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1 Jutta Gruber-Mannigel, Thomas Pyhel, Kathrin Wiener... uuund - Action! Medienorientierte Umweltkommunikation für Kinder und Jugendliche. Ein Handbuch für die Praxis ISBN Seiten, 17 x 24 cm, 19,90 Euro oekom verlag, München 2010 oekom verlag 2010

2 Einleitung Einleitung: Kinder- und Jugendalltag ist Medienalltag Für Kinder und Jugendliche gehören Massenmedien wie Radio, Fernsehen und Internet zum festen Bestandteil ihres Alltags:»Kinder- und Jugendalltag ist heute auch Medienalltag«(Theunert, 2005, S. 17). Medien bestimmen zum großen Teil die Denkweise Heranwachsender und ihr Verhalten. Deshalb eröffnet die gezielte Nutzung von Massenmedien die Chance, Heranwachsende durch neue, attraktive Kommunikationsformen zu einer handlungsorientierten inhaltlichen Auseinandersetzung mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen zu motivieren. Denn Themen rund um Umwelt und Klima stehen bei dieser Zielgruppe grundsätzlich hoch im Kurs. Das zeigt unter anderem eine repräsentative Studie der Bertelsmann Stiftung (Bertelsmann Stiftung, 2009) unter 14- bis 18-jährigen Jugendlichen in Deutschland und Österreich: Befragt nach den größten weltweiten Herausforderungen, geben nach dem Armutsproblem mit 75 % Nennungen 73 % der Befragten den Klimawandel und die Umweltzerstörung an, gefolgt von dem Mangel an Nahrung und Trinkwasser (70 %). Bei 10- bis 14-Jährigen ergibt sich laut einer weiteren aktuellen Studie, die im Sommer 2009 im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) mit 800 Schülern in Deutschland durchgeführt wurde (BMU, 2009), ein ganz ähnliches Bild: Demnach machen sich sogar 84 % der 10- bis 14-Jährigen Sorgen um die Entwicklung des Weltklimas. Ein Fünftel dieser Befragten hat bereits bei konkreten Klimaschutzaktionen in der Schule mitgemacht, etwa bei Projektwochen zum Energiesparen. Über 80 % dieser Schüler wünschen sich jedoch im Unterricht mehr Informationen zum Klima- und Umweltschutz. Und laut der eingangs erwähnten Bertelsmann-Studie fordern sieben von zehn Jugendlichen eine Bildung, die es ihnen ermöglicht, die Welt zukunftsfähiger zu gestalten. Diese Heranwachsenden sind auch bereit, sich einzubringen und selbst etwas für das Wohl der Menschen und der Umwelt zu tun, allein 80 % der befragten deutschen Jugendlichen gaben das an wenn sie bloß wüssten, wo und wie sie sich engagieren können. Engagement das ist auch ein Schlüsselbegriff, damit das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung umgesetzt werden kann. Insofern birgt das dargelegte große Interesse von Kindern und Jugendlichen an Umwelt- und Zukunftsthemen ein enormes und für Umweltbildner ermutigendes Aktivierungspotenzial für konkrete umweltschützende Maßnahmen. Denn: Kinder sind bereit, Aufgaben zu übernehmen und zwar vor allem dort, wo Angebote gemacht werden (vgl. World Vision Deutschland, 2008). Neben der Schule sind soziale Gruppen und Gemeinschaften wie Vereine oder sonstige (Nachmittags-)Betreuungsinstitutionen besonders dazu geeignet. Nachhaltigkeitskommunikation für Kinder und Jugendliche Die rasanten technischen und sozioökonomischen Veränderungen in der Gesellschaft beeinflussen die Lebensverhältnisse nicht nur von Erwachsenen, sondern auch von Kindern und Jugendlichen. Einerseits üben insbesondere mediale und elektronische Erlebniswelten auf Kinder und Jugendliche eine erhebliche Anziehungskraft aus. Andererseits werden Natur und Umwelt an den Rand ihrer Lebenswelt gedrängt. Der Jugendreport Natur 2006 (Brämer, 2006) gelangt zum Beispiel zu dem Befund, dass junge Menschen immer weniger Neigung haben, etwas in der Natur zu unternehmen. Natur diene demnach allenfalls noch als Kulisse. Vor diesem Hintergrund stellt sich für Umweltbildner die Frage, wie Kinder und Jugendliche an Natur und Umwelt herangeführt, wenn nicht gar für 8

