Darstellungen dienen als Schaustücke für Akan-Notabeln und werden bei Feierlichkeiten als "schöne Objekte" öffentlich präsentiert. Ross, Doran und Eisner, Georg (2008). Das Gold der Akan. Museum Liaunig. Neuhaus: Museumsverwaltung GmbH. 121 CHF / /

11 124 Abb. S. 60 AGNI FIGUR Ghana. H 30 cm. Provenienz: deutsche Privatsammlung, Konstanz. Mutter-Kind-Darstellung zur Ehrung einer Urahnin der königlichen Linie. Mit dem zentralen Thema der Mutterschaft eng verbunden sind die Ernährung, die Familie sowie das Fortbestehen des Clans sowie des Staates. Die Skulptur wurde in diesem Zusammenhang in einem Schrein rituell verehrt und beopfert. Cole, Herbert M. / Ross, Doran H. (1977). The Arts of Ghana. Los Angeles, University of California. CHF / / FON/EWE FIGUR Benin/Togo. H 57 cm. Terrakotta. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. kronkronbali (Kinder von damals) genannte Tonfiguren stammen aus dem Gebiet entlang des Mono-Flusses, dessen Unterlauf die Grenze zwischen Togo und Benin bildet. Zwillingsfiguren der Yoruba (Lot 126 und 127) Über Zwillinge wurde schon immer gerätselt: Vergöttert oder verteufelt, in Legenden und Mythen, ja sogar in der Astrologie finden wir die Paare als Ausdruck der Faszination, die von ihnen ausgeht. So auch bei den Yoruba im Südwesten Nigerias, welche nachweislich die weltweit höchste Zwillingsgeburtenrate für sich beanspruchen können. Bei den Yoruba werden Zwillingen besondere übernatürliche Kräfte zugeschrieben. Sie bringen der Familie einerseits Glück, Gesundheit sowie Wohlstand und können andererseits Unheil, Krankheit und Tod abwehren. Aus diesem Grund geniessen sie ein Leben lang besonderes Interesse. Für die Yoruba verfügen Zwillinge über eine gemeinsame unteilbare Seele. Stirbt einer der Zwillinge, ist das Gleichgewicht dieser Einheit gestört und der überlebende Zwilling folglich gefährdet. Um dies zu vermeiden, wird in einem zeremoniellen Ritual eine Holzfigur, ibeji genannt, zur symbolischen Ersatz-Wohnstätte für die Seele des Verstorbenen geweiht. Von der Pflege und Verehrung dieses ibeji hängt dann das Wohl des zweiten Zwillings ab. Zugleich wird auch eine weitere Figur gefertigt, die die Seele des zweiten Zwillings beherbergen wird. Sind beide Zwillinge gestorben, werden die Figuren weiterhin sorgfältig behütet und als Erinnerung aufbewahrt, bis sich niemand mehr an die Verstorbenen erinnern kann. Polo Fausto (2008). Enzyklopädie der Ibeji. Turin: Ibeji Art. 126 Sie stehen auch heute noch auf Ahnenaltären und werden mit Hirsebrei beopfert. Von Voodoo-Priestern rituell besprochen, erhalten sie die Macht, bestimmte, an sie gerichtete Aufträge zu erfüllen. Schaedler, Karl-Ferdinand (1997). Erde und Erz. München: Panterra Verlag, S. 190ff. CHF / / YORUBA FIGURENPAAR Nigeria. H 28,5 cm und 29 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. CHF / / YORUBA FIGURENPAAR Nigeria. H 23,5 cm und 24 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. CHF / /

