Gottesdienst in der Evangelischen Hoffnungskirche Neu-Tegel. 17. Sonntag nach Trinitatis 27. September 2015

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1 Gottesdienst in der Evangelischen Hoffnungskirche Neu-Tegel 17. Sonntag nach Trinitatis 27. September 2015 Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. (1. Joh 5,4c) Predigt von Jürgen Witting

2 Glück in der Bibel Als mich unser Pfarrer im Sommer ansprach, ob ich ein Thema für diese Predigtreihe hätte, antwortete ich sehr spontan Glück. Nicht, weil ich eine Botschaft hätte, die ich mit anderen teilen wollte, sondern weil mich die Wahrnehmung von Glück, also das Glücklich-Sein, ja auch das Nicht-Wahrnehmen von Glück in den letzten Monaten sehr beschäftigt hat. Wir suchen das Glück für uns und unsere Liebsten, wir schätzen uns glücklich wenn wir es gefunden haben, wir streben danach wenn wir unglücklich sind. Und dieses Streben nach Glück scheint ein wesentlicher Lebensinhalt für uns zu sein. In den Vereinigten Staaten von Amerika sogar so sehr, dass es als Grundrecht in der Verfassung verbrieft ist. Aber was ist das eigentlich, Glück? Wie fühlen wir uns, wenn wir die für uns wichtigen Ziele im Leben erreicht haben, wenn wir erreicht haben, was wir uns vorgenommen hatten, wenn sich Träume erfüllt haben? Sind wir dann glücklich? Schlafen wir jede Nacht mit einem Lächeln ein? Und wenn nun das Glücklich-Sein so etwas Bedeutsames für unser Leben ist, welchen Raum nimmt es dann in der Bibel ein? Welche Hinweise für ein glückliches Leben bekommen wir von dort? Unser Pfarrer hat mir bei der Recherche etwas geholfen und das Ergebnis möchte ich folgendermaßen zusammenfassen: Es gibt einige Stellen im Alten Testament, die beschreiben, wer sich glücklich schätzen kann. In Psalm 16, Verse 7-11, finden wir hierzu eine schöne, fast leidenschaftliche Beschreibung Psalm 16, Ich preise den HERRN, der mich beraten hat. Selbst in den Nächten erinnert mich mein Gewissen an seine Weisungen. 8 Der HERR steht mir immer vor Augen. Mit ihm an meiner Seite falle ich nicht. 9 Darum ist mein Herz so fröhlich und meine Seele jubelt vor Freude. Selbst meinem Leib geht es gut. 10 Ja, du gibst mich nicht dem Totenreich preis. Du lässt mich das Grab noch nicht sehen. Denn ich gehöre zu denen, die dir dienen. 11 So zeigst du mir den Weg zum Leben. Viel Freude finde ich in deiner Gegenwart und immerwährendes Glück an deiner Seite. Hier geht es um das Glück, Gott an unserer Seite zu wissen.

3 Im Neuen Testament sind es vor allem die Seligpreisungen bei Matthäus 5, die beschreiben wer sich Glücklich schätzen kann. Glückselig sind die, die barmherzig sind, die ein reines Herz haben, die Frieden stiften. Ging es also im Alten Testament bei der Beschreibung von Glück um die Nähe zu Gott, so liegt hier im Neuen Testament der Fokus darauf, wer wir sind und was wir tun - nicht darum, was wir haben oder erreicht haben. Eine wichtige Erkenntnis ist hierbei auch, dass wir einen Bezug zwischen Glück und materiellen Dingen im biblischen Sinne ausschließen können. Was bedeutet das aber für uns, die wir in einer Wachstums- und Fortschrittsorientierten Zeit leben? In seinem Buch Haben oder Sein spricht Erich Fromm vom Ende einer Illusion, wenn er klarstellt, dass der unbegrenzte Fortschritt, der zum zentralen Leitbild unserer Gesellschaft geworden ist, entgegen aller täglich hör- und sehbaren Versprechungen eben nicht die Basis für größtmögliches Glück ist - übrigens auch nicht für eine uneingeschränkte persönliche Freiheit. Aber sie können das einfach überprüfen. Stellen Sie sich Momente in Ihrem Leben vor, in denen Sie glücklich sind. Ich habe meine Zweifel, dass darin eine App auf Ihrem Smartphone eine Rolle spielt, über die Sie einen Kochtopf auf dem heimischen Herd ansteuern. Bildbesprechung Ich möchte Ihnen nun dieses Bild vorstellen. Es hat den Titel Auf dem Weg. Meine Frau, Martina Witting-Greth, hat in diesem Bild 2010 die Eindrücke auf die Leinwand bracht, die meine Tochter aus Sambia von Projektfahrten der Humboldt-Oberschule mit nachhause brachte. (Dabei ging es damals um die Unterstützung einer Partnerschule). Dieses Bild hier erzählt die Geschichte in einer uns nicht vertrauten Umgebung. Eine Umgebung ohne das, was wir hierzulande erkennbaren technischen oder wirtschaftlichen Fortschritt nennen. Da sind sechs Kinder unterwegs, die ich als Geschwister sehe. Ein Junge ist älter. Im Gegensatz zu den anderen Kindern trägt er eine Umhängetasche.

