ferrum Ausgabe seit Ältere Arbeitnehmer Viele bleiben lieber länger

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1 ferrum Ausgabe seit Ältere Arbeitnehmer Viele bleiben lieber länger Nachrichten M+E-Konjunktur: Jeder Branche geht es anders Nahaufnahme Aus den Mitgliedsbetrieben Service Ausbildungsberuf Fertigungsmechaniker

2 Das ganze Jahr am Glühen Grillen ist zum Volkssport der Deutschen geworden. Das merken vor allem die Hersteller von Grillgeräten: Von 2007 bis 2011 stieg der Umsatz mit Grillgeräten und Zubehör um mehr als 40 Prozent (siehe Grafik). Im Jahr 2011 gaben die Deutschen für Grills, Brennstoffe und Zubehör gut eine Milliarde Euro aus zwei Drittel davon wurden in neue Grillgeräte investiert. Laut einer Studie des amerikanischen Grillgeräteherstellers Weber-Stephen grillen acht von zehn Deutschen auf einem klassischen Holzkohlegrill. Gegrillt wird das gesamte Jahr: 28 Prozent der Deutschen lassen sich nicht von Schnee und Eis abschrecken. Brennstoffe 78 Gasgrillgeräte Heiße Grillgeschäfte: Um so viel Prozent ist der Umsatz mit Grillgeräten und Zubehör von 2007 bis 2011 gestiegen 47 Grillzubehör 46 Holzkohlegrillgeräte 33 Elektrogrillgeräte 31 Insgesamt 43 Umsatz in Deutschland im Jahr 2011, in Millionen Euro Grillgeräte, Brennstoffe und Zubehör darunter Grillgeräte ferrum-grafik, Quelle: IW Köln / Institut für Handelsforschung / Barbecue Industry Association Grill Fotos: Titelseite: Ingo Bartussek / Fotolia, diese Seite: squarelogo / Fotolia (Illustration)

3 3 editorial inhalt Liebe Leserinnen und Leser, früh in Rente gehen das war noch bis vor einigen Jahren ein Trend, den die Politik gemeinsam mit Gewerkschaften und Arbeitgebern förderte. Mittlerweile hat sich der Wind gedreht: Die Menschen leben länger, gleichzeitig drängen weniger Junge auf den Arbeitsmarkt. Es ist daher erklärtes Ziel der Politik, den Anteil älterer Menschen in Arbeit zu erhöhen. Auch die Rente mit 67 gehört zu dieser Politik. Dass ältere Beschäftigte auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen haben, zeigt auch die Entwicklung in der Metall- und Elektroindustrie. Seit dem Jahr 2000 hat sich der Anteil der über 60-Jährigen verdoppelt. In der Titelgeschichte zeigen wir, was Unternehmen tun, um ihre Beschäftigten möglichst lange zu halten und was Arbeitnehmer davon haben. Daimler stellt Euro-VI-Unimog vor Seite 16 Fotos: PfalzMetall, Daimler In der Nahaufnahme berichten wir wie immer über Neuigkeiten aus den PfalzMetall-Mitgliedsunternehmen. So hat die KSB AG ihre Bilanz für 2012 vorgelegt, der Speyrer Mann+Hummel-Standort einen neuen Leiter und Daimler in seinem Wörther Lkw-Werk eine neue, schadstoffärmere Nutzfahrzeug-Generation vorgestellt. Für die Serie M+E-Berufe bleiben wir im größten Lkw-Werk der Welt: Daimler-Mitarbeiter Sven Daum berichtet, was er als Fertigungsmechaniker gelernt hat und welche Entwicklung er seit Ende seiner Ausbildung eingeschlagen hat. seit impressum Viel Spaß bei der Lektüre und freundliche Grüße Matthias Schmitt Herausgeber: PfalzMetall, Friedrich-Ebert-Straße 11 13, Neustadt Internet: Redaktion: Matthias Schmitt (verantwortlich), Hindenburgstraße 32, Mainz, Telefon / , Fax / , Verlag: Dr. Curt Haefner-Verlag GmbH, Vangerowstraße 14/1, Heidelberg Grafik & Layout: Christina Saroulidou Druck: Medienhaus Plump GmbH, Rheinbreitbach Erscheinungsweise: 6 x jährlich Bezugspreis: Die Finanzierung erfolgt aus Mitgliedsbeiträgen. Die zur Abwicklung des Vertriebs erforderlichen Daten werden nach den Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes verwaltet. ISSN-Nr.: nachrichten M+E-Konjunktur: Jeder Branche geht es anders 4 M+E-Industrie: Mit dem Standort zufrieden 4 Warum Firmen stärker um Nachwuchs werben müssen 4 Top5 5 titelthema Ältere Beschäftigte: Viele bleiben lieber länger 6 Interview mit Teilzeitrentner Helmut Müller 9 Interview mit Personalexpertin Sybille Adenauer 10 nahaufnahme KSB legt Bilanz für 2012 vor 12 Internationales Praxisseminar an der TU Kaiserslautern 12 Jeder zweite M+E-Betrieb setzt auf Zeitarbeit 14 Steffen Schneider ist neuer Mann+Hummel-Chef in Speyer 15 Daimler stellt ersten Euro-VI-Unimog vor 16 Lkw-Werk in Wörth mit neuem Blockheizkraftwerk 17 BorgWarner erhält Auszeichnung 17 service M+E-Beruf Fertigungsmechaniker 18

