Die Berliner Schule in einer digitalen Gesellschaft

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1 Die Berliner Schule in einer digitalen Gesellschaft Wie sieht sie aus, die Schule von morgen? - Projektskizze - Nikolai Neufert Berlin, August 2012

2 1. Perspektive: Die Schule von morgen? Wie die Schule von morgen aussehen soll, das erfahren wir auch nicht aus der veröffentlichten Literatur zumindest nicht verlässlich. Da sprechen die Einen von der Euphorie technophiler Web-2.0-Anhänger und fordern zuerst die Schaffung von Voraussetzungen bei den Lehrenden und Lernenden, um die Digitalen Medien sinnvoll und effizient in der Bildung einsetzen zu können. Anderen kann es nicht schnell genug gehen, sie verfassen medienpädagogische Erklärungen und Manifeste und sammeln um sich eine Schar von Unterstützern. Alle sind sich einig, dass im Bereich des Einsatzes der Digitalen Medien im Bildungsbereich etwas geschehen muss leider ist man sich nicht einig darin, was geschehen soll, wie es geschehen soll und wer die Kosten trägt. Aber lassen wir uns nicht abschrecken, entwerfen wir die Schule von morgen vor dem Hintergrund der uns bekannten Ergebnisse, Erkenntnisse, veröffentlichten Meinungen und bereits von Anderen durchgeführten Untersuchungen. Entwerfen wir eine Schule für die Menschen in der Informations- und Wissensgesellschaft als ersten Schritt und vergessen wir dabei nicht jene, die außerhalb von Schule, außerhalb ihrer beruflichen Fortbildung und die vielleicht auch nach Erreichen der Altersgrenze noch bereit sind, Neues für sich intellektuell zu erschließen. Life long learning das sollten wir ernst nehmen. Dafür bedarf es natürlich einer konkreten, konzeptionellen Basis. Die gibt es bereits, den eeducation Berlin Masterplan, und der ist erfolgreich, sagen die Betroffenen. 2. Ein Masterplan 3.0 für die Schule von morgen Im März 2012 fand auf Bitte des Verfassers die Erhebung des IT-Bestands an den öffentlichen Berliner Schulen durch den Statistikbereich der Senatsbildungsverwaltung statt. Der Verfasser hatte den Statistikbereich auch noch gebeten, die Schulen zu ihrer Einstellung gegenüber dem eeducation Berlin Masterplan zu befragen. Ergänzend war den Schulen Ziel und Zweck dieser zusätzlichen Befragung mitgeteilt worden: Grundlage für den unterrichtlichen IT-Einsatz ist der eeducation Berlin Masterplan (www.masterplan.be.schule.de). Für die weiteren Planungen benötigen wir Ihre Einschätzung als Schulleiter/in über die bisherige Wirkung des Masterplans. An der Befragung nahmen 554 der 650 öffentlichen allgemein bildenden Berliner Schulen teil, das entspricht einer prozentualen Beteiligung von 85,2%. Da die Befragung im Zusammenhang mit der Erhebung des IT-Bestandes an den Schulen (unterrichtlicher Einsatz) erfolgte, wurde mit Fragen zur IT-Ausstattung begonnen. Frage 1.1 Die bisherige Unterstützung der Schule bei der Ausstattung mit Computern, Notebooks, Whiteboards (usw.) beurteilen Sie als... sehr gut gut zufriedenstellend unzureichend 8,8% 29,4% 35,4% 26,4% Seite 2 von 15

