1. Das Haus Gottes für die anderen

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1 1 Predigt Psalm 26,8, , WH Christopher Wren hat die St. Paul s Cathedral in London entworfen. Es ist eines der schönsten Gebäude in England, manche sagen, sogar der Welt. Wren beschreibt, dass es eine Umfrage unter den Bauleuten gab als die Kirche im Bau war. Eine der Fragen lautete. Was machst du gerade. Die meisten antworteten mit: Ich mauere oder ich trage Steine. Ein Arbeiter aber, der gerade Zement anrührte, schien begeistert an der Arbeit zu sein und antwortete: Ich baue eine wundervolle Kathedrale. Es macht einen Unterschied, am Bau des Hauses Gottes beteiligt zu sein. Heute bauen Arbeiter auch an prachtvollen Gebäuden. Es sind aber Einkaufszentren, Firmenzentralen oder Stadien. Kaum einer ist begeistert von dem Zweck, den diese Gebäude einmal erfüllen werden. Kirchen dagegen werden eher zurückgebaut, abgerissen oder für wirtschaftliche Nutzung umgebaut (Kino, Supermarkt). Und man fragt sich: Ist die große Zeit der Kirchen vorbei? Die Zeit, in der Stadtbilder von Kirchen geprägt wurden und Städte sogar darum wetteiferten, wer die größte und schönste Kathedrale hat? Das ist eine eingeschränkte Sichtweise, würde ich sagen: In Südkorea habe ich eine Kirche besucht, die neu gebaut war, weil die alte zu klein war. Es war ein moderner Prachtbau, mit einer Tiefgarage für die vielen Besucher. Und auch unsere afrikanische Partnergemeinde Lighthouse Fellowship baut gerade gegen den Trend einen Supermarkt in eine Kirche um. Sie haben 1 ½ Jahre hier bei uns Gottesdienst gefeiert und ziehen jetzt in ihre eigenen Räumlichkeiten um. Es ist ein Zeichen, dass nicht nur Kirchen zu Supermärkten werden, sondern auch umgekehrt. 1. Das Haus Gottes für die anderen

2 2 Wenn nun einer sagt: Ich baue eine wundervolle Kathedrale, hat er ein Bild von einem diesem Haus im Kopf als Gottes Haus. Er will dann auch mit seiner Arbeit, nicht nur Mauern bauen, sondern eine Stätte, in der die Ehre Gottes wohnt, wie der Psalm es beschreibt. Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort da deine Ehre wohnt, Psalm 26,8 Gebäude können uns Heimat bieten und für manche Menschen sind Gebäude ein wichtiger Teil ihres Glaubens. Manchmal kommen Menschen hier vorbei aus anderen Teilen Deutschlands und zeigen ihrer Familie das Weigle- Haus. Weil es ein Ort ist, der ihnen wichtig war und ist. Ein Ort, an dem Gottes Ehre wohnt Und es ist ein Ort, an dem wir Gott finden können - oder wiederfinden können. Aber viele Menschen würden scheinbar mit ihrem Glauben viel besser klar kommen, wenn es nur diese Gebäude wären und nicht auch noch diese Menschen, die zu diesen Häusern gehören. Hier wird es jetzt spannend. Weil ein Haus Gottes eben nicht nur das Gebäude aus Holz, Beton und Steinen ist, sondern auch gleichzeitig ein Haus der lebendigen Steine. Es gehört eine Gemeinde dazu. Es sind die Herausgerufenen, das ist es, was das Wort griechische Wort für Kirche, ekklesia, bedeutet. Aber es sind immer wieder die Menschen, die es uns schwer machen, die Kirche zu lieben. Zu dem Theologieprofessor Karl Barth kam einmal eine Frau nach dem Gottesdienst und fragte: Nicht wahr, Herr Professor, wir werden in der Ewigkeit alle unsere Lieben wiedersehen? Und Karl Barth antwortete: Ja, aber die anderen auch.

