Impulse für Gesellschaft, Politik, Hochschule, Ökonomie und Kultur in Stadt & Region Jahrgang Kostenlos zum Mitnehmen

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1 Impulse für Gesellschaft, Politik, Hochschule, Ökonomie und Kultur in Stadt & Region DER März bis Mai KESSENER Jahrgang Kostenlos zum Mitnehmen... macht Würzburg zur Marke! YOKO ONO. HALF- A- WIND SHOW. EINE RETROSPEKTIVE 15. FEBRUAR MAI SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT

2 Alter Kranen Jazz-Frühstück mit Russ Spiegel am 7. April 2013 Mit dem gebürtigen Kalifornier, seit über 10 Jahren eine New Yorker Legende, kommt ein außergewöhnlicher Künstler in den Brauerei-Gasthof in den Alten Kranen. Er ist Komponist, Arrangeur, Gitarrist und Bandleader, häufig auch im Fern sehen und Radio zu erleben. Zur Zeit arbeitet er an einem großen Projekt, The Russ Spiegel Jazz Orchestra. Auch als Filmkomponist, Schauspieler und Schriftsteller ist er sehr gefragt (www.russguitar.com). Das reichhaltige Büffet öffnet um 10 Uhr immer am ersten Sonntag im Monat, und das zu dem Wahnsinns-inclusiv-Preis von 12,90 Euro pro Person. 2 Der Kessener 1/2013

3 WÜRZBURG Mit jeder tieferen Erfahrung auf dem spirituellen Weg wachsen Selbstwertgefühl und das Wohlwollen mit allen Wesen. Willigis Jäger Wie können wir den uns gut bekannten Alltag sinnvoll gestalten? Sicher zeigt sich schon länger eine wesentliche Spur für einen Neubeginn im eingespielten Kreislauf des eigenen Lebens. Was hindert uns daran durch eine vertiefte Erfahrung unserer Sinne, eine veränderte Achtsamkeit für das Leben zu spüren? Könnte vielleicht ein persönlicher Klärungsprozess das persönliche schöpferische Potenzial entdecken, für einen Bruch mit gewohnten Ritualen einer täglichen Zwangsjacke? Wo bleibt die persönliche kontemplative Innenschau? Kann es nicht einen gewandelten Dialog mit dem eigenen Selbst geben, für einen Weg zu einer reflektierten Stärke? Kann der Einzelne nicht doch eine Kraft spüren, erleben und fühlen, die viel größer als er selbst ist? Diese äußere Welt mit ihren Zwängen, Eitelkeiten, ihrem Gehetztsein, ihrer Ohnmacht verdient eine ganz andere, die persönliche innere Seite des Menschen! Vielleicht sollten wir unser Leben mal auf den Kopf stellen und die blinde Sucht nach dem DABEISEIN energisch hinterfragen? Wo bleibt unsere Gelassenheit im Miteinander? Wir benötigen Führungspersönlichkeiten mit Visionen in sich wandelnden Prozessen. Erforderlich sind eine wirtschaftliche Effizienz mit einer gewandelten Ethik und Menschen in Schlüsselpositionen, frei von Lobbyismus jeglicher Art. Ein täglicher Terror der Zahlen und Bilanzen, der den Menschen außen vorlässt, scheitert letzten Endes an sich selbst. Der heutige Mensch braucht die Präsenz in der Stille, mehr denn je! Lebensgestaltung aus dem Unbewussten von einer heilenden, kraftvollen Kreativität angeregt, gespeist von einem visuellen und inneren Lernen eines neuentdeckten starken Selbst für die tägliche Begegnung. Mercator Sapiens Tipp: ARTE NOAH SID GASTL DELIRIUMhellwach auf dem Kunstschiff Arte Noah eine Befragung der Realität zwischen Erscheinungen und Empfindungen, einer neuen Transparenz von Außen und Innen. Farbe und Stofflichkeit in ihren subtilen Beziehungen Jahre Mainfränkisches Museum Würzburg Festung Marienberg Würzburg Die Würzburger Serviceclubs Ladies: Gentlemen: mit einem umfangreichen Veranstaltungskalender Der Kessener 1/2013 3

4 WÜRZBURG Nie mehr ein Sektglas in der Hand? In der AHG-Tagesklinik werden Menschen mit Alkoholproblemen therapiert Es war alles andere als leicht für Helmut Jung (Name geändert), sich hierher zu wagen in eine Tagesklinik für Menschen, die von Alkohol abhängig sind. Mein Nachbar trinkt mindestens genauso viel wie ich, argumentiert er gegenüber Dr. Stephan Rose, Suchtmediziner in der vor einem Jahr eröffneten Einrichtung der Allgemeinen Hospitalgesellschaft (AHG) in der Würzburger Textorstraße. Allein wegen seiner Frau ließ sich Helmut Jung auf die Therapie ein. Die drohte, ihn sonst zu verlassen. In welchem Maße er durch das Trinken mit seinen Kräften aast, das wird Helmut Jung nach nur wenigen Tagen in der AHG-Klinik plötzlich bewusst. Bisher hatte er nicht gemerkt, wie viel Energie ihm Bier und Schnaps rauben. Wie viel mehr Power er haben wird, das wird der 45-Jährige erleben, sollte er es schaffen, ein paar Wochen lang abstinent zu bleiben. Nach vergleichsweise kurzer Zeit geht es den Menschen schon viel besser, sagt Rose. Seit Eröffnung der Tagesklinik sah der leitende Arzt rund 30 Menschen, die sich, oft erstmals, teilweise aber auch nach mehreren gescheiterten Versuchen, entschlossen haben, etwas gegen ihre Abhängigkeit zu tun. Dass die Auseinandersetzung mit seiner Sucht keinen Aufschub mehr duldete, wird Helmut Jung recht bald klar. Nahm er doch in der Tagesklinik zum ersten Mal sein Leben genau unter die Lupe. Intensiv machte er sich Gedanken über sein Trinken. Welche Vorteile brachte der Alkohol Ihnen? Zunächst fand er diese Frage des Arztes höchst merkwürdig. Aber ja, es stimmte schon. Der Alkohol war für ihn tatsächlich mit einigem Schönen verbunden gewesen. Da waren die Kumpels in der Stammkneipe, mit denn er manchen feucht-fröhlichen, durchaus inspirierenden Abend verbracht hat. Auch half ihm der Alkohol, abzuschalten. Zuverlässig trug er dazu bei, Stress auszuhalten. Bei den Verwandten seiner Frau fühlte er sich mit zwei, drei Bier auch gleich viel lockerer. Und die Nachteile? Tja. Davon gab es ebenfalls eine Menge. Und eigentlich viel mehr als Vorteile. Nach zwölf Wochen abstinent zu werden, ist generelles Ziel der Behandlung in der im April 2012 eröffneten Einrichtung der AHG. So richtig behagte Helmut Jung dieses Ziel allerdings auch nach drei Wochen noch nicht. Warum sollte er für alle Ewigkeiten auf etwas verzichten, das alle anderen um ihn herum, wann immer sie Lust dazu haben, genießen dürfen? Ihre Chance: Weiterbildung... Fernlehrgang Praktischer Betriebswirt/in (KA) Beginn: , 18 Monate Wirtschaftsfachwirt/in (IHK) Beginn: in Schweinfurt, 18 Monate Mit Kolping reisen... Staatspolitische Studienreise nach Brüssel Diese Reise soll den europäischen Gedanken vermitteln Kosten: 415,- (149,- EZZ) Ile-de-France: Schlösser und Gärten um Paris Für Liebhaber der Kunst und Kultur ist diese Studienreise ein Reiseziel par excellence Kosten: 890,- (189,- EZZ) Kolping-Mainfranken GmbH Kolping-Akademie Kolpingplatz Würzburg / Neue Hobbys oder neue Kontakte machen den Abschied vom Alkohol leichter. Foto: Pat Christ Ausgerechnet er, der es nie besonders leicht hatte, sollte auf den Rettungsring Alkohol verzichten und fortan ein entbehrungsreiches Leben führen! Wie sollte er ohne jemals abschalten können vom stressigen Job? Es gab doch auch die Möglichkeit, vernünftiger, sprich: kontrollierter zu trinken! Menschen mit einer chronischen Insuffizienz der Leber oder der Bauchspeicheldrüse müssen lebenslang abstinent bleiben. Das sah auch Helmut Jung ein. Warum Abstinenz auch für ihn wichtig ist und warum dies nicht bedeutet, asketisch zu leben, das wird er im Laufe der verbleibenden neun Wochen lernen. Man gewinnt durch die Abstinenz, versichert Rose. So droht keine Gefahr mehr, den Führerschein zu verlieren. Aus der Ehe ist ein Dauerkonflikt entfernt. Der Job geht besser von der Hand. Und die Gesundheit dankt es auch. Wobei es am Anfang wichtig ist, überall dort, wo sich der Alkohol im Leben festgekrallt hatte, Neues zu setzen. Spannendes Neues. Das Suchtgedächtnis ist nicht zu löschen Wenn alles läuft wie geplant, kann Helmut Jung in Kürze in sein neues Leben starten. Stephan Rose weiß allerdings, dass nicht jeder seiner Patienten und Patientinnen diesen Sprung tatsächlich schafft oder auf Dauer bei einem nüchternen Leben bleibt. Einmal süchtig, immer süchtig leider gilt dieser altbekannte Spruch. Die Entwicklung hin zum Alkoholismus lässt sich zwar umdrehen, aber der Alkohol lässt sich niemals mehr aus dem Gedächtnis tilgen. Das wird vielen Ex-Alkis zum Verhängnis. Rose: Manch einer entscheidet sich nach fünf Jahren Abstinenz, am 80. Geburtstag des Großvaters doch mal wieder ein Gläschen Sekt zu trinken. Was auch gut geht. Es bleibt bei einem einzigen Glas: Doch zwei Wochen später feiert der Fußballverein Jubiläum. Da sind es schon zwei Gläser. Allmählich steigt die Menge, die an den Ausnahmetagen getrunken wird: Und die Ausnahmegründe selbst werden immer trivialer. Pat Christ AHG-Tagesklinik In der Tagesklinik der Allgemeinen Hospitalgesellschaft werden Menschen mit Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit behandelt. Abends und am Wochenende sind die Patienten zu Hause. Dort probieren sie aus, ohne Suchtmittel zu leben. Am nächsten Tag werden die Erfahrungen in der Gruppe besprochen. Zum Behandlungsangebot gehören neben Einzel- und Gruppentherapie Rückfallprophylaxe, Ergo- und Kunsttherapie, Fitnesstraining und Ernährungsberatung, Entspannungsübungen und Sozialberatung. Beginn ist täglich um 8.30 Uhr. Unter der Woche endet die Therapie um Uhr, samstags um 13 Uhr. pat 4 Der Kessener 1/2013

