Internetnutzung von 12- bis 16-jährigen Jugendlichen Grundzüge, Nutzertypen und Sozialisationsrelevanz

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1 Lizentiatsarbeit der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich Internetnutzung von 12- bis 16-jährigen Jugendlichen Grundzüge, Nutzertypen und Sozialisationsrelevanz eingereicht von: Martin Hermida Referent: PD Dr. Daniel Süss IPMZ Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich Andreastrasse Zürich Oktober 2008

2 Inhaltsverzeichnis I Abbildungsverzeichnis...4 II Tabellenverzeichnis Einleitung Warum ist eine gesonderte Betrachtung von Jugendlichen nötig? Fragestellung Eingrenzung Aufbau der Arbeit Forschungsstand und Ausgangslage Infrastruktur und Internetnutzung Medienbindung und Medienzugang Interessen im Internet Funktionen des Internets Kontakt mit dem Internet Geschlechterspezifische Unterschiede Erkenntnisse zur Wirkung des Internets Nutzertypologien Zusammenfassung Forschungsstand Theoretische Einbettung Das Medium Internet? Ein Begriff mit Klärungsbedarf Vom Publikum zum Nutzer? Publikumsforschung Das Internet-Publikum? Das aktive und selektive Publikum Fazit Internetnutzung und Internetnutzer Theorien und Ansätze zur Mediennutzung Uses-and-Gratifications-Approach Begriffsdefinitionen Grundlagen des Uses-and-Gratifications-Approach Gratifikationen des Internets Kritik am Uses-and-Gratifications-Approach Zusammenfassung Uses-and-Gratifications-Approach Vom Lebensstilkonzept zu den Determinanten der Mediennutzung Modifiziertes Lebensstil-Konzept nach Karl Erik Rosengren Determinanten der Mediennutzung Sozialisationsforschung Mediensozialisation Modell der Mediensozialisation nach Süss (2004) Medienkompetenz und Medieneffekte Medienkompetenzen Modelle der Medienkompetenz Dimensionen der Medienkompetenz nach Groeben (2002b) Medieneffekte

3 Medieneffekte im Kontext dieser Arbeit Erfassung der Medieneffekte Jugend und Entwicklungsaufgaben Definition Jugend Entwicklungsaufgaben Die verschiedenen Entwicklungsaufgaben des Jugendalters Medieneffekte im Nutzungskontext Abschliessende Betrachtung zur Mediensozialisation Unterhaltungsforschung Was ist Unterhaltung, was ist keine Unterhaltung? Unterhaltung im Rahmen dieser Untersuchung Zusammenfassung der theoretischen Konzepte Hypothesen Methode Untersuchungsdesign und Stichprobe Erhebungsinstrumente Fragebogen Auswertung Ausschlüsse Extreme Werte Grundzüge der Stichprobe Alter Geschlecht Schultypen Gewichtung Medienbindung Frequenz und Nutzungszeit bei der Internetnutzung Internetnutzung der Jungen nach Alter Internetnutzung der Mädchen nach Alter Internetnutzung nach Schultyp Zugang zum Internet Zugangsbeschränkungen und Alter Fazit zur Internetnutzung und den Zugangsbeschränkungen Tätigkeiten Analyse der Motive der Internetnutzung Kombinierte Analyse der Motive und der Tätigkeiten Clusteranalyse Ausprägung der einzelnen Faktoren in den Clustern Cluster 1: Die Einkaufs-Affinen Cluster 2: Die Internet-Euphoriker Cluster 3: Die Durchschnitts-Nutzer Cluster 4: Die Vielseitigen Cluster 5: Die Infosucher Weitere Auswertungen zu den 5 Nutzertypen Schultypen Einstellungen zum Internet Nutzungsfrequenz

4 6.9.8 Fazit zu den Nutzertypen Internetkompetenz Medienwissen, Medialitätsbewusstsein und medienbezogene Kritikfähigkeit Medienspezifische Rezeptionsmuster Medienbezogene Genussfähigkeit Produktive Partizipationsmuster Anschlusskommunikation Fazit zur Internetkompetenz Auswertungen zur Sozialisationsrelevanz des Internets Die Entwicklungsaufgaben Körper, Rolle, Intim, Beruf, Partnerschaft/Familie, Selbst und Zukunft Die Entwicklungsaufgaben Peer, Ablösung und Werte Fazit zu den Entwicklungsaufgaben Überprüfung der Hypothesen Diskussion Literaturverzeichnis Anhang

5 I Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Abonnenten/Abonnentinnen von Hochgeschwindigkeits- Internetanschlüssen pro 100 Einwohner in der Schweiz und In Deutschland...14 Abbildung 2: Die wichtigsten Internet-Aktivitäten, die täglich oder mehrmals pro Woche ausgeführt werden...16 Abbildung 3: Verteilung der Internetnutzung auf Kommunikation, Spiele und Informationssuche...17 Abbildung 4: Funktionen des Internets 2005 im Vergleich zu Abbildung 5: Anteil der Oberstufen-Klassen im Kanton Aargau, die mit dem Unterrichtsmodell Internet als Werkzeug verfügbar gearbeitet haben...20 Abbildung 6: Internetnutzung in der Schweiz nach Alter, Entwicklung (ENK)...29 Abbildung 7: Strukturelle, positionelle und individuelle Determinanten von Handlungsmustern...45 Abbildung 8: Modell der Mediensozialisation...52 Abbildung 9: Modell der Internetnutzung...68 Abbildung 10: Histogramm der Internetnutzung in Minuten...86 Abbildung 11: Häufigkeit der Internetnutzung von Jungen und Mädchen im Vergleich...90 Abbildung 12: Internetnutzung der Jungen nach Alter...92 Abbildung 13: Internetnutzung bei den Mädchen nach Alter...93 Abbildung 14: Anteil Jungen und Mädchen, die das Internet täglich oder mehrmals pro Woche nutzen...94 Abbildung 15: Internetnutzung nach Schultypen...95 Abbildung 16: Nutzungsfrequenz nach Schultypen...96 Abbildung 17: Zugangsbeschränkungen...97 Abbildung 18: Anteil Jugendlicher, bei denen die Internetnutzung zeitlich limitiert ist...99 Abbildung 19: Internet-Tätigkeiten nach Geschlechtern Abbildung 20: Profile der einzelnen Cluster nach Nutzungspräferenzen Abbildung 21: Anteile der verschiedenen Schultypen in den 5 Clustern Abbildung 22: Einstellungen zum Internet nach Nutzertypen Abbildung 23: Anteile der Nutzungsfrequenzen in den verschiedenen Nutzertypen Abbildung 24: Ergebnisse zum Medialitätsbewusstsein und zur Medienkritik Abbildung 25: Ergebnisse zur technisch-instrumentellen Dimension der Medienkompetenz Abbildung 26: Ergebnisse zur Anschlusskommunikation (Internetkompetenz) Abbildung 27: Ergebnisse zu den Entwicklungsaufgaben Beruf, Partnerschaft/Familie, Rolle, Selbst, Zukunft und Intim Abbildung 28: Ergebnisse zu den Entwicklungsaufgaben Peer, Ablösung und Werte

6 II Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Resultate der JIM Studien auf die Frage: Am wenigsten Verzichten kann ich auf Tabelle 2: Grundlagen des Uses-and-Gratifications-Approach...38 Tabelle 3: Einflussfaktoren auf die Mediennutzung nach Meyen (2004)...47 Tabelle 4: Entwicklungsaufgaben im Jugendalter nach Dreher/Dreher (1985)...61 Tabelle 5: Bereinigte Stichprobe nach Geschlecht, Alter und Bildung...72 Tabelle 6: Struktur des Fragebogens...74 Tabelle 7: Medienbindung im Vergleich zur JIM-Studie Die Frage im Fragebogen lautet: Was ist dir am wichtigsten?...89 Tabelle 8: Faktorladungen der verschiedenen Motive Tabelle 9: Faktoranalyse der verschiedenen Motive und Tätigkeiten Tabelle 10: Anzahl Fälle in den 5 Clustern Tabelle 11: Kurzbezeichnungen der 5 Cluster (Nutzertypen) Tabelle 12: Entwicklungsaufgaben, die in einer separaten Frage erhoben wurden

7 "I had no idea that my kids were posting videos online. We don't even own a camera! They were taking videos with their cell phones at parties and posting them online. I am just glad that I found them before their future employer did!" Ein besorgter Vater in einem Forum zum Thema Jugendliche und Internetnutzung 1 Einleitung Die Medien durchdringen den Alltag von Jugendlichen immer mehr. Auf Jugendliche zugeschnittene Medienangebote, der Besitz eines eigenen Fernsehgerätes, Internetzugang im eigenen Zimmer oder das omnipräsente und alleskönnende Mobiltelefon führen dazu, dass die Medien heute beinahe in allen Lebensbereichen von Jugendlichen präsent sind. Ein Buchtitel aus der einschlägigen Fachliteratur bringt es auf den Punkt: Lebenswelten sind Medienwelten (Baacke/Sander/Vollbrecht 1990). Auch das Internet ist mit seinen zahlreichen Anwendungen mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Medienalltags von Jugendlichen geworden. Es ist ein einzigartiges Medium, in dem andere Medientypen konvergieren so kann im Internet Fernsehen gesehen werden, die Lieblingszeitung kann besucht werden, (Hör-) Bücher können heruntergeladen werden, man kann sich mit Freunden unterhalten oder neue Freunde kennen lernen und seine Meinung der ganzen Welt kundtun. Gleichzeitig kann es genutzt werden um sich zu den verschiedensten Themen zu informieren, zu spielen, einzukaufen und zunehmend auch um Inhalte zu produzieren, die dann von der ganzen Welt abgerufen werden können. Besonders Jugendliche machen von diesen Angeboten regen Gebrauch. Dabei setzen sie sich bei der Internetnutzung mit Informationen und Wissen auseinander, eignen sich verschiedenste Kompetenzen an und praktizieren in der sozialen und kommunikativen Interaktion die Auseinandersetzung mit Informationen, Strukturen und Personen (vgl. Otto et al. 2004: 6). Multimediale 6

8 Anwendungen und Social-Software Stichwort Web 2.0 sind Bereiche der Internetnutzung, die über einfaches Kommunizieren und das Abrufen von Informationen hinausgehen. Sie gewinnen zunehmend an Bedeutung, verändern die Landschaft des Internets und lassen neue Nutzungspräferenzen und Nutzungsmuster entstehen. Das verfügbare Angebot im Internet wächst ständig, diversifiziert sich und integriert neue Aspekte ebenso schnell, wie es sich auch technisch weiterentwickelt. Für die Jugendlichen in unserer Gesellschaft gehört der Zugang zu dieser mannigfaltigen digitalen Welt zum Alltag: 95% aller 12- bis 19-jährigen Jugendlichen verfügen laut der 2007 durchgeführten repräsentativen JIM Studie zu Hause über einen Internetzugang, 83% aller Jugendlichen sind mehrmals pro Woche im Internet. Die Hälfte der befragten Jugendlichen verfügt sogar über einen Internetzugang im eigenen Zimmer (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2007: 37). Für einen Grossteil der Jugendlichen ist das Internet zu einem täglichen Begleiter für alle möglichen Fragen und Themen geworden (vgl. van Eimeren/Frees 2007: 367), mit welchem sie nach eigener Einschätzung knapp 2 Stunden pro Wochentag verbringen (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2007: 38). Gleichzeitig verringern sich die Zugangsbeschränkungen kontinuierlich: Zum Beispiel in Gestalt der verfügbaren Verbindungsgeschwindigkeit, die für datenintensive Inhalte wie Audio und Video genügend hoch sein muss was zunehmend zum Standard wird. Oder in Form der vereinfachten Bedienstruktur, die auch die Nutzung komplexer Anwendungen für jedermann ermöglicht. Diese Voraussetzungen ermöglichen es Kindern und Jugendlichen, sich auf der Anwendungs- und Inhaltsebene beinahe uneingeschränkt im Internet zu betätigen, und in der digitalen Welt vielfältig und bedürfnisorientiert zu handeln. Aufgewachsen mit dem Internet zählen die heute Jährigen zur ersten Generation, die das Internet als Allround-Medium für sich erschlossen hat (van Eimeren/Frees 2007: 378). Folglich könnte angenommen werden, dass es für diese so genannte Net Generation (Süss 2004: 272) zum Alltag gehört Fotos auf Flickr zu laden, Videos auf YouTube anzuschauen, online einzukaufen, Musik herunterzuladen, Blogs zu schreiben, zu lesen und zu kommentieren, an News-Groups teilzunehmen, Informationen auf Wikipedia nachzuschlagen, zu chatten oder ein Profil in einem Social Network zu besitzen aber ist das wirklich so? Und trifft das auf alle Jugendlichen gleichermassen zu? Das Internet ist ein Medium, das grosse Relevanz im Alltag von Jugendlichen erreicht, das zeigt schon die Zeit, die damit verbracht wird. Im Hinblick auf die 7

9 wissenschaftliche Dokumentation muss jedoch festgehalten werden, dass die Frage nach den Nutzungsdifferenzen (wer nutzt das Internet wie) und den Aneignungsstrukturen (wie erschliessen sich unterschiedliche Gruppen Informationen, Wissen, Kommunikations- und Bildungsmöglichkeiten) noch weitestgehend unbeantwortet ist (vgl. Otto et al. 2004: 5f). Ebenfalls ist nur wenig über die Relevanz bekannt, die Jugendliche dem Internet in ihrem Alltag zuschreiben. Mit dieser Untersuchung soll versucht werden, diese Forschungslücke im Besonderen für die Schweiz, wo Daten zur Internetnutzung Jugendlicher weitgehend fehlen, zu schliessen. 1.1 Warum ist eine gesonderte Betrachtung von Jugendlichen nötig? Grundsätzlich kann festgestellt werden, dass die Internet-Forschung bis anhin Jugendliche eher zweitrangig behandelt hat: Studies about the internet and young people often focus primarily on pre-teen children rather than young adults (Mcmillan/Morrison 2006: 74). Gleichzeitig gibt es viele Belege, die dafür sprechen, dass es angebracht ist, das Medienverhalten Jugendlicher grundsätzlich und gesondert von jenem anderer Altersgruppen zu betrachten. Aus der Fernsehforschung ist beispielsweise bekannt, dass das Fernsehen von Jugendlichen lediglich als eine von unzähligen Alternativen in der Alltagsgestaltung verstanden wird, während ältere Menschen das Fernsehen besonders intensiv nutzen (die Nutzung nimmt mit dem Alter stetig zu). Aktivitäten und Kontakte ausserhalb des Haushaltes bilden bei Jüngeren (und Gebildeteren) attraktive Alternativen zum Fernsehen. Dabei spielen auch unzählige Möglichkeiten zur interpersonalen Kommunikation, wie Ausgehen, Besuche machen, Spiele usw. eine zentrale Rolle (vgl. Schenk 2007: 675ff). Aber auch in Bezug auf die Internetnutzung gibt es beispielsweise in Deutschland bereits dokumentierte altersspezifische Unterschiede. Die neuen Web 2.0 Angebote werden von den 14- bis 19-jährigen Jugendlichen überdurchschnittlich oft als Favoriten 8

10 genannt: Dabei nutzen sie besonders Wikipedia, Videoportale und Fotogalerien 1 (vgl. Gscheidle/Fisch 2007: 400). In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob jugendliches Internethandeln primär vom Unterhaltungsbedürfnis bestimmt wird, denn 47% aller 14- bis 19-jährigen deutschen Jugendlichen nutzen das Internet überwiegend zur Unterhaltung. Bei allen anderen Altersgruppen tun dies nur maximal 17% (20- bis 29-Jährige) (vgl. van Eimeren/Frees 2007: 368). Die Notwendigkeit, Internetnutzer stärker nach ihren Altersunterschieden zu klassifizieren, wird auch von Jakob Nielsen vertreten. Nielsen, Fachmann im Bereich Usability, schlägt sogar unterschiedliche Designs für Webseiten vor, um sie an die Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen oder Senioren anzupassen (Nielsen 2008). Diese Daten sprechen dafür, dass auch und gerade besonders im Bereich der Internet- Forschung eine ausgeprägtere Differenzierung zwischen den Altersgruppen vorgenommen werden muss. Eine solche Differenzierung kann auch den Blick für altersgruppenspezifische Phänomene schärfen: Während die Fernsehforschung bei Jüngeren und Gebildeteren eine Vorliebe zur interpersonalen Kommunikation aufzeigt, welche zum Nicht-Gebrauch des Mediums führt, zeigt die Internetforschung, dass eben jene Vorliebe von Jüngeren und Gebildeteren oft mit dem Gebrauch des Mediums befriedigt wird dazu gehören bei den 12- bis 16-Jährigen besonders Instant- Messaging 2 und Social Network Seiten Fragestellung In dieser Untersuchung soll die Frage beantwortet werden, in welcher Art und Weise Jugendliche in der Schweiz das Internet nutzen, welche Motive und Umstände die Nutzung prägen und welchen Einfluss die Nutzung auf den Alltag der Jugendlichen hat. Bei dieser Analyse soll untersucht werden, ob sich jugendliche Internetnutzer unterschiedlichen Gruppen und somit verschiedenen Nutzertypen zuordnen lassen. Ist 1 Wikipedia (82% gegenüber 58% der 20- bis 29-Jährigen), Videoportale (69% gegenüber 56% der 20- bis 29-Jährigen) und Fotogalerien (26% gegenüber 20% der 20- bis 29-Jährigen) (vgl. Gscheidle/Fisch 2007: 400) 2 Instant Messaging ermöglicht die Echtzeit-Kommunikation mit einem oder mehreren Teilnehmern. Hierbei nehmen in jüngster Zeit die Möglichkeiten zu, während der Kommunikation auch Dateien (Musik, Fotos usw.) auszutauschen. 3 Social Network Seiten sind Internet-Gemeinschaften, in denen Menschen, die gleiche Interessen teilen oder die Interessen anderer erfahren wollen, zusammenkommen. Dabei stehen den Mitgliedern verschiedenste Interaktionsmöglichkeiten zur Verfügung ( , Chat, Gästebücher usw.). 9

