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1 Dieter Herbst Prof. Dr. Dieter Herbst

2 Gemeinsam stark: Integriertes Identitätsmanagement für starke Konsumentenbindungen. Theorie und Praxis eine starke Verbindung! Da ich hiervon schon immer überzeugt war, habe ich Publizistik, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften studiert und zudem Praxiserfahrungen durch Praktika, Hospitanzen und Projekte gesammelt. Seit 14 Jahren arbeite ich in der Unternehmenskommunikation von Schering, einem global operierenden Pharmakonzern. Dort koordiniere ich das weltweite Kommunikationsnetzwerk, informiere konzernweit über die Unternehmensstrategie und berate Führungskräfte. Parallel dazu engagiere ich mich seit vielen Jahren an Hochschulen und Universitäten im In- und Ausland - zuletzt als Honorarprofessor am Studiengang Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation (GWK) und am Institute of Electronic Business der Hochschule der Künste Berlin sowie als Hauptdozent im Rahmen des Executive MBA in Business Engineering der Universität St. Gallen und der St. Clara University (Silicon Valley). Inhaltlich interessiert mich vor allem das Strategische Kommunikationsmanagement. In diesem Rahmen haben mich in den letzten Jahren die Themen Corporate Identity und Markenführung beschäftigt. Mein theoretisches und praktisches Wissen habe ich in zahlreichen Fachpublikationen und Büchern (Titel: Public Relations, Corporate Identity; Krisen meistern mit PR; Interne Kommunikation; Wissensmanagement; Internet-PR und E-Branding) festgehalten. Mein Leitsatz als überzeugter Planer lautet: When everyone else on the ice is trying to get where the puck is, I try to get where the puck is going to be. (Erfolgsgeheimnis der Eishockey-Legende Wayne Gretsky).

3 16 Dieter Herbst Gemeinsam sind sie stark: Wie die Persönlichkeiten von Unternehmen und Marken starke Bindungen zum Konsument schaffen. Prof. Dr. Dieter Herbst Der Weg in den Marken-Olymp wird immer beschwerlicher Identitätskonzepte als Grundlage für Integriertes Identitätsmanagement Integriertes Identitätsmanagement von Unternehmens- und Markenpersönlichkeit Zukunft des Integrierten Identitätsmanagements Anhang Werbung

4 Gemeinsam stark: Integriertes Identitätsmanagement für starke Konsumentenbindungen Der Weg in den Marken-Olymp wird immer beschwerlicher 1.1 Die Beziehungen zum Produkt lockern sich Heutige Marketingexperten träumen von nichts mehr, als eine starke Marke zu schaffen - eine wie Nivea oder Coca Cola, die ganz oben im Marken- Olymp steht. Nivea hat es geschafft, bei vielen anderen ist dies fraglich. Denn: Wer einen Blick in die Zukunft der Werbung wirft, findet deutliche Anzeichen dafür, dass das Interesse der Konsumenten an Marken nachlässt und sich ursprünglich stabile Beziehungen zwischen Marke und Käufern immer weiter lockern. 1 Auf allen Märkten wird der Wettbewerb aufgrund ausgeschöpfter Marktpotentiale zunehmen. Produktqualität wird für den Konsumenten selbstverständlich. Da eine Abgrenzung über andere Kriterien fehlt, erlebt der Konsument die Angebote zunehmend als austauschbar, was durch Me too- Produkte und Pseudo-Marken verstärkt wird, die zwar preiswerter als Markenartikel sind, aber keinen eigenständigen Leistungsvorteil bieten, wie z.b. das Kopfschmerzmittel ASS Ratiopharm gegenüber der Marke Aspirin. Markenerweiterungen, schnelle Konzeptionswechsel und Umpositionierungen verwässern ursprünglich klar profilierte Marken. Melitta, einst für Kaffee bekannt, bot z.b. zusätzlich Kaffeemaschinen und Kaffeefilter, Lebensmittelfolien, Staubsaugerbeutel, Müllbeutel, Luftreiniger und Teefilter an. Was ist die Folge? Orientierung und Vertrauen in die Einzigartigkeit der Produkte gehen verloren. Kunden, Mitarbeitern und nicht zuletzt Werbern ist nicht mehr klar, für was die Marke steht und welchen einzigartigen und dauerhaften Nutzen sie bietet. Eine Herausforderung für die Werbung wird daher sein, den Konsumenten eine stärkere Orientierung und Sicherheit zu bieten. Dies ermöglicht den Konsumenten die Identifikation mit den Marken und schafft Vertrauen, das langfristige Beziehungen sichert. So steht der Name Melitta mittlerweile wieder für kaffeenahe Produkte. Für alle anderen Produkte sind Sub-Marken entstanden, wie Toppits (Lebensmittelfolien) und Aclimat (Luftreiniger). 1.2 Das Unternehmen hinter der Marke wird immer wichtiger Obwohl Marken auch weiterhin als Orientierungshilfe für die Bewertung von Angeboten dienen, sind sie in einigen Bereichen nicht mehr allein kaufentscheidend: Steht ein Käufer vor dem Kühlregal im Supermarkt, entscheidet er sich bei ähnlichen Produkten und Preisen für das Unternehmen, das er kennt und sympathisch findet. Fast 70 Prozent kaufen keine Waren von Unternehmen, von denen sie eine schlechte Meinung haben. 2 Es scheint sogar einen Vertrauenstransfer zu geben: Vertrauen in die Marke bedeutet zugleich Vertrauen in das dazugehörige Unternehmen und umgekehrt. Ein Konsument kauft das neue Produkt eines Herstellers mitunter schon deshalb, weil er gute Erfahrungen mit dem Hersteller gemacht hat. Anders herum kann ein Konsument ein positives Bild von einem Unternehmen gewinnen, weil er seine Produkte kennt und schätzt. Das Werbemanagement sollte also künftig stärker die Gesamtkommunikation des Unternehmens berücksichtigen. Optimal wäre, wenn sich die Vorstellungsbilder von Unternehmen und Marken wechselseitig übertragen und gegenseitig stärken! 1 Mattenklott. Schimansky