12 Abb. S. 61 YORUBA MASKE Nigeria. H 35 cm. 130 YORUBA ORAKELBRETT Benin. H 28,5 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung Provenienz: Schweizer Privatsammlung. 128 YORUBA MASKE Nigeria. H 28 cm. Provenienz: - Serge Brignoni, Bern. - Serge Diakonoff, Genf. Publiziert: Diakonoff, Serge (2006). L'âme de l'afrique. Paris: Les Editions de l'amateur. S Maske des egungun-bundes, der die Beziehungen zwischen den Ahnen und den Lebenden regelte. Die Gestaltung des Gesichts und der Frisur dieser Aufsehen erregenden Maske lässt vermuten, dass es sich wahrscheinlich die Arbeit eines Schnitzers aus Zentral- oder Nord-Egbado handelt. Die zwei janusartig zusammengefügten, geschnitzten Menschenköpfe symbolisieren, dass die Ahnen die Vergangenheit und die Zukunft sehen. Die Affenschädel verweisen ebenfalls auf die Ahnen. Solche Furcht einflössenden agba-egungun-tanzaufsätze sind die mächtigsten der Ahnenmasken: Sie säubern die Siedlungen von Kriminalität und installieren Recht und Gesetz neu. Die Ahnen zählen zu den wichtigsten Kräften, die die menschliche Welt der Yoruba beeinflussen. Das Ziel der menschlichen Existenz liegt nicht in einem glücklichen Leben nach dem Tode, sondern in einem Leben auf der Erde in einer vitalen Gemeinschaft, die mit jeder Generation grösser und stärker wird. Im ganzen Yoruba-Gebiet sind Orakel-Befragungen bei und durch ifa-priester eine wichtige Institution. Hilfesuchende wenden sich an den Geistlichen mit der Bitte um Rat in persönlichen sowie übergeordneten Angelegenheiten. Dieser schlägt während der Befragung mit einem Klopfer gegen das Brett, um die Aufmerksamkeit von orunmila, der Gottheit, an welche die Bitte um Weissagung gerichtet ist, zu erregen. Danach wirft er nach genau vorgegebenem Schema Palmnüsse. Das Orakelbrett opon-ifa ist dabei eine Art Notizfläche für später zu interpretierende Wurfkombinationen. Charakteristisch für die ifa-bretter sind ihre flache Form sowie der mit Figuren und geometrischen Mustern beschnitzte Rand. Das Gesicht am Rand des Brettes repräsentiert eshu, der auch als Götterbote amtiert. Abiodun, Rowland / Drewal, Henry / Pemberton, John (1991). Yoruba. Kunst und Ästhetik in Nigeria. Zürich: Museum Rietberg. Tanzmaske des gelede-bundes aus dem Südwesten des Yoruba-Landes. Jeder von Krankheit, Unfruchtbarkeit oder einem anderen Unglück Betroffene versucht, wenn das Orakel Hexen als Ursache bestimmt hat, die "Mütter" durch Opfer zu beschwichtigen und zugleich die Krankheit mit Kräutern zu bekämpfen sowie weiteren Schutz in Form von Amuletten zu suchen. Doch kann auch die Gesellschaft als Ganzes die "Mütter" beleidigen, indem sie Fehlverhalten toleriert - und die Gemeinschaft kann sich nicht mit Amuletten schützen. Der gelede-bund bietet Schutz gegen die Hexen, und zwar nicht, indem er sie bekämpft, sondern indem er die "Mütter" einmal im Jahr (oder so oft wie nötig) zu einem Fest zu ihren Ehren einlädt, bei dem sämtliches Fehlverhalten in der Gemeinschaft aufgedeckt, verurteilt und verspottet wird. sächlich dem Vergnügen und der Unterhaltung gewidmet. Dutzende maskierte Tänzer führen bei dieser Gelegenheit bisweilen auch paarweise abwechselnd kurze temperamentvolle Tänze neben den Trommlern auf. Die stets wie ein menschlicher Kopf gestalteten gelede-masken werden so getragen, dass der Tänzer unter dem Rand hervorblicken kann. Auf dieser Grundmaske sitzt in der Regel ein Aufbau mit verschiedensten Darstellungen, in deren Gestaltung und Ausführung sich die Holzschnitzer an Virtuosität gegenseitig überbieten. Zu den traditionellen Kostümen der Tänzer gehören zahlreiche Kopftücher und Frauenschals, ausserdem tragen sie Beinrasseln um die Fussknöchel. Lawal, Babatunde (1996). The Gelede Spectacle. Washington: University of Washington Press. Die Ahnen möchten, dass ihre Lebenskraft durch neugeborene Kinder in die Gemeinschaft zurückkehrt. Sie verkörpern die einzigen kosmischen Kräfte, die ein starkes Interesse am Gedeihen und Wohlbefinden der Gemeinschaft haben. Sie