11 dies der Fall, können die verschiedenen Nutzertypen anhand nutzungsspezifischer und sozialökologischer Merkmale beschrieben werden. So kann jugendliches Internethandeln prägnant und komplexitätsreduziert abgebildet werden. Da Jugendliche das Internet fest in ihren Alltag integriert haben, ist davon auszugehen, dass das Internet auch in den Sozialisationsprozess eingebunden ist, indem es möglicherweise als Instrument zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben verwendet wird. Ob dies der Fall ist, soll als Indikator für die alltagsverändernde Wirkung des Internets in die Untersuchung mit eingeschlossen werden. 1.3 Eingrenzung In dieser Arbeit wird gezielt das Internetverhalten von Jugendlichen untersucht. Das Hauptinteresse bilden somit Anwendungen und Tätigkeiten, die die Verbindung zum World Wide Web erfordern. Andere Aspekte der Computernutzung werden zu Gunsten einer vertieften Auswertung internetbezogener Faktoren bewusst weggelassen. Zu einer vollständigen Untersuchung könnte man auch jene Jugendlichen zählen, die das Internet überhaupt nicht nutzen. Solche Jugendliche bilden heutzutage aber die Ausnahme und sollen hier nicht berücksichtigt werden. Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit besteht explizit an der Internetnutzung der Mehrheit und den damit verbundenen Erwartungen und Effekten. 1.4 Aufbau der Arbeit Für diese Untersuchung wurden im Kanton Aargau im August 2008 Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren mittels eines Online-Fragebogens zu ihrer Internetnutzung befragt. Vorab wurden mit einer kleinen Gruppe von Jugendlichen explorative Interviews geführt, die Einblicke in die Internetnutzung und die Einstellungen der Jugendlichen zum Internet geben sollten. Im Folgenden werden zuerst der aktuelle Forschungsstand und die Ausgangslage für die Untersuchung skizziert (Kapitel 2). Im theoretischen Teil (Kapitel 3) wird anschliessend mit der Erläuterung der Begriffe Internet und Publikum an den Untersuchungsgegenstand herangeführt. Danach werden verschiedene Ansätze 10

12 präsentiert, die zur Beantwortung der Fragestellung verwendet werden sollen. In Kapitel 4 werden die Hypothesen formuliert. Im methodischen Teil (Kapitel 5) wird die Stichprobe beschrieben und das Vorgehen bei der Datengewinnung erläutert. In Kapitel 6 finden sich die Auswertungen zu den verschiedenen Aspekten der Internetnutzung. Anhand dieser Resultate werden die Hypothesen in Kapitel 6.12 überprüft und anschliessend werden die Ergebnisse in Kapitel 7 nochmals zusammengefasst und die Arbeit kritisch betrachtet. Aus Gründen der Lesbarkeit bedient sich die vorliegende Arbeit meist männlicher Substantive, was jedoch die weibliche Form der Begriffe selbstverständlich mit einschliesst. Wenn also von Nutzern die Rede ist, sind stets Nutzerinnen und Nutzer gemeint, es sei denn, dass Geschlecht wird explizit hervorgehoben. 11

13 2 Forschungsstand und Ausgangslage Einzelne Gruppen von Jugendlichen wurden bereits eingehend hinsichtlich ausgewählter Internet-Anwendungen untersucht, so z.b. die Besucher von Chatrooms (Fix 2001, Kammerl 2006), Spieler (Ladas 2002) oder Homepage-Besitzer (Chandler/Roberts-Young 1998, Misoch 2007). Diese Gruppen werden aber grundsätzlich isoliert betrachtet und nicht miteinander in Verbindung gebracht, sodass keine anwendungsübergreifende Nutzungspräferenzen und somit auch kein ganzheitliches Bild der Nutzung beschrieben werden können. Statistische Belege zur Relevanz und zum Umgang von Jugendlichen mit dem Internet liefern die in Deutschland jährlich durchgeführte JIM Studie und die ARD/ZDF-Online- Studie. Beide werden auch in der einschlägigen Fachliteratur oft als Referenz hinzugezogen, wenn es um den Mediengebrauch Jugendlicher geht (vgl. Süss 2004: 97; Süss/Marti Salzmann 2006: 4; Vollbrecht 2006: 24). Im Vergleich zu den detaillierten Befragungen aus Deutschland gibt es in der Schweiz noch keine Auswertungen zum generellen Internetgebrauch entsprechend fehlen auch Daten über allfällige Nutzertypologien. Hierbei unterscheidet sich die Schweiz deutlich von den angrenzenden Ländern, in denen öffentlich finanzierte Langzeitbeobachtungen zum Internetgebrauch bestehen. Ebenfalls ist die Schweiz nicht in die internetbezogenen Forschungsprogramme der EU einbezogen und hat eine vergleichsweise junge Kommunikationswissenschaft, die, auch aufgrund struktureller Gegebenheiten, nur schwer eine Vorreiterrolle wie in anderen Ländern übernehmen kann (vgl. Marr 2005: 126). Rudimentäre Daten zur Internetlandschaft und -nutzung werden aber auch in der Schweiz durch das Bundesamt für Statistik und die AG für Werbemedienforschung WEMF erhoben. Die ursprünglich MA net genannte Untersuchung der WEMF wird seit 2007 unter dem Namen NET-Metrix herausgegeben, relevante Daten sind jedoch nur kostenpflichtig zugänglich und tendenziell für Interessenten aus der Privatwirtschaft aufbereitet. Auf Grund der 2006 publizierte Daten lässt sich aber feststellen, dass (auch) in der Schweiz die Grundinteressen im Internet den Bereichen Kommunikation und Informationsabruf gelten (Daten für die ganze Bevölkerung) (WEMF 2006: 3). 12

14 Neuere Daten in Bezug auf das Internet und Jugendliche lassen sich auch bei einer Untersuchung von Süss/Marti Salzmann (2006) finden, leider liefert die Studie aber keine vertieften Daten zum Internetgebrauch, da es sich um eine Erhebung des gesamten Mediengebrauchs von Jugendlichen handelte, wobei die Breite und nicht die Tiefe der Mediennutzung im Vordergrund stand. 2.1 Infrastruktur und Internetnutzung Im Folgenden wird vermehrt Bezug auf Daten aus der deutschen JIM-Studie genommen. Im Hinblick auf diese Daten stellt sich die Frage, inwiefern diese auch als Hinweise für die Internetnutzung in der Schweiz hinzugezogen werden können und dürfen. Unterschiede zum deutschen Nachbarn zeigen sich beispielsweise bereits bei der Grundvoraussetzung der Internetnutzung; der Infrastruktur. Abbildung 1 zeigt die Anteile an Hochgeschwindigkeits-Internetzugängen in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland. In der Schweiz sind deutlich mehr Hochgeschwindigkeits-Internetzugänge vorhanden. Dieser Umstand kann entscheidenden Einfluss auf die Nutzungspräferenzen der Internetnutzer haben, da schnelle Internetzugänge die Zugangsbarrieren zu datenintensiven Angeboten aufheben und so Einfluss auf die Nutzungshäufigkeit von Audio- und Videodateien und Internetradiodiensten haben (vgl. Fisch/Gscheidle 2006: 433). Natürlich ist aber das blosse Vorhandensein einer leistungsstarken Infrastruktur kein Garant für die Nutzung solcher Inhalte. Im Vergleich dazu ist der Anteil Jugendlicher, die das Internet mindestens mehrmals pro Woche nutzen mit ca. 85% in Deutschland sowie in der Schweiz identisch (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2007: 38) (vgl. Abbildung 6, S. 29). Da zudem theoretisch beiden Gruppen dieselben Angebote offen stehen, ist anzunehmen, dass die Internetnutzung der Jugendlichen in diesen beiden Ländern nicht grundsätzlich verschieden ist. Wie auch auf Grund von Daten aus den USA anzunehmen ist, sind die Grundzüge des Internetverhaltens bei Jugendlichen wohl in vielen (westlichen) Ländern ähnlich. Denn auch bei der Untersuchung von Gross (2004), die in Kalifornien durchgeführt wurde, wird die private Kommunikation als wichtigste Internettätigkeit bei Jugendlichen beschrieben. Die Daten im folgenden Kapitel sind aber trotzdem stets mit Vorbehalt zu betrachten. 13

15 Abbildung 1: Abonnenten/Abonnentinnen von Hochgeschwindigkeits-Internetanschlüssen pro 100 Einwohner in der Schweiz und in Deutschland ,3 9, ,5 21,2 0 Deutschland Schweiz xdsl-abonnenten Kabelmodem-Abonnenten und Abonennten anderer Hochgeschw. Anschlüsse Eigene Darstellung. Stand: Dezember Daten: Bundesamt für Statistik (2008). 2.2 Medienbindung und Medienzugang Die Durchdringung des Medienalltages von Jugendlichen durch das Internet schreitet weiter voran. Abbildung 6 auf S. 29 zeigt, dass Jugendliche mittlerweile die stärkste Nutzergruppe in der Schweizer Bevölkerung ausmachen. Entsprechend hoch dürfte auch der Stellenwert sein, den das Internet im Alltag der Jugendlichen einnimmt. Während bei der JIM Studie im Jahre 2006 noch der Computer als wichtigstes, der Fernseher als zweitwichtigstes und das Internet als drittwichtigstes Medium bezeichnet wurden (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2006: 16), hat sich die Rangfolge im Jahre 2007 zu Gunsten des Internets und des MP3-Players verschoben (vgl. Tabelle 1): 14

16 Tabelle 1: Resultate der JIM Studien auf die Frage: Am wenigsten verzichten kann ich auf...? 2006 Rang 2007 Computer 1. Computer Fernseher 2. Internet Internet 3. MP3-Player MP3-Player 4. Fernseher Eigene Darstellung. Daten: (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2006, Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2007). Alter der Befragten: Jahre. Die neusten Daten aus der JIM-Studie 2007 zeigen, dass mit 45% fast die Hälfte aller Jugendlichen einen Internetanschluss im eigenen Zimmer hat und 95% aller Jugendlichen zumindest über einen Internetzugang im Haushalt verfügen. Mädchen geben an 97 Minuten pro Tag online zu sein, Jungen 131 Minuten (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2007: 8ff, 38). Die aktuellsten Daten für die Schweiz aus dem Jahre 2005 weisen bei den 13- bis 18- Jährigen durchschnittlich 36% aus, die einen Internetzugang im eigenen Zimmer zur Verfügung haben, Tendenz mit dem Alter steigend. Die Internetnutzung wird bei den 10- bis 18-Jährigen mit 36 (Jungen) respektive 31 (Mädchen) Minuten angegeben. (vgl. Süss/Marti Salzmann 2006: 5, 12). Die Unterschiede in den beiden Studien könnten auf Grund der unterschiedlichen Altersklassen und der unterschiedlichen Erhebungszeitpunkte zu Stande gekommen sein. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Daten zur Nutzungszeit, zur Nutzungshäufigkeit und zur Medienbindung zeigen, dass das Internet fest in den Alltag Jugendlicher integriert ist. 2.3 Interessen im Internet Bei der starken Nutzung des Internets stellt sich die Frage, was die Jugendlichen denn machen, wenn sie im Internet sind? Abbildung 2 zeigt die Tätigkeiten, die von Jugendlichen täglich oder zumindest mehrmals pro Woche im Internet ausgeführt werden. Die Schwerpunkte liegen bei der Kommunikation (Instant Messaging, und etwas abgeschlagen Chatten). Weiter sind Musik und Informationssuche (nicht 15

17 Schule, Schule/Beruf, Nachrichten, Newsgroups) unter den am meisten ausgeführten Tätigkeiten zu finden. In der Schweiz fehlen solche Daten zu den Tätigkeiten im Internet. Abbildung 2: Die wichtigsten Internet-Aktivitäten, die täglich oder mehrmals pro Woche ausgeführt werden. Instant Messaging 68% 75% Musik/Sound hören 41% 61% 58% 56% Infos suchen (nicht Schule) Nachrichten/Aktuelles Infos suchen Schule/Beruf Chatten 34% 31% 31% 30% 30% 42% 46% 44% 0% 20% 40% 60% 80% Mädchen Jungen Eigene Darstellung. Daten: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2007: 40). Altersgruppen: 12- bis 19-Jährige. Bittet man die Jugendlichen, die im Internet verbrachte Zeit den Bereichen Kommunikation, Spiele und Informationssuche zuzuordnen, zeigt sich erneut die Wichtigkeit der Kommunikation und zwar unabhängig von Geschlecht, Alter oder Bildung. Abbildung 3 zeigt die Verteilung bei den 12- bis 17-Jährigen. Dabei ist zu sehen, dass mit zunehmendem Alter die Informationsbeschaffung im Internet wichtiger wird. Gleichzeitig haben Jungen eine höhere Affinität zum Spielen und Mädchen eine höhere Affinität zur Kommunikation. Bei den grundsätzlichen Interessen im Internet muss aber auch das Unterhaltungsbedürfnis erwähnt werden. Van Eimeren/Frees stellen fest, dass 47% aller Jährigen deutschen Jugendlichen das Internet überwiegend zur Unterhaltung nutzen (vgl. van Eimeren/Frees 2007: 368). 16

18 Abbildung 3: Verteilung der Internetnutzung auf Kommunikation, Spiele und Informationssuche Jungen (12-19 Jahre) 54% 26% 20% Mädchen (12-19 Jahre) 66% 7% 27% Jahre 58% 19% 23% Jahre 60% 21% 20% Jahre 65% 66% 18% 0% 20% 40% 60% 80% 100% Kommunikation Spiele Informationssuche Eigene Darstellung. Daten: (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2007) 2.4 Funktionen des Internets Abbildung 4 zeigt, wie der Stellenwert des Internets 2007 im Vergleich zum Jahr 2005 bei der Funktionserfüllung in verschiedenen Situationen zugenommen hat. Besonders wenn die Jugendlichen sich alleine fühlen oder wenn ihnen langweilig ist, nutzen sie das Internet intensiv und bevorzugen es auch gegenüber anderen Medien (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2007: 64). 17

19 Abbildung 4: Funktionen des Internets 2005 im Vergleich zu % 36% 29% 22% 20% 17% 18% 13% 13% 12% 7% 7% 5% 9% 0%...mir langweilig ist...ich mich geärgert habe...ich mit Freunden zusammen bin...ich traurig bin...ich besonders...ich mich alleine gute Laune habe fühle Eigene Darstellung. Daten: Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2007: 64) Diese Daten veranschaulichen, wie durchwachsen der Alltag Jugendlicher durch das Internet ist und wie vielfältig und breit gefächert sie das Medium für ihre Zwecke nutzen. Gleichzeitig zeigt sich, dass das Internet in allen Stimmungslagen deutlich an Bedeutung gewonnen hat. Wie die Ergebnisse der 9. Welle der ARD/ZDF-Langzeitstudie zeigen, geben bei den jüngeren Nutzern (14-19 Jahre) 45% an, das Internet auch zu nutzen, weil es aus Gewohnheit dazugehört, während dies bei anderen Altersgruppen maximal 21% bekunden (Ridder/Engel 2005: 430). Die habituelle Nutzung des Internets ist also bereits sehr ausgeprägt, was sich besonders bei den jüngeren Nutzern zeigt, die mit dem Medium aufgewachsen sind. 2.5 Kontakt mit dem Internet Die Auseinandersetzung mit interaktiven Medien erfolgt für Jugendliche in einem Spannungsfeld. Auf der einen Seite erhoffen sich die Eltern, dass ihre Kinder über die Auseinandersetzung mit dem Computer wichtige Qualifikationen für den schulischen 18

20 und beruflichen Alltag erlernen, auf der anderen Seite stehen die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder (vgl. Fromme/Vollmer 1999: 201, Süss 2004: 230). Bei den im Vorfeld geführten Interviews zu dieser Untersuchung zeigte sich, dass alle Jugendlichen mindestens dann in Kontakt mit dem Internet kommen, wenn sie es von der Schule aus müssen. So antwortete ein Jugendlicher, der nicht auf das Internet zugreifen darf, also ein eigentlicher Nicht-Nutzer, dass er doch einmal unter elterlicher Aufsicht für eine schulische Recherche ins Internet durfte. Auch Jugendliche, denen von zu Hause aus der Zugang zum Internet grundsätzlich versperrt ist, kommen früher oder später zumindest in der Schule damit in Kontakt. Im Jahre 2001 wurde die Initiative Private Public Partnership Schule im Netz von den Kantonen, dem Bund und der Privatwirtschaft ins Leben gerufen. Diese Initiative hatte das Ziel, die Integration der Informations- und Kommunikationstechnologien in den schweizerischen Schulen zu unterstützen. Die Bemühungen wurden im Jahre 2007 analysiert, wobei festgestellt wurde, dass 95,4% aller Schulen in der Schweiz Computer haben, die mit dem Internet verbunden sind und von der Schülerschaft verwendet werden können. Ebenso wurde festgestellt, dass Informatik als obligatorisches Fach vor allem in höheren Schultypen anzutreffen ist, während der Einsatz von ICT (Information and Communication Technology) im Unterricht der allgemeinen Fächer nur gerade in einem Viertel der Schulen obligatorisch ist. (vgl. Barras/Petko 2007: 11, 13). Im Kanton Aargau, wo die vorliegende Untersuchung durchgeführt wurde, empfiehlt die BIAS (Beratungsstelle Medien und Informatik im Unterricht) eine Schulung für Tastaturschreiben und Office-Anwendungen und darüber hinaus vor allem die Integration des Computers in den Regelunterricht. Abbildung 5 zeigt wie viele der Oberstufenklassen im Kanton Aargau über die letzten Jahre bereits mit dem Unterrichtsmodell Internet als Werkzeug verfügbar gearbeitet haben. 19

21 Abbildung 5: Anteil der Oberstufen-Klassen im Kanton Aargau, die mit dem Unterrichtsmodell Internet als Werkzeug verfügbar gearbeitet haben 100% 84% 80% 60% 55% 64% 68% 75% 77% 40% 38% 20% 0% Eigene Darstellung. Daten: BIAS (2008). Internet als Werkzeug verfügbar Wie die Grafik zeigt sind bis % aller Schüler im Unterricht mit dem Internet in Kontakt gekommen. Auf Grund der Verankerung im Lehrplan sowie der Bestrebungen, den Heranwachsenden den Computer bereits in der Primarschule näher zu bringen (vgl. BIAS 2001: 2) ist anzunehmen, dass in Zukunft wohl ausnahmslos alle Jugendlichen zumindest in der Schule mit dem Internet in Kontakt kommen. Zum Kontakt mit dem Internet ist weiter zu erwähnen, dass die Jugendlichen grundsätzlich wohl eher mit wenig elterlicher Aufsicht im Internet unterwegs sind. So schrieben bei einer Befragung im Jahre 2002 die Hälfte aller Mädchen (51%) sich selbst oder einem Geschwister die höchste Computerkompetenz im Haushalt zu und nicht einem Elternteil. Bei den Jungen waren es sogar 68% (vgl.süss 2004: 251). Ein Mädchen äusserte in den im Vorfeld durchgeführten Interviews zu dieser Untersuchung, dass die Eltern es grundsätzlich nicht merkten, wenn sie Internetseiten besuche, die ihr verboten wurden. Geht man davon aus, dass die Aneignung neuer Medien primär durch Sozialisation und nicht durch Instruktion geschieht, also durch funktionale Lernprozesse im Umgang mit den Medien selbst, dann entstehen 20

