Bilanz von 40 Jahren deutscher Jugendforschung im Kontext zeitgeschichtlichpolitischer

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1 Bilanz von 40 Jahren deutscher Jugendforschung im Kontext zeitgeschichtlichpolitischer Trends Jürgen Zinnecker, Siegen In dem Vortrag wird Jugendforschung als eine Diskursform eigenen Rechts verstanden, die die Geschichte des jugendlichen Moratoriums in der Moderne seit ihren Anfängen begleitet. Experten der jeweiligen Erwachsenengeneration erzeugen nach abgesprochenen Verfahrensregeln strategisch nützliche Wissensbestände über die nachwachsende Generation, die sie anderen Expertengruppen und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Der wissenschaftliche Jugenddiskurs ist nur bedingt als selbstreferentiell, der Eigenlogik seines eigenen Voranschreitens folgend, zu verstehen. Er ist eingebunden in ein komplexes Feld unterschiedlicher, miteinander konkurrierender Jugenddiskurse, die in der Politik, der Pädagogik, den Medien und in anderen Institutionen geführt werden, die als zuständig für die heranwachsende Generation gelten. Vor allem aber unterliegt der wissenschaftliche Jugenddiskurs einem zeitgeschichtlichen Wandel, der maßgeblich an der Abfolge der historischen Generationen von Wissenschaftlern ebenso wie von Jugendlichen ablesbar ist. Die skizzierte konzeptionelle Folie wird in dem Vortrag genutzt, um die jüngere Geschichte der Jugendforschung in Deutschland zu interpretieren. Welche Rolle spielte die Jugendforschung im politischen Diskurs um die deutsche Vergangenheit und die Eingliederung Deutschlands in das westliche Demokratiesystem? Welche Generationenbilder generierte die deutsche Jugendforschung wobei zu fragen ist, welche historischen Generationen die jeweiligen Jugendforscher und -forscherinnen selbst repräsentierten. Welche Problemdefinitionen des Jungseins und welche jugendlichen Problemgruppen wurden unter Mitwirkung von Jugendforschung gesellschaftlich legitimiert und institutionell etabliert? Wie reagierte die Jugendforschung auf die apokalyptischen Vorhaltungen vom historischen Ende des jugendlichen Moratoriums in der Moderne? Und nicht zuletzt gilt es zu fragen, ob und wie Jugendgenerationen selbst als Akteure von Zeitgeschichte in den letzten 50 Jahren in Erscheinung traten.

2 Perspektiven der Jugendforschung im neuen Europa Claire Wallace, Wien (Österreich) Aufgrund der Entwicklung von EU-Richtlinien zur europäischen Jugendpolitik sowie des Erfolgs von europäischen JugendforscherInnen in einschlägigen EU- Forschungsprogrammen (wie z.b. dem Fünften Rahmenprogramm) verfügen wir mittlerweile über ein gemeinsames europäisches Forschungsfeld im Bereich der Jugendforschung. Dennoch gibt es immer noch erhebliche Unterschiede in der Begriffsbestimmung von Jugend sowie in den Programmen, die sich auf diese Population richten, und in der Definition dessen, was als Jugendproblem zählt sei es unter politischen oder theoretischen Gesichtspunkten. Die anvisierte Erweiterung Europas hat überdies eine Fülle von neuen Problemen, Theorien und Definitionen von Jugend mit sich gebracht, vor allem solchen, die nach dem Zusammenbruch des Kommunismus entstanden sind. Trotz dieser Heterogenität der Jugendforschung verfügen die JugendforscherInnen in Europa über gute und funktionsfähige Netzwerke: etwa durch die European Sociological Association, die International Sociological Association (ISA) mit ihrem Research-Committee 34 Sociology of Youth oder Initiativen wie die des International Council for National Youth Policy (ICNYP) und vielfältige Seminare und Netzwerke, z.b. COST (European Cooperation in the Field of Scientific and Technical Research), die von der European Science Foundation unterstützt werden, sowie im Rahmen internationaler Organisationen, wie etwa des Europarats oder der EU-Kommission selbst. Durch diese dichten Kommunikationsformen werden sich vermutlich gemeinsame Konzepte und Strategien der europäischen Jugendforschung weiterentwickeln. In internationalen Projekten sind JugendforscherInnen durchaus gut vertreten. Andererseits ist zu befürchten, dass die demographische Schrumpfung der Jugendpopulation in Europa zusammen mit der veränderten Handhabung der Forschungsförderung zu einer wachsenden Marginalisierung der Jugendforschung führen könnte. Die disziplinäre Heterogenität der Jugendforschung im Blick auf Fachrichtungen, Probleme und Forschungsfelder, jeweils bezogen auf die Nähe zur Politik, die sie in der Vergangenheit in die Lage versetzt hat, sich als eigenständiges Forschungsfeld zu etablieren, wird tendenziell zu einer Schwäche in Zeiten, in denen die Grenzen von Jugend selbst sich aufzulösen beginnen.