5 18 Dieter Herbst 1.3 Aber auch Unternehmen bieten kaum noch Orientierung Doch selbst eine Orientierung an Firmen wird schwieriger: Durch zunehmende Verflechtung und schnellen Wandel der nationalen und internationalen Märkte sind Unternehmen komplexer und undurchschaubarer geworden: Daimler und Chrysler sind fusioniert, die Hypo- und die Vereinsbank sind hypovereint und die Allianz Versicherung ist mit der Dresdner Bank durch das grüne Band der Sympathie verbunden. Ein Grund für Zukauf und Übernahme ist, dass Firmen ihre Produktpalette vervollständigen können, ohne selbst aufwendig und risikoreich neue Produkte entwickeln zu müssen. Diese Komplettlösungen versetzen sie in die Lage, nicht mehr nur einzelne Marktsegmente zu bedienen, sondern den gesamten Markt abdecken zu können, wie das Beispiel Volkswagen belegt: Schon längst prägt nicht allein der Golf das Bild der Marke Volkswagen, sondern mehrere Produktlinien - vom Lupo bis zum Passat. Die Volkswagen-Marke SEAT galt einst als Billignachbau von Fiat-Modellen, die vor allem im spanischen Markt angeboten wurde. Volkswagen entwickelte sie zu einer jungen südeuropäischen Marke, die unter dem Motto automobile Lebensfreude steht und sportlich emotionale Fahrzeuge mit mediterranem Charme bietet. Ihr strategischer Wettbewerber ist Alfa Romeo. Die tschechische Volkswagen-Marke SKODA bietet funktionale Autos mit einem attraktiven Preis-Leistungsverhältnis, die damit im Wettbewerb mit Volvo steht. So attraktiv Komplettangebote für Anbieter und Käufer sind - Fusionen und Akquisitionen haben zu einer Konzentration immer größerer Konzerne und Holdings geführt, die zum Teil nur als organisatorischer und finanzieller Zusammenschluss fungieren. Die Zielgruppen dieser Unternehmen wie die Verbraucher, der Handel und andere Unternehmen verlieren hierdurch den Überblick: Sie wissen weder, was sich hinter neuen Kunstnamen wie Aventis und Novartis verbirgt, noch können sie erkennen, für welche Werte diese Namen stehen. Selbst etablierte Firmen haben mit ihrem Image zu kämpfen: Früher stand der Name Mercedes für einen Autobauer, später für die Vision eines integrierten Technologiekonzerns und heute? Der Name Bertelsmann steht für viele immer noch für den altbackenen Buchclub und nicht für einen modernen, globalen Medienkonzern. Aber nicht nur externe Zielgruppen verlieren den Überblick, auch intern gibt es Probleme: In den Firmenkonglomeraten finden Koordination und Abstimmung kaum noch statt. Nicht selten hat ein Konzern mehrere Marketingabteilungen mit noch mehr Units, die alle ein Eigenleben führen: Eine Unit ist zuständig für Produkte, eine für Preise, eine für Distribution und eine für Kommunikation. Eine Unit vermarktet Marke A und die andere Marke B, ohne gegenseitige Auswirkungen zu beachten und Absprachen zu treffen. Das gleiche geschieht in den Kommunikationsabteilungen mit Werbung, Verkaufsförderung und Public Relations. Profit-Center-Strukturen tragen zusätzlich dazu bei, dass sich jeder Bereich nur selbst optimiert. Das Wir-Gefühl geht verloren und macht Eigenbrötelei und Bereichsegoismus Platz, die den internen Arbeitsablauf stören und die Koordination und den Zusammenhalt hemmen. Darüber hinaus erkennt das Stammpersonal mitunter zugekaufte Produkte nicht als eigene an und identifiziert sich nicht mit ihnen. Es entsteht das Werbung

6 Gemeinsam stark: Integriertes Identitätsmanagement für starke Konsumentenbindungen. 19 this is not invented here -Syndrom, das selbst erfolgreiche Firmen wie Hewlett-Packard kennen und fürchten, denn die Konsequenz ist, dass Marken ohne die erforderliche Beachtung und Fürsorge weitergeführt werden. Mit jeder Erweiterung verlieren die internen und externen Zielgruppen weiter den Überblick und erkennen den ursprünglichen Unternehmenssinn nicht mehr. Auf internationaler Ebene wird alles noch komplexer und undurchschaubarer. seinen Marken (Persil etc.) bekannt zu machen. Der Kommunikations-Chef von Henkel, Jakob Lux begründet diese Investition folgendermaßen: Es reicht nicht, der unbekannte Riese zu sein. Denn alles, was unbekannt oder nur wenig bekannt ist, erweckt kein Vertrauen. 5 Was bedeuten diese Veränderungen für Unternehmensführung, Markenführung und Werbung? 1.4 Die Lösung: Gemeinsames Identitätsmanagement von Unternehmen und Marken Unternehmen müssen ihren Zielgruppen zeigen: Das sind wir, das können und wollen wir. Wichtige Zielgruppen müssen erfahren, welche Werte und Normen dem unternehmerischen Handeln zugrunde liegen, um entscheiden zu können, ob sie das Handeln unterstützen wollen oder nicht. Wie wichtig ein klares und abgrenzbares Firmenimage ist, zeigt die Schätzung von Finanzexperten, dass der Börsenwert eines Unternehmens heutzutage zu etwa 40 Prozent von seiner Kommunikation bestimmt wird. 3 Die Finanzgemeinde will nicht nur gute Zahlen sehen, sondern auch von einer starken und schlüssigen Zukunftsgeschichte (Equity Story) fasziniert werden. 4 Der Aufbau und die Gestaltung sowohl von Marken- als auch von Firmenimages wird deshalb weiter an Bedeutung gewinnen. Wen wundert es, wenn Henkel mehrere Millionen Mark in eine Kampagne steckt, um das Unternehmen hinter Viele Marken sind unter dem Dach von Henkel zusammengefasst. Allerdings sind das integrierte Management von Unternehmens- und Markenimages eine komplexe, anspruchsvolle und übergreifende Aufgabe, die angemessen gesteuert und koordiniert werden muss - Werbung ist ein Teil davon. Das Identitätsmanagement bietet hier einen zeitgemäßen Ansatz an, um diese Herausforderungen zu meistern. In den folgenden Kapiteln wird dargestellt, welches Verständnis von Unternehmens- und Markenpersönlichkeiten angemessen ist, um diese Probleme zu lösen. Der Beitrag wird schließlich aufzeigen, durch welches systematische und langfristige Vorgehen das gemeinsame Gestalten der Unternehmens- und Markenidentitäten möglich ist. Mattenklott. Schimansky