3 Mit einer positiven Wertung von 73,6% ist das Ergebnis weitgehend zufriedenstellend. Da mit der nächsten Frage die Einschätzung des erforderlichen, weiteren IT-Ausstattungsbedarfes ermittelt werden sollte, ging der Verfasser bei der ersten Durchsicht davon aus, dass dies nicht mehr als die 26,4% der Schulen, die die bisherige Unterstützung bei der IT-Ausstattung durch den Masterplan als unzureichend bewertet hatten, umfassen würde. Das war ein Irrtum. Frage 1.2 Besteht ein weiterer Ausstattungsbedarf an Computern, Notebooks, Whiteboards (usw.)? Ja Nein 97,3% 2,7% Dieses Ergebnis war in der Tat sowohl verblüffend, als auch außerordentlich erfreulich. Die Zahl von 97,3% belegt die Vermutung, dass das Interesse der Kollegien an den Digitalen Medien erheblich gewachsen ist. Immer wieder wird kolportiert, der Einsatz des Computers, zumal im Unterricht, würde die Lernergebnisse eher schmälern, als sie zu befördern. Allerdings bleiben diese Behauptungen stets ohne Beweis. Mit der nächsten Frage sollte die Einschätzung der Schulen ermittelt werden und das Ergebnis war sehr erfreulich. Frage 2 Die Lernergebnisse an meiner Schule wurden durch den IT-Einsatz... besser gleich schlechter 71,8% 28,2% 0,0% Neben einer festgestellten Verbesserung der Lernergebnisse durch den Einsatz der Digitalen Medien von 71,8% scheint dem Verfasser der Wert als Antwort auf die Frage, ob sich die Lernergebnisse durch den Einsatz von IT verschlechtert hätten, am wichtigsten zu sein. Diese Aussage wurde von den Schulen nicht in einem einzigen Fall bestätigt. Bei den nächsten beiden Fragen ging es um eine Einschätzung der Befragten, ob und wenn ja, in welchem Umfang bei der Umsetzung des Masterplans auch die Entwicklung von Medienkompetenz sowohl bei Lehrenden, als auch bei den Lernenden gestärkt und damit verbessert werden konnte. Frage 3 Durch die Umsetzung des Masterplans an meiner Schule konnte im Bereich der Medienkompetenz bei den Lehrer/innen und den Schüler/innen folgendes beobachtet werden: Seite 3 von 15

4 Frage 3.1: Die Medienkompetenz der Lehrer/innen... verbesserte sich verbesserte sich nicht 89,5% 10,5% Frage 3.2: Die Medienkompetenz der Schüler/innen... verbesserte sich verbesserte sich nicht 93,7% 6,3% Da sich dieses Ergebnis, wie in der Frage formuliert, auf die Beobachtung an der eigenen Schule stützt, erscheinen die Zahlen als glaubhaft. Den Schulen war wiederholt mitgeteilt worden, was seitens der Senatsbildungsverwaltung unter Medienkompetenz zu verstehen sei, sowohl im Zusammenhang mit der Beschreibung der Masterplan-Medienprojekte, als auch bei den Einladungen der Schulen zur Teilnahme an Masterplanaktionen zuletzt bei der Einladung der Schulen zur Masterplan-Aktion Werden Sie Berliner Schule 2.0. Die positive Selbstdiagnose der Lehrerinnen und Lehrer mit einer festgestellten Verbesserung der eigenen Medienkompetenz bei 89,5% der Befragten ist beeindruckend. Der Wert der durch Beobachtung festgestellten Verbesserung der Medienkompetenz bei den Lernenden von 93,7% übersteigt den im Zusammenhang mit der Auswertung des Anteils der Unterstützung der Entwicklung von Medienkompetenz durch die Masterplan-Medienprojekte etwinning, Roberta, Internet-Seepferdchen und Lernraum Berlin gemittelten Wert von 84,2% um 9,5%. Damit kann festgestellt werden, dass auch aus Sicht der Schulen der eeducation Berlin Masterplan einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung von Medienkompetenz sowohl bei den Lehrenden, als auch bei den Lernenden geleistet hat. Da vor der Durchführung dieser Befragung die positiven Ergebnisse nicht vorhersehbar waren zumal in dieser Höhe wurde abschließend gefragt, ob der Masterplan künftig überhaupt noch notwendig sei. Hier das Ergebnis: Frage 4 Das integrierte Konzept des Masterplans mit seinen kostenfreien Angeboten für IT-Ausstattung, Vernetzung, Lehrerfortbildung und Projektunterstützung beurteile ich als... hilfreich und notwendig überflüssig 96,6% 3,4% Dieses Ergebnis muss nicht kommentiert werden. Bei der Auswertung der Befragung der Peers hatten 86,2% der Befragten angegeben, dass sich das integrierte Konzept des Masterplans bewährt habe. Die Frage, ob es erforderlich sei, auch weiterhin Mittel und Ressourcen einzuwerben, um den Masterplan weiter zu entwickeln und auch in den nächsten Jahren weiterhin umzusetzen, hatten alle Befragten (100%) bejaht. Der obige Wert liegt mit 96,6% nur geringfügig darunter. Seite 4 von 15

