Im Forum: Computer- und Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen

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1 3 Im Forum: Computer- und Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen Zeitschrift des Verbandes Bildung und Erziehung Berlin 40. Jahrgang März 2011 Lehrergewerkschaft im dbb beamtenbund und tarifunion berlin Landesverband Berlin

2 Inhalt Termine 2 Leitartikel 3 VBE Nachrichten Landesvorstand 4 Bund 7 dbb beamtenbund & tarifunion 9 Länder 11 Forum 13 Bildungs- und Berufspolitik Forschung & Lehre 18 Länder 21 Alles was Recht ist 22 Info & Technik 24 Geburtstage 26 März 8. Jahreshauptversammlung Reinickendorf, Beginn: Uhr, Restaurant Dionysos, Zabel-Krüger-Damm in Reinickendorf 14. Girls Day Mädchen-Zukunftstag, Kompetenzzentrum Technik-Diversity- Chancengleichheit, Info: , 15. Jahreshauptversammlung Tempelhof-Schöneberg, J.F.K. Ratsstuben, Beginn: Uhr 16. Sitzung des Hauptvorstandes im Gebäude der Debeka, Beginn: Uhr 24. Jahreshauptversammlung Marzahn-Hellersdorf, Beginn: Uhr, Turnhalle am Weiher, Eilenburger Str. 3, Nähe U-Bahnhof Hönow April 5. Jahreshauptversammlung Treptow-Köpenick, Hong-Kong-Haus, in Berlin- Adlershof, am Bahnhof, Beginn: Uhr 6. Jahreshauptversammlung Lichtenberg, Kartoffelscheune im Center Tierpark, Beginn: Uhr In eigener Sache: Der Leitartikel der letzten Ausgabe enthält einen begrifflichen Fehler. Es darf nicht Rütli-Campus, sondern muss damalige Rütli-Schule heißen. Die Redaktion entschuldigt sich dafür. Liebe Kolleginnen und Kollegen, Kollegin Gornik hat Ihre Funktion als Verantwortliche für die Zeitschrift niedergelegt. Sie hat VBE aktuell seit 2005 betreut und inhaltlich geprägt. Der VBE reisjer_85x59 Berlin bedankt sich bei Mechthild 13:08 Gornik Uhr Seite für Ihre 1 Arbeit und bedauert ihr Ausscheiden außerordentlich. Helge Dietrich In eigener Sache Redaktionsschluss Heft 4-5/ Heft 6/ Geschäftsstelle des VBE Berlin Ebersstraße 10, Berlin Tel. (030) Fax: (030) Heike Richter Homepage: Lehrerforum über die Homepage Öffnungszeiten: Mo, Di, Do 8.00 bis Uhr Mi 8.00 bis Uhr Fr bis Uhr In den Schulferien ist die Geschäftsstelle geschlossen. Rechtsschutzbeauftragter: Hagen Keffel Mo und Mi Uhr Telefon: (030) Pensionsberatung und -berechung: Montag und Mittwoch Termine nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung in der Geschäftsstelle Budapest Bornholm Cesky Raj Krakau Impressum ab 144,- ab 363,- ab 167,- ab 153,- London Prag Ski Warschau ab 197,- ab 150,- ab 170,- ab 164,- vm-rejser.dk/de Tel.: (030) Herausgeber: Verband Bildung und Erziehung Berlin; verantwortlich: Helge Dietrich, Landesvorsitzender; Anschrift: Ebersstr. 10, Berlin, Tel.: (030) , Fax: (030) , Homepage: Titelzeichnung: Marina Becker; Gestaltung & Umbruch: Manuela Kriehn; Druck: MKM media, Weg ins Feld 13, Kleinmachnow. Bezugspreis: 15 innerhalb Deutschlands frei Haus (nur gegen Vorkasse). Bezugspreis für Mitglieder ist durch den Beitrag abgedeckt. Konten: BBBank, Konto-Nr , (BLZ ), Berliner Bank (BLZ ) Konto-Nr ; Erscheinungsdatum: zum Beginn des Monats; 9 Ausgaben jährlich bei 3 Doppelnummern. ISSN-Nr Fotos dieser Ausgabe: VBE Berlin und VBE Bund Für Anregungen, Lob, Kritik erreichen Sie die Redaktion unter: Langesgeschäftsstelle Tel. 030 / Die mit Namen des Verfassers gekennzeichneten Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Verbandes dar. 2 VBE aktuell 3/2011

