SELF- TRACKING & MONITORING

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1 SELF- TRACKING & MONITORING Verfasser/in: Raphaela Keller, Franz Bach Referent/in: Dr. Edith Maier Seminararbeit an der FHS St.Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften 2012

2 FHS-Projektteam / Verfasser/in: Raphaela Keller Franz Bach Referent/in: Dr. Edith Maier Eingereicht am: 6. Januar 2012

3 Vorwort I Vorwort Das Modul Wirtschaftsinformatikseminar (WISE) ermöglichte uns, eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema Self-Tracking und Self-Monitoring. Dabei geht es darum, mit Hilfe einer neuen Generation von Hard- und Software-Werkzeugen, möglichst viele Daten über sich selbst zu sammeln. Ziel ist es, bessere Entscheidungen zu treffen, egal ob es um Gesundheit, Produktivität oder persönliche Zufriedenheit geht. In einem ersten Schritt haben wir verschiedene Begriffe rund um Self- Tracking & Monitoring durchleuchtet, um einen Überblick über das Thema zu erhalten. Anschliessend erfolgte eine Gliederung in homogene Bereiche, die auf hohem Level einen groben Überblick über die verschiedenen Anwendungsbereiche gibt. Weiter haben wir auch in die technische Richtung geforscht, um die Technologien und Konzepte, die Self- Tracking & Monitoring erst möglich machen, zu verstehen. Mit diesen Grundlagen war es möglich, auch die ökonomische Perspektive zu betrachten. Wir haben ein Marktmodell erstellt und verschiedene bestehende und mögliche neue Geschäftsmodelle untersucht. Zum Abschluss unserer Forschungsarbeit haben wir uns Gedanken darüber gemacht, was die grossen Herausforderungen rund um Self- Tracking & Monitoring sein könnten. Während der Arbeit stiessen wir auf verschiedene Herausforderungen. Dies hat damit zu tun, dass über die junge Thematik keine Literatur vorliegt und es sich um eine stark nutzergetriebene Entwicklung handelt, dessen Entwicklung schwierig vorhersehbar ist und sich fast ausschliesslich im Internet abspielt. Die Recherchearbeit beanspruchte den meiste Zeit unserer Arbeit und wir mussten wissenschaftliche Aspekte, wie z.b. Markt- oder Geschäftsmodelle vollkommen neu entwickeln. Teilweise war es frustrierend, weil wir unsere Arbeit nicht mit mehr Fakten und Ergebnissen anreichern konnten. Auf der anderen Seite haben wir einen völlig neuen gesellschaftlichen Trend untersuchen können, der uns sonst vielleicht verborgen geblieben wäre. Wir danken unserem Projektcoach, Frau Dr. Edith Maier, für ihre Unterstützung während des letzten Semesters. Sie hat uns mit dem Thema spannende Einblicke in gesellschaftliche Entwicklungen im Zusammenhang mit der Informations- und Kommunikationstechnologie gegeben. St.Gallen, im Januar 2012 Raphaela Keller, Franz Bach

4 Inhaltsverzeichnis II Inhaltsverzeichnis Vorwort... I Inhaltsverzeichnis... II Abbildungsverzeichnis... IV Tabellenverzeichnis... IV Abkürzungsverzeichnis... IV 1 Ausgangslage Einleitung und Abgrenzung Begriffe Self-Tracking Self-Monitoring Biotracking Ambient Assisted Living Self- Quantification SMART Mobile Health Übersetzung Anwendungsbereiche Sport Produktbeispiele Wellness & Lifestyle Produktbeispiele Gesundheitsbereich Produktbeispiele Technologien und Konzepte Messgrössen Vitaldaten Bewegungsdaten Umgebungsdaten Kommunikationsdaten Manuelle, persönliche Daten Problemfelder & Beurteilungskriterien... 15

5 Inhaltsverzeichnis III 5.3 Aufbau einer Sensormessung Trends der Sensorik Wunschvorstellungen von Anwendern an die Sensoren Datenaufbereitung / Präsentation / Software Tools / Endgeräte Markt- und Geschäftsmodelle Marktmodell Modell I: Hersteller von Endgeräten (Hard-/ Software) Modell II Vermittlung als Kerngeschäft Modell III Erweiterung oder Anreicherung bestehender Produkte Modell IV Vermittlung gegen Provision Ausblick Fazit Quellenverzeichnis... I Anhang A... II Vertraulichkeitserklärung... iii