5 Der Auftrag heißt also: Weiter mit der erfolgreichen Umsetzung des eeducation Berlin Masterplan, aber: Fort- und Weiterentwicklung dieses Erfolgsmodells aus dem Jahre 2004 noch in 2012 zum eeducation Berlin Masterplan 3.0 für eine Schule von morgen. 3. Der Weg zur Schule von morgen Deshalb: Fangen wir an, mit der Schule von morgen, skizzieren wir die Voraussetzungen und rechnen wir anschließend nach, was uns das Ganze kosten wird. Eines ist jedoch jetzt schon klar: Zum Nulltarif werden wir die Schule von morgen nicht bekommen, und sofern es sich um Schülerinnen und Schüler handelt die Eltern in die Finanzierung von Hardware einzubinden, das ließe sich ernsthaft nur erörtern, wenn sich die Anschaffungskosten deutlich unterhalb der Marke befänden. Alle anderen Möglichkeiten wie elternfinanzierte Notebooks zum Stückpreis von z. T. mehr als würden zur sozialen Ausgrenzung und dadurch zu Schieflagen in unserer Gesellschaft führen und sollten, so die Überzeugung des Verfassers, auch nicht ernsthaft diskutiert werden. Rolf Wernstedt stellt in seiner Einführung zu einer Veröffentlichung der Friedrich-Ebert-Stiftung 1 zutreffend und zugleich ernüchternd fest, dass sich die Hoffnung der Finanzminister wohl auf mehr Geld zerschlagen hätte. Die landespolitischen Bildungsdebatten würden von den Konflikten um Lehrereinstellungen beherrscht. Nicht die fehlenden Computer, sondern fehlende Lehrerinnen und Lehrer trieben die Menschen zu Demonstrationen auf die Straßen. Und er resümiert: Es ist sehr auffällig, dass über die didaktischen Probleme, über die Chancen und Risiken von Medien in Bildungseinrichtungen weniger systematisch geredet wird. Euphorische Auffassungen stehen weiterhin eher kulturskeptischen Einstellungen gegenüber. Dabei gehe es heute um elearning, virtuelle Simulationsräume, Second-Life-Lernen, gamebasiertes Lernen, computergestütztes Konstruieren und Messen in der beruflichen Bildung. Wolf-Rüdiger Wagner fokussiert auf ein weiteres Problem 2. Wer für sich in Anspruch nähme, nicht an der Technik, sondern am pädagogischen Mehrwert der Technik interessiert zu sein, der dürfe sich nicht auf die Diskussion von Konzepten beschränken. Vielmehr müsse er gleichzeitig Aussagen über den zu ihrer Realisierung notwendigen Grad der Ausstattung treffen. Systematisches Lernen mit neuen Medien sei nicht über Computerarbeitsräume oder Medienecken zu erreichen. Das Arbeitsmittel Computer müsse den Schülerinnen und Schülern individuell und jederzeit zur Verfügung stehen. Aus seiner damaligen Sicht (2003) war das das Notebook. Was die Finanzierung anbelangt, so weist er darauf hin, dass sich die Frage nach der individuellen Bereitstellung solcher Geräte spätestens dann stelle, wenn in den Schulen der Zeitpunkt der Ersatzbeschaffungen für die technische Infrastruktur ansteht. 1 Wernstedt, Rolf: 10 Punkte: Neue Medien in der Bildung. Einführung. In: Wernstedt, Rolf; Marei, John-Ohnesorg (Hrsg.): Neue Medien in der Bildung Lernformen der Zukunft. Dokumentation der Konferenz des Netz-werk Bildung vom 5. und 6. Mai Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2008, S Vgl. dazu Wagner, Wolf-Rüdiger: Neues Lernen ohne neue Medien? Es führt kein Weg am Notebook vorbei. In: Computer + Unterricht, Nr. 50. Seelze: Erhard Friedrich Verlag, 2003, S. 14. Seite 5 von 15