3 Leitartikel Liebe Kolleginnen und Kollegen es ist grundsätzlich anzuerkennen, dass die Berliner Bildungsverwaltung die mangelnde Qualität der Berliner Schule zum Anlass nimmt, über die eine oder andere Verbesserung nachzudenken. Wenn man jedoch die Ergebnisse der Kommission Qualitätspaket kritisch liest, so kommt man zu dem Schluss, dass die Verfasser nicht mit der durchaus angebrachten Selbstkritik an die Lösung des Problems herangegangen sind, denn für viele Defizite in der Berliner Schule sind nicht die darin arbeitenden Lehrerinnen und Lehrer verantwortlich, sondern die Bildungsverwaltung. Auch werden bestimmte Aktivitäten falsch eingeordnet und bewertet. Einige Beispiele mögen das belegen. Schulinspektion Bei den Schulinspektionen wird davon ausgegangen, dass sie objektiv die Situation der Schule wiedergeben. Das ist jedoch nicht der Fall, denn Schulen können nur so gut oder nur so schlecht sein wie das Umfeld der Schule. Die Veröffentlichung der Berichte würde nur zu einem unzulässigen Ranking und damit auch zur Schaffung von Restschulen führen, denn an wenig oder gar nicht nachgefragten Schulen würden sich dann diejenigen Schülerinnen und Schüler wiederfinden, die früher die Hauptschulen besuchten. Die Beschulung würde dann etwa bezogen auf die Gruppenfrequenzen zu wesentlich schlechteren Bedingungen geschehen. Man sollte nicht vergessen: an Hauptschulen lag die Gruppenfrequenz bei unter 20 Schülerinnen und Schülern, die neuen ISS haben eine Frequenz von 25. Daraus kann man ableiten, dass auf schwierige Schülerinnen und Schüler nur unzureichend eingegangen werden kann. Der VBE lehnt die Veröffentlichung der Daten ab, so wie bei Einführung der Schulinspektionen ja auch verabredet. Anerkennung der Leistung Ich kann mich noch gut erinnern. Ich war damals gerade neu in den Personalrat Wedding gewählt worden und bekam den Auftrag, an einem Kaffeeklatsch bei der damaligen Bezirksbürgermeisterin Erika Hess teilzunehmen. Erika Hess hatte gerade pensionierte Kolleginnen und Kollegen in ihr Amtszimmer eingeladen und wollte ihnen für ihre jahrelange Arbeit danken. Im Gespräch erkundigte sie sich nach den weiteren Plänen der Betroffenen und ließ sich über die von ihnen geleistete Arbeit informieren. Erika Hess wusste: Menschen, die Leistungen erbringen und erbracht haben, verdienen und benötigen Anerkennung. Aber dieses Wissen scheint im Laufe der Jahrzehnte verloren gegangen zu sein. So wird das Jubiläum von Lehrkräften nicht mehr gewürdigt und Lehrerinnen und Lehrer, die aus dem Dienst ausscheiden, erhalten ihre Urkunde in einem Briefumschlag nach Hause geschickt, sicherlich kein Zeichen einer Anerkennung der Lebensarbeitsleistung. In diesem Zusammenhang mutet es seltsam an, wenn in Zukunft ein Jahresempfang für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegeben werden soll. Aus dem Dienst scheidende Lehrkräfte erhalten wie bisher keine Anerkennung. Fortbildung Schon jetzt sind Lehrerinnen und Lehrer zur Fortbildung verpflichtet und nehmen diese auch wahr. Viele Kolleginnen und Kollegen versäumen es jedoch, jede Teilnahmebescheinigung der Personalstelle zur Aufnahme in die Personalakte einzureichen. So entsteht der unberechtigte Eindruck, dass zu wenig Fortbildung wahrgenommen wird. Wir können unsere Kolleginnen und Kollegen nur auffordern, zukünftig alle Fortbildungsnachweise umgehend zur Abheftung in der Personalakte einzureichen. Hinzu kommt in diesem Zusammenhang, dass Lehrerinnen und Lehrer durch den zunehmenden Ganztagsbetrieb daran gehindert werden, neben ihrer normalen Unterrichtstätigkeit noch Fortbildungen wahrzunehmen. Hier muss den Betroffenen durch entsprechende Reduzierungen ihrer Unterrichtstätigkeit erst einmal die Gelegenheit gegeben werden, die notwendigen Möglichkeiten zu nutzen. Eine generelle Verpflichtung zur Fortbildung der Kolleginnen und Kollegen in den Ferienzeiten lehnt der VBE kategorisch ab. Der VBE hat ein alternatives Arbeitszeitmodell entwickelt, bei dem alle Tätigkeiten von Lehrerinnen und Lehrern berücksichtigt werden und gezielte Fortbildungsveranstaltungen im Rahmen der wöchentlichen und jährlichen Arbeitsleistung angeboten werden sollen. Hier können natürlich auch Lehrergewerkschaften vom Dienstherrn finanzierte und zertifizierte