4 ablesen: Im April 2012 betrug der Saldo aus positiven und negativen Beurteilungen 36, bis April 2013 ging er auf 7 zurück. Noch am besten wird die Lage vom Maschinenbau (14) gesehen. Automobilbau und Elektrotechnik sind leicht im Plus (5). Skeptisch sind der sonstige Fahrzeugbau (- 3), die Gießerei- 4 nachrichten M+E-Konjunktur Jeder Branche geht es anders Die M+E-Industrie befindet sich in einem schwierigen konjunkturellen Umfeld. Dazu kommt: Die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen sind erheblich. Die M+E-Unternehmen zeigen sich laut ifo-institut in ihren Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate skeptisch. Der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen fiel von fünf Punkten im März 2013 auf null Punkte im April. Im Klartext: Optimisten und Pessimisten halten sich gerade die Waage. Dabei unterscheiden sich die einzelnen M+E-Branchen sehr deutlich voneinander (siehe Grafik). Während zum Beispiel sowohl EDV als auch Optik relativ optimistisch auf das nächste halbe Jahr blicken, zeigt sich der Maschinenbau weniger zuversichtlich. Die Autobauer befürchten sogar einen Einbruch ihrer Geschäfte. Die konjunkturelle Eintrübung lässt sich auch an den Beurteilungen der Geschäftslage M+E-Industrie tritt auf der Stelle Insgesamt Herstellung von sonstigen Waren EDV und Optik Nichteisen-Erzeugung und -Bearbeitung Elektrotechnik Gießereien Maschinenbau Sonstiger Fahrzeugbau Herstellung von Metallerzeugnissen Automobilbau Saldo aus positiver und negativer Beurteilung der Geschäftserwartungen in Prozentpunkten ferrum-grafik, Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln / ifo Konjunkturtest en (-12) sowie die Nichteisen-Erzeugung und -Bearbeitung (-13). Auch die Produktionszahlen spiegeln diesen Befund wider: So lag die Produktion des Luft- und Raumfahrzeugbaus im Februar 2013 um satte 10,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Anders im Maschinenbau: Er verzeichnete ein Minus von 2,7 Prozent. M+E-Industrie Mit dem Standort zufrieden Die Unternehmen der Branche geben dem Standort Deutschland erneut gute Noten. Das ergab eine Befragung von mehr als 300 Vorständen und Geschäftsführern durch das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall. Hielten im Jahr 2002 nur vier Prozent der M+E-Unternehmen den Industriestandort Deutschland für sehr gut und weitere 37 Prozent für gut, stellen zehn Jahre später 31 Prozent der Firmen dem Standort ein exzellentes und 55 Prozent ein gutes Zeugnis aus. Als Absatzmarkt verliert Deutschland für viele M+E-Unternehmen an Bedeutung. Eine deutliche Mehrheit der Geschäftsführer äußert, die Geschäftslage des Unternehmens sei heutzutage stärker (31 Prozent) oder wesentlich stärker (25 Prozent) von den Entwicklungen im Ausland abhängig als früher. Entsprechend meinen jeweils sechs von zehn Befragten, dass sich die Globalisierung stark oder sehr stark auf das eigene Unternehmen auswirke. Ausbildung Werben um Schulabgänger Die demografische Entwicklung hat den Ausbildungsmarkt fest im Griff: Die Zahl der Schulabgänger ohne Studienberechtigung, also jener Jugendlichen, die typischerweise eine duale Ausbildung absolvieren, sinkt. Deshalb gibt es immer weniger neu abgeschlossene Ausbildungsverträge im Jahr 2012 lag ihre Zahl um 3,1 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Entsprechend ist zwischen den Unternehmen ein Wettbewerb um Auszubildende entbrannt. Entscheidend ist dabei zweierlei: Zum einen müssen sich Betriebe bemühen, alle Jugendlichen anzusprechen auch die sogenannten speziellen Zielgruppen. Hierzu zählen unter anderem Jugendliche mit Behinderung. Zum anderen gilt es, die duale Ausbildung noch attraktiver zu gestalten, etwa durch die Vermittlung von Zusatzqualifikationen. Beispiele sind technische Fähigkeiten in kaufmännischen Ausbildungen, Fremdsprachenkenntnisse oder die Möglichkeit, einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren. Foto: istockphoto

5 5 nachrichten Gießereien bauen Beschäftigung auf Ingenieure haben 2011 ihr Studium erfolgreich abgeschlossen. Das sind 66 Prozent mehr als Damit hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt entspannt. Allerdings suchten die Branchen Elektrotechnik sowie Maschinen- und Automobil bau im März noch rund Bewerber. Die insgesamt 1,62 Millionen Ingenieure sind wichtig für den Technologieund Innovationsstandort Deutschland. Das zeigt der hohe Wertschöpfungsbeitrag der Ingenieure von 197 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Quelle: IW Köln, VDI Die wichtige M+E- Zulieferbranche musste 2012 einen Gang zurückschalten. Der Umsatz sank leicht auf 13,33 Milliarden Euro. Dem Beschäftigungsaufbau hat das jedoch keinen Abbruch getan. Grund hierfür ist, dass die Gießereien nicht mit einem weiteren Geschäftseinbruch rechnen. -1,2-1,4-0,7 Veränderung gegenüber dem Vorjahr in Prozentangaben Beschäftigte und Betriebe ab 50 Mitarbeiter Gesamtumsatz in Milliarden Euro 13,33 Inlandsumsatz in Milliarden Euro 8,79 Auslandsumsatz in Milliarden Euro 4,54 34,1 Beschäftigte Betriebe 302 Umsatz je Beschäftigten in Euro Gießereien Verarbeitendes Gewerbe insgesamt Exporte in Prozent des Umsatzes k.a. 3,4 0,0 ferrum-grafik, Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln / Stifterverband Die Top5 der Branchen-Mindestlöhne Zurzeit wird sie wieder diskutiert: eine einheitliche Lohnuntergrenze für alle Branchen von 8,50 Euro. In 13 Wirtschaftszweigen gelten tarifliche Mindestlöhne für alle Unternehmen. Die Top5 der Bruttostundenlöhne zeigt, dass die Tarifvertragsparteien Branchenmindestentgelte über dem gesetzlich geforderten Mindestlohn ausgehandelt haben Fotos: istockhoto (2), Fotolia: Kara, Robert Kneschke, minicel73 1. Bauhauptgewerbe: 13,70 Euro * 2. Bergbau-Spezial - gesellschaften: 12,81 Euro * 3. Berufliche Aus- und Weiterbildung: 12,60 Euro * 4. Maler- und Lackierer - handwerk: 12,00 Euro * 5. Dachdeckerhandwerk: 11,20 Euro * QUIZ Mitmachen&Gewinnen: Wir verlosen zwei Gutscheine im Wert von 50 Euro. auf *für Westdeutschland bzw. bestimmte Bundesländer, Stand April 2013, Quelle: IW Medien, Bundesagentur für Arbeit, WSI-Tarifarchiv

6 Ältere Arbeitnehmer Viele bleiben lieber länger In Deutschlands Betrieben steigt die Zahl älterer Mitarbeiter. Auch in der Metall- und Elektroindustrie können sich immer mehr Beschäftigte vorstellen, länger zu arbeiten, während der Vorruhestand an Attraktivität verliert. Nicht nur mit Blick auf den Fachkräftebedarf ist diese Entwicklung ein Plus für die Unternehmen.

7 7 titelthema Ende April 2012 wäre eigentlich Schluss gewesen für Helmut Müller: Der Vertriebsingenieur bei Siemens Turbomachinery Equipment in Frankenthal hätte sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden können. Aber er wollte nicht. Von heute auf morgen den Schalter umlegen und die Vollzeitstelle gegen ein ruhiges Rentnerdasein eintauschen? Das war für den heute 66-Jährigen nicht vorstellbar. Ein Teilzeit-Modell ermöglichte es ihm, bis Ende 2012 zu verlängern. Zeit, in der Helmut Müller viel von seinem über die Jahre angesammelten Wissen an jüngere Kollegen weitergeben konnte. Und Zeit, in der ein gleitender Übergang in den Ruhestand stattfand. Den Abschied auf Raten würde Müller heute rückblickend jedem weiterempfehlen (siehe Interview Seite 8). Der Anteil Älterer steigt Länger arbeiten als eigentlich vorgesehen für immer mehr Beschäftigte in Deutschlands Betrieben ist das offenbar kein Tabu mehr: Nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat sich die Zahl der Erwerbstätigen über 65 Jahren zwischen 2001 und 2011 fast verdoppelt auf knapp Für die Altersgruppe ab 60 Jahren meldet die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit Stand September 2012 fast 1,5 Millionen Beschäftigte, so viele wie nie zuvor. Ein entsprechender Trend zeichnet sich auch in der M+E-Branche ab: Die Zahl der älteren Arbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie wächst kräftig, sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Oliver Zander, unter Verweis auf die entsprechenden BA-Zahlen. Demnach hat sich der Anteil der über 60-Jährigen in den Belegschaften seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt und liegt nun bei 4,9 Prozent. Lust an der Arbeit oder Existenzsicherung? Foto: Ingo Bartussek / Fotolia Die Tendenz hin zu mehr Älteren in den Betrieben passt zur Entwicklung der Altersstruktur in Deutschland. Doch die demografischen Daten allein reichen nicht aus, um die wachsende Zahl von älteren Beschäftigten zu erklären. Über die Gründe für den Anstieg jedoch gehen die Meinungen auseinander: Die einen sagen, es sei die Lust an der Arbeit, welche die Beschäftigtenzahlen in der Altersklasse 60+ nach oben schnellen lässt. Von Lust könne keine Rede sein, heißt es hingegen von der anderen Seite: Materielle Not zwinge die Senioren, im Ruhestand noch zu arbeiten, um Ihre Existenz zu sichern. Wer hat Recht? Beide Seiten irgendwie. Oder keine je nachdem. Denn wenn es um die Motivation geht, länger zu arbeiten, spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle. Arbeit ist mehr als ein Broterwerb Sicher gebe es die Fälle, in denen eine geringe Rente mit einem zusätzlichen Job aufgebessert werde, sagte Sibylle Adenauer vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa). Doch das treffe bei Weitem nicht für alle älteren Beschäftigten zu: Viele werden heute

