Was bleibt? Nachhaltige Palliative Kultur im Alten- und Pflegeheim

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1 Was bleibt? Nachhaltige Palliative Kultur im Alten- und Pflegeheim 6. Fachtagung Palliative Geriatrie Berlin Katharina Heimerl,

2 Palliative Care im Pflegeheim In Deutschland sind im Jahr 2000 zwischen 18% und 25% aller Verstorbenen im Pflegeheim gestorben (Jaspers/Schindler 2005) Das sind zwischen und Menschen In Österreich waren es 2008 etwa 15% (Östat 2008) Die Tendenz ist stark steigend

3 Die Bedürfnisse von hochbetagten Menschen Alte Menschen haben eindeutig besondere Bedürfnisse, weil ihre Probleme anders und oft komplexer sind, als die junger Menschen (World Health Organisation 2004)

4 Was bedeutet Palliativbedürftigkeit von Hochbetagten? Nicht die Todesnähe sondern die spezifische Behandlungs- bzw. Care -Bedürftigkeit (über einen variablen Zeitraum) bei weit fortgeschrittener Multimorbidität und/oder Demenz und ihre belastenden Folgen körperlich, seelisch, sozial, spirituell (Kojer, Heimerl 2010) Nachhaltige Palliative Kultur bedeutet Lebensbegleitung bis zuletzt

5 verf verfügt über qualifiziertes Personal unter guten Arbeitsbedingungen allfällige llige Probleme können untereinander besprochen werden. Dort kennt man den Vater und nicht erst, seit er krank ist. Das dörfliche d Pflegeheim

6 Organisationen balancieren Widersprüche Drei zentrale Widersprüche, um die das Altenheim gebaut ist: Autonomie und FürsorglichkeitF hfreiheit und Sicherheit hselbstbestimmtheit und Abhängigkeit Leben und Sterben hrehabilitation und Palliative Care hwohnen und behandelt werden Qualität t und Ökonomie hzeitintensive Pflege und knappe Ressource Zeit hbewohnerorientierter Tagesablauf und Notwendigkeit von Dienstplänen Nachhaltige Palliative Kultur bedeutet, gute Prozesse zum Umgang mit Widersprüchen einzurichten

7 Pflegeheime sind Frauenwelten In deutschen Heimen 2007: MitarbeiterInnen, 85% Frauen Pflegebedürftige, 76% Frauen Geschlechtersensible Begleitung und Betreuung von alten, pflegebedürftigen Menschen in Organisationen der stationären Altenhilfe (Elisabeth Reitinger 2010) Nachhaltige Palliative Kultur im Pflegeheim heißt, gendersensible Kommunikation umsetzen

8

9 the quality of life of patients and their families Angehörige sind Mitleidende und Mitbetroffene,, sie sind somit ebenfalls Adressaten der palliativen Versorgung und müssen m um ihrer selbst willen Beachtung finden (Martina Schmidl 2007) Nachhaltige Palliative Kultur im Pflegeheim heißt, ein Konzept für f r den Umgang mit Angehörigen haben und umsetzen

10 Palliative Care im Pflegeheim ist Dementia Care Derzeit sind etwa 70% der in Pflegeheimen untergebrachten alten Menschen dement. Mittelfristig ist zu erwarten, dass ihre Zahl auf etwa 85% ansteigt. (Marina Kojer,, 2005) Menschen mit Demenz können k ein Pflegeheim auf den Kopf stellen Sie können k sich nicht mehr den Strukturen in der fremden Welt Pflegeheim anpassen Nachhaltige Palliative Kultur bedeutet, Menschen mit Demenz als Personen anzuerkennen

11 Flexible Tagesabläufe und Strukturen Um kommt das Essen, die Bewohnerin hat aber heute keinen Hunger Es steht nicht in der Macht der einzelnen Pflegenden, den Tagesablauf flexibel zu gestalten. Das muss vom Träger gewollt und von der Leitung unterstützt tzt werden Nachhaltige Palliative Kultur heißt: Die Strukturen und Abläufe richten sich nach den Bedürfnissen der BewohnerInnen und nicht umgekehrt

12 In der Not einen Arzt In Österreich gibt es Bundesländer, nder, in denen werden die Bereitschaftsdienste der Hausärzte nachts und am Wochenende nicht bezahlt und die Pflegeheime haben keine angestellten Ärzte Nachhaltige palliative Kultur heißt, dass (palliativ)medizinische Expertise im Heim zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird

