Sag, welch wundersame Träume halten meinen Sinn umschlungen

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1 Hernerpark in Horgen Sag, welch wundersame Träume halten meinen Sinn umschlungen Richard Wagner in Zürich Samstag, 17. August 2013 Sonntag, 18. August 2013 Willkommen bei der ZKB in Horgen. Gemeinde Horgen

2 Im kantonalen Bankenkonzert spielen wir die erste Geige.

3 Der Park er ladet... Liebe Gäste Bereits zum fünften Mal stehen am 17. und 18. August 2013 die Tore zum Hernerpark weit offen. Sie stehen offen für Menschen, die es zu schätzen wissen, Kultur zu erleben und gleichzeitig einen Park mit seinem einzigartigen Pavillon und seiner Weite hinaus auf den See zu geniessen. Dies alles ist einmalig. An diesen beiden Abenden verschmelzen Musik und Park zu einem einzigen Kulturerlebnis. Dem Pavillon kommt dabei eine besondere Rolle zu. Es sind diese Abende, die uns aus dem hektischen Alltag reissen und in eine ganz andere, ruhigere Welt entführen. Dass diese Musikabende überhaupt möglich sind, dafür gebührt unser herzlicher Dank dem Parkbesitzer Hans Georg Schulthess und dem gesamten Organisationsteam. Der Park er ladet ein zu einem kulturellen Highlight. Herzlich willkommen! Walter Bosshard alt Gemeindepräsident 3

4 Liebe Hernerpark-Konzertfreunde Auch im Hause meiner Ur-Ur-Grosseltern Streuli- Maurer im Heilibach Horgen hatte die Liaison Richard Wagners mit Mathilde Wesendonck ihren Niederschlag gefunden. In einem Brief vom 17. August 1858 schreibt Caroline Streuli-Maurer an ihren 19-jährigen Sohn Emil Streuli nach New York: «In Zürich soll ein grosser Skandal sein, über die Frau von Wesendonck und Richard Wagner. Wagners Frau habe beim Gericht Briefe deponiert und wolle sich scheiden lassen. Auch Herr Wesendonck wolle es tun. Die Hausfreunde nehmen doch immer ein schlechtes Ende, sowie der Uebermut und Leichtsinn.» Doch Frohmut und Frohsinn sollen Sie hier im Hernerpark für eine Weile in eine musikalische Welt entführen. Dazu wünsche ich viel Vergnügen. (Der Hausherr) Hans Georg Schulthess 4

5 Wagner und Zürich Richard Wagner und Zürich, der Meister des Monumentalen und die beschauliche Kleinstadt wie passt das zusammen? Ganze neun Jahre, von , verbrachte der Komponist in Zürich. Eigentlich wollte er nie hierher kommen. Er wollte nach Paris. Zürich war nur als Zwischenstation geplant sie wurde zu einer Epoche, die ihn mehr prägen sollte, als er je hätte ahnen können. Ohne Zürich gäbe es Wagners Werk in seiner endgültigen Ausformung nicht hatte sich Wagner aktiv am Aufstand gegen den sächsischen König beteiligt. Nachdem der Aufruhr kläglich gescheitert war, wurden dessen Urheber steckbrieflich gesucht; unter ihnen auch Wagner. Heute würde man wohl sagen: Er war auf einer Terroristen-Liste. Er musste das Land verlassen. Über die Schweiz wollte der Flüchtling nach Paris weiterreisen. In seinen Memoiren schildert er aber den Moment, wie er von Hottingen mit der Postkutsche kommend auf die Stadt blickte und beschloss, hier zu bleiben. «Höchster Wohlstand, Freiheit und erhabener Naturreiz liegen hier wie durch Zauber vor mir», schreibt er. 5