7 20 Dieter Herbst 2 2. Identitätskonzepte als Grundlage für Integriertes Identitätsmanagement Identitätsmanagement hat das Ziel, einzigartige und unverwechselbare Unternehmens- und Markenpersönlichkeiten aufzubauen und kontinuierlich zu entwickeln. Diese starken Persönlichkeiten sollen Orientierung und Sicherheit bieten, damit Vertrauen ermöglichen und die Grundlage für dauerhafte Beziehungen schaffen. 2.1 Wie sich die Identitätskonzepte entwickelt haben Auf Unternehmensebene wird das Corporate Identity Management (CIM) schon seit den 70er Jahren diskutiert. 6 Demnach kann jedes Unternehmen seine Identität gestalten und nach innen und aussen durch ein eindeutiges Erscheinungsbild langfristig vermitteln. Neuen Aufwind hat dieses Konzept Mitte der 90er Jahre erhalten, da Expertenschätzungen zufolge rund 70 Prozent der Firmenzusammenschlüsse aufgrund einer unvereinbaren Unternehmenskultur gescheitert sind. Es gilt daher als unverzichtbar, ein gemeinsames Selbstverständnis zumindest in den für den Unternehmenserfolg wichtigen Punkten gemeinsam zu gestalten und zu kommunizieren. Ein positives Beispiel ist hier die Pharmafirma Boehringer Ingelheim: 7 Tiefgreifende Veränderungen zu Beginn der 90er Jahre erforderten, dass sich das chemisch-pharmazeutische Unternehmen erstmals in seiner über 100jährigen Geschichte mit CI beschäftigte. Intern wie extern wollte es sich klar und deutlich positionieren, um Mitarbeitern und Kunden aufkommende Sorgen über die Unternehmenszukunft zu nehmen. Gerade das Einbeziehen der Mitarbeiter und das Verständnis für die Zukunftsziele wurden als Erfolgsfaktoren angesehen, um auch weiter zu den Branchenbesten zu gehören. In Workshops formulierte die Konzernleitung ihr Selbstverständnis, das dem Zukunftsmotto Value through innovation! folgte. Die Vision, konsequent innovationsorientiert sein zu wollen, wurde wochenlang auf Verträglichkeit mit der bestehenden Unternehmenskultur geprüft und dann an alle Mitarbeiter und Kunden weltweit vermittelt: In über 140 mehrtägigen Visionskonferenzen wurden die Leitsätze vermittelt und für ihre Umsetzung vom Spitzenmanagement geworben. Zur langfristigen Sicherung des CI-Prozesses wurde das regelmäßig erscheinende Vision Magazine konzipiert und ein Value through innovation! - Tag etabliert, damit sich alle Mitarbeiter weltweit über Fortschritte austauschen und Veränderungsziele neu anpeilen konnten. Ergebnis: Seit dem Start des CI-Prozesses hat sich die Zusammenarbeit gebessert, die Job-Zufriedenheit ist gestiegen, die Attraktivität des Unternehmens bei hochqualifizierten Bewerbern hat zugenommen, die Verschwendung beim Einkauf ist gesunken, Arbeitsabläufe konnten beschleunigt und der Jahresumsatz sowie die Produkt-Innovationsrate gesteigert werden. Seit Anfang der 90er Jahre werden Identitätskonzepte auch auf Marken angewendet: 8 Eine einzigartige Markenpersönlichkeit soll den Marken ein unverwechselbares Profil geben, das nach innen und außen wirkt. Die mit einer Marke verbundenen Persönlichkeitsmerkmale sollen bei den Konsumenten dauerhaft verankert werden und die eindeutige Abgrenzung erlauben: Zum Beispiel gilt Coca Cola als cool, typisch amerikanisch und real, Werbung

8 Gemeinsam stark: Integriertes Identitätsmanagement für starke Konsumentenbindungen. 21 Pepsi als jung, aufregend und verrückt und Bluna als unkonventionell, einzigartig und lustig. Marken nehmen menschliche Gestalt an, wie das Michelin- Männchen und Meister Proper. Meister Proper strahlt die starke Reinigungskraft des gleichnamigen Putzmittels aus. Das Michelin-Männchen signalisiert Zuverlässigkeit der Reifen auf allen Straßen. Tiere sollen Markenpersönlichkeiten transportieren, wie das Häschen von Duracell, der Spürhund von Lycos und die Ameisen von Letsbuyit.com. Der Konsument soll sich mit diesen Persönlichkeiten und den von ihnen verkörperten Werten identifizieren und zum Teil seines persönlichen Lebens machen: Wer also die Siegermarke Nike trägt, ist selbst ein Gewinner oder möchte sich beim Tragen zumindest ein wenig so fühlen. Wenn Spitzensportler wie Tiger Woods oder André Agassi, die die Siegermarke in der Werbung verkörpern, auf dem Siegertreppchen stehen, steht immer auch der Nike-Träger auf dem Podest. 2.2 Zentrale Annahmen der Identitätskonzepte Was sind die zentralen Annahmen, die den Identitätskonzepten zugrunde liegen? Die Zielgruppen brauchen für ihr Vertrauen das Wissen um Verlässlichkeit. Wie auch zwischen Menschen ist Vertrauen zu Unternehmen und Marken die Grundlage langfristiger Beziehungen. Vertrauen entsteht durch Verlässlichkeit: Die Zielgruppen wissen, für was das Unternehmen bzw. die Marke steht und welchen einzigartigen Nutzen sie bieten. Wen man nicht kennt, dem vertraut man nicht, so die Marketingexperten Meffert und Burmann. Vertrauen verringert das wahrgenommene Risiko, vom Anbieter und seinen Leistungen enttäuscht zu werden. Der Konsument kann ohne lange Vergleiche einkaufen und muss nicht das gesamte Angebot prüfen, um die richtige Entscheidung zu treffen. Hierdurch spart er Kosten, die er zum Verringern des Risikos ausgegeben hätte, zum Beispiel für Versicherungen oder die Informationssuche nach geeigneten, zuverlässigen Anbietern. Die Einzigartigkeit der Persönlichkeiten muss sich durch Merkmale auszeichnen, die für Zielgruppen relevant sind. Die Einzigartigkeit von Unternehmen und Marke entsteht durch einzelne Merkmale der Unternehmens- bzw. Markenpersönlichkeit oder eine bestimmte Kombination, die das Unternehmen bzw. die Marke für die Zielgruppen erkennbar macht und von anderen dauerhaft unterscheidet. Das Unternehmen muss diese Merkmale kennen und festschreiben. Die Zielgruppen müssen diese Merkmale wahrnehmen können und sie müssen für diese relevant sein. Diese Einzigartigkeit fehlt jedoch vielen Unternehmen und Marken, was sie bei der Zielgruppe schwach erscheinen lässt. Mattenklott. Schimansky