5 Das Ziel lautet Gewaltfreiheit Seit zehn Jahren gibt es an der Gustav-Walle-Schule Jugendsozialarbeit Manchmal bedarf es nur wenig, und die Freundschaft ist aufgekündigt. Ein Wort gibt das andere. Beleidigungen fallen. Weil Streithähne es oft nicht so rasch von alleine schaffen, sich zu versöhnen, gibt es an immer mehr Schulen Streitschlichter. Seit zehn Jahren sind diese auch in der Würzburger Gustav-Walle- Schule im Einsatz. Implementiert wurde das Projekt von Margit Fleischmann, die seit 2003 als Jugendsozialarbeiterin an der Mittelschule tätig ist. Rund 100 Streitschlichter hat sie inzwischen ausgebildet. Auch wenn sich jemand mal ein wenig eselhaft benimmt, ist das noch lange kein Grund, ihn böse anzufahren, zu beschimpfen oder vor allen anderen bloßzustellen. Doch genau das passiert mitunter, weiß Streitschlichterin Maike. Neulich ist jemand geneckt worden und hat dadurch sein Pausenbrot fallen gelassen, schildert die Achtklässlerin. Der andere hat ihn daraufhin beleidigt. Nun wollte sich ersterer natürlich nicht auch noch für sein Missgeschick verhöhnen lassen. Er wehrte sich - und schon war der schönste Streit vom Zaun gebrochen. In der Streitschlichterecke der Schulaula versuchte Maike zusammen mit einer Kollegin Streitschlichter treten nie alleine auf, eine Lösung zu finden. Streitende werden dabei keinem Verhör unterzogen, das Schlichtungsteam versteht sich nicht als Tribunal. Die Streithähne sollen vielmehr selbst eine Lösung für ihr Problem finden. Was in diesem Fall auch gelang. Die beiden Jungs sahen ein, dass diese Lappalie wirklich kein Grund war, sich in die Haare zu kriegen. Das Streitschlichterprojekt ist nur ein Beispiel von Margit Fleischmanns reger Tätigkeit für die 270 Kinder und Jugendlichen an der Gustav-Walle-Schule. In den knapp 30 Stunden, die ihr pro Woche zur Verfügung stehen, leistet die Schulsozialarbeiterin viel Einzelfallarbeit. Welche Probleme ein Schüler auch immer hat, die 40jährige ist ansprechbar und weiß Rat. Die Bedeutung der Jugendsozialarbeit an Schulen habe in den vergangenen zehn Jahren zugenommen, so die Sozialpädagogin. Wobei sich die Tätigkeit keineswegs auf die Schüler alleine beschränkt. Sehr wichtig ist auch die Arbeit mit den Eltern. Nicht alle Eltern prägen ihren Kindern Tugenden wie Pünktlichkeit oder Ehrlichkeit ein. Manche Väter und Mütter bekamen diese Eigenschaften von ihren eigenen Eltern kaum vermittelt. Andere fühlen sich mit der Erziehung aufgrund persönlicher Schwierigkeiten überfordert. Für Fleischmann ist es wichtig, dass die Eltern am gleichen Strang wie sie ziehen, damit ihr Kind gut durch die Schule kommt und eine Chance hat, danach einen geeigneten Ausbildungsplatz zu erhalten. Kommt ein Jugendlicher wegen familiärer Schwierigkeiten zu ihr, fragt sie deshalb oft, ob sie auch mit seinen Eltern sprechen darf: Viele geben ihr Okay. Jugendsozialarbeit will reagieren, bevor Konflikte eskalieren. Dies betrifft letztlich eine breite Palette an Themen. Wobei Gewalt ein sehr wichtiges Thema ist. Um hier vorzubeugen, gibt es nicht nur die Streitschlichter. Kompetent mit Konflikten umgehen Durch mehrere Projekte lernen die Schüler, dass es tabu ist, auf andere einzuprügeln, nur weil man sich über sie ärgert. Da gibt es zum Beispiel die Klasse ohne Gewalt, in der Fünftklässler Methoden erfahren, einen Streit ohne Aggressionen beizulegen. Der Klassenrat, eingerichtet in den fünften und sechsten Klassen, dient mit einem umfangreichen Veranstaltungskalender WÜRZBURG In der Streitschlichterecke bemühen sich zwei Schülerschlichter, zwei ihrer Mitschülerinnen, die miteinander in Streit gerieten, wieder zu versöhnen. Foto: Pat Christ ebenfalls diesem Ziel. Ältere Walle-Schüler erfahren im Projekt Zammgrauft, was es heißt, kompetent mit Konflikten umzugehen. Im vergangenen Schuljahr gab es außerdem für Eltern und Lehrer eine Fortbildung zum Thema Mobbing. Warum hat ein Jugendlicher einen so ausgeprägten Geltungsdrang? Warum ist ein anderer Schüler immer so aggressiv? Margit Fleischmann bemüht sich, hinter die oft irritierenden Verhaltensweisen der Schüler zu blicken. Jugendsozialarbeit ist Beziehungsarbeit, sagt die Würzburgerin. Nur wenn es ihr gelingt, das Vertrauen des Jugendlichen zu gewinnen, kann sie diesem wirklich helfen. Vertrauen entsteht nicht zuletzt dadurch, dass die Jugendlichen wissen: Was sie Margit Fleischmann erzählen, erfährt gegen ihren Willen niemand sonst. Kein Lehrer. Nicht die Rektorin. Und nicht die Eltern. Denn Margit Fleischmann hat Schweigepflicht. Schule ist mehr als Physik, Mathe und Deutsch, sagt Dr. Ruth Klawitter, Leiterin der Mittelschule im Stadtteil Lindleinsmühle. Alle Lehrer bemühten sich zusammen mit der Jugendsozialarbeiterin darum, die Schule zu einem angenehmen Lebensort für Kinder und Jugendliche zu machen. Mehr wäre möglich, gäbe es mehr Geld. Dann könnte auch die Stundenzahl von Margit Fleischmann aufgestockt werden. Eine Vollzeitstelle wäre angebracht, sagt Klawitter. Geld hierfür müssten sowohl die Stadt als auch der Freistaat geben. Denn finanziert wird die Stelle zu 60 Prozent aus städtischem und zu 40 Prozent aus staatlichem Topf. Pat Christ Kreisverband Würzburg Fairkauf - Kleiderladen Öffnungszeiten: Montag - Mittwoch: 10:00-16:00 Uhr Donnerstag - Freitag: 10:00-18:00 Uhr Samstag: geschlossen Über alle anderen Angebote informieren wir Sie rund um die Uhr an 365 Tage im Jahr. Infos unter: Unser Sortiment: Damen- und Herrenbekleidung, Kinderkleidung, Schmuck, Handtaschen, Schals, Tücher u. v. m... Franz-Ludwig-Straße Würzburg Tel.: / Der Kessener 1/2013 5

6 WÜRZBURG Die Umweltstation der Stadt Würzburg hier macht Umwelt Spaß Die Umweltstation ist ein Zentrum für Abfall- und Umweltberatung sowie Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Für besonders beispielhafte Projekte wird sie seit 1995 vom Bayerischen Umweltministerium gefördert. Außerdem befindet sich hier die Koordinationsstelle der Lokalen Agenda 21 mit Arbeitskreisen zu den Themen Mobilität, nachhaltiger Konsum, Elektrosmog und Klimaschutz. Für Bauherren und energetische Sanierungen wird eine kostenfreie Energieberatung angeboten. Die Umweltstation bietet Schulklassen eine Vielzahl von Aktionen zur Umweltbildung an. Alle Aktionen sind kostenlos. Klima und Energie interaktiver Vortrag Fragen zu Energieerzeugung, Klimawandel, erneuerbaren Energien und Energiesparen werden diskutiert. Anhand praktischer Beispiele (Solarkocher, Strommessgeräte, Energiefahrrad und Kurbel) werden diese Themen veranschaulicht. Abfall und Recycling in der Stadt Würzburg Wie werden Abfälle sortiert und wie werden sie recycelt? Wie kann man Abfall vermeiden? Granulate und andere Exponate ergänzen die Erklärungen über das Recycling von Wertstoffen, über Kompostierung und thermischer Verwertung. Abfallvermeiden und -sortieren mit den Müllmonstern Spielerisch lernen die Kinder Abfälle zu vermeiden, zu trennen und Wertstoffe zu erkennen. Zum Schluss dürfen sie die Müllmonster füttern. Biodiversität greifbar gemacht. Rama dama Aktion Saubere Stadt Sorgen Sie mit Ihrer Schule oder Ihrem Verein für mehr Sauberkeit in Stadt und Natur. Mitarbeiter der Umweltstation unterstützen Sie gerne mit Handschuhen, Greifzangen, Eimern, helfen Lernstation Artenschutz Ihnen beim Sortieren und transportieren die Abfälle kostenlos ab. Bäume und Kräuter im Landesgartenschau- Park Bei diesem Spaziergang durch den Landesgartenschaupark lernen Sie Erneuerbare Energien verschiedene Baumarten und Kräuter kennen. Sie erfahren, wie wichtig städtisches Grün für das Leben in der Stadt ist. Biodiversität und Artenschutz Anhand von lebenden Müllmonster Tieren wie Vogelspinnen, Riesentausendfüßler, Achatschnecken erklären wir die Bedeutung der Biodiversität. Eine weitere Lernstation ist die hauseigene Imkerei. Heimische Wiesenpflanzen Bei einem Spaziergang werden Blütenpflanzen und Wildkräuter entdeckt und bestimmt. Damit soll die Artenkenntnis heimischer Pflanzen gefördert werden. Wasser Die Kinder lernen das Element Wasser als kostbare Ressource sowie den Wasserkreislauf kennen und führen einfache Wasseruntersuchungen durch. Sie erfahren, welche Kleinlebewesen man im Wasser findet. Terminvereinbarung für Aktionen und Energieberatung Wenn Sie die Umweltstation mit einer Gruppe besuchen wollen, vereinbaren Sie bitte einen Termin. Für Umwelt/Abfallberatung und Informationen stehen Ihnen die Mitarbeiter während der Öffnungszeiten immer zur Verfügung: Tel. 0931/44440, Fax 0931/44330, Montag bis Donnerstag Uhr, Freitag Uhr. Ansprechpartner: Armin Genser (Abfallberatung), Ursula Grosch (Agenda 21), Gerhard Heimbucher (Umweltbildung) und Anja Knieper (Leiterin). Der Umwelt zuliebe verleihen wir auch Die Umweltstation bietet Materialien zur kostenlosen Ausleihe an: Bücher aus der Umweltbibliothek, Themenordner/Unterrichtsmaterial zu Wasser, Boden, Tiere, Mobilfunk. Bildtafeln zu heimischen Bäumen sowie zu Klimawandel und erneuerbaren Energien, Abfall und Recycling, 2 GPS-Geräte für Geocaching, Strommessgeräte, Naturmemory, Umwelt-Quiz Wer wird Müllionär? 6 Der Kessener 1/2013