6 Wagner war der erste Opernkomponist, der die Natur als Handlungsträgerin auf die Bühne brachte: Der Rhein mit seinen Nixen, der Walkürenfelsen, Siegfrieds Wald mit dem Vogel, der ihn zum Zwiegesang anregt, die blühende Wiese am Karfreitag im «Parsifal» sind tragende Elemente des Bühnengeschehens, die musikalisch ausgemalt werden und nicht einfach nur Dekoration sind. Diese Inspiration durch die Natur fand Wagner nach eigenen Angaben in der Schweiz, und sie hielt ihn erst in Zürich, später in Triebschen bei Luzern. Aber er blieb auch der Menschen wegen. Zürich hatte seit den 1830er-Jahren eine liberale Regierung die auch nicht vom sogenannten Züri-Putsch weggefegt werden konnte, und das zog schon vor Wagner viele seiner Landsleute an. Da waren die Kaufmannsfamilie Wille in Feldmeilen, die Wesendoncks in der Enge, aber auch politische Flüchtlinge, darunter einige Künstler und Schriftsteller. Es gab die «ganze Grundsuppe grossstädtischer Verhältnisse», wie Gottfried Keller es nannte, und das in einer Stadt die knapp Einwohner hatte! Aber bereits im 18.Jahrhundert galt das aufgeklärte Zürich als «Limmat- Athen», weil hier auf kleinstem Raum sehr viele namhafte Gelehrte zu finden waren (kein Geringerer als Goethe unternahm deshalb seine erste Schweizerreise). Diese Kultur hatte sich erhalten; und mit der liberalen Verfassung gehörte der Kanton Zürich zu den fortschrittlichsten Staatsgebilden der Welt. Wagner fühlte sich wohl in dieser Umgebung. Die Zürcher Jahre waren die produktivsten seines Lebens: Er entwarf die Skizzen zu seinem Monumentalwerk «Ring des Nibelungen», zu «Tristan und Isolde», er komponierte die «Wesendonck- Lieder» und verfasste viele seiner wegweisenden Schriften wie «Das Theater der Zukunft» oder «Oper und Drama». Wagner wurde von der Zürcher Bevölkerung verehrt wie kein zweiter. Es gab hier die ersten Wagner-Festspiele überhaupt. Nach einem Konzert, so berichtete die NZZ, wurde der Meister mit Kränzen beworfen! Er wurde immer 6

7 wieder gebeten, sich aktiv für die Förderung der Musik in Zürich einzusetzen, insbesondere für die dauerhafte Errichtung eines Theaters, was er mit dem Artikel «ein Theater für Zürich» tat. Denn trotz des offenen Geistes verfügte die Stadt nicht über die Infrastruktur, die es für ein Musikleben mit Ausstrahlung brauchte. Das gilt vielleicht auch für die Komponisten, die in Zürich tätig waren, schrieben sie doch fast ausschliesslich kammermusikalische Werke. Da ist einmal Wilhelm Baumgartner zu nennen, der wie alle seiner Generation als Chorleiter und Lehrer wirkte, daneben aber viele, zum Teil recht erfolgreiche Lieder komponierte. Grosse Formen finden sich nicht in seinem Werk und das, obschon Baumgartner Wagners Schriften bewunderte und ihn als zukunftsweisenden Komponisten betrachtete. Baumgartners Lieder sind von einer sehr einprägsamen Melodik, harmonisch auf der Höhe der Zeit, aber keineswegs von Wagner inspiriert. Johann Carl Eschmann darf als einer der begabtesten Schweizer Komponisten überhaupt angesehen werden. Er war von Wagner ebenfalls sehr angetan und Wagner widmete ihm eine Serenade. Eschmanns Musik ist aber eher dem Ideal eines Mendelssohn oder Schumann verpflichtet Musik, von der sich Wagner vehement distanzierte. Eschmann komponierte ebenfalls hauptsächlich Lieder, ging aber harmonisch viel weiter als Baumgartner. Vom Gestus, vom Umfang der Singstimme, dem technischen Anspruch der Begleitung oder der unkonventionellen Besetzung her (Horn- oder Cellobegleitung), gibt es bei Eschmann immer wieder Überraschungen. 7