Veranstaltungen anbieten. So jedenfalls geschieht es mit großem Erfolg in Schweden. Weitere Anmerkungen Wer die Berliner Schule kennt, der weiß, dass sie wegen mangelnder Finanzierung unzureichend ausgestattet ist. Das fängt bei der Bausubstanz in vielen Fällen an und hört bei den unzureichenden Mitteln bei den Arbeitsmaterialien noch lange nicht auf. Es wäre durchaus zu überlegen, Schulen unterschiedlich mit Personal und Unterrichtsmaterialien auszustatten. So scheint es mir einsichtig zu sein, dass Schulen in Brennpunktbereichen z.b. eine höhere Personalausstattung erhalten, um die sozialen Defizite, die dort bestehen, auszugleichen. Zu dem Personal gehören dann nicht nur Lehrkräfte, sondern auch Erzieherinnen und Erzieher sowie Sozialarbeiterinnen und -arbeiter. Junge Lehrerinnen und Lehrer, die in Berlin gut ausgebildet worden sind, wandern in andere Bundesländer ab, weil sie mangels Verbeamtung für sich keine Perspektive sehen. Lehrer mit Masterabschluss sollen zukünftig nach A 12 bezahlt werden und stehen sich damit deutlich schlechter als in anderen Bundesländern. Die Abschaffung der Vorklassen vor einigen Jahren hat dazu geführt, dass zunehmend Kinder eingeschult werden, bei denen erheblicher Förderbedarf im sprachlichen Bereich besteht. Dies gilt grundsätzlich für alle Kinder. Es muss auf Seiten der Bildungsverwaltung ein grundsätzliches Umdenken erfolgen. Lehrerinnen und Lehrer, die gute Arbeit leisten sollen, müssen auch gute Arbeitsbedingungen vorfinden. Dies ist derzeit nicht gegeben. Es entsteht der Eindruck, dass mit der einseitigen Schuldzuweisung von der unzulänglichen Arbeit der Bildungsverwaltung abgelenkt werden soll. Mit freundlichen Grüßen Ihr Helge Dietrich VBE aktuell 3/2011 3

4 Landesvorstand Integration und Inklusion in Marzahn Hellersdorf Mit Bestürzung haben wir zur Kenntnis genommen, in welcher Art und Weise der Bildungssenator Prof. Zöllner mit den Forderungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Personalversammlung Marzahn-Hellersdorf, vom 28. April 2010, zur Umsetzung der Inklusion in ihrem Bezirk umgegangen ist. Unter solchen Bedingungen ergeben sich ernsthafte Zweifel an der Um-setzung sonderpädagogischer Förder-maßnahmen im Unterricht. Es geht wohl eher um eine kostensparende soziale Inklusion, die eine spätere, berufliche und gesellschaftliche Integration ausblendet, bzw. den förderbedürftigen Menschen eine berufliche Integration nur auf niedrigem Niveau zubilligt. Verantwortlich gemacht werden dann aber nicht die Politiker, sondern wieder einmal die Pädagoginnen und Pädagogen, die unter den gegebenen Bedingungen gar nicht erfolgreich fördern können und mit den zusätzlichen Aufgaben in eine permanente Überlastungssituation ge-bracht werden. Wir dokumentieren die Forderungen der Personalversammlung und ein Schreiben des örtlichen Personalrats, in dem er nochmals konkrete Fragen zur Zusätzliche Leistung: Umsetzung der Inklusion im Bezirk Marzahn-Hellersdorf aufwirft. Bis heute gibt es aber keine Antwort auf diese konkreten Fragestellungen. Damit sieht sich der VBE-Berlin einmal mehr in seiner Annahme bestätigt, dass die Inklusion in Berlin ein Sparmodell darstellt und der Senat offensichtlich nicht bereit ist, zusätzliche Mittel in eine inklusive Schule zu investieren. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Veröffentlichung der Vorstellungen der Bildungsverwaltung, die kürzlich beim Verband eingegangen sind. Der Vorstand bereitet eine Stellungnahme vor, die in einer der folgenden Ausgaben der Zeitschrift veröffentlicht werden soll. Die Redaktion Beschluss der Personalversammlung der Lehrer-innen und Erzieherinnen der Grund- und Sonderschulen des Bezirks Marzahn-Hellersdorf von Berlin Sehr geehrter Herr Bildungssenator Prof. Zöllner, auf einer Informationsveranstaltung Haftpflichtversicherung für Mitglieder der Schulleitungen Die Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung Nr wird für die Landesverbände Mecklenburg- Vorpommern, Brandenburg, Hamburg, Bremen, Berlin und Schleswig-Holstein unter der Führung des Landesverbandes Niedersachsen erweitert. Deckungssumme: Mitversichert ist: Abhandenkommen von Dienstschlüsseln bis soweit keine anderweitige Deckung besteht Kassenfehlbeträge bis Selbstbeteiligung je Schadenfall 10 %, höchstens 500, bei Kassenfehlbeträgen jedoch mindestens 50. Der Jahresbeitrag je Person beträgt 54,26 EUR inkl. 19 % Versicherungssteuer. Der Nettobeitrag für VBE-Mitglieder beträgt 45,60 EUR. zum Thema Sekundarschulreform im Bezirk Marzahn-Hellersdorf gaben Sie bekannt, dass in diesem Jahr die Inklusive Schule auf der Tagesordnung des Abgeordnetenhauses stehen wird. Die thematische Personalversammlung der Lehrer-innen und Erzieher-innen aller Grund- und Sonderschulen des Bezirks Marzahn-Hellersdorf von Berlin hält eine inklusive Schule aus pädagogischen Gründen und aus Gründen der Arbeitsbelastung nur dann für umsetzbar, wenn die Senatsverwaltung die notwendigen sächlichen und personellen Voraussetzungen schafft. Um eine Überlastung der Kolleginnen und Kollegen zu vermeiden, fordern wir Sie auf, die notwendigen Arbeitsbedingungen für die inklusive Schule zu schaffen. Das bedeutet im Einzelnen: In der inklusiven Schule werden nicht mehr als 18 bis 20 Schüler pro Klasse beschult und es unterrichten durchgehend zwei Pädagoginnen in jeder Klasse. Das Konzept der inklusiven Schule sieht vor, dass Schüler/-innen mit unterschiedlichem, auch sonderpädagogischem Förderbedarf gemein-sam beschult werden. Deshalb müssen inklusive Schulen über die gleiche Ausstattung verfügen (Therapieräume, technisch-therapeutische Geräte, methodisches Material), wie gegenwärtig die entsprechenden Sonderschulen. In der inklusiven Schule werden künftig sowohl hochbegabte Kinder als auch Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in einer Lerngruppe beschult. Daher müssen jeder Schule die dazu befähigten Fachkräfte (Sonderschulpädagoginnen, Integrationserzieherinnen,) mit Vollzeitstellen zur Verfügung stehen. Alle neu auszubildenden Lehrer/-innen müssen in einer sonderpädagogischen Fachrichtung qualifiziert werden. Das vorhandene Personal muss sonderpädagogisch fortgebildet werden. Die Sonderschulen bleiben so lange als Angebotsschulen erhalten, wie sie von den Eltern und deren von einem Förderbedarf betroffenen Kindern gewählt werden. Diese als notwendig betrachteten Voraussetzungen werden wir in weiteren Diskussionen ausbauen und konkretisieren. Berlin Marzahn-Hellersdorf, VBE aktuell 3/2011

5 Landesvorstand Beschluss der Personalversammlung der Lehrerinnen und Erzieherinnen der Region Marzahn-Hellersdorf zum Thema Integration und Inklusion vom Sehr geehrter Herr Senator Professor Dr. Zöllner, nachdem wir Ihnen den Beschluss der Personalversammlung mitgeteilt haben, nahm Herr Börger kurz vor den Sommerferien dazu Stellung. Wir teilten mit, dass wir uns nach intensiver Auswertung Ihrer Antwort noch einmal an Sie wenden werden, um offene Fragestellungen zu benennen und den Beschäftigten klare Antworten übermitteln zu können. Im Folgenden wollen wir die aus unserer Sicht offen gebliebenen Fragen noch einmal präzisieren und wünschen uns von Ihnen ebenso klare und nachvollziehbare Antworten. Fragen und Antworten wollen wir im Anschluss in gebündelter Form unseren Beschäftigten zur Kenntnis geben. Erstens: Zum Ausgangspunkt der Diskussion Ihre Position Sie bedanken sich über die zum Ausdruck gebrachte positive Haltung zur Entwicklung einer inklusiven Schule, zeigen Verständ-nis für das Aufwerfen von Fragen zu zusätzlichen sächlichen und personellen Voraussetzungen und benennen die Notwendigkeit eines hohen persönlichen Engagements aller