7 WÜRZBURG Die Fotos zeigen Eindrücke der Reihe Tanz im Kino und wir tanzen doch!, die von Ende Januar bis Anfang März immer am Montagabend im Programmkino Casablanca, Ochsenfurt, zu sehen war. OSTERTANZWOCHE IM TANZRAUM Es ist schon Tradition geworden, dass in der Woche nach Ostern im TANZRAUM getanzt wird. In diesem Jahr kommt Chiang-Mei Wang als Gastlehrerin. Sie studierte am Dance Departement des National Institute of Arts in Taipeh klassisches Ballett und verschiedene Techniken des Modern Dance (Graham, Limon, Cunningham). Danach ging sie als Tänzerin an das international renommierte Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan, wo sie bald zur Solistin und später zur Trainings- und Probenleiterin aufstieg. Auf zahlreichen Welt-Tourneen mit dem Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan gastierte sie auf großen Bühnen und bei den bedeutendsten Tanzfestivals, u.a.: Next Wave Festival New York, Olympic Ars Festival Sydney 2000, Lyon Biannual Dance Festival, Saddlers Wells London, Deutsche Oper Berlin, Pina Bausch Tanztheater Wuppertal, Internationales Tanzfestival München. Chiang-Mei Wang verbindet in ihrem Tanzstil Floating Body die fließenden Bewegungen von Tai-Chi Dao-Yin, einer Form des traditionellen chinesischen Qi-Gong und Schattenboxens mit Elementen des Modern Dance. Am Samstag, den 23. März wird Chiang-Mei Wang als Tänzerin auf der Bühne des Theater tanzspeicher zu sehen sein. Sie tanzt ihre Soli Wolkenfließen und Long Distance Call und eine Improvisation mit dem Musiker Michael Finkenzeller (Querflöte). 19./20. April 2013 im Theater Augenblick jeweils um 19:30 Uhr. Ebenfalls im Theater Augenblick werden sich am 4. Mai alle Kurse, die im TANZRAUM stattfinden, unter dem Titel TANZ(T)RÄUME II präsentieren. Die Vorstellung beginnt um 18 Uhr. Chiara Kastner und Lotte Brückl bei der Probe zu ihrem Duett Eine Falte macht noch keinen Riss Am 20. April laden Bettina Schmitz und Lisa Kuttner zu Philosophie und Tanz ein. Das Thema für diesen Workshop finden Sie unter Aktuelles auf der Homepage Das Tanzensemble Theater Augenblick bereitet unter der Leitung von Lisa Kuttner eine Wiederaufnahme des im Herbst des vergangenen Jahres erfolgreich aufgeführten Tanztheaters Komm und geh ein Stück mit mir vor. Aufführungen sind am 12./13. April und am Wir sind für Sie da: MO 9-16 h DI h MI 9-13 h DO 9-16 h FR 9-13 h Röntgenring Würzburg Tel mit einem umfangreichen Veranstaltungskalender Der Kessener 1/2013 7

8 WÜRZBURG Allein vor sich hinarbeiten ist von gestern Zahlreiche Disziplinen sind am Zentrum für Regionalforschung an der Universität beteiligt Gemeinden, Landkreise und Verbände sollen stärker von dem profitieren, was an der Universität Würzburg erforscht wird. Aus dieser Motivation heraus wurde vor sieben Jahren das Zentrum für Regionalforschung gegründet. Wir arbeiten mit Kommunen, aber zum Beispiel auch mit der Industrie- und Handelskammer, der Region Mainfranken GmbH und dem Amt für ländliche Entwicklung zusammen, erläutert Professor Dr. Jürgen Rauh, der Vorstand des forschungsstarken Zentrums. Vertreter der Fächer Geographie, Geschichte, Volkswirtschaft, Soziologie und Volkskunde gehören dem Zentrum an. Wie wichtig es ist, eine Region interdisziplinär zu erforschen, das zeigte die Tagung Unterfranken eine Region im Wandel, die im Jahr 2011 organisiert wurde. Hier ging es um die Kulturlandschaft im Spessart, die Auswirkungen des demographischen Wandels auf den mainfränkischen Wirtschaftsraum, die Kommunen und die medizinische Versorgung sowie die Folgen des Klimawandels für die Region. Nachzulesen sind die Ergebnisse der Tagung in dem soeben erschienenen dritten Band der Reihe Berichte des Zentrums für Regionalforschung. Immer mehr Anfragen Das 2006 gegründete Zentrum für Regionalforschung an der Universität Würzburg ist, wie dessen Leiter Professor Dr. Jürgen Rauh zeigt, in Unterfranken und darüber hinaus sehr aktiv. Foto: Pat Christ Was innerhalb der vergangenen sieben Jahre gelang, kann sich laut Jürgen Rauh sehen lassen. Wir haben uns etabliert, was an vielen Anfragen an uns abzulesen ist, so der Sozialgeograph. Auch aktuell laufen mehrere spannende Projekte von Mitarbeitern des Zentrums sowie von Studierenden. Themen gibt es zur Genüge. So arbeiten die Wissenschaftler derzeit allein an drei Projekten zur Integrierten ländlichen Entwicklung (ILE) mit. Der sperrige Ausdruck besagt, dass sich Gemeinden neuerdings zusammentun, um ihre Zukunft im Verbund mit ihren Nachbargemeinden zu gestalten. Das war gestern noch ein Gedanke, den viele Gemeinden weit von sich wiesen, wollten sie doch autonom über ihre eigenen Belange entscheiden. Angesichts des demographischen Wandels wird die Idee jedoch zunehmend en vogue : Bayernweit kooperieren inzwischen rund 600 Gemeinden in fast 80 Gemeindeallianzen. Auch in Unterfranken tun sich Dörfer zusammen, um gemeinsame Interesse zu verfolgen. Drei Allianzen werden derzeit vom Zentrum für Regionalforschung unterstützt. Fachmann hierfür ist Privatdozent Ralf Klein. Der Geograph begleitet mit seinen Studierenden die Gemeindeallianz Kissinger Boden, die Kommunale Allianz Südliches Maindreieck sowie die Gemeindeallianz Westlicher Landkreis Würzburg. In letzterer taten sich 13 Gemeinden zusammen, um kollektiv wichtige Zukunftsthemen anzupacken. Zur Auftaktveranstaltung im Januar in der Uettinger Aalbachtalhalle erschienen 150 Bürgerinnen und Bürger, um der Allianz einen ersten Weg zu bahnen. Auch Ralf Klein war selbstverständlich anwesend. Engagement über Unterfranken hinaus Nachdem sich der Gemeinderat von Pettendorf an die Würzburger Geographen gewandt hatte, wurden diese im Herbst 2011 sogar im Landkreis Regensburg aktiv. Unter der Leitung von Ralf Klein erstellten 19 Studierende einen Energieleitplan für die 19 Ortsteile der Gemeinde. Als Vorgabe zur Umsetzung wurde der Leitfaden Energienutzungsplan des Bayerischen Staatsministeriums zugrunde gelegt. Das Team aus Würzburg fertigte eine Potenzialanalyse zur Einsparung von Energie an und bestimmten Vorrangs- und Restriktionsflächen für erneuerbare Energie. Ende Juli vergangenen Jahres wurde der Plan offiziell überreicht. Ein erstes Zwischenergebnis einer Analyse des Geographen Christian Neff macht klar, dass durchaus etwas dran ist an der Sorge über mögliche negative Auswirkungen des demographischen Wandels auf die medizinische Versorgung. Neff nimmt dabei den Landkreis Schweinfurt unter die Lupe. Er untersucht zunächst, wie lange Patienten aus einem Landkreis heute wohin fahren, um einen Arzt ihrer Wahl aufzusuchen. Danach simuliert er, wie dies in Zukunft aussehen könnte nämlich dann, wenn es mehr ältere Menschen gibt, die häufiger zum Arzt gehen müssen, gleichzeitig aber weitere Arztpraxen im ländlichen Raum geschlossen werden. Pat Christ TAGUNGEN STUDIENTAGE SEMINARE VORTRÄGE WERKSTATTGESPRÄCHE PODIUMSDISKUSSIONEN Ringvorlesung Beginn: Dienstag, 16. April Uhr Kulturstadt Würzburg Kunst, Literatur und Wissenschaft von der Schönbornzeit bis zur Reichsgründung Eintritt frei Anmeldung nicht erforderlich. Info: Katholische Akademie Domschule Würzburg St. Burkardus-Haus Am Bruderhof Würzburg Tel Fax Der Kessener 1/2013

