Vaterschaft in verschiedenen kulturellen Kontexten: zwischen Wochenendpapis und neuem Vater

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1 Vaterschaft in verschiedenen kulturellen Kontexten: zwischen Wochenendpapis und neuem Vater Bild PH Ludwigsburg Silke Holwein Marita Stickel Inhalt I der Präsentation I Gesetzeslage in Deutschland Väterliches Engagement während der frühen kindlichen Entwicklung Vaterschaft in unterschiedlichen Familienformen Die Beteiligung des Vaters an der elterlichen Verantwortung Umfang des väterlichen Engagements Ursachen väterlichen Engagements

2 Inhalt I der Präsentation II Die Alltagsbetreuung des Kindes Ehemänner und Haushalt Konsequenzen väterlichen Engagements für die Kinder Konsequenzen für die Väter Neue Väter Die Gesetzeslage in Deutschland für Väter mit Kindern in Deutschland Neues Elternzeitgesetz gilt in Deutschland ab Januar 2007 und für Kinder, die ab Januar 2007 geboren werden. Wechseln sich die Eltern mit der Betreuung des Kindes ab, erhalten sie 12 Monate lang 67 % des Einkommens, maximal jedoch Euro pro Monat. Die Vätermonate werden dann angerechnet, wenn der Vater mindestens 2 Monate pausiert.

3 Anteil kinderloser Männer und Frauen nach Alter in Deutschland ( ) in % Frauen Männer Alter Es wurden Personen befragt Väterliches Engagement während der frühen kindlichen Entwicklung Partizipation ändert sich mit dem Alter der Kinder geringe Partizipation bei Pflegetätigkeiten kein Hinweis auf Inkompetenz Waren die Eltern des Vaters fürsorglich höhere Partizipation

4 Väterliches Engagement während der frühen kindlichen Entwicklung Geschlechterrolle und berufliche Verpflichtungen hindern an den Pflegetätigkeiten Bildungsniveau und Geschlecht des Kindes bestimmen den Grad des Engagements Männer unterstützen keine Unterstützungsnetzwerke oder Programme Männer haben Angst, in den traditionell weiblichen Aufgaben zu versagen, deshalb vermeiden sie es, familiäre Aufgaben zu übernehmen Beteiligung an der Versorgung des Kindes nach 4 bzw. 18 Monaten. Deutschland 1999 Hohe Beteiligung 4 Monate 18 Monate Männer Niedrige Beteiligung Frauen

5 Vaterschaft in unterschiedlichen Familienformen Zweielternfamilien die Frauen sind hier hauptsächlich für die Betreuung aller Familienmitglieder verantwortlich die Väter sind stärker engagiert, wenn sie einen Sohn haben Kinder aus Familien, in denen sich der Vater an der Betreuung beteiligt, haben weniger stereotype Konzepte bezüglich der Elternrollen Vaterschaft in unterschiedlichen Familienformen Kinder aus Familien, in denen sich der Vater an der Betreuung beteiligt, haben weniger stereotype Konzepte bezüglich der Elternrollen Mädchen mit Brüdern haben bessere Chancen auf ein Engagement des Vaters ihnen gegenüber sehen die Väter die Ehe positiv, beteiligen sie sich stärker an der Kinderbetreuung Väter betätigen sich eher bei spielerischen und erholungsbezogenen Aktivitäten väterliche Partizipation findet primär an den Wochenenden statt (Fthenakis 1999)

6 Die Beteiligung des Vaters an der elterlichen Verantwortung eine wichtige Funktion des Vaters ist nach wie vor die des Brotverdieners reine Versorgungstätigkeiten werden häufig allein von der Mutter erledigt der Vater hat hier eine unterstützende oder mithelfende Funktion Die Beteiligung des Vaters an der elterlichen Verantwortung die Beteiligung des Mannes bei der Sorge um das Kind hängt stark vom Alter des Kindes ab mit zunehmendem Alter des Kindes bekommt der Vater neue Aufgabenbereiche Einkaufen von Kindersachen, Besuche beim Kinderarzt, Organisation von Kinderbetreuung werden fast nie vom Vater erledigt (Unvereinbarkeit mit der Arbeitszeit des Vaters)