3 Workshop 1 Migration und ethnisch-kulturelle Vielfalt Einführung René Bendit, München Den Hintergrund für die heutigen Prozesse der Migration in die Länder EU-Europas bilden (a) ökonomische und soziale Disparitäten zwischen den reichen Industrienationen und den weniger entwickelten Weltregionen sowie (b) Modernisierungs- und Transformationsprozesse der Arbeitswelt im Rahmen der dominanten Globalisierung und Europäisierung. Unabhängig von der Art und Weise, wie die EU-Mitgliedsstaaten mit diesem Phänomen politisch umgehen, bleibt festzuhalten, dass sich die meisten westeuropäischen Gesellschaften zu multikulturell und multi-ethnisch geprägten, teilweise auch segmentierten Gesellschaften gewandelt haben. In Deutschland kann die Lebenslage der MigrantInnen als ein labiler Spannungszustand von partieller Eingliederung bei gleichzeitiger Ausgrenzung gekennzeichnet werden. Diese widersprüchliche Situation sowie das Verhältnis zwischen Mehrheits- und Minderheitenangehörigen zwischen Immer Dagewesenen und Zugereisten, zwischen Einheimischen und Fremden wird nicht zuletzt auch von den ökonomischen, sozialen und politischen Veränderungen bestimmt, die sich seit der deutschen Vereinigung (1990) ergeben haben. Die Konsequenzen dieser Lage für die Konstruktion und De-Konstruktion von Jugend, Geschlecht, Differenz, Ethnizität und Fremdheit bilden den thematischen Gegenstand des Workshops. Anhand theoretischer und empirischer Befunde aus der europäischen Migrations- und Jugendforschung sollen insbesondere zwei wichtige Dimensionen diskutiert werden: Im ersten Teil des Workshops geht es um die theoretische Konstruktion von Geschlecht im Kontext der ethnisch-kulturellen Vielfalt. Sodann wird ein spezifisch jugendsoziologischer Blick eingenommen: Es geht um die Frage, inwieweit Forschungsarbeiten zu jungen Migrantinnen und Ergebnisse der heutigen Jugend- und Mädchenforschung sich gegenseitig zur Kenntnis nehmen und ggf. miteinander verbunden werden können. Im zweiten Teil werden Fragen zur Konstruktion von Differenz, Ethnizität und Fremdheit im Alltag von Jugendlichen erörtert. Anschließend werden diese Fragen vor dem Hintergrund des Vergleichs der Immigrationspolitiken Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens sowie der Ergebnisse zweier empirischer Untersuchungen zu Migrantenjugendlichen in Deutschland und Frankreich diskutiert. Teil 1: Zur Konstruktion von Geschlecht Zum Sozialkonstruktions-Ansatz von Geschlecht und Ethnie (nach Evelyn Nakano Glenn) Iris Bednarz-Braun, München Die US-Amerikanerin Evelyn Nakano Glenn hat Ende der 90er Jahre ein theoretisches Konzept entwickelt, das das Ziel verfolgt, den Sozialkonstruktions-Ansatz von Geschlecht mit demjenigen von Ethnie zu verbinden, um zu einem integrierten Theorierahmen zu gelangen. In dem Vortrag wird das Konzept von E. N. Glenn dargestellt, um auf dieser Grundlage eine Diskussion über seine Übertragbarkeit auf und Fruchtbarkeit für die sozialwissenschaftliche (Jugend-)Forschung in Deutschland anzuregen. Geschlecht und Ethnizität als analytische Kategorien in der Jugendforschung? Lebensbedingungen junger Migrantinnen und allgemeine jugendspezifische Entwicklungen Mona Granato, Bonn, und Karin Schittenhelm, Siegen

4 Geschlecht und Ethnizität sind kategoriale Zuschreibungen, die je nach Umfeld und Kontext unterschiedlich gehandhabt werden. Für die sozialwissenschaftliche Forschung stellt sich die Frage: Wie kann die soziale Konstruiertheit geschlechtlicher und interethnischer Unterscheidungen analysiert werden, ohne diese zu übernehmen und von neuem fortzuschreiben? Um das viel diskutierte Problem einer Reifikation zu vermeiden, schlägt der Beitrag vor, Forschungsperspektiven zu Lebensbedingungen junger Migrantinnen nicht allein auf geschlechter- oder migrationsbezogene Gesichtspunkte zu verengen, sondern diese ebenso mit Blick auf allgemeine jugendspezifische Entwicklungen im Zuwanderungsland zu untersuchen. Der Beitrag stellt zunächst die Frage, inwieweit Forschungsarbeiten zu jungen Migrantinnen und Ergebnisse der heutigen Jugend- und Mädchenforschung sich gegenseitig zur Kenntnis nehmen. Als eine Möglichkeit, jugend-, geschlechts- und migrationsbezogene Perspektiven zu integrieren, diskutiert er vergleichende Forschungsansätze, die junge Migrantinnen mit Bezug auf einheimische Vergleichsgruppen junger Frauen untersuchen. Der Blick richtet sich dabei auf die Wandlungsprozesse europäischer Gesellschaften und deren Folgen für eingewanderte und einheimische junge Frauen. Differenzzuschreibungen als vorherrschende Praxis und die eigene soziale Selbstverortung junger Migrantinnen können so in Verbindung mit einer differenzierten Kenntnisnahme ihrer sozialen Lagen analysiert werden.