3 Einleitung sie begeistert werden können. Bisherige Vorhaben der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zeigen, dass vor allem jene Angebote interessant sind, die von den Heranwachsenden als handlungsorientiert wahrgenommen werden und bei denen das Mitgestalten im Mittelpunkt steht. Medienprojekte spielen hierbei eine große Rolle. Es hat sich gezeigt, dass Umweltbildungsangebote für die den Medien besonders zugewandten Kinder und Jugendlichen nicht kognitiv-theoretisch überfrachtet, sondern vielmehr handlungsorientiert ausgerichtet sein sollten: Das Erleben eigener Fähigkeiten und Fertigkeiten und die persönliche Erfahrung von Selbstwirksamkeit sind wichtige motivierende Faktoren, die für diese Zielgruppe offensichtlich bedeutsamer sind als ein Zugewinn an Faktenwissen. Ein grundsätzliches Interesse an Naturbegegnung und Naturerfahrung zu wecken und gleichzeitig sogenannte Soft Skills zu vermitteln wie zum Beispiel kommunikative Fähigkeiten oder die Bereitschaft, kooperativ zusammenzuarbeiten das sind womöglich vorrangige Ziele zukünftiger Umweltbildungsangebote. Vor diesem Hintergrund nutzen deshalb Akteure der Umwelt- und Nachhaltigkeitskommunikation, die vor allem Kinder und Jugendliche für Natur-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen interessieren und möglichst auch begeistern möchten, zu recht Massen- und insgesamt multimediale Medien. 9

4 Jutta Gruber-Mannigel, Thomas Pyhel, Kathrin Wiener... uuund - Action! Medienorientierte Umweltkommunikation für Kinder und Jugendliche. Ein Handbuch für die Praxis ISBN Seiten, 17 x 24 cm, 19,90 Euro oekom verlag, München 2010 oekom verlag 2010

5 I. Theoretische Grundlagen 4. Medienwelten von Kindern und Jugendlichen Medienwelten von Kindern und Jugendlichen Medien spielen in unserer Gesellschaft eine zentrale Rolle und im Leben Heranwachsender. Sie sind selbstverständlicher Bestandteil von Freizeit, Schule und Familienleben. Der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest, Herausgeber der Studienreihen»KIM«(Kinder und Medien, Computer und Internet) und»jim«(jugend, Information, (Multi-)Media), formuliert es so:»vom Aufwachen mit dem Radiowecker über die Nutzung von Lernprogrammen in der Schule, dem MP3- Player auf dem Nachhauseweg, dem Hausaufgabenmachen mithilfe des Computers, der Kommunikation mit den Freunden über das Internet, dem Verabreden zum Spielen per SMS mit dem Handy, dem Computerspielen mit den Freunden und der täglichen Vorabendserie im Fernsehen bis hin zu ein paar Seiten Harry Potter vor dem Schlafengehen. So oder so ähnlich stellt sich heute der Alltag vieler Kinder dar«(mpfs, 2009, S. 3). Und Fachleute weisen auch darauf hin, dass»medien [ ] insgesamt im Rahmen der Sozialisation der Herwachsenden eine konstant zunehmende Bedeutung ein[nehmen]«(durner, 2007, S. 44). Je nach Situation und Gefühlslage erfüllen Medien ganz unterschiedliche Funktionen bei Nutzern, auch bei Kindern. Sie werden genutzt zum Kommunikationsaustausch, zur Unterhaltung, zur Information, zur Bildung oder bei Langeweile. Dann schaltet laut KIM-Studie 2008 (MPFS, 2009, S. 54) knapp die Hälfte der Kinder den Fernseher an, 11 % greifen zum Buch oder schalten den Computer ein. So oder so: Medien sind Teil der Erfahrungs- und Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Die meiste mit Medien verbrachte Zeit entfällt trotz des rasanten Anwachsens der Internetnutzung nach wie vor auf Fernsehen und Hörfunk. Da passt durchaus ins Bild, dass Forschungen gezeigt haben, dass viele Kinder ihr Wissen auch ihr Umweltwissen aus dem Fernsehen beziehen (Stoltenberg, 2002, S. 65). Erziehung: Einflussfaktor Medien Vor diesem Hintergrund verwundert es auch nicht, dass Medien viel Zeit im Alltag von Kindern und Jugendlichen beanspruchen. Mit Konsequenzen: Radio, Fernsehen und Internet geben vielen Heranwachsenden von heute Informationen und Anregungen zum Beispiel für ihre Freizeit und für ihre Persönlichkeitsentwicklung. Die erzieherischen Einflüsse von Eltern, Familie und Schule konkurrieren mit denen der Medien, sie können sogar abnehmen. Beispiel Jugendliche: Statistisch betrachtet, sind sie heutzutage sehr gut mit elektronischen Geräten ausgestattet, zum Beispiel ist der Besitz eines Handys mittlerweile Standard. Angesichts der Bedeutung des sogenannten Web 2.0 und dem damit verbundenen Ansatz des»user generated content«werden Gleichaltrige und eine gemeinsame mediale Umwelt immer wichtiger für Jugendliche. Dies führt unter anderem auch dazu, dass Medienwelten und damit auch Denk-, Gefühls- und Erfahrungswelten der Kinder und Jugendlichen und die der Erwachsenen immer weiter auseinanderklaffen. Nutzung von Massenmedien eröffnet Chancen auch für die Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitskommunikation Da Medien faktisch zum großen Teil die Denkweise und das Verhalten Heranwachsender mitbestimmen, eröffnet die Nutzung von Massenmedien aber auch viele Chancen, nicht zuletzt für die Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitskommunikation: Neue, attraktive Kommunikationsformen können dazu dienen, das Interesse an Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen zu befördern. Dabei gilt, dass 42