Beteiligten. Welches konkrete Bild von praktizierter Inklusion haben Sie/hat der Senator für Bildung vor Augen, wenn ein Teil der speziellen Bildung von den Förderzentren auf die Regelschulen verlagert werden soll? Unsere Diskussionen die der Beschäftigten und die des Personalrates gehen grundsätzlich davon aus, dass das bildungspolitische (Fern-) Ziel verfolgt wird, jede/n Schüler/in in seiner/ihrer Individualität zu betrachten und entsprechend seiner persönlichen und geistigen Konstitution zu fördern, das heißt, letztlich möglichst alle Schüler/innen inklusiv an Regelschulen zu fördern und es Absicht des Senates ist, konkrete Schritte auf diesem Wege umzusetzen, das heißt inklusive Beschulungsmöglichkeiten in der Fläche zu organisieren. Wir haben also ganz konkret einen Klassenverbund vor Augen, in dem ganz selbstverständlich auch solche Schüler/innen lernen, die nach heutigen Bedingungen ggf. noch einen Förderstatus attestiert bekämen, weil sie besondere individuelle Förderbedarfe erkennen lassen. Aufgrund der inklusiven Betrachtungsweise bekommen eine Mehrheit dieser Schüler/innen einen solchen Status nicht mehr (Förderstatus Lernen, Em-soz. und Sprache), sind insofern auch nicht zählbar, bedürfen aber dennoch besonderer Förderung, die wir ihnen auch angedeihen lassen wollen. Wenn wir eine solche Änderung im Bildungsalltag wünschen, dann werden wir auch die Schul-, Unterrichts- und Betreuungsbedingungen verändern müssen. Unter heutigen gängigen Durchschnittsbedingungen halten wir diese pädagogisch anspruchsvolle Zielstellung in der Praxis nicht für umsetzbar. Was muss sich aus Sicht der Senatsschulverwaltung an praktischen Schulbedingungen verändern, wenn dieses beschriebene Bild von Inklusion im Bildungsalltag Realität werden soll? Zweitens: Zur personellen Ausstattung der inklusiven Schule Ihre Position Sie verweisen darauf, dass sich die zusätzlichen Ausstattungen inklusiv arbeitender Schulen an der derzeitigen Ausstattung in der Integration orientieren werden und dass an eine Änderung der Klassenfrequenzen nicht gedacht sei. Eine verlässliche Ausstattung an Lehrerstunden für die Förderbedarfe Lernen und Emotionale und soziale Behinderung sei vorgesehen. Das Prinzip einer zusätzlichen Ausstattung in einer Regelschule für Integration richtet sich nach Fallzahlen (Schüler mit anerkanntem Förderstatus). Ein solches Prinzip ist auf die inklusive Beschulung nicht ohne weiteres übertragbar, da es dort keine Fallzahlen gibt. Konsequenterweise wird bei der Inklusion größtenteils auf die Feststellung eines Förderstatus verzichtet. Wie erfolgt also die zusätzliche Ausstattung/ Mittelzuweisung dann? Eine Zusatzausstattung mittels einer Pauschalzuweisung wäre denkbar. In welcher Höhe würde sie dann gewährt werden? Hier ist auch zu klären, wie eine Schule/Klasse mit inklusiver Beschulung definiert wird. Was genau ist eine verlässliche Ausstattung an Lehrerstunden für inklusive Beschulung? Uns interessieren also konkrete quantifizierte Senatsvorstellungen über die Zumessung einer Zusatzausstattung bei inklusiver Beschulung. Ein Vergleich mit der derzeitigen Integration ist hier nur begrenzt tauglich. Wir erfahren, dass an eine Änderung der Klassenfrequenzen nicht gedacht sei und stellen uns dabei derzeitige gängige Grundschulklassen mit bis zu 26 Schülern vor (Bandbreite 23-26, Schülerzahl auch schon mal darüber, wenn schulorganisatorisch Stunden gewonnen werden sollen), die nun aber mehrere Kinder beschulen, die nach heutiger Praxis einen Förderstatus (zum Beispiel Lernen, Em-soz oder Sprache) zuerkannt bekämen. Diese Schüler, die bei inklusiver Beschulung ohne Förderstatusfeststellung nicht mehr zählbar sind, bedürfen dennoch besonderer Hinwendung und fachlicher (auch sonderpädagogischer) Förderung. Förderbedürftige Kinder bedürfen eines therapeutischen Unterrichts mit förderartbezogener Didaktik. Eine Umsetzung des Unterrichts mit solcherart notwendiger Differenzierung können wir uns nur unter den Bedingungen kleiner Klassen vorstellen. Andernfalls könnte die spätere berufliche und gesellschaftliche Integration der betroffenen Schülerinnen und Schüler gefährdet sein. VBE aktuell 3/2011 5