9 22 Dieter Herbst Der Kern der Persönlichkeit ist seine glaubhafte Kompetenz. Kern der Persönlichkeit ist deren Kompetenz. Was können Unternehmen und Marke glaubhaft leisten und deutlich wahrnehmbar vermitteln? Im Fall von Volvo ist dies die Sicherheit und bei Mercedes das Prestige. Bei Nivea ist es die milde Hautpflege und Qualität. Der Kunde vertraut auf diese Leistungsfähigkeit. Die Marke Nivea ist so stark, dass sie sogar als Kulturgut propagiert werden kann. (Außenwerbung an der alten Zollbrücke zur Speicherstadt in Hamburg.) Das Selbstverständnis einer starken Pesönlichkeit stimmt mit dem der Zielgruppen überein. Voraussetzung für das Entwickeln starker Persönlichkeiten ist der kontinuierliche Austausch mit den internen und externen Zielgruppen: Je stärker das Selbstverständnis eines Unternehmens mit dem seiner Zielgruppen übereinstimmt, desto stärker ist seine Persönlichkeit. Damit unterscheiden sich Identitätskonzepte von bisherigen Sichtweisen, die sich entweder nur auf das Erscheinungsbild konzentrierten (Aussagenkonzepte) oder nur auf deren Wirkung bei den Zielgruppen (Akzeptanzkonzept). Die Persönlichkeit besitzt sowohl stabile als auch variable unverwechselbare Werte. Eine Persönlichkeit besitzt zum einen zentrale Werte, die über längere Zeit stabil sind und zum anderen variable Anteile wie etwa seine Kommunikationsbotschaften. Durch deren Kombination können die Zielgruppen das Unternehmen bzw. die Marke immer neu erleben und haben dabei doch stets das Gefühl, dass dies unterschiedliche Aspekte ein und derselben Persönlichkeit sind, deren stabile Kerninhalte sie kennen: Madonna und David Bowie ändern zwar ihre äußere Erscheinung, aber sie bleiben stets für ihre Fans erkennbar und unverwechselbar. Die Markenpersönlichkeit von Swatch beruht auf ihrem wechselnden Erscheinungsbild, wobei der Markenkern stets bestimmte konstante Eigenschaften enthält. Die klassische Auffassung, nach der eine Marke stets einheitlich in Erscheinung treten sollte, würde hier nicht greifen. Identitätskonzepte sind ganzheitlich ausgerichtet und konsequent verhaltensbezogen. Identitätskonzepte sind ganzheitliche Konzepte, die das Verhalten einschließen. Dies ist die Konsequenz aus der Erkenntnis, dass eine Ausrichtung auf die visuelle und kommunikative Erscheinung nicht ausreicht, weil es häufig nicht dem Verhalten entspricht. Wird also in der Kommunikation hohe Kundenorientierung behauptet, muss diese im Umgang mit den Kunden auch konsequent gelebt werden. Werbung

10 Gemeinsam stark: Integriertes Identitätsmanagement für starke Konsumentenbindungen Integriert bedeutet Widerspruchsfreiheit in allen Zielgruppenkontakten. Integrierte Konzepte streben danach, Unternehmen bzw. Marken widerspruchsfrei bei ihren Zielgruppen darzustellen: Jeder Kontakt muss die Unternehmens- und Markenpersönlichkeit stimmig transportieren - von der Verpackung über die Präsentation im Handel bis hin zur Rechnungsstellung und Bedienungsanleitung. Also anders als der Bekleidungshersteller C&A, der in der Werbung eine erlebnisorientierte Markenwelt aufbaut, die am tristen Point of Sale im Warenhaus nicht wieder zu finden ist. Dies führt zu Verwirrung beim Konsumenten: Ist die Marke das, was er aus der Werbung kennt, oder das, was er im Alltag direkt erlebt? Nur eine in sich und nach außen widerspruchsfreie Kombination einzelner Persönlichkeitsmerkmale führt zu einer starken Unternehmens- und Markenidentität. Diese integrierte und ganzheitliche Sicht setzt entsprechend einen internen und externen Managementprozess voraus. 3. Integriertes Identitätsmanagement von Unternehmens- und Markenpersönlichkeit Die Bedeutung von Identitätskonzepten scheint zwar mittlerweile erkannt, aber es fehlt bisher ein integriertes Identitätsmanagement, um die Unternehmens- und Markenpersönlichkeit gemeinsam zu gestalten. Unternehmens- und Markenportfolios werden meist noch separat gemanagt. Widersprüche und Unstimmigkeiten offenbaren sich spätestens beim Internet-Auftritt des Unternehmens, wo sämtliche Kommunikationsaktivitäten zusammenfließen, also Werbung, Verkaufsförderung und Public Relations. Nicht nur beim Online- Marketing wird deshalb immer wichtiger, dass alle Beteiligten die Bewertungskriterien für Entscheidungen zur Gestaltung der Unternehmensidentität und Markenidentität sowie deren Beziehungen kennen und die Konsequenzen im eigenen Bereich umsetzen können. Integriertes Identitätsmanagement (IIM) bedeutet die Analyse, Planung, Umsetzung und Kontrolle von Unternehmens- und Markenidentitäten: In einem systematischen Prozess erkennt das Unternehmen bewusst seine Unternehmens- und Markenidentitäten und vergleicht sie mit Wünschen und Erwartungen der wichtigen internen und externen Zielgruppen. Mögliche Spannungsverhältnisse zwischen einzelnen Markenidentitäten sowie zwischen Unternehmens- und Markenidentitäten werden ausgeglichen und zu einer Einheit entwickelt. Unternehmen und Marken werden also als Ganzheit begriffen, die man in ihrer Wirkung voneinander nicht trennen kann. Ziel des Integrierten Identitätsmanagements ist die Gestaltung eines prägnanten, stimmigen und einzigartigen Unternehmens- und Markenimages. 3.1 Die Elemente des Integrierten Identitätsmanagements Der integrierte Identitätsprozess besteht aus vier Elementen, die in einem engen Zusammenhang stehen und sich gegenseitig beeinflussen: Kultur Image Leitbild Instrumente 3 Mattenklott. Schimansky