13 Vorausschauende Planung Dann, wenn die Krise da ist Dann, wenn der Notarzt im Zimmer steht ist es zu spät, um darüber nachzudenken, was im Sinne der Bewohenrin ist Nachhaltige Palliative Kultur bedeutet, einen vorausschauenden Plan für f r die Betreuung am Lebensende zu haben

14 Fort- und Weiterbildung Block 1: (Berlin) Block 2: (Wien) Block 3: (Berlin) Block 4: (Wien)

15 Organisationen lernen anders als Personen Personen lernen in Fortbildungen Palliative Care zu einer Angelegenheit der flächendeckenden Fortbildung zu erklären, ren, gehört zu den erfolgreichen Strategien des Scheiterns Organisationen lernen in Kommunikationsstrukturen Entscheidungen Kulturwandel

16 Drei Ebenen der Organisationskultur Sichtbare Zeichen Ausgesprochene Normen und Werte Implizite Normen und Werte Abschiedsraum Der Sarg wird vorne herausgetragen Erinnerungen an Verstorbene Leitbild Routinemäßige Gespräche über Tod und Sterben Hier kann man über Tod und Sterben sprechen

17 Die Hospizbewegung drängt Eine win-win Situation Dennoch gibt es wechselseitige organisationale Verunsicherung in die Pflegeheime Die Hospizbewegung ist organisationsflüchtig Alten- und Pflegeheime haben Aspekte von totalen Institutionen Die Hospizbewegung hat Angst vor dem hohen Grad an Organisiertheit der Heime Die Heime haben Angst vor der organisationalen Unberechenbarkeit von HospizhelferInnen

18 Ein anderes Ehrenamt Pflegeheime sind anders als Hospize Mit Menschen mit Demenz zu kommunizieren erfordert etwas anderes als Da sein bis zuletzt für r sterbende Menschen Andererseits: Pflegende wissen oft nicht über das Besondere des Ehrenamtes Bescheid Nachhaltige palliative Kultur heißt, ein Konzept für r die Zusammenarbeit mit dem Hospizverein und den HospizhelferInnen zu haben

19 Nachhaltige palliative Kultur (1) Lebensbegleitung bis zuletzt Palliative Care im Pflegeheim ist Dementia Care Strukturen und Abläufe richten sich nach den Bedürfnissen der BewohnerInnen (Palliativ)medizinische Expertise steht zur Verfügung, wenn sie gebraucht wird vorausschauende Planung für f r die Betreuung am Lebensende zu haben

20 Nachhaltige Palliative Kultur (2) Prozesse zum Umgang mit Widersprüchen sind eingerichtet Konzept für f r den Umgang mit Angehörigen Zusammenarbeit mit Hospizverein und HospizhelferInnen Gendersensible Kommunikation Das deutlichste Zeichen für f r nachhaltige Palliative Kultur: Bei uns kann über Sterben, Tod und Trauer gesprochen werden

21 Status Quo der Hospiz- und Palliativkultur in Berliner Pflegeheimen Über 300 Alten- und Pflegeheime in Berlin Gründung des Netzwerk Palliative Geriatrie Berlin (NPG Berlin) im Mai 2011 (bis September 2012) Das Hospiz- und Palliativkonzept 2011 des Berliner Senats sieht die Sterbebegleitung in vollstationären Pflegeeinrichtungen als einen wichtigen Baustein an Ein nächster Schritt sollte es sein, den Status Quo der Hospiz- und Palliativkultur in Berliner Pflegeheimen zu erheben und Wissen auszutauschen

22 Woher wissen wir, was bleibt? Es ist davon auszugehen, dass es in allen deutschen Bundesländern unterschiedlich große und unterschiedlich gestaltete Initiativen und Prozesse in Trägern und Pflegeheimen gibt Katalog von Kriterien zur Hospizkompetenz im Alten- und Pflegeheim der BAG Hospiz (heute DHPV) Bislang gibt es jedoch kein Projekt, das bundesweit erhoben hat, welche nachhaltigen Veränderungen durch Palliative Care Prozesse in Alten- und Pflegeheimen bewirkt werden konnten

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