6 Abbildungsverzeichnis IV Abbildungsverzeichnis Abb. 1: Die Anzahl neuer Mitglieder innerhalb eines Jahres... 1 Abb. 2: Anzahl neuer Unternehmen, die Services oder Tools im Bereich Self-Tracking verkaufen... 2 Abb. 3: Verschiedene Anwendungsbereiche von Self-Tracking... 6 Abb. 4: Aufbau einer Sensormessung Abb. 4: Marktmodell für Self- Tracking & Monitoring Produkte und Dienstleistungen Tabellenverzeichnis Tab. 1: Dimensionen des Marktmodells Tab. 2: Produktauflistung nach Anwendungsbereich und Modell Abkürzungsverzeichnis AAL HRV IKT Ambient Assisted Living Herzvariabilität Informations- und Kommunikationstechnologie

7 Kapitel 1: Ausgangslage 1 1 Ausgangslage Bei Self-Tracking geht es darum, Daten über sich selbst zu sammeln und mit geeigneten Methoden auszuwerten. Die Motivationen, sich selbst zu überwachen könnten unterschiedlicher nicht sein. Sei es, um sich besser kennen zu lernen, sich vor gesundheitlichen Risiken zu schützen, Self-Tracking als Trainingsinstrument im Sport einzusetzen, eine reine Datenhistorie zu fertigen oder einfach, um sich in sozialen Netzwerken auszutauschen, was man gerade so tut. Self-Tracking ist keine neue Erfindung der heutigen Zeit. Daten sammeln ist keine Kunst, doch heute gelingt dies um einiges einfacher, präziser und meist auch automatisiert. Mit Hilfe mobiler Geräte können Daten und Informationen des täglichen Lebens systematisch aufgezeichnet werden. Gerade weil dies so einfach geworden ist, interessieren sich zunehmend mehr Leute dafür. Einige sammeln nur einzelne Werte, wie z.b. den Blutdruck oder die Herzfrequenzrate, andere überwachen mehrere Parameter und wieder andere sammeln hunderte von Daten. Eine sehr aktive Interessengemeinschaft in diesem Bereich ist die Quantified Self User Group mit Wurzeln in den USA. Vor ca. 3 Jahren haben sie damit begonnen, Interessierten- Zyklen zu veranstalten und sich gegenseitig mit ihren Ideen und Erfindungen bezüglich Technologien, Tools und Überwachungsparameter auszutauschen. In der Zwischenzeit hat diese Community vor allem in den USA und Europa grossen Zulauf erhalten. Die Abb. 1 zeigt den Mitgliederzulauf innerhalb eines Jahres. und Der Informationsaustausch erfolgt vorwiegend über Internet und lokale Veranstaltungen oder Tagungen. Abb. 1: Die Anzahl neuer Mitglieder innerhalb eines Jahres Quelle: Self-Tracking beschränkt sich aber nicht auf Anwendung im privaten Bereich. Im Gegenteil, die Möglichkeiten und die Verbreitung mobiler Geräte bildet ein grosses Potenzial, was auch das grosses Interesse und die hohen Erwartungen an den künftigen Einsatz von Self- Tracking Methoden verschiedener Anspruchsgruppen erklärt. In der Forschung werden intensive Anstrengungen unternommen, neue Technologien zu entwickeln und eine Vielfalt an

8 Kapitel 1: Ausgangslage 2 Produkten bereitzustellen, die in verschiedensten Bereichen (Wirtschaft, Gesundheit, Sport, Verkehr) eingesetzt werden können. Interessant ist die Entwicklung der Anzahl Unternehmungen, die Services oder Tools im Bereich Self-Tracking verkaufen. Die Abb. 2 zeigt die Entwicklung innerhalb eines Jahres. Zwischen März 2010 und März 2011 ist die Anzahl Unternehmen von unter 200 auf über 400 gestiegen. Abb. 2: Anzahl neuer Unternehmen, die Services oder Tools im Bereich Self-Tracking verkaufen Quelle: Solche Systeme bergen auch Gefahren im Bereich des Persönlichkeitsschutzes und im Hinblick auf mögliche Manipulationen. Der Erfolg von Self-Tracking ist deshalb stark davon abhängig, ob diese neuen Möglichkeiten in der Gesellschaft positiv aufgenommen und von potenziellen Benutzern akzeptiert werden.