6 Michael Töpel 3 entwickelt sogar eine Vision für das Jahr Bereits im Jahre 2010 würde jeder Lernende so seine Vision im Jahre 2003 über eine Hardware, die er überall also ubiquitär 4 und zu jeder Zeit als eine persönliche Lern- und Arbeitsumgebung auf der jeweils am Lernort vorhandenen Peripherie einsetzen und benutzen könne, verfügen. Allerdings geht er, bezogen auf die Hardware, von einem Persönlichen Digitalen Assistenten, man könnte auch sagen: von einem PDA, aus, der nicht größer sei, als ein Handy. Es würde bei jungen Leuten sehr beliebt sein, auch als Statussymbol und müsse im Preis erschwinglich sein. Die Kosten für das Gerät müssten die Eltern tragen, der Staat würde für eine Toolbox namens LAssi (Learner s Assistant) und die schulische Infrastruktur sowie für den sozialen Ausgleich bei der Beschaffung der PDAs sorgen. Lerninhalte stünden, vom Staat finanziert, zum freien Download im Netz. Manfred Kresse 5 formuliert einige Jahre später seine Vorstellungen eines individuell verfügbaren digitalen Assistenten. Man solle die private Anschaffung des Uni-Notebooks auf die Sekundarstufe II vorziehen. Dazu wären nur wenige Anstrengungen nötig. Für die Klassenstufen 7 bis 9 oder gar 5 6 wären aufwändige organisatorische Maßnahmen erforderlich, um private Hardware konzeptionell innerhalb des Unterrichts nutzbar zu machen. Von der Hardware fordert er Geräte mit Tastatur, die das Schreiben mit allen 10 Fingern ermöglichen müssen. Somit schieden, so seine Feststellung, PDAs und Tablet-PCs aus. Im 2. Zwischenbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages wird die zentrale Lösung gleich auf der Seite 4 formuliert. Im Text heißt es dort: Der Lösungsvorschlag der Enquete-Kommission ist ein ganz zentraler Punkt: Es sollen nicht mehr die Schulen, sondern die Schüler ausgestattet werden. Jede Schülerin und jeder Schüler soll einen eigenen Laptop oder einen eigenen Tablet-PC bekommen preisgünstig produziert in großen Losen und unterstützt durch staatliche Mittel. Wenn erst jeder Schüler seinen (Lern-)Computer mit in den Unterricht bringt, werden alle Beteiligten dazu gezwungen sein, sich mit dem Internet auseinander zu setzen. Und so die Bildungschancen des Netzes fächerübergreifend zu nutzen. 6 Dazu setzen wir noch die Forderung des BITKOM 7, des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, die Schülerinnen und Schüler sollen verstärkt mit Laptops und Tablet-PCs arbeiten, statt in separaten Computerräumen. Hinzu kommt hier allerdings die Forderung, die Schulen auch verstärkt mit Interactive Whiteboards auszustatten. Gibt es sie denn schon, solche Medienschulen, solche Schulen von morgen? Außerhalb Deutschlands ist man auf dem besten Wege dahin. Offenbar setzt man im Ausland eher auf tatkräftiges Handeln, zum Nutzen des eigenen Gemeinwesens, statt, wie in Deutschland, auf die 3 Vgl. dazu Töpel, Michael: Szenario Lernen 2010 Notebooks: Der erste Schritt zum Persönlichen Digitalen Assistenten. In: Computer + Unterricht, Nr. 50. Seelze: Erhard Friedrich Verlag, 2003, S Vgl. Schulmeister, Rolf: Gibt es eine»net Generation«? Work in Progress. Hamburg, 2008, Vorbemerkungen. Im Netz unter 5 Vgl. dazu Kresse, Manfred: Private Hardware im Unterricht. In: Computer + Unterricht, Nr. 81. Seelze: Erhard Friedrich Verlag, 2011, S Deutscher Bundestag (Hrsg.): Zweiter Zwischenbericht der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft Medienkompetenz. Drucksache 17/7286, , 17. Wahlperiode, S Vgl. Computer im Unterricht sind die Ausnahme. In: LOG IN, Nr Berlin: LOG IN Verlag, 2010, S Seite 6 von 15