3 3 Wenn also Gott mir Heimat schenkt in einem Gebäude, das seins ist, ein Gebäude in dem er mit seinem Geist wirkt, dann bin ich nie der einzige, der darin ein Zuhause findet. Gottes Häuser sind Häuser der Gemeinschaft von vielen und Häuser des gemeinsamen Lobpreises. Ein Haus Gottes ist zum Feiern da, zum gemeinsamen Feiern. Wenn ich selbst Gott hier im WH erfahren habe, kann ich davon ausgehen, dass es zahlreichen anderen Menschen genauso geht. Und der Herr bringt uns an diesem Ort zusammen. Ob wir wollen oder nicht. Wir kommen hier mit Leuten zusammen, die wir sonst nie einladen würden oder von denen wir auch nicht eingeladen würden. Besonders schmerzhaft empfinde ich es aber dann, wenn Menschen wegen anderer Menschen die Kirche verlassen, oder sogar den Glauben verlieren. Und ich weiß auch, dass es sehr oft die Pfarrerinnen und Pfarrer sind oder andere aus der Leitung einer Gemeinde, die Stein des Anstoßes sind. Wenn ihr also, wie der Psalmschreiber eine große Liebe für das Haus Gottes habt, eine große Nähe zu Gott gerade in Kirchen und Gotteshäusern empfindet, dann geht immer wieder hin, selbst wenn euch zunächst die anderen Menschen dabei stören oder auch nur einige davon. Und versucht, gemeinsam mit den anderen Menschen zu einem Leib zu werden. Denn erst dann, wenn der Leib Christi als Gemeinde in Gottes Haus wohnt, erfüllt es vollkommen seinen Zweck. Dann wird das Haus Gottes zum Powerhouse, das die Umgebung prägt und die Gesellschaft und die Menschen. Uns selbst. Die Theaterszene hat uns daran erinnert, wie wenig heilig unsere heiligen Hallen hier sind. Aber vielleicht ist es gut, dass wir mit dem Weigle-Haus eine solch unvollkommene

4 4 Kirche haben, die so wenig heilig ist wie die Menschen, die das Gebäude bevölkern. 2. Ich bin ein Haus Gottes Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses, Dieser Vers erinnert mich auch daran, dass im Neuen Testament unserer Körper als Tempel des Heiligen Geistes beschrieben wird (1. Kor 6,19). Da bin ich jetzt direkt bei mir selbst. Gott wohnt nicht nur in diesen unperfekten Mauern, sondern auch in meinem Körper. Und wenn ich die Stätte lieb habe, in der Gott wohnt, kann ich jetzt mich selbst ansehen, einmal ganz intensiv im Spiegel. In dem, was ich da sehe, wohnt Gott, der Herr. Und wenn ich so manche Kritik an mir selbst habe oder am Körper eines anderen, dann kann ich doch jetzt erst einmal davon ausgehen, dass das, was ich im Spiegel sehe, ein Wohnort Gottes ist. Wer bin ich, den Wohnort Gottes zu kritisieren? Da kann ich noch einmal ganz neu über mich nachdenken, über das, was ich mit meinem Körper mache oder über ihn denke. Es regt mich besonders auf, wenn mir Menschen sagen, die von ihrem Partner verlassen wurden, dass der andere (meistens sind es Männer) gesagt hat, du gefällst mir nicht mehr, so wie du bist, so wie du aussiehst. Auf der anderen Seite ist es auch nicht egal, wie ich selbst mit meinem Körper umgehe, wenn er doch ein Tempel des Heiligen Geistes ist. Wenn wir den Wohnort Gottes mögen, dürfen wir uns selbst mögen. So wie wir aussehen und wie wir gewachsen und geworden sind (mit dem Alter nicht einfacher!). Gott hat uns so gemacht, dass er in uns wohnen mag! Das Schönheitsideal, das uns von der Werbung und der Filmbranche präsentiert wird, entspricht dabei ganz und gar nicht dem Schöpfungswillen Gottes. Denn er hat uns nicht

5 5 gleich geschaffen, sondern unterschiedlich, aber immer als Tempel des Heiligen Geistes. 3. Das Haus Gottes ist nicht irgendein Haus Die Stätte, wo Gottes Ehre wohnt, ist also einerseits seine Gemeinde und andererseits bin ich es selbst. Aber es ist auch das Gebäude aus Holz und Steinen. Und das gehört zu der Welt aus Tischen und Bänken, die wir gestalten können. So gestalten, dass Menschen tatsächlich Gott finden in unseren Gottediensträumen, dass sie ihn anbeten können, dass sie ihn reden hören. Wir wollen es so gestalten, dass etwas von Gottes Ehre deutlich wird und so, dass Menschen es als sein Haus erkennen. Wir schmücken unser Haus mit Blumen, halten es sauber und richten es so ein, dass wir gut Gottesdienst feiern können. Wir schmücken den Altar und machen Musik. Alles so gut, wir können. Gott will, dass wir uns bei ihm zuhause fühlen. Und deshalb dürfen die Gemeinderäume, darf dieses Weigle-Haus ein Zuhause sein, nicht nur für ganz bestimmte Leute, die einen ganz bestimmten Stil mögen, sondern für alle, die Gott suchen. Für Jugendliche, Kinder und Erwachsene. So soll das Haus Gottes eine Oase sein, ein Zufluchtsort, ein verwandelbarer Raum und ein Ort, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Es gibt keine Regeln, wie ein Gotteshaus aussehen muss. Jede Elle ist eben anders, wie wir aus dem Theaterstück wissen. Das Wichtigste: Wir laden Gott ein, hier zu sein, hier im Weigle- Haus. Deshalb können wir es dann auch mal knuddeln, unser WH. Amen.

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