6 sich die gezielte Mediennutzung und das Naturerlebnis nicht ausschließen, sondern sich durchaus ergänzen (Peters, 2009, S. 399). Dazu ist es allerdings wichtig zu wissen, wie die Medienwelten von Kindern und Jugendlichen heute aussehen. Lebensbedingungen prägen das Mediennutzungsverhalten Das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen wird abgesehen von der Frage der Medienausstattung vor allem durch die jeweiligen Lebensbedingungen geprägt. Insbesondere die Eltern, die Qualität der Beziehung zu ihnen und das medienbezogene Erziehungsverhalten spielen eine Rolle für die zum Teil bereits sehr früh einsetzende Entwicklung individueller Gewohnheiten der Mediennutzung: Medienforschungsdaten belegen, dass Eltern hier eine Vorbildfunktion haben. Insofern ist es für die Mediennutzung und -erziehung Heranwachsender bedeutsam, ob und wie die Eltern ihren eigenen Medienkonsum reflektieren. Bezogen auf das Medium»Fernsehen«sind zum Beispiel das Ausmaß, in dem die Haupterzieher das Fernsehen erlauben, die Häufigkeit des gemeinsamen Fernsehens oder der Einsatz des Fernsehers als»medialer Babysitter«von Bedeutung. Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen Medien wie Fernseher, Radio und Computer können Kindern und Jugendlichen eine Orientierungsfunktion bei Fragen des Alltags oder bei Sinn- und Handlungsfragen bieten (Theunert, 2005, S. 17). Und sie bringen Spannung und Abenteuer. Beispiel Fernsehen: Per Fernbedienung können sich Heranwachsende die Welt ins Zimmer holen und an wirklichen oder ausgedachten Ereignissen teilhaben. Dabei ist es nicht schwer nachzuvollziehen, dass die Nutzung von Medien durch Kinder und Jugendliche Einfluss hat auf deren Gefühlsleben, Vorstellungen, Verhaltens- und Wertorientierungen. Mit Kenntnissen über das Mediennutzungsverhalten auch unter Berücksichtigung alters-, geschlechts-, und bildungsspezifischer Unterschiede lassen sich also Einflüsse von Medien auf das Fühlen, Denken und Verhalten von Kindern und Jugendlichen ableiten. Welche Medien nutzen Kinder und Jugendliche in der Bundesrepublik Deutschland? Einschlägige Studien und Umfragen der Medienforschung liefern umfangreiches Datenmaterial. Hierzu zählen zum Beispiel die Studienreihen»KIM«(Kinder und Medien, Computer und Internet) (MPFS, 2009) und»jim«(jugend, Information, (Multi-)Media) (MPFS, 2008), auf die nachfolgend Bezug genommen wird: Als Langzeitprojekte angelegt, werden sie seit Ende der 1990er Jahre jährlich (JIM) bzw. im Abstand von 2 Jahren (KIM) vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest herausgegeben. Sie liefern repräsentative Informationen zu aktuellen Entwicklungen im Medienumgang von Kindern (6- bis 13-Jährige) und Jugendlichen (12- bis 19-Jährige). Es handelt sich dabei um Daten zu Freizeit- und Medienbeschäftigungen, zu Medienbindung und -nutzungsverhalten, zur Geräteausstattung und zum Stellenwert von Fernsehen, Radio, Computer, Internet und Handy. Medienausstattung von Kindern Voraussetzung für die Nutzung von Medien ist die Verfügbarkeit elektronischer Geräte: Wie sieht die Medienausstattung von Kindern in Deutschland aus? Allgemein betrachtet, hat die rasante 43

7 I. Theoretische Grundlagen technische Entwicklung dazu geführt, dass elektronische Geräte erschwinglich geworden sind. Die Folge: Sie sind in immer mehr Haushalten und damit auch in Kinder- und Jugendzimmern verfügbar. Laut der KIM-Studie 2008 ist die Medienausstattung eines Haushalts, in dem Kinder leben, statistisch gesehen sogar überdurchschnittlich (MPFS, 2009, S. 7): In jedem Haushalt mit Kindern gibt es ein Fernsehgerät, in fast jedem ein Handy, ein Festnetztelefon, ein Radio und einen CD-Player. Zum Beispiel sind 88 % dieser Haushalte mit einem Computer, 85 % mit einem Internetzugang und 68 % mit einer tragbaren oder nichttragbaren Spielkonsole ausgestattet. Interessant ist auch ein Blick in deutsche Kinderzimmer: Wie sieht hier die Geräteausstattung aus? Über die Hälfte sind ausgestattet mit tragbaren oder nichttragbaren Spielkonsolen. Die Hälfte der Kinder hat ein eigenes Handy oder einen CD-Player. Bei 42 % der 6- bis 13-Jährigen findet sich ein eigener Fernseher im Kinderzimmer, 15 % haben einen eigenen