11 24 Dieter Herbst Die Kultur als Element des Integrierten Identitätsmanagements Der Begriff Kultur steht für alle Werte (Wünsche) und Normen (Handlungsleitendes), die das Unternehmen als Grundannahmen eint und lebt: Ist dem Unternehmen Innovation wichtiger oder Kostenorientierung? Ist die Marke vergangenheits- oder zukunftsorientiert? Schließt ein Außendienstmitarbeiter einen Vertrag ab, auch wenn er Nachteile für den Kunden hat? Berät er ihn umfassend, empfiehlt vielleicht ein anderes Produkt des Herstellers und verzichtet womöglich auf einen Vertrag? Jedes Unternehmen hat seine eigene Antworten auf diese Fragen - selbst unter gleichen äußeren Bedingungen. Häufig hat der Firmengründer solche Werte und Normen vor dem Hintergrund der jeweiligen Zeit und der Situation seines Unternehmen geprägt. Im Lauf der Jahre bewähren sie sich, gelten als selbstverständlich und werden an neue Mitarbeiter weitergegeben. Jeder weiß, was einerseits wichtig ist und zählt und andererseits verpönt ist und Sanktionen auslöst. Werte und Normen werden zum Allgemeingut und stabilisieren das Unternehmen. Stimmen die Mitarbeiter den Werten des unternehmerischen Handelns zu, kann dies die Motivation und Leistung der Mitarbeiter erhöhen, weil sie einen Beitrag zum Erreichen des allseits Gewünschten leisten wollen. Die Werte wirken auch nach außen. Jedes Unternehmen ist einzigartig, weil es seine eigene unverwechselbare Geschichte und Entwicklung hat: In jedem Unternehmen arbeiten andere Menschen mit anderen Erfahrungen und Charakteren, so dass sich jeweils andere Werte und Normen entwickelt haben. Die Markenführung muss dieses Einzigartige berücksichtigen und die Unternehmenskultur zur Basis der Markenkultur machen. Zwei Aspekte bestimmen dabei die Markenkultur: Die Marke entsteht zum einen aus einer bestimmten Gesellschaftskultur heraus, das heißt die Marke wird durch die kulturelle Verankerung geprägt, durch die Werte und Normen, die in einer Region oder in einem Land gelten. Die Marke Coca Cola ist z.b. eng mit dem amerikanischen Lebensgefühl verknüpft und die Lufthansa steht für deutsche Gründlichkeit und Zuverlässigkeit: Die Lufthansa wird seit jeher mit dem Bild der deutschen Zum anderen ist die Markenkultur durch die Kultur der Mitarbeiter bestimmt, deren markenspezifisches Denken und Handeln sie umfasst: Stimmen die Mitarbeiter den gemeinsamen Werten, Normen und Visionen zu, so kann dies die Identifikation der Mitarbeiter mit der Marke erhöhen. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung für das Entstehen starker Marken, denn diese Werte wirken dann auch nach außen, so dass Kunden, Lieferanten und andere Zielgruppen von dem gelebten Unternehmensverhalten auf die Marke schließen können. So wird z.b. die Kultur von BMW oder Werbung

12 Gemeinsam stark: Integriertes Identitätsmanagement für starke Konsumentenbindungen. 25 Mercedes direkt auf ihre Marken übertragen (siehe die Abbildung auf der Folgeseite). Eine Markenpersönlichkeit kann also nicht beliebig konstruiert werden, sondern muss sowohl auf den vorhandenen Werten und Normen des Unternehmens aufbauen, als auch zu dessen anderen Marken in Beziehung stehen. Dies gilt in besonderem Maß für Dienstleister (z.b. Banken, Versicherungen, Unternehmensberatungen), deren Mitarbeiter in direktem Kontakt mit den Kunden stehen. Gründlichkeit und Zuverlässigkeit assoziiert. Was bedeutet dies für das Integrierte Identitätsmanagement? Zunächst müssen Firmen- und Markenkultur sorgfältig offengelegt und dann anhand der Anforderungen der Belegschaft und des Umfeldes geprüft werden, ob sie konsistent und zeitgemäß sind. Steht also ein Unternehmen für Tradition (Dauer), können die Marken schwerlich die Eigenschaften Dynamik und Flexibilität (Wandel) verkörpern. In diesem Fall entwickelt das Integrierte Identitätsmanagement eine auf die Zukunft gerichtete Gesamtpersönlichkeit von Unternehmen und Marke, die in einem Leitbild formuliert und verbindlich niedergeschrieben wird Das Leitbild als Element des Integrierten Identitätsmanagements Das integrierte Gestalten der Unternehmens- und Markenpersönlichkeit setzt voraus, dass die Verantwortlichen zum einen wissen, wie sie ihr Unternehmen und deren Marke(n) sehen. Zum anderen sollten sie möglichst konkret formulieren können, wie ihre Mitarbeiter und wichtige externe Zielgruppen Unternehmen und Marke sehen wollen und sollen. Somit gilt es, die angestrebten Werte, die Unternehmen und Marke repräsentieren sollen, in einem Leitbild festzulegen. Während die Kultur die verkörperten Werte (IST) festhält, formuliert das Leitbild die gewünschte Kultur (SOLL). Im Idealfall stimmen IST und SOLL überein. Das Leitbild besteht aus der Leitidee, den Leitsätzen und dem Motto: Die Leitidee (Vision oder Philosophie) formuliert den Nutzen des Unternehmens und seiner Marken. Die Leitidee des japanischen Unterhaltungselektronikkonzerns Sony lautet beispielsweise: Wir wollen, dass die Menschen auch auf kleinstem Raum und mit minimalem Energieverbrauch die besten Klang- und Seherlebnisse genießen können. Die beiden Schweizer Hayek und Thomke wollten eine Uhr anbieten, die zugleich modisch und günstig ist, und sowohl in Kaufhäusern als auch feinen Uhrenfachgeschäften gekauft werden kann. So wurde die erfolgreiche Swatch geboren. Leitsätze konkretisieren die Leitidee, damit sie in Handeln umgesetzt werden kann. Diese Leitsätze können weiter differenziert werden, was vor allem für die Unternehmensleitsätze notwendig ist. Leitsätze sind Kernaussagen, die Mattenklott. Schimansky