7 Umfang des väterlichen Engagements I Engagement ist die Zeit, die der Vater in direkter Interaktion mit dem Kind verbringt Verfügbarkeit ist die Zeit, die der Vater sich in der Nähe des Kindes aufhält das väterliche Engagement beträgt nur 40 % von dem der Mutter an Wochentagen verbringt der Vater 1,9 Stunden mit dem Kind, an Sonntagen 6,5 Stunden Umfang des väterlichen Engagements II insbesondere bei Jugendlichen kümmert sich der Vater mehr um seine Söhne als um seine Töchter die Verfügbarkeit ist jedoch immer höher als die tatsächlich gemeinsam verbrachte Zeit Verantwortlichkeit des Vaters ist wesentlich geringer als die der Mutter Verantwortlichkeit = alleinige Betreuung der Kinder durch ein Elternteil

8 Umfang des väterlichen Engagements III in Doppelverdienerfamilien werden Väter genauso häufig als primäre kindliche Betreuungsinstanz während berufsbedingter mütterlicher Abwesenheit in Anspruch genommen wie außerhäusliche Betreuungseinrichtungen in letzter Zeit lässt sich ein vermehrtes Interesse von Männern an ihren Kindern nachweisen Väter sind bei älteren Kindern weniger engagiert als bei jüngeren Umfang des väterlichen Engagements IV es ist jedoch egal, wie viele Kinder ein Vater hat Väter engagieren sich bei ihren Erstgeborenen stärker, vor allem, wenn es sich um Frühgeburten handelt in Einzelverdienerfamilien engagieren sich Väter bei Kleinkindern mit schwierigem Temperament stärker Mittelschichtväter engagieren sich am stärksten

9 Ursachen väterlichen Engagements Eigenschaften des Mannes Art und Umfang der Berufstätigkeit Verhalten der Mutter Erfahrungen mit dem eigenen Vater (2 Möglichkeiten: Wiederholen oder kompensieren) ist die Partnerin berufstätig, steigt der Einsatz der Väter sinkt die eheliche Zufriedenheit, verschlechtert sich die väterliche Interaktion mit dem Kind Die Alltagsbetreuung des Kindes bei einem geringen Einkommensunterschied der Eltern kommt es zu einer gleichberechtigteren Aufteilung der Betreuungsaufgaben mit Zunehmender Kinderzahl wird häufiger eine traditionelle Rollenteilung in den Familien vorgenommen Sind in der Wohnumgebung der Familie ausreichend außerfamiliäre Betreuungseinrichtungen vorhanden dann wenden Mütter weniger Zeit für die Betreuung der Kinder auf ( holländische Studie 1996, Van Dijk&Siegers)

10 Ehemänner und Haushalt zur Erklärung der Ungleichheit bezüglich häuslicher Arbeiten gibt es vier sozialwissenschaftliche Ansätze 1. Ich bringe das Geld, dafür machst du die Hausarbeit. 2. Zeitliche Verfügbarkeit: doch auch wenn die Frau berufstätig ist, verbringt der Mann nicht mehr Zeit mit Hausarbeit. 3. Sind Frauen von ihren Männern ökonomisch abhängig, wird ihnen die Hausarbeit zugewiesen. 4. Traditionell verknüpfte Rollen mit dem eigenen Geschlecht. Je traditioneller Männer orientiert sind, desto weniger arbeiten sie im Haushalt. Dies gilt auch, wenn nur die Frau sehr traditionell orientiert ist. Zuständigkeit für den Haushalt in (Nicht-) ehelichen Lebensgemeinschaften in Deutschland in % Eher der Befragte Beide gleichermaßen Partnerin 10 0 West Ost Es wurden Männer befragt