warnen deren lebende Mitglieder durch Träume oder das Orakel, wenn die Gemeinschaft in Gefahr ist. In der Gestalt von egungun-masken kommen sie alljährlich in die Stadt, um die Gemeinschaft von Kriminellen und Hexen zu säubern. Das auf diesen Masken überdimensional dargestellte Haarbüschel gilt als Zeichen der Jäger. Die Tänzer trugen die Masken auf dem Kopf und das Kostüm wurde an der Holzskulptur befestigt. Das Kleid bestand aus einer Vielzahl von patchworkartig zusammengefügten Lagen von Stoffbahnen in unterschiedlichen Farben und Mustern, die sich bei schnellem Drehen des Tänzers imposant ausbreiteten. CHF / / YORUBA ORAKELBRETT Nigeria. Ø 30 cm. Provenienz: deutsche Privatsammlung. Beschrieb siehe Lot 130. CHF / / Der gelede-bund wird von Frauen geführt, die Männer agieren als Tänzer, Sänger und Helfer. Obwohl zahlreiche verschiedene lokale Varianten des gelede-festes existieren, ist doch die Grundstruktur überall gleich. Es beginnt abends mit der Darbietung durch einen efe genannten Sängers und geht am folgenden Nachmittag mit dem eigentlichen gelede-fest weiter, bei dem unter anderen zahlreiche Maskentänzer auftreten. Er ist haupt- CHF / / Homberger, Lorenz et al. (1991). Yoruba. Zürich: Museum Rietberg. CHF / /

13 YORUBA DECKELSCHALE Nigeria. H 26 cm, Ø 43 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Deckelschale, in der babalawo genannte Priester auch Wahrsage-Utensilien für das ifa-orakel aufbewahrten (u.a. Glocke, Stab, 16 geheiligte Fruchtkerne einer Palme oder, als Alternative dazu, eine Wahrsagekette). Im ganzen Yoruba-Gebiet sind Orakel-Befragungen bei und durch ifa-priester eine wichtige Institution. Hilfesuchende wenden sich an den Geistlichen mit der Bitte um Rat in persönlichen sowie übergeordneten Angelegenheiten. Das markante Gesicht auf dem Deckel stellt vermutlich Shango dar, den Gott des Krieges, des Donners und des fruchtbarkeitsspendenden Regens und eine der bedeutendsten Gottheiten in der Yoruba-Kosmologie. Jenseits seines Kults manifestiert sich Shango in Donner und Blitz, schleudert seine Donnerkeile (edun ara) vom Himmel und setzt dabei den Busch oder Häuser in Brand. Wo der Blitz eingeschlagen hat, sammeln die Shango-Priester die Donnerkeile ein und bringen sie in ihren bestickten ledernen Schultertaschen (laba) zum Schrein des Gottes. Dort bewahren sie die Steine auch zusammen mit oben erwähnten Utensilien in solchen grossen Holzschalen auf. Zur Besänftigung des erzürnten Gottes führen die Priester dann gelegentlich Rituale durch, deren Kosten die Bewohner eines vom Blitz getroffenen Hauses tragen müssen. Abiodun, Rowland / Drewal, Henry / Pemberton, John (1991). Yoruba. Kunst und Ästhetik in Nigeria. Zürich: Museum Rietberg. 133 YORUBA SCHALE Nigeria. H 20 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. agere-ifa genannte Schalen werden im Allgemeinen als priesterliche Kultgefässe für Palmkerne verwendet, die bei der Orakelbefragung unabdinglich sind. Am Hof werden Schalen auch als Prestige-Behälter benutzt um daraus Besuchern Kolanüsse anzubieten oder auf einem Schrein stehend Opfergaben für Gottheiten aufzunehmen. Die eigentliche Schale der Skulptur wird immer von variantenreichen figürlichen Szenerien aus der Mythologie der Yoruba getragen. Die dargestellten Figuren sollten die Feierlichkeiten der Opferhandlung sowie bestimmte Anliegen der Besitzer verdeutlichen. Die aussergewöhnlich gelungene Komposition zeigt einen Vogel, der eine Schlange pickt, die sich