Stellungnahme zum Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem das Umweltinformationsgesetz (UIG) geändert wird

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1 An das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft Stubenring Wien Per Mail an: in Kopie an: Wien, 12. Mai 2015 GZ: BMLFUW-UW.1.4.1/0041-I/1/2014 Stellungnahme zum Entwurf eines Bundesgesetzes, mit dem das Umweltinformationsgesetz (UIG) geändert wird Sehr geehrte Damen und Herren, Wir bedanken uns für die Möglichkeit zum vorliegenden Begutachtungsentwurf des Umweltinformationsgesetzes (UIG) Stellung nehmen zu dürfen. ÖKOBÜRO ist die Allianz der Umweltbewegung. Dazu gehören 16 österreichische Umwelt-, Natur- und Tierschutz-Organisationen wie GLOBAL 2000, Greenpeace, Naturschutzbund, VIER PFOTEN oder der WWF. ÖKOBÜRO arbeitet auf politischer und juristischer Ebene für die Interessen der Umweltbewegung. Justice & Environment ist ein Umweltrechtsnetzwerk welches sich auf EU-Ebene für die Verbesserung umweltrechtlicher Instrumente und auf nationaler Ebene für eine richtige Umsetzung europäischen und internationalen Umweltrechts einsetzt. Wir begrüßen die Initiative zum Ausbau des Rechtsschutzes für Informationssuchende als positiven Schritt in Richtung weiterer Umsetzung der Aarhus Konvention zur Partizipation in Umweltangelegenheiten. Die wesentlichen Inhalte des Begutachtungsentwurfes beziehen sich auf die Anpassung an die SEVESO III-RL. Für ÖKOBÜRO ist jedoch insbesondere die Umsetzung der Entscheidung des Aarhus Convention Compliance Committees gegen Österreich (ACCC/C/2010/48) und die dafür vorgesehene Beschleunigung der Verfahren zum Rechtsschutz in 8 UIG von Bedeutung. Die Beschleunigung des UIG-Verfahrens in Österreich ist dringend geboten. Verfahrensdauern von über einem Jahr für die Erteilung von schlichten Auskünften wie Pegelständen und dergleichen sind nicht nachvollziehbar, aber gemäß UIG möglich. Dies wiederspricht jedoch klar den Vorgaben der Aarhus- Konvention und der Rechtsprechung des EuGH.

2 2 Für ÖKOBÜRO Allianz der Umweltbewegung sowie Justice & Environment sind die folgenden Punkte wesentlich: 1. Rasche Umsetzung rechtlich geboten Verfahren, Entscheidungen und die Annahmen von Empfehlungen des ACCC erfolgen gemäß dessen Grundlage MoP Decision I/7 Z 36, 37 im Einvernehmen mit den betroffenen Staaten, sodass die Republik Österreich schon mit den Findings aus 2011 eine Pflicht zur Umsetzung hatte. Erst durch die Untätigkeit kam es schließlich zur rechtlich verbindlichen Feststellung der Findings durch die 5. Vertragsstaatenkonferenz im Juli 2014, welche Österreich auch für die weitere Untätigkeit seit dem Jahr 2011 rügte. Die Entscheidung Vertragsstaatenkonferenz lautet wie folgt (ECE/MP.PP/2014/L.11): 1. Endorses the following findings of the Committee with regard to communication ACCC/C/2010/48: (a) The requirement for a separate official notification as a precondition for an appeal of a denial of an information request is not in compliance with article 4, paragraph 7, of the Convention; (b) The Party concerned, by not ensuring access to a timely review procedure for access to requests for information, is not in compliance with article 9, paragraph 4, of the Convention; Die Vertragsstaatenkonferenz und das ACCC stellen demnach klar, dass die Regelung, wonach bei einer Ablehnung einer UIG-Anfrage zuerst ein Bescheid beantragt und dann ausgefertigt werden müsse beides verbunden mit langen Entscheidungsfristen der Aarhus Konvention widerspreche. Außerdem wurde Österreich dazu aufgefordert, rasch legistische Maßnahmen zur Korrektur der Rechtslage zu setzen. Die EU-Kommission führt derzeit in derselben Sache ein PILOT-Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich (4613/13/ENVI). 2. Schneller Informationszugang ist Grundprinzip der Informationsfreiheit UIG-Verfahren sollten schnell ablaufen. Das heißt, die Zeit zwischen einer UIG-Anfrage und der Antwort sollte möglichst kurz sein. Es liegt in der Natur der Sache, dass Informationssuchende die Informationen regelmäßig schnell brauchen. Ein Grundsatz der Informationsfreiheit und für den Umweltbereich der Aarhus Konvention ist, dass dem Staat bekannte Informationen auch den BürgerInnen zugänglich zu machen sind bzw. auch diesen gehören und es bis auf wenige Ausnahmen keinen Grund gibt, diese Informationen zurückzuhalten. Deshalb müssen die Verfahren schnell, fair und transparent ablaufen. Die Aarhus Konvention und darauf aufbauend die EU-Richtlinie 2003/4/EG (Umweltinformationsrichtlinie) regeln daher, dass die Informationen so schnell wie möglich, spätestens aber ein Monat nach Eintreffen der Anfrage herausgegeben werden müssen. Die Verordnung der EU zum Informationszugang, die weit über den Umweltbereich hinausgeht, sieht überhaupt eine Frist von nur zwei Wochen vor. Die Fristen in Informationsfreiheitsgesetzen anderer Staaten sind regelmäßig ebenfalls eher in Tagen als Wochen berechnet. Zu betonen ist, dass es sich hier um Maximalfristen handelt, die im Regelfall nicht ausgeschöpft werden sollen. 3. EuGH: Rasche Verfügbarkeit bestimmt den Wert des Informationszugangs Auch der EuGH (Rs C-186/04, Housieaux) betont in seiner Rsp zur Umweltinformationsrichtlinie, dass der Schlüssel des Informationszugangs in der raschen Verfügbarkeit liegt (Rz 28): Wie die Generalanwältin in Nummer 24 ihrer Schlussanträge festgestellt hat, hängt der Wert dieser Informationen zum großen Teil davon ab, dass die Einzelnen möglichst rasch darüber verfügen können.