22 jugendliche Medienkulturen primär im Spannungsfeld zwischen den medialen Botschaften und den kindlichen Deutungs- und Nutzungsmustern (vgl. Fromme/Vollmer 1999: 201; Süss 2007: 110). Medienkompetenz, als Form des Umgangs mit einem Medium, wird zunehmend von Jugendlichen untereinander und auch von Jüngeren an Ältere weitergegeben (vgl. Süss 2004: 277). Das lässt die Vermutung zu, dass der Umgang primär im Rahmen der Selbstbestimmung oder der Fremdbestimmung durch Gleichaltrige geschieht, während der Zugang primär durch Fremdbestimmung (Eltern, Schule) reguliert wird. Das Unwissen vieler Eltern über die Internetnutzung ihrer Kinder ist mittlerweile auch Thema öffentlicher Debatten. Es findet eine Sensibilisierung für dieses Thema statt und für Eltern werden beispielsweise Workshops angeboten, die ihnen den Umgang mit dem neuen Medium näher bringen sollen Geschlechterspezifische Unterschiede In verschiedenen Untersuchungen finden sich immer wieder geschlechtsspezifische Unterschiede in Bezug auf die Verweildauer im Internet. So zum Beispiel bei Süss/Marti Salzmann (2006: 12): Mädchen 31 Minuten vs. Jungen 36 Minuten pro Tag (hier weisen die Jungen eine um 16% längere Verweildauer auf), oder beim Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (2007: 38): Mädchen 97 Minuten vs. Jungen 131 Minuten pro Tag (hier weisen die Jungen eine um 35% längere Verweildauer auf). Der Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern wird aber in jüngster Zeit zunehmend kleiner. Gross (2004: 640) konnte in einer Untersuchung sogar zeigen, dass der Unterschied verschwindet, wenn man Heavy Gamers, meist Jungen, die sich durch einen besonders zeitaufwendigen Internetgebrauch auszeichnen, aus den Berechnungen ausschliesst 5. Zudem konnte Gross in der gleichen Untersuchung zeigen, dass sich die jüngsten Internetnutzerinnen auch nicht mehr in der Zeit, die sie bereits mit dem Internet in Kontakt sind, von den jüngsten Internetnutzern unterscheiden. Bei älteren Onlinern existiert in diesem Bereich noch eine Differenz. Dieser Kohorteneffekt lässt darauf 4 Zum Beispiel im Rahmen der von der Stadt Zürich durchgeführten Präventionskampagne schau genau! (Stadt Zürich 2008). 5 Extremwerte werden auch in anderer Untersuchungen zum Medienhandeln bewusst identifiziert und ausgeschlossen oder gesondert betrachtet (vgl. Treumann et al. 2007: 60ff) um solche Verzerrungen zu erklären. 21

23 schliessen, that the gender gap in overall usage reported in earlier research [...] had narrowed enough to be indiscernible in the younger cohort (Gross 2004: 640). 2.7 Erkenntnisse zur Wirkung des Internets Die Medienwirkungsforschung ist primär auf das Fernsehen fixiert, worauf entsprechend auch ein grosser Teil der Befunde basiert. Dabei werden die gefundenen Effekte in den meisten Studien vor allem als Wirkungen der Inhalte verstanden und formale Aspekte (Gestaltung, Visualisierungsgrad) eher weniger beachtet (vgl. Bonfadelli 2004b: 16). In jüngster Zeit kommt aber auch das Internet je länger je mehr ins Blickfeld der Medienwirkungsforschung. Dabei interessieren besonders die Implikationen auf die Aspekte Ungleichheiten (Digital Divide), Vergemeinschaftung und Sozialkapital, politische Partizipation, Organisationen/Institutionen sowie kulturelle Partizipation und kulturelle Vielfalt (DiMaggio et al. 2001). Mögliche Einflüsse auf den Alltag Jugendlicher sind direkt oder indirekt bei Gross (2004), Livingstone (2003), Neuhaus Bühler (2007) und Kammerl (2006) thematisiert. Grundsätzlich ist das Forschungsfeld im Bereich der Interneteffekte noch sehr jung, was mit den Tatsachen einhergeht, dass das Internet erst in jüngster Zeit starke Verbreitung findet und es im Zuge der raschen technischen Entwicklung und Diversifikation analytisch nur schwer zugänglich ist. Durch diese Entwicklung ändert sich auch ständig der Umgang mit dem Medium, was wiederum zu veränderten Effekten führt. 2.8 Nutzertypologien Das Wissen darüber, dass Rezipienten zeitlich überdauernde Nutzungsgewohnheiten aufweisen, erlaubt die Entwicklung von Nutzungstypologien oder Rezeptionsmodalitäten, die wiederkehrende Typen, Muster oder Stile des individuellen Medienumgangs beschreiben (Schweiger 2007: 237). Das Prinzip bei der Bildung von Nutzertypologien besteht darin, unterschiedliche Gruppen auf Grund der erhobenen Ausprägungen derart zu bilden, dass die Individuen innerhalb einer Gruppe sehr wenig differieren (Prinzip der Homogenität) während sich Individuen aus unterschiedlichen Gruppen möglichst stark unterscheiden (Prinzip der Heterogenität) (vgl. Treumann et al. 22

24 2007: 195). Nutzungsstile sind aber nicht absolut starre Verhaltensweisen, die immer und ohne Ausnahme angewendet werden. Es lassen sich jedoch bei jeder Person situationsübergreifend dominante Nutzungsstile beobachten (vgl. Suckfüll/Matthes/Markert 2002: 195). Auf Grund dieser Nutzungstypologien lassen sich dann Nutzertypologien bilden. Solche Typologien existieren bereits im Bereich der Internetforschung, jedoch nicht explizit für jugendliche Nutzer, wurden aber auch schon früher im Umgang mit anderen Medien beobachtet. Hasebrink/Krotz (1994) stellen fest, dass die Vielfalt im Umgang mit dem Fernsehen nicht beliebig ist, sondern dass sich bestimmte Strategien der Fernsehnutzung ermitteln lassen, anhand derer sich Gruppen von Zuschauern unterscheiden (Hasebrink/Krotz 1994: 282). Die Grundannahme der Typenbildung geht davon aus, dass die Gesellschaft nicht nur als vertikal differenziert zu betrachten ist, sondern auch als horizontal differenziert. Kongruent mit dieser Annahme mehren sich die empirischen Hinweise darauf, dass der Einfluss klassischer Merkmale des Sozialstatus in der Bevölkerung immer mehr an lebensweltlicher Relevanz verliert [und/m.h.] Verhaltens- und Einstellungsunterschiede damit längst nicht mehr angemessen erklärt werden können (Taubert 2006: 1). Nutzertypologien können also nicht (mehr) anhand der Schulstufen und des Geschlechts erstellt werden, denn die Differenzierung einzelner Gruppen anhand der klassischen Merkmale Beruf, Bildung und Einkommen und anderen soziodemografischen Merkmalen wie Alter und Geschlecht gilt als überholt (vgl. Taubert 2006: 1f.). Mit der zunehmenden Differenzierung des Medienangebotes und der zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft dürfte der Bedarf an sozialökologischen Indikatoren stetig steigen. Belege dafür finden sich in Deutschland bereits Mitte der 1980er Jahre. Damals hatte die Ausweitung und Differenzierung des Medienangebotes einerseits zu einer Segmentierung des Publikums geführt und andererseits zu komplexeren Mediennutzungsmustern. Der [gesamte/m.h.] Prozess der Individualisierung und gesellschaftlichen Ausdifferenzierung in sehr unterschiedliche Lebensstil- und Geschmacksgruppen konnte bei der Publikumsanalyse nicht länger ignoriert werden (Oehmichen 2003: 10). Diese Individualisierung kann besonders im Internet bei der Selektion der verschiedenen Inhalte und Anwendungen ausgelebt werden. Denn diese stehen in beinahe unbegrenzter Zahl zur Verfügung. 23

25 Baacke/Sander/Vollbrecht stellen in ihrer Untersuchung über Typen von Mediennutzern fest, dass die Clusterbildung zum grossen Teil entlang der Schichtzugehörigkeit verläuft. Dennoch schliessen sie bereits sozialökologische Indikatoren in die Berechnungen mit ein und kommen zum Schluss, dass diese das Medienverhalten durchaus präfigurieren (vgl. Baacke/Sander/Vollbrecht 1990: 239). Die Autoren konnten bei der Untersuchung von 12- bis 15-Jährigen drei verschiedene Gruppen von Mediennutzern bestimmen: Die Angebotsorientierten, die Häuslichen und die Aktiven. Dabei zeigten sich insbesondere die Schulbildung der Eltern, die Schulbildung der Jugendlichen, die geografische Lage, und die Hobbies der Jugendlichen neben der Mediennutzung als klare Präfigurationsfaktoren des Medienhandelns und somit auch als adäquate Merkmale der verschiedenen Mediennutzertypen (vgl.baacke/sander/vollbrecht 1990: 239f). Sozialökologische Faktoren spielen also auch bei der Mediennutzung von Jugendlichen eine wichtige Rolle. Im Rahmen einer sozialökologisch angeleiteten Analyse fordern die Autoren die Berücksichtigung des konkreten Lebenszusammenhangs, der subjektiven Einschätzung Jugendlicher bezüglich einzelner Medien und die Analyse der Medienumgebungen. Nur unter dieser Berücksichtigung kann die Wirkungsimplikation für Sozialisation, Entwicklung und das Weltverständnis von Jugendlichen untersucht werden (vgl. Baacke/Sander/Vollbrecht 1990: 20). Treumann et al. (2003/2007) haben eine Analyse von jugendlichem Medienhandeln durchgeführt und so versucht, das medienübergreifende Medienhandeln Jugendlicher kombiniert mit der Medienkompetenz der Jugendlichen zu typologisieren. Dies geschah auf der theoretischen Fundierung durch das Bielefelder-Medienkompetenz-Modell. Anhand der Auswertung der Daten von 1662 Jugendlichen konnte das Team 7 homogene Gruppen bestimmen: Bildungsorientierte, Positionslose, Kommunikationsorientierte, Konsumorientierte, Allrounder, Deprivierte und Gestalter (vgl. Treumann et al. 2003: 19f.). Bei dieser Untersuchung wurde das gesamte Medienhandeln Jugendlicher untersucht, wobei jedoch Aspekte zur Internetnutzung eher kurz gehalten sind 6. Die ursprüngliche Erhebung der Daten fand jedoch auch im 6 Vom 121 Items umfassenden Fragenkatalog tangieren lediglich 8 Fragen den Bereich Internet, davon beziehen sich nur 2 direkt auf Verwendungszweck und zeit. 2 Items fragen nach den Definitionen von Internet-Browser und Cookies, 1 Item fragt nach situativen Medienvorlieben, 1 Item nach der Häufigkeit einzelner Medien als Gesprächsthema, ein weiters nach der Relevanz bei der Informationssuche einzelner Medien und das letzte Item schliesst Internet nutzen als möglichen Verwendungszweck des Computers ein (vgl. Treumann 2007: ) 24

26 Jahre 2001 statt; damals lag der durchschnittliche Internetgebrauch von Jugendlichen bei lediglich 71 Minuten pro Tag (vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2001: 34) wurden von der ARD und dem ZDF gemeinsam die MedienNutzerTypologien entwickelt. Die OnlineNutzerTypologien wurden im Jahre 2004 im Rahmen der ARD/ZDF-Online-Studie entwickelt, mit dem Ziel, die Onlinenutzer nach Breite und Intensität ihres Internetverhaltens zu segmentieren. Ziel der Typologien ist es, Programmmachern [...] ein angemessen differenziertes, aber zugleich anschauliches Bild der verschiedenen Radio- und Fernsehpublika sowie von Onlinenutzern zu liefern (Oehmichen 2003: 10). Die Autoren haben das Konzept auf den Interessen der Nutzer aufgebaut und konnten so 6 verschiedene Typen von Internetnutzern identifizieren. Diese lassen sich den zwei Haupttypen aktiv-dynamische Nutzer (51,3%) und selektiv-zurückhaltende Nutzer (48,7%) zuordnen 7 (vgl. van Eimeren/Frees 2007: 366). Diese Grundpolarität bildet auch die Basis für die Bildung der unterschiedlichen Nutzergruppen. Die Voraussetzung für die Bildung der Typologien war die Erkenntnis, dass die Aneignung des Internets nicht gleichförmig erfolgt, sondern dass Jüngere und Ältere, Berufstätige und Nichtberufstätige, Männer und Frauen in Abhängigkeit von ihrer Alltagssituation, ihren medientechnischen Fähigkeiten und ihren Interessen allmählich unterschiedliche Routinen und Nutzungsmodi ausbilden (Oehmichen/Schröter 2007: 406). Diese Nutzertypologien wurden jedoch für die Nutzer aller Altersklassen gleich festgelegt, eigene Nutzerprofile für Jugendliche wurden nicht erstellt. In der Forschung finden sich zwar verschiedene Typologisierungen; wie Typen jugendlichen Medienhandelns oder Typen von Online-Nutzern, eine Typologisierung jugendlicher Online-Nutzer (besonders nach Präferenzen) fehlt jedoch bis anhin. Somit existiert nach wie vor kein Bild des jugendlichen Internetnutzers, das es erlauben würde, Struktur in das jugendliche Internethandeln zu bringen. Welche Typen von jugendlichen Internetnutzern anhand ihrer Nutzungspräferenzen und sozialökologischen Ausprägungen bestimmt werden können, ist also nach wie vor offen. 7 Den aktiv-dynamischen Nutzern ordneten sie dabei die Nutzungstypen Junge Hyperaktive (12,9%), Junge Flaneure (6,5%), E-Consumer (9,0%) und Routinierte Infonutzer (21,2%) zu. Den selektivzurückhaltenden Nutzern die Nutzungstypen Selektivnutzer (20,9%) und Randnutzer (29,5%) (Oehmichen/Schröter 2007: 407). 25

27 2.9 Zusammenfassung Forschungsstand Das Internet ist fest im Alltag der Jugendlichen verankert. Obwohl es nahe liegt, Daten aus Deutschland als Referenz für hiesige Forschung hinzuzuziehen, ist es unbefriedigend, dass für die Schweiz keine Daten zur Internetnutzung Jugendlicher vorliegen. Diese Forschungslücke soll, so weit im Rahmen dieser Untersuchung möglich, geschlossen werden. Das Internet ist ein Medium, das den Alltag der Jugendlichen mitgestaltet. Sich diesem Medium zu entziehen ist auf lange Zeit, auch auf Grund der bildungsinstitutionellen Bemühungen, nicht möglich. Kenntnisse über Nutzung und Wirkung sind somit von zentralem Interesse. Abgesehen von der dokumentierten starken Nutzung des Internets durch die Jugendlichen kann davon ausgegangen werden, dass sich Geschlechterunterschiede zunehmend angleichen. Die oben oft zitierte JIM-Studie klassifiziert die Jugendlichen bei der Auswertung der Daten nach Geschlecht, Alter und Bildung eine Gruppierung nach Präferenzen, wie sie auf Grund der individualisierten Mediennutzung wünschenswert wäre, bleibt jedoch offen. In der gesamten Literatur findet sich keine spezielle Nutzertypologie für jugendliche Internetnutzer. Obwohl verschiedene Daten, wie das starke Unterhaltungsinteresse, die Präferenz für Web 2.0 Angebote und die starke Vertrautheit mit dem neuen Medium für das Vorhandensein eines spezifischen jugendlichen Internetverhaltens sprechen. 26

28 3 Theoretische Einbettung In diesem Kapitel werden zuerst die zentralen Untersuchungsgegenstände, das Internet und die jugendlichen Internetnutzer, genauer betrachtet. Darauf werden die theoretischen Ansätze präsentiert, die zur Erfassung der Internetnutzung und Beantwortung der Fragestellung verwendet werden. 3.1 Das Medium Internet? Ein Begriff mit Klärungsbedarf Im folgenden Kapitel wird das Internet kurz in seinen Grundzügen beschrieben. Historische und technische Daten werden dabei bewusst weggelassen, da sie nicht im Zusammenhang mit dem Erkenntnisinteresse stehen. Dass Internet ist kein Medium im klassischen Sinn, sondern kann eher als Rahmen für mediale Erfahrungen bezeichnet werden. Denn das Internet vereint verschiedene Kommunikationsmodalitäten (Reziproke Interaktion, Verbreitung, individuelle Referenzsuche, Gruppendiskussionen und Mensch-Maschinen-Interaktionen) mit verschiedenen Inhalten (Text, Video, Bild, Audio) in einem einzigen Medium (DiMaggio et al. 2001: 308). Die Möglichkeit, diese Komponenten beinahe uneingeschränkt miteinander zu kombinieren, schafft eine unfassbare Vielzahl von Inhalten und Anbietern. Aufgrund der starken Ausdifferenzierung des Internets in so viele unterschiedliche 'Kommunikations-Möglichkeiten' lassen sich kommunikationswissenschaftliche Definitionen nur sinnvoll für einzelne Internet-Dienste und -Anwendungen formulieren, während das Internet als Ganzes als Informations- und Kommunikationsinfrastruktur bezeichnet werden kann. Die Kommunikationsprozesse innerhalb dieser Infrastruktur können grundsätzlich in synchrone und asynchrone computervermittelte Kommunikation unterteilt werden. Anwendungen wie z.b. , Foren und Newsgroups lassen sich der asynchronen computervermittelten Kommunikation zuordnen, da sie keine zeitliche Kopräsenz von Sender und Adressat voraussetzen. Chats und Online-Spiele hingegen setzen die zeitliche Kopräsenz der Teilnehmer voraus und sind somit der synchronen 27

29 computervermittelten Kommunikation zuzuweisen 8 (Döring 2003: 42ff; Misoch 2006: 54f). Die Beschaffenheit des Internets macht es zu einem Medium, das aus den traditionellen Massenmedien heraussticht. Bonfadelli umschreibt diese Eigenheiten mit folgenden Stichworten: Interaktivität, Eigenaktivität, horizontale Kommunikation, Globalität, Grenzaufhebung zwischen Privatem und Öffentlichem und Multimedialität (Bonfadelli 2004b: 203). Diese Kernpunkte sollen im Folgenden kurz erläutert werden: Der Informationsfluss findet im Internet nicht mehr einseitig vom Sender zum Empfänger statt; das Internet ermöglicht die reziproke bzw. interaktive Kommunikation. Während die traditionelle Massenkommunikation auf Grund des einseitigen Informationsflusses eher rezeptiv-passiv ist, erfordert das Internet mehr Eigenaktivität des Nutzers. So muss im Internet z.b. aktiv nach Informationen gesucht oder durch eine Webseite navigiert werden. Weiter ist die Auflösung des vertikalen Informationsflusses zu bemerken. Vertikal bedeutet, dass gesellschaftlich dominante Akteure und Organisationen, zusammen mit den Journalisten als Gatekeeper, die Kontrolle besitzen. Die horizontale Kommunikation erlaubt es nun allen Nutzern, selbst zum Kommunikator mit einem potenziell unbegrenzten Publikum zu werden. Die Explosion der Anzahl der Blogs im Internet sowie das Ranking einzelner Blogs im Vergleich zu Nachrichtenseiten sprechen diesem Punkt grosse Relevanz zu. Das Internet ermöglicht neben der Massenkommunikation aber auch die Individualund Zielgruppenkommunikation. Dazu gehören , Instant Messaging (Individualkommunikation), Chats oder Foren (Zielgruppenkommunikation) und viele mehr. Das Internet ist global. Wer an irgendeinem Ort Zugang zum Internet hat, hat automatisch Zugang zu allen Seiten des Internets und zu allen (kommunikationswilligen) Nutzern des Internets. Durch den interaktiven und horizontalen Charakter des Internet sind viele Inhalte, die grundsätzlich privater Natur sind, öffentlich zugänglich. Hier sind die bereits erwähnten Blogs anzuführen, aber auch Inhalte auf Fotoseiten und Social Networks, die oft persönliche Informationen beinhalten aber grundsätzlich allen Internetnutzern frei zugänglich sind. 8 Computervermittelte Kommunikation kann weiter nach Sender-Emfpänger-Struktur unterschieden werden. Also ob ein Sender an einen Empfänger (one-to-one), viele Sender an viele Empfänger (many-tomany) oder ein Sender an viele Empfänger (one-to-many) sendet. Jedoch wird hier die Klassifizierung einzelner Kommunikationsmodi bereits unscharf; eine an einen Empfänger ist one-to-one Kommunikation, während eine mit mehreren Empfängern bereits als one-to-many Kommunikation zu bezeichnen ist. 28

