L E R N W I E D E R! zur Planung, Umsetzung, Evaluation und Dokumentation von Lernprojekten zur Förderung des lebenslangen Lernens

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1 L E R N W I E D E R! Institut Arbeit und Wirtschaft Universität / Arbeitnehmerkammer Bremen Direktor: Prof. Dr. Rudolf Hickel Forschungseinheit: Qualifikationsforschung und Kompetenzerwerb zertifiziert nach DIN EN ISO9001:2000 ESF - Projekt Lern wieder! Selbstlernkompetenzen für benachteiligte Jugendliche in der beruflichen Bildung - Lehr- und Lernberatung für Lehrkräfte, Schüler/-innen und Auszubildende EUROPÄISCHE UNION Europäischer Sozialfonds Freie Hansestadt Bremen Senator für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales Senator für Bildung und Wissenschaft SEESTADT BREMERHAVEN Der Magistrat Leitfaden zur Planung, Umsetzung, Evaluation und Dokumentation von Lernprojekten zur Förderung des lebenslangen Lernens Pieter Hagen-Torn, Änne Hildebrandt, Barbara Hummel, Eugen Nordloh Bremen / Bremerhaven, Januar 2007

2 ESF - Projekt LERN WIEDER! Leitfaden Bremen / Bremerhaven, Januar 2007 Pieter Hagen-Torn, Änne Hildebrandt, Barbara Hummel, Eugen Nordloh Daten und Informationen Projektleitung Gerlinde Hammer Tel.: (0) Mitarbeiter/-in Pieter Hagen-Torn Tel.: (0) Änne Hildebrandt Tel.: (0) Barbara Hummel Tel.: (0) Eugen Nordloh Tel.: (0) Laufzeit bis Postadresse Universität Bremen / IAW; FVG-Mitte; Celsiusstraße; Postfach ; D Bremen Homepage Förderung und Kooperation EUROPÄISCHE UNION Europäischer Sozialfonds Freie Hansestadt Bremen Senator für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales Freie Hansestadt Bremen Senator für Bildung und Wissenschaft SEESTADT BREMERHAVEN Der Magistrat KG Ostertor / Physionetzwerk

3 LERN WIEDER! 1 Leitfaden zur Planung, Umsetzung, Evaluation und Dokumentation von Lernprojekten zur Förderung des lebenslangen Lernens Pieter Hagen-Torn, Änne Hildebrandt, Barbara Hummel, Eugen Nordloh Bremen / Bremerhaven, Januar 2007

4 2 LERN WIEDER!

5 LERN WIEDER! 3 Einführung: Einige Vorüberlegungen Das Projekt Lern wieder! zielt darauf, die Lernbereitschaft und Lernkompetenz bildungsbenachteiligter Jugendlicher in beruflichen Bildungsprozessen zu fördern und sie in Stand zu setzen, auch jenseits institutioneller Berufsbildungsangebote selbständig und kontinuierlich zu lernen. Es geht darum, Lernprojekte zu entwickeln und durchzuführen, um bildungsbenachteiligten Zielgruppen, die vielfach negative Lernerfahrungen gemacht haben, das Interesse an und die Fähigkeit zum Lernen und Weiterlernen zu vermitteln, damit sie den Herausforderungen des lebenslangen Lernens - eine Notwendigkeit der modernen Arbeitswelt gerade auch für benachteiligte Jugendliche - gewachsen sind. Was sind Lernprojekte? Lernprojekte wollen die Fähigkeit zum selbständigen, eigenverantwortlichen Lernen befördern. Sie zielen auf die Vermittlung ausgewählter Kompetenzen aus dem Kompetenzbündel des lebensbegleitenden Lernens {Siehe Schaubild Elemente von Selbstlernkompetenz im Anhang} und sollen diese mittels einer Methodik und Didaktik sowie in einer passenden Lernumgebung so für die Jugendlichen aufbereiten, dass das Lernen ihnen wieder Spaß macht und auch für den weiteren Lebensweg als nützlich erscheint. Lernprojekte sind pädagogische Interventionen innerhalb des vorgeschriebenen Stoffes. Idealerweise sollen Lernprojekte aufeinander aufbauen und zunehmend umfassendere Lernkom petenzen vermitteln. Mädchen und junge Frauen sind bislang schon stärker als ihre männlichen Altersgenossen von Auflösung und Diskontinuität in ihren Erwerbsverläufen - und das am deutlichsten beim Berufseinstieg - betroffen. Übergreifende Kompetenzen wie sie für das lebenslange Lernen und zur selbständigen Gestaltung der eigenen Erwerbsbiografie erforderlich sind, sind für sie besonders wichtig. Vor allem in der Berufsorientierung und -vorbereitung müssen im Rahmen der Lernprojekte Möglichkeiten, die geschlechterstereotype Berufswahl aufzuweichen, besser bzw. bewusster genutzt werden, um Mädchen und junge Frauen für andere Berufe und auch Berufe, bei denen der Computer eine Rolle spielt, zu interessieren. Was sind Selbstlernkompetenzen? Selbstlernkompetenzen wie beispielsweise die Fähigkeit zu eigenverantwortlicher Informationsbeschaffung und -strukturierung, Kooperationsfähigkeit und Frustrationstoleranz sind diejenigen Kompetenzen, welche die Jugendlichen dazu befähigen (sollen), selbständig und eigenverantwortlich lernen zu können, in Schule und Ausbildung, aber dann auch lebensbegleitend {Siehe Schaubild Elemente von Selbstlernkompetenz im Anhang}. Diese Kompetenzen müssen genauso wie Fachwissen und fachliche Fertigkeiten eigens erworben werden, sie fallen aber mit den zuletzt genannten nicht zusammen.