3 3 Weiters stellt der EuGH in derselben Rechtssache klar, dass das bloße Schweigen der Behörde bereits als stillschweigende ablehnende Erledigung zu sehen ist, welche den Weg zum Rechtsschutz eröffnet (Rz 31ff). Die österreichische Rechtslage widerspricht jedoch diesen Zielen und Vorgaben Abs 1 UIG neu: Verkürzung der Bescheid-Frist auf zwei Monate Die Verkürzung der Frist zur Erlassung des Bescheides auf zwei Monate ist uneingeschränkt zu begrüßen. Dadurch wird die gem AVG geltende Frist von sechs Monaten derogiert. ÖKOBÜRO hält diesbezüglich fest, dass der überwiegende Teil aller Umweltinformationsfälle problem- und reibungslos sowie zur Zufriedenheit der Beteiligten abgewickelt wird. Die Frage des Rechtsschutzes und der Ausschöpfung bzw Überreizung der Fristen kommt nur selten zum Tragen, muss allerdings dort schnell geklärt werden können, da es sich dabei oft um (politisch) brisante Fälle handelt. Dies konnte ÖKOBÜRO in zahlreichen Fällen gegenüber dem ACCC und der EU-Kommission nachweisen. Aus diesem Grund betonen sowohl das ACCC als auch der EuGH die Bedeutung des raschen Zugangs zu Umweltinformationen bzw im Falle der Ablehnung den ebenso raschen Zugang zu einem Gericht. Die Verkürzung der Frist auf zwei Monate ist deshalb der richtige Schritt, den wir ausdrücklich begrüßen. 5. Der Antrag auf einen Bescheid gem 8 Abs 1 muss gleichzeitig mit dem Informationsantrag möglich sein Nach der Rechtsprechung (vgl UVS Tirol 2007/K13b/1867-3, UVS Wien UVS-MIX/42/250/2008-3), dem Kommentar zum Umweltinformationsgesetz (Ennöckl/Maitz, Umweltinformationsgesetz 6, Z 10, S 48) und der Praxiserfahrung von ÖKOBÜRO und anderer Akteure der Umweltbewegung war bisher das gleichzeitige Stellen eines Informationsansuchens und des Antrags auf Bescheid nicht möglich. Es musste daher immer eine Entscheidung/Unterlassung abgewartet werden, bis der Antrag gestellt werden konnte. Frühere Anträge wurden zurückgewiesen. Dies führte zu erheblichen Verzögerungen, da die Frist von sechs Monaten für die Erlassung des Bescheides erst mit der Stellung des Bescheidantrages zu laufen begann. Auch mittels der nunmehrigen Klarstellung in den erläuternden Bemerkungen, wonach der Bescheidantrag gleichzeitig mit der UIG-Anfrage gem 5 möglich sei, ist die Rechtslage aus unserer Sicht bislang nicht geklärt. Eine gesetzliche Klarstellung ist notwendig. Wir fordern daher, dass die negative Erledigung einer Anfrage gem 5 UIG bereits verpflichtend in Bescheidform erfolgen soll, oder aber zumindest 8 UIG wie folgt zu ergänzen ist: 8 (1) Werden die verlangten Umweltinformationen nicht oder nicht im begehrten Umfang mitgeteilt, so ist auf Antrag des/der Informationssuchenden hierüber ohne unnötigen Aufschub, spätestens aber zwei Monate nach dessen Einlangen, ein Bescheid zu erlassen. Dieser Antrag auf einen Bescheid im Falle der negativen Erledigung kann auch bereits gleichzeitig mit der Informationsanfrage gem 5 Abs 1 gestellt werden. 6. Fristverkürzung gem 8 Abs 1 im Rechtsschutzverfahren Der vorliegende Entwurf sieht in 8 Abs 1 vor, dass ohne Aufschub, spätestens jedoch nach zwei Monaten ab Antrag ein Bescheid über die Nicht-Erteilung bzw. mangelhafte Erteilung der Umweltinformationen zu erlassen ist. Die maximale Dauer von der Stellung der Informationsanfrage bis hin zur Erlassung des Bescheides beträgt somit vier Monate (zwei Monate gem 5 UIG, zwei Monate gem 8 UIG).