Computer und rund 10 % einen eigenen Internetanschluss (a. a. O., S. 8). Kinder und Fernsehen Fernsehen ist das bedeutendste Medium im Kinderalltag. Häufig ist es auch das erste Medium, mit dem Kinder überhaupt in Kontakt kommen (vgl. KVJS, 2007). Im Vorschulalter ist es eine Freizeitbeschäftigung, die allerdings grundsätzlich unter der Kontrolle der Eltern stattfindet (vgl. BLM, 2005a). Ein Blick in die Forschungsdaten gibt genaueren Aufschluss zur Beziehung»Kinder und Fernsehen«: Laut der KIM-Studie 2008 ist und bleibt die»flimmerkiste«das beliebteste Medium der 6- bis 13-Jährigen (MPFS, 2009, S. 15) besaßen rund 40 % der Kinder sogar ein eigenes Gerät. Die Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) für 2007 bestätigen übrigens den in der Medienforschung hinlänglich bekannten Befund, dass es einen erheblichen Zusammenhang zwischen dem Besitz eines eigenen Apparates und dem Maß des Fernsehkonsums gibt: Kinder, die ein eigenes Fernsehgerät besitzen, schauen täglich durchschnittlich mehr (Sehdauer: 118 Minuten) und länger fern (Verweildauer: 189 Minuten) als Kinder ohne eigenes Gerät (Sehdauer: 80 Minuten, Verweildauer: 132 Minuten). Insgesamt betrachtet, verbrachten Kinder im Jahr 2008 laut KIM-Studie und nach Angaben der Haupterziehenden pro Tag durchschnittlich rund 90 Minuten vor dem Fernseher (ebd.) und damit doppelt so viel Zeit wie vor dem Computer. Entgegen der weit verbreiteten Meinung über den angeblich gestiegenen Fernsehkonsum von Kindern zeigen die GfK-Daten allerdings, dass 3- bis 13-jährige Kinder grundsätzlich weniger fernsehen als in den Jahren zuvor. Betrachtet man die durchschnittliche Sehdauer dieser Kinder im Jahr 2007 (vgl. Feierabend/Klingler, 2008), so ist sie im sogenannten Langzeitvergleich von 1992 bis zum Jahr 2007 zurückgegangen. Fernsehen: Lieblingssendungen Viele Kinder haben eine Lieblingssendung im Fernsehen, die sie besonders gern einschalten. Bei Mädchen wie bei Jungen findet vor allem Anklang, was speziell für die Zielgruppe Kinder produziert worden ist:»ausgesprochene Kinderfilme sowie Filme, die mit Zeichentrick oder Animation arbeiten«(blm, 2005b, S. 4) Hauptsache, es fehlt nicht an Spannung und Humor. Mit insgesamt 9 % ist die Zeichentrickserie über einen tollpatschigen Schwamm sehr beliebt (MPFS, 2009, S. 15):»SpongeBob Schwammkopf«.»Der schräge Humor und Themen wie Freundschaft, Konkurrenz und 44

8 Zusammenleben spricht Kinder beiderlei Geschlechts an auch, wenn die meisten Erwachsenen dieser Vorliebe wenig Verständnis entgegenbringen können«(blm, 2007a), erklären Fachleute dessen Popularität. Mit jeweils 6 % am zweithäufigsten nennen Kinder die Soap»Gute Zeiten, schlechte Zeiten«und die Zeichentrickserie»Die Simpsons«. Schaut man sich geschlechtsspezifische Vorlieben an, gilt grundsätzlich: Mädchen lieben vor allem spannende Abenteuergeschichten von Heldinnen und Helden gleichen Alters, Jungen rasante und actiongeladene Sendungen (vgl. a. a. D.). Grundschulkinder: Lieblingssendungen Auch 7- bis 13-Jährige schauen laut Flimmo-Kinderbefragung 2007 (a. a. O.) mit Abstand gerne Zeichen trick- und Anime-Serien (46 %). Es folgen Info-, Quiz- und Wissenssendungen (12 %) und Serien aus dem Familien- und Erwachsenenprogramm (9 %). Innerhalb von Zeichentrick/Anime ist der»hit«bei beiden Geschlechtern die Serie»SpongeBob«(Jungen: 18 %, Mädchen: 15 %), gefolgt von»kim Possible«, die vor allem die Mädchen lieben. Insgesamt nennen Mädchen mehr Sendungen aus dem Kinderprogramm und auch Kinder- und Jugendfilme (zum Beispiel»Schloss Einstein«). Und ausschließlich Mädchen finden Soaps bzw. Telenovelas (zum Beispiel»Gute Zeiten, schlechte Zeiten«,»Verliebt in Berlin«) und Casting-Shows (zum Beispiel»Germany s next Topmodel«) gut. Für alle Sendungen gilt: Fernsehen für 7- bis 13-Jährige egal ob Jungen oder Mädchen muss vor allem humorvoll und lustig sein und auch die Spannung darf nicht fehlen. Grundschulkinder: Fernsehfiguren Auch bezogen auf die Figuren in ihren Lieblingssendungen müssen Witz und Spaß bei Kindern im Grundschulalter dabei sein: 7- bis 13-Jährige lieben Figuren mit humorvollen (siehe»spongebob«) und mit cleveren, intelligenten, mutigen und selbstbewussten Zügen (zum Beispiel»Zoey 101«). Die Figuren in Serien und Filmen üben für die Heranwachsenden eine große Anziehungskraft aus: Sie transportieren Themen, aber auch bestimmte Rollenbilder. Deshalb sind»gesprächsbereite und