Begrüßungsworte des Herrn Bundespräsidenten anlässlich. 50.Jahre Österreichische Superiorenkonferenz. am 23. November 2009 im Spiegelsaal

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1 Begrüßungsworte des Herrn Bundespräsidenten anlässlich 50.Jahre Österreichische Superiorenkonferenz am 23. November 2009 im Spiegelsaal Exzellenz! Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Verehrte Ordensobere! Ich freue mich, Sie heute hier in der Wiener Hofburg zu Beginn Ihrer Herbsttagung begrüßen zu können, die ja heuer in das 50-jährige Bestandsjubiläum der Superiorenkonferenz fällt. Leider war es mir im April dieses Jahres nicht möglich, zu Ihrer großen Festveranstaltung in das Stift Klosterneuburg zu kommen. Aber ich denke mir, dass es für viele von Ihnen auch interessant ist, einmal den Amtssitz des Bundespräsidenten zu besuchen. Ein Haus, das immer im Mittelpunkt der Geschichte unseres Landes stand. Hier fand auch der historische Besuch von Papst Pius VI. im Jahr 1782 bei Kaiser Joseph II. statt. Man könnte jetzt viele historisch interessante

2 Details über dieses Zusammentreffen erzählen, aber ich will mich beschränken und heute nur auf etwas Interessantes hinweisen: Unweit von diesem Zimmer ist eine Altarnische erhalten, die an diesen Besuch erinnert, und die Sie gerne besichtigen können. Auch einer seiner Nachfolger das heutige Oberhaupt der katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI., hat vor zwei Jahren diese Räume besucht und ich konnte ihm als Überraschung jenes erwähnte Öl-Bild aus der Coreggioschule zeigen, das die Anbetung der Hirten zeigt. Man hat diesen eingelassenen Altar erst 1957 bei Renovierungsarbeiten entdeckt. Er war hinter einer Wandverkleidung und einer dahinter liegenden Holzverschalung versteckt gewesen. Apropos Renovierung: Zur Zeit renoviert die Burghauptmannschaft gerade die zweite für viele unbekannte Hofburgkapelle die Josephskapelle - hier im Haus. Ein qualitätvolles Kunstwerk, das Darstellungen der 12 Apostel enthält, die vom berühmten österreichischen Barockmaler Franz Anton Maulpertsch geschaffen wurden. Diese Kapelle war die private Kapelle der Habsburger und wird heute gelegentlich für Gottesdienste oder kleine Festkonzerte wie z.b. aus Anlass des 50-Jahr-Jubiläums des Ökumenischen Rates in

3 Österreich verwendet, ist aber der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich. Wenn Sie Interesse und ein wenig Zeit haben, gibt es nach dem anschließenden Empfang noch die Gelegenheit zu einer kurzen Führung, bei dem Sie nicht nur den kleinen Altar, sondern natürlich auch das Kapellenoratorium sehen können. Verehrte Ordensobere! Viele Ihrer Klöster und Stifte habe ich in den vergangenen Jahren besuchen dürfen und bin stets auf eine besondere Gastfreundschaft und Herzlichkeit gestoßen. Hiefür möchte ich Ihnen herzlich danken. Ihr Besuch in der Wiener Hofburg ist ein weiterer Beweis für das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Staat und Katholischer Kirche, das sich auf vielen Ebenen manifestiert. Diese Offenheit und das Gespräch versuchen wir mit allen anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften zu pflegen und wir können auf diesen Dialog zwischen Staat und Kirchen stolz sein. Dass dies nicht überall der Fall ist, wissen wir alle und in meinen Gesprächen mit ausländischen Gästen wird dies auch immer wieder deutlich.

4 Ich möchte die heutige Begegnung aber auch benützen, Ihnen, Ihren Konventen sowie Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Ihre Arbeit auf spirituellem, sozialem, kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet zu danken. Nach dem Ende des Nationalsozialismus der vielen Stiften und Klöstern die Aufhebung brachte, und der Befreiung unseres Landes haben Sie im Jahr 1959 den heutigen Dachverband gegründet. Nicht nur wirtschaftliche Fragen der Wiedergutmachung und des Neuaufbaus, sondern auch die spirituelle Erneuerung der Orden waren das Hauptmotiv. Der Zusammenschluss der Stifte und Klöster brachte aber auch eine Öffnung nach außen. Ich nenne jetzt nur die Initiative Klösterreich eine Initiative, die nach dem Fall des Eisernen Vorhanges auch auf die Nachbarländer ausgedehnt werden konnte. Dieses reiche kulturelle Erbe ist uns - wenn wir mit offenem Auge durch Österreich fahren eindrucksvoll präsent.

5 Ich möchte aber auch auf die dankenswerte Arbeit im Schul- und Krankenhauswesen verweisen. Immerhin befinden sich fast 20 % aller Spitalsbetten in Österreich in Ordenshäusern, und Schülerinnen und Schüler besuchen Schulen, die von Ordensgemeinschaften geleitet werden. Dieser Dienst an der Gemeinschaft ist überaus wertvoll, und ich möchte dieses hervorragende Engagement, das in diesen Institutionen geleistet wird, hier und heute besonders hervorheben. Viele bekannte und weniger bekannte Einzelinitiativen könnte ich jetzt aufzählen, wie das von den Salvatoriannern gegründete Projekt Gruft, das vom Grazer Lazaristenpater Wolfgang Pucher initiierte Vorhaben Vincirast, die unentgeltliche Krankenversorgung von Menschen, die keine Krankenversicherung haben, bei den Barmherzigen Brüdern, und viele andere mehr. Sie können stolz darauf sein und ich möchte Ihnen noch einmal sehr herzlich danken. Ich möchte Sie abschließend nochmals willkommen heißen und freue mich sehr, dass Sie gekommen sind!

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