30 Als letzter Punkt kann noch die Multimedialität des Internets erwähnt werden: Die digitale Kommunikation ermöglicht die Zusammenführung und beliebige Kombination zwischen den Kanälen Text, Bild und Ton (vgl. Bonfadelli 2004b: 204ff). Weitere Charakteristika des Internets sind die rasche medientechnologische Entwicklung und die rasche gesellschaftliche Aneignung die das Internet erfuhr. Diese Dynamik wurde bereits 1996 durch die Faustregel 'ein Internetjahr dauert nur 3 Monate' veranschaulicht (vgl. Döring 2003: 1). Abbildung 6 zeigt die Entwicklung der Internetnutzung während der letzten 10 Jahre in der Schweiz. Die Daten zeigen den prozentualen Anteil Internetnutzer, die zum Engeren Nutzerkreis (ENK) gezählt werden können, geordnet nach Altersgruppen. Der ENK schliesst alle Personen mit ein, die das Internet mindestens mehrmals pro Woche nutzen. Wie die Grafik zeigt, nahm die Internetnutzung in den letzten Jahren bei allen Altersgruppen kontinuierlich und stark zu. Dabei ist in der Gruppe der 14- bis 19-Jährigen der Anteil der Internetnutzer seit kurzem am grössten. Abbildung 6: Internetnutzung in der Schweiz nach Alter, Entwicklung (ENK) in Prozent (%) Jahre Jahre Jahre Jahre 50+ Jahre Quelle: Eigene Darstellung. Daten: Bundesamt für Statistik (Die Daten wurden mittlerweile aus der Homepage des Bundesamtes für Statistik entfernt) 29

31 3.2 Vom Publikum zum Nutzer? Nachdem im vorhergehenden Kapitel die Eigenheiten des Internets und die Unterschiede zur 'traditionellen' Massenkommunikation beschrieben wurden, soll im folgenden Kapitel die Konsequenzen aufgezeigt werden, die dies für die Betrachtung der Mediennutzer hat Publikumsforschung Die Untersuchung und Beschreibung von Internetnutzern gehört ins Feld der Publikumsforschung. Ein Grossteil der heutigen Publikumsforschung konzentriert sich auf die Erfassung der Kontakte der Menschen mit den Medien. Dabei stehen die Fragen nach der Zahl der Nutzer, des Zeitpunktes der Nutzung und der Häufigkeit der Nutzung eines Medienangebotes im Vordergrund. Die Informationen über Grösse und Zusammensetzung des Publikums dienen dabei vor allem der Werbeeinnahmengenerierung. Diese, von den Medienunternehmen und ihren Vermarktern organisierte Publikumsforschung, wird institutionelle Publikumsforschung genannt. Daneben existiert die akademische oder universitäre Publikumsforschung. Sie kennt verschiedenen Traditionen: Die kultur- oder sozialwissenschaftliche Tradition konzentriert sich dabei vor allem darauf, wie die Nutzer eine Botschaft verstehen und in den Alltag einbauen. Die verhaltenswissenschaftliche Tradition, deren Richtung auch in dieser Arbeit eingeschlagen werden soll, befasst sich mit der Erklärung und Beschreibung der Medienauswahl, der Motive der Nutzung bestimmter Medieninhalte und den Wirkungen bzw. Reaktionen auf die Inhalte (vgl. Schenk 2007: 659ff) 9. Obwohl die Mediennutzungsforschung kritisiert wurde, theorielos und nicht generalisierbar zu sein, ist das Interesse an ihr und somit auch an den Nutzern, in jüngster Zeit markant gestiegen. Insbesondere auch im Zusammenhang mit der Internetforschung. Gleichzeitig darf auch nicht vergessen werden, dass die Mediennutzung auch Voraussetzung für jegliche Formen der Medienwirkung ist (vgl. Bonfadelli 2004a). 9 Schenk bezieht sich hierbei auf eine verdichtete Typologie von McQuail (1997), die die strukturelle Tradition (institutionelle Publikumsforschung), die verhaltenswissenschaftliche Tradition und die Kultur- /Sozialwissenschaftliche Tradition als die 3 Kategorien der Publikumsforschung definiert. Er weist aber auch auf eine Unterteilung von Jensen und Rosengren (2006a) hin, die 5 Traditionen der (akademischen) Publikumsforschung unterscheiden (Jensen/Rosengren 2006b: 65). 30

32 Bevor mit den Begriffen Publikum oder Nutzer weiter gearbeitet wird, muss zuerst erläutert werden, was die Begriffe im heutigen Medienumfeld und speziell im Hinblick auf das Internet bedeuten Das Internet-Publikum? Der Begriff Publikum lässt sich nicht allgemein definieren und ist stets von gesellschaftlichen und medienlandschaftlichen Faktoren mitbestimmt. Mit der Erfindung des Buchdruckes als erstes Massenkommunikationsmittel wurde aus dem ursprünglichen Präsenzpublikum, das ort- und zeitgebunden war und zusammenkam, um eine Darbietung beliebiger Art anzuschauen, ein massenhaftes und disperses Publikum. Ein Präsenzpublikum kann direkt Einfluss auf jene nehmen, die vor ihm auftreten und sie zum Beispiel ausbuhen; es ist eine handlungsfähige Gemeinschaft auf Zeit (Klaus 1997: 457, zit. nach Schweiger 2007: 221). Heute gibt es dieses Publikum, beispielsweise an öffentlichen Veranstaltungen, immer noch. Das Publikum der Massenmedien hingegen ist dispers, die Rezipienten befinden sich an unterschiedlichen Orten und nutzen die Medien meist alleine oder in der Familie. Zu einem bestimmten Zeitpunkt ausgestrahlte Fernseh- und Radiosendungen benötigen keine örtliche Kopräsenz, verlangen aber die zeitliche Kopräsenz des Publikums. Textbasierte Medien und Medienkonserven befreien den Rezipienten auch von der zeitlichen Gebundenheit an die Mediennutzung (vgl. Schweiger 2007: 222f.). Die Nutzer und Rezipienten von Massenkommunikation bilden also ein Publikum indem sie sich vorübergehend und zeitlich und räumlich getrennt einer Medienbotschaft zuwenden das Publikum der Medien ist offen, unbegrenzt und fluktuierend (vgl. Bonfadelli 2004a: 54). Der Begriff Massenkommunikation definiert sich folgendermassen: Massenkommunikation ist jene Form der Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich, durch technische Verbreitungsmittel, indirekt und einseitig an ein disperses Publikum vermittelt werden (Maletzke 1963: 32, zit. nach Maletzke 1998: 46). Wie oben erwähnt kann in Bezug auf das Internet auf Grund der zahlreichen Interaktions- und Partizipationsmöglichkeiten nicht mehr von einer Kommunikation im Sinne der traditionellen Massenkommunikation gesprochen werden. Was bedeutet dies nun für das Internet und sein Publikum? 31

33 Da sich mit dem Aufkommen neuer Medien die Grenzen zwischen personaler und Massenkommunikation verwischen (vgl. Bonfadelli 2001: 34), stellt sich besonders im Zusammenhang mit dem Internet die Frage, ob noch von einem herkömmlichen Publikum gesprochen werden kann. Denn die Nutzer [ ] sind nicht mehr eindeutig als disperses Publikum zu definieren, weil Kommunikator- und Rezipientenrollen einfacher gewechselt, unter Umständen sogar gleichzeitig in parallelen Kommunikationen gespielt werden können (Beck 2003: 84). An gleicher Stelle legt Beck (2003) den Begriff Kommunikanten nahe, der die Begriffe Rezipient und Kommunikator ersetzt und die Nutzer zu Beteiligten erklärt. Wie mit dieser neuen Betrachtungsweise der Rezipienten theoretisch und methodisch umzugehen ist, und ob diese Frage auf Grund der Vielschichtigkeit des Internets befriedigend beantwortet werden kann, wird an anderer Stelle zu klären sein. Für die vorliegende Arbeit soll der auch in der Fachliteratur stark verbreitete Begriff Nutzer verwendet werden der sich auf den Benutzer des Internets bezieht sei dies als Kommunikator, Rezipient oder beides Das aktive und selektive Publikum Nebst definitorischen Unklarheiten steht hingegen ausser Frage, dass das Publikum, oder eben die Nutzer, als aktiv zu betrachten sind. Die Vielzahl an Online- Angeboten, die ein enormes Mass an Selektion zulassen und sogar das Publikum zum Produzenten von Medieninhalten machen, verleihen der Publikumsaktivität im Rahmen der Onlinenutzung einen neuen Stellenwert, der über das blosse Selegieren hinausgeht; dabei stellt sich die Frage warum, wie und in welchem Umfang die Nutzer diese Medienangebote aufgreifen und welche Nutzergruppen sich bestimmen lassen. Dies gilt besonders für das Internet, eines der neuen interaktiven Medien, die nicht aus einer bequemen 'Lean-back'-Postition genutzt werden können, sondern einige Aktivität bei ihrer Nutzung voraussetzen (Schenk 2007: 767/Hervorheb. i.o.). Aktivität ist aber nicht erst seit dem Aufkommen des Internets ein Thema in der Forschung. Aktivität wurde dem Publikum im Rahmen der Konsistenzmodelle mit der Idee der Selektiven Zuwendung auch schon zuerkannt, dabei jedoch meist als Störgrösse im Wirkungsprozess der Medien und nicht als unabhängige Variable betrachtet (vgl. Schenk 2002: 605f). Konsistenztheorien gehen davon aus, dass 32

34 Individuen bestrebt sind, in Bezug auf ihre Einstellungen untereinander und in Bezug auf ihre Einstellung und ihr Verhalten Konsistenz herzustellen, zu erhalten und Inkonsistenz abzubauen. Festingers Dissonanztheorie war lange Zeit Kern vieler Studien, die sich mit dem Einfluss von Konsonanz und Dissonanz (resp. Konsistenz und Inkonsistenz (vgl. Schenk 2007: 149)) auf die Medienselektion beschäftigten. Sie geht davon aus, dass Personen dissonanzreduzierende Informationen suchen und dissonazerhöhende Informationen meiden: The presence of dissonance leads to seeking new information which will provide cognition consonant with existing cognitive elements and to avoiding those sources of new information which would be likely to increase the existing dissonance (Festinger 1962: 264). Die Aktivität besteht in diesem Modell in der selektiven Medienzuwendung; also im Vermeiden oder Aufsuchen resp. Konsumieren bestimmter konsistenzerhaltender oder dissonanzvermeidender Inhalte. Kritik am Ansatz wurde unter anderem deshalb laut, weil Festingers Ansatz über Situationen, in denen Konsonanz herrscht, nichts aussagt. Aber auch, weil verschiedenste Studien zu teils widersprüchlichen Ergebnissen kamen, z.b. Freedmann (1965). Nach einer Meta-Analyse der wichtigsten Medienwirkungsstudien kam Klapper (1960) zum Schluss, dass die Selektivität der Rezipienten direkte Medienwirkungen unterbindet, und die Eigenschaften der Rezipienten den Selektionsprozess wesentlich bestimmen (Klapper 1960: 50ff. zit. nach Suckfüll 2004: 21). Selektivität wurde in diesem Zuge zu einem Grundbegriff der Medienwirkungsforschung (Suckfüll 2004: 21). Das Konzept des aktiven Publikums bzw. des selektiven Rezipienten ist heute auch Grundlage der aktuellen Mediennutzungsforschung (vgl. Schweiger 2007: 225) Fazit Internetnutzung und Internetnutzer Das Internet lässt sich kommunikationswissenschaftlich nicht als Ganzes definieren. Es ist vielmehr als Infrastruktur zu betrachten, in der die verschiedensten Kommunikationsprozesse stattfinden können. Entsprechend gestaltet sich auch ein ganzheitlicher kommunikationswissenschaftlicher Zugang schwierig. Gleichzeitig können die Nutzer dieses Mediums nicht mehr als Publikum im herkömmlichen Sinn bezeichnet werden. Die Bedingung, dass Informationen aktiv abgerufen werden müssen und die Möglichkeit, zwischen Kommunikator-, Rezipienten- und Produzentenrolle zu wechseln, machen die Teilnehmer der Internetkommunikation zu aktiven Nutzern. 33

35 Dieser aktive Nutzer steht im Zentrum dieser Untersuchung. Im Folgenden soll nun veranschaulicht werden, wie die Internetnutzung, unter Berücksichtigung dieser zentralen Rolle des Nutzers, erfasst werden kann. 3.3 Theorien und Ansätze zur Mediennutzung Als theoretische Basis für die vorliegende Fragestellung sollen im folgenden Kapitel verschiedenen Ansätze und Theorien präsentiert werden, die eine möglichst breite Erklärung und Beschreibung der Internetnutzung Jugendlicher ermöglichen. Es muss in diesem Zusammenhang auf mehrere Ansätze zurückgegriffen werden, da in der Literatur kein einzelner Ansatz existiert, der alle Faktoren, die die Medienzuwendung beeinflussen können, systematisch berücksichtigt (vgl. Meyen 2004: 15). Eine theoretische Abstützung ist jedoch nötig, um zu repräsentativen Aussagen zu kommen. Theorien können in Bezug auf relevante Merkmale einen Teil der Realität abbilden. Sind diese Merkmale des Realitätsausschnitts massstabsgetreu und valide im theoretischen Modell repräsentiert, können mit Hilfe des theoretischen Modells Daten erhoben werden, die wiederum auf die Realität schliessen lassen, die so erforscht werden kann (vgl. Früh 2003: 15). Im Folgenden sollen deshalb verschiedene Ansätze und Theorien angeführt werden, die in Kombination miteinander zu einer möglichst breit abgestützten Erfassung des Internethandelns von Jugendlichen verwendet werden können. Gegenstand des Erkenntnisinteresses bildet die Internetnutzung Jugendlicher. Dies umfasst die Nutzung an sich, die Motive für diese Nutzung, die Folgen dieser Nutzung und die intraindividuellen und äusserlichen Voraussetzungen und Umstände für diese Nutzung. Der Uses-and-Gratifications-Approach wird zur analytischen Betrachtung der Motive zur Mediennutzung herangezogen. Mediennutzung als Bestandteil des Alltags und somit alltagsverändernde Komponente findet sich in der Sozialisationsforschung, diese soll einen Ansatzpunkt zur Erfassung der Folgen der Internetnutzung liefern. Die Sozialisationsforschung liefert mit der Medienkompetenz ebenfalls ein Konstrukt zur Bestimmung intraindividueller Ressourcen zum Medienumgang. Gleichzeitig verortet sie Medienhandeln in Abhängigkeit verschiedenster interner und externer Einflüsse. 34

36 Systematisiert finden sich diese Einflüsse auch in Form von Determinanten der Mediennutzung, die auf dem Konzept des Lebensstils aufbauen, wieder. Im den folgenden Kapiteln werden diese Theorien und Ansätze einzeln eingeführt. In Kapitel 3.4 werden sie zu einem integralen Modell der Internetnutzung zusammengefasst. Diese Modell dient wiederum als Ausgangslage für die Erstellung des Fragebogens zur Erhebung der Internetnutzung Uses-and-Gratifications-Approach Der Uses-and-Gratifications-Approach ist ein handlungstheoretischer Ansatz und betrachtet den Menschen, im Gegensatz zu verhaltenstheoretischen Ansätzen, nicht als Objekt der Kommunikation, sondern als Subjekt der Kommunikation. Im Fokus stehen die Ziele, Absichten, Sinngebungen und Handlungsmotivationen bei der Mediennutzung die Rezipienten reagieren also nicht bloss auf Medienbotschaften, sondern pflegen einen aktiven Umgang mit den Medien (vgl. Meyen 2004: 20). Der Uses-and-Gratifications-Approach wurde in den 1970er Jahren entwickelt und läutete einen Paradigmenwechsel vom Wirkungsansatz zum Nutzenansatz ein: Es sollte nicht mehr gefragt werden, was die Medien mit den Menschen machen, sondern was die Menschen mit den Medien machen (Bonfadelli 2004b: 19). Im Zentrum der empirischen Gratifikationsforschung stehen die Bedürfnisse, die durch die Medienzuwendung befriedigt werden können. Der Mensch sucht im Erleben von Medienaussagen die Befriedigung von Bedürfnissen. Diese Befriedigung bedeutet für ihn einen Nutzen (gratification) (Maletzke 1998: 119). Das wissenschaftliche Interesse an den Gratifikationen, die beim Medienkonsum erhalten werden, besteht bereits seit dem Anfang der empirischen Kommunikationsforschung. So hat Herzog (1944) die Gratifikationen untersucht, die Soap Operas im Radio den Zuhörerinnen boten, Wolfe und Fiske (1949) das Interesse von Kindern an Comics oder Berelson (1949) die Funktion des Zeitungslesens. Jede dieser Studien konnte verschiedene Funktionen benennen, die die Medien im Alltag der Menschen erfüllten. Dazu gehörten beispielsweise Lebenshilfe für den Alltag, Strukturierung des Tagesablaufes und kulturelle Einführung in eine immer mobilere Gesellschaft (vgl. Katz/Blumler/Gurevitch 1973: 509). 35