8 Wie sehr Zürich in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Treffpunkt berühmter Musiker war, dafür steht eine junge Frau, beziehungsweise deren Album: Fanny Hünerwadel aus Lenzburg ( ). Sie hatte, wie Eschmann und Baumgartner, Klavierunterricht bei Alexander Müller, dem Pianisten und Komponisten aus Deutschland, der sich in Zürich niederliess und vor Wagner das Musikleben wesentlich prägte. Daneben sang sie und komponierte Lieder. Sie muss der reizende Mittelpunkt vieler Zürcher Soireen gewesen sein. Niederschlag fand die Bewunderung für sie in ihrem Musik-Album, in welchem sich Franz Liszt, Henri Vieux temps, Carl Eschmann oder eben Richard Wagner (mit einer Skizze zu «Siegfrieds Tod») und viele andere verewigten. Dieses Album ist ein wahrer Schatz. Gerade mal ein Jahr lang sammelte Fanny Hünerwadel ihre musikalischen Grüsse, dann begab sie sich auf eine Bildungsreise nach Rom, von der sie nicht zurückkehrte: Sie starb im zarten Alter von 28 Jahren an Typhus. Das Umfeld, in das Wagner kam, war einer Grossstadt also ebenbürtig, aber sie entbehrte der Vorschriften einer adligen Obrigkeit wie in Dresden oder des Diktats eines verwöhnten Weltstadtpublikums wie in Paris ideale Voraussetzungen für die produktive Arbeit eines freien Geistes. Und natürlich war da noch die ganze persönliche Inspiration durch die Liaison mit Mathilde Wesendonck, der 8

9 Gattin des reichen, aus New York zurückgekehrten deutschen Kaufmanns, der sich in der Enge in einem grossen Park eine prächtige Villa bauen liess. Hier, in einem Häuschen im Park, fand der Komponist sein Asyl. Über die Beziehung zu Mathilde wurde viel geschrieben und gemunkelt. Sie war der Grund für das Scheitern von Wagners erster Ehe, und der Grund, warum Otto Wesendonck dem Komponisten die finanzielle Unterstützung entzog. Wagner und Mathilde betonten aber stets, dass sie sich nur im Geiste nahe waren. Diese geistige Beziehung äusserte sich indessen sehnsuchtsvoll und leidenschaftlich; sie war für Wagner immerhin die Quelle der Inspiration zu «Tristan und Isolde», und mit der Vertonung einiger Gedichte von Mathilde Wesendonck schuf Wagner seine einzigen Lieder (notabene die einzigen Vertonungen fremder Texte). Das Werk eines Richard Wagner braucht aber letztlich einfach die passende Infrastruktur. Und das konnte Zürich, trotz Verehrung für den Meister, nicht bieten. Die letzten Anfragen zum Dirigieren des hiesigen Orchesters der allgemeinen Musikgesellschaft lehnte er ziemlich schroff ab, weil die Verantwortlichen nicht imstande waren, die nötige Professionalisierung des Klangkörpers einzuleiten. Wagners Kunst kostete Geld damals wie heute. Das und nur das war der pragmatische Grund, warum sich der Antikapitalist Wagner mit der Bourgeoisie, warum sich der Anarchist Wagner später sogar mit einem Monarchen, dem Bayernkönig Ludwig, einliess. Es mag skrupellos, ja beinahe frivol wirken, wie Wagner seine Geldgeber austauschte. Aber Wagner stellte das Kunstwerk sein Kunstwerk über alles. Er war der erste, der die Meinung vertrat, dass die Kunst sich selbst genüge, dass sie nicht Mittel zu etwas anderem sei, dass es, von den Grundbedürfnissen abgesehen, nichts anderes im Leben brauche. Das mag arrogant klingen. Aber wenn man bedenkt, dass die Herrscher seiner Zeit die weitaus höchsten Ausgaben für Kriege verwendeten, dass die Bourgeoisie das Geld lieber hortete, als es für die Allgemeinheit einzusetzen dann darf man sich mit Recht fragen, ob es nicht besser investiert gewesen wäre in Wagners Werk. Die Konsequenz dieses Denkens war letztlich das Errichten eines eigenen Tempels, des Festspielhauses in Bayreuth, des ersten, vollkommen demokratischen 9