5 Teil 2: Differenz, Ethnizität und Fremdheit Herkunft zählt unterschiedlich verschieden: Befunde über den Umgang Jugendlicher mit ethnischer Differenz Hans Lösch, München Vor dem Hintergrund eines empirischen Forschungsprojekts werden Fragen der Differenz und Differenzsetzungen im Alltag von Jugendlichen thematisiert. Im Zentrum der Erörterung steht ethnische Differenz, die im Kontext anderer (gleichzeitiger) Zugehörigkeiten diskutiert wird. Ethnizität steht dabei nicht für ein markantes Spektrum von Eigenschaften, das jemand besitzt oder nicht besitzt. Sie verweist auch auf kein bestimmtes Verhältnis zwischen Personen, das vorab Aussagen über Nähe oder Distanz, Über- oder Unterordnung sowie Freund- oder Feindschaft erlaubte. Ethnische Differenz also die krude Tatsache, dass Menschen eine Herkunft und Abstammung haben kann daher auch nicht ohne weiteres schon mit Fremdheit in Verbindung gebracht werden. Sie erfüllt sich überhaupt erst mit Leben, Affekten und Inhalten, wenn jemand mit dieser Zugehörigkeit ein emphatisch-exklusives Verhältnis gegenüber anderen aufmacht und/oder aufgemacht bekommt. Anhand ausgewählter empirischer Befunde wird argumentiert, dass Doing Ethnicity nicht nur als Identitätsangebot firmiert, sondern als Ergebnis sozialer Konstruktionen von einzelnen und Gruppen entlarvt werden kann. Als politischpraktisch durchgesetzter Blick auf die anderen steht Ethnizität immer auch für real existierende gesellschaftliche Verhältnisse, in denen Menschen auf kollektive Zugehörigkeiten verpflichtet werden. Theoretische Annahmen darüber, warum ethnisch-kulturelle Unterschiede einmal hochgehalten, das andere Mal verteufelt oder zuweilen auch schlicht für gleichgültig befunden werden, beschließen den Vortrag. Vom Umgang mit der Vielfalt: Der französische Weg Reflexionen über die Anpassungsstrategien von Jugendlichen aus der Türkei Verda Irtis-Dabbagh, Paris (Frankreich) Die Beziehung zum Anderen ist, wie wir wissen, sozial konstruiert ; dies gilt auch für die Immigrationspolitiken. Die Art und Weise, in der jedes Land die ImmigrantInnen betreffenden Fragen und Probleme behandelt, lässt sich nicht ohne Bezug auf die Geschichte verstehen, d.h. nicht ohne Bezug auf die Erfindung der Nation und deren Folgen für die Bestimmung der Staatsbürgerschaft bzw. deren Ablehnung. Wir beziehen uns auf diese Erkenntnis als Ausgangspunkt, bevor wir die wesentlichen Merkmale der französischen Immigrationspolitiken darstellen werden. Mit anderen Worten: Wir werden fragen, wie Frankreich seine ethnische Vielfalt managed. Im ersten Teil unseres Beitrags werden auch einige Vergleichsbetrachtungen bezüglich der Immigrationspolitiken Deutschlands und Großbritanniens angestellt. Im zweiten Teil des Vortrags sollen insbesondere die Jugendlichen mit ausländischen Herkunftsfamilien hinsichtlich folgender Aspekte betrachtet werden: Wie definieren diese Jugendlichen sich selbst, die persönlich die Immigration kaum erfahren haben, da sie ja meist sehr jung ins Einwanderungsland ihrer Eltern kamen oder sogar erst dort geboren wurden? Welche Anpassungsstrategien benutzen sie in verschiedenen Sphären ihres täglichen Lebens? Die Antworten sind aus einer Untersuchung über junge TürkInnen in Frankreich gewonnen.

6 Workshop 2 Verändertes Lernen in der Informationsgesellschaft Einführung Claus J. Tully, München In modernen Gesellschaften verändern sich die Anforderungen an das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. Aktuell zeichnet sich folgender Trend ab: Formale, d.h. organisierte und didaktisierte Bildung büßt gegenüber der non-formalen, d.h. der außerschulischen, an Bedeutung ein. Die digitalen Helfer (Handy, Computer, Internet) ermöglichen zudem situationsorientierte informelle Lernprozesse. Wie verknüpfen Jugendliche diese quasi dreigeteilten Lernwelten miteinander? Welche Rolle spielen sie in ihrem Lebensalltag? Und: Sind die Schulen in der Lage, sich auf diese modernen Lernumgebungen ihrer SchülerInnen einzulassen und sie angemessen in ein Konzept des lebenslangen Lernens zu integrieren? Theoretische Grundannahmen des neuen Lernens werden im ersten Teil des Workshops vorgestellt. Insbesondere geht es darum, (a) die Potenzen des globalen digitalen Netzes aus europäischer Perspektive für die Bildungsprozesse von Jugendlichen und (b) vor dem Hintergrund materieller Voraussetzungen und kultureller Schranken die Nutzung durch verschiedene Gruppen von Jugendlichen zu analysieren. Überlegungen zu den gesellschaftlichen Folgen, der Entstehung neuer Eliten ( knowledge gap ) oder Klassen ( digital divide ) schließen sich an. Jugendliche beleben die von ihnen vorgefundenen Infrastrukturen digitaler Technik, sie experimentieren mit eigenwilligen Nutzungsformen und bauen neue Informations- und Kommunikationsmuster ganz selbstverständlich in ihren Alltag ein. Im zweiten Teil des Workshops werden an zwei Beispielen E-Learning und LAN-Parties die Besonderheiten und Tragfähigkeiten individualisierter, informeller Lernprozesse skizziert. Teil 1: Perspektiven des Lernens in Europa Neue Lernkonzepte alte Schule: eine europäische Perspektive Manuela du Bois-Reymond, Leiden (Niederlande) JugendforscherInnen haben in den letzten 20 Jahren aufgezeigt, wie gesellschaftliche Modernisierungen den jugendlichen Lebenslauf beeinflussen und zu neuen Chancen und Risiken führen. Lernen spielt dabei eine Schlüsselrolle. Das hat Konsequenzen für die Hauptinstitutionen, in denen Jugend lernt und auf den Arbeitsmarkt vorbereitet wird: Schule und Berufsausbildungsstätten (incl. Berufseingliederungsmaβnahmen). Diese Institutionen können europäischen Jugendlichen nicht mehr in ausreichendem Maβe das nötige Rüst- zeug für ein Leben in Wissensgesellschaften vermitteln. Außerschulisches und informelles Lernen erhält demgegenüber mehr und neue Bedeutung. Diese These soll anhand eines europäischen Forschungsprojekts erhärtet werden, in dem exemplarisch bei zwei verschiedenen Gruppen Jugendlicher in zehn europäischen Ländern/ Regionen (Dänemark, Deutschland Ost und West, Italien, Spanien, die Niederlande, Portugal, Rumänien, Groβbritanien und Irland) die Prozesse des Übergangs auf den Arbeitsmarkt untersucht werden: einerseits Jugendliche, die mit zu wenig schulischem und Ausbildungskapital auf den Arbeitsmarkt wollen und dabei oft Schiffbruch erleiden; andererseits Jugendliche, die sich ihr eigenes jugendkulturelles Lernkapital schaffen und damit wuchern, d.h. mit Mischungen aus verschiedenen Lernund Arbeitsformen experimentieren. Für eine euro- päische Jugend- und Bildungspolitik bedeutsam ist das Ergebnis, dass die Lernmotivation in beiden Gruppen und in allen Untersuchungsländern im Kern von ähnlichen Voraussetzungen abzuhängen scheint: der Beeinflussbarkeit des Lernkontextes und der Relevanzerfahrung von Lernen und Arbeiten für das eigene Leben.