8 8 titelthema DBK Altersgerechte Arbeitsplätze schaffen Die Gesundheit der Mitarbeiter erhalten und den Verbleib älterer Arbeitnehmer im Betrieb fördern das ist auch der Anspruch beim Heizelemente-Spezialisten DBK im südpfälzischen Rülzheim. Der Fokus liegt dabei unter anderem auf der Gestaltung altersgerechter Arbeitsplätze. Verschiedene Maßnahmen wurden dafür ergriffen: Mobiliar: Nach neuesten Erkenntnissen konzipierte Stühle, höhenverstellbare Tische Beleuchtung: Dezentral arbeitsplatzorientierte Beleuchtung, gut ausgeleuchtete Arbeitsplätze in der Fertigung Transport: Innerbetriebliche Transporte erfolgen mittels Logistikzug und elektrischer Kommissionierwagen und damit belastungsfrei für das Personal. Fertigung: Material wird mittels Hubwagen auf Arbeitshöhe gebracht, Rollbänder dienen zum Materialtransport dadurch wird der Rücken entlastet. gesund älter und möchten aktiv bleiben, so Adenauer (siehe Interview Seite 10). Sie verweist damit auf einen wichtigen Punkt, der Menschen dazu bewegt, länger im Job zu bleiben: Arbeit ist oft mehr als ein Mittel zum Broterwerb sie dient auch der Selbstbestätigung. Wer arbeitet wird gebraucht und gehört nicht zum alten Eisen. Und auch die Politik hat an den Stellschrauben gedreht: Ende 2009 ist die staatliche Förderung der Altersteilzeit ausgelaufen. Frührentner müssen seitdem höhere Abzüge in Kauf nehmen auch ein Grund, dem Betrieb noch eine Weile länger treu zu bleiben. Rente mit 67 Auf Arbeitgeberseite begrüßt man diese Entwicklung ebenso wie die schrittweise Verschiebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre. Denn zur Deckung ihres Fachkräftebedarfs werde die Metall- und Elektroindustrie künftig alle verfügbaren Potenziale nutzen müssen, so die Verantwortlichen. Der Paradigmenwechsel weg von der Interview mit Helmut Müller»Über Nacht von hundert auf null ist schwierig«nach fast 40 Jahren im Betrieb hat sich Helmut Müller auf Raten in den Ruhestand verabschiedet. Von seiner Teilzeitrente, so der Vertriebsingenieur, haben alle profitiert er ebenso wie seine jüngeren Kollegen bei Siemens Turbomachinery Equipment in Frankenthal.. ferrum: Herr Müller, was genau muss man sich unter einem Teilzeitrentner vorstellen? Helmut Müller: Den Begriff habe ich im Scherz geprägt, weil er so gut zu meiner Situation gepasst hat. Denn statt wie regulär vorgesehen Ende April 2012 in Rente zu gehen, habe ich bei meinem Vorgesetzten nachgefragt, ob es möglich ist, mit reduzierter Stundenzahl noch länger zu arbeiten. Im Dialog haben wir dann ein Teilzeitmodell für mich entwickelt. Wie sah das aus? Müller: Ab Mai 2012 habe ich zwei Tage in der Woche weitergearbeitet, bis ich Ende Dezember ganz aus dem Unternehmen ausgeschieden bin. Diesen schleichenden Ausklang kann ich nur jedem empfehlen. Denn wer wie ich immer 100 Prozent gearbeitet hat, wird sich schwertun, über Nacht auf null zu reduzieren. Wie fanden es Ihre Kollegen, einen Teilzeitrentner im Team zu haben? Müller: Die fanden das gut! In den letzten Jahren sind viele neue Kollegen in unser Team gekommen. Denen konnte ich natürlich das eine oder andere erzählen, denn in 40 Berufsjahren habe ich viel erlebt, unter anderem auf zahlreichen Auslandsreisen nach China. Gleichzeitig habe ich von den Jüngeren viel gelernt, zum Beispiel im Umgang mit dem PC. Wissen weiter zu geben f u n k t i o n i e r t einfach immer besser, wenn man aus eigener Erfahrung sprechen kann. Seit Anfang des Jahres sind Sie nun offizieller Rentner fehlt Ihnen die Arbeit? Müller: Nein. Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht und es war schön, dass ich noch etwas weitergeben konnte. Aber jetzt, wo ich nicht mehr so viel unterwegs sein muss, möchte ich die Zeit mit meiner Frau genießen und meine Hobbys pflegen. Foto: privat