10 Theaters ohne Logen, wo es in der Pause statt Champagner und Lachs Bier und Weisswürste gibt... Ob diese Demokratisierung auch eine Inspiration aus der Schweiz war? Sicher ist, dass die Festspielidee eine schweizerische ist, denn über Jahrhunderte bildeten Gedenkspiele zu grossen Schlachten oder dem Eintritt eines Kantons in die Eidgenossenschaft, bei der hunderte von Personen mitspielten, die einzige Theaterkultur in der Schweiz. Das weihevolle, oft von Chorgebeten geprägte Spiel war ganz auf Wagners Linie. Denn für ihn war Theater nicht Unterhaltung, nein: Das Bühnengeschehen soll zu nichts weniger als zur Erlösung führen. Erlösung hätte auch Wagners Werk selbst nötig: Erlösung von der Vereinnahmung durch die übelste Demagogie aller Zeiten zu der Wagner selbst leider viel beigetragen hat mit seiner antijüdischen Schrift «Das Judentum in der Musik», die eigentlich nichts weiter war als die persönliche Abrechnung mit erfolgreichen jüdischen Kollegen, die ihm vor der Sonne standen. Hätte man ihm hier in Zürich die nötige Infrastruktur geben können, gäbe es jetzt keine Bayreuther Festspiele mit einer belasteten Vergangenheit, sondern... Nun, das Bayreuther Festspielhaus gleicht jedenfalls der Villa Wesendonck in der Enge und liegt wie diese auf einem grünen Hügel... Raimund Wiederkehr 10

11 Ein Besuch bei Wesendoncks, in Erwartung des berühmten Flüchtlings Szenisch-musikalische Erzählung von Raimund Wiederkehr Personen: Christof Oswald, Sprecher Johann Carl Eschmann, Komponist Stephanie Bühlmann, Sopran Fanny Hünerwadel Ornella Lapadula, Sopran Mathilde Wesendonck, Dichterin Michael Raschle, Bariton Otto Wesendonck, ihr Gatte Raimund Wiederkehr, Tenor Wilhelm Baumgartner, Komponist Christian J. Jenny, Tenor Richard Wagner, Komponist Regula Maurer, Cello Heiner Wanner, Horn Philipp Mestrinel, Klavier 11

12 Programm 12 Johann Carl Eschmann ( ) Klavierstück in es-moll Fantasiestück in F-Dur für Horn und Klavier Richard Wagner ( ) «Im Treibhaus» (Wesendonck) J. C. Eschmann «Denn du bist fern» (Geibel) Wilhelm Baumgartner ( ) «Du bist wie eine Blume» (Heine) J. C. Eschmann «Um Mitternacht» (Eichendorff) W. Baumgartner «Wenn die Sonne lieblich schiene» (Eichendorff) J. C. Eschmann «Widmung» (Eichendorff) W. Baumgartner «Im wunderschönen Monat Mai» (Heine) R. Wagner «Schmerzen» (Wesendonck) J. C. Eschmann «In die Veilchen» (Volksweise), Duett «Wie kommt s, dass ich so traurig bin» (Volksweise), Duett

13 «Zwei Heimgekehrte» (A. Grün) «Es schienen so golden die Sterne» (Eichendorff) R. Wagner «Stehe still» (Wesendonck) PAUSE J. C. Eschmann Klavierstück in B-Dur W. Baumgartner Abendlied an die Natur (Keller) J. C. Eschmann «In die Alpen», Schweizerlied W. Baumgartner «An den Abendstern» (Geibel) J. C. Eschmann «Zwiegesang» (R. Reinick) R. Wagner «Engel» (Wesendonck) Szene Davids aus dem 1. Akt der «Meistersinger» «Träume» (Wesendonck) Quintett aus dem 3. Akt der «Meistersinger» 13

14 Raimund Wiederkehr Konzept, Klavier, Tenor Stephanie Bühlmann Sopran Ornella Lapadula Sopran Christian J. Jenny Tenor 14

15 Michael Raschle Bariton Christoph Oswald Sprecher Regula Maurer Cello Heiner Wanner Horn Philipp Mestrinel Klavier 15

16 Chömed guet hei! Hernerpark in Horgen

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