13 26 Dieter Herbst erläutern, wie die Leitidee konkret umgesetzt werden soll. Häufig beziehen sich diese Aussagen zugleich auf das Verhältnis zu Mitarbeitern und Managern, zu Kunden, Aktionären und Eigentümern. Für das Integrierte Identitätsmanagement ist dabei wichtig, Aussagen über die Beziehung von Unternehmens- und Markenpersönlichkeiten und deren gemeinsame (oder separate) Gestaltung zu treffen und verbindlich festzuhalten. Wichtig ist dies vor allem für Firmen, bei denen die Verbindung von Unternehmen und Marke deutlich sichtbar ist, wie etwa bei Sony und Swatch. Das Motto schließlich fasst das Leitbild knapp und prägnant zusammen. Zum Beispiel Freude am Fahren (BMW) oder Irgendwie clever (Tetra Pack). Das Firmenmotto darf dabei nicht im Widerspruch zu den Markenslogans stehen. Das Leitbild formuliert also das gemeinsame Selbstverständnis über Unternehmen und seine Marke und deren Verhältnis zueinander. Es legt Bedingungen für den Aufbau und die Entwicklung der Unternehmens- und Markenpersönlichkeit fest. Diesem gemeinsamen Selbstverständnis sollen alle wichtigen Zielgruppen zustimmen können und es unterstützen wollen. Dieses integrierte Leitbild hat folgende Vorteile: Information: Es informiert die Beteiligten über die Werte von Unternehmen und Marke, also wie diese handeln und welche Grundprinzipien gelten sollen. Dies schafft eine Grundlage für einheitliches Verhalten, das dann auf allen betrieblichen Ebenen gezeigt werden kann. Leitfunktion: Das Leitbild unterstützt die Verantwortlichen bei der zeitgemäßen und situativ angepassten Führung: Sie können Fehler erkennen und korrigieren. Unsicherheiten werden ausgeräumt, die das optimale Erfüllen von Aufgaben verhindern. Umsetzungsfunktion: Das Leitbild zeigt allen Beteiligten, wie sie durch ihr persönliches Verhalten zum Erreichen der Ziele der Markenführung und damit zum Erfolg des gesamten Unternehmens beitragen können. Vorgabe: Es ermöglicht den Bereichen, detaillierte Vorgaben für die Mitarbeiter abzuleiten, die nicht beliebig sind, sondern die aus einem übergeordneten und gemeinsamen Selbstverständnis stammen. Außenwirkung: Das Leitbild wirkt nach außen, indem es wichtige Zielgruppen über die Werte und Normen der Marke informiert. Außerdem macht das Leitbild Aussagen über die Wünsche und Erwartungen. Wenn die Persönlichkeiten von Unternehmen und Marken als Einheit wirken sollen, müssen gemeinsame Spielregeln bekannt sein und eingehalten werden. Das Markenleitbild gibt dafür den Orientierungsrahmen vor, der je nach Situation und Problem ausgefüllt werden kann Die Instrumente als Elemente des Integrierten Identitätsmanagements Drei Instrumente vermitteln den Zielgruppen die Unternehmens- und Markenpersönlichkeiten: das visuelle Erscheinungsbild (Corporate bzw. Brand Design) Werbung

14 Gemeinsam stark: Integriertes Identitätsmanagement für starke Konsumentenbindungen. 27 die Kommunikation (Corporate bzw. Brand Communication) das Verhalten (Corporate bzw. Brand Behaviour) Das Design vermittelt die Persönlichkeit durch ein prägnantes visuelles Erscheinungsbild. Dieses visuelle Erscheinungsbild wird geprägt von konstanten Gestaltungselementen, wie zum Beispiel Logo, Farben, Schrift, typographisch gestalteter Form des Slogans, Gestaltungsrastern und stilistischen Sollvorgaben für Abbildungen, Fotos und andere Illustrationen. Diese Konstanten bestimmen das Design aller visuellen Markenäußerungen, also des Produktund Verpackungsdesigns, der Kommunikationsmittel und weiterer Sonderbereiche wie z.b. dem Fotodesign. Jedoch: Das Design transportiert die Unternehmens-Identität, aber sie schafft sie nicht. Der Mercedes-Stern ist nicht Mercedes. Für das Integrierte Identitätsmanagement ist zu klären, in welcher Konstellation das Logo vom Unternehmen zur Marke steht: Ist ein Zusammenhang erkennbar? Wird der Name des Unternehmens (Wortmarke) durch ein Bild (Icon) der Marke ergänzt? Erhält der Unternehmensname einen Zusatz, der auf die Marke schließen lässt, wie im Fall von Virgin Cola? Virgin Cola ist eine von vielen Submarken, die unter dem Dach von Virgin firmieren. DaimlerChrysler hat seine Gestaltungsrichtlinien festgeschrieben und in einer Broschüre veröffentlicht, um ein starkes und widerspruchsfreies Erscheinungsbild zu gewährleisten. Diese Richtlinien werden konsequent im Unternehmen umgesetzt, so dass sie als fixer Bestandteil der Corporate Behaviour von allen Mitarbeitern gelebt werden. Mattenklott. Schimansky

15 28 Dieter Herbst Die Kommunikation soll die Unternehmensund Markenpersönlichkeiten durch strategisch geplante, widerspruchsfreie Botschaften konsequent nach innen und außen vermitteln - in Werbung, Verkaufsförderung und Öffentlichkeitsarbeit (PR). Für die Werbung bedeutet Integriertes Identitätsmanagement zum Beispiel die Frage, ob ein Zusammenhang zum Unternehmen hergestellt wird und wie stark dieser Zusammenhang ist. Das Verhalten ist von besonderer Bedeutung für das Vermitteln der Unternehmens- und Markenpersönlichkeit: Was nutzen die originellste Erscheinung und die vollmundigsten Versprechungen der Kommunikation, wenn das Handeln nicht stimmt? Nicht an dem, was eine Firma sagt, wird sie gemessen, sondern daran, wie sie handelt. Das Firmenverhalten zeigt sich unter anderem darin, wie Mitarbeiter miteinander und mit Externen (z.b. Kunden und Lieferanten) umgehen, wie Konflikte gelöst werden, wie auf Probleme reagiert wird und wieviel Offenheit und Vertrauen im Umgang mit der Öffentlichkeit vorherrschen soll. Unter Markenverhalten wird dabei das Verhalten der Mitarbeiter, die mit einer Marke beschäftigt sind, gegenüber allen Zielgruppen verstanden. Deren fachliche Kompetenz muss sich durch ein entsprechend vielfältiges Informations- und Serviceangebot auszeichnen. Ein Beispiel: Der Exklusivitätsanspruch der Firma Bulthaup, einem Hersteller von erstklassigen Küchen, führte zu einem eigenen, exklusiven Weg im Vertrieb: Während fast alle anderen Küchenhersteller Händler beliefern, die mehrere Fabrikate vertreten, konzentrierte sich Bulthaup mehr und mehr auf Exklusivpartner. Dies führte zwar vorübergehend zu einem relativ hohen Umsatzverlust. Mittlerweile ist man sich aber sicher, dass es langfristig der gewinnbringendere Weg ist, denn jedes der Geschäfte transportiert durch Einrichtung, Präsentation, Verhalten und Auftreten der Mitarbeiter das Leitbild des Unternehmens in die Öffentlichkeit. Die Gesamtheit des Geschäftsverhaltens ist sozusagen Multiplikator des Firmen- und Markenleitbildes Das Image als Element des Integrierten Identitätsmanagements Ziel ist, dass ein festgelegtes Vorstellungsbild (Image) vom Unternehmen und seinen Marken in den Köpfen der Zielgruppen entsteht. Hierzu richtet sich die gesamte Darstellung des Unternehmens und der Marke konsequent und konsistent am Leitbild aus, um das einheitliche Image nicht zu gefährden: Wann immer der Konsument mit dem Unternehmen und seinen Marken in Kontakt tritt, präsentiert sich ihm eine stimmige und geschlossene Firmen- und Markenpersönlichkeit. Der Aufbau des angestrebten Images ist ein Lernprozess: Die Zielgruppen müssen die Botschaften des Unternehmens wahrnehmen, aufnehmen und verarbeiten. Je mehr Informationen vorliegen, desto vielfältiger und stabiler kann sich das Image bilden. Bis ein Unternehmen diese Botschaften dauerhaft vermittelt hat, vergeht Zeit. Für die Werbebotschaften bedeutet dies, dass sie in ein einheitliches Konzept der Unternehmens- und Produktkommunikation eingebettet sind. Erlebt der Konsument diese Äußerungsformen nicht stimmig genug, können Brüche in der wahrgenommenen Firmen- und Markenpersönlichkeit entstehen. Die Werbung