9 9 titelthema Frühverrentung ist geglückt, zeigte sich Gesamtmetall- Geschäftsführer Zander erfreut über den wachsenden Anteil Älterer in den Betrieben. Und auch auf Arbeitnehmerseite zeichnet sich offenbar ein Einstellungswandel ab, wie eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach unter Beschäftigten der M+E- Industrie belegt. Während 2002 noch 56 Prozent der Befragten früher in Rente gehen wollten, sind es heute nur noch 44 Prozent. Lediglich 18 Prozent schließen kategorisch aus, länger zu arbeiten als geplant. Das Ziel: Ausgewogene Altersstruktur Profitieren können von diesem Trend alle: Die Unternehmen ebenso wie die Mitarbeiter ältere ebenso wie jüngere. Doch damit eine solche Win-win-Situation entstehen kann, müssen die Voraussetzungen stimmen: Die Arbeit muss altersgerecht gestaltet werden, sagte Sibylle Adenauer. Sprich: Einzelmaßnahmen speziell für ältere Mitarbeiter sind wichtig und richtig. Aber um alle Beschäftigten möglichst lange im Betrieb zu halten, ist langfristiges Denken gefragt. Denn die heute 20-Jährigen sind die 50-Jährigen von morgen. Deshalb ist es für die Unternehmen sinnvoll, frühzeitig anzusetzen. Die Liste der Möglichkeiten, die den Betrieben offensteht, ist lang: Sie reicht von betrieblicher Gesundheitsförderung über Weiterbildungsangebote und flexible Arbeitszeitmodelle bis hin zur Gestaltung von altersfreundlichen Arbeitsplätzen. Viele Unternehmen der M+E-Industrie haben die Zeichen der Zeit erkannt und setzen verschiedene Maßnahmen jeweils zugeschnitten auf den eigenen Bedarf bereits um. Das Ziel: eine ausgewogene Altersstruktur in der Belegschaft, in der sich langjährige Erfahrung und frisches Know-How gegenseitig ergänzen. Daimler Altersgerechte Arbeitsplatzgestaltung: Eine Hebehilfe erleichtert die Verpackung einer Pumpe. KSB Ältere zum Bleiben motivieren Der Anteil von Menschen über 55 in den Unternehmen wird weiter steigen, das weiß auch Helmut Lang. Mit Blick auf den demografischen Wandel müssen sich die Unternehmen etwas einfallen lassen, sagt der Leiter Human Resources Business Partner beim Pumpenhersteller KSB in Frankenthal. Sein Unternehmen hat sich deshalb schon vor einiger Zeit entschlossen, das Thema Ältere Mitarbeiter aktiv anzugehen. Im Rahmen eines speziell entwickelten Programms bietet KSB gezielte Maßnahmen für Mitarbeiter ab 55 Jahren mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen für die Älteren zu verbessern und damit einen Vorteil für Mitarbeiter und Unternehmen zu schaffen. Foto: KSB (oben), Daimler Erfahrungswissen im Expertenpool Auch beim Autobauer Daimler setzt man auf den Erfahrungsschatz der Älteren: Der Konzern will künftig ehemalige Mitarbeiter für Sondereinsätze aus dem Ruhestand zurückholen, damit diese ihr Wissen bei Projekten oder Schulungen einbringen. Daimler hat dazu einen Expertenpool eingerichtet, in dem sich Rentner registrieren lassen können mitsamt ihren speziellen Fähigkeiten und Erfahrungen. Bei Bedarf sollen sie dann maximal sechs Monate im Jahr in den Konzern zurückkehren. Für unseren Erfolg ist beides entscheidend: Innovationskraft und ein umfangreicher Erfahrungsschatz, erklärte Personalvorstand Wilfried Porth (Foto) der Nachrichtenagentur dpa. Einige Punkte des KSB-Programms für ältere Mitarbeiter Ab 55 Jahren: kostenfreier Gesundheitscheck Ab 58 Jahren: Auf Wunsch werden Mitarbeiter von der Nachschicht befreit. Das Guthaben des Arbeitszeitkontos kann genutzt werden, um die wöchentliche Stundenzahl zu reduzieren Ab 60 Jahren: Bei Mitarbeitern, die 25 Jahre oder länger dem Unternehmen angehören, bleibt die Bezahlung gleich, auch bei Versetzung oder organisatorischer Veränderung. Auf Wunsch können Mitarbeiter so ohne Einkommens- oder Statusverlust auch von ihrer Führungsaufgabe entbunden werden. Ab 63 Jahren: drei zusätzliche Urlaubstage

10 10 titelthema Interview mit Sibylle Adenauer»Entscheidend ist die Qualifikation, nicht das Alter«Der Anteil älterer Beschäftigter in den Metall- und Elektrounternehmen ist kräftig angestiegen. Sibylle Adenauer vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft erläutert die Gründe für diese Entwicklung und erklärt, weshalb die Betriebe gut daran tun, die Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter frühzeitig zu fördern. ferrum: Frau Adenauer, für das Jahr 2012 meldete die Bundesagentur für Arbeit so viele Beschäftige über 60 Jahren wie nie zuvor. Laut dem Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat sich der Anteil der über-60-jährigen in der Metall- und Elektroindustrie zwischen 2000 und 2011 mehr als verdoppelt. Wo sehen Sie die Ursachen für diese Entwicklung? Sibylle Adenauer: Es gibt mehrere Ursachen. Ein wesentlicher Grund für den Anstieg ist, dass die Belegschaften in den Betrieben insgesamt älter werden: Jüngere wachsen in höhere Altersklassen nach und seit im Jahr 2009 die staatlich geförderte Altersteilzeit weggefallen ist, bleiben die Beschäftigten wieder länger im Unternehmen. Zur Person Sibylle Adenauer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) in Düsseldorf und Spezialistin für den Bereich Personalentwicklung und Führung. Von ihr erschienen ist unter anderem 2009 der Handlungsordner Der demografiefeste Betrieb, in dem sie und andere Autoren mit ihren Beiträgen Hilfestellung vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen geben wollen. Also hat vor allem die politische Weichenstellung zu dem Anstieg in der Altersklasse 60+ geführt? Adenauer: Nicht nur! Eine aktuelle Umfrage des Allensbach-Instituts belegt, dass durchaus ein Mentalitätswandel stattfindet: In den Unternehmen ist man zunehmend sensibilisiert und eher bereit, auch ältere Bewerber einzustellen, als das noch vor einigen Jahren der Fall war. Der entscheidende Punkt ist jedoch nicht das Alter, sondern die Qualifikation der Bewerber sie muss mit dem Bedarf im Unternehmen übereinstimmen. Aus Sicht der Betriebe: Inwiefern profitieren die Unternehmen von älteren Mitarbeitern? Adenauer: Ein wichtiger Punkt ist die Erfahrung, die Ältere mitbringen: Wer seit 30 Jahren im Beruf ist, hat viel Wissen angesammelt, dazu gehören neben methodischem Know-How auch soziale Kompetenzen, die dem Unternehmen zugutekommen. Wenn Mitarbeiter lange im selben Betrieb tätig sind, wissen sie außerdem genau Bescheid über die Abläufe und kennen die Kunden auch die schwierigen. Ist auch der drohende Fachkräftemangel ein Argument für mehr Ältere in den Unternehmen? Adenauer: Wenn es um die Sicherung von Fachkräften geht, müssen die Unternehmen ihren Blick generell weiten und schauen, welche Bewerber es außer den üblichen Verdächtigen gibt. Sicherlich sollten hier die Älteren stärker in den Fokus rücken, aber nicht nur sie. Auch Frauen oder Bewerber mit Migrationshintergrund müssen künftig viel stärker berücksichtigt werden. Um die Belegschaft zu halten, liegt es außerdem im Interesse der Unternehmen, die Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter schon früh zu fördern und ihre Arbeitskraft zu erhalten.»es findet ein Mentalitätswandel statt.«welche Möglichkeiten gibt es dafür? Adenauer: Wichtig ist, dass die Arbeit altersgerecht gestaltet wird. Dafür muss man die ganze Belegschaft über ihren gesamten Erwerbsverlauf hin betrachten, nicht nur die Älteren. Für alle sollten beispielweise ergonomische Gestaltungskriterien am Arbeitsplatz gelten. Das können Hebehilfen sein oder Arbeitswerkzeug, das gut zugreifbar positioniert ist. Auch die Reduzierung von Hitze und Staub gehört dazu. ferrum

11 11 titelthema M+E-Beschäftigte: Die Alten kommen älter als 60 Jahre Beschäftigte insgesamt Beschäftigungsentwicklung in der Metall- und Elektroindustrie, 2000 = ferrum-grafik, Quelle: IW Köln / Bundesagentur für Arbeit Und darüber hinaus? Adenauer: Mit Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung können die Unternehmen das Bewusstsein ihrer Mitarbeiter für das eigene Wohlergehen schärfen, zum Beispiel was Ernährung oder Bewegung angeht. Und auch Weiterbildungsmaßnahmen sollten so gestaltet sein, dass alle Altersgruppen auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Immer wichtiger werden außerdem Möglichkeiten einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung. Dabei ist zu bedenken, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Thema ist, das nicht nur junge Familien betrifft. Auch älteren Beschäftigten sollten flexible Arbeitszeiten zugestanden werden, beispielsweise, um pflegebedürftige Familienangehörige zu betreuen. Sind die genannten Maßnahmen, noch Zukunftsmusik oder schon Realität in den Unternehmen? Foto: istockphoto Institut für angewandte Arbeitswissenschaft ifaa Das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) ist das Forschungsinstitut der Metall- und Elektroindustrie zur Gestaltung der Arbeitswelt. Die Erkenntnisse seiner Forschung vermittelt das ifaa nach eigenen Angaben in Analysen, Veranstaltungen und Publikationen. Seinen Partnern vor Ort hilft das Institut, die Erkenntnisse, Methoden und Konzepte in den Betrieben umzusetzen. Adenauer: Der Anteil an Betrieben, die ein Bewusstsein für das Thema entwickeln ist stark angestiegen. Die Unternehmen öffnen sich immer mehr. Wichtig ist ein ganzheitlicher Ansatz: Alle Faktoren von Qualifizierungsmöglichkeiten bis zur Arbeitszeitgestaltung müssen ineinander spielen, damit die Maßnahmen Wirkung zeigen.