einfühlsame Bezugspersonen in der Realität, die ihnen Anregungen und einen Orientierungsrahmen bieten«(blm, 2007b, S. 18), wichtig. Kinder und Radio Laut KIM-Studie 2008 (MPFS, 2009, S. 19 f.) hört jedes zweite Kind regelmäßig Radio, 19 % sogar jeden oder fast jeden Tag lag dieser Anteil noch bei 25 %. Nach Einschätzung der Haupterzieher nutzen Kinder das Radio täglich durchschnittlich 37 Minuten. Wie bei Erwachsenen ist das Radio auch bei Kindern ein»nebenbei-medium«(vgl. Pyhel/Schepers, 2003): Nur 10 % der Radiohörer können Sendungen benennen, die sie gezielt einschalten. Dies sind vor allem Musiksendungen, Sportsendungen und spezielle Kinder- und Jugendangebote. Welches Radioprogramm Kinder hören, liegt übrigens an den Vorlieben anderer: Nur 38 % von ihnen suchen sich das Programm selbst aus, 60 % hören das mit, was die anderen hören. 45

9 I. Theoretische Grundlagen Kinder: Computer/Internet, Handy, MP3-Player Computer Der Fernseher ist bei Kindern nach wie vor das beliebteste Medium, aber Computer und Internet spielen eine zunehmend wichtige Rolle im Medienverhalten von 6- bis 13-Jährigen (MPFS, 2009, S. 25 ff): Laut KIM-Studie 2008 gibt es in 88 % der Haushalte mit Kindern einen Computer, ein Viertel der Kinder hat einen eigenen zur Verfügung. 78 % der Kinder haben zumindest seltene Erfahrungen mit dem Computer. Mit zunehmendem Kindesalter nimmt die Bedeutung des Computers zu: Die Hälfte der 6- und 7-Jährigen hat Erfahrungen mit dem Computer gemacht, für 95 % der 12- bis 13-Jährigen gehört der Computer mittlerweile zum Alltag. Internet Das Internet nutzen zumindest selten 59 % der Kinder, wobei es im Altersverlauf enorme Unterschiede gibt (a. a. O., S. 38 ff.): Bei den 6- und 7-Jährigen hat erst jeder Fünfte Erfahrungen damit, bei den 8- bis 9-Jährigen ist es die Hälfte, bei den 10- und 11-Jährigen sind es 79 %, und bei den 12- und 13-Jährigen sind es bereits 86 %. Handy In 95 % der Haushalte mit Kindern gibt es laut KIM-Studie 2008 ein Mobiltelefon, jedes zweite Kind besitzt ein eigenes (a. a. O., S. 46 ff.). Es wird vor allem für Kurzmitteilungen oder zum Kontakt mit den Eltern genutzt. Rund ein Drittel der Handys von Kindern ist jedoch mit einem MP3-Player ausgestattet und fast genauso viele können mit dem Handy Musik hören und diese Beschäftigung ist nicht nur für Jugendliche, sondern bereits für 6- bis 13-Jährige von großer Bedeutung. MP3-Player MP3-Player sind bei Kindern auf dem Vormarsch. Laut KIM-Studie 2008 besitzt mittlerweile jedes dritte Kind einen eigenen MP3-Player und er wird häufig genutzt: Jedes zweite Kind nutzt ihn zumindest selten, 15 % jeden oder fast jeden Tag, wobei die Nutzung mit zunehmendem Kindes alter steigt (a. a. O., S. 21). Medienausstattung von Jugendlichen Die Medienausstattung von Haushalten mit Jugendlichen ist sehr hoch (vgl. MPFS, 2008, S. 8 f.). Bei Handys, Computer bzw. Laptops und Fernsehgeräten besteht sogenannte Vollversorgung, einige elektronische Geräte sind sogar mehrfach vorhanden: Ein Haushalt mit Jugendlichen besitzt zum Beispiel durchschnittlich 3,8 Mobiltelefone, 2,5 Fernseher und 2,3 Computer. Über einen Internet zugang verfügen 96 % der Haushalte, 94 % über einen CD- und 93 % über einen MP3-Player. Was die Medienausstattung nicht der Haushalte, sondern der Jugendlichen betrifft (a. a. O., S. 9 ff.), besitzen 95 % von ihnen ein Handy. Es folgen verschiedene Geräte zum Musik hören: MP3-Player (86 %), Radio (77 %) und CD-Player (76 %). Mit 71 % besitzen im Jahr 2008 erstmalig seit Beginn der JIM-Studienerhebung mehr Jugendliche einen Computer 71 %) im eigenen Zimmer als ein Fernsehgerät (61 %). Einen eigenen Internetzugang haben 51 %, eine Spielkonsole für den Computer oder den Fernseher 45 % und eine tragbare Spielkonsole 41 % der Jugendlichen. 46