16 Gemeinsam stark: Integriertes Identitätsmanagement für starke Konsumentenbindungen. 29 beiden Marketingexperten Meffert und Burmann vergleichen dies damit, als würde eine Ente wie eine Ente aussehen und auch wie eine Ente laufen, aber wie ein Hund bellen! Der Prozess des Integrierten Identitätsmanagements Die vier Elemente werden in einem systematischen Managementprozess gestaltet, der aus vier Stufen besteht: Analyse Kontrolle Planung Umsetzung In einer Analyse werden Informationen gesammelt und die Stärken und Schwächen der vier genannten Elemente geprüft: Welche Kultur haben Unternehmen und Marke? Gibt es ein Leitbild? Ist es zeitgemäß? Transportieren die Instrumente glaubwürdig die Unternehmens- und Markenidentität? Welches Image haben die internen und externen Zielgruppen vom Unternehmen und seinen Marken? Werden Synergien optimal genutzt? Das Ergebnis all dieser Bewertungen ist die Aufgabe für den Identitätsprozess. Basierend auf dieser Analyse und dem Aufdecken der Identitätsprobleme setzt die Planung ein, indem eine Lösung entwickelt wird, die aus den Kernelementen Ziele, Strategien und Maßnahmen besteht. Es wird also formuliert, was wann in welchem Ausmaß erreicht werden soll und auf welchem Weg dies wie geschehen soll. Zum Beispiel ist es möglich, dass die bisher gelebten Werte weiterentwickelt werden müssen, weil sie nicht mehr zeitgemäß sind, zum Beispiel bei unzureichender Kundenorientierung und Flexibilität. Der Lösungsansatz wird in konkrete Text-, Bildund Aktionsideen umgesetzt: Zum Beispiel werden für das Erscheinungsbild einheitliche Gestaltungskonstanten konzipiert und für die Kommunikation zentrale Botschaften formuliert und für das Verhalten Führungsgrundsätze entwickelt. Im Identitätsprozess wird laufend geprüft, ob die angestrebten Ziele erreicht werden (Ist-Soll- Abgleich). Auf Abweichungen wird schnell reagiert. Maßnahmen können nach der Durchführung kontrolliert werden, um den weiteren Einsatz zu optimieren. Die Persönlichkeiten werden also kontinuierlich geprüft, um festzustellen, ob sie den sich ändernden internen und externen Erwartungen und Anforderungen gerecht werden. Das schwierige und komplexe Identitätsmanagement muss von der Unternehmensführung gesteuert werden, da hierbei Entscheidungen getroffen werden müssen, die sich auf die Wahrnehmung des gesamten Unternehmens und seiner Leistungen auswirken: Strukturen müssen geschaffen werden, die ein stimmiges Integriertes Identitätsmanagement gewährleisten, Verantwortliche müssen benannt werden, die ausreichend qualifiziert sind und für das Erreichen der Ziele gerade stehen können. Es ist zu prüfen, welche Prozesse zu schaffen oder zu ändern sind und welche Informationstechnologien angemessen sind. Und schließlich ist zu bestimmen, welche Kultur für Mattenklott. Schimansky

17 30 Dieter Herbst ein erfolgreiches Integriertes Identitätsmanagement erforderlich ist und welches Verhalten dazu gestärkt und welches geändert werden muss. Die Führungskräfte haben in diesem Prozess die Aufgabe, die Handlungsrichtlinien des Firmenund Markenleitbildes umzusetzen: Spricht das Markenleitbild zum Beispiel vom dynamischen und flexiblen Umgang mit den Kunden der Marke x, muss das Top-Management diese Werte leben. Nur so können Mitarbeiter dazu gebracht werden, sich dem gewünschten Markenleitbild entsprechend zu verhalten. Die Mitarbeiter tragen entscheidend dazu bei, die Identitätsziele zu erreichen. Sie sollen sich mit den Grundaussagen des Unternehmens und der Marke identifizieren und diese Werte nach innen und außen leben können. So wird das Unternehmen und die Marke für die externen Zielgruppen erlebbar - und damit authentisch und glaubwürdig. 3.3 Eigenschaften des Integrierten Identitätsmanagements Um erfolgreich zu sein, muss sich das Integrierte Identitätsmanagement durch folgende wichtige Merkmale auszeichnen: Ganzheitlich: Integriertes Identitätsmanagement ist ein Mosaik, in dem alle Steine vorhanden sein müssen, damit ein komplettes Bild entsteht. Es berührt nicht nur das Marketing oder die Public Relations, sondern auch alle anderen Funktionen wie Personal oder Produktion. Integriertes Identitätsmanagement berücksichtigt nicht nur das Firmenumfeld, sondern auch die eigenen Mitarbeiter. Es wird nicht nur durch Design vermittelt, sondern auch durch Kommunikation und Verhalten. Diese ganzheitliche Sicht macht Integriertes Identitätsmanagement zum wichtigen Bestandteil der strategischen Unternehmensführung. Systematisch geplant: Integriertes Identitätsmanagement bedeutet keinen planlosen Aktionismus durch das Renovieren des Produktlogos oder eine aufsehenerregende Werbekampagne. Identitätsprobleme müssen sorgfältig und zuverlässig aufgedeckt, wirkungsvoll gelöst und das Ergebnis bewertet werden. Ein solches Konzept gewährleistet, dass ein Unternehmen vorausschauend seine Chancen erkennt und somit seine Zukunft erfolgreich gestaltet. Aktiv: Jedes Unternehmen und jede Marke hat eine Identität. Es ist nicht möglich, keine Identität zu besitzen, und sei es eine schwache. Integriertes Identitätsmanagement bedeutet, diese Identitäten zu erkennen und im Spannungsfeld eigener Stärken und Schwächen bzw. interner und externer Erwartungen und Wünsche aktiv zu entwickeln. Kontinuierlich: Da sich Unternehmen und Markt ständig ändern, ist Integriertes Identitätsmanagement ein lebendiger und kontinuierlicher Prozess, der Entwicklungen des Marktes und des gesellschaftlichen Umfeldes vorweg nehmen sollte. Langfristig: Durch spektakuläre aber vordergründige Maßnahmen leidet die Glaubwürdigkeit und Vertrauen kann verloren gehen. Wer also Erfolge Werbung