9 Kapitel 2: Einleitung und Abgrenzung 3 2 Einleitung und Abgrenzung Ziel dieser Seminararbeit ist es, dem Leser einen Einblick in das umfassende Thema Self- Tracking & Monitoring zu vermitteln. In dieser Arbeit steht Self- Tracking & Monitoring immer im Zusammenhang mit Personen, nicht mit Dingen. Der Mensch steht im Vordergrund und technischen Möglichkeiten sollen nicht als reine Überwachungsinstrumente eingesetzt werden. Aus einer neutralen Sichtweise sollen Informationen zu Konzepten und Technologien, Anwendungsbereichen und verschiedenen Geschäftsmodellen weitergegeben werden. Am Schluss sollte der Leser in der Lage sein, sich eine Meinung zu diesem Thema bilden zu können und die Vor- und Nachteile dieser erfolgsversprechenden Entwicklung kennen.

10 Kapitel 3: Begriffe 4 3 Begriffe In diesem Kapitel werden die Begriffe Self- Tracking & Monitoring und weitere ähnliche Begriffe erklärt und erläutert Self-Tracking Das Sammeln von Daten mit elektronischen Geräten ist nichts Neues. Die Self-Tracking - Bewegung entstand vor wenigen Jahren, dank Fortschritten in Technik und der geschickten Zusammenführung von Hard- und Software. Gerade weil mittlerweile zahlreiche kostengünstige Sensoren verfügbar sind, entwickelt sich Self- Tracking zu einem gesellschaftlichen Trend und beginnt, breite Massen anzusprechen. Vorangetrieben wird diese Entwicklung von Internetplattformen wobei die Quantified Self Community dabei eine wichtige Rolle spielt. Neben dem Smartphone, das gleich mehrere Sensoren enthält, werden auch Alltagsgeräte wie Waagen oder Schrittzähler immer beliebter. Zentral ist, dass diese Geräte ihre Daten drahtlos und vollautomatisch über eine Schnittstellen an einen Computer oder Internet- Server übermittelt. Dies macht es möglich, innert Sekunden automatisch Informationen über sich selbst zu sammeln. (Singer, 2011) Self-Monitoring Der Begriff Self- Monitoring wurde ursprünglich vor über dreissig Jahren erstmals in einer Theorie verwendet, die davon ausgeht, dass sich Individuen in der Beobachtung ihres eigenen Verhaltens und in der Abstimmung, wie sie sich ihrem Umfeld gegenüber geben, unterscheiden. Dieser Begriff hat sich seither stark weiterentwickelt. Wenn der Begriff im Zusammenhang mit Self- Tracking verwendet wird, geht es inzwischen nicht mehr um die Selbstzensur, sondern vielmehr um Selbsterkenntnis. (Graf, 2004) Biotracking Bei Biotracking geht es um die Sammlung von Vitaldaten (siehe auch Kapitel 5.1.1) Ambient Assisted Living Unter Ambient Assisted Living" (AAL) werden Konzepte, Produkte und Dienstleistungen verstanden, die neue Technologien und soziales Umfeld miteinander verbinden und verbessern. Dies mit dem Ziel, die Lebensqualität für Menschen in allen Lebensabschnitten zu erhöhen. (AAL-Deutschland, ohne Datum) AAL hat gewisse Berührungspunkte mit Self-Tracking, primär geht es aber die Überwachung von Personen (z.b. Demente) und nicht um Self-Monitoring.

11 Kapitel 3: Begriffe Self- Quantification Ist ein anderes Wort für Self-Tracking. Es geht ebenfalls darum, Daten über sich selbst zu sammeln, mit dem Ziel, aus den Erkenntnissen sein Leben positiv beeinflussen zu können SMART Das Self-Monitoring, Analysis and Reporting Technology (SMART bzw. S.M.A.R.T.), zu Deutsch System zur Selbstüberwachung, Analyse und Statusmeldung, ist ein Industriestandard, der in Computerfestplatten eingebaut wird. Es ermöglicht das permanente Überwachen wichtiger Parameter und somit das frühzeitige Erkennen drohender Defekte. (Name unbekannt, 2010) Es ist erkennbar, dass der Begriff Self-Monitoring auch in einem andern Kontext gebraucht wird als sich selbst als Person zu überwachen Mobile Health Darunter wird der Mobile Daten- und Sprachaustausch verstanden welcher in irgendeiner Weise in Zusammenhang mit Gesundheit, Medizinische Überwachung etc. steht. Jemand der sich selbst beobachtet (Self-Tracking) ist ein Anwender von Mobile Health. 3.2 Übersetzung Selbstüberwachung ist der passende Begriff für Self-Tracking & Monitoring. Der Spiegel schreibt folgende Redewendung dazu: Selbstüberwachung schützt vor Fremdüberwachung (Spiegel, Unterwegs in Digitalien). Einige Begriffe welche zu Self-Tracking passen: Eigenüberwachung, Überwachen, Beschatten, belauern, bespitzeln, äugen, bewachen, im Auge behalten, beobachten, sich besser kennen lernen.