6 Landesvorstand Wir möchten wissen, welche Schülerzahlen Sie sich für eine Klasse vorstellen können, in der vielleicht zwei, drei oder vier Schülerinnen mit gefördert werden, die offenbar einen ganz besonderen Zuwendungsbedarf haben. Wir unterstellen, dass dieses Maß an differenzierter Zuwendung unter heutigen alltäglichen Bedingungen nicht leistbar ist. Worauf soll sich diese Erhöhung der Differenzierung und Intensität der Zuwendung stützen? Eine Entlastung durch kontinuierlich in solchen Klassen tätige Fachkräfte mit speziellen sonderpädagogischen Kenntnissen (Doppelsteckung) ist denkbar. Ebenso eine Schaffung von Arbeitspotenzial durch Verminderung von Schülerzahlen. Hier bleibt die Senatsverwaltung konkrete Aussagen schuldig, wie mit den vorhandenen Pädagog/innen unter derzeitigen Bedingungen eine solche erhöhte pädagogische Anforderung gemeistert werden soll. Wer soll die notwendige Diagnostik durchführen? Wer therapiert unter welchen organisatorischen Bedingungen, falls dazu die Notwendigkeit erkannt wird? Wer gibt dem Kind die besondere individuelle Zuwendung, wenn es am Unterricht im Klassenverband teilnimmt? Ab wie vielen Kindern mit besonderen Förderbedarfen in einem Klassenverbund steht eine ausgebildete zweite Fachkraft zur Verfügung? Welche anderen Organisationsformen kommen alternativ zur Anwendung? Wie oft wird eine Lehrkraft allein im Klassenverbund mit Kindern mit erkennbar besonderen Förderbedarfen Bildung gestalten müssen? Die Aussage, dass die jetzige Ausstattung gute Voraussetzungen böte, halten wir für eine unbewiesene wenn nicht sogar falsche These. Die Probleme bei der Realisierung des jahrgangsübergreifenden Unterrichts stehen für eine ungenügend vorbereitete und materiell wie personell ungenügend unterfütterte Bildungsreform. Auch diese Veränderung baut auf eine unzumutbare Erhöhung der Arbeitsintensität. Hier wird teilweise fahrlässig mit der Arbeitskraft und der Gesundheit der Beschäftigten (nicht nur - aber auch durch sie selbst) umgegangen. Es gibt hinreichend viele Beispiele, wo der Dauerstress in die Langzeiterkrankung mündete. Drittens: Zu den Erfahrungen in Marzahn-Hellersdorf Ihre Position Sie verweisen auf das Modell INKA und dessen Unterstützung durch den Schulträger durch die Finanzierung der Einrichtung von Lernwerkstätten. Auch wir halten die unterstützenden Bemühungen unseres Schulträgers und ebenso die Bemühungen auf unserer Schulratsebene in Zusammenarbeit mit der regionalen Fortbildung für außerordentlich anerkennenswert. Den vielfältigen zusätzlichen Aktivitäten ist es überhaupt erst zu verdanken, dass das Modellprojekt INKA zustande kam. Alle hieran beteiligten Kolleginnen leisten Überdurchschnittliches. Wir hoffen, dass bevorstehende Fachkonferenzen verlässliche Aussagen machen können über die Möglichkeit einer Verallgemeinerung der Erfahrungen vorhandener Modellprojekte und über die Realisierbarkeit von inklusiver Beschulung in der Fläche sowie über die dazu unverzichtbar notwendigen Bedingungen. Zu einer dieser notwendigen Bedingungen gehörte sicher auch das Einrichten von Lernwerkstätten an den Modellschulen, das der Schulträger durch die Verwendung bezirklicher Haushaltsmittel erst ermöglicht hat. Dennoch ist der Hinweis auf die Verantwortlichkeit des Schulträgers wenig hilfreich. Diese Unterstützung im Marzahn- Hellersdorfer INKA-Modellprojekt ist auf eine übersichtliche Anzahl konkreter Schulen (sechs) begrenzt. Eine Übertragung solcher Unterstützungsmaßnahmen (Ausstattung Lernwerkstätten, Schulstationen...?) ist nicht einfach auf die Gesamtheit der Schulen übertragbar und würde ganz sicher die Bezirkshaushalte überfordern, wenn hierzu keine zweckgebundenen Haushaltsmittel eingestellt würden. Wir erwarten konkrete Aussagen über die Vorstellungen des Senats zu notwendigen und hinreichenden sächlichen Voraussetzungen (Ausstattungsmerkmale minimal und optimal) für Inklusion in der Regelschule und deren Finanzierung. Viertens: Zur sogenannten inklusive Entwicklung sie muss politisch gewollt sein und dann auch finanziert werden! Ihre Position Sie schreiben im vorletzten Absatz: Die inklusive Entwicklung wird den sonderpädagogischen Blick auf das Kind verändern. Dann verweisen Sie darauf, dass Weiterbildungen bereits an diversen Universitäten möglich seien und es an der HU ein Seminar zur inklusiven Didaktik gäbe. Welche inklusive Entwicklung ist hier gemeint? Wir erkennen neben einigen richtigen Entwicklungen auch solche, die wir sehr kritisch betrachten. Dazu gehört etwa die Deckelung von Zählen für zur Verfügung zu stellende Fachkräfte, etwa bei Facherzieherinnen für Integration, bei Erzieherinnen insgesamt oder bei Schulhelferinnen. Dazu gehört auch ein restriktiveres Förderstatus- Feststellungsverfahren, das darauf zielt, weniger Schülern als nach bisheriger Praxis einen Förderstatus zuzuerkennen. Es ist also nicht das qualitativ bessere Angebot an der inklusiv arbeitenden Regelschule, sondern die Alternativlosigkeit wegen des Mangels an Platzkapazität und nicht erteiltem Förderstatus, was das Elternwahlrecht steuert. Wir meinen, dass eine inklusive Entwicklung nur stattfinden kann, wenn dafür notwendige förderliche Bedingungen dort geschaffen werden, wo Inklusion tatsächlich praktiziert werden soll. Veränderungen in der Lehramtsund Erzieher/innenausbildung bilden dafür eine Voraussetzung. Wenn aber beabsichtigt ist, inklusive Beschulung in der Fläche in einem absehbaren Zeitraum durchzusetzen, dann wird noch einige Jahre auf das derzeit vorhandene Personal zurück gegriffen werden müssen. Hierfür stellt der Hinweis auf Weiterbildungen an diversen Universitäten und ein an der Humboldt-Universität vorhandenes Seminar zur inklusiven Didaktik keinen Lösungsansatz dar. So gibt es neun sonderpädagogische Fachrichtungen, die den in der jeweiligen Fachrichtung ausgebildeten Lehrern ein Repertoire an Fördermethoden bieten, die 6 VBE aktuell 3/2011

7 Landesvorstand sie wiederum mit der Didaktik ihres Faches verbinden. Wir bezweifeln, dass die Methoden für alle neun sonderpädagogischen Fachrichtungen einschließlich der Diagnostik in nur einem Seminar zur inklusiven Didaktik vermittelt werden können. Hinzu kommt die Tatsache, dass diejenigen Methoden, die für das Kind einer bestimmten Förderrichtung notwendig sind, wiederum für das Kind einer anderen Förderrichtung schädlich sein können. Es bedarf also der Überlegung, wie das vorhandene Personal, an das sich der Anspruch der inklusiven Beschulung richtet, die notwendigen Kenntnisse (zur sonderpädagogisch begründeten Differenzierung, zur Didaktik für die integrierten Förderschwerpunkte, die Diagnostik und ggf. Therapie) erlangen kann. Es bedarf der Fortbildung in der Breite. Wo und zu welchen Zeiten soll diese dringende Fortbildung durchgeführt werden? Hierzu hätten unsere Kolleg/innen gern konkrete Vorstellungen und verlässliche Konzepte. Bitte stellen Sie uns Ihre Überlegungen dazu dar. Wesentlich ist uns der Hinweis auf die Notwendigkeit einer allmählichen, sukzessiven Verbreiterung der Inklusion an Regelschulen, die auf der Grundlage von Freiwilligkeit der Schulen beruht. Diese Freiwilligkeit wird dort erzeugt und gefördert, wo auf der Grundlage einer unverzichtbaren zweckgebundenen Zusatzausstattung reale Möglichkeiten der Umsetzung geschaffen und eine erhöhte