Der Einsatz von Notebooks und Tablets im Unterricht, einige Empfehlungen. Bundesarbeitsgemeinschaft für Informationstechnologien (ARGE- IT)

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1 Der Einsatz von Notebooks und Tablets im Unterricht, einige Empfehlungen Bundesarbeitsgemeinschaft für Informationstechnologien (ARGE- IT) Version 1.1 September 2013

2 Inhaltsverzeichnis Prämisse... 3 Einfluss auf das soziale Verhalten in der Klasse... 3 Wann und wie sollen Notebooks bzw. Tablets eingesetzt werden?... 3 Welche Hardware soll den Schüler und Schülerinnen empfohlen werden?... 4 Mögliche Auswirkungen auf die Schulinfrastruktur... 4 Die Problematik der Legalität von Software... 4 Gewinne durch den Einsatz von Notebooks bzw. Tablets... 6 Zeitungsartikel: Hirnforscher: Mensch nicht zum Multitasking geschaffen zum Thema Umgang mit digitalen Medien

3 Prämisse Für Schülerinnen und Schüler bzw. Lehrkräfte ist es eine spannende Herausforderung, wenn Sie im Unterricht mit technischen Geräten arbeiten dürfen. Die Spannung und die Euphorie sind natürlich berechtigt. Die BundesARGE IT begrüßt es sehr, dass im Unterricht neue Technologien eingesetzt werden. Mit diesem Dokument möchte sie Lehrkräfte auf die möglichen Schwierigkeiten, welche mit dem Einsatz moderner Geräte aufkommen könnten, hinweisen und mögliche Lösungen bzw. Vorkehrungen aufzählen, damit diese Schwierigkeiten bereits im Vorfeld verhindert bzw. minimiert werden können. Einfluss auf das soziale Verhalten in der Klasse Bei der Einführung von Notebookklassen kann sich durchwegs das soziale Verhalten in der Klasse ändern. Beobachtete Änderungen sind: Kommunikationskultur: Schülerinnen und Schüler kommunizieren weniger von Angesicht zu Angesicht sondern vermehrt in diversen Chats Weniger Bewegung: Schülerinnen und Schüler bleiben zumeist auch in den Freistunden und Pausen in der Klasse und sitzen vor den Notebooks Cybermobbing: Mitschüler oder Mitschülerinnen können Opfer von Cybermobbing werden. Es ist viel schwieriger als Lehrer bzw. Lehrerin dies zu entdecken, als herkömmliche Mobbingopfer. Diese Nachteile können, müssen aber nicht auftreten, Lehrerinnen und Lehrer müssen aber in die Richtung sensibilisiert werden, dass diese oder ähnliche Nachteile auftreten können. Damit die Wahrscheinlichkeit dieser Nachteile minimiert wird, empfiehlt es sich in der Klasse die Einführung der neuen Technologien langsam und professionell begleitet durchzuführen. Es können gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern Notebookregeln aufgestellt werden sowie Zeiten und Unterrichtsteile die vollständig ohne Notebooks definiert sin. Wann und wie sollen Notebooks bzw. Tablets eingesetzt werden? Grundsätzlich können die Geräte in jedem Fach eingesetzt werden. Aus Erfahrung muss gesagt werden, dass es aber nicht reicht Schülerinnen und Schüler einfach mitschreiben zu lassen, wie wenn das Notebook der Ersatz eines Schulheftes ist. Notebooks bieten Schülerinnen und Schülern nicht nur die Möglichkeit professionell zu arbeiten, sondern sind natürlich auch eine Quelle der Ablenkung. Es ist notwendig, dass Schülerinnen und Schüler das neue Gerät als Arbeitsgerät erkennen und lernen mit diesen Ablenkungsmöglichkeiten umzugehen. Daher ist es notwendig, dass die Geräte nicht jederzeit eingesetzt werden, sondern dass konkrete auf das Gerät und die Infrastruktur ausgelegte Aufgabenstellungen gestellt werden. Das Gerät soll als zusätzliches Arbeitsgerät in den Schulalltag eingeführt werden. Wenn Internetrecherchen durchgeführt werden, empfiehlt es sich, Schülerinnen anfänglich bei den Recherchen zu begleiten. Ergebnisse von Suchmaschinen können sind zumeist viel zu Umfangreich und es muss erst gelernt werden gezielt nach diversen 3