12 Kapitel 4: Anwendungsbereiche 6 4 Anwendungsbereiche Self- Tracking & Monitoring wird von unterschiedlichen Anwendern in verschiedenen Bereichen genutzt und eingesetzt. Das Themenfeld lässt sich in drei Bereiche einteilen (vgl. Abb. 3). Die Abgrenzung erfolgte willkürlich und es gibt durchaus fliessende Übergänge, v.a. zwischen dem Wellness & Lifestyle- und dem Gesundheitsbereich. Sport Wellness & Lifestyle Gesundheit Abb. 3: Verschiedene Anwendungsbereiche von Self-Tracking Quelle: Eigene Darstellung In den folgenden Abschnitten werden die drei Anwendungsbereiche erläutert. Dabei wurden folgende Aspekte untersucht: Anwender, Ziele, Nutzen und Überwachungsart. Zudem wird jeder Bereich mit einem Produkt illustriert. 4.1 Sport Seinen Körper und die Leistung dank technischer Geräte und Anwendungen kennen und aufzeichnen, darauf setzen Sportler schon lange. Wenn es früher mehr Handarbeit bedeutete, ein Trainingstagebuch zu führen, ist es heute bequemer, Vitaldaten über das Smartphone aufzuzeichnen und auszuwerten. Als Anwender stehen die Sportler selbst im Fokus, als indirekte Anwender können aber auch Coachs und Trainer dazu gezählt werden. Die breite Masse der Anwender bilden hier sicherlich Breitensportler, bei denen eher die Datensammlung im Vordergrund steht, dies auch verbunden mit einem gewissen Unterhaltungswert und Motivationszweck. Im Bereich der Spitzensportler sind es vermutlich dieselben Daten die gesammelt und ausgewertet werden, mit dem Unterschied, dass diese Informationen wahrscheinlich zusätzlich ein stärkeres Gewicht für Entscheidungen z.b. über die Teilnahme an Wettkämpfen, Änderung am Trainingsplan, usw. haben. Das Ziel aller Sportler wird darin liegen, durch den Einsatz von Self- Tracking & Monitoring eine persönliche Leistungssteigerung zu erzielen.

13 Kapitel 4: Anwendungsbereiche 7 Der Einsatz von Self- Tracking & Monitoring Methoden können temporär (Trainings, Wettkämpfe) oder permanent erfolgen. Die Entscheidung liegt darin, welche Messgrössen zu welchen Zwecken aufgezeichnet oder gemessen werden sollen. Beliebte Messgrössen bei Sportler sind Vital- und Bewegungsdaten Produktbeispiele Ithlete Ithlete ist eine App, die mit Hilfe eines Brustgurts und einem Steckaufsatz für das iphone die Herzvariabilität (HRV) misst und wurde speziell für Sportler entwickelt. Sportler können so ihren Gesundheitszustand schnell und einfach analysieren und ihre Trainingsleistung maximieren. 4.2 Wellness & Lifestyle Ein wahrscheinlich grosser und stark wachsender Bereich, vermutlich auch der jüngste, hat das Projektteam in Wellness & Lifestyle zusammengefasst. Dieser Bereich umfasst alle Personen, die sich durch den Einsatz von Self- Tracking & Monitoring eine Steigerung der Lebensqualität versprechen. Sie beobachten ihr Verhalten, lernen sich besser kennen und möchten bewusster leben. Diese Benutzer tauschen sich vorwiegend über das Medium Internet aus und pflegen Kontakte in sozialen Netzwerken, wo sie sich mit Gleichgesinnten über ihre Daten austauschen. Der Einsatz von Self- Tracking & Monitoring Methoden erfolgt auf freiwilliger Basis und aus Eigeninteresse. Die Beobachtung erfolgt tendenziell permanent innerhalb eines bestimmten Zeitraums und wird nach den zu untersuchenden Disziplinen ausgewertet. Beliebte Messgrössen in diesem Anwendungsbereich sind diverse Kommunikations- Vital- sowie persönliche Daten.