11 Konsequenzen väterlichen Engagements für die Kinder Auch die Eigenschaften unengagierter Väter haben Auswirkungen auf die Kinder (Wärme, maskulines Verhalten, etc.) Es gibt direktes und indirektes väterliches Engagement Indirekt: über die Mutter oder die Geschwister Vorschulkinder mit engagierten Vätern (mehr als 40% der Betreuung) haben eine größere kognitive Kompetenz, mehr Empathie und ausgeprägtere Geschlechtsrollenmuster. Auch schulische Leistungen werden vom väterlichen Engagement beeinflusst. Konsequenzen für die Väter Niedriges väterliches Engagement kann zu Depressionen der Väter führen. Umgekehrt führen auch Depressionen zu geringerer väterlicher Partizipation. Stark belastete engagierte Väter geben nicht an, dass sie mit ihrer Elternrolle weniger zufrieden sind, als andere Väter. Das legt den Schluss nahe, dass, obwohl hohes Engagement beträchtliche Kosten mit sich bringt, die Väter auch kompensierende Vorteile erfahren.

12 Konsequenzen für die Väter Werden Männer Väter von Söhnen, sinkt ihr Selbstwertgefühl, da Jungen schwerer zu betreuen sind und sich Väter stärker engagieren. Verstärktes väterliches Engagement fördert eher den Karriereverlauf als ihn zu behindern. Väterliches Engagement hat eine positive Auswirkung auf die Persönlichkeit des Vaters. Neue Väter Österreichisches Forschungsprojekt 1990: 500 Mütter mit Kindern bis 3,5 Jahre wurden zur Mithilfe der Väter an der Betreuung der Kinder befragt. Fast 1/3 der Mütter war berufstätig. Ergebnisse: Fast 90 % der Väter helfen bei der Kinderbetreuung mit, 30 % sind werktags mit den Kindern mindestens eine halbe Stunde allein. Am Wochenende sind dies 15 %, doch nur 3 % der Väter sind während der Woche mehr als 20 Stunden mit dem Kind allein.

13 Neue Väter Der von Vätern geleistete Betreuungsaufwand ist dann am größten, wenn die Mutter erwerbstätig ist und keine oder nur eine Betreuungsalternative zur Verfügung steht. Dann betreuen die Väter im Durchschnitt 1,5 Stunden pro Tag das Kind. Der Arbeitsmarkt kann nicht erklären, wieso am Wochenende die Betreuung so gering ist. 60 % der Frauen wünschen sich einen Mann, der viel Zeit für das Kind hat und lehnen eine traditionelle Mutterrolle ab. Lebensformen mit und ohne Kinder der über 34-jährigen Männer nach Region in Deutschland in % Verheiratet mit gem. Kind Verheiratet mit gem. Kind Nichtehelich Zusammenlebend mit gem. Kind Nichtehelichzusamme nlebend ohne gem. Kind Parnerschaft in getrennten Haushalten mit gem. Kind Partnerschaft in getrennten Haushalten ohne gem. kind Singles mit und ohne Kind 0 Leipzig-urbanes Milieu Freiburgakademiker Milieu Freiburg Umland-ländl. Milieu Gelsenkirchenurbanes Arbeitermilieu

14 Vaterschaft in verschiedenen kulturellen Kontexten: zwischen Wochenendpapis und neuem Vater Literaturangaben: Fthenakis, Wassilios: Engagierte Vaterschaft. Opladen 1999 Fthenakis, Wassilios: Väter, Band 1 zur Psychologie der Vater-Kind-Beziehung. München 1985 Werneck, Harald: Übergang zur Vaterschaft. Auf der Suche nach den Neuen Vätern. Wien 1998 BZgA: männer leben. Studie zu Lebensläufen und Familienplanung. Köln 2004 Vielen Dank! Silke Holwein Marita Stickel

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