7 Diskussionen und Bedenken, wie sie Rolf Wernstedt beschrieben hat. Wir sollten uns einmal diese gespenstische Situation in Deutschland vergegenwärtigen. Wir leben hier offensichtlich in Absurdistan. Die Welt in der wir leben ist vollständig digitalisiert. Das fängt beim Handy an, geht über das eigene Auto, das Fernsehen (DVB-T heißt nämlich Digital Video Broadcast - Terrestrial ), die Medizin (wer möchte auf den Computertomographen verzichten) bis hin in die Wirtschaft. Wenn Politik, Wissenschaft, Industrie und Handwerk feststellen, dass eine angemessene Teilhabe an unserer demokratisch verfassten Gesellschaft nur möglich ist, wenn man sich der Kommunikationsmöglichkeiten der (digitalen) Informations- und Wissensgesellschaft kompetent bedient 8 9, dann müsste eigentlich Einigkeit darin bestehen, diese Selbstverständlichkeit in allen Bereich gesellschaftlichen Lebens als das hinzunehmen, was sie ist eben selbstverständlich denn wir leben tatsächlich bereits in Digitalien. Das ist aber leider nicht der Fall. In unserer digitalen Welt, unserem Land Digitalien, gibt es nämlich Enklaven, die verbissen verteidigt werden. Es lebe Analogien!, wird da lauthals gerufen. Weg mit diesem modernen Kram, zurück zu den Wurzeln! Nun wäre das nicht weiter tragisch, wenn es sich bei diesen Enklaven nicht gerade um jene Einrichtungen handeln würde, in denen gutbezahlte Hochschulabsolventen die gesellschaftliche Aufgabe übertragen bekommen haben, die nächste Generation auf die Welt von morgen und übermorgen vorzubereiten, sie also zukunftsfähig zu machen. Zur Zukunftsfähigkeit der Lernenden gehört dann aber auch die Fähigkeit, sich selbst in die Erwerbskette einflechten zu können, um nicht auf staatliche Transferleistungen angewiesen zu sein. Pikant ist dabei auch die Tatsache, dass Kritik in Deutschland gern aus gerade diesem Bereich zu hören ist, denn erhalten nicht auch öffentlich bedienstete Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen staatliche Transferleistungen, sowohl in Form ihres Gehalt als auch für den Betrieb ihres Instituts? Zum Glück wird aber nicht an allen rd deutschen Schulen derart rückwärts gewandt gedacht. Das übrige Europa, aber auch die übrige Welt, machen uns vor, wie es besser geht: In der spanischen Region Galizien wurde vom Staat gemeinsam mit Intel das Projekt Abalar umgesetzt. Im letzten Jahr (2011) wurden Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse mit Notebooks ausgestattet. Aktuell hat das Baskenland Notebooks für die Schulen gekauft. 10 In Polen gibt es u. a. das mehrstufig aufgebaute Projekt Digital School". Die Polish Chamber of Information Technology and Telecommunications hat dazu eine umfangreiche IT-Infrastrukturdefinition erstellt. Es gibt dort offenbar demnächst auch freie Unterrichtsmaterialien, wie der 8 Vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Zweiter Zwischenbericht der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft Medienkompetenz. Drucksache 17/7286, , 17. Wahlperiode. 9 Vgl. Deutscher Bundestag (Hrsg.): Digitale Spaltung überwinden Eine Informationsgesellschaft für alle schaffen. Deutscher Bundestag. Drucksache 14/6374, , 14. Wahlperiode. 10 Quelle: Intel-Publikation The ABALAR Projekt, transforming Galician education / eskola 2.0 Digital classrooms for the 21 st century Seite 7 von 15

8 nachfolgenden Mitteilung 11 zu entnehmen ist. Abb. 1: Information über polnische Bildungsplanung (Screenshot/Auszug) Auch die Türkei 12 ist auf dem Gebiet innovativer Bildung aktiv, wie der nachfolgenden Mitteilung zu entnehmen ist. Abb. 2: Information über das türkische Fatih -Projekt (Screenshot/Auszug) 11 Im Netz unter 12 Im Netz unter Seite 8 von 15

9 Die Zukunftsstudie des Münchner Kreises sieht nach ihrem nationalen IT-Gipfel im letzten Jahr (2011) die Zukunft für Deutschland nicht ganz so optimistisch. Im Kapitel I Lernen und Wissen. Das digitale Schulbuch 13 wird bezogen auf das Zukunftsbild Deutschland ausgeführt: Das Bedürfnis nach Lernen, Verstehen und Wissen nimmt eine eher nachgeordnete Platzierung hinter den physiologischen, sicherheitsrelevanten, individuellen und gesellschaftlichen Aspekten ein. Gleichwohl ist der Lernen-Wissen-Komplex ein elementares Grundbedürfnis, dessen Bedeutung auf dem Weg zur Wissensgesellschaft nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.... Prognosen von Experten besagen, dass bis 2019 jeder Schüler als elementaren Bestandteil des Unterrichts ein elektronisches Endgerät nutzt und die permanente Nutzung von IKT-Infrastruktur an Schulen selbstverständlich ist (vgl. Internationale Delphi-Studie 2030). Interaktive Bedien- und Kommunikationsfunktionen der eingesetzten Lernmedien werden künftig unterschiedliche kognitive Fähigkeiten und Lerngeschwindigkeiten durch den Spaß am Lernen fördern und den Lernerfolg nachhaltig sichern. Das Zukunftsbild zum digitalen Schulbuch illustriert eine mögliche Vision zukünftiger Schulbücher. Zurück zu der eingangs gestellten Frage, ob es eine solche Medienschule bereits gäbe. Die Antwort lautet: JA, weitere Informationen dazu bekommen wir aus Korea 14 : Abb. 3a: Information über einen koreanischen Modellversuch (Screenshot/Auszug) 13 Münchner Kreis e. V. (Hrsg.): Zukunftsbilder der digitalen Welt. Nutzerperspektiven im internationalen Vergleich. Berlin, 2011, S Studie m Netz zum Download unter 14 Im Netz unter Seite 9 von 15