wiederum ein Bein des Angreifers geschnappt hat. Dieses Motiv symbolisiert die Idee des von sich bekämpfenden Kräften belebten Universums. Abiodun, Rowland / Drewal, Henry / Pemberton, John (1991). Yoruba. Kunst und Ästhetik in Nigeria. Zürich: Museum Rietberg. CHF / / IGBO FIGUR Nigeria. H 134 cm. Provenienz: Galerie Lothar Heubel, Köln (1987). Bernd und Rita Schlimper, Düsseldorf. Das Wechselspiel von Kräften ist in der Weltanschauung der Igbo allerorts von hoher Bedeutung. Diese Bewegung spiegelt sich auch in ihrer Kunst, welche sehr lebendige und dynamische Züge annimmt. Diese agbara genannte Figur stellt die Verkörperung einer Schutzgottheit dar, welche in einem Schrein aufbewahrt und rituell verehrt wurde. Gelegentlich wurde sie gewaschen, mit Rotholzpulver, Ocker und Kaolin eingefärbt und öffentlich präsentiert. Während dieser Zeremonien wurden die Beziehungen der Menschen zu den Gottheiten durch Opfer (z.b. Kolanüsse, Geld oder Kreide) und das Rezitieren von Dank- und Bittgebeten für reiche Ernte und Wohlstand gestärkt. Die Schönheit umfasste bei den Igbo eine physische und moralische Dimension. So galten der lange Hals, die feine Nase, die dekorative Körpermalerei und die aufwändig gestaltete Frisur als Schönheitsideale. Diese beeindruckende Figur mit der erhabenen Aura offenbart genau diese Attribute mustergültig. Cole, Herbert M. / Aniakor, Chike A. (1984). Igbo Arts. Los Angeles: Museum of Cultural History, University of California. CHF / / CHF / /

14 * IGBO MASKE Nigeria. H 61 cm. 136 KANTANA (MAMA) MASKE Nigeria. H 45 cm. Provenienz: deutsche Privatsammlung. Provenienz: Ulrich von Schroeder, Zürich (1970er Jahre). Publiziert: - Duchâteau, Armand (1998). Afrika. Krems, Kunsthalle Krems. S David, Jean (2004). White. Zürich: Galerie Walu, S. 30. Ausgestellt: : Museum Kunsthalle, Krems : Museum Haus der Völker, Schwaz. Die agbogho-mmuo-mädchengeistmaske ist die Verkörperung der idealen weiblich-jugendlichen Schönheit, die das Gleichgewicht von inneren und äusseren Werten voraussetzt. Sie wurde von Männern vor und nach der Anbauzeit für Fruchtbarkeit und gute Ernte getanzt. Die Akteure versuchten dabei, die vorbildlichen Eigenschaften unverheirateter Mädchen möglichst grazil auszudrücken, was mitunter zur köstlichen Unterhaltung des Publikums beitrug. Cole, Herbert M., Aniakor, Chike, A. (1984). Igbo Arts. Los Angeles: Museum of Cultural History, UCLA. CHF / / Buschkuhmaske, die bei verschiedenen Festlichkeiten des mangan-kultes für das Wohl, die Gesundheit und die Fruchtbarkeit des Dorfes auftrat. Das Kostüm des Tänzers der diese kraftvolle Maske vorführte bestand aus einem dichten Gewand aus Gras, unter dem sein Körper vollständig verdeckt wurde. Dargestellt ist ein Buschgeist als Schnittstelle zwischen verschiedenen Universen, z.b. der Zivilisation und Wildnis, Menschen und Tiere, Lebenden und Ahnen usw. Das verwitterte Holz und die unanzweifelbare Alterspatina verleihen dieser Maske eine überaus mystische Ausstrahlung. Diese kühn konzipierte und in hoher Abstraktion geschnitzte Maske zeigt einen auf das Minimum reduzierten Kopf einer Buschkuh. Aus künstlerischer Sicht ist diese Konstruktion eine vollendete Verschmelzung von geometrischen Formen. Bildhauerisch gesehen ist dies ein gutes Beispiel für eine gelungene Abstraktion naturalistischer Vorbilder, von der sich die westlichen Künstler Anfang des 20. Jh. auf dem Weg zum Kubismus wesentlich inspirieren liessen. CHF / / TIV FIGUR Nigeria. H 136 cm. Provenienz: Ulrich von Schroeder, Zürich (1970er Jahre). Ihambe genannte Figuren sind Schutzfiguren eines Clans. Sie beziehen sich auf die Lineage und stehen z.b. neben dem Eingangsbereich des Hauses auf einem kleinen hügelartigen Altar. Von ihrer Präsenz erhoffen sich die Besitzer Fruchtbarkeit und Wohlergehen. Neyt, François (1985). Les Arts de la Benue. Belgien: Editions Hawaiian Agronomics. CHF / /