4 Informationen zu suchen. Empfehlenswert ist es anfänglich mehrere Links im Internet zur Verfügung zu stellen, welche sich auf die Recherche beziehen. Außerdem ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern beizubringen, wie sie den Wahrheitswert von Informationen nachweisen können und wie korrekt aus dem Internet zitiert wird. Wichtig ist, dass jederzeit die Sinnhaftigkeit des Einsatzes von Notebooks und Tablets gegeben ist. Welche Hardware soll den Schüler und Schülerinnen empfohlen werden? Bei der Entscheidung für die richtige Hardware ist es notwendig, dass die Schule und die Schulleitung Eltern unterstützen. Da Notebooks und Tablets sehr wohl auch Statussymbole sein können, kann es durchwegs sein, dass diese innerhalb der Klassengemeinschaft für unerwartete Auswirkungen auf das Klima sorgen. Eltern wissen sehr häufig nicht über die notwendigen Voraussetzungen der Notebooks bescheid. Ein möglicher Lösungsvorschlag ist es, dass die Schule beispielsweise drei Geräte unterschiedlicher Hersteller den Eltern empfiehlt. Eine weiterer Vorteil, der sich daraus ergeben, könnte ist eine Preisreduktion für Familien, da die Schule eine Sammelbestellung machen könnte. Mögliche Auswirkungen auf die Schulinfrastruktur Wenn Schülerinnen und Schüler verstärkt Notebooks bzw. Tablets im Unterricht verwenden, hat dies natürlich auch Auswirkungen auf die Schulinfrastruktur. So ist ein gut abgesichertes WLAN notwendig, welches mit über die entsprechende Kapazität verfügt. Eine Alternative ist, dass sich jede Klasse in Eigenverantwortung einen gemeinsamen mobilen Zugang besorgt. Erfahrungsgemäß wünschen sich Schülerinnen und Schüler in Notebookklassen, ihre persönlichen Geräte im EDV- Unterricht einzusetzen. Dies kann zu Platzproblemen in EDV- Räumen führen, da diese zumeist mit Standrechnern ausgestattet sind. Die Verlagerung des Unterrichts in EDV- Fächern in die eigene Klasse kann hier empfohlen werden. Die Problematik der Legalität von Software Eine der größten Hürden beim Einsatz von Notebooks ist die Legalität der Software. Wie kommt ein Schüler/eine Schülerin zu legaler Software welche leistbar ist. Hier muss die Schule größtenteils für sich entscheiden, welche Software eingesetzt wird, und wie der entsprechende Nutzungsvertrag mit dem Anbieter aussieht. Dabei muss sich natürlich jede Schule für sich die Frage stellen, welche Software für den Unterricht ausgewählt wird. Die Entscheidung, ob dabei immer ausschließlich der Marktführer verwendet wird, hängt von der Schulleitung ab. Die Empfehlung der ARGE- Informations- technologien geht dahingehend, dass nicht Softwareprogramme unterrichtet werden, 4

5 sondern Funktionalitäten. Viele Standardfunktionalitäten werden auch von alternativen Produkten angeboten, die weniger kosten oder frei sind. Eine wesentliche Aufgabe der Schule ist in diesem Zusammenhang auch die Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler auf dem Gebiet der Softwarelizenzen. Welche gibt es, was bedeutet es, wenn Software illegal verwendet wird. Welche Konsequenzen kann der Einsatz von illegaler Software für den Nutzer haben, welche für den Entwickler? Es sei darauf hingewiesen, dass das BMUKK viele Lizenzverträge mit namhaften Firmen abgeschlossen hat. Auf können diese gefunden werden. 5

6 Gewinne durch den Einsatz von Notebooks bzw. Tablets Den aufgezählten Herausforderungen, welche alle Lösbar sind, stehen natürlich vor allem die Vorteile und Gewinne durch den Einsatz von neuen Technologien im Unterricht im Vordergrund. 1. Schülerinnen und Schüler lernen mit neuen Technologien, Notebooks, Tablets umzugehen und diese als sinnvolle Arbeitsgeräte einzusetzen 2. Schülerinnen und Schüler lernen mit den aktuellen vernetzten Medien umzugehen, im Internet zu recherchieren, und Informationen im Internet auf ihren Wahrheitswert zu überprüfen 3. Schülerinnen und Schüler lernen Verantwortungsbewusstsein für ihre Geräte und achtsam damit zumzugehen 4. Schülerinnen und Schüler lernen professionell mit aktuellen Softwareprodukten zu arbeiten und können für ihre Bedürfnisse die entsprechenden Softwareprodukte auszuwählen 5. Schülerinnen und Schüler bekommen ein Gefühl für Software und Softwarelizenzen 6. Schülerinnen und Schüler lernen gemeinsam an Dokumenten arbeiten, verwenden aktuelle Programme, welche es ermöglichen in Teams zu arbeiten 7. Schülerinnen und Schüler lernen am praktischen Beispiel des eigenen Rechners die Bedeutung von Backups kennen 8. Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit alternative Betriebssysteme und Programme kennenzulernen 9. Schülerinnen und Schüler können aktuelle elearning Produkte verwenden und nutzen diese auch für das persönliche Lernen 10. Last but not Least: Spaß und Freude 6