10 Medienbeschäftigung von Jugendlichen Regelmäßig d. h. mindestens mehrmals pro Woche nutzen Jugendliche mit jeweils 89 % Computer und Fernseher, gefolgt von der Beschäftigung mit dem Mobiltelefon oder dem Internet (jeweils 84 %). Bezogen auf die tägliche Nutzung, liegt das Handy mit 71 % Nutzungsrate vorne (a. a. O., S. 12 ff.). Wie wichtig Musik im Alltag Jugendlicher ist, zeigt sich daran, dass regelmäßig 82 % der 12- bis 19-Jährigen den MP3-Player nutzen (täglich: 60 %), 72 % regelmäßig Radio hören (täglich: 55 %) und 68 % regelmäßig Musik-CD/Kassetten nutzen (täglich: 46 %). Auch das Lesen gehört allen gelegentlichen Unkenrufen der öffentlichen Meinung zum Trotz nach wie vor zur Jugendkultur: 40 % und mehr lesen regelmäßig eine Tageszeitung oder ein Buch. 12 % der Jugendlichen lesen eine Tageszeitung übrigens regelmäßig online, 10 % regelmäßig eine Zeitschrift im Internet. Auch ist die Häufigkeit des Computerspielens nicht so hoch wie vielfach angenommen: Nicht mehr als fast jeder dritte Jugendliche geht dieser Tätigkeit mindestens mehrmals pro Woche nach; tragbare Spielkonsolen werden nur von 26 % der Jugendlichen regelmäßig genutzt. Trotz der Bedeutung von Medien im Alltag spielen soziale Kontakte bei 12- bis 19-Jährigen nach wie vor eine sehr wichtige Rolle: 91 % treffen sich regelmäßig persönlich mit Freunden. Mit zunehmendem Jugendalter erhöhen sich die Kontakte zu Freunden sogar. 91 % der Jugendlichen geben auch an, dass der persönliche Kontakt die wichtigste Möglichkeit der Kontaktpflege zu Freunden sei, die Nutzung des Internets zur Kontaktpflege halten nur 5 % für wichtig (a. a. O., S. 14 f.). Jugendliche und Fernsehen Das Fernsehen ist nach wie vor ein für Jugendliche wichtiges Medium obwohl mittlerweile mehr Computer als Fernseher im Besitz 12- bis 19-Jähriger sind (a. a. O., S. 26). Immerhin finden 60 % von ihnen, dass Fernsehen immer noch genauso wichtig für sie sei. Täglich sehen 63 % Jugendliche fern (Internetnutzung: 63 %), 29 % mehrmals pro Woche (Internetnutzung: 21 ). Eigener Einschätzung nach sehen Jugendliche wochentags 122 Minuten fern (Internet nutzung: 117 Minuten). Hier lohnt jedoch ein genauerer Blick: Vor allem die 12- bis 13-Jährigen nutzen das Fernsehen mit durchschnittlich 117 Minuten deutlich länger als das Internet (76 Minuten); bei 14- bis 15-Jährigen sind die werktägliche durchschnittliche Fernseh- und Internetnutzung mit jeweils 126 Minuten gleich, bei 16- bis 17-Jährigen liegt die Internet- (136 Minuten) vor der der Fernseh nutzung (129 Minuten), und bei den 18- bis 19-Jährigen beträgt der Vorsprung des Internets vor dem Fernsehen 9 Minuten. Experten weisen entsprechend darauf hin, dass das Internet das Fernsehen nur»scheinbar«als Leitmedium abgelöst habe (Feierabend, 2008, S. 24). Dessen Funktionalitäten also die Gründe, warum Jugendliche fernsehen seien nach wie vor bedeutsam. Hierzu geben Jugendliche an, dass»man beim Fernsehen am Besten relaxen kann«, dass es ihnen gefalle,»dass ich etwas präsentiert bekomme und nicht selbst suchen muss«und dass Fernsehen»einfach gute Laune«mache (a. a. O., S. 12). 47

11 I. Theoretische Grundlagen Fernsehsendungen: Geschlechtsspezifische Vorlieben von Jugendlichen Jugendliche nutzen verschiedene Medien und sind offen für neue Fernsehformate. Im Vergleich zu Spielfilmen, Soaps oder Casting-Shows sind bei ihnen journalistische Qualitätsformate wie zum Beispiel die Tagesschau weniger beliebt. Doch Vorsicht im Urteil ist geboten, denn»selbst da, wo Jugendliche zum Beispiel durch eine gezielte Hauptrollenbesetzung strategisch scheinbar einfacher zu erreichen sind, sind sie alles andere als leicht zu berechnen«(krist, 2007, S. 43). In der JIM-Studie 2008 befragt nach genutzten Fernsehgenres, geben 12- bis 19-Jährige an, sie nutzten»zumindest selten«folgende Genres: Nachrichten (85 %), Amerikanische Serien (76 %), Comedy (71 ), Zeichentrick (66 %), Casting-Shows (57 %) und Daily Soaps (31 %). Serien, Casting-Shows und Daily Soaps Soaps sind bei Jugendlichen schon seit einigen Jahren sehr beliebt. Sie spielen in ihren Lebenswelten und liefern ihnen Identifikationsfiguren. Medienforscher erklären diese Wirkung so:»die in den Daily Soaps gezeigten Charaktere und Lebenswelten können [...] eine verstärkende Funktion für die altersspezifischen Identitätsprozese von Jugendlichen haben. Sie bieten Projektionsflächen und Rollenmuster, um sich im eigenen Alltag zurechtzufinden. Indem sie Inhalte thematisieren, die die Bedürfnisse Heranwachsender gezielt ansprechen, sind sie Vorbild für die eigene Rollenfindung in der Welt der Erwachsenen und auch Modell für Mode, Kleidungsstile und Verhalten gegenüber dem anderen Geschlecht. Zusätzlich dienen sie vielen insbesondere weiblichen Jugendlichen zur Strukturierung des Alltags«(a. a. O., S. 41 f.). Casting-Shows haben sich seit einigen Jahren vor allem bei weiblichen Fernsehkonsumenten etabliert. Dabei können die Fernsehzuschauer über mehrere Folgen hinweg mitverfolgen, wie aus ganz gewöhnlichen Jugendlichen»bekannte Stars«werden. Der Erfolg