15 138* MUMUYE MASKE Nigeria. H 100 cm. Provenienz: Deutsche Privatsammlung, 1970er Jahre in situ erworben. Diese Masken werden häufig als Schultermasken bezeichnet, obwohl der Hauptteil der Skulptur über dem Kopf des Tänzers getragen wurde. Am unteren Teil der Skulptur wurden vor den Auftritten Äste, Raphia und Schnüre angebracht, damit der Träger die Maske einfacher schultern konnte und ihr ganzes Gewicht nicht nur auf seinem Kopf ruhte. Über diese Vorrichtung kam ein Maskenkleid aus Textilien und Raphia zu liegen, das den Tänzer zur Gänze versteckte. Orientieren konnte er sich nur durch die seitlichen Aussparungen, weshalb die Maskengestalt meist von einer Begleitperson geführt wurde. Laut frühen Reiseberichten erschienen die Gestalten an Gedenkfeiern und die Masken wurden, wenn sie nicht gerade tanzten, an versteckten Orten aufbewahrt, um die geheimnisvolle Aura, die sie umgab, zu wahren. Weitere Forschungsergebnisse bleiben abzuwarten. Aber auch ohne gesichertes Wissen über die genaue Verwendung dieser Maske bleibt der Betrachter, insbesondere Liebhaber des Expressionismus, bei dieser fordernden Kreation nicht unberührt. Auffallend ist der lange Hals auf dem der expressive Kopf ruht. Die mit Kaolin hervorgehobenen Augen und überdimensionierten Ohren stehen sicherlich für die übernatürlichen Kräfte dieser Gestalt. Die weisse Farbe steht für alles Jenseitige und damit für den Kreislauf des Lebens und die Welt der Ahnen. Berns, Marla C., Fardon, Richard, Littlefield Kasfir, Sidne (2011). Central Nigeria Unmasked. Los Angeles: Fowler Museum at UCLA. CHF / / Abb. S. 60 MAMBILA FIGUR Grenzgebiet Nigeria / Kamerun. H 35 cm. Provenienz: Ulrich von Schroeder, Zürich (1970er Jahre). Viele Skulpturen aus dieser Gegend werden als Schutzfigur in den Gehöften der Familien aufgestellt. Andere gehören als Prestigeobjekte gesellschaftlich bedeutenden Personen wie Wahrsagern, Heilern oder Schmieden, bei denen die Figuren in zeremoniellen Handlungen, z.b. als Wächter oder als Medium, verwendet werden. Mambila-Figuren werden bei Wahrsageritualen zur Ursachenfindung einer Krankheit und bei Heilungsritualen eingesetzt. Der Patient muss ihnen dann als Gegenleistung für die in Anspruch genommenen Dienste Opfer darbringen. Gebauer, Paul (1979). Art of the Cameroon. Portland: The Portland Art Museum. 138 CHF / /

16 140* ORON FIGUR Nigeria. H 87 cm. Provenienz: - Deutsche Privatsammlung - Neumeister, München - Deutsche Privatsammlung Publiziert: Nicklin, Keith (1999). Ekpu. London: The Horniman Museum and Gardens. Seite 85, Abb. 47, und Buchrückseite. Die Oron sind eine kleine Volksgruppe, die an der Mündung des Cross River lebt. Sie sind vor allem für die ekpu genannten Memorialfiguren bekannt, welche beim Ableben eines Würdenträgers angefertigt wurden. Die im Pfahlstil geschaffenen Figuren, welche wichtige Würdezeichen in ihren Händen hielten und meist mit einem Hut und einem Häuptlingsbart versehen waren, wurden in obio-schreinen aufgestellt, wo sie zweimal jährlich verehrt wurden. Die Tradition, solche Ahnenfiguren zu