Herr Jesus Christus, König der ganzen Welt, höre uns, wenn wir rufen: Wir bitten dich, erhöre uns. Einführung

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1 CHRISTKÖNIGSSONNTAG 23. November 2014 LJ A Einführung Liebe Schwestern und Brüder, einen Moment bitte. Stellen Sie sich vor: Sie stehen vor Gericht. PAUSE Und der Richter. Das ist Jesus. Gerecht ist er. Und barmherzig. Herr Jesus Christus, König der ganzen Welt, höre uns, wenn wir rufen: Wir bitten dich, erhöre uns Spende den Obdachlosen und Verfolgten mit Deinem Königtum Heimat und Ruhe. Sende den Dürstenden und Hungernden aktive Helferinnen und Helfer: Schenke uns Vertrauen in Deine Herrschaft über unsere Herzen: Führe unsere Verstorbenen, die auf Dich vertraut haben, in Dein Reich. Du bist der König der ewigen Herrlichkeit, der immer bei uns sein will.dich preisen wir, Heute und in alle Ewigkeit. Amen. PAUSE Jeder bekenne jetzt, was Sache ist. Ich bekenne Gott dem Allmächtigen Fürbitten.

2 Predigt. Liebe Schwestern und Brüder, ich habe in dieser Woche zwei Könige gesehen. Zwei Könige mit echter Macht. Der eine König, der war im Amtsgericht. Dort war ich einen Morgen lang. Hier in Ingolstadt. Auf meinem Weg, die Stadt kennen zu lernen. Das Leben hier kennen zu lernen. Und dazu gehört auch: Das Gericht. Passend zum Evangelium heute. Also: Ich habe einen König gesehen. Es gab zwei Verhandlungen. Eine über Steuerfragen. Das war eher langweilig. Die andere Verhandlung ging über einen handfesten Streit. Es gab den Angeklagten. Den Ankläger. Und erste Zeugen. Bald wurde die Verhandlung unterbrochen. Sie wird weitergehen. Mit neuen Zeugen. Für mich es interessant, bei den Zuhörern zu sitzen. So also geht Gericht. So arbeiten Richter. Anwälte. Und ich hatte Mitgefühl mit den Angeklagten. Und mit den Opfern. Natürlich dachte ich auch: Gott sei Dank stehe ich nicht vor Gericht. An diesem Morgen im Amtsgericht hier in Ingolstadt: Da also habe ich den ersten König dieser Woche gesehen. Oder besser noch: Ich habe zuerst viele kleine Könige gesehen. Menschen, die recht haben wollen. Sie herrschen über ihr Leben. Und sie müssen darin entscheiden. Handeln. Als Richter. Als Anwälte. Auch die Angeklagten. Und die Opfer.

3 Jeder ein Mensch mit der Gabe, zu herrschen. Jeder ein kleiner König über sein Leben. So wie ich. So wie Sie. Und dann. Dann war ich überrascht. Immer wieder ging mein Blick zum Richter. Und etwas höher. Dort über ihm. Dort sah ich: Da hängt ein Kreuz. In einem Gerichtssaal. Nicht riesig. Aber doch: Ein echtes Kreuz. Ich war erstaunt. Ist das so in Deutschland? Hängt in jedem Gerichtssaal ein Kreuz? Ich war erstaunt. Ja, es hat mich berührt. Mein erste Frage: Was machst du hier, Jesus? Und dann: Hier ist doch keine Kirche. Und trotzdem: Ein Kreuz. Es schwebte über allen. Über dem Richter. Über dem Anwalt. Über dem Angeklagten, Über das Opfer. Über mich, dem Zuhörer. Es hängt über allen. Über alle die kleinen Könige. Über alle, die es richtig machen wollen im Leben. Und die doch in Streit geraten sind. Weil unser richtig nicht immer richtig ist. Weil es eine höhere Perspektive gibt. Etwas größeres. Etwas, was allein wirklich und ganz herrschen darf. Etwas, was wir nur unvollkommen erkennen. Das Kreuz im Gerichtssaal: Erstaunlich. Die es dort hingehängt haben: Für mich haben sie etwas wichtiges verstanden. Auch wenn nicht mehr alle sehr christlich sind. Vermutlich auch nicht in Ingolstadt: Das Kreuz im Gerichtssaal drückt eine Hoffnung aus: Am Ende wird echte Gerechtigkeit herrschen. Über allem, was wir tun, schwebt eine dringende Einladung:

4 Schau richtig hin. Vielleicht irrst du. Mache einen Vorbehalt in deinen Entscheidungen. Sei mit deinen Mitmenschen einer, der nach Recht sucht. Der sich der höheren Macht gegenüber verantwortlich weiß. Der nicht entschuldigen Sie die Formulierung der nicht auf Teufel komm raus blind und hart an seinem eigenen kleinen Königtum festhalten will. Der erste König also: Jesus Christus. Einer, der in Frage stellt. Der mein Herz durchleuchtet. Meinen Verstand befragt. Der mich nicht in Ruhe lässt. Der mich dringend bittet, nicht den Ich-Gedanken allein zu vertrauen. Sei einer, der immer den andern im Blick hat. Und damit rechnet, etwas übersehen zu können. Und der zweite König? Ja, nach dem Blick auf den großen König im Amtsgericht habe ich auf dem Weg zum Kloster einen zweiten König gesehen. Verschlossen. Nur langsam hat mir seine Geschichte erzählt. Nur wenig davon. Ich konnte ihm nicht helfen. Und trotzdem: Er hat mein Herz berührt. Wie ein König herrscht er bis heute in meinen Gedanken. Ich weiß nicht, wie ich armen Menschen helfen kann. Aber ich weiß: Es gehört zum Christsein, dass sich arme Menschen mit ihrem Schicksal in mein Herz drängen dürfen. Dass sie mein Denken beherrschen dürfen. Dass sie mir Fragen stellen dürfen.: Lebst du richtig, Bruder Sabu? Ist deine Kirche wirklich von den Armen beherrscht, von den Kranken, den Nackten, den Heimatlosen, den Asylbewerbern? Und ich habe mich zu ihm gesetzt. Ein obdachloser Mann. Er war mürrisch.

5 Liebe Schwestern und Brüder, der große König Jesus im Gerichtssaal. Hier in Ingolstadt. Und der große König Jesus im Armen auf der Straße. Wie kommt die Herrschaft dieses großen Königs in mein Herz? In mein Handeln? Auch wenn diese Frage nicht so leicht beantworten kann: Ich bleibe dran an dieser Frage. Denn sie wird immer wieder gestellt. Sie wird gestellt als ewige Frage. Also Ewigkeitsfrage. Gebe Gott, dass ich nicht einschlafe über diese Frage. Dass ich wach bleibe. Und mit ihnen einst zum ewigen Wachsein beim großen, und beim manchmal sehr kleinen König Jesus Christus gelange. Amen.

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