9 39. Internationales Filmwochenende Würzburg 14. bis 17. März 2013 WÜRZBURG Flucht. Asyl. Immigration Io sono Li das Schwerpunktthema beim Filmwochenende 2013 Vor einem Jahr waren die Bilder von demonstrierenden Flüchtlingen am Würzburger Vierröhrenbrunnen in allen Medien. Eine Diskussion über die Lebensbedingungen von Asylsuchenden kam in Gang. Mit 17 Filmen aus elf Ländern greift die Filminitiative Würzburg das Thema Flucht, Asyl. Immigration beim 39. Internationalen Würzburger Filmwochenende auf. Wichtig war den Organisatoren ein Blick über die Grenzen. Da ist zum Beispiel ein dokumentarischer Spielfilm über die Wiener Flüchtlingshelferin Ute Bock, die in Österreich längst zu Kultfigur avanciert ist. Der Dokumentarfilm De andre schildert den Umgang Norwegens mit minderjährigen Asylsuchenden, die ohne Begleitung ins Land kommen. Rigoros werden die Jugendlichen, die mit allen Mitteln darum kämpfen, ein würdevolles Leben zu führen, mit Erreichen des achtzehnten Lebensjahres abgeschoben. In Vol spécial lässt uns der Dokumentarfilmer Fernand Melgar einen Blick hinter die Kulissen des Abschiebeknastes Framboise bei Genf werfen. In La nave dolce von Daniele Vicari wiederum werden wir Zeugen jener historischen Landung von Tausenden albanischer Flüchtlinge im italienischen Bari, das den Menschen von jenseits des Meeres wie ein Paradies erschien, in das sie jedoch nicht eintreten durften. Menschen, von diversen Traumata belastet, müssen in Unselbständigkeit und ständiger Ungewissheit leben. Individualität und freie Entfaltung sind unmöglich ein Zustand, der besonders die Kinder der Flüchtlinge sehr hart trifft. Wie sie damit umgehen können, das zeigt das Beispiel der Mönchbergschule in Würzburg. Hier lernen Kinder aus 35 Nationen miteinander. Einige der Schülerinnen und Schüler werden beim Filmwochenende anwesend sein. Sie bringen einen selbst gedrehten Film mit, der deutlich macht, wie wunderbar interkulturelle Verständigung funktionieren kann. Mehrere Hilfsorganisationen, die das Los der Flüchtlinge im Würzburger Raum verbessern wollen, sind der Einladung gefolgt, ihre Arbeit auf dem Internationalen Filmwochenende vorzustellen. Die 11. Filmnächte im Hofkeller Die Filminitiative Würzburg & Staatlicher Hofkeller Würzburg präsentieren vom : Von Stockholm nach Casablanca Ingrid Bergman in den 1940ern Moderation: Berthold Kremmler, Filminitiative Würzburg Einlass jeweils ab 19 Uhr, Sektempfang, freie Platzwahl, Filmbeginn: ca Uhr, 1 Glas Rotwein in der Filmpause (Spätvorstellung am : Einlass ab 22 Uhr, Filmbeginn ca Uhr) Eintritt: 14 Euro pro Person (inkl. 1 Glas Secco + 1 Glas Rotwein) Eingang: Residenz, linker Seitenflügel, 1. Innenhof Kartenverkauf und Info: Tel: (+49) Die 11. Filmnächte im Staatlichen Hofkeller 12. bis 14. November 2013 Unsere Vinothek Nehmen Sie sich etwas Zeit und verkosten Sie in unserer Vinothek die hochwertigen Weine des Staatlichen Hofkellers Würzburg: Mo bis Fr: 9.00 bis Uhr Sa: bis Uhr (Januar März) Sa: bis Uhr (April Dezember) Rosenbachpalais, Residenzplatz 3, Würzburg Tel: (+49) Weltkultur(erbe) und Weinkultur mit einem umfangreichen Veranstaltungskalender Der Kessener 1/2013 9

10 WÜRZBURG Wirksamkeit versus Vorurteile Sonderpädagoge der Uni Würzburg entwickelt Neurofeedbackmethode für ADS-Kinder Schrecklich, diese Ballerspiele? Nicht unbedingt. Manche Computergames können überaus sinnvoll sein, auch wenn dort geschossen wird. Ein von Professor Dr. Stephan Ellinger derzeit entwickeltes und erprobtes Computerspiel soll zum Beispiel helfen, dass sich Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen besser konzentrieren können. Es geht darum, allein mit Hilfe der Konzentration von einem Raumschiff aus feindliche Objekte zu beschießen. Brainfeeder nennt sich das Training, das auf Neurofeedback basiert. Neurofeedback kann das Konzentrationsvermögen spürbar verbessern. Das zeigen etliche Studien, so der Sonderpädagoge von der Universität Würzburg. Bereits von 2009 bis 2012 untersuchten Ellinger und sein Team die von ihnen entwickelte Methode mit knapp 100 hessischen Schülern. Damals mussten die Kinder allein mit der Kraft ihrer Konzentration ein Flugzeug oder einen Heißluftballon steigen lassen. Was eindeutig zu uncool war: Den Schülern war das zu langweilig, viele brachen ab. Kids sind an Geschwindigkeit und Action ganz anderes gewohnt. Dies war Anlass für die sonderpädagogischen Forscher, ein attraktiveres Trainingsspiel mit mehr virtuellem Abenteuercharakter zu entwickeln. Sehr viel Misstrauen Dass bei Pädagogen sofort Misstrauen aufkommt, wenn es um den Einsatz Neuer Medien geht, ist für Ellinger das größere Problem. Referenten wie Manfred Spitzer, der mit seiner Digitalen Demenz durch die Lande tourt, tragen auch nicht gerade dazu bei, das Misstrauen zu zerstreuen. In vergangenen Jahrhunderten warnten knöcherne Gelehrte ebenso eindringlich wie heute Spitzer vor dem schädlichen Einfluss durch das Lesen. Völlig unbegründet, wie man längst weiß. Die moderne Angst vor negativen Auswirkungen des Computers ist im Übrigen ein deutsches Phänomen. Die Bundesrepublik ist im internationalen Vergleich der OECD Schlusslicht, was die Computernutzung in Schulen anbelangt. Viele Lehrer, so Ellinger, lehnen den Einsatz von PC und Laptop im Klassenzimmer vehement ab: Auch uns wurde gesagt, Neurofeedback würde den Unterricht stören. Rasch pflichten Pädagogen einem Experten wie Manfred Spitzer bei, obwohl vieler seiner Thesen inzwischen widerlegt sind. Die Krankheit Digitale Demenz ist schlicht Spitzers Erfindung, sagt etwa der Literaturund Kommunikationswissenschaftler Martin Lindner, Information Kirche evangelische und katholische Kirche in Würzburg Der i-punkt bündelt als niedrigschwellige Informationsstelle für kirchliche und caritativ-diakonische Angebote der beiden großen Konfessionen das breite Angebot von Pfarreien und Kirchengemeinden, von Diensten und Werken, sowie von freien kirchlichen Trägern in der Stadt. Er versteht sich als Service-Angebot für interessierte, fragende und suchende Menschen. i-punkt Kirche Kilianshaus, Kürschnerhof 2, Würzburg, Tel , Fax Stephan Ellinger Foto: Pat Christ der Firmen und Institutionen berät, wie sie Web 2.0-Medien einsetzen können, um Wissensprozesse zu fördern. Das war keine medizinische Studie Auch Lindner verharmlost die Risiken exzessiver Computernutzung nicht. Doch Unwahrheiten mag er sich ebenso wenig gefallen lassen. Digitale Demenz ist ihm zufolge ein südkoreanisches Mode- und Medienwort seit 2004: Niemand betrachtet das dort als ernsthafte Krankheit. Die Grundlage für das Modewort sei im Übrigen nur eine Umfrage und keine medizinische Studie gewesen. Wie gut Neurofeedback wirkt, fand Professor Joe Kamiya aus Chicago heraus. Er versetzte in den 60er Jahren Versuchspersonen durch EEG-Biofeedback in die Lage, willentlich die Aktivität ihrer Alpha-Hirnwellen zu erhöhen. In den 80er Jahren wurde gezeigt, dass mit Neurofeedback Suchtpatienten behandelt werden können. Wie Neurofeedback bei Aufmerksamkeitsstörungen genau wirkt, wird seit den 90er Jahren untersucht. Die daraufhin entwickelten Trainings, so Ellinger, dienen aber nicht nur dazu, die ADS-Problematik zu reduzieren. Es komme ebenso zu einer Verbesserung der schulischen Leistungen sowie der sozialen Interaktion. Integration in den Unterricht Neurofeedback trägt also auch dazu bei, dass sich Kinder sozial besser einordnen können. Gerade dies spricht Ellinger zufolge dafür, das klinisch erfolgreich erprobte Training in den unterrichtlichen Alltag zu integrieren. Durch ihre emotionale Instabilität und Inkonsequenz, ihre Reizbarkeit und Labilität haben es diese Kinder schwer, in der Klasse und von Lehrkräften akzeptiert zu werden - man reißt sich nicht darum, sie als Freund zu haben. Würden sie lernen, ihre Gefühle besser zu regulieren, hätten sie es im Miteinander leichter. Da diese Probleme in abgemilderter Form auch bei anderen Schülern anzutreffen sind, sollten jedoch alle in den Genuss des Trainings kommen. Ellinger: Das würde diese Ressource auch für jene Schüler erschließen, die nicht zu den privilegierten Kindern vermögender Eltern gehören. Schließlich kostet das Training auf dem freien Markt bis zu 100 Euro pro Stunde. Ob das modifizierte Training Brainfeeders bessere Ergebnisse erzielt als das in der ersten Studie untersuchte, darauf darf man gespannt sein. Was das neue Spieldesign betrifft, sind sich Ellinger und sein Team ziemlich sicher, dass es dazu beiträgt, die Kinder länger bei der Stange zu halten. Feinde aus anderen Galaxien via Gedankenkraft zu attackieren, ist nun einmal wesentlich spannender, als ein Flugzeug langsam auf- und absteigen zu lassen. Stellt sich nun noch die Frage, ob Unterfrankens Lehrerinnen und Lehrer vorurteilsloser als ihre hessischen Kolleginnen bereit sein werden, Neurofeedback konsequent in ihren Unterricht einzubauen. Pat Christ 10 Der Kessener 1/2013