12 12 nahaufnahme KSB Pumpen für die Welt KSB vermeldet einen Rekordumsatz dank guter Geschäfte in Übersee. Dazu beigetragen hat unter anderem der Ausbau des Armaturengeschäfts in Asien und ein Weltpumpenkonzept. Die Nachfrage am Heimatmarkt hingegen war flau, unter anderem wegen der Einbrüche im Kraftwerksgeschäft. Technische Überholung einer Pumpe durch den KSB-Service. Frankenthal. KSB ist im vergangenen Jahr kräftig gewachsen außerhalb Europas: So legte der Umsatz des Pumpen- und Armaturenherstellers im Raum Asien und Pazifik um fast ein Fünftel zu. Und auch in Amerika und Afrika lagen die Zuwachsraten mit 12,6 und 14,4 Prozent im zweistelligen Bereich. In Europa indes erwirtschaftete der Konzern nur 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch auch das verhaltende Wachstum im Heimartmarkt reichte für einen Rekord: Mit 2,3 Milliarden Euro lag der Konzernumsatz um 8,5 Prozent über dem Vorjahr und erreichte damit einen neuen Höchstwert. Der Umsatz der KSB AG lag bei 828,2 Millionen Euro 2,1 Prozent mehr als Beim Auftragseingang hingegen legte die AG mit 801,5 Millionen den Rückwärtsgang ein (- 2,1 %). Grund hierfür ist vor allem das schwache Projektgeschäft. Darunter versteht KSB die Konstruktion und den Bau nach Kundenwusch also die Maßanfertigung. Produkte von der Stange hingegen gehören zum Standardgeschäft. Auf diesen Bereich entfiel 2012 rund die Hälfte des Umsatzes. Das Projektgeschäft befindet sich im Jahr vier der Krise, sagte Dr. Wolfang Schmitt auf der Bilanzpressekonferenz Ende März. Der Vorstandsvorsitzende spielte damit nicht nur auf die Finanz- und Wirtschaftskrise an. Die Frankenthaler leiden auch unter der Energiewende: KSB ist traditionell stark im Kraftwerksgeschäft engagiert. Den Umsatzausfall durch die bisher abgeschalteten Kernkraftwerke bezifferte Schmitt auf 25 Millionen Euro Foto: KSB

13 13 nahaufnahme jährlich. Und noch ist die Hälfte der Atomkraftwerke am Netz. Zwar ist KSB auch bei der Erzeugung Erneuerbarer Energien dabei. KSB-Pumpen kommen in Off-Shore-Windkraft- Anlagen genauso zum Einsatz wie in Biogasanlagen oder solarthermischen Kraftwerken. Das Problem: Die damit erwirtschafteten Umsätze liegen noch weit unter dem, was im Geschäft mit großen Atomkraftwerken verloren gegangen ist. Der Vorstandsvorsitzende hatte dazu zwei Zahlen parat: Während eine Pumpe in einem Kernkraftwerk rund fünf Millionen Euro kostet, schlägt eine Pumpe in einem Off-Shore-Windkraftwerk nur mit rund Euro zu Buche. Da können Sie sich ausrechnen, wie viele Windkrafträder gebaut werden müs- sen, um den Ausfall eines Atomkraftwerks zu ersetzen, sagte Schmitt. Aufgrund des Gegenwinds im deutschen und europäischen Markt hat KSB seine Schwerpunkte im vergangenen Jahr vor allem auf das Armaturengeschäft in Asien gelegt. Zudem haben die Frankenthaler ein Weltpumpenkonzept aufgelegt. Darunter versteht der Maschinenbauer Normpumpen für die unterschiedlichsten Anwendungen und Kunden. Die Standardisierung hilft, Zeit und Kosten zu sparen und dadurch Marktanteile zu gewinnen. Wachstumsimpulse gaben im vergangenen Jahr auch Zukäufe. In Europa und China hat KSB insgesamt 13 Gesellschaften übernommen. Zum Jahresende gehörten damit 89 Unternehmen zum KSB-Konzern die größte davon die KSB AG mit Sitz in Frankenthal. Die Investitionen in Sachanlagen beliefen sich auf 82 Millionen Euro (+ 22 Mio. Euro). In diesem Jahr werde das Volumen knapp darunter liegen. Auch dank der Zukäufe ist die Mitarbeiterzahl weltweit um 533 auf gewachsen. In Deutschland waren es zum Jahresende 5381, davon 2088 in Frankenthal (-5). Für das laufende Jahr zeigte sich Schmitt zuversichtlich. Umsatz und Auftragseingang sollen wachsen, das Konzernergebnis mindestens auf Höhe des Vorjahres liegen. Dr. Wolfgang Schmitt, Vorstandssprecher der KSB Aktiengesellschaft. KSB in Zahlen 2012 Veränderungen zum Vorjahr Umsatz 2,27 Mrd. Euro + 8,5 % Auftragseingang 2,26 Mrd. Euro + 5,9 % Konzernergebnis 132,8 Mrd. Euro + 12,3 % Mitarbeiter weltweit Mitarbeiter in Deutschland Internationales Praxisseminar Deutsche und schwedische Studenten forschen gemeinsam Fotos: KSB (oben), MSc Studenten der TU Kaiserslautern und der Universität Lund. Kaiserslautern. Ende März stellten die Studenten des Internationalen Praxisseminars (IPS) die Ergebnisse ihrer viermonatigen Arbeit vor. Die acht Studenten von der TU Kaiserslautern und die drei Studenten von der Universität Lund trafen sich dazu mit Vertretern der KSB AG. Der Pumpen- und Armaturenhersteller war diesjähriger Partner des IPS, das alljährlich von der Stiftung Pfalz- Metall veranstaltet wird. Mit dem Projekt will die Stiftung angehende Ingenieure auf Herausforderungen in Unternehmen und die globalisierte Arbeitswelt vorbereiten. So ist die Arbeits- und Präsentationssprache in dem deutsch-schwedischen Team Englisch. Doch die Sprachbarriere war nicht die größte Herausforderung: Projektpartner KSB hatte den Studenten die Aufgabe gestellt, die Einzelproduktion von Pumpen effizienter zu gestalten. Dazu werteten die IPS-Teilnehmer große Mengen Daten aus und machten sich Gedanken über eine bessere Planung. Mit Erfolg: In ihrer Präsentation konnten sie zeigen, wie die Maschinenauslastung verbessert werden kann.