7 Entwicklung einer neuen Lernkultur durch den Einsatz von Laptops Heike Schaumburg und Ludwig Issing, Berlin Die Forderung nach einem Laptop in jedem Schulranzen fällt zusammen mit einer internationalen Diskussion über die Innovation des schulischen Unterrichts. Im Zentrum steht dabei die Förderung von Medien- und Methodenkompetenzen, von Teamfähigkeit und von sinnhaftem Lernen in komplexen und authentischen Zusammenhängen. Mobilen Computern wird das Potenzial zugeschrieben, eine Innovation des schulischen Lehrens und Lernens anzustoßen. Aber können sie diese Hoffnung erfüllen? Von Februar 1999 bis Juni 2002 wurde am Evangelisch Stiftischen Gymnasium in Gütersloh (in Kooperation mit der Bertelsmann-Stiftung) ein Laptop-Projekt durchgeführt und evaluiert: An diesem Modellversuch nahmen mehr als 300 Schülerinnen und Schüler der Klassen 7-10 teil, die mit tragbaren Computern ausgestattet wurden, um in der Schule und zu Hause multimedial zu lernen. Die Grundlage der Untersuchung bilden Daten, die über einen Zeitraum von drei Jahren im Rahmen dieses Modellversuchs gesammelt wurden. Die Analyse von Unterrichtsveränderungen basiert auf einem multimethodischen Vorgehen, das qualitative und quantitative Vorgehensweisen in drei Teilstudien (Schüler- und Lehrerbefragung per Fragebogen, Interviewstudie mit Lehrern und Schülern, Unterrichtsbeobachtung) kombiniert hat. Die Ergebnisse lassen sich dahingehend zusammenfassen, dass die Einführung von Laptops besonders auf der Ebene der Handlungsmuster und mit Einschränkungen auch bei den Sozialformen und dem Rollenverständnis der Lehrer zur Hinwendung zu einer konstruktivistischen Unterrichtspraxis geführt hat. Im Rahmen der Analyse von Lehrerinterviews wurden fünf Lehrertypen bestimmt, die sich in der Art, wie sie den Laptop in den Unterricht integrierten, unterschieden. Es wird gezeigt, dass die Integration von Laptops nur bei den Lehrern, die eine Neigung zu konstruktivistischen Unterrichtsmethoden haben, zu einer tief greifenden Veränderung der methodischen Praxis auf allen Unterrichtsebenen geführt hat. Teil 2: Neue Bildung durch E-Learning und LAN-Parties E-Learning : Zur Übertragbarkeit universitärer Erfahrungen in die Jugend-(Bildungs-)Arbeit Rudolf Tippelt und Bernhard Schmidt, München An der Universität sind netzbasierte Lernarrangements heute fester Bestandteil des Lehrangebots und ermöglichen vernetzte Kurse, die parallel an verschiedenen Universitäten angeboten werden. Die Erfahrungen mit E-Learning-Szenarien an Hochschulen haben gezeigt, dass insbesondere Lernformen mit einem Fokus auf netzbasierter Kommunikation und Kooperation eine hohe Akzeptanz bei den Studierenden finden. Gerade die Möglichkeit, unabhängig von Ort und Zeit und in problemorientierter Kooperation sich neues Wissen zu erarbeiten, kann auch in der außerschulischen Jugendbildung Chancen eröffnen. Die Generierung neuen Wissens im Austausch mit anderen Jugendlichen innerhalb und auch außerhalb des deutschsprachigen Raumes, verknüpft mit authentischen Problemszenarien, bietet Jugendlichen nicht nur neue Lernerfahrungen, sondern fördert deren interkulturelle und kommunikative Kompetenzen. Die Möglichkeiten des Internets im Rahmen informellen Lernens werden von den Jugendlichen sowohl konsumtiv als auch innovativ genutzt. Entscheidend ist die Frage, unter welchen Kontextbedingungen und mit welchen Unterstützungssystemen E-Learning zur Jugendbildung beiträgt. E- Learning kann Kern der heute wichtiger werdenden informellen und non-formellen Bildung sein; den/die persönliche/n AnsprechpartnerIn ersetzt es aber nicht, der/die junge Menschen individuell berät und Lernprozesse initiiert, begleitet und strukturiert.