11 WÜRZBURG mit einem umfangreichen Veranstaltungskalender Der Kessener 1/

12 WÜRZBURG : 100 Jahre Mainfränkisches Museum in Würzburg auf der Festung Marienburg Vom bis wegen Vorbereitung der Jubiläumsausstellung geschlossen. Mit den Besuchern und für die Besucher, mit den Sammlungen und für die Sammlungen heißt das Motto für dieses Jubiläumsjahr. 100 Jahre Mainfränkisches Museum bedeutet 100 Jahre öffentlich präsentierte Sammlungen zur Kunst und Geschichte Unterfrankens, also 100 Jahre Museumsarbeit zwischen Objekten und Besuchern. Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln von Kulturgut aus unserer Region, das Darstellen von Regional- und Landesgeschichte das sind die Stärken des Mainfränkischen Museums. Seine herausragenden Sammlungen halten jedem internationalen Vergleich stand. Dieses Museum ist 100 Jahre alt, aber noch lange nicht eingestaubt. Das beweist das 100 Veranstaltungen umfassende, lebendige Vermittlungsprogramm für Besucher jeden Alters! Das Ausstellungskonzept präsentiert sich auf dem neuesten Stand der Technik. Der Titel zur Jubiläums- Sonderausstellung ist Programm: Ans Werk heißt ans Original, Barrieren zwischen Besucher und Museumsobjekten niederreißen, Kunst direkt erfahrbar machen. Sich mit ausgewählten, repräsentativen Objekten aus der Sammlung auseinandersetzen und sie begreifen lernen. Zur Erleichterung werden einzelne Highlights hervorgehoben präsentiert, so dass der Besucher einem roten Faden durch die gesamte Ausstellung folgen kann. An jeder Ausstellungsinsel findet der Besucher ipads mit zusätzlichem Informationsmaterial zum Objekt auch mit einer kinderfreundlichen Version der auf den Geräten gespeicherten Museums-App. Kunstgeschichte lebt als Kunstgeschichten auf verschiedenste Weise auf: in Ausstellungspräsentationen, als App, in Workshops, Sonderveranstaltungen oder ganz klassisch mittels Führungen oder Vorträgen. Um die Vielfalt und Qualität der Sammlung zeigen, auch vor dem Hintergrund der Museumsgeschichte, wird es 2013 eine enge Kooperation beider auf dem Festungsberg befindlichen Museen geben, denn die Ausstellung zieht sich durch das Mainfränkische und durch die Stadtgeschichtliche Abteilung des Fürstenbaumuseums. Deshalb gibt es während der gesamten Ausstellungsdauer ein vergünstigtes Kombiticket für beide Häuser. In einer Verschnaufpause kann man während dieser Zeit durch eine Markthalle, die in der Kelterhalle des Mainfränkischen Museums aufgebaut wird, schlendern und an verschiedenen Ständen traditionelle kunsthandwerkliche Vorführungen und Erzeugnisse aus der Region bestaunen, sich mit Frankenwein und Gaumenfreuden aus Würzburg und Umgebung stärken, oder, dank einer Kooperation mit BBK und VKU, die Werke lokaler Künstler betrachten. Hier ist auch eine Plattform für Leihgeber und Sponsoren, so dass der Besucher einen Blick hinter die Kulissen des Museums erhält. Natürlich ist auch an die kleinen Besucher gedacht beim museumspädagogischen Angebot zum Anfassen und Mitmachen. Am 17. Mai 2013 ist ein feierlicher Festakt mit anschließender Gala- Nacht. Mainfränkisches Museum, Festung Marien berg, Würzburg, Telefon Der Kessener 1/2013

13 Wie bei der Berliner Love-Parade Eva Lange leitet die Ausgrabungen in der Stadt der Katzengöttin Bastet Mit einem spannenden Vortrag über Ausgrabungen in der Stadt der Katzengöttin stellte sich Dr. Eva Lange, neue Mitarbeiterin der Würzburger Ägyptologie, Ende vergangenen Jahres in der Residenz vor. Lange leitet in Bubastis im südöstlichen Nildelta eine interessante Grabung: Sie erforscht einen Tempel der Katzengöttin Bastet, in dem wilde Orgien abgelaufen sein sollen. Seit fast fünf Jahren engagiert sich Lange als Grabungsleiterin für die archäologischen Wiederentdeckung der antiken Stadt. Das Nildelta war einst multikulturell geprägt, Ägypter, Libyer, Phönizier, Griechen und Römer lebten hier zusammen. Die Grabungen der in Leipzig geborenen Ägyptologin, die seit Mai an der Universität Würzburg tätig ist, betreffen eine der wichtigsten Metropolen des Deltas. Schon seit der Zeit des Alten Reiches war Bubastis ein Zentralort ersten Ranges. Hier saß die administrative Verwaltung des Umlands. Und hier befand sich der Hauptkultort von Bastet, der ältesten bezeugten Löwengöttin der ägyptischen Götterwelt. Seit 2008 leitet Lange das Grabungsgroßprojekt rund um den Tempel der Bastet, der regelmäßig zur Bühne eines altägyptischen Mysterienspiels wurde. Anders als das berühmte Tal der Könige befindet Die Katzengöttin Bastet Foto: privat sich Bubastis abseits der Touristenströme. Den wenigsten Menschen sagt das ehemalige religiöse und ökonomische Zentrum etwas, obwohl es voll archäologischer Highlights steckt. Allenfalls Leser von Groschenromanen könnten schon einmal auf die Stadt gestoßen sein, erschien doch in der Damona King -Reihe ein Roman von Wolfgang Holbein alias Henry Wolf mit dem Titel Unter den Gräbern von Bubastis. Über Bubastis und das Bastet-Fest berichtete allerdings viele hundert Jahre früher bereits Herodot. Lange: Dessen Beschreibungen könnten wir durch unsere Ausgrabungen bestätigen. Die Göttin flankiert König Pepi Wer die Chiffren hieroglyphischer Bilder zu enträtseln versteht, erfährt in Bubastis eine Menge über Bastet. Der bisher früheste Beleg der Bastet als Hauptgöttin von Bubastis stammt vom Relief des südlichen Türsturzes der Palastanlage von König Pepi I. Im Zentrum des Bildfeldes ist der 40 Jahre lang herrschende Regent zu sehen, der von der löwenköpfigen Göttin und Hathor, der altägyptischen Göttin der Liebe, flankiert wird. Eine 2004 gefundene Kopie des Kanopus- Dekrets aus dem Jahr 238 vor Christus belegt, dass der Bastet-Tempel noch bis in die Ptolemäerzeit zu den wichtigsten Heiligtümern Ägyptens zählte. Noch befindet sich Vieles im geschichtlichen Dunkel. Würzburg e. V. Verein gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen 20 Jahre bewegt, mutig, gemeinsam stark Tel Eva Lange WÜRZBURG Foto: Pat Christ Vor allem der Bastet-Kult. Herodot schreibt: Wein wird bei diesem Fest mehr verbraucht als im ganzen übrigen Jahr. Die Zahl der Festteilnehmer, Männer und Frauen, die Kinder nicht eingerechnet, beträgt, wie man dort versichert, gegen Menschen. Eva Lange: Man fühlt sich an die Berliner Love-Parade erinnert. Herodot hatte Ägypten 450 vor Christus bereist, also zur Spätzeit des Alten Ägypten. Mehr als 500 Jahre zuvor, in der 22. Dynastie des Ägyptischen Reiches, wurde der Tempel der Stadtgöttin monumental ausgebaut. Noch zu Herodots Zeiten war Bubastis für diesen Tempel weithin berühmt. Unzählige Katzen wurden getötet Als Tochter von Ra und somit als Sonnengottheit repräsentierte Bastet die wärmende, Leben erschaffende Kraft der Sonne. Das klingt positiv, doch scheint ihr Kult laut Eva Lange nach jetzigen Erkenntnissen recht grausam gewesen zu sein: Unzählige junge Katzen wurden offenbar bei den Festen getötet grub Edouard Naville einen ersten Katzenfriedhof in Bubastis aus. Eva Lange: Neben den Grab-Gruben fanden sich oftmals Ofenanlagen, zudem waren die meisten Überreste der Katzen verbrannt. Ob die Katzenopfer die negativen Eigenschaften der ambivalenten Göttin bannen sollten, kann derzeit noch nicht beantwortet werden. Pat Christ mit einem umfangreichen Veranstaltungskalender Der Kessener 1/

14 WÜRZBURG auf der Sparkassen-Galerie im BeratungsCenter der Sparkasse Mainfranken Würzburg, Hofstraße 7, Eingang gegenüber Paradeplatz 12. April Juni 2013 Öffnungszeiten Mo.Di.Mi.Fr Uhr Do Uhr Würzburger Kirchen laden ein Gottesdienste Römisch-katholisch: Dom: 10/ 11.30/ Uhr, Mo So 9 Uhr Neumünster: 8 UhrAugustinerkirche, Dominikanerpl.: Sa Uhr, So 10/ Uhr, 21 Uhr Moon-Light-Mass mit Jazz Evangelisch-Lutherisch: St. Stephan, Stephanstr.: So 8/ 10 Uhr St. Johannis, Hofstallstr.: So 9.30/ 11 Uhr Deutschhauskirche, Zeller Str.: 9.30 Uhr St. Johannis: Brunch & Pray, sporadisch Uhr, Evangelisch-Freikirchlich: Freie Evangelische Gemeinde, Sterntalerweg 27, So 10 Uhr GD, KGD und Babybetreuung CityCurch im Cinemax: So 11 Uhr GD, KGD u. Baby betreuung Weitere Gottesdienste entnehmen Sie bitte der Lokalpresse. Studenten-Gottesdienste: KHG-Kapelle, Hofstallstraße: So Uhr ESG-Kapelle, Friedrich-Ebert-Ring: So 19 Uhr Beratung und Lebenshilfe: Gesprächsladen bei der Augustinerkirche, Dominikanerplatz 4, Telefon Telefonseelsorge: Tel oder Weitere Auskünfte erteilt: Diözesanbüro Würzburg, Ottostraße 1, Würzburg, Tel / / Evang.-Lutherisches Dekanat, Zwinger 3c, Tel Jahre Sing- und Musikschule Würzburg Einstmals Musikinstitut der Universität, Königliche Musikschule, Centralmusikschule, Städtische Musikschule die Geschichte der Musikerziehung in Würzburg ist von einigen Brüchen gekennzeichnet. Ungebrochen aber blieb das Bedürfnis nach einer guten musikalischen Ausbildung, die seit der Gründung der Sing- und Musikschule 1963 in kompetenten Händen liegt. Ursprünglich war sie konzipiert für Kinder im Einzel- oder Gruppenunterricht, in Instrumentalgruppen und auch mit Theorieunterricht, denn unter der Devise jedem Kind seine Musikschule sollten möglichst viele Kinder den Zugang zu Musikunterricht bekommen. Inzwischen ist der Zulauf immer größer und weiter geworden. Aus dieser Einrichtung ist eine Institution geworden für Menschen aller Altersstufen und aller Kulturkreise und -stile bis hin zu Pop/Rock- und Jazzabteilungen, von der Elementaren Früherziehung bis zur Arbeit mit Demenzkranken oder für Menschen mit Behinderungen. Jährlich finden ca. 150 Veranstaltungen statt. Dennoch wünscht sie Michael Dröse, der Geschäftsleiter der Sing- und Musikschule Würzburg, eine höhere Wertschätzung in der Gesellschaft und mehr Anerkennung als Bildungspartner, seitens der Politik wie auch der allgemein bildenden Schulen. Ihr fehlt z.b. ein repräsentatives Gebäude, die Lehrkräfte arbeiten in unzähligen, über ganz Würzburg verteilten Räumlichkeiten. Musikschullehrer vermitteln nicht nur musikalische Fertigkeiten. Sie sind verantwortungsvolle Vertraute und Begleiter während einer wichtigen Entwicklungsphase junger Menschen. Zweckverband Sing- und Musikschule, Burkarderstr. 30, T , Dachverband freier Kulturträger Hier tut sich immer etwas. So auch mit dieser neuen Gesprächsrunde rund um die Kultur. Was darf Kultur kosten? Was ist Kultur wert? Wer verdient Kulturförderung? Das Podium ist besetzt mit engagierten Gestaltern aus der Szene aus Wissenschaft, Kultur, Politik und Wirtschaft. Drei Termine sind angedacht im Bockshorn jeweils 20 Uhr, am 18. März mit Vertretern aus der Wirtschaft, weshalb sie Kultur unterstützen. Es ist unbedingt notwendig, dass Kulturarbeit für die Gesellschaft einen hohen Stellenwert haben muss. Denn gerade aus diesem Umfeld kommen häufig kreative Impulse für den Alltag der Menschen. 14 Der Kessener 1/2013