7 Zeitungsartikel: Hirnforscher: Mensch nicht zum Multitasking geschaffen zum Thema Umgang mit digitalen Medien Quelle: derstandard vom (APA) Neurobiologe Korte referiert bei Alpbacher Technologiegesprächen über die Auswirkung von Internetnutzung auf das Gehirn und "die Zukunft des Lernens in der digitalen Welt" Alpbach/Wien - Das menschliche Gehirn ist nicht zum Multitasking geschaffen. Genau dazu verleiten aber Computer, Smartphones und Tablets mit den digitalen Medien - und das hat konkrete Auswirkungen auf das Gehirn, meint der deutsche Hirnforscher Martin Korte. Die Folgen sind hohe Fehleranfälligkeit, kurze Konzentrationsspannen und Sucht nach schneller Befriedigung von Bedürfnissen. Schuld daran seien aber nicht die Neuen Medien selbst, sondern der Umgang damit. "Wir müssen lernen, Neue Medien optimal zu nutzen", sagte Korte. In einem Vortrag bei den Alpbacher Technologiegesprächen erklärt er am Freitag, wie in der digitalen Welt die Zukunft des Lernens aussehen könnte. "Die Herausforderung des Lernens wird sein, wie man das Erhaltenswerte und Vernünftige an unserem Bildungssystem - etwa einen Bildungskanon als Plattform des gemeinsamen Wissens - erhalten und darüber hinaus die Möglichkeiten schaffen kann, Schüler und Studenten auch ihren Gewohnheiten entsprechend anhand von digitalen Medien lernen zu lassen", glaubt der Neurobiologe von der Technischen Universität Braunschweig. Dazu müssten Schüler und Studenten allerdings auch darin geschult werden, wie man am effektivsten mit den Neuen Medien lernt: "Dieses Wissen kommt nicht von selber." Einfluss von Internetnutzung Intensive Internetnutzung beeinflusst bestimmte Stirnlappengebiete der Großhirnrinde, vor allem den dorso- lateralen präfrontalen Cortex, der mit Konzentration, Problemlösungsstrategien, Erkennen und Kontrolle von Emotionen und dem Treffen von Entscheidungen in Verbindung gebracht wird. Die positive Folge: Analytische Fähigkeiten, die Geschwindigkeit bei der Bildverarbeitung im Gehirn und die Leistung, mehrere Aufgaben praktisch gleichzeitig auszuführen, werden gefördert. Je mehr verschiedene Tätigkeiten man allerdings gleichzeitig ausübt, umso mehr wird Informationsverarbeitung zu einer Last. "Die Gehirnressourcen werden vom Informationsmüll aufgefressen", so Korte. Die größte kognitive Bremse ist dabei laut Korte heute für viele Menschen, dass sie während einer Tätigkeit ständig durch Gedanken an andere, vor allem digital inszenierte Tätigkeiten (E- Mail, Soziale Netzwerke etc.) abgelenkt werden. Arbeit genau strukturieren Um diese drohenden negativen Konsequenzen zu verringern, müsse der Einsatz Neuer Medien effizienter gestaltet werden, betont Korte. Der Nutzer solle nicht der Versuchung erliegen, viele Dinge gleichzeitig zu erledigen, "weil wir einfach nicht gut darin sind, Dinge parallel abzuarbeiten". Man müsse seine Arbeit sehr genau strukturieren und festlegen, wann man etwa konzentriert an einem Problem arbeiten will - immerhin brauche das Gehirn nach jeder Unterbrechung 15 Minuten, um sich wieder in den Stoff einzuarbeiten. Deshalb sollten Studenten oder Schüler immer ein Fach nach dem anderen zu erledigen. Auch Soziale Netzwerke und Mails sollten in der Konzentrationsphase Tabu sein, da durch das Abschweifen permanent Ressourcen des Arbeitsgedächtnisses geteilt und damit von der ursprünglichen Aufgabe abgezogen werden. Das bedeutet aber nicht, dass sich Lernende aus Kortes Sicht generell von den Neuen Medien abschotten sollen. Immerhin hätten internetbasierte Lernformen viele Vorteile, etwa für das Fremdsprachenlernen, da sie sehr individuell auf den Lernenden eingehen und sich an sein Tempo anpassen. Dass Schüler und Studenten mit digitalen Medien eigenständiges, selbstmotiviertes und selbstgesteuertes Lernen leisten können, müssten künftig Lehrer stärker berücksichtigen: "Man muss sie an diesen Lernprozessen mit den Techniken, die sie verwenden wollen, auch viel stärker teilnehmen lassen", so der Hirnforscher. Bedürfnis nach Lernen in einer Gruppe Reines E- Learning ist aus seiner Sicht allerdings keine Option, da es Teilnehmern dabei extrem schwer falle, die Motivation beizubehalten. Der Grund ist laut Korte das Bedürfnis nach Lernen in einer Gruppe. "Wenn wir neue Erfahrungen machen, sind wir auch eher bereit, Neues abzuspeichern und das neu Gelernte ist auch länger abrufbar, weil die Fakten in Erlebnisse eingebunden sind." Eine weitere Herausforderung wird laut Korte auch der Erhalt eines Bildungskanons sein: "Man sieht mit bildgebenden Verfahren, dass ein heute Zwanzigjähriger selbst nach simplen Fakten gar nicht mehr in seinem Gehirn sucht, sondern nach der Suchstrategie, wie er es herausfinden kann." Die negativen Folgen: Die Suche im Internet dauere länger, Quellen müssten gesichtet und nach Qualität selektiert werden und kritisches Hinterfragen sei ohne Wissen schwierig. 7

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