6 4 LERN WIEDER! Es gilt, im Rahmen der Lernprojekte Lernsituationen zu schaffen und Lernaufgaben zu entwickeln, deren Lernhaltigkeit zum Aufbau zentraler Selbstlernkompetenzen bei den Jugendlichen beiträgt. Computer und Internet spielen für Selbstlernprozesse heutzutage eine besondere Rolle, denn wer sich der Neuen Medien bedienen kann, dem steht tendenziell das gesamte geselllschaftliche Wissen zur selbstständigen Aneignung zur Verfügung. Gerade hier haben bildungsbenachteiligte Jugendliche erhebliche Defizite. Die Fachwelt spricht inzwischen von einer digitalen Kluft, mit der Medien-Nichtbenutzern eine neue Form der Ausgrenzung droht. Einige wesentliche Anforderungen an die Lernhaltigkeit von Lernprojekten mit bildungsbenachteiligten Jugendlichen Benachteiligte Jugendliche verbinden mit Lernprozessen häufig nutzloses Wissen und praxisferne Kenntnisse, denen sie keinen persönlichen Sinn entnehmen können. Diese Haltung spiegelt sich auch darin wider, dass diese Jugendlichen den Wechsel weg vom Lernort Schule hinein in die Welt der produktiven Arbeit als sehr erstrebenswert ansehen. Schon ein schulbegleitendes Praktikum wird von den Jugendlichen meist sehr viel ernster genommen als schulischer Unterricht. Diese praktische Motivation ist bei der Gestaltung von Lernprojekten zu berücksichtigen, wenn die Lernorientierung der Jugendlichen gestärkt werden soll. Benachteiligte Jugendliche verfügen meist über eine negative Selbsteinschätzung der eigenen schulischen Lernmöglichkeiten. Lernprozesse verbinden sie mit der Erwartung von Scheiternserfahrungen. Ein offenes Herangehen an neue Lernchancen ist ihnen daher vielfach nicht möglich. In der Folge stellen sich dann die erwarteten negativen Lernerfahrungen auch ein. Diesen Zirkel müssen die arrangierten Lernsituationen durch das Anknüpfen an den Stärken der Jugendlichen durchbrechen und ihnen damit Erfahrungen der eigenen Selbstwirksamkeit zugänglich machen. Benachteiligte Jugendliche können beim Lernen auf grundlegende Kulturtechniken auf dem Feld des Rechnens, Schreibens und Lesens sowie des sprachlichen Ausdrucks nur sehr bedingt zurückgreifen. Gleiches gilt für Methoden- und Medienkompetenzen zur Beschaffung, Selektion und Strukturierung von Informationen. Meist kombinieren sich daher für benachteiligte Jugendliche im Zusammenhang mit beruflichen Lernprozessen verschiedene Schwierigkeiten zu einem scheinbar unüberwindlichen Hindernis für den Kompetenzerwerb. Derartige Lernblockaden gilt es zu durchbrechen und die Vermittlung der o.g. Kompetenzen motivationsfördernd in Lernprojekte zu integrieren.

