Die Lage der Jugendlichen und ihre Erwartungen im Jahr 2007 Jugendforschung zur Unterstützung der nationalen Jugendpolitik in Rumänien

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1 Die Lage der Jugendlichen und ihre Erwartungen im Jahr 2007 Jugendforschung zur Unterstützung der nationalen Jugendpolitik in Rumänien Cristian Cojocaru Direktor Abteilung für Strategische Planung und Evaluation Nationale Jugendbehörde Bukarest Auf Anfrage der Nationalen Jugendbehörde Rumäniens, ANT (Autoritatea Naţională pentru Tineret), haben Soziologen der Nationalen Agentur zur Unterstützung der Jugendlichen, ANSIT (Agenţia Naţională pentru sprijinirea tinerilor) im Juli 2007 eine nationale Umfrage unter Jugendlichen durchgeführt. Obwohl ähnliche Umfragen seit 10 Jahren regelmäßig durchgeführt werden, unterscheidet sich jene aus 2007 durch einige spezifische Merkmale: Um ein repräsentatives Ergebnis zu erzielen, wurden erstmalig nicht nur Stichproben auf nationaler Ebene berücksichtigt, sondern auch die Verteilung innerhalb der acht geografischen Entwicklungsregionen Rumäniens 1. Um diesem Ziel gerecht zu werden, wurde eine Stichprobe von Personen erfasst, wobei Abweichungen von höchstens 1,8% für die nationale Ebene und von 5% für die regionale Ebene gesichert werden konnten. Erstmals wurden Jugendliche zwischen 14 und 34 Jahren befragt, im Zuge der erweiterten Definition des Jugendbegriffs durch das Jugendgesetz von Neben den in den letzten Jahren regelmäßig erfassten Themen wie Bildung, Berufstätigkeit, Familie, Werte der Jugendlichen und internationale Mobilität, hat das Umfragebarometer von 2007 einige spezifische Interessen der Jugendlichen der letzten Zeit aufgenommen. Hierzu gehören die Reaktion der Jugendlichen auf das Gesetzespaket bezüglich der Jugend, das 2006 verabschiedet wurde, die Toleranz in Bezug auf einige ethnische Minderheiten Rumäniens und der Lebensstil hinsichtlich des Konsums bestimmter Lebensmittel oder Stoffe. Allgemeine Ergebnisse der Umfrage Wahrnehmung des Großteils der Jugendlichen der Verbesserung (oder Beibehaltung) ihrer Lebensqualität im Vergleich zum Vorjahr und ihr Optimismus in Bezug auf die unmittelbare Zukunft. Hier gibt es signifikante Unterschiede auf regionaler Ebene: die Jugendlichen aus Bukarest- Ilfov und Süd- Muntenien sind zuversichtlich, während die Jugendlichen aus dem Nord-Osten und dem Zentrum des Landes zurückhaltender in ihrer Beurteilung der Zukunftsperspektiven sind. Im Wesentlichen zufrieden erklärten sich die Jugendlichen vor allem mit der 1 Die Gesetze Nr. 151/1998 und die Gesetzesänderung Nr. 315/2004 legen folgende Entwicklungsregionen fest: Nordost, Südost, Süd- Muntenien, Südwest- Oltenien, West, Nord-West, Zentrum und Bukarest- Ilfov. 1