14 Kapitel 4: Anwendungsbereiche Produktbeispiele Hier werden einige Produkte dieses Anwendungsbereichs vorgestellt: BRIGITTE Diät-App Die BRIGITTE Diät-App 1 gibt es zum Preis von EUR 2.39 fürs iphone und EUR 2.99 fürs ipad. Ein Nachkaufpaket ist für EUR 1.59 erhältlich. Die Diät-App beinhaltet Rezepte für eine Basic-Diät und eine Verwöhn-Diät sowie weitere nützliche Features: Rezeptsuche, Nachkaufen von Rezeptpaketen und Wochenplänen und eine Darstellung des Gewichtsverlaufs. Sound Level Meter Mit dem Sound Level Meter kann der Umgebungslärm gemessen werden. Diese App ist Teil 4 der Smart Tools-Serie. Die Schalldruck-Messung verwendet das Mikrofon des Telefons. Es misst die Lautstärke in Dezibel(dB) und zeigt Vergleichswerte. Einen Schwachpunkt hat die App, denn die meisten Mikrofone sind für die menschliche Stimme( Hz) ausgelegt. Die maximalen Werte der Hardware sind also begrenzt. (Android Boy's Lab, 2012) 1

15 Kapitel 4: Anwendungsbereiche Gesundheitsbereich Der dritte Anwendungsbereich ist der Gesundheitsbereich. Self- Tracking & Monitoring erfährt v.a. bei Privatpersonen grossen Auftrieb. Dieser Bereich kann in zwei Teilbereiche, chronische Krankheiten und die Prävention eingeteilt werden. Bei den chronischen Krankheiten (Übergewicht, Migränen, Rheuma, Diabetes etc.) tauschen sich Betroffene, häufig auf Internetplattformen oder in Selbsthilfegruppen, über Symptome oder mögliche Krankheitsbekämpfung aus und unterstützen sich gegenseitig mit Ratschlägen. Dies immer auf der Basis der gesammelten persönlichen Daten. Auch die Bedeutung der Prävention wird immer mehr erkannt. Viele Menschen sind zunehmend bereit, Verantwortung für ihre eigene Gesundheit zu übernehmen. Gesundheit wird nicht mehr nur als Angelegenheit des medizinischen Versorgungssystems wahrgenommen, dem sich der Patient anvertraut. Der mündige Bürger steht den Anbietern medizinischer Versorgungen vielmehr als gleichberechtigter Partner gegenüber. Auf dieser Basis entwickelt sich ein neuer Gesundheitsmarkt. Die Überwachungsart ist temporär während einem bestimmten Zeitraum oder über die Dauer einer Behandlungsphase Produktbeispiele Zeo Sleep Manager Die Zeo Sleep Manager-App zeigt direkt auf deinem iphone, wie viel erholsamen Schlaf man bekommt, einschließlich der Zeit in REM- und Tiefschlafphasen, die für körperliches und geistiges Wohlempfinden und das Abrufen hoher Leistung wichtig sind. Zudem bewertet Zeo den Schlaf mit einer Gesamtpunktzahl, sodass Schlafmuster im Laufe der Zeit nachverfolgt werden können. Zusätzlich zur App benötigt man ein Kopfband und einen Controller, der die Daten auswertet. Diabetes-Manager Der WellDoc Diabetes-Manager unterstützt Patienten mit Diabetes und ermöglicht eine professionelle Unterstützung im Alltag, die Krankheit möglichst gut in den Griff zu bekommen. Der Benutzer kann verschiedene Daten in sein Smartphone eingeben, wie z.b.

16 Kapitel 5: Technologien und Konzepte 10 Blutzuckerwerte, konsumierte Kohlenhydrate oder eingenommene Diabetes- Medikamente. Die Anwendung analysiert diese Faktoren und erteilt dem Nutzer verschiedene Ratschläge, wie der Blutzucker in einem gesunden Level gehalten werden kann. 5 Technologien und Konzepte In diesem Kapitel werden die verschiedenen Sensor- und Messtechnologien sowie deren Konzepte und Eigenschaften dargelegt. Mit den Erkenntnissen der verschiedenen Technologien, deren Eigenschaften und Zusammenhänge ist es möglich, die verschiedenen Geschäftsmodelle zu validieren. Die Projektgruppe ist der Meinung, dass diese Eigenschaften einen wichtigen Beitrag für den Erfolg eines Geschäftsmodelles liefern. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Ansätze, Daten über sich selbst zu sammeln: - Autonome Messungen - Manuelle Messungen resp. Datenerfassung Wo es möglich ist und wo es Sinn macht, wird folgend zwischen diesen beiden Ansätzen unterschieden, da dieser Unterschied einen wesentlichen Teil zur Akzeptanz der entsprechenden Anwendungen beitragen. 5.1 Messgrössen Es gibt zahlreiche Messgrössen, welche für Self- Tracking & Monitoring verwendet werden können. Nachfolgend sollen kurz die wesentlichen Eigenschaften der verschiedenen Messgrössen erläutert werden. Zeit: Bis auf wenige Ausnahmen werden sämtliche Aussagen der Messgrössen in Kombination mit der Einheit Zeit ausgedrückt. So z.b. Anzahl Herzschläge pro Minute, Anteil Ruhephasen pro Tag, Positionsveränderung pro Stunde etc. Um nicht weiter auf die Physikalischen Definitionen dieser Grösse Zeit einzugehen, setzt die Projektgruppe bei sämtlichen Messgrössen etc. das Vorhandensein der Messgrösse Zeit voraus Vitaldaten Bei den Vitaldaten existieren zwei unterschiedliche Messarten. Zum einen gibt es Messgrössen, welche konstant und autonom aufgezeichnet werden müssen, um aussagekräftige Resultate zu erhalten. Dazu gehört z.b. der Puls oder die HRV. Auf der anderen Seite gibt es Messgrössen, welche über die Zeit nur kleinen Schwankungen unterliegen, wie z.b. die Muskelmasse, den Fettanteil oder der Eisenwert des Blutes.