4 4 Nicht verkürzt wurde die Frist im Rechtsschutzverfahren selbst. Sie beträgt weiterhin zwei Monate zur Vorentscheidung (drei im Säumnisfall) durch die belangte Behörde sowie zusätzlich sechs Monate Frist für das Verwaltungsgericht. Somit können zwischen Stellung der Anfrage bis hin zur Entscheidung der Rechtsschutzinstanz bis zu zwölf, bzw. im Säumnisfall 13 Monate vergehen. Dies könnte mit einer Fristverkürzung auch im Rechtsmittelverfahren selbst geklärt werden. Textvorschlag: 8 (6) Im Verfahren über Beschwerden wegen Verletzung der Entscheidungspflicht gemäß Art. 130 Abs. 1 Z 3 B-VG kann die Behörde innerhalb einer Frist von bis zu zwei Monaten den Bescheid erlassen. (7) Das angerufene Verwaltungsgericht hat über Beschwerden ohne unnötigen Aufschub, spätestens aber zwei Monate nach deren Einlangen zu entscheiden. 7. Exekution Um den effektiven Rechtsschutz zu gewährleisten, ist die Frage der Exekution von erfolgten Entscheidungen gegen informationspflichtige Stellen relevant. Verweigert die betroffene Stelle trotz der Entscheidung beharrlich die Auskunft, fehlt bisher ein Mittel zur zwangsweisen Durchsetzung. Sichtbar wurde dies auch in einem Fall von ÖKOBÜRO, in der nach einer Anfrage die ASFINAG die Erteilung der Umweltinformation verweigerte. Die Aufsichtsbehörde das Verkehrsministerium entschied, dass die Information im konkreten Fall herauszugeben sei. Trotz des Bescheides weigerte sich die ASFINAG jedoch, dem nachzukommen. Hier empfiehlt ÖKOBÜRO die Einführung von Zwangsgeld, sollte die belangte Stelle der Entscheidung aus Bescheid oder Erkenntnis nicht nachkommen und die Kontrollinstanz nicht selbst in der Lage sein, die entsprechenden Informationen einzuholen. 8. Einheitliche Fristen Bei der Anpassung der Fristen sollte auf die Einheitlichkeit zwischen dem Bundes-UIG und den UIGs der Länder geachtet werden, da ein Auseinanderfallen der Fristen zu Unklarheiten führen wird. Schon jetzt kann es immer wieder fraglich sein, welches UIG anzuwenden ist, bzw. wird in den Kommentaren von der parallelen Anwendung von Bundes- und Landes-UIG ausgegangen (vgl dazu Büchele/Ennöckl, Umweltinformationsgesetz 3, S 32). Eine Vereinheitlichung müsste sowohl den Berechnungszeitraum (Anzahl der Monate) als auch die Zeitangabe (Monate/Wochen) beachten, sowie Parallelen im zukünftigen Informationsfreiheitsgesetz berücksichtigen. 9. Umsetzung der SEVESO III Richtlinie Im Zuge der Umsetzung von SEVESO III sollen bestimmte Tatbestände aus der Gewerbeordnung ins UIG überführt werden. Diesbezüglich befürchten wir, dass dies zu einer systemfremden Vermischung von Materien führt und daher von den Rechtsunterworfenen übersehen werden könnte. ÖKOBÜRO lehnt daher diese Verschiebung ab. 10. Sprachliche Änderungen der Novelle Angemerkt sei noch die etwas befremdliche Entfernung der momentan bereits enthaltenen geschlechtergerechten Sprache in den Änderungen des 14 im Zuge der Anpassungen zu SEVESO III.

5 5 11. ÖKOBÜRO- Positionspapier ÖKOBÜRO begrüßt ausdrücklich die Verkürzung der Frist zur Bescheiderlassung auf zwei Monate und hofft auf die Berücksichtigung der oben genannten Punkte. Weitere Erläuterungen finden Sie in unserem Positionspapier zum Umweltinformationsgesetz. Mit freundlichen Grüßen, Mag. Thomas ALGE Geschäftsführer ÖKOBÜRO, im Namen von ÖKOBÜRO Allianz der Umweltbewegung und Justice and Environment

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