4 Möglicherweise sind dort wichtige Dinge für die ganze Gruppe enthalten, etwas Wasser, etwas Essen, etwas Geld vielleicht. Wahrscheinlich trägt der ältere Junge die Verantwortung für diese Gruppe. In der Managersprache würde man sagen, er hat einen kooperativen Führungsstil. Er geht nicht voran und erwartet, dass die anderen folgen. Nein, er bleibt zurück, um mögliche Gefahren für die jüngeren, vermeintlich unerfahreneren Geschwister frühzeitig erkennen zu können. Ein Junge von ähnlicher Statur läuft neben ihm. Beide zusammen bilden das Rückgrat der Gruppe, die sich auf dem Weg verteilt. Alle wirken entspannt und froh. Ein jüngeres Mädchen geht allen mit viel Raum voran. Der ältere Junge ist detaillierter dargestellt als die anderen Kinder. Er dreht sich zu uns, den Betrachtern der Situation. Er hat uns erkannt. Was will er uns mit seinem Blick sagen? Wenn ich diesem Jungen ins Gesicht schaue, dann denke ich unweigerlich an die in Matthäus 18, Verse 3-5, berichtete Begebenheit, in der Jesus in Kafarnaum im Haus von Petrus zu seinen Jüngern spricht Matthäus 18, Verse 3-5 3» das sage ich euch: Ihr müsst euch ändern und wie die Kinder werden. Nur so könnt ihr ins Himmelreich kommen. 4 Wer wie dieses Kind wird klein und unbedeutend der ist der Größte im Himmelreich. 5 Und wer ein Kind wie dieses aufnimmt, und sich dabei auf mich beruft, der nimmt mich auf.«vielleicht fragen Sie sich jetzt, warum ich die dargestellte Szene mit dem Thema Glück in Verbindung bringe. Vielleicht sagen Sie sich auch, dass diese Kinder gar nicht glücklich sein können, weil sie gar nicht wissen, was ihnen alles noch bevorsteht und dass sie wahrscheinlich gar keine Zukunft haben werden. Schließlich sterben in Afrika südlich der Sahara und im Süden Asiens jedes Jahr laut UNICEF 4,5 Mio. Kinder, das sind Kinder jeden Tag. Auf der anderen Seite: Wissen wir denn, was uns morgen bevorsteht? Ist es denn wichtig dies zu wissen, wenn wir auf Gott vertrauen?

5 Diese Kinder gehen ihren Weg, gleich ob es sich um ein kleines oder ein großes Ziel handelt. Egal, ob sie dieses Ziel am Ende auch erreichen. Sie gehen den Weg als Schwestern und Brüder in Nächstenliebe gemeinsam, aufrecht, fröhlich und glücklich im Hier und Jetzt. Und ich denke, das macht wahres Glücklich-Sein aus. Frère Roger sagt es folgendermaßen: Glücklich, wer auf dem Weg vom Zweifel zum ungetrübten, schlichten Vertrauen auf Gott ist! Wie sich der Nebel am Morgen auflöst, werden auch die Nächte der Seele hell kein trügerisches, sondern ein unverstelltes Vertrauen, das dazu drängt, hier und jetzt zu handeln, zu verstehen und zu lieben Die Energie dieser Worte ist es, die ich auf diesem Bild spüre. Und ich ziehe daraus für mich folgende Schlüsse: Egal welchen Weg jeder von uns geht, glücklich wird der sein, der ihn mit Schwestern und Brüdern im Geiste geht so, wie es uns Jesus vorgelebt hat, der ihn im Vertrauen zu Gott geht und der ihn aktiv und gestaltend mit christlicher Nächstenliebe geht. Ich habe hier an der Wand vor kurzem ein weiteres Bild von einem Kind entdeckt, unter dem steht: Jesus war die Lokomotive. Alle konnten einsteigen. Wie treffend! Jesus bietet uns allen einen Weg an und dieses Angebot ist der Anfang einer Reise zum Glücklich-Sein. Ich möchte noch etwas aus aktuellem Anlass ergänzen: Kinder wie die hier dargestellten sind in diesem Moment gerade auch auf dem Weg zu uns nach Europa, weil sie dem Sterben in ihrer Heimat entfliehen wollen. Als Christen wissen wir, dass wir ihnen helfen müssen. Matthäus 18, Vers 5 5 Und wer ein Kind wie dieses aufnimmt, und sich dabei auf mich beruft, der nimmt mich auf.«

6 Bild von Andreas S. Jesus war die Lokomotive. Alle konnten einsteigen

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