10 An den Schulen werden nicht nur Notebooks eingesetzt, sondern auch Interactive Whiteboards : Abb. 3b: Information über einen koreanischen Modellversuch (Screenshot/Auszug) Im Artikel dazu heißt es unter der Überschrift 2015 sollen die Stifte komplett verschwinden u. a.: Zusammen mit rund 30 Mitschülern sitzen die zwei in der südkoreanischen Stadt Incheon in einem der ersten voll digitalen Klassenräume der Sukjung Mittelschule. Die Schule ist eine von rund 300 im ganzen Land, in der die Zukunft des Lernens und Lehrens ausprobiert wird. Bis 2015 sollen alle gut südkoreanischen Schulen "digitalisiert" werden, so ist der ehrgeizige Plan. 2,5 Milliarden Dollar lässt sich Korea die Umstellung kosten. "Smart Education" nennen die Koreaner das. Und dafür müssen aus normalen Schulen "Smart Schools" werden. Wie in der Modellklasse in Incheon, sollen Papier und herkömmliche Stifte bis 2015 komplett verschwinden. Die Einzige, die im digitalen Klassenraum noch einen Stift benutzt, ist Lehrerin Yeo Mi-jung. Damit schreibt sie auf die Whiteboards links und rechts der digitalen Tafel. Noch, denn das auch nur so lange, bis sie sich an das Schreiben mit dem Finger auf der digitalen Tafel gewöhnt hat. Auch Yeo Mi-jung ist wie ihre Schüler noch in der Erprobungsphase. Seit März dieses Jahres unterrichtet die Englischlehrerin digital. Ob die Notebooks dabei in das Eigentum der Schülerinnen und Schüler übergehen, wird nicht Seite 10 von 15

11 deutlich, ist aber für die hier gezeigten Anstrengungen Koreas für eine Smart Education eher ohne Belang. Aber: so könnte die Schule von morgen aussehen auch in Deutschland. 4. Wie sieht sie aus die Schule von morgen? Den Leser wird, je nach Vorkenntnisstand und eigenem Standpunkt, die Tatsache empören, verwundern oder beruhigen, dass beim Design einer Schule von morgen mit der technischen Infrastruktur und den dabei entstehenden Kosten begonnen wird. Das kann gar nicht anders sein, denn so, wie ich keine Reise antreten kann, wenn mir kein geeignetes Verkehrsmittel zur Verfügung steht, kann ich die Schule auch nicht in das digitale Zeitalter führen, ohne, dass die erforderlichen Digitalen Medien dafür zur Verfügung stehen. Autofahren zu lernen ohne Auto, Fahrradfahren zu lernen ohne Rad, Kochen lernen zu wollen ohne Küche und Zutaten, Schwimmen lernen zu wollen ohne Wasser, die Welt der Digitalen Medien kennenlernen zu wollen ohne Digitale Medien das geht nicht. Das muss eigentlich auch Jedem einleuchten wobei sicher ist sich der Verfasser nicht. 4.1 Die technische Infrastruktur für das Lernen in der Schule von morgen Also: Fassen wir einmal zusammen: Die Schule von morgen verzichtet auf - Computerfachräume - Medieninseln - einen zentralen Server Die schulische Infrastruktur besteht künftig (nur noch) aus: - einem Interactive Whiteboard in jedem Unterrichtsraum - der telekommunikativen Anbindung der noch vorhandenen Computer direkt über das Netz - (Lern-)Inhalten in der Cloud - vereinzelt fachspezifischer IT - adressierbaren Druckern (z. B. über WLAN, mit Druckquota) Positive Folgen für den Schulträger: - Der Schulträger stellt für die Infrastruktur in den Schulen (s. o.) lediglich den erforderlichen Internetzugang zur Verfügung. - Die technischen IT-Betreuung ( Wartung ) von stationären Schülerrechnern kann weitgehend minimiert und auf die (restliche) schulische Infrastruktur (s. o.) beschränkt werden. - Der Schulträger hat für die Schülerinnen und Schüler nicht mehr den Status eines Telediensteanbieters und muss nicht mehr bei Missbrauch der Netzzugänge die Verantwortung übernehmen. Positive Folgen für die Schülerinnen und Schüler: - Jeder Schüler, jede Schülerin verfügt über ein eigenes Device, dabei kann es sich um ein Notebook oder einen Tablet-PC handeln. - Die Devices der Schülerinnen und Schüler verfügen über einen eigenen, von der Schule unabhängigen Internetzugang. Seite 11 von 15