37 Weil die populäre Wirkungsforschung zu sehr auf das Stimulus-Response-Paradigma fokussiert war, was zu einer Verengung der Perspektiven führte, erlebt die Gratifikationsforschung seit Beginn der 1970er Jahre ein Comeback. Seit dem ist sie erweitert und differenziert worden. Hierbei nehmen in den letzten Jahren besonders die Bemühungen zu, den Uses-and-Gratifications-Approach nicht mehr nur als Gegenposition zum Wirkungsansatz zu verstehen, sondern die Publikumsbedürfnisse als intervenierende Variablen in die traditionelle Wirkungsforschung zu integrieren und so beide Ansätze zu verbinden (vgl. Schenk 2007: 681 ff.) Begriffsdefinitionen Der Umstand, dass es sich beim Uses-and-Gratifications-Approach nicht um eine Theorie, sondern nur um einen Ansatz handelt, zeigt sich auch in den fehlenden Konventionen für die darin verwendeten Begriffe. Huber (2006: 14) und Meyen (2004: 18) weisen darauf hin, dass in der Literatur keine klare Trennung zwischen den oft verwendeten Begriffen Motiv und Bedürfnis herrscht. Teilweise werden sie sogar synonym verwendet. Beide Autoren stellen fest, dass auch die Existenz verschiedener Motivationstheorien ein Grund dafür sein mag dadurch existieren in der Fachliteratur unterschiedliche Definitionen. Gemein ist beiden Begriffen, dass sie Mangelzustände beschreiben, die eine Person gerne überwinden möchte. Sie lassen sich aber auf Grund ihrer Rangfolge dennoch unterscheiden: Zuerst bestehen Bedürfnisse. Davon existieren körperliche, geistige und soziale Bedürfnisse wie Hunger, Neugier oder Machttrieb. Diese Bedürfnisse werden zu Motiven, die unsere Wahrnehmung, unser Denken und unser Handeln in Gang setzen 10. Bedürfnisse bedingen demzufolge kein konkretes Verhalten, wohingegen Motive handlungsorientiert und zielgerichtet ein vorhandenes Bedürfnis befriedigen (Huber 2006: 14). Die Entscheidungsgrundlage für die Nutzung von Medieninhalten (oder den Verzicht auf die Nutzung) bilden somit die Motive der Rezipienten. Einzelnen Handlungen dürfte in der Regel ein ganzes Bündel an bewussten oder unbewussten Motiven zugrunde liegen, das analytisch zerlegt werden muss (Huber 2006: 14). Im Folgenden wird deshalb der Begriff Motiv als Beweggrund für das Medienhandeln weiter verwendet. 10 Huber und Meyen beziehen sich hierbei beide ohne Angabe eines Autors auf die Erklärung in Asanger/Wenningers Handwörterbuch der Psychologie (1994). In der aktuellen Ausgabe diese Werkes findet sich diese Beschreibung bei Schönpflug (1999: 9f). 36

38 Der Begriff Gratifikation soll wie sein englisches Equivalent gratification als befriedigtes Bedürfnis verstanden werden. Übertragen auf die vorliegende Arbeit sollen entsprechend die Nutzungsmotive bei der Medienzuwendung als gesuchte Gratifikationen durch die Medien verstanden werden Grundlagen des Uses-and-Gratifications-Approach In Tabelle 2 finden sich die grundlegenden Annahmen, auf denen der Uses-and- Gratifications-Approach aufbaut. In der rechten Spalte werden diese Annahmen jeweils exemplarisch auf die Internetnutzung bezogen. 37

39 Tabelle 2: Grundlagen des Uses-and-Gratifications-Approach Grundlagen des Uses-and-Gratifications- Approach Mediennutzung kann über Motive der Rezipienten erklärt werden. Bezug zur Internetnutzung Rezipienten nutzen das Internet auf Grund von Gratifikationserwartungen. Der Rezipient entscheidet aktiv über die Rezeption bzw. Nutzung von Medien und Medieninhalten; er bringt also eine eigenständige Selektion auf. (1.) Die aktive Auswahl des Internets zur Bedürfnisbefriedigung und (2.) die aktive Auswahl einer bestimmten Anwendung/eines bestimmten Inhalts. Der Rezipient wird durch seine Selektion zur Schlüsselfigur, die bestimmt, ob ein Kommunikationsprozess stattfindet oder nicht. Das Internet muss aufgesucht werden, die Inhalte müssen vom Rezipienten sprichwörtlich abgerufen werden. Mediennutzung stellt einen Akt der Bedürfnisbefriedigung dar und ist daher nur im Kontext alternativer Möglichkeiten zur Bedürfnisbefriedigung zu verstehen. Um z.b. das Bedürfnis nach sozialer Interaktion zu befriedigen kann jemand entweder im Internet chatten oder in der Offline-Welt einen Freund besuchen. Massenmedien können verschiedene Bedürfnisse befriedigen. Dabei kann ein bestimmtes Angebot zu ganz verschiedenen Zwecken genutzt werden. Auf einem Videoportal kann das gleiche Video aus verschiedenen Motiven genutzt werden (Nachrichten können zur Information oder zur Unterhaltung genutzt werden). Die Menschen sind in der Lage, über ihre Bedürfnisse und Motive Auskunft zu geben (zumindest dann, wenn sie in einer Befragung damit konfrontiert werden). Mittels der Fragebogenmethode können die Motive der Internetnutzung erhoben werden. (vgl. Katz/Blumler/Gurevitch 1973: 510f, Maletzke 1998: 121, Meyen 2004: 16ff) Wie Tabelle 2 zeigt, wird Medienhandeln als zielgerichtet verstanden. Aktives Verhalten und Gratifikationssuche zeigen sich im Rahmen der Internetnutzung in der aktiven Auswahl des Internets, der Auswahl bestimmter Internetanwendungen und - inhalte und den damit verbundenen Gratifikationszuschreibungen. Das Internet darf aber nur als eine von mehreren Alternativen zum Erhalt von Gratifikationen verstanden werden. In Bezug auf die wissenschaftliche Erfassung der Motive attestieren 38

40 Katz/Blumler/Gurevitch (1973) dem Publikum die Fähigkeit, seine Interessen und Motive in bestimmten Situationen mitzuteilen oder diese zumindest zu erkennen, wenn sie in einfach verständlich formulierter Form damit konfrontiert werden (vgl. Katz/Blumler/Gurevitch 1973: 511). Diese vereinfachte Konfrontation geschieht normalerweise durch die Präsentation eines vorformulierten Motivkataloges in einem Fragebogen Gratifikationen des Internets Ziel von Uses-and-Gratifications Studien ist also die Herausarbeitung eines Motivkataloges. Dabei werden Rezipienten normalerweise mittels geschlossener Fragen mit verschiedenen Motiven zur Mediennutzung konfrontiert und danach gefragt, wie sehr sie das Medium aus den besagten Motiven nutzen. Obwohl die Gratifikationsitems verschiedener Studien meist sehr unterschiedlich sind, beschreiben sie grundlegend die wesentlichen Motive der Medienzuwendung in der präkommunikativen (z.b. Eskapismus, Ersatz für mangelnde soziale Interaktion), der kommunikativen (z.b. Entspannung, Unterhaltung, Identifikation) und der postkommunikativen (z.b. Information, soziale Nützlichkeit) Phase des Kommunikationsprozesses (Schenk 2007: 698). Eine weit verbreitete Version eines solchen Kataloges ist der auf Basis quantitativer Erhebungen erstellte Katalog von McQuail (2005). Danach lassen sich die Motive zur Mediennutzung vier Kategorien zuordnen: 1. Information (z.b. Orientierung in der Umwelt, Ratsuche, Neugier) 2. Unterhaltung (z.b. Eskapismus, Entspannung, kulturelle Erbauung) 3. Integration (z.b. Zugehörigkeitsgefühl, Geselligkeitsersatz, Gesprächsgrundlage) 4. Identität (z.b. Bestärkung der persönlichen Werte, Suche nach Verhaltensmodellen, Identifikation mit anderen) Quelle: McQuail (2005: 425). Übersetzung und Ergänzungen nach Huber (2006: 18). Obwohl der Uses-and-Gratifications-Approach auf eine Vielzahl herkömmlicher Medien und die interpersonale Kommunikation erfolgreich angewandt wurde, kann er 39

41 nicht ohne weiteres auf das Internet übertragen werden. Denn das Internet weist Nutzungsmöglichkeiten auf, die andere Medien nicht bieten. Im Bereich der Internetforschung haben entsprechend auch zahlreiche Studien in der Tradition des Uses-and-Gratifications-Approach zu eher enttäuschenden Ergebnissen geführt. So stellen LaRose/Mastro/Eastin nach der Analyse verschiedenster Studien fest: [...] the challenge remains to provide a more comprehensive explanation of media behavior than is forthcoming from the majority of uses and gratifications research (LaRose/Mastro/Eastin 2001: 397). Und Song et al. bemerken: Although, many studies have explored the gratifications that motivate Internet use, the task that still remains is to create a unified list of Internet gratifications and ask: [ ] What are the gratifications of the Internet? (Song et al. 2004: 386/Hervorheb. i. O.). Song et al. haben 6 Internetstudien, 2 nationale Internetumfragen und eine Internetmotivationsstudie auf ihre Gratifikationskataloge hin untersucht, abgeglichen und generierten daraus einen Item-Pool. Dieser wurde anhand Banduras sozialkognitiver Theorie überprüft und mit Items ergänzt, die in früheren Studien fehlten (vgl. Song et al. 2004: 387f). Aus ihrer Untersuchung ergaben sich 7 Faktoren, die 67,4% der Varianz erklären konnten: Virtual community, Information seeking, Aesthetic experience, Monetary compensation, Diversion, Personal status und Relationship maintenance (Song et al. 2004: 389). Besonders hervorzuheben sind dabei der Faktor Virtual community, der in früheren Internetgratifikationsstudien so nicht zu finden ist 11 und der Faktor Relationship maintenance. Die Integration dieser Motive ist im Hinblick auf die weiter oben erwähnte Kommunikationsaffinität von Jugendlichen von besonderer Bedeutung. Papacharissi/Rubin (2000: 186) haben in ihrer Studie fünf Hauptmotive für die Internetnutzung gefunden: Interpersonal Utility, Pass Time, Information Seeking, Convenience und Entertainment. Diese fünf Faktoren, konnten 44,3% der Varianz erklären. Alle Faktoren die in den Studien von Song et al. (2004) und Papacharissi/Rubin (2000) gefunden wurden, zeichnen sich durch hohe Alpha-Werte nach Cronbach aus, die einzelnen Items der Faktoren messen also im hohen Masse dasselbe. Diese beiden Motivkataloge sind entsprechend verlässliche Itemsammlungen zur Erfassung der Gratifikationen des Internets sie sind jedoch nicht auf jugendliche Nutzer abgestimmt. Beide Itemkataloge weisen Parallelen sowie Unterschiede auf. 11 Einzelne Items zu dieser Gratifikationskategorie sind aber auch in früheren Studien vorhanden (vgl. Song et al. 2004: 388). 40

42 Deshalb werden beide als Ausgangspunkt für die Erstellung des Motivkataloges für diese Untersuchung verwendet. Dieser wird zusätzlich auf die Befragung von Jugendlichen abgestimmt und anhand der Erkenntnisse aus den im Vorfeld geführten Interviews ergänzt. Da sich die Motive der Internetnutzung mit grosser Wahrscheinlichkeit von den Motiven der Nutzung anderer Medien unterscheiden, sollen diese, auf das Internet angepasst, ergänzt werden. Da bei der Internetnutzung die Aktivität des Rezipienten im Vordergrund steht, sollen nicht nur Motive, sondern auch Tätigkeiten abgefragt werden. Die Kombination von Motiven und Tätigkeiten soll eine differenzierte Beschreibung der Internet-Gratifikationen ermöglichen. Der Itempool aus Motiven und Tätigkeiten soll im Fragebogen, im Sinne der vereinfachten Konfrontation, den Befragten zur Bewertung präsentiert werden Kritik am Uses-and-Gratifications-Approach Obwohl der Uses-and-Gratifications-Approach in der Mediennutzungsforschung sehr oft verwendet wird, ist er auch immer wieder starker Kritik ausgesetzt auf Grund dieser Kritik wird auch stets von einem Ansatz und nicht von einer Theorie gesprochen. Meyen (2004) gliedert diese Kritik in 6 Punkte: 1. Da es keine Theorie gibt, die menschliche Bedürfnisse mit sozialen und psychologischen Ursprüngen verbindet, besteht die Gefahr der Beliebigkeit. Dies führt zum Vorwurf des Zirkelschlusses: Mediennutzung wird auf Bedürfnisse zurückgeführt, diese Bedürfnisse werden aber wiederum aus der Mediennutzung abgeleitet. Ein theoretischer Rahmen, wie Bedürfnisse und Gratifikationen systematisch mit sozialen und psychologischen Ursprüngen verbunden werden können, existiert nicht. 2. Da in Uses-and-Gratifications Studien fast ausschliesslich mit Befragungen gearbeitet wird, werden die Ergebnisse einerseits durch die unterschiedliche Auskunftsfähigkeit und -bereitschaft und andererseits durch die Konstrukte der Forscher verzerrt. 3. Die Gründe für die Mediennutzung sind nicht immer rationaler Natur, oft nutzen Menschen ein Medium impulsiv, vereinfacht und habituell. 41

43 4. Da sich der Ansatz nur auf den Rezipienten bezieht, werden Einflussgrössen aus dem Umfeld und aus den Medieninhalten vernachlässigt. 5. Ziel der Handlungen werden nur ausserhalb des Handelns bestimmt. Kulturelle Handlungen können aber ihr Ziel auch in sich selbst haben. 6. Wenn Mediennutzung grundsätzlich vorhandene Bedürfnisse befriedigt, lassen sich alle Inhalte als gerechtfertigt verbreiten, Programmkritik würde in diesem Fall obsolet (vgl. Meyen 2004: 17,23). Es stellt sich ebenfalls die Frage, ob ein Mediennutzer (alle) Bedürfnisse und Gründe für seine Medienzuwendung kennt. So hat Rubin bereits 1981 zwischen manifesten/intendierten und latenten/unintendierten Rezeptionsgratifikationen unterschieden. Da sich die latenten/unintendierten Rezeptionsgratifikationen dem Mediennutzer entziehen, schloss Rubin auf einen erheblichen Teil nicht erklärbarer Rezeptionsgratifikationen (vgl. Rubin 1981: 162, zit. nach Huber 2006: 22). Des Weiteren können durch die ausschliessliche Orientierung am Handeln des Individuums die Funktionen der Medien für den Alltag nicht befriedigend erklärt werden. Auch soziale und psychologische Eigenschaften haben Einfluss auf die Mediennutzung Zusammenfassung Uses-and-Gratifications-Approach Trotz gewisser Schwächen weist der Uses-and-Gratifications-Approach wesentliche Stärken bei der Erfassung der Internetgratifikationen auf. Wie bereits erwähnt, kann der Ansatz besonders im Bereich der Internetforschung gewinnbringend eingesetzt werden, da die Annahme einer aktiven, selektiven und zielgerichteten Nutzung sehr gut auf die Bedienstruktur des Internets angewendet werden kann. Denn im Internet müssen Informationen und Inhalte aktiv abgerufen werden. Der Vergleich verschiedener Nutzer oder Nutzergruppen wird dadurch ermöglicht, dass interindividuelle Unterschiede abgebildet werden können, da unterschiedliche Prädispositionen, Motive und Gratifikationserwartungen als Grundlage für die individuelle Medienselektion erfasst werden (vgl. auch Suckfüll 2004: 39). Der Uses-and-Gratifications-Approach muss aber zusätzlich mit dem alltagsstrukturellen Gefüge der Mediennutzer verknüpft werden, damit die (sozialen und psychischen) Ursprünge der Rezipientengratifikationen mit der Mediennutzungsanalyse 42

44 verbunden werden können (vgl. Huber 2006: 22f.). In der Untersuchung soll damit einem oft kritisierten Punkt in Uses-and-Gratifications Studien Rechnung getragen werden. Das modifizierte Lebensstilkonzept von Karl Erik Rosengren (1996) bildet die Grundlage für Meyens (2004) Determinanten der Mediennutzung, die solche alltagsstrukturellen Faktoren systematisiert benennen. Diese beiden Ansätze sollen im folgenden Kapitel vorgestellt werden und zur Erfassung der Internetnutzung hinzugezogen werden Vom Lebensstil-Konzept zu den Determinanten der Mediennutzung Uses-and-Gratifications Studien werden oft kritisiert, Bezüge zu sozialen und psychologischen Variabeln oder Variablen aus dem Umfeld der Rezipienten zu vernachlässigen. Mit der Erfassung solcher Einflussgrössen soll dieser Kritik in der vorliegenden Untersuchung Rechnung getragen werden. Die Erhebung solcher Merkmale trägt dazu bei, die Internetnutzung ganzheitlich zu erfassen. Dass solche Einflussfaktoren nicht zu vernachlässigen sind, zeigt eine Untersuchung von Baacke/Sander/Vollbrecht (1990), in der festgestellt wurde, dass sozialökologische Variablen durchaus prägenden Einfluss auf die Mediennutzung von Jugendlichen haben. Dabei wurden Merkmale wie Bildung, Partner/Partnerin, Freundeskreis und Einstellungen als Einflussgrössen auf den Mediennutzungstyp erhoben (vgl. Baacke/Sander/Vollbrecht 1990: 239ff). Im Zusammenhang mit der Erhebung solcher 'ergänzender' Merkmale fällt oft der Begriff des Lebensstils. Dieser hat seinen Ursprung in der klassischen Sozialwissenschaft (Thorstein Veblen, Georg Simmel, Max Weber) und in den 1960er Jahren eine Renaissance erfahren. Das Interesse galt bei dieser Wiederaufnahme der besseren Strukturierung von Umfrageergebnissen. Damit sollten Vorhersagen über das Kaufverhalten verschiedener Bevölkerungsgruppen präziser werden. Denn man hatte bemerkt, dass die traditionellen Indikatoren sozialer Ungleichheit wie Einkommen, Berufs-Status, Bildung, Alter, Geschlecht und Wohnort nicht mehr für eine valide Prognose ausreichten. Von der Marktforschung werden Lebensstile häufig lediglich als Verhaltensmuster im Konsum- und Freizeitbereich verstanden diese Konzeptionen sind auch unter dem Begriff soziale Milieus einschlägig bekannt. Diesen werden 43

45 Menschen nach ihren Aktivitäten, Werten oder Einstellungen zugeordnet (vgl. Meyen 2004: 41). Das Konzept des Lebensstils ergänzt die Analyse individueller Mediennutzung (wie sie mit dem Uses-and-Gratifications-Approach gemacht wird) optimal. Darin wird ebenfalls das Individuum in den Mittelpunkt gestellt, aber es werden Merkmale ausserhalb der Mediennutzung erhoben. Nach wie vor existiert im Forschungsbereich der Lebensstilforschung aber keine einheitliche Theorie und auch keine allgemeingültige Definition von Lebensstil. Taubert (2006) hat die wesentlichen Züge aus der aktuellen Forschung zusammengefasst und eine repräsentative Definition formuliert: Lebensstile sind anhand typischer, alltagskultureller Verhaltensmuster bzw. infolge Zeichengebrauchs erkenn- und messbare, kollektiv geteilte Kategorien der Alltagsorganisation von Individuen. Sie entfalten sich in weitgehend selbstbestimmten Bereichen der Freizeit und des alltäglichen Geschmacks im Kontext von Restriktionen der sozialen Lage und sind geprägt von persönlichen Einstellungen, Werten und Lebenszielen. Sie unterliegen somit Prozessen persönlichen und sozialen Wandels. Sie dienen dem Ausdruck und der Stabilisierung von Identität und symbolisieren Zugehörigkeit zu Personen derselben bzw. Distinktion gegenüber Personen unterschiedlicher Kategorien der Alltagsorganisation (Taubert 2006: 125). Diese Definition schliesst aber nur Einstellung oder Werte mit ein. Dies ermöglicht zwar die Formulierung einer unendlichen Zahl an messbaren Merkmalen ausserhalb der Mediennutzung, bietet aber keinen systematischen Zugang. Rosengren (1996), der die Lebensstilforschung besonders wegen der theoretisch unbedarften Forschung oder dem oft fehlenden Bezug zu formalen Modellen bemängelt, liefert zur Bestimmung des Lebensstils ein konkretes Modell und damit die fehlende Systematik. Sein Modell basiert auf der theoretischen Grundannahme, dass alle Handlungsmuster also auch Medienhandeln strukturell, positionell und individuell determiniert sind (vgl. Rosengren 1996: 24ff). 44