7 LERN WIEDER! 5 Die sozialen Beziehungen benachteiligter Jugendlicher sind häufig eher hierarchisch-autoritär geprägt und lassen wenig Spielraum für autonomes Entscheidungshandeln. Damit korrrespondiert eine eher passive Haltung der Jugendlichen, die auf Anweisungen der Autoritätspersonen warten und sich an Vorgaben von Autoritäten - positiv oder negativ - abarbeiten. Diese Jugendlichen sehen sich selbst eher als Ausführende, nicht aber als Subjekt ihres eigenen Lernfortschritts. Diese passive Haltung steht der Selbststeuerung von Lernen diametral entgegen. Die Aufgabe von Lernprojekten besteht daher in der Förderung der Fähigkeit zur Selbststeuerung des Lernprozesses. Unverändert fällt die Bilanz zur Geschlechtergerechtigkeit in Schul- und Ausbildungswesen ernüchternd aus. Erforderlich sind deshalb auch Überlegungen, wie die entsprechenden Rahmenbedingungen für Mädchen und junge Frauen wirksam und nachhaltig verbessert werden können. Die Bedürfnisse der weiblichen Jugendlichen im Kontext der Förderung der Selbstlernkompetenzen müssen daher besonders berücksichtigt werden Vier Grundsätze zur Aufgabe der Lehrkräfte im Rahmen von Lernprojekten Lernprojekte müssen das Erleben von (Lern-)Erfolgen durch die Jugendlichen methodischdidaktisch und organisatorisch vorbereiten. Lernprojekte müssen dazu beitragen, dass Anleitungsphasen zugunsten von Selbstlernphasen abnehmen, dass Bestandteile des Lernprozesses von den Lernenden selbst ausgewählt werden und sie an der Beurteilung ihrer Selbstlernkompetenz beteiligt werden. Lernprojekte müssen dazu beitragen, dass sich die Lehrkräfte während der Durchführung nach und nach aus der Funktion der Steuernden zurück ziehen und zu Moderatoren der Lernprozesse werden. Für bei der Durchführung von Lernprojekten entstehende Konflikte zwischen den Jugendlichen und zwischen Jugendlichen und Lehrkräften muss neben der unmittelbaren Projektarbeit der Rahmen für eine angemessene Konfliktbearbeitung und -lösung definiert werden, der auf ein eigenständiges Konfliktmanagement der Jugendlichen zielt.

8 6 LERN WIEDER! Entwicklung und Durchführung eines Lernprojektes A Wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung und Umsetzung eines Lernprojektes in Lern wieder! 1 Inhaltliche, organisatorische und technische Notwendigkeiten sowie die Kooperation und Verantwortlichkeit der am Projekt beteiligten Lehrkräfte Inhaltliche Vorgaben und gegebenenfalls Freiräume (Lehrpläne etc.) Gegebenenfalls Kooperation mit Betrieben Möglichkeiten der Präsentation Zeitlicher Rahmen Raumbedarf Technischer Bedarf (Computerlabor, Materialien etc.) Geldbedarf (auch Mittel aus Lern wieder! ) Sponsoring (auch als Mittel zum Erwerb von Selbstlernkompetenz) Kooperation und Verantwortlichkeit der beteiligten Lehrkräfte 2 Wichtige Daten der Lerngruppe erheben Bildungsgang der beteiligten Klasse / Lerngruppe Bildungsvoraussetzungen der Jugendlichen Anzahl der teilnehmenden Jugendlichen Namen der Jugendlichen Geschlecht der Jugendlichen Migrationshintergrund der Jugendlichen Gegebenenfalls Praktika der Jugendlichen Wechsel- und Abbruchszahlen sowie -gründe 3 Stärken und Schwächen der Jugendlichen in Sachen Selbstlernkompetenz ermitteln - Förderschwerpunkte festlegen Besondere Stärken und Schwächen der Jugendlichen bzw. der Lerngruppe in Sachen Selbstlernkompetenz ermitteln Geeignete (einfache) Instrumente? (Gespräche mit den Jugendlichen, Erfahrungsaustausch unter den Lehrkräften etc.) Wie lerne ich? Fragebogen? (Eignung für die Ermittlung von Selbstlernkompetenzen) Auswertung 1: In welchen Kompetenzfeldern besteht der größte Förderbedarf der Lerngruppe?