12 - Die Schülerinnen und Schüler legen die Daten und Dateien in der Cloud ab, dort finden sie auch die Lernsoftware. Dadurch kann ortsunabhängig gearbeitet werden auch zuhause. 4.2 Die Schule von morgen Finanzierung Am Ende geht es immer um Geld., besagt eine alte Spruchweisheit so auch hier. Für eine erste fiktive Kostenschätzung orientiert sich der Verfasser an den Daten aus dem Land Berlin. Nutzerkreis: Schülerinnen/Schüler an den öffentlichen allgemein bildenden Schulen: ca Kosten/Hardware: Preis pro Notebook/Tablet-PC Version 1: ca. 300 (Ladenpreis, einfaches Notebook, einschl. Versicherung) Version 2: ca. 60 (Billiggerät, z. B. Aakash aus Indien 15, geschätzte Kosten mit Frachtanteil) Kosten/Standardsoftware: Nutzung von freier Software im Netz, keine Kosten Kosten/Lernsoftware: Pro Schüler/pro Jahr: ca. 20 (geschätzt) Telekommunikative Anbindung 16 : Verhandlungssache mit einem Anbieter, Kostenobergrenze für Edu-Tarif : ca. 3 / Monat ( = 36 pro Jahr) Geldquellen: Eltern: Die Eltern sind gem. der Lernmittelverordnung 17 6 zur Zahlung eines Eigenanteils in Höhe von bis zu 100 pro Schüler/in pro Jahr verpflichtet, sofern sie nicht gem. 7 dieser Verordnung davon befreit sind. 15 Im Netz unter 16 Es ist die Absicht des aktuellen Berliner Senats, innerhalb des Berliner S-Bahn-Innenringes einen kostenfreien Zugang zum Internet einzurichten. Dadurch werden sich für Schülerinnen und Schüler, deren Schule sich in diesem Radius befindet (Arbeitsteil: Arbeit im Unterricht) und die auch in diesem Radius wohnen (Arbeitsteil: Arbeiten zuhause) die Verbindungsentgelte erübrigen. Das betrifft nach erster Schätzung zwischen 25% und 35% der Schülerinnen und Schüler. Für eine erste Einschätzung der Kosten reicht diese grobe Schätzung aus, der obige Wert ist daher als Mittelwerst zu verstehen. Morgenpost-Artikel vom zu diesem Thema im Netz unter 17 Vgl. Verordnung über die Lernmittel an allgemein bildenden und beruflichen Schulen (Lernmittelverordnung Lernmittel VO) vom 16. Dezember Seite 12 von 15