14 14 nahaufnahme Zeitarbeit Jeder zweite M+E-Betrieb setzt auf temporäre Kräfte Seit vergangenem November erhalten Zeitarbeitnehmer, die über einen längeren Zeitraum in der Metall- und Elektroindustrie arbeiten, Lohnzuschläge. Noch lässt sich nicht abschätzen, welche Auswirkungen dies auf die Beschäftigung hat. Die Metall- und Elektroindustrie ist ein wichtiger Einsatzort für Zeitarbeiter: Sie beschäftigt im Schnitt zwischen 20 und 30 Prozent aller Zeitarbeitnehmer in Deutschland. Besonders groß ist der Bedarf der M+E-Industrie an flexibel einsetzbaren Kräften in Hochkonjunkturzeiten. Als exportorientierte Branche ist sie nämlich besonders stark vom Auf und Ab der Weltwirtschaft betroffen. Dies zeigen die Jahre 2008 und 2011, als jeweils bis zu Zeitarbeitnehmer in der Metall- und Elektroindustrie beschäftigt waren. Im vergangenen Jahr war die Nachfrage nach Zeitarbeitern dagegen rückläufig (siehe Grafik). Ende Juni 2012 beschäftigte die M+E- Industrie nur rund Zeitarbeiter das entspricht 5,6 Prozent der Stammbelegschaft. Zu diesem Zeitpunkt nutzte jeder zweite M+E-Betrieb mit mindestens 20 Mitarbeitern das Instrument der Zeitarbeit. Sie wird vor allem eingesetzt, um Auftragsspitzen oder stoßweise auftretende Arbeiten bewältigen zu können. Sie ist auch ein bewährtes Mittel für Vertretungszeiten, zum Beispiel während der Elternzeit. Anders als immer wieder kolportiert führt Zeitarbeit nicht zur Verdrängung von Stammarbeitsplätzen: Von Juni 2010 bis Juni 2012 stieg die Zahl der in der M+E-Industrie eingesetzten Zeitarbeiter um , während sich die Stammbelegschaft um fast erhöhte. Zeitarbeitnehmer sind nicht in dem Unternehmen angestellt, in dem sie eingesetzt werden, sondern in den Verleihfirmen. Sie haben dieselben Arbeitnehmerrechte wie jeder andere Beschäftigte: Für Zeitarbeiter gilt also der gesetzliche Urlaubsanspruch, der gesetzliche Kündigungsschutz sowie die gesetzliche Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. In der M+E-Industrie erhalten Zeitarbeitskräfte seit November 2012 zudem einen Branchenzuschlag. Laut Tarifvertrag, den die Zeitarbeitsbranche mit der IG Metall geschlossen hat, bekommen Zeitarbeitnehmer nach einem sechswöchigen Einsatz einen 15-prozentigen Lohnaufschlag, der sich schrittweise nach neun Monaten Beschäftigungsdauer auf 50 Prozent erhöht. Zeitarbeit in der M+E-Industrie Zeitarbeitnehmer in in Prozent der Stammbelegschaft ,9 4,9 5,9 6,4 3,7 4,5 6,8 5, ferrum-grafik, Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln / Gesamtmetall / IAB, Stand 30. Juni 2013 Foto: ehrenberg-bilder / Fotolia

15 15 nahaufnahme Mann+Hummel Steffen Schneider übernimmt Standort-Leitung Steffen Schneider führt seit Jahresanfang den Mann+Hummel-Standort Speyer. Das dort angesiedelte Geschäft mit Industriefiltern soll kräftig wachsen. trale in Ludwigsburg und zuletzt als Geschäftsführer in Spanien. Ende März stellte sich der neue Chef in Speyer der Presse vor. Dabei beleuchtete Schneider auch die momentane Situation: 2013 habe für den Geschäftsbereich Industriefiltration und seinen Hauptsitz Speyer stabil auf Vorjahresniveau begonnen. Die Eurokrise und eine abgeschwächte weltweite Maschinenbaukonjunktur dämpfen weiterhin das Wachstum, sagte Schneider. Im zweiten Halbjahr erwartet das Unternehmen eine Belebung des Geschäfts und somit für das Gesamtjahr 2013 ein leichtes Wachstum gegenüber Foto: Mann+Hummel Speyer/Ludwigsburg. Zu Jahresbeginn hat Steffen Schneider die Leitung des Geschäftsbereichs Industriefiltration in Speyer übernommen. Damit folgt der 49-Jährige Volker Plücker nach, der das Unternehmen Ende Oktober 2012 auf eigenen Wunsch verlassen hat. Schneider bekleidet die Position des Group Vice President & General Manager Industrial Business in Speyer und ist Mitglied der erweiterten Geschäftsführung der Mann+Hummel-Gruppe mit Sitz in Ludwigsburg. Schneider stammt aus Siegen und startete seine berufliche Karriere nach einem Maschinenbaustudium an der Technischen Universität Stuttgart in der Motorenentwicklung eines Automobilherstellers. Bilanz 2012 Mehr Umsatz Mehr Investitionen Mittel- und langfristig sind die Erwartungen an das Wachstum höher: Mann+Hummel hat es sich zum Ziel gesetzt, den Umsatz von 2,6 Milliarden Euro im Jahr 2012 auf 3,4 Milliarden Euro im Jahr 2018 zu steigern. Ein Drittel dieses Umsatzes soll außerhalb des Automotive-Geschäfts erwirtschaftet werden. Ein Großteil davon entfällt auf Speyer. Die Mann+Hummel-Gruppe hat ihren Umsatz im vergangenen Jahr auf 2,62 Milliarden Euro Umsatz gesteigert (+5,8 %). Das Konzernergebnis des Filterspezialisten legte um 2,6 Prozent auf 146 Millionen Euro zu. Das Tempo beim Umsatzwachstum will der Konzern nach eigenen Angaben auch im laufenden Jahr beibehalten. Eine der größten Investitionen der Unternehmensgeschichte ist der Neubau eines Technologiezentrums in Ludwigsburg. 30 Millionen Euro wird Mann+Hummel hierfür investieren. Die Belegschaft zählte zum Jahresende Mitarbeiter (+ 237). In Speyer arbeiten 644 von ihnen (+ 22). Am Pfälzer Standort ist der Geschäftsbereich Industriefiltration ansässig (Engineering, Produktion, Vertrieb und Marketing). Für Mann+Hummel ist Steffen Schneider seit nunmehr 20 Jahren in verschiedenen Funktionen tätig, unter anderem als Geschäftsführer von Mann+Hummel in Mexiko, Einkaufsleiter in der Unternehmenszenferrum