9 LERN WIEDER! 7 Auswertung 2: In welchen Kompetenzfeldern besteht der größte individuelle Förderbedarf der Jugendlichen? Individuelle und allgemeine Förderschwerpunkte festlegen (Binnendifferenzierung) Besprechung der Ergebnisse mit den Jugendlichen Gegebenenfalls für Evaluation festhalten (Ausgangslage; Wirksamkeit überprüfen können) B Ein Lernprojekt ausarbeiten 1 Die Projektidee erarbeiten und festlegen Projektidee zur speziellen Lerngruppe und den festgestellten Stärken und Schwächen entwickeln - Brainstorming Realisierbarkeit prüfen Mitwirkungsmöglichkeiten der Jugendlichen bedenken Projektidee (für Vorschlag an die Jugendlichen) beschließen Bei mehreren Projekten: Vernetzungsmöglichkeiten prüfen / planen 2 Strategien zur Steigerung der Lernmotivation der Lerngruppe und der einzelnen Jugendlichen festlegen (Eigenes) Produkt Nutzen für den Beruf (-swunsch) / gegebenenfalls stattfindende Praktika Privater Nutzen / Nützlichkeit für die Jugendlichen, die Familie, die Schule... Dokumentation des Projektverlaufs und der Projektergebnisse durch die Jugendlichen Präsentation der Projektergebnisse (Lerngruppe, Schule, Eltern, Lern wieder!, andere Öffentlichkeit etc.) Kooperatives Lernen im Team, keine Konkurrenz, gegenseitige Unterstützung Entscheidungsspielraum und Mitwirkungsmöglichkeiten der Jugendlichen Selbstwirksamkeitserfahrungen vermitteln 3 Mitwirkungsmöglichkeiten der Jugendlichen und ihre Beteiligung an Entscheidungsprozessen festlegen Lernprojektidee selber mit Jugendlichen entwickeln, diskutieren und entscheiden?! Welche Fragen können die Jugendlichen zu Beginn mitentscheiden, welche Vorgaben sind sinnvoll? Welche Fragen können die Jugendlichen im Verlauf mitentscheiden?

10 8 LERN WIEDER! 4 Für die Gruppendynamik innerhalb der Lerngruppe einen angemessenen Rahmen organisieren - Konfliktmanagement Konfliktbearbeitung und -lösung vom eigentlichen Lernprojekt trennen Rahmen zur Konfliktbearbeitung festlegen Gegebenenfalls Vereinbarung mit Jugendlichen entwickeln und treffen 5 Auswahl und Festlegung der wichtigsten Selbstlernkompetenzen auf deren Vermittlung sich das Lernprojekt richtet Im Gefolge der Erhebung der Stärken und Schwächen der Jugendlichen entscheiden, welche Selbstlernkompetenzen schwerpunktmäßig vermittelt bzw. gefördert werden sollen (allgemein / individuell) {Siehe Schaubild Elemente von Selbstlernkompetenz im Anhang} Gegebenenfalls für Evaluation festhalten (Prozessverbesserung / Zielerreichung) 6 Die Lernhaltigkeit der einzelnen Lernaufgaben im Rahmen des Lernprojektes ausdifferenzieren und prüfen, inwiefern sie der Vermittlung der angestrebten Selbstlernkompetenzen dienen Lernaufgaben / Lernsituationen innerhalb des Lernprojektes ausarbeiten Prüfen, inwiefern Lernaufgaben bzw. Lernsituationen der Vermittlung der ausgewählten Selbstlernkompetenzen dienen Gegebenenfalls für Evaluation festhalten (Prozessverbesserung / Zielerreichung) 7 Für das Lernprojekt geeignete Lehr- und Lernmaterialien recherchieren, auswählen oder selber entwickeln Für die Förderung von Selbstlernkompetenzen geeignete Lehr- und Lernmaterialien (Bestand im Haus, Recherche, Internet) Homepage des Netzwerkes Lebenslanges Lernen / Veröffentlichungen und Homepage von LeiLa Andere Quellen? Eigene Lehr- und Lernmaterialien entwickeln (Lehrkräfte) Eigene (Lehr-) und Lernmaterialien entwickeln (Jugendliche)