46 Modifiziertes Lebensstil-Konzept nach Karl Erik Rosengren Rosengrens Konzept hat den Vorteil, dass es einerseits die Definition von Lebensstil und gleichzeitig die klare Abgrenzung gegenüber den eng verwandten Begriffen Lebensform und Lebensweise erlaubt. Alle drei Begriffe werden als Handlungsmuster verstanden, die Unterscheidung gestaltet sich aber nach den Merkmalen, die die Handlungsmuster determinieren. Abbildung 7 zeigt Rosengrens Modell der Determinanten von Handlungsmustern. Abbildung 7: Strukturelle, positionelle und individuelle Determinanten von Handlungsmustern Quelle: Rosengren (1996: 26). Übersetzung und Ausformulierung nach Meyen (2004: 42) Die Begriffe Lebensform, Lebensweise und Lebensstil sind im Modell nicht beschriftet. Sie werden indirekt durch die drei Pfeile repräsentiert, die auf das Feld Handlungsmuster zeigen. Als Lebensformen sind strukturell determinierte Handlungsmuster zu verstehen. Diese Handlungsmuster unterscheiden beispielsweise Populationen grosser Städte von solchen kleiner Gemeinden, oder Populationen von traditionell muslimischen Ländern von solchen säkularisierter protestantischer Gesellschaften. Als Lebensweisen gelten Handlungsmuster, die positionell determiniert sind. Hierbei werden zum Beispiel alte von jungen Menschen unterschieden, Männer von Frauen oder Fabrikarbeiter von Managern. Handlungsmuster, die individuell determiniert sind, sind Lebensstile. Diese Muster unterscheiden zwischen Individuen, die [...] mehr oder weniger bewusst ihre Handlungen (und manchmal sogar ihr gesamtes Leben) nach dem einen oder anderen Muster gestalten, einem Muster, das überwiegend in Übereinstimmung mit den vom Individuum akzeptierten Grundwerten und den dazugehörigen Überzeugungen 45

47 ausgeformt wird (Rosengren 1996: 25). Rosengren warnt aber davor, den hier definierten Lebensstil mit Lebensmustern einzelner Menschen zu verwechseln, denn Alltagshandeln ist stets eine Mischung aus allen drei Arten von Handlungsmustern, ist also strukturell, positionell und individuell determiniert. Zudem handelt es sich bei Rosengrens Lebensstil um ein Phänomen auf aggregierter Ebene, dieses darf nicht mit Lebensmustern einzelner Individuen verwechselt werden (vgl. Rosengren 1996: 25). Aus Rosengrens Überlegungen kann festgehalten werden, dass (auch) Medienhandeln strukturell, positionell und individuell determiniert ist. Auf dieser Grundlage formuliert Meyen (2004) die Determinanten der Mediennutzung Determinanten der Mediennutzung Meyen (2004) schlägt auf der Basis des modifizierten Lebensstilkonzeptes nach Rosengren (1996) vor, dieses Konzept als Hinweise auf Determinanten der Mediennutzung zu verwenden. Das Wort 'Hinweise' ist mit Bedacht gewählt. Es ist zwar einleuchtend, dass strukturelle und positionelle Merkmale und Bedingungen alle Handlungen mitbestimmen, die Skala der möglichen Faktoren aber scheint nach oben offen zu sein und mit einer gewissen Beliebigkeit zu füllen (Meyen 2004: 43). Tabelle 3 zeigt die von Meyen formulierten möglichen Einflussfaktoren auf die Mediennutzung auf der Grundlage von Rosengrens Unterscheidung nach strukturellen, positionellen und individuellen Determinanten von Handlungsmustern. 46

48 Tabelle 3: Einflussfaktoren auf die Mediennutzung nach Meyen (2004) Strukturelle Merkmale Positionelle Merkmale Individuelle und soziale Merkmale Industrialisierung, Urbanisierung, Religion Einkommen Menschliche Grundbedürfnisse Arbeits- und Lebensbedingungen Zeitbudget Psychologische Struktur Traditionen (auch überlieferte Nutzungsmuster) Tagesablauf Persönliche Lebensgeschichte Medienangebot Stellung im Beruf Medienerfahrungen Freizeitalternativen Bildung Familie, Freunde, Netzwerke Klima Alter Rezeptionssituation Politisches System: Einstellungen, Werte, Geschlecht Rechtsnormen Überzeugungen Quelle: Meyen (2004: 47) Anhand dieser Strukturierung kann nun systematisch auf verschiedenen Ebenen nach Determinanten des Medienhandelns gefragt werden. Nach wie vor ist die Anzahl möglicher Variabeln nach oben offen, deshalb müssen sie im Untersuchungszusammenhang bestimmt werden. Das Prinzip folgt immer noch der Idee der Lebensstilforschung, die nebst den Merkmalen der eigentlichen Mediennutzung die Erhebung wichtiger Kontextinformationen erlaubt. Diese Kontextinformationen bringen gleichsam Fleisch an das Skelett harter soziodemographischer Daten und erleichtern die Interpretation von Zusammenhängen, die allein auf demografischer Basis nur spekulativ wahrgenommen werden (Kliment 1997: 425, zit. nach Taubert 2006: 220). Das Konstrukt der Determinante der Mediennutzung ist nicht unproblematisch. In der tabellarischen Darstellung gehen die Informationen über die Zusammenhänge zwischen den Merkmalen, wie sie Rosengren darstellt, verloren. Zudem sind die Grenzen zwischen positionellen und individuellen Merkmalen [...] oft fliessend (Meyen 2004: 48). Auch bei den Determinanten der Mediennutzung kann, wie beim Uses-and- Gratifications-Approach, nicht von einer Theorie gesprochen werden. Die Verbindung dieser beiden Ansätze kann aber trotzdem gewinnbringend eingesetzt werden. Mit dem Uses-and-Gratifications-Approach lassen sich die individuellen Motive für die Mediennutzung bestimmen. Mit den Determinanten der Mediennutzung lassen sich die Bedingungen aufzeigen, unter denen diese Mediennutzung stattfindet. In Bezug auf die 47

49 Internetnutzung wurde hier in Kapitel 2.1 beispielsweise bereits auf den Zusammenhang zwischen Hochgeschwindigkeitsanschlüssen und dem einfacheren Zugang zu datenintensiven Inhalten hingewiesen. Die Möglichkeit, in der Schweiz in jedem Haushalt einen Hochgeschwindigkeitsinternetanschluss einzurichten, kann als strukturelle Determinante der Mediennutzung bezeichnet werden. Da die meisten strukturellen Merkmale innerhalb der Schweiz oder eines Kantons eher schwach variieren, werden sie nicht im Fragebogen erhoben. Auf der Ebene der positionellen Merkmale sollen Alter, Bildung und Geschlecht erhoben werden. Auf der Ebene der individuellen und sozialen Merkmale sollen die folgenden Merkmale erhoben werden: Die Anzahl Jahre, die die Jugendlichen bereits in der Schweiz wohnen (als Merkmal der persönlichen Lebensgeschichte). Die effektive Zeit, die mit dem Internet verbracht wird. Die Einstellung zum Internet. Die persönliche Interneterfahrung, also wie lange die Jugendlichen das Internet bereits nutzen. Die negativen Erfahrungen, die die Jugendlichen mit dem Internet assoziieren. Die familiäre Situation (Geschwister/Wohnsituation). Die Anzahl Freunde (online und offline) und ob die Jugendlichen eine Beziehung führen. Im folgenden Kapitel wird die Erhebung der Internetnutzung nun mit einem Modell ergänzt, dass einerseits Hinweise auf die individuelle Nutzungskompetenz und andererseits Hinweise auf das alltagsverändernde Potenzial der Nutzung liefern kann. Gleichzeitig können damit die Determinanten der Mediennutzung ergänzt werden Sozialisationsforschung Das Grundinteresse der Sozialisationsforschung gilt der Frage, wie sich die Persönlichkeit in Interaktion mit der sozialen und materiellen Umwelt, also der Gesamtheit der gesellschaftlichen Einflüsse, entwickelt (vgl. Tillmann 2006: 11). Neben Elternhaus, Schule und Peergroups (Gleichaltrigen-, Gleichgesinntengruppen) spielen die Medien dabei insbesondere bei Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle. Denn die Medien können auf Kinder und Jugendliche eher prägenden Einfluss ausüben als auf die bereits gefestigteren Erwachsenen (vgl. Süss 2004: 25). Heranwachsende sind in diesem Prozess aber nicht einfach Opfer, denn [...] sie wirken auf sich und ihre 48

50 Umwelt immer auch selber ein und entwickeln sich auf diese Weise zum handlungsfähigen Wesen, zu einem Subjekt (Tillmann 2006: 12/Hervorheb. i.o.). Im Sozialisationsprozess spielen verschiedene Akteure ein Rolle: Die Sozialisatoren machen eine heranwachsende Person, die neu in die Gemeinschaft aufgenommen werden soll, mit den Normen, Werten, Erwartungen und Rollen dieser Gemeinschaft vertraut. Die Sozialisatoren können in 2 Gruppen unterteilt werden: Sozialisationsinstanzen (Eltern, Lehrer, Schulen) und Sozialisationsagenten (Wirtschaft, Peergroups, Medien). Während erstere den Auftrag zur Sozialisation ausdrücklich innehaben und über Belohnungs- und Sanktionskompetenzen verfügen, wirken letztere ohne Auftrag in Wahlgemeinschaften oder zufälligen Verbindungen sozialisierend. Die neu einzuführenden Mitglieder einer Gemeinschaft werden als Sozialisanden bezeichnet (Süss 2004: 25) Mediensozialisation Die Mediensozialisation befasst sich per Definition mit der Wechselbeziehung zwischen den Medien (als Sozialisationsagenten) und den Mediennutzern (als Sozialisanden) und den damit verbundenen Einflüssen auf die Entwicklung der Sozialisanden. Dies beinhaltet zum einen die Kompetenzen, die Jugendliche (die Sozialisanden) im Umgang mit den Medien aufweisen und sich im Umgang mit den Medien aneignen. Zum anderen beinhaltet dies auch den Einfluss, den die Medien auf den Sozialisationsprozess ausüben. Die zwei Grundfragen der Mediensozialisationsforschung lauten entsprechend: 1. Wie lernen Menschen den Umgang mit Medien und welche Formen des Umganges lassen sich unterscheiden? (Medienkompetenz) [und/m.h.] 2. Wie verändern Medien die allgemeinen Sozialisationsprozesse und sind dies entwicklungsfördernde oder gefährdende Veränderungen? (Medieneffekte) (Süss 2004: 65). Die Medienkompetenz beinhaltet den adäquaten Umgang mit Medien - als Nutzer und als Produzent - zur Information, Bildung, kulturellen Entfaltung und Unterhaltung. Dieser Umgang gehört zu den Kulturtechniken, die in der Informationsgesellschaft erlernt werden müssen, um vollwertig daran teilhaben zu können. Die Medieneffekte beinhalten die Einflüsse der Medien auf die Lebensräume, die Beziehungen zwischen Kindern und ihren Peers oder Kindern und ihren Eltern, die Werthaltungen oder die 49

51 Bewältigung von Entwicklungsaufgaben. Es geht dabei um die Analyse der Medien als intervenierende Variable in verschiedenen Sozialisationskontexten (vgl. Süss 2004: 65f). Die Ziele der Mediensozialisation sind Medienkompetenz und die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben. Das übergeordnete Sozialisationsziel ist der Aufbau der Identität des Sozialisanden (vgl. Süss 2004: 65). In den folgenden Kapiteln wird ein Modell der Mediensozialisation präsentiert. Ebenso werden die Aspekte Medienkompetenz und Medieneffekte erläutert und im Hinblick auf die Untersuchung verortet. Als Ergänzung zu den oben eingeführten theoretischen Ansätzen können so zusätzlich Aussagen zu den individuellen Nutzungskompetenzen und zum alltagsverändernden Potenzial der Internetnutzung gemacht werden. Medienkompetenz als eine Form des Umgangs wird als Aspekt der individuellen Internetnutzung erhoben. Die Veränderungen des Sozialisationsprozesses können nicht direkt gemessen werden. Die Selbsteinschätzung der Jugendlichen und die Verwendungszwecke des Internets sollen aber Rückschlüsse auf solche Veränderungen zulassen. Inwieweit die sozialisationsverändernden Prozesse entwicklungsfördernd oder gefährdend sein können, soll hier nicht zur Debatte stehen. Ebenso wenig wie die Frage nach dem Erlernen des Medienumgangs. Diese Aspekte stehen nicht im Fokus des Erkenntnisinteresses. Auf letzteren wurde im Kapitel 2.5 kurz eingegangen. Die beiden Begriffe Kompetenz und Effekt, wie sie im Rahmen der Mediensozialisation formuliert werden, finden sich auch im grundlegenden Verständnis der Medienwissenschaft wieder. Den Medien werden sowohl vielfältige Funktionen (nur mit der entsprechenden Kompetenz nutzbar) wie auch vielfältige Wirkungen (Effekte) attestiert (Hoffmann/Mikos 2007: 7). Im Hinblick auf diese doppelte Rolle der Medien bezeichnet Süss die Medien im Zusammenhang mit der Sozialisation als einen Teil der Gesellschaft, der von den Heranwachsenden bewältigt werden muss und andererseits als einen Spiegel und eine Veränderungsinstanz der Gesellschaft (vgl. Süss 2004: 66). 50

52 Modell der Mediensozialisation nach Süss (2004) Im Modell der Mediensozialisation nach Süss (2004) wird, ähnlich wie bei den Determinanten der Mediennutzung, festgehalten, dass nicht von einem genuinen Medienhandeln der Mediennutzer ausgegangen werden kann. Einerseits ist das Medienhandeln von fremden und persönlichen Einflüssen geprägt, andererseits ist das mediale Setting von gesellschaftlichen Faktoren bestimmt. Wie der gesamte Prozess der Mediensozialisation aussieht, zeigt Süss (2004) in einem Modell, dass Mediensozialisation als Interaktion von Selbst- und Fremdsozialisation unter dem Einfluss gesellschaftlicher und individueller Voraussetzungen beschreibt (vgl. Abbildung 8). Im Modell bilden die gesellschaftlichen Gegebenheiten das Fundament des Mediensozialisationsprozesses. Daraus resultieren Prägungen auf die kausal verknüpften Medienorte und die Medienangebote. Wenn also beispielsweise das Internet in der Gesellschaft als ein wichtiges Medium eingestuft wird, werden Eltern und Schulen darum bemüht sein, möglichst vielen Heranwachsenden den Zugang zum Internet zu ermöglichen, was Medienorte schafft und prägt. Die Medienorte ihrerseits haben Einfluss auf die Medienangebote, die ihre subjektive oder objektive Relevanz durch ihre Vielfalt, ihre Kosten und ihre Passung mit den Bedürfnissen und Kompetenzen der Nutzer erlangen (vgl. Süss 2004: 274). Die eigentliche Mediennutzung ist von verschiedensten fremd- und selbstsozialisatorischen Einflüssen geprägt. Zu den fremdsozialisatorischen Einflüssen gehören die soziale Lage, Fremdsteuerungen, externe Erwartungen und die Lebensereignisse. Ein fremdsozialisatorischer Einfluss kann beispielsweise die Familie eines Heranwachsenden sein, die den Medienzugang vielleicht aus finanziellen oder ideologischen Gründen erschwert oder fördert. Als fremdsozialisatorischer Einfluss kann auch Konformitätsdruck in der Peergroup angeführt werden: Heranwachsende können sozialen Ausschluss erfahren, falls sie nicht über gewisse Medien verfügen (vgl. Süss 2007: 125) oder sie müssen gewisse Inhalte konsumieren, um an der Anschlusskommunikation teilhaben zu können (Süss 2004: 280). Auch die eingangs erwähnte Verankerung der Computer- und Internetnutzung im Lehrplan ist ein fremdsozialisatorischer Einfluss. Selbstsozialisatorische Einflüsse umfassen die Ziele und Interessen der Sozialisanden. Dazu gehören interne Ressourcen und Belastungen, die Selbststeuerung, interne Erwartungen und die individuellen Bewältigungsstrategien. 51

53 Abbildung 8: Modell der Mediensozialisation Vereinfachte Darstellung des Modells nach Süss (2004: 279) Auf der Grundlage der gesellschaftlichen Vorrausetzungen findet, geprägt von den selbst- und fremdsozialisatorischen Einflüssen, schliesslich die eigentliche Mediennutzung statt. An anderer Stelle beschreibt Süss die fremd- und selbstsozialisatorischen Einflüsse als zwei Wirkkräfte eines Gesamtsystems (Süss 2007: 110), es handelt sich demnach um eine dichotome Unterscheidung der Einflüsse, die die Mediennutzung prägen. Die Weiterführung der Entwicklungsachse ist wichtiger Bestandteil dieses Modells. Damit wird ausgedrückt, dass der Mediensozialisationsprozess ein kontinuierliches Durchlaufen dieser Teilprozesse bedeutet (Süss 2004: 278). Entsprechend wird auch die Identität permanent weiterentwickelt und transformiert sich im Laufe der Entwicklung durch Medieneffekte (vgl. Süss 2004: 274ff). Die Identität stellt im Modell die abhängige Variable dar, während Mediensozialisation die unabhängige Variable darstellt. Die Identität des Sozialisanden ist das übergeordnete Sozialisationsziel; eine Identität, die durch seinen Medienalltag mitgeformt und kontinuierlich weiterentwickelt wurde (Süss 2004: 65, 277). In den folgenden Kapiteln werden die Komponenten Medienkompetenz und Medieneffekte aus dem Modell der Mediensozialisation genauer analysiert. Sie werden zur Beschreibung der Internetnutzung und zur Bestimmung ihrer Bedeutung für den Alltag hinzugezogen. 52