16 16 nahaufnahme Daimler Neue Motortechnik verringert Abgasbelastung Daimler hat eine neue Generation von Sonderfahrzeugen vorstellt. Sie sind jetzt serienmäßig mit umweltfreundlichen Euro VI-Motoren ausgerüstet. Von der ersten Skizze bis zum Bandablauf sind die Unimog- und Econic-Modelle komplett made in Wörth. Stefan Buchner (links), Leiter Mercedes-Benz Lkw, und Yaris Pürsün, Leiter Mercedes-Benz Werk Wörth mit den neuen Unimog- und Econic-Modellen. Die Sonderfahrzeuge sind serienmäßig mit den neuen Euro VI-Motoren ausgestattet. Wörth am Rhein. Für Mercedes- Benz ist es eine Weltpremiere: Die Produktion von zwölf neuen Typen von Sonderfahrzeugen ist angelaufen. Alle Fahrzeuge, die sogenannten Unimog- und Econic-Typen, sind mit Euro VI-Motoren ausgerüstet. Damit erfüllen die Kraftwagen die Abgasvorschriften der Euro VI-Regelung bereits ein dreiviertel Jahr vor Beginn der neuen europaweiten Emissionsnorm. Nach Unternehmensangaben ist Mercedes-Benz zurzeit der einzige Hersteller in Europa, dessen Lastkraftwagen durchgängig mit diesem neuen Motortyp ausgestattet sind. Auch die Lkw-Baureihen sind bereits mit der Antriebstechnik ausgestattet. Die Euro VI-Triebwerke sind auf einen niedrigen Kraftstoffverbrauch und eine effizientere Abgasreinigung ausgelegt. Damit sind die Sonderfahrzeuge trotz der aufwändigen Antriebskonstruktion insgesamt umweltschonender unterwegs. Zudem zeichnen sich Unimog und Econic nach Unternehmensangaben durch eine hohe Lebenserwartung, Zuverlässigkeit und lange Wartungsintervalle aus. Für die Fahrer sind die Modelle zudem leichter zu bedienen. Dazu hat Daimler die Arbeits- und Leistungshydraulik vereinfacht. Die Fahrerhäuser mit einem leicht zu erreichenden Einstieg sind neben einer modernen Freisichtkabine mit ergonomischen Verbesserungen ausgestattet. Rund 135 Millionen Euro hat Daimler in die neuen Produkte am Standort Wörth investiert. Laut Yaris Pürsün, Leiter des Bereichs Mercedes-Benz Special Trucks (MBS), setzen die Fahrzeuge neue Maßstäbe: Die neuen Baureihen stellen die Innovationsführerschaft des Unimog und Econic in deren Anwendungsbereichen wiederum eindrucksvoll unter Beweis. MBS ist ein eigenständiger Produktbereich innerhalb von Mercedes-Benz Lkw. Aktuell arbeiten rund MBS-Mitarbeiter an den Standorten Wörth und Molsheim. Foto: Daimler

17 17 nahaufnahme Daimler Ressourcenschonende Energieerzeugung im Mercedes-Werk Wörth am Rhein. Das Mercedes- Benz-Werk in Wörth hat 17 Millionen Euro in ein neues Blockheizkraftwerk (BHKW) investiert. Die Anlage soll helfen, jährlich etwa Tonnen Kohlendioxid (CO 2) einzusparen. Das entspricht den jährlichen CO 2-Emissionen von rund Haushalten. Zur Einweihung kam auch Ministerpräsidentin Malu Dreyer ins südpfälzische Wörth. Sie lobte das Kraftwerk als ökologischen Meilenstein. Dezentrale und umweltschonende Energieerzeugung sind wichtige Elemente der Energiewende, so Dreyer. Werkleiter Yaris Pürsün sagte: Das ist ein weiterer Schritt für eine noch ressourcenschonendere Produktion von Lastwagen. Der zweitgrößte Arbeitgeber in Rheinland-Pfalz produzierte 2012 rund Fahrzeuge. Das Blockheizkraftwerk erreicht einen Wirkungsgrad von über 85 Prozent Werkleiter Yaris Pürsün, Ministerpräsidentin Malu Dreyer und der Leiter Technischer Service Gerd Hermann nehmen das Blockheizkraftwerk in Betrieb (v.l.n.r). 45 Prozentpunkte mehr als konventionelle Kraftwerke. Der hohe Wirkungsgrad kommt durch gleichzeitige Erzeugung von Wärme und Strom zustande. Dazu kombiniert die Anlage einen erdgasbetriebenen Verbrennungsmotor mit angeschlossenen Generatoren. Das Kraftwerk produziert laut Unternehmen 13,2 Megawatt elektrische und 11,1 Megawatt thermische Leistung. Damit werden rund 40 Prozent des Strombedarfs und 25 Prozent des Wärmebedarfs abgedeckt. Mit dem Blockheizkraftwerk können wir jährlich rund 5,5 Millionen Euro einsparen - für uns eine ideale Kombination von Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit, so Pürsün. BorgWarner Turbolader-Hersteller erhält Auszeichnung als bester Lieferant Foto: Daimler Stuttgart/Kirchheimbolanden. BorgWarner Turbo Systems hat einen Daimler Supplier Award erhalten. Der Fahrzeughersteller verlieh die Auszeichnung auf dem Daimler Key Supplier Meeting 2012 in Stuttgart. Ausgezeichnet wurde BorgWarner für hervorragende Leistungen in Qualität, Preis und Lieferzuverlässigkeit. Wir freuen uns, zu Daimlers Erfolg beitragen zu können und sind sehr stolz, diese bedeutende Auszeichnung erhalten zu haben, sagte Frederic Lissalde, President und General Manager bei BorgWarner. BorgWarner beliefert Mercedes- Benz mit zahlreichen Turboladertechnologien. Die Aggregate verbessern beispielsweise bei Motoren die Kraftstoffeffizienz. Außerdem senken sie die Emissionen und steigern die Motorenleistung. Die erste serienmäßige zweistufige Aufladung in einem Mercedes-Benz-Diesel stammt von BorgWarner. Auch für den neuen Mercedes-Benz A45 AMG haben BorgWarner und Daimler zusammen gearbeitet. Das Ergebnis ist der nach Unternehmensangaben weltweit leistungsstärkste Vierzylindermotor, der serienmäßig eingebaut wird. Angetrieben wird der Motor von der BorgWarner Twin- Scroll-Turboladertechnik. Der 2,0-Liter-Benzinmotor erreicht eine Motorleistung von 265 kw (360 PS) und einen Drehmoment von bis zu 450 Newtonmeter. Gleichzeitig wird der Emissionsausstoß verringert und die Kraftstoffeffizienz auf einen durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch von 6,9 Litern auf 100 Kilometern verbessert. BorgWarner ist nach eigenen Angaben weltweiter Technologieführer für Hightech-Komponenten und Systeme für den Antriebsstrang. An 57 Standorten werden Produkte entwickelt, die die Leistung steigern und den Verbrauch reduzieren. Am Standort Kirchheimbolanden arbeiten Mitarbeiter. Dort werden Turbolader gebaut und dort befindet sich das weltweite Entwicklungszentrum.