2 Beziehung zur Familie, den Wohnverhältnissen, der eigenen Gesundheit und dem persönlichen Bildungsniveau. Unzufrieden sind die Jugendlichen vor allem mit dem erzielten Einkommen und der Gestaltung ihrer Freizeit. Die Mehrheit der Jugendlichen (88,7%) erlebt Einschränkungen durch die beschränkten finanziellen Mittel ihrer Familie: 33,2% der Jugendlichen vertreten die Ansicht, dass man sich mit dem Einkommen der Familie ein bescheidenes Leben leisten kann, ohne damit teuere Gütern erwerben zu können, während 29,8% meinen, dass mit dem Einkommen der Familie nur eine Mindestversorgung gewährleistet werden kann. Eine wichtige Einschränkung für die Jugendlichen stellt der eingeschränkte Zugang zu Information über Computer dar, was sich als Risikofaktor in ihrer Planung für Bildung und Berufsleben darstellt. Nur 51% der Jugendlichen verfügen zu Hause über einen Computer, wobei nur 31% der Jugendlichen dort auch einen Internetzugang haben. Dieser Nachteil ist im ländlichen Raum besonders ausgeprägt; hier lebt fast die Hälfte aller Jugendlichen in Rumänien: nur 30% verfügen über einen Computer und nur 7,5% haben Internetzugang. Im regionalen Vergleich ergibt sich folgendes Bild: in den Regionen Bukarest- Ilfov, Westen und Nordwesten haben mehr Jugendliche Zugang zum Computer und Internet, während in den Regionen im Südwesten, Nordosten und im Zentrum der Zugang eingeschränkt ist. Die Freizeitgestaltung hängt eng mit den (beschränkten) finanziellen Ressourcen der Jugendlichen zusammen. Dadurch erklärt sich, warum die meisten Jugendlichen (63% täglich) das Fernsehen als überwiegende Freizeitgestaltung bevorzugen. Nur wenige Jugendliche lesen oder treiben regelmäßig Sport. Obwohl die meisten Jugendlichen auf die Qualität ihrer Ernährung achten (50% halten natürliche Lebensmittel ohne Konservierungs- und Zusatzstoffe für sehr wichtig und sie vermeiden die selbst verordnete Einnahme von Medikamenten oder den übermäßigen Konsum von psychoaktiven Substanzen Kaffee, Alkohol, Tabak), gibt es noch viele, die sich dieser Risiken nicht bewusst sind. Schule und Bildung Schule wird in der Auffassung der Jugendlichen nicht mehr als einziger bevorzugter Ort des Bildungsprozesses wahrgenommen. Ungefähr 80% der Jugendlichen sind der Meinung, hier nur Allgemeinbildung zu erwerben und nur zwei Drittel (67%) sind der Meinung, die Schule diene der Vorbereitung auf das Leben. Als positiv bewerten nur 21% der Jugendlichen die Einbindung in den Lernprozess, 17% die Bewertung der Leistungen durch die Schule und 16% die außerschulischen Angebote. Ebenfalls nur 16% betrachten die Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt durch die Schule als positiv. In der Umfrage wurde eine besondere Bedeutung der Erforschung zweier, auf dem Arbeitsmarkt unerlässlicher Kompetenzen beigemessen: der Fremdsprachenkenntnisse und der Fähigkeit des Umgangs mit dem Computer. 12% der Jugendlichen gaben an, über sehr gute Kenntnisse mindestens einer internationalen Fremdsprache zu haben. 30% haben gute Kenntnisse. 37% der befragten Jugendlichen benutzen den Computer täglich, 14% 2

3 wöchentlich und 48% selten bis gar nicht; 71% der Jugendlichen aus der Region Bukarest- Ilfov nutzen den Computer täglich, 10% wöchentlich. 23% nutzen den Computer täglich, um Musik zu hören, für Spiele oder zu anderen Unterhaltungszwecken, 25% nutzen ihn, um sich zu informieren, 21% verwenden den Computer als Arbeitsinstrument während 26% zur Kommunikation. Zufriedenheit am Arbeitsplatz Aus der Analyse ergibt sich, dass auf nationaler Ebene nur ein Drittel der berufstätigen Jugendlichen besonders zufrieden sind (36%). Je nach Wohnort, zeigt sich die höchste Zufriedenheit im Kreis Bukarest (60% der Jugendlichen) und in den mittleren Städten mit Einwohnern (43%), während die niedrigste Zufriedenheit am Arbeitsplatz in ländlichen Gebieten auftritt (nur 26%). Die Zufriedenheit mit der Arbeit steigt proportional mit dem Bildungsniveau (51% bei den Hochschulabsolventen) und mit dem eigenen Status am Arbeitsplatz. Gesellschaftliches und politisches Engagement Die rumänischen Jugendlichen zeigen im Allgemeinen ein extrem niedriges Interesse am politischen Leben, sowohl auf lokaler, nationaler als auch auf europäischer Ebene. Ungefähr zwei Drittel der befragten Jugendlichen zeigen ein ausgeprägtes Desinteresse für das politische Leben auf allen Gebieten. Die Mitgliedschaft in einer NGO ist eng mit dem Interesse am politischen Leben verbunden: Jugendliche, die einer Organisation angehören haben ein größeres Interesse an lokaler, nationaler und europäischer Politik. Nur 20% der Jugendlichen unterhalten sich oft mit anderen über die politischen Ereignisse in ihrem Land oder am Wohnort, während für 13% der Befragten diese Themen nicht in ihren Alltagsgesprächen vorkommen. Mit dem fortschreitenden Alter zeigen ältere männliche Jugendliche, die über einen Hochschulabschluss verfügen, ein größeres Interesse an Politik, wobei bei diesen Jugendlichen die Frequenz der diskutierten politischen Themen steigt. Die meisten Jugendlichen glauben, ihr Leben sei stärker durch die politischen Entscheidungen der zentralen Behörden beeinflusst als durch die der örtlichen Verwaltungsorgane. Die subjektive gesellschaftspolitische Kompetenz bei Jugendlichen ist schwach ausgeprägt: nur 7% der Jugendlichen glauben, politische Entscheidungen mit beeinflussen zu können, sei es auf lokaler oder auf nationaler Ebene. Je höher der Grad der subjektiven gesellschaftlichen Kompetenz steigt, desto größer ist das Interesse der Jugendlichen an der Politik allgemein. Nur 20% der Jugendlichen fühlen sich durch eine an der Regierung beteiligte politische Partei hinreichend vertreten, während 64% glauben, keine der rumänischen Parteien vertrete ihre Interessen; ein großer Teil der Befragten hat auf diese Frage nicht geantwortet das zeigt, dass viele Jugendliche in Rumänien keinerlei politischen Einstellungen vertreten. Lokale NGOs werden extrem wenig wahrgenommen: nur 7% der Jugendlichen 3