8 LAN-Parties : Zwischen jugendkultureller Selbstbestimmung und informellem Lernen Waldemar Vogelgesang, Trier Die Ursprünge des LAN-Booms, wie er sich heute als fester Bestandteil der Jugendkulturen zeigt, liegen fraglos im privaten Bereich. Es waren jugendliche Computer- und Spielefreaks, die ganz entgegen dem immer wieder popularisierten Stereotyp vom computersüchtigen Einzelgänger zu Hause oder bei Freunden Versuche starteten, Computer miteinander zu verbinden, um im Multi-Player-Modus verfügbare Spiele auf diese Weise ins Laufen zu bringen. Während viele sich vorher um die damit verbundenen technischen Fragen nicht sonderlich gekümmert haben, sind sie nun gezwungen, sich auch damit intensiv auseinander zu setzen. Learning by doing heißt die Devise in der ersten Lernstufe, wobei an die Stelle des Versuch-Irrtum-Lernens ein größeres Wissen über die unterschiedlichen Vernetzungsformen, aber auch über andere Neuerungen im Hard- und Softwarebereich tritt. Ihre Gruppe wird für die Jugendlichen zu einer Art Wissensdrehscheibe und Sozialisationsagentur in Computer- und Netzfragen, wobei Strategien des Selbermachens und der ständigen Marktbeobachtung eine wichtige Rolle spielen. Hinzu kommt, dass gerade die größeren LAN-Partys und LAN-Events regelrecht zu Showbühnen der Spezialisierungs- und Kompetenzinszenierung werden. Ob es sich dabei um die vielfach aus Jugendlichen bestehenden Organisationsteams (Orgas) handelt oder um die als Gruppen oder Clans auftretenden Spieler: Was sie auszeichnet und verbindet, ist eine auf Kreativität, Können und Unverwechselbarkeit ausgerichtete Selbstdarstellung. Sichtbar wird dies zum einen durch die technische Aufrüstung des Computers (Overclocking) und zum anderen durch seine ästhetische Umgestaltung (Case-Modelling). Besonders findige und handwerklich begabte Spieler gehen dabei sogar so weit, dass sie die Systemkomponenten in leere Bierkisten, Koffer oder Vitrinen einbauen und den Computer auf diese Weise zum absoluten Unikat und individuell gestalteten Gesamtkunstwerk stilisieren.

9 Workshop 3 Jugendliche Körper: Identitäten und Kulturen Einführung Sibylle Hübner-Funk, München Der mehrjährige Übergang (zwischen 12 und 18 Jahren) von der Kindheit über die Pubertät zur Adoleszenz ist durch eine Vielfalt von dramatischen, hormonbedingten Veränderungen des jugendlichen Körpers gekennzeichnet. Aufgrund dieser unterschiedlich raschen und von der sozialen Umwelt je nach Geschlecht und Alter verschieden bewerteten Reifungs- prozesse sind die Heranwachsenden erheblichem psycho-sozialem Gestaltungs- und Anpassungsdruck ausgesetzt. Im Kontext ihrer Herkunftskultur und Lebenswelt stehen den Mädchen und Jungen jeweils ganz verschiedene Chancen- und Risikostrukturen zur Verfügung, um diesen Übergang zu bewältigen, d.h. ihren neuen Körper bewohnen zu lernen. Eine Fülle von ästhetischen und ethischen, ideologischen und praktischen Orientierungs- und Beratungsmustern konkurriert darum, diese besonders vulnerable Gruppe junger Menschen ins Erwachsenenleben zu begleiten. Anhand empirischer Studien aus der Entwicklungspsychologie soll in unserem Workshop zunächst gezeigt werden, in welcher Weise die gleichaltrigen oder älteren Peers je nach Art des individuellen Entwicklungsverlaufs und sozialen Kontextes wegweisende Funktionen für den Ausgang dieser sensiblen Selbstfindungsphase besitzen. Im zweiten Teil wird anhand soziologischer Kategorien der Versuch unternommen, einige statistisch messbare (gesundheitliche) und kulturell verstehbare (theatralische) Ergebnisse des kollektiven Körpermanagements der adoleszenten Jugendlichen zu umschreiben. Teil 1: Geschlechtsspezifische Adoleszenzentwicklung Wie lassen sich die Beziehungen zwischen der frühen Pubertätsentwicklung bei Mädchen und deren Tendenz zu anti-sozialem Verhalten erklären? Hakan Stattin und Margaret Kerr, Örebro (Schweden) Viele Studien haben gezeigt, dass Mädchen, die früher als ihre Gleichaltrigen die Pubertätsphase durchleben, zu mehr Delinquenz neigen als andere Mädchen desselben Alters; doch hat noch niemand hierfür eine angemessene Erklärung gefunden. In unserem Beitrag schlagen wir ein Erklärungsmuster vor, das auf die Art und Dichte der Peerbeziehungen mit älteren Jungen Bezug nimmt sowie auf Merkmale der unmittelbaren Umwelt und des makrosozialen Kontexts, die solche Beziehungen ermöglichen. Wir verwenden dazu empirische Daten aus drei Stichproben (1) einer in den frühen 1970er Jahren begonnenen Längsschnittstudie Kindheit bis Lebensmitte, (2) einer kurzfristigen Längsschnittstudie aus den Jahren 1998 bis 2000 und (3) einer transnational vergleichenden Studie von schwedischen und slowakischen Mädchen, die 1996 durchgeführt wurde. Mittels dieser Daten werden wir darlegen, dass immer dann die frühe Pubertätsreifung am stärksten mit delinquentem Verhalten verbunden ist, wenn die unmittelbaren oder die makrosozialen Umweltfaktoren es den Mädchen erlauben, sich mit älteren Peers (vor allem älteren Jungen) einzulassen. Somit scheint die Beziehung zwischen der relativen Pubertätsentwicklung bei Mädchen und deren Tendenz zu antisozialem Verhalten aus dem Zusammentreffen von dichten Peerbeziehungen einerseits und der Art der Umwelt, in denen diese Peerbeziehungen stattfinden, erklärbar zu sein.