17 Kapitel 5: Technologien und Konzepte 11 Für diese Werte reicht es aus, Messungen in einem Rhythmus von mehreren Stunden bis mehreren Tagen vorzunehmen und aufzuzeichnen. Der Unterschied zwischen diesen beiden Methoden ist für das Self- Tracking & Monitoring von entscheidender Bedeutung. Puls / Herzfrequenz: Diese Grösse kann einfach gemessen werden. Der Sensor muss dauerhaft auf der Haut aufliegen, ansonsten keine Werte gemessen werden können. Solche Sensoren sind weit verbreitet, klein und marktfähig. Blutdruck: Wird mittels Blutdruckmessgerät gemessen. Er zeigt den oberen und unteren Blutdruck an. Dieser Messvorgang ist relativ umständlich und für den Benutzer unangenehm. HRV (Herzfrequenzvariabilität): Ist das Langzeitresultat einer EKG-Messung. Voraussetzung dazu ist, dass über eine längere Zeit ein EKG durchgeführt werden kann. Ein EKG misst nebst der Herzfrequenz auch viele andere Eigenschaften der Herztätigkeit. Die HRV gibt Auskunft darüber wie unterschiedlich das Herz beansprucht wird resp. arbeitet. Ein variabler HRV ist ein Zeichen für einen gesunden Körper. Ruhephasen: Genügend Ruhephasen sind ein wichtiger Indikator für einen ausgeglichenen Lebenswandel. Mittels HRV können physisch solche Ruhephasen nachgewiesen werden. Blutzucker: Der Blutzucker kann über eine kleine Blutentnahme nachgewiesen werden. Es ist also für jede Messung eine aktuelle Blutprobe zu entnehmen. Mit der Blutzuckermessung können im speziellen für Blutzuckerpatienten wertvolle Informationen gewonnen werden. Diverse Blutwerte: Es existieren unzählig verschiedene Werte, welche mittels Blutanalyse gewonnen werden können. Entsprechend gross ist auch die Vielfalt der Aussagen und Interpretationen dieser Werte.

18 Kapitel 5: Technologien und Konzepte Bewegungsdaten Bei den Bewegungsdaten ist es wichtig zu wissen, welcher Messwert zu welcher Aussage führt. Nachfolgend wird jeweils zuerst der Messwert erklärt und anschliessend auf die daraus möglichen Aussagen eingegangen. Position: Mit einer exakten Bestimmung der aktuellen Position können viele verschieden Aussagen gemacht werden. Das bekannteste Gerät, die Position zu bestimmen, ist das GPS (Global Positioning System). Um die Position mittels GPS-Empfänger zu bestimmen muss das Gerät zu mind. 3 Satelliten Kontakt haben. Somit sind solche Geräte nur für den Outdoor-Bereich geeignet. Es gibt verschiedene Konzepte, welche Indoor- Positionierung z.b. mittels WLAN-Tracking ermöglichen sollen. Auch mit der Mobilfunktechnologie ist es möglich die Position der Mobilen Geräte zu bestimmen. Wie beim GPS gibt es auch hier die Einschränkung, dass es mind. 3 Antennen in Empfangsnähe benötigt. In Abgelegenen Regionen ist dieses System also nicht verlässlich resp. nicht vorhanden, was deren Nutzung für bestimmte Anwendungen stark einschränkt. 3-Dimensionale Positionsbestimmungen werden benötigt um die Position in allen drei Achsen X, Y und Z zu bestimmen. Eine solche Messung kann auf zwei verschiedene Arten funktionieren. 1. Die Position wird in allen drei Dimensionen gemessen und entsprechend interpretiert. Diese Methode ist insbesondere dann nötig, wenn keine aktuellen Daten über die Z-Position vorhanden sind. Konkret also überall dort, wo die Position in der Luft gemessen werden soll. 2. Zwei-Dimensionale Positionsdaten genügen dann, wenn Drei-Dimensionales Kartenmaterial vorhanden ist. Ist also die X- und Y- Position bestimmt, kann die Z-Position aus dem Kartenmaterial ausgelesen werden. Aus der Position lassen sich folgende Aussagen machen: - Tatsächliche Position o Kartenposition mit Längen- und Breitengraden. o Höhenposition - Zurückgelegte Distanzen o 2-Dimensionale Distanzangaben o 3-Dimensionale Distanzangeben lassen Aussagen über Höhenmeter zu. - Geschwindigkeit o Ist die Gemessene Distanz in einer bestimmten Zeit