4 gaben an, solche Einrichtungen zu kennen, die meisten nannten keine Eigennamen, sondern Arten von NGOs. Jugendliche, die über lokale NGOs Bescheid wissen, finden sich überwiegend in Städten, sie verfügen über einen höheren Bildungsstand und leben vor allem in den Entwicklungsregionen im Westen, Nordwesten und im Zentrum des Landes. Ein geringer Anteil der Jugendlichen (7% der Befragten) hat bereits eine ehrenamtliche Tätigkeit in einer NGO ausgeübt; noch weniger (4%) sind Mitglieder einer NGO; ein Anteil von 11% hat bereits an Aktivitäten einer NGO teilgenommen: meistens als Freiwillige oder Gäste; Über die Hälfte aller befragten Jugendlichen sind nicht bereit, sich in einer NGO zu engagieren; ein Drittel möchte sich ehrenamtlich engagieren, aber nur ein kleiner Teil engagiert sich tatsächlich. Bewertung der vom Jugendgesetz vorgeschriebenen oder von Jugendeinrichtungen bereitgestellten Angebote Fast die Hälfte aller Befragten haben keine Kenntnisse über die Angebote für Jugendliche, seien es durch gesetzliche Bestimmungen festgelegten oder von Einrichtungen bereitgestellten Angeboten in folgenden Bereichen: Landwirtschaft, Wohnungen/Grundstücke, Tourismus, NGOs/ehrenamtliche Tätigkeiten, Unternehmertum, Einrichtung einer Wohnung im ländlichen Raum, im Bereich von Kunst und Kultur, Berufstätigkeit/Arbeitslosigkeit, Familie, usw. Eine signifikante Anzahl von Jugendlichen (45%) gab an, nicht zu wissen oder nicht auf die Frage antworten zu können. Dies zeugt von einem verbreiteten akuten Informationsmangel. Eine relativ sehr niedrige Zahl von Jugendlichen gibt an, die bestehenden Angebote für Jugendliche zu kennen; am bekanntesten waren gesetzliche Bestimmungen in folgenden Bereichen: Transportwesen (26%): Ermäßigungen bei Abonnements/Fahrkarten, Unterstützung für finanziell benachteiligte Jugendliche; Bildung (23%): kostenfreies Bildungswesen, Stipendien für sozial Benachteiligte und für gute Studienleistungen, finanzielle Zuschüsse für Schulbücher und Schulbedarf; Gesundheit (19%): kostenlose Medikamente, kostenloses Gesundheitssystem; Wohnungen/Grundstücke (15%): Sozialwohnungen für junge Menschen, Kredite, niedrige Zinssätze, Zuschüsse für Eigentumswohnungen, Baugrundstücke für Wohnraum; Beschäftigung/ Arbeitslosigkeit (13%): Hilfen/ Arbeitslosengeld, Unterstützung bei der Jobsuche, kostenlose Fortbildungskurse/ Umschulungskurse, Zuschüsse für Arbeitnehmer und Familie (13%): finanzielle Zuschüsse für die Erstheirat, Kindergeld, Hilfen für benachteiligte Familien. 85% der Jugendlichen gaben an, die oben erwähnten gesetzlich vorgeschriebenen oder von Einrichtungen bereitgestelletn Angebote und Zuschüsse für Jugendliche noch nicht in Anspruch genommen zu haben, nur 13,5% haben von diesen Angeboten bereits Gebrauch gemacht; die hohe Zahl der Jugendlichen, die Vergünstigungen im Alltagsleben (Transport, Gesundheit, Bildung) noch nicht in Anspruch genommen hat, erklärt sich durch die unzureichende Informationsverbreitung. Folgende von ihnen benötigten Vergünstigungen sollten nach Ansicht der Jugendlichen gesetzlich festgelegt werden: die Garantie eines Arbeitsplatzes; 4