15 WÜRZBURG Eine Bestandsaufnahme im Kulturspeicher Tradition und Propaganda Rund siebzig Jahre nach Beendigung des 2. Weltkriegs gibt es immer noch unbewältigte Themen. Vielleicht aber gelingt diese Bewältigung heute besser durch Menschen, die nicht mehr direkt von dieser schrecklichen Vergangenheit betroffen sind. Mit dieser Arbeit wird Zukunft möglich. Im Rahmen des Dialogs Erinnerungskultur der Stadt Würzburg und mit Unterstützung kommunaler und staatlicher Institutionen hat Dr. Bettina Keß von kulturplan, Veitshöchheim eineinhalb Jahre das Thema Kunst aus der Zeit des Nationalsozialismus in der städtischen Sammlung Würzburg bearbeitet. Erst 1941 hat die Stadt Würzburg, unterstützt von dem Verfechter einer städtischen Galerie und Maler Heiner Dikreiter und 1. Direktor, diese Galerie gegründet und sie mit einem enormen Ankaufsetat ausgestattet. Aus über Objekten aus dem Depot der Galerie, die seit 1945 nicht mehr gezeigt wurden, sind neunzig Werke von sechzig Künstlern ausgestellt. Diese Künstler mussten Mitglied der Reichskunstkammer sein. Viele der ausgestellten Werke sind von eher traditioneller Kunstauffassung und auf den ersten Blick unpolitisch, passen sich aber durch ihre Motive der Ideologie der NS-Propaganda an. Es sind Porträts, Aktdarstellungen, Landschafts- und Heimatmotive, Genreszenen bäuerlichen Lebens und Kriegsbilder. Zum besseren Verstehen arbeitet die Ausstellung mit ausführlicher Information, die Schau lässt sich nicht einfach abschreiten. Dazu wurden Themengruppen gebildet mit weiteren Informationen: Gründungsdirektor Heiner Dikreiter Wege in die Sammlung Propagandabilder Mainfranken Menschenbilder Kriegsbilder Stigma entartet. Das Kulturleben im 3. Reich wurde bewusst dazu instrumentalisiert, die Menschen gleichzuschalten und trotz des Krieges Normalität zu demonstrieren. Die Kunstwerke sind in der Nachfolge des 19. Jahrhunderts gemalt und wie es in den Beiträgen des hervorragenden Katalogs steht, antimodern und anti-intellektuell. Das wird in den Gruppen Propaganda und Kriegsbilder besonders deutlich. Mit dem Maler und Galeriedirektor Heiner Dikreiter ( ) setzt sich die Ausstellung besonders auseinander. Als Person ist er sicher ein Beispiel für das ambivalente Verhalten vieler seiner Zeitgenossen. Er sprach die Sprache der Nazis, seine Haltung war konservativ, er wollte Karriere machen, Ziele erreichen, um die Verwirklichung der Pläne zur Gründung der Galerie war mir jedes Mittel recht, er verstand es, die damaligen Herren für diese Idee zu gewinnen. Und er war noch bis 1966 Leiter der Galerie. Da sprach er natürlich eine andere Sprache, ohne seine Überzeugung von für ihn guter und schlechter Kunst aufzugeben. Auch nach dem Krieg nahm er z.b. noch Bilder von Hermann Gradl einem Lieblingsmaler von Adolf Hitler in die Sammlung, kaufte aber auch den Nachlass von Emy Roeder und macht sogar 1956 eine Ausstellung mit Werken von Max Beckmann. Man verlässt diese Bestandsaufnahme sehr nachdenklich und wünscht ihr viele Besucher, besonders aus der jüngeren Generation. Bis zum im Kulturspeicher, Oskar-Laredo- Platz 1, Würzburg. Weitere Information bietet ein Beiprogramm und es werden Führungen angeboten. Di 13-18, Mi 11-18, Do 11-19, Fr-So und feiertags Uhr Impressionen übers Mamasein Mamiii! im Plastischen Theater Hobbit Zwei ImprovisationskünstlerInnen begegnen sich auf der Bühne über das Thema Mamasein. Barbara Duss mit Masken und Clownerie und Gesang und Helmut Eisel mit seiner Talking Clarinet, die sich 1991 im Workshop von Giora Feidman kennenlernten. Inszeniert werden sie von Maike Jansen. Die alte KünstlerInnenfreundschaft, bestehend seit 26 Jahren, lebt hier einmalig in Würzburg wieder auf. Lassen Sie sich verzaubern von den Impressionen übers Mamasein. Urkomisch bis schwermütig, zum Lachen und zum Nachdenken. Zauberhaft und poetisch, kräftig und grotesk. Hereinspaziert in den Zirkus der Gefühle. Plastisches Theater Hobbit, Münzstraße 1, Würzburg, Telefon: mit einem umfangreichen Veranstaltungskalender Der Kessener 1/

16 REINER JÜNGER: BESUCH IN DEN ATELIERS Kurt Grimm, Bildhauer, Kleinrinderfeld Christine Schätzlein, Künstlerin, Würzburg In Schüben hat sich die künstlerische Entwicklung von Kurt Grimm vollzogen, bis er seinen gegenwärtigen konstruktiven Stil gefunden hat. Aus einer alteingesessenen Steinmetz -und Bildhauerfamilie in Kleinrinderfeld stammend fühlte er sich lange der Figur verbunden. In einem erstaunlichen Prozess hat er seinen Stil von der Figur der klassischen Moderne zu einer rationalen, aus geometrischen Elementen bestehenden Darstellungsform verändert. Jede Phase zeigt das Ringen um die vollendete, dem Zeitgeist geschuldete richtige Form. Die Konstruktion entspräche seinem ingeniösen Wesen, sagt er beiläufig im Gespräch. Doch wer nun interpretationsarme gebogene Cortenstahlbleche als das Resultat seiner Arbeit vermutet, sieht sich getäuscht: die konstruierten Kreissegmente und -bögen sind so miteinander in Beziehung gesetzt, dass sich daraus spannende artifizielle Stahlkonstruktionen ergeben. Die leicht versetzten Grundflächen und veränderten Kompositionsachsen vermitteln einen intelligenten, sinnlichen Diskurs. Die lineare Entwicklung führte von Holz und Stein zu Stahl. Diesem Montanelement hat er sich verschrieben, hier läuft er zu seiner Größe auf, findet sein Gestaltungswille Widerstand. Geradezu kokett sind die spiraligen Formen, die sich an einer Achse gegen die Erdenschwere erheben. Arbeiten von spielerischer Eleganz und Leichtigkeit. In diesem Zyklus verwandelt er in geradezu musischer Besessenheit Eisenguss zu kühnen Bögen, Spiralen und Voluten. Nach Abschluss dieser Werkperiode wandte er sich der Konstruktion zu. Den wuchtigeren konstruierten Kreissegmenten gibt er die dem Material immanente Gestalt. Bemerkenswert ist, wie leicht und sicher er die Wucht der Masse auffängt, indem er die einzelnen Bauteile gegen die Konstruktionsachse versetzt. Interessant in diesem Zusammenhang ist die Arbeit Balance, in der er die Massen der Kreissegmente so gegeneinanderstellt, dass sich die potentielle Schwere durch diese Anlehnung aufhebt. Einen ganz anderen Künstler erlebt man, wenn man der Künstlergruppe Creo im März im Würzburger Spitäle an der Alten Mainbrücke besucht. Schmerz der mich zerreißt, nennt Christine Schätzlein eine dreiteilige Hängeinstallation eine Mischtechnik aus Leinen und Knochenleim - eine amorphe Arbeit, die spontan Assoziationen über Sinn und Sein auslöst. Um miterlebten Schmerz zu verarbeiten hat Christine Schätzlein Leid zu einem Thema ihrer künstlerischen Arbeit gemacht. Die Wahl des Materials Filz und Knochenleim erinnert unmittelbar an die Verletzlichkeit und Verwundbarkeit des menschlichen Körpers. Die Torsi der aus mehreren Teilen bestehenden Installation - erreichen tiefe religiöse und meditative Ebenen. Eine Arbeit die durch ihre Souveränität und Empathie überzeugt. Die Arbeiten aus der Haut, offene Verbindungen und gespalten, gehören ebenfalls zu dieser Reihe. Zu dem Gegenpol Lebens- und Daseinsfreude findet Christine Schätzlein mit der Installation pink heaven einer Mischtechnik aus Käseleinen, Filz, Knochenleim, Textil und Kunststoff. Die hellen Farben vor allem Rot und Violett stimmen freundlich und vergnügt. Überhaupt gelingt es der Würzburgerin, Farbe und Formen in einen Schwebezustand zu versetzen, der zu einer Leichtigkeit in der künstlerischen Darstellung und Form findet, und feinste Gefühlsebenen des Bertrachters erreicht. Daneben arbeitet Christine Schätzlein zweidimensional auf Filztuch. Auch hier steht der Mensch im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Der soziale Umgang der Menschen und der Umgang der Menschen in Konflikten stellt sie in stilisierter Form auf rotem und grauem Filztuch dar. Ihren nächsten öffentlichen Auftritt hat Christine Schätzlein mit der Künstlergruppe Creo. in der Ausstellung: Raumspiel KUNSTkirche Spitäle - einer Rauminstallation - vom bis Indem Christine Schätzlein unterschiedliche Lebensebenen wie Spiritualität und Technik, Sinn und Sein, Mensch und digitalisierte Welt, das Sakrale und das Profane in Beziehung setzt, läßt sie neue Geheimnisse entstehen, verrätselt sie die Welt neu. Erlebbar wird dieser Eindruck in der Gestaltung eines mehrteiligen Kirchenfensters, in dem sie geschmolzene Plastikfolie und Elektroleitungen miteinander verwebt. Während des Projekts RAUMspiel Kunst wird es zahlreiche Veranstaltungen und Diskussionen geben. 16 Der Kessener 1/2013