11 LERN WIEDER! 9 8 Welche Medien sollen zum Einsatz kommen? Computer allgemein [auch für Verlaufs- bzw. Ergebnisdokumentation] Textverarbeitung [auch für Verlaufs- bzw. Ergebnisdokumentation] Elementares Layout PowerPoint o.ä. (Präsentation) [auch für Verlaufs- bzw. Ergebnisdokumentation] Internet (Internetrecherche,... eigene Website o.ä.) Digitale Fotografie und Bildbearbeitung [auch für Verlaufs- bzw. Ergebnisdokumentation] Video und Filmbearbeitung [auch für Verlaufs- bzw. Ergebnisdokumentation] Tonaufnahme (z.b. Interviews, Hörspiel etc.) [auch für Verlaufs- bzw. Ergebnisdokumentation] Plakate, Stellwände etc. [auch für Verlaufs- bzw. Ergebnisdokumentation] 9 Der Computer kann im Rahmen eines Lernprojektes Arbeitsmittel oder Lerngegenstand sein, man kann ihn aber auch als besonders geeignetes Lehr-, Lern- und Motivationsmittel zur Vermittlung von Selbstlernkompetenz einsetzen Es ist zu prüfen und zu entscheiden, in welcher Funktion der Computer im Rahmen eines Lernprojektes (Unterricht und Ausbildung) eingesetzt werden soll: a) Der Einsatz des Computers als Arbeitsmittel, beispielsweise für das Festhalten eines Arbeitsplans, die Dokumentation eines Tagesablaufs oder die Präsentation von Projektergebnissen, unterstellt allerdings die Beherrschung elementarer Informationstechniken durch die Jugendlichen. b) Den Computer (Hard- und Software) als Lerngegenstand ins Auge zu fassen, zielt auf die Vermittlung von elementaren EDV-Kenntnissen und Routinen in der praktischen Benutzung des Computers im Sinne einer vierten Kulturtechnik neben Schreiben, Lesen und Rechnen (Dazu kann man heute, zumindest in elementarer Form, die Grundlagen von Hard- und Software, Textverarbeitung, Präsentation, einfache Formen der Bildbearbeitung sowie Internetkommunikation zählen). Neben die klassische Form der Vermittlung derartiger Kenntnisse und Fertigkeiten im Computerlabor vermittels Erläuterung, Vor- und Nachmachen sowie entsprechenden Anregungen und Korrekturen durch die Lehrkraft sind inzwischen innovative Lernformen getreten, wie sie beispielsweise die internetbasierte Lernplattform Jingle bietet.

12 10 LERN WIEDER! Hier sind elementare EDV-Grundkenntnisse in Form eines fehlerrobusten Selbstlernprogramms für bildungsbenachteiligte Jugendliche aufgearbeitet und um das Betreuungsangebot für Lehrkräfte und Jugendliche durch einen fachkundigen (Internet-)Tutor ergänzt (Blended Learning). Jingle bietet in Form eines unterstützten Selbstlernprogramms informationstechnische Grundkenntnisse und -fertigkeiten im engeren Sinn als Lerngegenstand an. Die Mitarbeit der Jugendliche zielt dabei auf den Erwerb eines in Bremen trägerübergreifend gültigen Zertifikats, das informationstechnologische Grundkenntnisse und -fertigkeiten ausweist. Um dieses Zertifikat zu erlangen, müssen die Jugendlichen mit einer Mindeststundenzahl von 80 Stunden an den informationstechnologischen Lernangeboten teilnehmen und darüber eine Prüfung ablegen. Die Qualifikationsbausteine Grundlagen der Hard- und Software, Textverarbeitung und Internetkommunikation können dabei auch je einzeln bescheinigt werden. Dieses Selbstlern-Angebot von Jingle samt Unterstützung durch einen Tutor richtet sich an Jugendliche und ihre Lehrkräfte. Es steht dank einer entsprechenden Kooperationsvereinbarung auch im Rahmen des Projektes Lern wieder! zur Verfügung. Näheres unter bzw. unter c) Der Einsatz von Computer und Internet im Rahmen von Lernprojekten zur Vermittlung von Selbstlernkompetenzen, wie er im BLK-Modellversuch LeiLa (näheres unter dem Vorgängerprojekt von Lern wieder!, entwickelt worden ist, nutzt den Computer in erster Linie als Motivationsmittel d.h. als an den Interessen von Jugendlichen anknüpfendes Lehr- und Lernmittel. Eine solche Verwendung von Computer und Internet macht sich folgende Tatsachen zunutze: - Die Vielseitigkeit des Mediums erlaubt viele Anknüpfungspunkte an die Interessen der Jugendlichen. - Lernmittel und Lerngegenstände sind relativ neu und unbelastet; die Jugendlichen können ohne Vorkenntnisse beginnen, sie stehen nicht unter Notendruck. - Das Lernen am Computer ist auch jenseits schulischer Lernformen praktizierbar. - Das Lernen am Computer und übers Internet geht auch ohne perfekte Kulturtechniken, die die Jugendlichen oft mit Dauerscheitern verbinden. - Webbasierte Lerntätigkeit bietet Gelegenheiten für selbstgesteuerte Lernprozesse und erlaubt gefahrlos falsche Wege. - Die Integration in lehrgangs- oder ausbildungsrelevante Aufgabenstellungen bzw. Projekte macht die Nützlichkeit für die berufliche Qualifikation sinnfällig. - Mit Computer und Internet können vielfältige eigene Produkte von den Jugendlichen erstellt werden. - Das Lernen mit Computer und Internet stärkt das Selbstbewusstsein der Jugendlichen.