5 Zugang zu Wohnraum (durch Subventionen, Kredite, Grundstücke, usw.), Bildung/ Schule (kostenfreies staatliches Schulsystem, Stipendien für Schüler und Studierende); Zuschüsse und Beratung für Firmengründer und Jungunternehmer. Das 2006 erlassene Jugendgesetz ist sehr wenig bekannt: lediglich 6,5% der Jugendlichen haben vom Jugendgesetz gehört, während 93% haben keine Kenntnis darüber. Toleranz gegenüber ethnischen Minderheiten Die Mehrheit der Befragten sieht die Beziehungen zwischen Rumänen und der ungarischen Minderheit optimistisch: etwa jeder dritte Jugendliche glaubt, diese seien einebeziehung der Zusammenarbeit. Ein Fünftel ist der Ansicht, dass die Beziehungen konfliktgeladen seien; ein Fünftel hat zu diesem Thema keine Meinung (wahrscheinlich aufgrund des fehlenden Kontaktes mit der ethnischen Minderheit). Die Beziehungen zwischen Rumänen und Roma schätzen 34% der Befragten als konfliktgeladen ein. Jugendliche und Familie Hier wurde vor allem die Beziehung der Jugendlichen innerhalb der Familie erfasst (zu ihren Eltern oder zu nicht verheirateten Paaren), ferner wurde erforscht welche Einstellung haben die Jugendlichen zu Familienbeziehungen in dem Sinne ob sie traditionsverhaftet oder eher modern und liberal sind und sich für ein liberaleres Modell der familiären Beziehungen aussprechen, in dem die Familienmitglieder gleichwertige Partner sind und über große Eigenständigkeit verfügen. Die Familie steht in der Werteskala der Jugendlichen ganz oben. Die Familie ist wichtiger als Arbeitsplatz, Schule, Freunde oder Freizeit; Im Süden des Landen wird die Familie als wichtiger angesehen (auch in Bukarest- Ilfov), während im westlichen Teil die Freunde tendenziell wichtiger sind; Die Mehrheit der Befragten sieht die persönliche Erfüllung nicht in der Ehe oder der Geburt eines Kindes, wobei diese Einstellung mit steigendem Alter abnimmt; Die meisten Jugendlichen wünschen sich Kinder, am häufigsten zwei. Im ländlichen Raum liegt diese Zahl höher. Die meisten Kinder wünschen sich Jugendliche der Roma- Minderheit; Bezüglich der Arbeitsteilung im Haushalt herrscht klare Geschlechtertrennung, vor allem bei kleineren Reparaturen oder beim Kochen. Für die Kindererziehung und Betreuung fühlen sich eher beide Partner zuständig. Die niedrigste Übereinstimmung zwischen Partnern herrscht in Geldfragen; Die Jugendlichen haben ähnliche Einstellungen wie ihre Eltern, vor allem in Bezug auf Religion, gesellschaftliches Verhalten, Studienwahl und Karriere. Bei den Themen Politik und Sexualität herrschen unterschiedliche Vorstellungen; Insbesondere die Jugendlichen aus dem ländlichen Raum haben eine gegensätzliche, polarisierte Einstellung: auf der einen Seite stimmen sie mit ihren Eltern in Religionsfragen völlig konformistisch überein, aber bezüglich der Sexualität vertreten sie eine entgegen gesetzte Meinung. 5

6 Schlussfolgerungen: die Jugendpolitik muss energischer und effizienter umgesetzt werden Die durchgeführte Umfrage zeigt ziemlich deutlich, dass die Jugendlichen in Rumänien ihr intellektuelles und moralisches Potential nicht vollständig ausschöpfen. Sie könnten einen bemerkenswerten Faktor für die wirtschaftliche, soziale und politische Entwicklung des Landes darstellen. Die Verantwortlichen für Jugendpolitik und für öffentliche Politiken müssten ein größeres Bewusstsein dafür entwickeln, dass die Jugendlichen eine gesteigerte Aufmerksamkeit verdienen und nicht nur einen unnötigen Kostenfaktor darstellen. Ganz im Gegenteil, eine bessere Jugendpolitik ist der Schlüssel für die Lösung zahlreicher Probleme der heutigen rumänischen Gesellschaft sowohl auf mittlere als auch auf lange Sicht. 6

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