17 Walter Bausenwein, Künstler, Mühlhausen REINER JÜNGER: BESUCH IN DEN ATELIERS Matthias Engert, Goldund Silberschmied, Zell Seine ersten künstlerischen Erfolge hatte Walter Bausenwein mit traditioneller Batik, einem aus Asien importierten Kunsthandwerk, das durch Wachsabdeckungen einzigartige Krakelüren erzeugt. In den 60er und 70er Jahren hatte man für alternative Stoffe und Kleider viel übrig. Mit seinen in der Batik gewonnenen Erkenntnissen der Wachsreservierung auf Seidenstoffen und Samt, sowie der Entstehung von Bildern auf textilem Grund, hat sich Walter Bausenwein längst neue Bereiche und Nischen erschlossen. Wie der Blick auf einen Mikrokosmos wirken die abgewickelten und eingefärbten Seidenkokons, auf dem erhabenen Rund auf weißem Quadrat einem bisher noch nicht abgeschlossenen Bilderzyklus. Diese Arbeit erweckte das Interesse des Publikums in der Gemeinschaftsausstellung Gott weiblich 2012 in der Würzburger St. Johanniskirche. Es ist eine Arbeit von schöpferischer Schönheit und Reinheit. Ganz nebenbei hat Walter Bausenwein entdeckt, dass man mit bereits überbrühten Teebeuteln sehr schön den Mikrokosmos der Natur darstellen kann und dass sich daraus sehr interessante Materialbilder und Lichtobjekte kreieren lassen. Die Papiertüten verfügen über eine eigenwillige Patina. Das durchfallende künstliche Licht erzeugt durch die unterschiedlichen Füllhöhen der Teeblätter ein anmutiges Licht. Längst gestaltet Walter Bausenwein große Skulpturen wie unlängst eine Kostümfiguration mit diesen Teefixen. Seine größten Erfolge hat der Künstler mit seinen Samtbildern. Das wuchtige, barocke Rot sowie das satte Blau verfügen über eine ungewöhnliche Spiritualität und Transzendenz, das durch die warme, lebhafte Oberfläche Licht unterschiedlich absorbiert und reflektiert. Der changierende Wechsel von Mattigkeit und Glanz führt mit den abstrahiert aufgebrachten Farben zu einem lebendigen Bildeindruck. Die künstlerische Bearbeitung des samtenen Malgrundes ist eine Herausforderung, die viel Erfahrung und Experimentierfreudigkeit verlangt. Und dennoch mag Walter Bausenwein nur wenig dem Zufall überlassen, wenn er seine tiefgründigen Bildräume farbig ausgestaltet. Walter Bausenwein wird sich auch in diesem Jahr an mehreren Ausstellungen beteiligen. Wenn der Stein das Bewußtsein bestimmt, hat Matthias Engert den richtigen Ort für seine Arbeit gewählt - sein Atelier befindet sich inmitten der Parkanlage des Klosters Zell. In dieser kontemplativen Umgebung entwirft der Gold- und Silberschmied seine Skulpturen und Objekte. Wer nun annimmt, Matthias Engert beschäftige sich ausschließlich mit dem Entwerfen von Tafelgerät und Schmuck, wundert sich, wenn er seinen bis zu 10 Meter hohen Stelen und Skulpturen gegenübersteht. Dass eine seiner Skulpturen inzwischen in Malibu aufgestellt wurde, macht ihn stolz. Die Frage, wie er derart unterschiedliche Dimensionen filigranes Silbergerät auf der einen und überdimensionale Stelen auf der anderen Seite bewältigt, beantwortet er mit einem charmanten Lächeln. Es sei manchmal schwieriger, eine edle Kanne zu entwerfen als eine überdimensionale Stele. Bei Gebrauchsobjekten, müssen Form und Funktionalität eine Einheit bilden. Bei einer Stele oder seinen anderen Metallarbeiten könne er seine gestaltende Leidenschaft intellektuell und formal viel besser ausleben. Hier zeigt sich, dass Matthias Engert ein Künstler ist. Denn gerade in der freien Arbeit zeigt sich seine schöpferische Souveränität und Kühnheit. Für die Epitaphe an seinen Stelen hat er ein eigenes Zeichensystem das vokale Alphabet entworfen, das seine Arbeiten in einen geheimnisvollen Kodex einbindet. Seine liturgischen Gefäße Kelche und Schalen sind von sakraler Reinheit und künstlerischer Vollendung. Extravagant und werthaltig sind die Kannen, Dosen und Schalen aus Silber mit Edelholzeinlagen. Von spielerischer Leichtigkeit und exakter Schönheit sind die Metallobjekte Q9 6, Stahl brüniert, etc. Seine Kraft und seine Ideen schöpft Matthias Engert aus Fußgängen in der Natur. Leben im Einklang mit der Natur, einen unauffälligen biologischen Abdruck zu hinterlassen, die Schöpfung bewahren und dafür eintreten, sei für ihn lebensbestimmend. Vor drei Jahren haben sich Matthias Engert, Kurt Grimm und Christine Schätzlein zu der Künstlergemeinschaft Creo zusammengeschlossen. Am 2. März wurde ihre erste große Gemeinschaftsausstellung im Würzburger Spitäle eröffnet. mit einem umfangreichen Veranstaltungskalender Der Kessener 1/

18 WÜRZBURG Aus dem Takt geraten 6. Praxistag des Bündnisses Familie und Arbeit zum Thema Familienzeit Arbeitszeit Familienfreundlichkeit ist gut fürs Geschäft. Wir haben dankbare Mitarbeiter, die hinter der Firma stehen, sagt Ulli Steinigke von der Waldbüttelbrunner Firma Steinigke Showtechnic. In jeder Abteilung gibt es hier einen zusätzlichen Beschäftigten, der dann, wenn ein regulärer Kollege nicht arbeiten kann, einspringt, berichtete die Personalleiterin beim 6. Praxistag des Bündnisses Familie und Arbeit in der Region Würzburg. Das Thema lautete diesmal Familienzeit Arbeitszeit. Mit den Kindern mal wieder einen ganzen Nachmittag lang Mau-Mau spielen oder auf den Fußballplatz gehen, gemeinsam die Großeltern besuchen, einen Ausflug in den Zoo unternehmen - Zeit hierfür ist in vielen Familien rar. Doch wenn man Familie leben will, braucht man Zeit, betonte Professor Dr. Helmut Schneider vom Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik. Wobei das Problem besteht: Alle Familienmitglieder brauchen zu einem bestimmten, gemeinsamen Zeitpunkt Zeit. Und das wird immer schwieriger. Denn die Gesellschaft enttaktet sich dramatisch. So etwas wie feste Arbeitszeiten, Mittagspausen oder Freizeitphasen gibt es nicht mehr. Unternehmern nahezubringen, wie wichtig Familien der Faktor Zeit ist, sieht Schneider als seine Aufgabe an. Politik alleine könne das familiäre Zeitdilemma nicht lösen. Zu kurz greift auch der Ruf nach flexibleren Arbeitszeiten. Es werden ja schon jede Menge Möglichkeiten angeboten, jenseits eines definierten Acht-Stunden- Korridors tätig zu sein. Was nicht heißt, dass damit die Wünsche der Beschäftigten immer auch schon erfüllt wären. Damit Familienmütter und Familienväter besser mit ihrer Zeit klarkommen, ist es Schneider zufolge Habe ein Zimmer übrig und brauche Hilfe beim Einkaufen Wohnen für Hilfe Wohnpartnerschaften in Würzburg Studierende erhalten Wohnraum und zahlen keine Miete. Dafür helfen sie Familien, Senioren und Menschen mit Behinderung im Alltag. Unterstützt durch: Caritasstiftung Würzburg und das Beschöfliche Ordinariat Würzburg Biete Blumengießen gegen einen Platz für meinen Schreibtisch Caritas Würzburg Telefon Familie und Arbeit stehen laut Professor Dr. Helmut Schneider vom Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik oft im Konflikt zueinander. Foto: Pat Christ wichtig, ihnen mehr Souveränität bei der Gestaltung eines flexiblen Arbeitszeitmodells zuzugestehen. Arbeiten auf Vertrauensbasis Mitarbeitern größtmögliche Eigenverantwortung einzuräumen, gehört zur Philosophie des Rottendorfer Textilunternehmens s.oliver wurde hier Vertrauensarbeitszeit eingeführt. Seither spielt es keine Rolle mehr, wie schnell oder langsam jemand arbeitet, wann ein Mitarbeiter kommt oder geht. Wichtig ist einzig, dass das jeweilige Produkt oder Projekt zum avisierten Termin kalkulationsgerecht und den Wünschen des Kunden entsprechend fertig ist. Dies führte bei uns zu einem extremen Motivationsschub, legte Personalchef Reinhold Werthmann dar. Wobei die Führungskräfte anfangs große Probleme mit der neuen Freiheit ihrer Mitarbeiter hatten. Der Blick allein auf die Rendite ist kontraproduktiv geworden in Zeiten, in denen sehr gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nötig sind, gewonnen und gehalten werden müssen. Unternehmen stehen unter gro ßem Handlungsdruck, bestätigte Schneider. Wer nicht mehr attraktiv ist als Arbeitgeber, wird immer größere Schwierigkeiten haben, freie Stellen mit qualifizierten Mitarbeitern zu besetzen. Wobei das Engagement für Familienfreundlichkeit laut dem Würzburger Arbeitsagenturleiter Eugen Hain stark von der jeweiligen wirtschaftlichen Lage abhängt: Dementsprechend wird mal mehr, mal weniger Leine gegeben. Noch Power für Familie haben In Zeiten von Schnellimbiss und Take-away ist die Arbeitszeit natürlich nur eine von vielen Stellschrauben, an denen gedreht und für Entspannung gesorgt werden könnte. Es geht ja nicht allein darum, wie lange wir quantitativ arbeiten. Die Arbeitsbedingungen sind mindestens so entscheidend. Arbeit sollte inspirieren und motivieren, so dass danach noch viel Power für Familie, Freizeit und Freunde vorhanden ist. Doch oft schleicht sich im Gefolge von Routine oder wachsendem Druck Unlust gegenüber der Arbeitsstelle ein. Auf diese Weise erschöpft Arbeit. Die Lust auf Familie und Freunde schwindet, man will am Abend nur noch seine Ruhe. Viele Menschen erleben ihren Job als Knochenmühle. Weil Geiz noch immer geil ist, wird außerdem oft am Personal gespart. Die Pflege ist das beste Beispiel. Ungemütlich wird es am Arbeitsplatz auch durch Mobbing. Hier scheinen die Zahlen zu steigen. Laut der europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) leiden zwischen 5 und 20 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter Mobbing. Selbst wenn dies in Teilzeit passiert dass die Muße für Familie nach getaner Arbeit auch dann nicht besonders groß ist, liegt auf der Hand. Familienfreundlichkeit muss also weit über das Nachdenken über Arbeitszeiten hinausgehen. Pat Christ 18 Der Kessener 1/2013