10 Schwangerschaft bei weiblichen Jugendlichen in Mexico: Unterschiedliche Ansichten verschiedene Bedeutungen Noemi Ehrenfeld-Lenkiewicz, Iztapalapa (Mexico) Mein Beitrag befasst sich mit der De-Konstruktion von Schwangerschaft bei weiblichen Jugendlichen im Sinne entweder eines Public-Health-Problems oder eines individuellen Dramas. Er konzentriert sich auf das Verständnis der Probleme, die mit einer Teenage- Schwangerschaft verbunden sind, und auf die möglichen Verhaltensalternativen, die sich marginalisierten weiblichen Adoleszenten in städtischen Umwelten bieten. Es wird ein analytischer Versuch unternommen, um die sozialen und kulturellen Bedeutungen von Teenage-Schwangerschaften im Kontext der Gegenwartsgesellschaft Mexicos zu klären und diese mit relevanten Aspekten der soziologischen Theorie zu verbinden. Schwangerschaft und Mutterschaft sind soziale Kategorien, die ganz unterschiedliche soziale und kulturelle Faktoren in ihre Konstruktion mit einbeziehen. Während sexuelle Reife und Mutterschaft in der mexikanischen Gesellschaft überbewertet sind, stellt die Schwangerschaft von weiblichen Teenagern ein abweichendes Verhalten von sexuell aktiven Mädchen dar, das gegen soziale Normen des weiblichen Status verstößt. Andererseits verändert die Schwangerschaft den niedrigen Status der weiblichen Adoleszenten in einen höheren Status, da sie ja zu anerkannten Müttern werden. Unzureichende Bildung spielt in diesem Prozess der Marginalisierung eine bedeutsame Rolle; schwanger zu werden scheint daher für weibliche Jugendliche (und junge Frauen), die Außenseiterinnen sowohl des Bildungssystems wie des regulären Arbeitsmarktes sind, eine geeignete Alternative zu sein, um einen besseren Geschlechtsrollen-Status zu erreichen. Vom Jungen zum Mann eine bio-psycho-soziale Perspektive Bärbel Kracke, Jena In der psychologischen Jugendforschung wurde die Tatsache, dass eine wesentliche Grundlage für die psychosoziale Entwicklung im Jugendalter die körperlichen Veränderungen sind, lange Zeit wenig beachtet. Vor etwa 20 Jahren begannen Forscherinnen und Forscher aus unterschiedlichen Ländern, die Bedeutung der pubertären Veränderungen wieder in die Betrachtung mit einzubeziehen. Dabei stellte sich heraus, dass weniger die Tatsache der Reifung an sich als vielmehr die Frage, in welchem Tempo sich die Veränderungen im Vergleich zu den Gleichaltrigen vollziehen, eine Rolle dafür spielt, wie männliche Jugendliche ihre Adoleszenz erleben und wie sie sich in dieser Zeit verhalten. Gerade für männliche Jugendliche scheint es schwierig zu sein, wenn die körperlichen Veränderungen wie Längenwachstumsschub und Muskelwachstum später als bei anderen Gleichaltrigen einsetzen. Bei ihnen ist ein passagerer Anstieg von externalisierenden Problemverhaltensweisen zu verzeichnen. Mein Beitrag wird nach einem kurzen Überblick über die wesentlichen somatischen Veränderungen Ergebnisse verschiedenster Studien zum Zusammenhang zwischen körperlicher Entwicklung und unterschiedlichen Aspekten der psychosozialen Entwicklung wie Selbstkonzept, Beziehungen zu Gleichaltrigen und Eltern sowie jugendtypischen Konsummustern von Alkohol und Zigaretten zusammentragen. Dabei soll verdeutlicht werden, dass ein vollständiges Verständnis für Entwicklungsprozesse im Jugendalter nur erreicht werden kann, wenn konsequent sowohl körperliche als auch psychosoziale Prozesse in ihrer wechselseitigen Bedingtheit berücksichtigt werden.