Motivation der Pädagogiinnen erzeugt werden. Uns interessiert die Meinung des Senats zum Prinzip der Freiwilligkeit und einer damit verbundenen zweckgebundenen Zusatzausstattung. Der Personalrat möchte Ihre Antworten auf die hier formulierten Fragen zum Gegenstand der nächsten Personalversammlung der Dienstkräfte machen. Daher bitten wir um eine zeitnahe Bearbeitung. Mit freundlichen Grüßen PR-Vorstand Auch eine mögliche Einigung bei Hartz IV macht das Bildungspaket nicht besser, betonte Udo Beckmann anlässlich der Vermittlungsgespräche. Das vollmundige Versprechen des Bundes, auch armen Kindern mehr Bildungsteilhabe zu sichern, ist in Wirklichkeit ein zusätzliches Bonbon für den privaten Nachhilfemarkt, so Beckmann. Der VBE dringt darauf, das Kooperationsverbot von Bund und Ländern im Bildungsbereich zu stoppen. Nur so können die Gelder gebündelt dort investiert werden, wo tatsächlich mehr Bildungsgerechtigkeit erreicht werden kann. Wir brauchen mehr Investitionen Nachrichten Bund Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern stoppen Bildungspaket bereits im Ansatz falsch Die Bologna-Reform hat in der Lehrerausbildung zu einem Chaos pur geführt. Udo Beckmann, VBE- Bundesvorsitzender, und Oliver Arlt, Bundessprecher der Arbeitsgemeinschaft der jungen Lehrerinnen und Lehrer im VBE (AdJ), kritisieren, die Länder hätten sich nach wie vor nicht auf einheitliche Abschlüsse verständigen können. Die KMK hat über Jahre die nötige Harmonisierung vor sich hergeschoben und sich in inhaltliche Standards für die Lehrerausbildung geflüchtet, so Udo Beckmann. Das sei Kleinstaaterei und kein vorzeigbarer Kulturföderalismus. Besonders in Zeiten des Lehrermangels verschärfe sich das Problem. Der VBE erwartet von den Kultusministern dringend die Harmonisierung der Lehrerausbildung, betont Udo Beckmann. Auch für Lehrer muss es endlich vergleichbare Abschlüsse geben. Absolventen von Lehramtsstudiengängen, die im eigenen Bundesland keine Chance in ihrem gewünschten Beruf bekommen, müssen ohne Hürdenlauf ins Nachbarland wechseln können, wenn dort händeringend junge Lehrer gesucht werden. Das Gerede von der besseren in den frühkindlichen Bereich und eine Ganztagsschuloffensive II. Die Schulen müssen so ausgestattet werden, dass jedes Kind individuell gefördert werden kann. Das Bildungspaket bewirkt nach Meinung des VBE eine Stigmatisierung bedürftiger Kinder, denn sie würden frühzeitig den Jobcentern als Kunden zugewiesen. Es ist ein Skandal, dass die Schulen gezwungen werden sollen, für ihre Schüler Förderbedarf festzustellen und die Jobcenter dann private Nachhilfe empfehlen sollen. Gleichzeitig verweigert der Staat den Schulen die nötigen Förderbedingungen. (pd02_11) VBE fordert einheitliche Lehrerausbildung europäischen Vergleichbarkeit der Hochschulabschlüsse klingt in den Ohren von Lehramtsstudierenden wie Hohn, sagt auch Oliver Arlt. Überall wird Mobilität beschworen, aber für Lehrer ist an den jeweiligen Ländergrenzen Schluss, weil es keinerlei einheitliche Regeln für einen Bundeslandwechsel gibt. So behalten Baden-Württemberg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen das Staatsexamen bei. Baden-Württemberg bildet den Lehrernachwuchs für Grund-, Haupt- und Realschulen als einziges Bundesland an Pädagogischen Hochschulen aus. In anderen Bundesländern schließt das Lehramtsstudium nur mit einem Master light ab und die fehlenden 60 Leistungspunkte zum vollen Master sollen im Vorbereitungsdienst erworben werden. Eine positive Ausnahme bildet NRW. Dort haben alle Lehramtsstudiengänge eine gleichlange universitäre Ausbildung und schließen mit einem vollen Master ab. Völlig inakzeptabel ist es, dass nicht in allen Ländern Bachelor-Absolventen ihr Lehramtsstudium mit einem Mas- VBE aktuell 3/2011 7

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