18 18 service ferrum-serie: M+E-Berufe Fertigungsmechaniker Spezialisten für die Produktion Sven Daum hat im Mercedes-Benz- Lkw-Werk in Wörth eine Ausbildung zum Fertigungsmechaniker absolviert. Mittlerweile ist er Industriemeister und im Sonderfahrzeugbau tätig. Ein Wintermorgen in der Südpfalz: Sven Daum fährt mit seinem VW- Golf von Rheinzabern ins zwölf Kilometer entfernte Wörth. Auf dem Weg von seinem Wohnort zur Arbeit überholt er ein städtisches Räumfahrzeug, das die B9 von Schnee befreit und Salz streut. Beim Blick in den Rückspiegel sieht Daum den Mercedes-Stern auf dem Kühlergrill des orangefarbenen Unimog, lächelt und überlegt sich, ob er dieses Fahrzeug wohl mitgebaut hat. Solche Begegnungen sind für den 24-Jährigen sehr motivierend er arbeitet im Mercedes-Benz-Werk Wörth, dem größten Lkw-Werk der Welt. Sven Daum ist nicht an der Produktion von klassischen Lkws beteiligt. Sein Metier ist der Sonderfahrzeugbau für die Baureihen Unimog, Econic und Zetros. Diese hochspezialisierten und robusten Fahrzeuge kommen beispielsweise bei der Müllentsorgung, der Feuerwehr oder dem Winterdienst zum Einsatz. Ich bin sowohl in der Produktion als auch der Entwicklung von Neufahrzeugen tätig. Das sind Produkte, deren Serien fertigung erst noch anläuft und die noch nicht auf dem Markt sind, erklärt Daum. Diese neuen Fahrzeugmodelle sind beispielsweise auf Messen zu sehen. Außerdem dienen sie dazu, die spätere Produktion großer Stückzahlen vorzubereiten. Daum ist für diese anspruchsvollen Aufgaben gut gerüstet. Der 24-Jährige ist bereits Industriemeister. Ausgebildet wurde er zum Fertigungsmechaniker. Diese Ausbildung existiert seit Zugeschnitten ist sie speziell auf die Foto: MSc

19 19 service Belange von Produktionsprozessen: Fertigungsmechaniker montieren Einzelteile oder Baugruppen zu industriellen Serienerzeugnissen, von Küchengeräten über Kraftfahrzeugkomponenten bis hin zu Maschinen und ganzen Anlagen (siehe Kasten Das Berufsbild ). Fertigungsmechaniker gehen stärker in die Breite als in die Tiefe. Sie bringen auch Verständnis für die logistischen Prozesse mit, ohne die eine Serienfertigung nicht funktionieren kann, erklärt Rainer Fischer. Der 52-Jährige ist in Wörth für die Ausbildung der Fertigungsmechaniker verantwortlich und zwar seit Wenn ich heute durch das Werk laufe, begegne ich überall ehemaligen Azubis. Das zeigt, wie vielseitig Fertigungsmechaniker eingesetzt werden, resümiert Fischer den Erfolg des jungen Berufs.»Es ist gut, dass man schon früh die Lehrwerkstatt verlassen hat.«sven Daum war schon früh klar, dass er später einen technischen Beruf ergreifen werde. Schon als Kind habe ich meinem Vater zu Hause in der Werkstatt geholfen, an Motoren geschraubt und Metall bearbeitet, erzählt er. Von seinem Vater habe Daum viel gelernt, unter anderem Schweißen und den Umgang mit Hydraulik. Ich habe einen Beruf gesucht, der all das abdeckt und bin schließlich auf den Fertigungsmechaniker gestoßen. Die Bewerbung bei Daimler in Wörth war nach der Entscheidung für diesen Beruf einfach. Das Lkw-Werk ist nicht allzu weit von Daums Wohnort entfernt. Zudem arbeiten Familienangehörige des jungen Mannes in dem Konzern. Außerdem gefallen mir die Entwicklungsmöglichkeiten bei Daimler sehr gut, sagt Daum. Dessen Lehre begann mit einer Metall-Grundausbildung. Auch kleinere Projekte haben wir dabei schon als Team umgesetzt, erinnert sich Daum. Im zweiten Lehrjahr stand Schweiß- und Steuerungstechnik auf dem Lehrplan, zudem Drehen, Fräsen, Hydraulik und Elektrik. Doch bereits im zweiten Lehrjahr wurde Daum immer wieder an verschiedenen Stellen in der Fertigung eingesetzt. Es ist gut, dass man schon früh die Lehrwerkstatt verlassen hat, sagt der Industriemeister. Das habe dazu geführt, dass er am Ende seiner Ausbildung einen guten Überblick über die Arbeit im größten Lkw-Werk der Welt hatte. Bei den Einsätzen in der Fertigung werden die Auszubildenden von Fachausbildern des betreffenden Bereichs unterstützt. Die Fachausbilder bringen einem alles Nötige bei, um die verschiedensten Arbeiten eigenständig zu erledigen, beispielsweise einen Kühler zusammenzubauen, erklärt Daum. Am Ende der Ausbildung haben die angehenden Fertigungsmechaniker so jedes Element kennen gelernt, das in der Bausatzabteilung gefertigt wird. Genau diese Kenntnis der einzelnen Vormontageschritte sind es, die Daum so interessant findet: Als Fertigungsmechaniker kann man bei jedem einzelnen Arbeitsschritt zum Einsatz kommen. Durch die großen Unterschiede der einzelnen Baureihen gibt es dabei eine sehr große Vielfalt an Tätigkeiten. Das finde ich spannender als die Endmontage der Fahrzeuge. das berufsbild Die Arbeiten in der Vormontage finden immer in Teams statt. Fischer spricht von Einzelarbeit in Teams : Auch wenn jeder seine spezielle Aufgabe zu erfüllen hat, müssen die Arbeiten insgesamt genau aufeinander abgestimmt sein, erklärt der Ausbilder. Teamfähigkeit sei daher ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der jährlich rund 20 zu besetzenden Stellen im Ausbildungsberuf Fertigungsmechaniker. Doch nicht nur Teamfähigkeit sollten Interessenten mitbringen. Notwendig sind zudem sehr gute Mathe- und Physikkenntnisse sowie ein gutes technisches Grundverständnis. Und ein hohes Maß an Eigenverantwortung ist unerlässlich, um später in der Fertigung seinen Job gut zu erledigen: Nach Montage der einzelnen Baugruppen überprüfen Fertigungsmechaniker ihr Werkstück und bestätigen ihre Überprüfung mit einem Stempel. Das ist wichtig, um bei späteren Reklamationen schnell den richtigen Ansprechpartner zu finden. Häufig kommen solche Reklamationen nicht vor. Die Mercedes-Benz Lastwagen und Sonderfahrzeuge gelten als sehr zuverlässig. Sven Daum wird so kaum in Verlegenheit kommen, einmal auf ein liegengebliebenes Fahrzeug aus der Wörther Produktion zu treffen. Obwohl auch dass seiner Motivation keinen Abbruch tun würde. VIDEO auf Fertigungsmechaniker montieren Einzelteile oder Baugruppen zu industriellen Serienerzeugnissen, von Küchengeräten über Kraftfahrzeugkomponenten bis hin zu Maschinen und ganzen Anlagen. Sie fügen Einzelteile oder schon zusammengesetzte Baugruppen durch Schraub-, Bolzen-, Klemm-, Steck- oder Klebeverbindungen zu Maschinen, Apparaten und Geräten zusammen. Sie verlegen auch Kabel oder elektrische Leitungen, befestigen sie und schließen sie an. Nach der Montage stellen sie sicher, dass die zusammengesetzten Erzeugnisse einwandfrei funktionieren. Darüber hinaus achten sie darauf, dass automatisierte Fertigungsprozesse optimal ablaufen und sichern den Materialfluss. Fertigungsmechaniker warten zudem ihre Maschinen, Geräte und Systeme, rüsten sie um und arbeiten bei deren Modernisierung mit. Quelle: BERUFENET ein Angebot der Bundesagentur für Arbeit

20 Denn als Kernelement der Arbeitsteilung sichern Werkverträge die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die Existenz von zehntausenden Handwerksbetrieben, Dienstleistern und Industrieunternehmen Mit Sicherheit gerecht: Soziale Marktwirtschaft insm.de/gerechtigkeit facebook.com/marktwirtschaft

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