19 Kapitel 5: Technologien und Konzepte 13 Beschleunigung resp. Bewegung: Damit wird die Veränderung der Geschwindigkeit gemessen. Theoretisch lässt sich mit einer exakten und hoch frequentierten Positionsmessung die Beschleunigung ebenfalls messen, praktisch ist diese Methode aus verschiedenen Gründen nicht für alle Anwendungen optimal nutzbar. Deshalb wird die Beschleunigung idealerweise mit einem separaten, speziell für diesen Zweck entwickelten 3D Beschleunigungssensor gemessen. Damit sind auch sehr kleine Beschleunigungen unabhängig von Positionsdaten messbar, was diverse Vorteile mit sich bringt. So können z.b. die Bewegungen eines Menschen (oder eines Körperteils) untersucht werden. Mögliche Aussagen können sein, dass sich ein Mensch hektisch (hohe Beschleunigungen) oder ruhig (tiefe Beschleunigungen) bewegt. Interpretationen zu diesen Resultaten können nur in einem bestimmten Kontext und/oder mit Vergleichsdaten gemacht werden. Richtung: Dieser Wert gibt Auskunft darüber, in welche Richtung ein Objekt ausgerichtet ist oder in welche Richtung sich ein Objekt bewegt. Die Ausrichtung eines Objektes kann ausschliesslich über ein Kompass-Sensor gewonnen werden, wobei die Bewegungsrichtung auch mit Positionstracking eruiert werden kann Umgebungsdaten Bei den Umgebungsdaten geht es darum, Informationen aus der unmittelbaren Umgebung für das Self- Tracking & Monitoring zu sammeln. Optimaler Weise können diese Daten autonom aufgezeichnet werden und werden mit entsprechender Software ausgewertet. Wichtig dabei ist, dass der Benutzer möglichst keine aktive Rolle im Messprozess einnehmen muss damit die Daten nicht beeinflusst werden können. Akustik: Die Akustik wird mit Mikrophonen gemessen. Im Kontext mit den Umgebungsdaten sollen dafür nur indirekte Akustische Signale verwendet werden. Solche indirekte Akustische Signale sind z.b. Geräusche, welche aufgezeichnet werden, solange das Mikrophone des Gerätes nicht bewusst verwendet wird. Wird also das Aufnahmegerät bewusst für einen Kommunikativen Zweck wie z.b. ein Telefongespräch verwendet, wird nicht von indirekten Akustischen Signalen gesprochen. So können Nebengeräusche wie z.b. Strassenlärm, Musik, Personenaufkommen etc. gemessen und interpretiert werden. Mit entsprechender Softwaretechnik sollte es möglich sein, die verschiedenen Geräusche zu ordnen und zu kategorisieren.