54 Medienkompetenz und Medieneffekte Medienkompetenz Der Begriff Medienkompetenz stellt im Prinzip lediglich einen Reflex davon dar, dass die wichtigste Dimension des sozialen Wandels in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Entwicklung zur sog. Mediengesellschaft war. Dies bildet den Ausgangspunkt für alle Diskussionen über Medienkompetenz [...] (Groeben 2002a: 11/Hervorheb. i. O.). Was genau beinhaltet diese Medienkompetenz? Medienkompetenz wird oft unter Zuhilfenahme verschiedener Stichworte beschrieben. Denn eine empirische Operationalisierung des Konstruktes Medienkompetenz steht noch am Anfang (vgl. Groeben 2002b: 165). Das mag wohl auch daran liegen, dass bereits die Definition des Kompetenzbegriffes Schwierigkeiten bereitet. Denn Kompetenzen sind [...] nicht direkt beobachtbar und nur teilweise aus Äusserungen und Handlungen erschliessbar (Gapski 2006: 15). Entsprechend steht auch der grösste Teil der Forschung zur Ausarbeitung des Konzeptes Medienkompetenz noch aus, das gilt für die empirische Validierung aber auch für den theoretisch-konzeptuellen Bereich (vgl. Groeben 2002b: 186). Medienkompetenz als Form des Umgangs mit einem Medium schliesst einerseits die effektive Nutzung mitein. Entsprechend bildet die Mediennutzung einen wichtigen Zugang zur Mediensozialisation, denn Heranwachsende nutzen die Medien [...] um ihre vielfältigen Bedürfnisse im Alltag zu befriedigen. Je mehr Medienkompetenz sie erworben haben, desto effektiver können sie die Medien so nutzen, dass sie aus ihrer Sicht erwünschte Effekte erzielen und unerwünschte Effekte vermeiden (Süss 2004: 73). Medienkompetenz schliesst aber auch das Bewusstsein über ein Medium und dessen Eigenheiten mitein. An theoretischen Konzeptualisierungen zur Medienkompetenz mangelt es in der Literatur, im Gegensatz zur empirischen Validierung, nicht. 53

55 Modelle der Medienkompetenz In der Literatur finden sich verschiedene Ansätze zur Erfassung von Medienkompetenz. Eine prominente Systematisierung findet sich bei Baacke (1997). Baacke gilt auf Grund seiner Habilitationsschrift Kommunikation und Kompetenz Grundlegung einer Didaktik der Kommunikation und der Medien (Baacke 1973) als Begründer des Kompetenzbegriffes im medienpädagogischen Diskurs, auch wenn der Begriff Medienkompetenz dort noch nicht explizit beschrieben wird, sondern Baacke da erst den allgemeineren Begriff einer kommunikativen Kompetenz einführt (vgl. Vollbrecht 1999: 13). Baacke (1997) unterscheidet innerhalb der Medienkompetenz vier Teilbereiche: Medienkritik (analytische, reflexive und ethische), Medienkunde (informative und instrumentell-qualifikatorische), Mediennutzung (rezeptive und interaktive) und Mediengestaltung (innovative und kreative). Viele der neueren Konzepte bauen auf Baackes Modell auf, was sich auch anhand der jeweils ähnlich oder gleich benannten Teildimensionen zeigt (vgl. Süss et al. 2003: 40). So findet sich bei Moser (2006: 222) die Dimension Kann Medien zum Erreichen der eigenen Intentionen einschätzen und gezielt einsetzen oder Nutzt Medien aufgrund des differenzierten Wissens innovativ für das eigene Lernen und Arbeiten. Während sich bei Groeben (2002b) unter dem Teilbereich Selektion/Kombination von Mediennutzung die Beschreibung findet: [...] die Kompetenz, aus der Vielzahl der vorhandenen Medienangebote das für eine bestimmte Bedürfnislage, Zielsetzung, Problemstellung etc. adäquate Angebot auszuwählen (Groeben 2002b: 175). Bei Baacke wäre dieser Punkt der rezeptiven Mediennutzung zuzuordnen. Baackes Modell (1997) wurde hinsichtlich der Tauglichkeit für das Computerzeitalter von Moser in Frage gestellt: Die konkrete Ausformulierung der verschiedenen Dimensionen der Medienkompetenz bei Baacke lässt m.e. deutlich werden, dass diese zu einer Zeit formuliert wurde, als von Computern als Medium noch nicht die Rede war (Moser 2006: 219). Auch die Nachbesserung in neueren Veröffentlichungen betrachtet Moser als unbefriedigend (Moser 2006: 220). Von den vielen verschiedenen Konzepten zur Medienkompetenz soll hier Grobenes (2002b) Konzept verwendet werden. Es eignet sich auf Grund der angestrebten Integration anderer Modelle und der daraus resultierenden Breite am besten zur Implementierung in diese Untersuchung. 54

56 Dimensionen der Medienkompetenz nach Groeben (2002b) Groebens Dimensionen der Medienkompetenz sind so ausgelegt, dass sie eine Optimierung von Differenzierungsgrad und Integrationswert bieten sollen (Groeben 2002b: 165). Auffallend sind dabei besonders die Dimensionen Anschlusskommunikation und Medienbezogene Genussfähigkeit. Zudem sollen mit der Ausdifferenzierung in sieben Dimensionen die Inhalte bisheriger Modellierungen zum Konzept der Medienkompetenz integrativ abgedeckt werden (Groeben 2002b: 166). Groebens Dimensionen weisen eine Vielzahl von Unterkategorien auf. Diese Unterkategorien sind aber nicht klar definiert, sondern nur mit Stichworten angedeutet. Es kann sich schon deshalb letztlich nur um Stichworte handeln, weil die empirische Operationalisierung des Konstrukts Medienkompetenz noch weitgehend am Anfang steht [...] (Groeben 2002b: 165/Hervorheb. i.o.). Die Vielzahl von möglichen Fertigkeiten und Fähigkeiten, die die einzelnen Dimensionen beinhalten, lassen sich den einzelnen Komponenten eines Faktors bei der Faktoranalyse vergleichen. Medienkompetenz wird grundsätzlich auf das gesamte Medienensemble bezogen, denn Medienhandeln beinhaltet die Nutzung unterschiedlicher Medien. Im Kontext der vorliegenden Untersuchung wird Medienkompetenz in Bezug auf das Internet betrachtet entsprechend verengt sich die Perspektive der Konzeptualisierung. Medienkompetenz wird dabei als Eigenheit im Prozess der individuellen Mediennutzung verstanden. Medienkompetenz kann und soll aber nicht vollumfänglich erhoben werden, darf also in Bezug auf die Untersuchung nicht als eigenständiges Konstrukt verstanden werden. Die einzelnen Dimensionen der Medienkompetenz sollen, wo möglich, als zusätzliche Beschreibungskategorien der Nutzer in die Untersuchung einfliessen. Das Ziel ist, innerhalb Groebens Dimensionen einzelne, prägnante Merkmale zu bestimmen und so einen Einblick in die Medienkompetenz der Nutzer zu erlangen. Im Folgenden sind die einzelnen Dimensionen von Groebens Konzeption der Medienkompetenz aufgelistet. Groebens Benennungen der Dimensionen sind dabei in Fettschrift wiedergegeben. Dahinter wird jeweils ein Ausschnitt herausgegriffen, der im Hinblick auf die Internetnutzung relevant ist und in der Untersuchung aufgegriffen werden soll. Medienwissen/Medialitätsbewusstsein: Medialitätsbewusstsein bedeutet das Bewusstsein der Mediennutzer darüber, dass sie sich nicht in ihrer alltäglichen Lebensrealität, sondern in einer medialen Konstruktion bewegen. Medienwissen 55

57 schliesst das Wissen über wirtschaftliche, rechtliche und politische Rahmenbedingungen mitein. Medienspezifische Rezeptionsmuster: Diese Dimension beinhaltet zum einen technisch-instrumentelle Fertigkeiten, zum anderen die Fähigkeit ein Medienangebot für seine Zwecke optimal zu nutzen (d.h. die Vermeidung negativer Effekte und die Maximierung positiver Aspekte). Für letzteren Aspekt dieser Dimension werden die Ergebnisse aus den Tätigkeiten bei der Internetnutzung und den Motiven für die Internetnutzung als Hinweise hinzugezogen. Medienbezogene Genussfähigkeit: Diese Dimension ist bis anhin nur unbefriedigend ausgearbeitet. Stark verallgemeinert soll darunter die Fähigkeit verstanden werden, ein Medium (auch) zur Unterhaltung, oder weil es Spass macht, zu nutzen. Rückschlüsse auf diese Komponente sollen aus den Ergebnissen der Erhebung der Nutzungsmotive gezogen werden. Medienbezogene Kritikfähigkeit: Hierbei handelt es sich um den klassischen Kern aller Medienkompetenz-Konzeptualisierungen. Dazu zählt beispielsweise die Fähigkeit, die Glaubwürdigkeit von Informationen abschätzen zu können. Dies bedingt grundsätzliches Wissen über die Medienstrukturen und prozesse. Die Dimensionen Medienbezogene Kritikfähigkeit und Medienwissen weisen vielerorts Überlappungen auf. Selektion/Kombination von Mediennutzung: Diese Dimension umfasst im Wesentlichen die Kompetenz, aus der Vielzahl der vorhandenen Medienangebote das situativ adäquate auszuwählen. Sie geht von der Voraussetzung aus, auf das komplette Medienensemble zurückgreifen zu können. Dabei wird die Fixierung auf ein Medium als suboptimal betrachtet. Diese Dimension wird demnach in der Untersuchung nicht aufgegriffen. (Produktive) Partizipationsmuster: Diese Dimension bezieht sich auf die aktive Partizipation der Mediennutzer und begründet sich in der vermuteten steigenden Bedeutung selbst hergestellter oder bearbeiteter Medienprodukte. Aber beispielsweise auch Kommunikation kann als Partizipation verstanden werden. Diese Dimension wird nicht separat erhoben, Rückschlüsse auf diesen Teil der Medienkompetenz werden aus den Tätigkeiten und Motiven der Internetnutzung abgeleitet. Anschlusskommunikation: Diese Dimension bezieht sich darauf, dass die Kommunikation über ein Medium (im Familienkreis, der Peergroup oder der Schule) 56

58 Voraussetzung dafür ist, Teildimensionen der Medienkompetenz entwickeln zu können. Denn die Anschlusskommunikation ermöglicht eine relativierende Auseinandersetzung mit den Medien und ihren Inhalten. Die ausführliche Beschreibung dieser Kategorien finden sich bei Groeben (2002b: ). Da die im Rahmen dieser Kategorien erhobenen Merkmale nicht als vollständige Abbildung der Medien- resp. Internetkompetenz gesehen werden können, sollen sie als Indikatoren für einen Stand von Medienkompetenz verstanden werden. Die operationalisierten Fragen dazu finden sich in Kapitel Medieneffekte Zum Begriff Medieneffekte oder Medienwirkungen ist einführend anzumerken, dass der Begriff in der Kommunikationswissenschaft nicht allgemeingültig definiert ist. Der Begriff an sich impliziert das Vorhandensein eines einfachen Kausalzusammenhanges zwischen Mediennutzung und Rezipienten und wird daher von einigen Forschern als ungeeignet betrachtet. Auf Grund der starken Verbreitung des Begriffes in Expertenund Laienkreisen ist eine Umbenennung jedoch chancenlos und wohl auch kaum zweckdienlich (vgl. Maletzke 1998: 82f). Am eindimensionalen Begriffsverständnis sind auch die Medien mit schuld, die aktuell besonders im Zusammenhang mit sogenannten Killerspielen oft allzu einfache Zusammenhänge zwischen Mediennutzung und Rezipient propagieren. Diese publikumswirksame Darstellung eines desensibilisierenden Einflusses der Medien hat zur Folge, dass die positiven Einflüsse der Medien Information, Sensibilisierung, Identifikation - oft untergehen (vgl. dazu auch Bonfadelli 2004a: 9). Um so wichtiger ist also eine klare und kontextspezifische Präzisierung des Begriffes, die in diesem Kapitel vorgenommen werden soll. Die Untersuchung der Sozialisationsrelevanz bestimmter Internettätigkeiten ist dem Bereich der Medienwirkung zuzuordnen. Denn dabei soll untersucht werden, ob die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben also die Arbeit an bestimmten Sozialisationszielen - von den Jugendlichen mit Hilfe des Internets ausgeführt werden. Unterstützen diese Tätigkeiten die Jugendlichen beim Erreichen dieser 57

59 Sozialisationsziele, kann dies als Medieneffekt bezeichnet werden - als Einflussgrösse auf den Sozialisationsprozess. Denn als Wirkungen können Prozesse verstanden werden, die sich in der postkommunikativen Phase als Folge der Massenkommunikation abspielen, und zum anderen in der eigentlichen kommunikativen Phase alle Verhaltensweisen, die aus der Zuwendung der Menschen zu Aussagen der Massenkommunikation resultieren (Maletzke 1963: 190) Medieneffekte im Kontext dieser Arbeit Mediensozialisation schliesst die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben mit ein. Der Einfluss des Internets auf die Sozialisation und somit den Alltag der Jugendlichen kann entsprechend über den Einfluss des Internets auf die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben erfasst werden. Unter dem Stichwort Entwicklungsaufgabe ist ein Sozialisationsziel zu verstehen, das in einer bestimmten Altersphase und in einem bestimmten gesellschaftlichen Kontext zur Bewältigung ansteht (Süss 2004: 33). In diesem Zusammenhang können zum Beispiel die kommunikativen Aspekte des Internets ( , Chat) ihre Dienste bei der sozialen Positionierung, respektive der Kontaktpflege mit den Peers, leisten. Aber auch das Nutzen von Social Networks oder eigenen Homepages kann als Möglichkeit zur Identitätsentwicklung der Jugendlichen beitragen (vgl. Misoch 2007). Es stellt sich also die Frage, in welcher Weise das Internet zur Bewältigung von verschiedenen Entwicklungsaufgaben als Ressource fungiert. Ob solche Medieneffekte generell bei allen Jugendlichen vermutet werden müssen und ob sie in unterschiedlicher Ausprägung verschiedenen Nutzertypen zuzuschreiben sind. Eine effektive Messung von Medieneffekten ist grundsätzlich schwierig. Im Rahmen dieser Studie kann untersucht werden, wie stark oder häufig gewisse Internetangebote bei sozialisationsrelevanten Tätigkeiten in den Alltag eingebaut werden, oder als wie hilfreich Jugendliche das Internet zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben empfinden. Diese Vorgehensweise macht Medienwirkungen so zwar nicht empirisch beweisbar, erlaubt es aber, Tendenzen zu formulieren. Zusammen mit Daten zu anderen Persönlichkeitsmerkmalen und durch den Vergleich der Probanden untereinander, sollen Aussagen darüber gemacht werden, was für Medieneffekte wo zu erwarten sind. 58

60 Erfassung der Medieneffekte Die Erfassung von Medieneffekten über die Auswertung der Tätigkeiten der Nutzer oder über die Selbstauskunft der Nutzer macht in Bezug auf das Internet durchaus Sinn. Denn bei der Betrachtung von Medieneffekten aus entwicklungstheoretischer Sicht stellen Greenfield/Yan (2006) fest, dass das Effekt-Modell aus der Fernsehforschung primär auf Zuschauer und nicht auf Nutzer abzielt. Gleichzeitig würden die Interaktivität des Internets und die Aktivität des Nutzers die Zuschauerrolle relativieren und somit die Allgemeingültigkeit des Effekt-Modells für die Internetforschung vermindern. Sie schlagen als Schritt in die richtige Richtung die Verwendung des Usesand-Gratifications-Approach vor, der danach fragt What are the uses to which the internet is put and what do children and adolescents get from it? (Greenfield/Yan 2006: 392). Die Erfragung von Motiven und Gratifikationen kann, dieser Idee folgend, zur Erfassung der Medieneffekte verwendet werden und mit der subjektiv empfundenen Nützlichkeit zur Bewältigung von Entwicklungsaufgaben ergänzt werden Jugend und Entwicklungsaufgaben Im folgenden Kapitel wird zuerst der Begriff Jugend genauer erläutert und in einem zweiten Teil wird das Konzept der Entwicklungsaufgaben beschrieben. Abschliessend werden die Entwicklungsaufgaben des Jugendalters aufgeführt Definition Jugend Was in einer Gesellschaft unter dem Begriff Jugend verstanden wird, ist stets vom historischen und kulturellen Hintergrund abhängig. Der Begriff reicht bis in die Antike zurück, erfährt seine gesellschafts- und sozialpolitische Verankerung als eigenständiger Lebensabschnitt aber erst im späten 19. bzw. 20. Jahrhundert. Jugend ist die Phase, die vom Erwerbsleben freisetzt und den institutionellen Zugang zu Ausbildung und Vorbereitung auf die kommenden Anforderungen ermöglicht. Im Allgemeinen ist damit eine Übergangsperiode zwischen Kindheit und Erwachsenenalter gemeint. Die Abgrenzung zwischen Jugend und frühem Erwachsenenalter erfolgt jedoch nicht 59

61 anhand von Altersmarken, sondern anhand von Funktionsbereichen, Rollenübergängen und Kriterien sozialer Reife (vgl. Oerter/Dreher 2002: 259). Bei der Definition der Grundgesamtheit dieser Untersuchung wurde vermieden, solche Übergange als Verzerrungsfaktoren einzuschiessen, indem nur Jugendliche befragt wurden, die sich in der selben Schulstufe (Oberstufe) befinden Entwicklungsaufgaben Das Konzept der Entwicklungsaufgaben wurde ursprünglich von Robert J. Havighurst erarbeitet, der dazu folgende Definition vorlegte: A developmental task is a task which arises at or about a certain period in the life of the individual, successful achievement of which leads to his happiness and to success with later tasks, while failure leads to unhappiness in the individual, disapproval by society, and difficulty with later tasks (Havighurst 1956: 215). Die Entwicklung wird als Lernprozess betrachtet. Während dieses Lernprozesses sind Lernaufgaben (Entwicklungsaufgaben) zu bewältigen, was zum Erwerb von Fertigkeiten und Kompetenzen führt, die wiederum zur zufrieden stellenden Lebensbewältigung benötigt werden. Die Bedeutung der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben hinsichtlich der Veränderung des Entwicklungsstandes kann folgendermassen subsumiert werden: Unter der Annahme, dass Verhaltens-, Einstellungs- und Erkenntnisänderungen auf der aktiven Auseinandersetzung mit Anforderungen der Umwelt beruhen, stellt die Bewältigung einer Entwicklungsaufgabe einen Entwicklungsfortschritt im Sinne der Erweiterung von Handlungsmöglichkeiten und der Steigerung umweltbezogener Handlungskompetenzen dar (Dreher/Dreher 1985: 32). Die Entwicklungsaufgaben können als Bindeglied im Spannungsfeld zwischen individuellen Bedürfnissen und Wünschen, gesellschaftlichen Erwartungen und physischer Reifung bezeichnet werden (vgl. Oerter/Dreher 2002: 268 ff). 60