19 Schirn Kunsthalle Frankfurt/Main Yoko Ono: Half-a-Wind Show eine Retrospektive FRANKFURT Auftritt Yoko Ono! Begleitet von Bodyguards, die die zierliche Person vor dem Erdrücken der vielen Medienleute beschützen, kommt sie in Begleitung der Kuratorin Dr. Ingrid Pfeiffer und Schirn Direktor Max Hollein ins Foyer der Kunsthalle. Gekleidet in einem schwarzen Hosenanzug, mit schwarzem Hut, keck ins schwarze Haar gesetzt, und mit dunkler Sonnenbrille. Den Fragen der Presseleute antwortet sie offen, völlig unprätentiös, ohne ihre Botschaften zu verleugnen. Man glaubt es kaum, Yoko Ono wird am 18. Februar 2013 achtzig Jahre alt. Für sie bedeutet dies keineswegs Ende und Resignation, sie hat Lust auf Neues und Unerwartetes. Als Ikone der Konzeptkunst sind für sie Ideen das Wichtigste und das Material weniger wichtig. Für die Ausstellungsmacher ist das eine Herausforderung, es gibt genügend Belege wie Zeichnungen, Bilder, Notationen, Fotos, Objekte und Installationen, Videos und Musikplatten mit ihren Covern. Der Betrachter ist überwältigt und wird sich bewusst, wie vieles in den 60er und 70er Jahren entstanden ist, das heute noch in aktuellen Ausstellungen als Motiv auftaucht, das von Yoko und ihren Künstlerfreunden stammt. In der Rotunde der Schirn sind Nylonfäden schräg durch den Raum gespannt, die wie Sonnenstrahlen auf ein Bachbett fallen. Morning Beams/Riverbed, umwickelt sie einen Stuhl mit Gaze, Wrapped Chair und 1967 umwickelt sie den Löwen eines Denkmals auf dem Trafalgar Square in London als Kommentar zur Politik des englischen Empire.Ein ähnliches Aha-Erlebnis hat man bei den Videos, die unter dem Einfluss ihres Freundes Nam June Paik entstanden und mit dem Komponisten John Cage hat sie gearbeitet und ihm Kompositionen geschrieben wie Light Piece, Blätter mit handschriftliche Anweisungen, typografisch angeordnet in schwarzer Tinte auf Papier. Ähnliches hat sie schon 1961 in Tokio in japanischen Schriftzeichen gemacht und diese Blätter als Gemälde aufgehängt. Überhaupt Musik: Sie hatte in Japan eine klassische Ausbildung in europäischer Musik, beschäftigte sich mit Geräuschen und Tönen aller Art und setzte diese Arbeit in New York fort mit experimenteller Musik bis hin zu den Konzerten mit ihrer Plastic Ono Band und mit John Lennon. Sein berühmtes Lied Imagine... ist ein von Yoko angeregter Titel. Es ist die Zeit des Vietnam Krieges. Zwangsläufig engagierten sich die Künstler. Ihre Botschaft I love you oder War is over, if you want oder wie es in Deutschland hieß Es ist Krieg und keiner geht hin ist keineswegs naiv, sowenig wie ihre Bed-in for Peace Aktion mit John in einem Amsterdamer Hotel. Und dazu passt ihr Aufruf You change the world by being yourself, aber die Beziehung zwischen Frau und Mann müssen sich auch ändern: Women are suffering und Men are suffering. Auf anderer Ebene sind ihre Schlüsselworte truth, participate, sensivity und noch deutlicher Get involved nicht nur in Bezug auf ihre Installationen. Sie will, dass man das Werk berührt, eventuell sogar auf es tritt oder innerhalb dessen agiert. Daraus ergeben sich ihre zahlreichen Instruktionen, die sie schreibt, am bekanntesten Grapefruit, eine Art Bibel der Fluxuskunst, entstanden aus der Zusammenarbeit mit dem Begründer dieser Richtung, George Maciunas. Körpereinsatz ist ein weiteres Stilmittel. Sie lässt eine Darstellerin sich nackt auf den Boden legen und fotografiert hautnah, wie eine Fliege über den Körper läuft. Sie selbst setzt sich auf eine Bühne und lässt sich von Zuschauern mit einer Schere bis zu Blöße die Kleider stückweise vom Leib schneiden als Zeichen von Schwäche und Verletzbarkeit. Oder sie benutzt das Prinzip der Serie: Auf schlichten Regalbrettern an einer Wand stehen Apothekergläser mit Wasser gefüllt, We are all water. Gleichgroße Zeichnungen in schlichten Rahmen bedecken eine ganze Wand, in Tinte auf Papier Franklin Summer von 1995, sich ähnelnde organische Formen wie ein Punktraster. Oder die Reihe Vertical memory von 1995, fotografisch oder mittels eines Spiegels verzerrte Gesichter. Der Besucher ist überwältigt von der Fülle des Gezeigten. Man erlebt Avantgarde, Yoko hat sie alle gekannt, neben den bereits genannten von Marcel Duchamp bis Andy Warhol, ja sie ist selbst Avantgarde. Bis zum 12. Mai in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main, Di, Fr-So 10-19, Mi und Do Uhr, sehr informativer Katalog mit Abbildungen aller Exponate. Si Weitere Ausstellungstipps für Frankfurt: Letzte Bilder von Manet bis Kippenberger, ebenfalls in der Schirn vom 28. Februar 2. Juni Zurück zur Klassik ein neuer Blick auf das alte Griechenland im Liebighaus am Museumsufer bis zum 26. Mai 2013, Di, Fr-So Uhr, Mi, Do Uhr Schönheit und Revolution Klassizismus im Städel am Museumsufer mit einem umfangreichen Veranstaltungskalender Der Kessener 1/

20 SCHWEINFURT RANDERSACKER Im Museum Georg Schäfer in Schweinfurt Eine Loge im Welttheater Der Titel der Ausstellung von Interieurbildern des 19. Jahrhunderts bezieht sich auf ein Zitat des Philosophen Walter Benjamin ( ): (das Interieur) stellt für den Privatmann das Universum dar. In ihm versammelt er die Ferne und die Vergangenheit. Sein Salon ist eine Loge im Welttheater. Dieser Salon war eine höchst private Angelegenheit, deshalb dienten diese sogenannten Zimmerbilder eher auch als Nachweis des Kunstverständnisses, der Bildungsstufe und des sozialen Status der Besitzer. Sie waren meist nicht größer als ca. 32,5 x 22,5 cm. Ein weiteres Motiv sind Kircheninterieurs, häufig idealisierend, menschenleer. Eine Stimmung wird aufgebaut mit hoch aufragenden gotischen Säulen und Gewölben, in die strahlend die Sonne leuchtet. Weg von der Idealisierung und realitätsnaher sind die Interieurs aus der Alltagswelt der kleinen Leute, die häufig nur einen Raum bewohnen, in dem sie arbeiten und wohnen in prekären Verhältnissen. Diese Motive sind von den Künstlern selbst ausgesucht, sie werden zu Zeugen eines anderen Lebens. Ein letztes Aufflackern dieses Genres erkennt man in den Interieurs im öffentlichen Raum, z.b. den Kaffeehäusern, in denen der Gast zugleich Akteur und Zuschauer ist, anonym bleiben kann in einer hektischer werdenden Zeit, der beginnenden Industrialisierung und Verstädterung. Die Künstler dieser Zimmerbilder waren sich nicht zu schade für diese Kunstform. Es waren, um nur einige zu nennen: Julius Adam, Rudolf von Alt, Eduard Gaertner, Wilhelm Gail, Max Klinger, Max Liebermann, Wilhelm Leibl, Georg Emanuel Opiz, Carl Spitzweg, Lesser Uri, Georg Ludwig Vogel u.a. Museum Georg Schäfer, Brückenstrasse 20, Schweinfurt, informativer Katalog mit farbigen Abb. bis zum 14. April 2013, Di-So 10-17, Do bis 21 Uhr. Die Ausstellung beginnt mit Bildern von höfischen Haushalten, in denen die Herrschaften es auch schon gemütlich haben wollten. Das aufstrebende Bürgertum ahmte diesen Stil nach. Man wollte auch schöner wohnen. Demonstriert wurde damit ein Gesellschaftsbild, in dem das Heim Refugium der Familie war, umsorgt von der Hausfrau, während der Mann dem Wohle des Staates seine edelsten Menschenkräfte widmet, um erschöpft in den Zirkel der Seinen heimkehrt. Das Biedermeier lässt grüßen. Galerie Gabriele Müller Kunst der Gegenwart Bildeinrahmung Theaterstrasse 18 Würzburg galerie-gabriele-mueller.de Weinhaus Ewig Leben Randersacker Kulturkreis Randersacker Ab und zu sortiert sich die Kunstszene neu. Getrennt arbeiten, gemeinsam präsentieren, könnte das Motto sein. In Randersacker gibt es zahlreiche Zeugnisse aus der Vergangenheit. Umso wichtiger ist es, diese Tradition fortzusetzen von heute lebenden kreativen Menschen, damit der Ort seine Identität bewahrt für seine Einwohner und seine Besucher. Anläßlich der Gründung des Kulturkreises Randersacker und seiner ersten Ausstellung im Weinhaus Ewig Leben zitierte Simone Doll-Gerstendörfer den Satz Bevor man sich eine Weltanschauung bildet, sollte man sich die Welt anschauen. Dies haben die acht Künstler ausreichend getan, wie ihre Exponate zeigen. Enric Boischados ist Spanier, von Beruf Kulturanthropologe. Er zeigt beeindruckende Reisefotos mit Schwerpunkt New York. Sabine Ludwig reist als Pressereferentin der Deutschen Lepra- und Turberkulosehilfe. Mit ihrer Kamera dokumentiert sie Zeitgeschichte, treibt aber auch mit ihrem 20 Der Kessener 1/2013

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