20 Kapitel 5: Technologien und Konzepte 14 Die Messung der indirekten Akustischen Signale ist nicht unproblematisch, da die Position des Mikrophones stark variieren kann und somit unterschiedliche und entsprechend wenig zuverlässige Daten liefert. Das Mikrophon eines Mobile-Phones welches in der Hosentasche oder in der Handtasche einer Frau getragen wird, erzeugt viele nicht verwertbare Nebengeräusche. Lichtstrahlen: Lichtstrahlen werden ähnlich wie die Akustik mit einem Lichtsensor gemessen. Der Lichtsensor erkennt die Wellenlänge des Lichts und gibt die entsprechenden Daten aus. Es existieren viele verschiedene Messtechnologien, welche unterschiedlich schnell und genau messen. Die heute am weitesten verbreitete Art der Lichtmessung sind Bildsensoren, welche in Digitalkameras oder Mobilen Geräten installiert sind. Stärker als bei der Akustikmessung, ist das Resultat der Lichtmessung stark von der Position und Ausrichtung des Lichtsensors abhängig. Wenn der Sensor also nicht konstant an einer sehr exponierten Stelle angebracht werden kann (z.b. auf dem Kopf) sind aussagekräftige Auswertungen schwierig. Diese Eigenschafft tritt z.b. auf, wenn mit einer Digitalkamera die Ausrichtung zur Lichtquelle verändert wird. Es spielt somit eine Rolle, ob die Linse vom Licht weg oder gegen das Licht gerichtet ist. Schmutzpartikel & Gase: Ein Gassensor ist ein Sensor zur Messung gasförmiger Substanzen und ist damit ein Chemosensor. Die chemische Information in der Umgebungsluft wird vom Gassensor in ein elektrisch nutzbares Signal umgewandelt. Die Zuverlässigkeit ist wiederum von der Positionierung des Sensors abhängig Kommunikationsdaten Bei den Kommunikationsdaten unterscheidet die Projektgruppe zwischen folgenden beiden Kommunikationsdatenarten. 1. Kommunikationsdaten welche über elektronische Geräte bewusst generiert werden. Die Kommunikation erfolgt demnach direkt über diese elektronischen Geräte. Dazu gehören folgende Kommunikationsmittel (nicht abschliessend): Mail SMS Telefon, Skype etc. Blogs Webseiten

21 Kapitel 5: Technologien und Konzepte 15 Diese Daten können auf verschieden Arten ausgewertet werden. So können die nummerischen Daten wie z.b. Anzahl Mails, Anzahl Telefonate, Anzahl Minuten der Telefonate, Anzahl geschriebener Worte, etc. ausgewertet werden. Weitaus interessanter wird es, wenn semantische Zusammenhänge interpretiert werden können, und daraus Aussagen z.b. über den eigenen Gemütszustand gemacht werden können etc. Semantik an sich ist ebenfalls eine Technologie, welche in der letzten Zeit durch die technischen Fortschritte enormen Aufschwung erlebt. 2. Kommunikationsdaten welche nicht bewusst mit den technischen Geräten erfasst werden. entstehen z.b. über persönliche Kontakte mit andern Menschen oder nicht elektronischen Medien. Diese Daten können jedoch mithilfe elektronischer Geräte aufgezeichnet werden. Lautlose Medien wie z.b. Zeitungen gehören ebenfalls in diese Kategorie, können jedoch nur sehr erschwert und umständlich ausgewertet werden. Gleich wie unter Punkt 1 ist hier die Semantische Auswertung ebenfalls von entscheidender Bedeutung für den Nutzen. Nummerischen Daten lassen ebenfalls interessante Aussagen zu. So könnte z.b. die Menge der Gespräche dazu verwendet werden, Aussagen über gewisse Soziale Verhaltensweissen zu machen Manuelle, persönliche Daten Unter diesem Punkt werden sämtliche Informationen verstanden, welche vom Benutzer manuell erfasst werden. Dazu gehören z.b. Angaben über die Art und Menge der Ernährung, Erfassen von Träumen bis hin zur Erfassung von Sexuellen Aktivitäten. Gewisse Daten können manuell erfasst werden, für welche eine automatische Erfassung zur Verfügung stehen würde. So kann z.b. die zurückgelegten Distanz beim Joggen oder die Schlafdauer für bestimmte Auswertungen auch manuell erfasst werden. Für Daten, wie z.b. Blutwerte, welche nur sporadisch erfasst werden müssen, reicht es in der Regel ebenfalls völlig aus, die entsprechenden Daten manuell zu erfassen. 5.2 Problemfelder & Beurteilungskriterien Für die Entwicklung neuer sowie bestehender Geschäftsmodelle ist es von Vorteil, wenn man sich zu Beginn über die möglichen Problemfelder im Klaren ist. Teilweise wurden die Problemfelder und gewisse Beurteilungskriterien bereits in den vorherigen Kapiteln angesprochen. Die folgende Zusammenstellung soll einen Überblick darüber schaffen, welcher für mögliche Geschäftsmodelle berücksichtigt werden zu kann. Gewisse Kriterien sollten für die verschiedenen Geschäftsmodelle unterschiedlich betrachtet und interpretiert andere wiederum gemeinsam betrachtet werden.

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