62 Die verschiedenen Entwicklungsaufgaben des Jugendalters Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Entwicklungsaufgaben wird in der Literatur als aktives und zielbezogenes Handeln der Jugendlichen verstanden (vgl. Dreher/Dreher 1985: 32). In dieser Arbeit interessiert das Mass, in welchem dieses Handeln das Benutzen des Internets einschliesst. Dazu müssen die Entwicklungsaufgaben formuliert und mit entsprechenden Internet-Anwendungen verknüpft werden. Dreher/Dreher (1985) haben in ihrer Untersuchung 10 Entwicklungsaufgaben für die Adoleszenz (12-18 Jahre) festgelegt, die sich in dieser Form auch heute in einschlägigen Lehrbüchern finden lassen 12 (vgl. Tabelle 4). Tabelle 4: Entwicklungsaufgaben im Jugendalter nach Dreher/Dreher (1985) Stichwort Peer Körper Rolle Intim Ablösung Beruf Partnerschaft/Familie Selbst Werte Zukunft Inhalt Zu Altersgenossen beiderlei Geschlechts werden neue, tiefere Beziehungen hergestellt. Veränderungen des Körpers und sein eigenes Aussehen annehmen. Sich das Verhalten aneignen, dass man in unserer Gesellschaft von einem Mann bzw. von einer Frau erwartet. Aufnahme intimer Beziehungen zum Partner (Freund/Freundin). Von den Eltern unabhängig werden bzw. sich vom Elternhaus lösen. Wissen, was man werden will und was man dafür können muss (lernen muss). Vorstellungen entwickeln, wie der Ehepartner und die zukünftige Familie sein sollen. Über sich selbst im Bild sein: Wissen, wer man ist, was man will. Sich darüber klar werden, welche Werte man hochhält und als Richtschnur für eigenes Verhalten akzeptiert (Entwicklung einer eigenen Weltanschauung). Sein Leben planen und Ziele ansteuern, von denen man glaubt, dass man sie erreichen kann (Entwicklung einer Zukunftsperspektive). (Dreher/Dreher 1985: 36) Da die Erfassung der Medieneffekte auf der Basis der Bedeutung der Internetnutzung für die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben erfolgt, müssen die Entwicklungsaufgaben teilweise verschiedenen Internettätigkeiten zugeordnet werden. Für gewisse Entwicklungsaufgaben soll der Nutzen des Internets zur Bewältigung auch 12 Zum Beispiel bei Oerter/Montada (2002). 61

63 direkt mit einer separaten Frage in der Untersuchung abgefragt werden. Die Einzelheiten zur Erfassung der einzelnen Entwicklungsaufgaben finden sich in Kapitel Medieneffekte im Nutzungskontext Es gibt bereits Untersuchungen in Bezug auf das Internet, welche dem Medium spezifische Einflüsse auf die psychosoziale Entwicklung von Jugendlichen zuschreiben. Diese sind jedoch besonders unter Berücksichtigung des jungen Alters des Mediums mit Vorbehalt zu betrachten. So zeigte z.b. Krauts Untersuchung The Internet Paradox, dass je mehr Zeit eine Person im Internet verbrachte, desto weniger Zeit verwendete sie für die Kommunikation mit Familien und Freunden, was mit einem Anstieg von Einsamkeit und Depression einherging (vgl. Kraut et al. 1998: 1017) 13. Poitrowski (2006) hat in ihrer Untersuchung festgestellt, dass virtuelle Freunde (also solche, mit denen nur online kommuniziert wird) durchaus zu den engsten Vertrauten von Jugendlichen zählen können und dabei das bestehende soziale Netzwerk stabilisieren oder im Real life 14 auftretende Defizite kompensieren können (vgl. Poitrowski 2006: 61f). Solche Effekte sind aber immer kritisch zu betrachten, denn sie verändern sich mit dem Wandel der gesellschaftlichen Grundvoraussetzungen und der damit verbundenen Veränderung des Medienhandelns der Sozialisanden. Wie solche Effekte diesem Wandel unterworfen sein können, zeigt eine einfache Beobachtung: Zu Krauts Untersuchungszeitpunkt ( ) waren Multi-User Dungeons (MUDs) und Internet Relay Chats die verbreitetsten Kommunikationsformen im Internet. Beides sind öffentliche Foren, die den gleichzeitigen Kontakt mit mehreren Fremden ermöglichen. Damals waren Computer noch weniger verbreitet und die Userzahl noch kleiner. Die Chance im Netz auf einen Bekannten aus dem Real life zu stossen war gleichsam gering. Heute jedoch kann davon ausgegangen werden, dass je mehr Jugendliche sich im Internet befinden, desto mehr Freunde von ihnen befinden sich auch im Internet. So ist mittlerweile das Instant Messaging das beliebteste Kommunikationsinstrument unter den Jugendlichen (vgl. Medienpädagogischer 13 In einer weiteren Untersuchung im Jahre 2002 kamen Kraut et al. zum Schluss, dass starke Internetnutzung positive Effekte auf extrovertierte Persönlichkeiten hat und negative Auswirkungen auf introvertierte Personen (Kraut et al. 2002: 49). Wästlund, Norlander und Archer (2001) hingegen widerlegten einen kausalen Zusammenhang mit einer Replikationsstudie. 14 Der Begriff Real life bezieht sich auf die Tätigkeiten und Existenz eines Menschen ausserhalb computervermittelter Interaktionen. 62

64 Forschungsverbund Südwest 2007: 40) (vgl. Gross 2004: 635). Dabei zeigen neuere Untersuchungen, wie jene von Gross (2004), dass 82% der Kommunikationspartner beim Instant Messaging friends oder best friends aus der Schule sind (vgl. Gross 2004: 642). Es handelt sich beim Effekt dieser Nutzungsart also eher um eine Fortführung und somit Pflege bestehender Kontakte aus dem Real Life und nicht um die Abwendung vom sozialen Umfeld hin zu 'Fremden' im anonymen Netz. Dieses Beispiel zeigt, dass Interneteffekte nicht generell bezeichnet werden können, sondern stets im Nutzungszusammenhang neu eruiert und interpretiert werden müssen. Besonders in Bezug auf das Internet, dass den Alltag immer wieder in veränderter Weise durchdringt und dessen Verwendung sich mit der technischen und inhaltlichen Expansion stets neu konstituiert Abschiessende Betrachtung zur Mediensozialisation Mit dem Modell der Mediensozialisation soll die Erfassung der Internetnutzung mit Hinweisen zur individuellen Medienkompetenz und Hinweisen auf den sozialisationsverändernden Einfluss ergänzt werden. Die Determinanten der Mediennutzung (Meyen 2004), sollen mit den Erkenntnissen über fremd- und selbstsozialisatorische Einflüsse ergänzt werden. Da die Determinanten der Mediennutzung lediglich als Hinweise zu verstehen sind und fremd- und selbstsozialisatorische Einflüsse ebenfalls verschiedenste Faktoren umfassen können, sollen beide Konzepte ergänzend verwendet werden. Aus den auf empirischen Studien beruhenden Erkenntnissen von Süss sollen folgende Variabeln in die Erhebung der Internetnutzung aufgenommen werden: Ressourcen können prägenden Einfluss auf den Mediennutzungsprozess haben. Entsprechend sollen erhoben werden, ob die Jugendlichen über Ressourcen bei Problemen mit dem Internet verfügen und ob sie über soziale Ressourcen verfügen. Für letzteres soll die Geborgenheit in der Familie und im Freundeskreis erhoben werden. Was aus den Determinanten der Mediennutzung nicht augenscheinlich hervortritt ist der Umstand, dass mit dem positionellen Merkmal Alter weitere Merkmale einhergehen. Bei Süss findet sich so ein Merkmal in Form der Zugangsbeschränkungen. Ob und wie stark die Internetnutzung Jugendlicher mit Zugangsbeschränkungen belegt ist, soll entsprechend ebenfalls erhoben werden. 63

65 3.3.4 Unterhaltungsforschung Wie in Kapitel 2.3 erwähnt, nutzen Jugendliche das Internet vermehrt auch zu Unterhaltungszwecken. Um die Möglichkeit zu prüfen, ob im Hinblick auf die Nutzertypologien eine Gruppe existiert, die sich hauptsächlich für die unterhaltenden Aspekte des Internets interessiert, soll im folgenden Kapitel das für diese Arbeit grundlegende Unterhaltungskonzept und verständnis festgelegt werden. Es soll untersucht werden, ob Unterhaltung konzeptionell als eigenständige Kategorie abgegrenzt werden kann. Gleichzeitig muss aus praktischer Sicht untersucht werden, wie damit umzugehen ist und ob einzelne Anwendungen klar einer Kategorie Unterhaltung zuzuordnen sind. Unterhaltung ist aus der heutigen (Medien-) Welt nicht mehr wegzudenken: Die grossen Blockbuster Filme, das Interesse an Medienereignissen wie Big Brother, Music Star und Deutschland sucht den Superstar, Soap Operas aber auch der boomende Computer- und Konsolenspielemarkt lassen daran keinen Zweifel. Dem Begriff Unterhaltung haftete auf Grund der historisch bedingten Trennung zwischen Hochliteratur und niederer Literatur, lange Zeit das Vorurteil des Irrelevanten und Schlechten an (vgl. Dehm 1984: 22). In den 1970er Jahren begann schliesslich eine Veränderung der Bewertung des Trivialen und Populären womit sich die Beschäftigung mit unterhaltender Kunst zunehmend vom Rechtfertigungsdruck befreit sah. Die steigende Bedeutung der Unterhaltung im Alltag führte dazu, dass sie seit den 1990er Jahren auch in der universitären Forschung an Stellenwert gewonnen hat (Frizzoni/Tomkowiak 2006: 7f.). Mittlerweile wird Unterhaltung als eine der grundlegenden Funktionen der Massenmedien - also als einer der Beiträge, die die Massenkommunikation zum Funktionieren der Gesellschaft beiträgt - verstanden (vgl. Bonfadelli 2001: 25). Vorderer geht sogar soweit, Unterhaltung als Kernelement unserer Gesellschaft zu bezeichnen und schlägt vor, die Informationsgesellschaft in Unterhaltungsgesellschaft umzubenennen (Vorderer 2006: 70). Vorderer plädiert an gleicher Stelle auch für ein genaueres Hinschauen beim Thema Unterhaltung und unterstellt, dass neben der oberflächlichen, seichten Unterhaltung je länger je mehr auch anspruchsvolle Unterhaltung stattfindet. Eine Unterhaltung, die kognitives Engagement und Konzentration erfordert und hilft in komplexen Zusammenhängen zu denken. Solche Unterhaltung, die kein Abschalten zulässt, sondern eher ein Einschalten verlangt (vgl. Vorderer 2006: 71 ff.), kennt man aus Fernsehserien wie 24 64

66 oder Lost, die verschiedenste Handlungsstränge aufweisen und vom Zuschauer ein aufmerksames Verfolgen der einzelnen Folgen verlangen aber auch, und noch ausgeprägter, von Computerspielen. Egal ob dies nun ein Ego-Shooter oder ein Strategiespiel ist, sie verlangen vom Spieler stets Konzentration und ununterbrochene Interaktion Was ist Unterhaltung, was ist keine Unterhaltung? Angesichts dieser Komplexität und Vielseitigkeit stellt sich nun die Frage nach der Definition von Unterhaltung. Denn wenn in der Untersuchung erfasst werden soll, wann im Internet Unterhaltung rezipiert wird, muss klar sein, was als Unterhaltung bezeichnet werden kann. Doch genau mit dieser Aufgabe tut sich die Wissenschaft nach wie vor schwer. Bosshart und Macconi definieren Unterhaltung auf Grund der Untersuchung verschiedener empirischer Studien als Konstrukt mit drei Hauptkomponenten. Laut ihrer Analyse enthält Unterhaltung im Wesentlichen aktive (active), entspannende (tension-reducing) und erfreuliche (positive) Aspekte. Nach dem Ausschlussprinzip formuliert, ist Unterhaltung nicht anstrengend, nicht unangenehm, nicht monoton, und nicht langweilig (vgl. Bosshart/Macconi 1998: 4). Unterhaltung durch Medien erlaubt es, Stress abzubauen oder Langeweile aktiv zu vertreiben. Unterhaltung kann somit auf Spannung sowie auf Entspannung abzielen. Die komplexeste Theorie zur Unterhaltung hat Werner Früh mit seinem dynamischtransaktionalen Ansatz erarbeitet. Dabei wird Unterhaltung als positives, kognitives und affektives Erleben beschrieben. Der Ansatz bringt bestehende Partikulärtheorien in eine umfassende Theorie ein (vgl. Bosshart 2006: 19). Dies allerdings entsprechend der angestrebten Vollständigkeit auf einem sehr hohen Abstraktionsniveau (vgl. Früh 2006: 43). Leider liefert auch Früh (2006) keine klare Definition von Unterhaltung. Das liegt daran, dass Unterhaltung als spezifisch kognitiv-affektives Erleben nicht direkt beobachtbar ist, es muss also über Indikatoren erschlossen werden, was meist über die Selbstauskunft der betreffenden Personen geschieht (vgl. Früh/Wünsch/Kopp 2004: 515). In diesem Sinne wird also nicht definiert ob etwas Unterhaltung ist oder nicht, sondern es wird mittels verschiedener Indikatoren erhoben. Diese (variable) Faktorkonstellation (also das Ergebnis der Erhebung), triadisches Fitting genannt, macht 65

67 bei einer geeigneten Kombination von Objekt/Stimulus, Person und Kontext Unterhaltung möglich (vgl. Früh/Wünsch/Kopp 2004: 516) Unterhaltung im Rahmen dieser Untersuchung Es kann für die vorliegende Arbeit also festgehalten werden, dass nicht a priori definiert werden kann, welche Anwendungen im Internet als Unterhaltungsangebote bezeichnet werden können, da für Inhalte keine Definition von Unterhaltung bestimmt werden kann. Denn wenn Unterhaltungserleben über das situative Erleben des Rezipienten bestimmt wird, konstituiert es sich über dessen aktuelle Empfindung stets neu. Früh/Wünsch/Kopp (2004) führen in ihrem Text das Beispiel des Fussballfans an: Wenn seine Mannschaft die Meisterschaft gewinnt, hat er sich gut unterhalten und empfindet dabei noch etwas Stolz. Identifiziert er sich aber zu sehr mit seiner Mannschaft, dominiert beim Schlusspfiff das Gefühl des Stolzes, es kann dann zwar immer noch von einem positiven Erlebnis gesprochen werden, aber nicht mehr von Unterhaltung. Videoportale sind in Bezug auf das Internet ein gutes Beispiel dafür. Bei genauer Betrachtung stellt sich heraus, dass sich dort Videos von lustigen Pannen, aber auch Instruktionsvideos finden; von der Anleitung für die Modifikation eines Mobiltelefons bis hin zur Gitarrenlektion. Lediglich die Nutzung von Videoportalen bedeutet also noch keineswegs die Nutzung eines Unterhaltungsangebotes. Gleiches gilt beispielsweise auch für das Chatten. Man kann sich im Chat mit Freunden zur Unterhaltung treffen oder aber im Chat das Ansprechen fremder Personen für den Alltag üben (vgl. Otto et al. 2004: 17), was wiederum nicht als Unterhaltung bezeichnet werden kann. Zusätzlich kann auch das Empfinden einzelner Personen bei der Rezeption des identischen Inhaltes so stark variieren, dass Unterhaltungserleben nicht auf Grund der Kategorisierung von Inhalten bestimmt werden kann sondern nur noch auf Grund der persönlichen Empfindung des Rezipienten. Auf Grund dieser Ausgangslage muss Unterhaltung über die Selbstauskunft der Rezipienten erfragt werden. Entsprechend werden die Resultate aus der Motivanalyse (Uses-and-Gratifications-Approach) zur Bestimmung des Unterhaltungsinteresses verwendet. 66

68 3.4 Zusammenfassung der theoretischen Konzepte Alle eingeführten theoretischen Konzepte können zur Erfassung verschiedener Facetten der Internetnutzung verwendet werden. Die einzelnen Modelle und Konzepte sollen im Folgenden in ein Modell der Internetnutzung integriert werden. Dieses Modell soll als Grundschema für die Erfassung der einzelnen Variabeln im Nutzungsprozess dienen, womit die Internetnutzung von Jugendlichen für die vorliegende Untersuchung möglichst umfangreich erfasst werden soll. Der-Uses-and-Gratifications-Approach deckt dabei die individuellen Motive ab, die die Internetnutzung prägen. Die Determinanten der Mediennutzung erfassen die Bedingungen, unter denen die Mediennutzung auf struktureller, positioneller und individueller Ebene stattfindet. Ergänzt werden diese Determinanten durch Faktoren, die im Zusammenhang mit der Mediensozialisation als fremdsozialisatorische oder selbstsozialisatorische Einflüsse bezeichnet sind. Die Mediensozialisationsforschung liefert mit der Medienkompetenz ein Konzept zur Erfassung intraindividueller Grundvoraussetzungen (Kompetenzen) für die Mediennutzung. Und mit dem Bezug zu den Entwicklungsaufgaben ein Konzept zur Bestimmung des Einflusses der Internetnutzung auf den Alltag Jugendlicher. Zwischen den verschiedenen Konzepten finden sich zahlreiche Überlappungen. Die im Uses-and- Gratifications-Approach behandelten Motive finden sich im Modell der Mediensozialisation genau so wie bei den Determinanten der Mediennutzung. Die meisten Determinanten der Mediennutzung wiederum lassen sich im Modell der Mediensozialisation den fremd- oder selbstsozialisatorischen Einflüssen zuordnen. Und im Konzept der Medienkompetenz findet sich die bedürfnisorientierte Mediennutzung aus dem Uses-and-Garifications-Approach wieder. Abbildung 9 integriert, auf der Basis des Modells der Mediensozialisation, alle diese Bestandteile der Internetnutzung in einem Modell. 67

69 Abbildung 9: Modell der Internetnutzung Eigene Darstellung Dieses Modell zeigt alle Faktoren, die in Bezug auf die Internetnutzung erhoben werden sollen. Hierfür wurde das Prinzip der weitergeführten Entwicklungsachse aus dem Mediensozialisationsmodell übernommen. Innerhalb der Internetnutzung kann die Medienkompetenz und der Einfluss auf die Bewältigung von Entwicklungsaufgaben bestimmt werden. Das umschliessende Feld der strukturellen Determinanten der Internetnutzung verdeutlicht, dass die Nutzung stets im Rahmen der gesellschaftlichen Voraussetzungen stattfindet. Die Einflussfaktoren auf die Internetnutzung weisen jeweils mit Pfeilen auf den Nutzungsbereich. Sie stellen eine Kombination aus selbstsozialisatorischen, fremdsozialisatorischen, positionellen und individuellen Einflussfaktoren dar. Die Enthierarchisierung der positionellen und individuellen Determinanten der Mediennutzung wurde für dieses Modell in Kauf genommen, da die Grenzen zwischen diesen beiden Kategorien unklar und fliessend sind und um die Übersichtlichkeit zu wahren. Besonders die Determinanten der Mediennutzung und das Modell der Mediensozialisation weisen zahlreiche Parallelen auf. Bei beiden Ansätzen handelt es sich aber nicht um vollständige Theorien. Süss konstruiert sein Modell unter der Überschrift Ansätze zu einer Theorie der Mediensozialisation (Süss 2004: 274) und Meyen bezeichnet seine Determinanten der Mediennutzung als Hinweise. Da sie für sich keine Vollständigkeit beanspruchen, werden beide Ansätze komplementär 68

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