11 Teil 2: Lifestyles und somatische Kulturen Lifestyles und gesundheitliche Risiken Horst Hackauf, München Jugendliche Lebensstile haben sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland (und global) stark gewandelt. Jugendliche gehören nicht mehr nur einer einzigen Jugendkultur an, sondern halten sich im Laufe ihrer Adoleszenzphase in unterschiedlichen (auch virtuellen) Szenen auf. Jugendsurveys reduzieren jene Jugendkulturen i.d.r. auf empirisch konstruierte Lebensstiltypen wie z. B. Fan-Kulturen und Minderheitenstile. Diese Lebensstiltypen hängen mit gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen zusammen. Einschlägige Gesundheitsstudien liefern z.b. Daten über das vorverlagerte Einstiegsalter und den vermehrten Anstieg von Tabak-, Alkohol- und Drogenkonsum sowie die Ausbreitung von besonderen (durch Mischkonsum gekennzeichneten) Risikogruppen. Meist berücksichtigen diese Studien aber die jugendlichen Lebenswelten und die sozialen Settings des Alltags zu wenig. Die lebensstilbezogene Jugendforschung müsste daher dringend mit neueren Ansätzen der Public Health-Forschung zusammengeführt werden, um bessere Präventions- und Interventionsmöglichkeiten für Jugendgruppen mit selbstschädigenden Lebensstilen zu schaffen. Die Theatralität der Jugend Gabriele Klein, Hamburg Ob Rock n Roll, Punk, Techno oder HipHop Jugendkulturen waren immer theatrale Kulturen. Körper- und Selbstinszenierungen auf den szenespezifischen Bühnen spielen gerade in diesen Kulturen eine besondere Rolle: dies vor allem, weil an Pop angelehnte Jugendkulturen sich im Spannungsfeld von Globalisierung und Lokalisierung bewegen und einen intensiven Umgang mit Medien pflegen. Der theatralen Darbietung des Eigenen, Authentischen in Life-Performances und medialisierten Performances kommt demnach eine besondere Bedeutung zu. Das Konzept der Theatralität hat im Zuge eines cultural turn der Sozialwissenschaften Aufmerksamkeit gewonnen. Es liefert den Rahmen für die Beschreibung von Inszenierungsformen und wirft damit eine bestimmte Perspektive auf die soziale Praxis von Jugendkulturen. Der Vortrag will ein Konzept von Theatralität skizzieren und auf dieser Folie die spezifischen Inszenierungspraktiken von Jugendlichen in aktuellen Jugendkulturen kulturtheoretisch deuten.

12 Workshop 4 Übergänge zwischen Schule und Arbeitswelt Einführung Frank Braun, München Der einfache, gradlinige Übergang von der Schule über eine Berufsausbildung in die Arbeitswelt hat seit Mitte der 1970-er Jahre für Jugendliche in Deutschland keinen Bestand mehr. An seine Stelle ist eine Vielfalt von eher unregelmäßigen Übergängen zwischen Lernen und Arbeiten bzw. Lernen und Arbeitslosigkeit getreten. In diesen Veränderungen der Übergänge zwischen Lernen und Arbeiten sind z.t. nationale, z.t. aber auch globale Trends erkennbar. Auch in der internationalen Übergangsforschung spricht man zunehmend nicht mehr vom Übergang Schule Arbeitswelt, sondern von wiederholten Übergängen und Überschneidungen zwischen Lernen und Arbeiten. Von daher gewinnen international vergleichende Forschungen zur Strukturiertheit dieser Übergänge zusehends an Bedeutung. Unser Workshop soll versuchen, relevante Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen drei Ländern EU-Europas vor dem Hintergrund der Frage zu erörtern, welche Chancen und Risiken sich für die Jugendlichen aus den Umstrukturierungen ergeben und welche Rollen die Jugendlichen als Objekte und Akteure im Übergangssystem einnehmen. Teil 1: Internationale Forschungsstrategien Zwischen Schule Ausbildung Arbeit: Jugendliche im Übergang. Forschungsansätze in den USA, Kanada, Australien, und Deutschland Tilly Lex, München Das im internationalen Vergleich der PISA-Studie relativ schlechte Abschneiden von 15- jährigen Schülerinnen und Schülern in Deutschland hat den Blick der Bildungspolitik auf andere Länder und ihre Bildungssysteme gelenkt, die hierbei deutlich bessere Resultate erzielen konnten. Was durch Untersuchungen wie z.b. TIMSS insbesondere TIMSS III oder PISA für die schulische Bildung angestoßen wurde, kann für den Bereich der beruflichen Bildung impulsgebend sein, sich auch hier stärker mit den Erfahrungen anderer Länder auseinander zu setzen. Die Übergänge Jugendlicher von der Schule in die Arbeitswelt vollziehen sich unter gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die in den westlichen Ländern unter ähnlichen Vorzeichen ablaufen: verstärkter Wettbewerb infolge von Globalisierung und Internationalisierung der Wirtschaft sowie ein technologischer Strukturwandel, der mit tief greifenden Veränderungen in der Arbeitswelt einhergeht. Für die nachwachsende Generation ergeben sich daraus erweiterte Handlungsmöglichkeiten, gleichzeitig steigen aber auch die Risiken des Scheiterns. Der Vortrag will einen Überblick über zentrale Forschungsstrategien, wie sie in den Ländern der USA, Kanada und Australien verfolgt werden, geben und diese zur deutschen Übergangsforschung in Bezug setzen. Dabei wird auch die Frage nach einer international vergleichenden Längsschnittuntersuchung (PISA-L) aufgeworfen, durch die die Übergangsforschung an Profil gewinnen könnte.