schnitzen, hielt wohl nur bis Anfang 1900 an. Als Kenneth C. Murray sie 1938 entdeckte, war der Kult bereits erloschen. Im Jahre 1959 inventarisierte Murray ca. 600 Figuren. Die meisten davon wurden im Biafra-Krieg ( ) zerstört - etwa hundert befinden sich im Besitz der nigerianischen Museen und einige wenige sind damals in westliche Sammlungen und in öffentliche Museen gelangt. Nicklin, Keith (1999). Ekpu. London: The Horniman Museum and Garden. CHF / / * IKOM STELE Nigeria. H 59 cm. Stein. Provenienz: Edith Hafter, Zürich (* 1911; 2001). Dieser Monolith gehört in die Gruppe der Skulpturen, die im Gebiet um Ikom (Cross River State, Nigeria) von den dort heute ansässigen Ekoi vorgefunden wurden. An mehreren Orten wurden Gruppen von Stelen gefunden, die meisten aus Basalt, männlich, zwischen einem halben bis zu mehreren Metern hoch und im Kreis angeordnet. Die phallisch konzipierten, anthropomorphen Figuren werden lokal akwanshi (= toter Mensch in der Erde) oder atal (= Stein) oder alaptal (= langer Stein) genannt. Laut mündlicher Überlieferung der heute in diesem Gebiet ansässigen Ekoi stammen diese Steine von ihren Vorfahren. Die Steine kämen aus den Flüssen deren Wasser sie glatt geschliffen hatte. Jeder Monolith und Stein stellt nach ihrer Auffassung einen Ahnen dar, dessen Name aber nicht bekannt ist. Die Theorien über Verwendung und Ursprung dieser unverwechselbaren Zeugnisse einer vergangenen Kultur bleiben Vermutungen. Die einzige Referenz zu ihrem Entstehungszeitpunkt sind archäologische Fundstättenuntersuchungen, die ein Alter von etwa 1800 Jahren bezeugen. Allison, Philip (1968). Cross River Monoliths. Lagos: Department of Antiquities. CHF / /

17 Kameruner Grasland Die fruchtbaren, vulkanischen Hochplateaus Kameruns werden seit der Deutschen Kolonie Kameruner Grasland genannt. Kulturell ist das Grasland die interessanteste Region Kameruns. Bis heute bestehen hier viele unabhängige kleine Königreiche und Chefferien, die politisch, sozial und religiös ähnlich fungieren. Die imposanten Königspaläste und die grosse Gedenkfeste zu Ehren der Könige und Notabeln, verweisen noch heute auf die Pracht und die Grösse des afrikanischen Königtums. Objekte aus dem Grasland galten aufgrund der expressionistischen Bildsprache in Europa lange als Kuriositäten. Die ersten Kultgegenstände fanden schon früh den Weg in namhafte westliche Museen und private Sammlungen. Dort waren sie als Ethographica Zeugnisse der Kolonialfreundschaften und dokumentierten die Fremdartigkeit exotischer Kulturen. Erst der Einfluss der afrikanischen Bildhauerei auf die Arbeiten der westlichen Avantgarde zu Beginn des 20 Jahrhunderts führte zu einer Reflektion über das kreative Talent der vielen anonym geblieben Künstler aus Westafrika, wobei den Kunstwerken aus der Grasland Region besondere Aufmerksamkeit zukam. Für den wohl bekanntesten Eclat sorgte Man Ray in den 1930er Jahren als Kiki de Montparnasse oben ohne neben einer heute weltbekannten Kameruner Königsfigur verewigte. Auch Ernst Ludwig Kirchner wurde von der damals als primitiv geltenden Kunst, die er zu Beginn der Brücke-Zeit mit Erich Heckel, Karl Schmitt-Rotluff und Fritz Bleyl in den Sammlungen der Völkerkundemuseen in Berlin und Dresden kennengelernt hatte wesentlich inspiriert. Er besass selbst Kunstwerke aus Kamerun und die expressiven Kunstobjekte des Graslandes wie z.b. ein Leopardenhocker den er seit 1910 besass tauchen in verschiedenen seiner Werke auf Abb. S. 61 CROSS RIVER SPIRALGELD Nigeria. Ø 8 cm. Kupferlegierung. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. CHF / / KIRDI CACHE SEXE Kamerun. H 20 cm. Provenienz: Nachlass Denise David, Zürich. Aufwändig geschmiedeter Lendenschurz einer wohlhabenden Frau. CHF / / Abb. S. 61 GRASLAND HALSSCHMUCK Fumban, Bamum, Kamerun. Ø 40 cm. Gelbguss und Eisen. Prestige-Halsreif (mgba-mgba) bestehend aus 20 im Wachsausschmelz- Verfahren hergestellten Miniaturporträts, welche an einem Eisenring befestigt sind. Das Privileg, solch wertvollen Schmuck zu tragen, war eigentlich alleine den Königen vorbehalten, wobei es vorkam, dass treue Höflinge von den Regenten als Dank für ihre Dienste mit solchen Halsreifen beschenkt wurden. Homberger, Lorenz / Geary, Christraud M. / Koloss, Hans-Joachim (2008). Kamerun. Kunst der Könige. Zürich: Museum Rietberg. CHF / / Kameruner Masken (lot ) Provenienz: wenn nicht anderst vermerkt, deutsche Privatsammlung, 1970er Jahre in situ erworben. Die zahlreichen Königreiche und Fürstentümer des Kameruner Graslands besassen eine Vielzahl von Maskengestalten. Sie tanzten vor allem bei wichtigen Anlässen, wie der Krönung eines neuen Königs oder bei Gedenkfeiern bedeutender Ahnen und vertraten die Autorität des Herrschers sowie die Interessen des Staates. Maskenensemble, das grundsätzlich nur aus männlichen Tänzern bestand, konnte aus über zwanzig Masken bestehen. Diese stellten die unterschiedlichsten Charaktere dar: Zu jeder Gruppe gehörte aber unabdingbar kam, die Führermaske, sowie ngoin, dessen Gattin, die eine Frau der königlichen Linie verkörperte. Weitere Masken des Ensembles waren z.b. nkem, der mit seinem Korbaufbau für den Transport von Früchten und Jagdbeute verantwortlich war, foche der grosse Mann, mukong der Speer-Krieger, tatah der alte Mann, nkieh, der rennende juju-geist, fenun, der Vogel, keyak, der Widder, fukvuk, die Fledermaus, ketam, der Elefant und nyal, der Büffel. Die meisten Masken sind gross und wuchtig, die Gesichter oft stilisiert. Der Maskenträger tritt immer im vorgeschriebenen Maskengewand auf. Sein Gesicht bleibt hinter einem Netz verborgen, das ihm aber die Sicht ermöglicht. Gewöhnlich wurde die Maske als Aufsatz getragen und ragte somit um einiges über die Köpfe der Zuschauer. Besondere Merkmale sind die grossen, umrandeten Augen, die kräftige Nase mit breiten Nasenflügeln, der offene Mund mit zugespitzten, manchmal gefletschten Zähnen und die abstehenden, reduzierten Ohren. Die Oberfläche ist dunkelbraun bis schwarz gefärbt. Die Kopfbedeckung kennt viele Variationen: von der einfachen, flachen Frisur mit Menschenhaaren bis zu hochgetürmten Aufbauten. 150 Homberger, Lorenz / Geary, Christraud M. / Koloss, Hans-Joachim (2008). Kamerun. Kunst der Könige. Zürich: Museum Rietberg

18

19 145* GRASLAND MASKE Laikom, Nordwest-Provinz, Kamerun. H 39 cm. 151* GRASLAND MASKE Nordwest-Provinz, Kamerun. H 34,5 cm. Die wichtigste Maske eines jeden Ensembles ist die männliche Führermaske (kam). Sie tritt als erste auf und verlässt die Tanzfläche als letzte. Getanzt wird sie nur von ranghöchsten Mitgliedern der Gesellschaft und ihr Tanzstil bestimmt den der anderen Gestalten. CHF / / CHF / / * GRASLAND MASKE Laikom, Nordwest-Provinz, Kamerun. H 30 cm. 146* GRASLAND MASKE Laikom, Nordwest-Provinz, Kamerun. H 32,5 cm. ngoin Maske, Gattin der Führer-Maske. CHF / / CHF / / * GRASLAND MASKE Laikom, Nordwest-Provinz, Kamerun. H 35 cm. CHF / / * GRASLAND MASKE Nordwest-Provinz, Kamerun. H 40 cm. CHF / / GRASLAND MASKE Bamileke, Kamerun. H 57 cm. Provenienz: Arnold Bamert, Solothurn * GRASLAND MASKE Kamerun. H 35 cm. Die wichtigste Maske eines jeden Ensembles ist die männliche Führermaske (kam). Sie als tritt erste auf und verlässt die Tanzfläche als letzte. Getanzt wird sie nur von ranghöchsten Mitgliedern der Gesellschaft und ihr Tanzstil bestimmt den der anderen Gestalten. Publiziert: Bamert, Arnold (1980). Afrika. Olten: Walter-Verlag, S Seltene Aufsatzmaske, die einen Käfer darstellt. Der Kopf ist von drei Leoparden gekrönt, welche als königliche Tiere par excellence gelten und für Stärke, Mut und Macht stehen. CHF / / CHF / / * GRASLAND MASKE Babanki, Nordwest-Provinz, Kamerun. H 114,5 cm. 149* GRASLAND MASKE Laikom, Nordwest-Provinz, Kamerun. H 38 cm. CHF / / * GRASLAND MASKE Laikom, Nordwest-Provinz, Kamerun. H 40 cm. Provenienz: Deutsche Privatsammlung, 1970er Jahre in situ erworben. Der Elefant als mächtiges Tier der Wildnis wird direkt mit der königlichen Linie des Hofes assoziiert und die ketam-maske war den Nachkommen der königlichen Linie vorbehalten. Aus der Sicht des Kunstsammlers besticht die kubistische Reduzierung auf die wesentlichen Merkmale des Elefanten - Ohren, Stosszähne und Rüssel genügten dem Gestalter zur symbolischen Umsetzung. Das Spiel mit den Volumen verleiht der Kreation dabei eine Dynamik, die den Betrachter unweigerlich in Erstaunen versetzt. CHF / / CHF / /

20 156* GRASLAND MASKE Nordwest-Provinz, Kamerun. H 96 cm. nyal (der Büffel) gilt als königliches Tier und wird mit den machtvollen Palast- und Jagdgesellschaften in Verbindung gebracht. CHF / / * GRASLAND MASKE Kamerun. H 140 cm. Tukum oder tcho bapten genannte Elefantenmaske aus dem Kwosi- Geheimbund, der früher eine Krieger-Vereinigung war und heute eine Prestigegesellschaft ist. Ihre Mitglieder stammen aus der königlichen Familie oder sind zumindest hohe Würdenträger. Der Elefant als mächtiges Tier der Wildnis wird direkt mit der königlichen Linie des Hofes assoziiert, was hier durch die wertvollen Verzierungen aus importierten Glasperlen europäischen Ursprungs noch unterstrichen wird. CHF / / GRASLAND FEDERHUT Kamerun. H Ø 45 cm. Provenienz: Schweizer Privatsammlung. Kopfbedeckung bestehend aus einer geflochtenen Haube aus Pflanzenfasern, an der Federn fixiert sind. Die raffinierte Konstruktion lässt sich bei Nichtgebrauch im Handumdrehen wenden, um die Federn zu schützen. Solche auffallenden Hüte werden von Maskentänzern im Umfeld der Heilungen getanzt. CHF / / * GRASLAND MASKE Widekum, Nordwest Provinz, Kamerun. H 34,5 cm. Provenienz: - Deutsche Privatsammlung, Bayern. - Sammlung Dr. R. Blum, Zumikon. - Schweizer Privatsammlung. Publiziert in: - Schaedler, Karl-Ferdinand (1973). Afrikanische Kunst in deutschen Privatsammlungen. München: Münchner Buchgewerbehaus GmbH, S Schaedler, Karl-Ferdinand (1982). Ekoi. München: F. und J. Jahn, S. 20. Beeindruckende, mit Leder überzogene Holzmaske, laut K.-F. Schaedler vermutlich aus der königlichen Bangwa-Gesellschaft. Die Widekum sind eine kleine Volksgruppe, die am Oberlauf des Cross- Flusses, im Westen des Kameruner Graslandes ansässig ist. Es liegt nahe, dass die Masken dieser zwischen dem Cross-River-Gebiet und dem Kameruner Grasland gelegenen Region formal und in der Verwendung denen der angrenzenden Ethnien verwandt sind. Literatur: Gebauer, Paul (1979). Art of the Cameroon. Portland: The Portland Art Museum. CHF / /

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