13 LERN WIEDER! 11 d) Der auf die Vermittlung von Selbstlernkompetenzen im Rahmen von Lernprojekten zielende Einsatz von Computer und Internet knüpft an unterschiedlichen Interessenlagen der Jugendlichen an und überführt sie in ein nutzenorientiertes Lernarrangement: - Produktorientierung: Z.B. das Erstellen eines eigenen, bebilderten und grafisch gestalteten Kochbuchs, das Erstellen einer eigenen Homepage oder eines eigenen Films, der auch eigenständig bearbeitet wird; - Berufsorientierung: Z.B. Kommunikation mit einem Internettutor im Rahmen eines Betriebs-Praktikums, berufsbezogene Internetrecherche / Internet-Rallye oder gemeinsames Einrichten eines Online-shops; - Private Nutzenorientierung: Z.B. eigene Präsentation mit integrierten Grafiken und Bildern, digitale Fotografie und Bildbearbeitung (z.b. für Fotoausdrucke und auch für Bildergeschichten auf der eigenen Homepage); - Selbstwirksamkeitsorientierung: Die Lernprojekte rund um Computer und Internet sind kleinschrittig, von einfachen bis hin zu komplexen Anforderungen zu planen, unterbrochen von häufigen Selbstlernphasen. Im Sinne der Vermittlung von Eigenverantwortlichkeit und Selbstwirksamkeitserfahrungen sollte auf Zeit- und Leistungsdruck ebenso wie auf die Benotung verzichtet werden. 10 Geschlechterstereotype aufbrechen Sensibilisierung für die gesellschaftliche Rolle der Geschlechter Selbstreflexion der Lehrenden Vorbildfunktion von weiblichem Lehrpersonal bewusst einsetzen Angebote des Girl s Day nutzen 11 Möglichkeiten der Dokumentation und späteren Präsentation des Projektverlaufs bzw. der Projektergebnisse von und mit den Jugendlichen Texte Vortrag, Erläuterung o.ä. Fotos, Videos o.ä. Plakate, Stellwände, Wandzeitungen Interviews (Jugendliche, Lehrkräfte) Ausstellung, Workshop o.ä. Stand auf einer Messe, Girl s Day o.ä. Presse, Funk, Fernsehen

14 12 LERN WIEDER! C Laufende Dokumentation und Auswertung des Lernprojektes durch die beteiligten Lehrkräfte 1 Dokumentation (Checkliste) Wichtige Daten der Lerngruppe Bewertung der Lerngruppe und der einzelnen Jugendlichen durch die beteiligten Lehrkräfte Skizze der Projektidee Beteiligung der Jugendlichen Konfliktmanagement Welche Selbstlernkompetenzen sollen besonders gefördert werden Lernhaltigkeit der wichtigsten Lernaufgaben Verwendete bzw. entwickelte Lehr- und Lernmaterialien Medieneinsatz Computer als Lehr-, Lern- und Motivationsmittel Jingle Förderung des interkulturellen Verständnisses zwischen den Jugendlichen Aufbrechen von Geschlechterstereotypen bei den Jugendlichen Verlaufsdokumentation I: Zeit, Ereignisse, Jugendlichen-Verhalten, Konflikte und Umgangsweisen, Modifikationen des Projektplans im Verlauf Verlaufsdokumentation II: Verlauf, Lernschritte, Team, Kooperation, Produkte (durch Jugendliche) auf Video bzw. Foto o.ä. festhalten (lassen) etc. Urteile der Jugendlichen über Lernprojekt erheben 2 Auswertung (Checkliste) Auswertung der Lernprozesse und Lernergebnisse der Jugendlichen Vergleich Projektidee / Projektrealisierung, Kritik, Modifikations- und Verbesserungsvorschläge Urteile der Jugendlichen über Lernprojekt auswerten Evaluation (Zielerreichung)

15 LERN WIEDER! 13

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