13 Zur Rekonzeptualisierung der Übergänge von Jugendlichen: Übergangsforschungen im Vereinigten Königreich Andy Furlong, Glasgow (Großbritannien) Mein Beitrag wird einen Überblick über die ausgedehnten Übergänge Jugendlicher im UK geben und dabei sowohl die erfolgreichen Prozesse der sozialen Inklusion wie auch die Muster der Vulnerabilität skizzieren. Die Darstellung stützt sich weitgehend auf eine Längsschnittstudie über britische Jugendliche (im Alter zwischen 15 und 28 Jahren); sie liefert zugleich eine Einschätzung des Ausmaßes, in dem verschiedene Gruppen von jungen Menschen aktiv ihre nachschulischen Erfahrungen gestalten und zugleich der Faktoren, die ihre Auswahl begrenzen und beschneiden. Die Beziehung zwischen persönlichen Merkmalen und Arbeitsmarkterfahrungen werden geprüft, und es werden sodann die unterschiedlichen Wege geschildert, mittels derer die Jugendlichen sich an die Unsicherheiten des modernen Arbeitsmarktes anpassen. Schließlich wird ein neues Modell von Übergängen eingeführt, um ein besseres Verständnis der verschiedenen Inklusionsprozesse zu erzielen. Dieser Ansatz berücksichtigt sowohl subjektive wie objektive Dimensionen der Vulnerabilität und die Art und Weise, wie junge Menschen sich auf verschiedene Aspekte ihrer grundlegenden Ressourcen beziehen, um bestimmte Ergebnisse zu erzielen. Teil 2: Jugendliche als Objekte oder Akteure? Strategien des Arbeitsübergangs: Einige Anmerkungen aus Spanien zu den Übergängen Jugendlicher von der Schule in die Arbeitswelt Marta Ibanez-Pascual, Oviedo (Spanien) Mit der Verwendung der Bezeichnung Strategien des Arbeitsübergangs beziehe ich mich auf Fragen der jugendlichen Beschäftigung aus einem ganz spezifischen Blickwinkel: Die Handelnden, die ihre Umwelt kennen, treffen eine rationale Auswahl, um ihre Anstrengungen zu optimieren und eine möglichst günstige Stellung auf dem Arbeitsmarkt zu erzielen. Wenn man diese Sichtweise mit einigen Nuancen akzeptiert, so lassen sich die Strategien des Arbeitsübergangs in Spanien aus zwei Perspektiven analysieren: die erste ist auf relevante Strukturen und die zweite auf Handlungsmuster fokussiert. Aus der strukturellen Perspektive lässt sich die Entwicklung des Arbeitsmarktes für Jugendliche und junge Erwachsene mit Hilfe des Arbeitskräfte-Surveys darstellen. Dabei kristallisieren sich zwei wesentliche Merkmale heraus: (1) eine größere Abhängigkeit der jungen Menschen von den ökonomischen Zyklen, d.h. eine höhere Vulnerabilität während der Rezessionsphasen und (2) eine höhere Quote befristet Beschäftigter unter den jungen Menschen, was eine höhere Wechslerquote und ein geringes Training on the job impliziert. Aus der individuellen Handlungsperspektive somit auf das Strategiekonzept bezogen sollen insbesondere die folgenden Merkmale analysiert werden: Bildungsabschluss und Qualifikationen einerseits, Arbeitsplatzsuche und Mobilität andererseits. Überdies werden auch einschlägige Ergebnisse der Studien über Lebensstile und Jugendkulturen in Betracht gezogen, die im Fachbereich Soziologie der Universität Oviedo durchgeführt worden sind. Insgesamt sollen anhand der Verbindung der beiden Dimensionen Strukturen und Handlungsmuster die Übergänge junger Menschen von der Schule in die Arbeitswelt in Spanien aufgezeigt und zugleich das Konzept der Strategien des Arbeitsübergangs infrage gestellt werden.

14 Lebensverläufe, Lebenslagen und Bewältigungsstrategien junger Erwachsener am Rande normaler Erwerbsarbeit. Birgit Reißig, Leipzig Die Übergänge von Schule in Erwerbsarbeit gestalten sich insbesondere für die Gruppe der so genannten sozial benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen als immer weniger linear. Schwierige oder gescheiterte Schulverläufe, Maßnahmekarrieren sowie Arbeitslosigkeit oder lediglich prekäre Beschäftigungsverhältnisse sind häufige Erfahrungen der Betroffenen. Für einen Teil von ihnen trifft zu, dass sie, wenn überhaupt, von normaler Erwerbsarbeit nur am Rande berührt werden. Für diese jungen Erwachsenen gilt es, zum einen zu prüfen, ob sich die Exklusion von normaler Erwerbsarbeit in anderen Lebensbereichen (auch als Selbstexklusion) fortsetzt (z.b. die sozio-kulturelle Partizipation, soziale Beziehungen, räumliche Ausgrenzung). Zum anderen ist zu beleuchten, welche Strategien des Umgangs mit ihrer Lebenssituation die Betroffenen entwickeln. Die empirische Untersuchung stützt sich auf 35 biographisch orientierte Interviews einer ersten Erhebungswelle. Zielgruppe sind junge Erwachsene aus drei Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf in den neuen Bundesländern (Leipzig, Chemnitz, Wolfen), die die o.g. Merkmale und Erfahrungen aufweisen. (Sie sollen mit einem Abstand von sechs bis acht Monaten ein zweites, einzelne auch ein drittes Mal befragt werden). Der Vortrag wird sich im ersten Teil der Frage widmen, welche Arten von Ausbildungsund Berufsverläufen bei den Probanden auszumachen sind (z.b. mit und ohne Schulabschluss, mit und ohne Ausbildung, Art der Ausbildung). Im zweiten Teil wird auf die oben aufgeworfenen Fragen nach Exklusion und Coping eingegangen.

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