dieses Fernsehformats erkläre sich ähnlich wie der der Daily Soaps unter anderem aus deren Orientierungsfunktion in Sachen Identitätsbildung:»Die Jugendlichen identifizieren sich ein Stück weit mit den Protagonisten der Shows, fiebern mit und durchleben mit ihnen gemeinsam deren emotionalen Höhen und Tiefen. [ ]. Die Protagonisten in den Shows bieten zudem Projektionsflächen für eigene Wünsche und Hoffnungen, und bei den Jugendlichen entsteht das Gefühl, in jedem von ihnen selbst stecke ein unentdeckter Star «(a. a. O., S. 42 f.). Jugendliche: Computer, Handy, MP3-Player Mehr Jugendliche besitzen laut der JIM-Studie 2008 einen eigenen Computer als einen Fernseher, nämlich fast drei Viertel der Befragten (MPFS, 2008, S. 9) das ist ein neuer Befund. Ebenso wie der, dass mehr als die Hälfte der Jugendlichen über einen eigenen Internetanschluss verfügt. Die Grundausstattung an Mediengeräten bei Jugendlichen entwickelt sich grundsätzlich weiter: Der Besitz eines Handys und eines MP3-Players sind mittlerweile Standard bei 12- bis 19-Jährigen. Genutzt wird der Computer als Lernmittel, zum Spielen und zum Musikhören. Der Schwerpunkt der Internetnutzung liegt auf der Kommunikation mittels Instant Messenger, , Chat und Communities. Diese Online-Communities sind für Jugendliche von hoher Bedeutung: Über die Hälfte der jugendlichen Internetnutzer besucht sie regelmäßig zur Kommunikation was im 48

12 Übrigen nicht unproblematische Effekte nach sich ziehen kann, zum Beispiel wenn dort private Fotos oder Filme veröffentlicht werden. Jugendliche und Radio Das Radio gehört nach wie vor zum Alltag Jugendlicher. Das liegt sicherlich auch daran, dass es aus jugendlicher Sicht als»nebenbei«-medium beliebt ist. Denn Radio zu hören, ist häufig keine zielgerichtete Tätigkeit. Vielmehr kann sie während Beschäftigungen wie Hausaufgaben machen oder Auto fahren ausgeübt werden (vgl. Pyhel/Schepers, 2003, S. 47). Zu diesem Befund passt, dass das Radio vor allem bei der Musiknutzung nach wie vor eine große Rolle spielt (MPFS, 2008, S. 19 f.): Zum Musikhören nutzen die meisten Jugendlichen zwar den MP3-Player (71 %), das Radio folgt aber dichtauf (69 %) vor dem Computer (62 %). 55 % der 12- bis 19-Jährigen hören täglich Radio, 72 % von ihnen mindestens mehrmals pro Woche. Nur 10 % schalten das Radio nie ein. Mehr Mädchen als Jungen nutzen das Radio regelmäßig, und je höher der Bildungsgrad, desto größer ist der Anteil der regelmäßigen Radiohörer. Dass sich das Radio im jugendlichen Medienrepertoire relativ stabil hält, mag auch daran liegen, dass sich die Empfangs- und Abrufwege vervielfältigt haben: Während die Fernsehnutzung nach wie vor weitestgehend über das herkömmliche Fernsehgerät und die Internetnutzung in der Regel über den heimischen Computer erfolgt, empfangen jugendliche Hörer das Radio mittlerweile über verschiedene Plattformen: 28 % der Internetnutzer hören zumindest selten ein Radio über das Internet, 8 % machen dies regelmäßig. Mittlerweile kann Radio auch über MP3-Player und über das Handy empfangen werden, was von Jugendlichen auch bereits genutzt wird. Die Radionutzung Jugendlicher weist damit auf ein Phänomen hin, auf das Medienwissenschaftler grundsätzlich verweisen: Ehemals getrennte Medienbereiche wie zum Beispiel Radio und Internet wachsen zusammen. Fachleute unterteilen diese sogenannte Medienkonvergenz in eine technische Konvergenz bezogen»auf das Zusammenlaufen von Übertragungswegen auf Basis der Digitalisierung medialer Daten«, zum Beispiel Radio zu hören über das Internet und in eine inhaltliche Konvergenz bezogen»auf die Möglichkeit, einen Inhalt über verschiedenste Medien und mediale Tätigkeiten zu verfolgen«(schorb et al, 2008, S. 4). Jugendliche: Glaubwürdigkeit der Medien Befragt nach dem Medium mit der größten Glaubwürdigkeit, gab es in der JIM-Studie 2008 dazu einen überraschenden Befund (MPFS, 2008, S. 22 f.): Obwohl im Vergleich zur JIM-Studie 2005, in der die Frage nach der Glaubwürdigkeit bereits einmal gestellt worden war, die Internetnutzung in dieser Altersgruppe zugenommen hat, schätzen Jugendliche die klassischen Medien Tageszeitung und Fernsehen vertrauenswürdiger ein. Für die Tagezeitung als sicherste Informationsquelle sprechen sich 44 % der 12- bis 19-Jährigen aus, gefolgt von Fernsehen (31 %) und Radio (13 %). Das Internet folgt mit 12 % erst an vierter Stelle. 49

