Feierliches Gelöbnis der Bundeswehr. 19. Februar Ansprache Bürgermeisterin Andrea Hansen

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1 Feierliches Gelöbnis der Bundeswehr 19. Februar 2015 Ansprache Bürgermeisterin Andrea Hansen 50 Jahre lang hat es kein Gelöbnis und keine Vereidigung in unserer Rosenstadt gegeben. Dass dies heute auf dem Marktplatz im Herzen der Stadt erfolgt, nehme ich auch als ein Versprechen, das für beide Seiten gilt, für die militärische wie die zivile: Wir sind beide Teil dieser Gesellschaft. Wir wollen beide, dass Frieden herrscht und nicht Krieg. Wir wollen das Recht und die Freiheit aller Menschen schützen, die hier leben. In Uetersen ist das ein besonderes Versprechen. Denn hier leben Menschen aus fast einhundert Nationen. Wir sind ein bunte Stadt, die immer offen war für neue Ideen und neue Bürger. Und in krisenhaften Zeiten ist es nötiger denn je, dass es Zusammenhalt und Gerechtigkeit gibt, hier und in der Welt. Wo Menschen aus Krieg und Elend zu uns flüchten, da wollen wir gute Gastgeber und Helfer in der Not sein. Das Ausgrenzen und Herabwürdi-

2 gen anderer lassen wir nicht zu. Wir achten die Menschenwürde aller, welchen Namen er oder sie auch trägt. Und wir verteidigen die Demokratie und den Rechtsstaat, der allen Bürgern gleiche Rechte und Möglichkeiten geben soll. Sie werden heute geloben, dieser Bundesrepublik treu zu dienen, Recht und Freiheit tapfer zu verteidigen. Wir sind dankbar dafür, dass Sie dies tun. Und wir wissen nach den Lehren aus Krieg und Faschismus, dass dies kein blinder Gehorsam sein darf. Sie sind Staatsbürger und Staatsbürgerinnen in Uniform, die ihrem Gewissen folgen und ihrer Verantwortung gerecht werden. Wir wollen, dass die alten Feindbilder verschwinden. Wir wollen ein Europa, das eine Kraft des Friedens ist in der Welt. Deshalb sehen wir auch jede Eskalation in Europa und der Welt mit Sorge und hoffen, dass Wege gefunden werden zu diplomatischen Lösungen und einer neuen Entspannungspolitik. Sie sind bereit, persönlich hohe Risiken einzugehen. Soldat ist ein Beruf, in dem Sie Ihre Hilfsbereitschaft und Ihre Haltung, Ihre Menschlichkeit und Ihren Mut unter

3 Beweis stellen können und müssen, hat Joachim Gauck gesagt. Die Bundeswehr, das sei die Armee dieser Demokratie. Deutsche Soldaten haben in zwei Weltkriegen unendlich viel Leid verursacht. Das prägt unser Land bis heute und überträgt auch Ihnen eine besondere Verantwortung, so sagte es der Bundespräsident. Und es gibt dafür keinen klareren Wegweiser als das Grundgesetz mit seinem Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dafür stehen Sie. Dafür stehen wir. Dieses Fundament des Grundgesetzes gibt auch einer Veranstaltung wie dieser erst ihre ganz besondere Würde. Die Bundeswehr ist eine Macht. Sie übt Gewalt aus, wenn es sein muss. Aber sie fußt auf den Grundrechten, auf die wir alle verpflichtet sind. Es sind Parlamente, die das letzte Wort haben. Das ist das Gegenteil von Willkür. Es gibt Ihnen, Ihren Vätern, Müttern und Verwandten die Gewissheit, dass auch über die Einsätze der Bundeswehr demokratisch und verantwortungsbewusst entschieden wird. Und es gibt auch den Kritikern militärischer Maßnahmen immer wieder neu die Möglichkeit, für Mehrheiten in ihrem Sinne zu werben.

4 Ihr Tag heute ist dicht gedrängt. Sie und Ihre Angehörigen haben gewiss nicht alles Schöne sehen können, was Uetersen zu bieten hat. Kommen Sie also gerne einmal wieder, im Sommer blühen im Rosarium hier nebenan die schönsten Blüten des Nordens. Auch die Dörfer an der Elbe lohnen einen längeren Besuch. Kommen Sie also gerne wieder: In Uetersen ist man nicht gern allein das wissen die Soldatinnen und Soldaten der Marseille-Kaserne, unserer Partnerkaserne, schon seit langem. Schließen möchte ich mit dem Gedicht von Bertolt Brecht. Es soll uns Mahnung sein, immer wieder aus der Vergangenheit zu lernen und achtsam zu sein gegenüber dem Leben aller Menschen auch dem Leben derjenigen, die heute hier auf dem Marktplatz in Uetersen stehen. Das Gedicht trägt den Titel Bitten der Kinder : Die Häuser sollen nicht brennen. Bomber sollt man nicht kennen. Die Nacht soll für den Schlaf sein.

5 Leben soll keine Straf sein. Die Mütter sollen nicht weinen. Keiner soll müssen töten einen. Alle sollen was bauen. Da kann man allen trauen. Die Jungen sollen' s erreichen. Die Alten desgleichen.

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