18 Gemeinsam stark: Integriertes Identitätsmanagement für starke Konsumentenbindungen. 31 quasi über Nacht durch einige Werbeplakate erwartet, sollte sein Geld und seine Energie sparen. Ein gemeinsames Selbstverständnis entwickelt sich ebenso langfristig wie ein gewünschtes Image. Flexibel: Unternehmen sollten im Prozess der Wandlung analog ihrem Identitätsverständnis flexibel sein, ohne ihre Identität aufzugeben. Diese strategische Lösung liegt außerdem nahe, wenn von den Mitarbeitern für die Marke x eine andere Kultur und ein anderes Markenverhalten erwartet wird als von der Marke y, obwohl beide Mitarbeitergruppen zu derselben Firma gehören und Gemeinsamkeiten im Sinne der Unternehmenskultur erwartet werden, um Synergien zu nutzen. 3.4 Strategischer Nutzen des Integrierten Identitätsmanagements Zu den wichtigsten strategischen Fragen des Integrierten Identitätsmanagements gehört, in welcher Beziehung die Unternehmens- und Markenpersönlichkeiten zueinander stehen. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten, die vom jeweiligen Unternehmen, seiner Situation und seinen Zielgruppen abhängen. Es bieten sich drei strategische Vorgehensweisen im Umgang mit der hierarchischen Beziehung zwischen Marken- und Unternehmensidentität an: Der Milka-Hersteller Kraft Foods tritt auf der Milka-Schokoladenpackung nicht deutlich sichtbar mit seinem Unternehmenslogo in Erscheinung. Die gleiche strategische Lösung verfolgt auch Beiersdorf bei seinen Produkten Nivea und Hansaplast. Strategische Lösung 1: Marken stehen im Vordergrund Die Union Deutsche Lebensmittelwerke ist den Konsumenten sicherlich weniger bekannt als deren Marken Rama, Unox und Lätta. Auch die Marken des Haushaltsmultis Procter & Gamble existieren in den Köpfen der Verbraucher selbständig und unabhängig von dem eigentlichen Firmenhintergrund. Diese Form wird z.b. gewählt, wenn Marken unterschiedlich positioniert sind, wie im Fall des Konzerns EFFEM und seinen Marken Whiskas, Kitekat und Cheba. Strategische Lösung 2: Unternehmensidentität ist das Dach über die Produkte Das Markenimage vieler Firmen ist durch das Unternehmensimage geprägt, wie im Fall von Melitta, Siemens, Osram, Herlitz, Daimler-Benz, VW, Vorwerk, Bahlsen, Ferrero, Estée Lauder, McDonald s, Hilton oder Steigenberger. Hierbei bilden die Unternehmenswerte das Dach über die Produkte und deren Markenpersönlichkeiten. So steht z.b. die Handelskette The Body Shop für Pflegeprodukte mit besonderer sozia- Mattenklott. Schimansky

19 32 Dieter Herbst ler und ökologischer Verantwortung, während Disney für Familienwerte steht. Eine Profilierung über ein kompetentes Firmenimage bietet die Chance, Produktneuheiten mit einem Vorschuss an Bekanntheit und Vertrauen und viel weniger Aufwand im Markt einzuführen. Die Unternehmensmarke muss dabei nicht mal auf den Produkten erscheinen, wie im Fall von Aldi. Im Produkt und seiner Markierung sollte sich das Selbstverständnis des Unternehmens ausdrücken. Versteht sich das Unternehmen als Qualitätsanbieter, müssen die Produkte durch ausgewählte Qualität, edle Verpackung und exzellenten Service angereichert sein sowie durch anspruchsvolle Werbung differenziert angepriesen werden. BMW sollte also kein Billigmodell auf den Markt bringen, um japanischer Konkurrenz Paroli zu bieten. Melitta ist die Dachmarke über verschiedenen Markenprodukten vom Kaffee bis zu den Filtertüten. Strategische Lösung 3: Marken- und Unternehmensidentität stützen sich gegenseitig In einem Unternehmen mit unterstützender Identität muss das Management entscheiden, wie weit Markenidentität und Unternehmensidentität übereinstimmen und wo Unterschiede sinnvoll erscheinen. Zum Beispiel ist bei Dienstleistern wie der Unternehmensberatung Roland Berger oder den Holiday Inn Hotels eine hohe Übereinstimmung zwischen der Marken- und Unternehmensidentität naheliegend, weil deren Unternehmensname quasi für das Spektrum und die Qualität ihrer Leistungen steht. Ein besonders gelungenes Beispiel für die fein abgestimmte bilaterale Stützung von Produktund Unternehmensidentitäten ist die Möbeldesign-Firma Vitra: Das Unternehmen hat sich auf die Fahnen geschrieben, Designprodukte herzustellen, die eine gelungene Abstimmung von Material, Form und Funktion erreichen und sowohl Komfort und Technik als auch Ergonomie, Ökologie, Ökonomie und Ästhetik verbinden. Stühle, Sessel, Raumteiler, Hocker, Liegen und Tische von Vitra stehen in Museen, Flughäfen, Banken, im Deutschen Bundestag und im Europarat. Doch nicht nur die Möbel werden in Zusammenarbeit mit weltweit bekannten Designern hergestellt und sind höchsten Standards verpflichtet. Auch die zum Teil spektakulären Unternehmensbauten - von der Produktionshalle über den Konferenz-Pavillon bis zum Feuerwehrhaus - stammen von angesehenen Architekten aus Japan und Portugal und machen im Einklang mit der Markenidentität konsequent die Unternehmensidentität von Vitra für Kunden wie Mitarbeiter sichtbar und erlebbar. Prunkstück ist das 1989 in Weil am Rhein eröffnete Vitra Design Museum, einer Collage aus Kuben,Türmen und Rampen, in dem Vitra historisches und zeitgenössisches (Architektur-)Design ausstellt erhielt Vitra für seinen Unternehmensauftritt den Corporate Design Award. Werbung

20 Gemeinsam stark: Integriertes Identitätsmanagement für starke Konsumentenbindungen. 33 Wo sich Image von Produkt und Unternehmen gegenseitig stützen: Die außergewöhnliche Designorientierung von Vitra dokumentieren nicht nur die Möbel, sondern ebenso Kundencenter, Feuerwehrhaus und das Design-Museum. Mit Persönlichkeiten wie dem Maler David Hockney wird dieser Anspruch kommuniziert. Mattenklott. Schimansky

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