13 I. Theoretische Grundlagen Medienbezogene Umweltbildung für Kinder und Jugendliche Angesichts der dargelegten enormen Bedeutung der Medien im Alltag junger Menschen bietet sich hier ein interessanter Ansatz für medienbezogene Umweltbildung für Kinder und Jugendliche. Denn die alterspezifischen Interessen und die Medien- und Technikverliebtheit vieler junger Menschen sollten genutzt werden, um sie mittelbar wieder an Natur- und Umweltthemen heranzuführen und gleichzeitig ihre Wahrnehmungs- und Kommunikationsfähigkeiten zu aktivieren. Das gilt nicht zuletzt mit Blick auf bislang nicht oder nur wenig erreichte Zielgruppen:»Gerade die bildungs fernen Milieus und die Jungen müssen lernen, dass Medien Werkzeuge sind und systematisch Welten erschließen helfen, die sonst nicht zugänglich sind. [ ] Der systematische Zugang zur virtuellen wie zur realen Welt muss sich in der Umweltbildung [ ] ergänzen, wenn eine ganzheitliche Persönlichkeitsbildung und ein angemessener Zugang zu den heutigen Phänomenen und Problemen lokal wie global ermöglicht werden soll.«(de Haan, 2009, S. 41) Lebens- und Medienwelten Heranwachsender: Fazit für die Nachhaltigkeitskommunikation und für (aktive) Medienprojekte Junge Menschen lassen sich begeistern, gerade auch für Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen (vgl. Kapitel»Umweltbewusstsein«) vorausgesetzt, dass an der Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen angesetzt wird und ein paar entsprechende Regeln beherzigt werden: Zum einen müssen komplexe umweltthematische Zusammenhänge anschaulich und vor allem mit Alltagsbezug dargestellt werden. Zum anderen müssen Kinder und Jugendliche zielgruppenspezifisch, nämlich aus ihrer Sicht ansprechend, erreicht werden: Sie wollen Action, Abenteuer und Spaß, sie wollen gerne praktisch und handwerklich arbeiten und sie wollen dies gerne zusammen mit Freunden, in einer Gruppe machen. Erfahrungen aus der Praxis bestätigen, dass die Motivation von Kindern, sich für Natur und Umwelt zu interessieren, dann geweckt werden kann, wenn Aspekte wie diese berücksichtigt werden. Hierzu bietet sich das Konzept der nachhaltigen Entwicklung für Kinder und Jugendliche als Themenfundus hervorragend an:»das Leitbild Nachhaltigkeit ist mit seinen Bezügen zur Natur, zum Umweltschutz wie zur sozialen Gerechtigkeit bei Kindern und Jugendlichen dann resonanzfähig, wenn es im Sinne der gesellschaftlichen und gelebten Demokratie lebensweltnah aufbereitet wird. Hier liegen zentrale Aufgaben der politischen Bildung im 21. Jahrhundert.«(de Haan, 2004, S. 46) Die umweltbildnerische Ansprache der jungen Zielgruppe sollte deren Interessen wecken, ohne den pädagogischen Zeigefinger zu erheben und schon gar nicht mit dem Stempel»Öko«behaftet sein, im Gegenteil: Denn was für die Umwelt schädigend wirkt, ist bei Umweltbildungs angeboten für Kinder und Jugendliche von geradezu existenzieller Wichtigkeit die Verpackung. Sie muss aufmerksamkeitsstark, bunt und für diese Zielgruppe so anziehend wie möglich sein. Immerhin muss sie möglichst erfolgreich konkurrieren mit anderen starken»mitbewerbern«der Kinder- und Jugendkultur: einem vielfältigen Konsumangebot vor allem im Umfeld von Fernsehen und Multimedia, Kino, Shopping oder Hobbys wie Sport. 50

14 Darüber hinaus gibt es einen weiteren Aspekt zu berücksichtigen: Insbesondere durch die Pflege sozialer Beziehungen und den Medienkonsum ist bei vielen Kindern und Jugendlichen im Alltagsleben so viel Zeit gebunden, dass sie sich vielfach selbst als zeitlich sehr eingeschränkt empfinden. Dies wirkt sich tendenziell negativ auf die Motivation für soziales oder ökologisches Engagement aus. Entsprechend entscheiden sie sich prinzipiell nur für das, was ihnen persönlich besonders wichtig erscheint. Diese Erkenntnisse müssen in der erfolgreichen Vermittlung von Umweltbildung berücksichtigt werden: Sie muss kurzweilig sein, darf nicht mit Wissensaspekten überfrachtet sein und muss originelle Lösungsmöglichkeiten aufzeigen aber vor allem muss sie Spaß machen. Denn Spaß ist unter Kindern und Jugendlichen eine entscheidende Motivation für Engagement. Dabei kommt es nicht unbedingt darauf an, ein Thema bis in alle Tiefen zu durchleuchten, sondern es überhaupt aufzugreifen und anzusprechen zum Beispiel durch aktive Medienarbeit. Wie diese auch im Sinne einer aktiven Medienbildung angegangen werden kann, wird im Folgenden gezeigt. 51

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