13 Senatsbildungsverwaltung (Masterplanmittel): Der Senatsbildungsverwaltung stehen für die Umsetzung des Masterplans aktuell Mittel (Perspektive bis 2014) in folgender Höhe zur Verfügung: : rd. 6 Mio. (bereits verplant) : rd. 6 Mio. (davon bereits verplant: 2 Mio. ) : rd. 6 Mio. (davon bereits verplant: 2 Mio. ) Senatsbildungsverwaltung (Lehrmittel): Der Senat stellt den Berliner Schulträgern Mittel für die Beschaffung von Lehrmitteln in ihren Schulen in folgender Höhe zur Verfügung: : : Diese Mittel können ebenfalls zur Gegenfinanzierung (anteilig) eingesetzt werden. Nachfolgend werden zwei Kalkulationen dargestellt, die wie bereits erwähnt bei den Kosten für die Hardware, die Lernsoftware und die telekommunikative Anbindung von fiktiven Zahlen ausgehen. Es wird davon ausgegangen, dass diese drei Kostenteile mit den von den Eltern zu zahlenden jährlichen Lernmittelpauschalen gegengerechnet werden können. 33% der Berliner Schülerinnen und Schüler sind von der Lernmittelzuzahlung befreit, diese Kosten muss der Staat übernehmen. Die erste Tabelle (Tabelle 1) zeigt die einmaligen Kosten für die Beschaffung der Hardware. Dabei wird von einer Standzeit von drei Jahren ausgegangen. Die Kosten verteilen sich also auf ein Drittel (der Beschaffungskosten) pro Jahr. Tabelle 1 Beschaffung/Hardware (einmalige Kosten, für 3 Jahre) Version Einzelpreis Anzahl Summe Standzeit: 3 Jahre Kosten pro Jahr Version 1 300, Version 2 60, Version Kosten Lernmittelbefreiung Kosten (Staat) Kosten pro Jahr Anteilige Standzeit: 3 Jahre (gesamt) Version % Version % Für den Staat ergäbe sich durch die Anzahl der von der Lernmittelzuzahlung befreiten Schülerinnen und Schüler bei der Hardwarebeschaffung ein jährliches Kostenvolumen von 1,98 Mio., sofern von dem Billiggerät ausgegangen wird. Diese Kosten liegen, wie später gezeigt wird, noch unterhalb der aufzubringenden Kosten für die von der Lernmittelzuzahlung befreiten Schülerinnen und Schüler. In der nächsten Tabelle (Tabelle 2) werden die fiktiven laufenden Kosten pro Jahr dargestellt. Diese Kosten werden, sofern die Schülerinnen und Schüler nicht von der Lernmittelzuzahlung befreit sind, mit dieser Zuzahlung gegengerechnet. Seite 13 von 15

14 Tabelle 2 laufende Kosten pro Jahr Lernsoftware Internet- (Einzelpreis) Anbindung Anzahl Summe 20,00 36, Lernsoftware Kosten Lernmittelbefreiung anteilige Kosten und Internetanbindung (gesamt) (Staat) % Für den Staat kommen für die Schülerinnen und Schüler, die von der Lernmittelzuzahlung befreit sind, zusätzlich die Kosten für Lernsoftware und Internetanbindung hinzu. Insgesamt ergibt sich für den Staat ein Kostenaufwand von rd. 5,5 Mio.. Allerdings ergibt sich für den Staat keine zusätzliche finanzielle Belastung, da hier die Zuzahlung, die aus dem Landeshaushalt zu erbringen ist, gegengerechnet wird. Um die in der Schule weiterhin sicherzustellende technische Infrastruktur zu finanzieren, müssen die den bezirklichen Schulträgern bereit gestellten Lehrmittel in Höhe von rd. 21 Mio. pro Jahr (s. o.) gem. Schulgesetz von Berlin, 7, Abs. 5, Nr. 2, anteilig eingesetzt werden. Dafür entfalle für den Schulträger die Ersatzbeschaffungen für Computerräume, Medieninseln und Server. Für die Eltern ergibt sich ebenfalls keine zusätzliche finanzielle Belastung, da ihre Zuzahlung gegengerechnet wird, wie die nachfolgende Tabelle zeigt: Finanzierung Kosten pro Jahr (Version 2) Kostenübernahmpauschale Hardware Lernsoftware Internetanb. Lernmittel- abzüglich: Kosten für Bilanz Eltern ,00-20,00-36,00 24,00 Wählt man nun jedoch nicht das preiswerte Gerät (Version 2) sofern es diese fiktive Wahl überhaupt gäbe dann sähen die Zahlen nicht mehr so positiv aus. Finanzierung Kosten pro Jahr (Version 1) Kostenübernahmpauschale Hardware Lernsoftware Internetanb. Lernmittel- abzüglich: Kosten für Bilanz Eltern ,00-20,00-36,00-56,00 Es entstünde ein Fehlbetrag von 56 pro Schüler/in pro Jahr, der in voller Höhe für alle Schülerinnen und Schüler vom Staat übernommen werden müsste. Selbst wenn die zur Verfügung stehenden Masterplan-Mittel und der Lehrmittelétat (anteilig, rd. 31%) genutzt werden, bleibt ein Fehlbetrag von 6 Mio.. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Berechnung: anteilige Kostenübernahme Restfinanzierung Differnzbetrag pro Jahr (Version 1) abzüglich Ausgleich Differenz Summe Masterplanmittel Lehrmittel (anteilig) Summe Seite 14 von 15

15 5. Die Schule von morgen wir sollten es anpacken Die fiktive Berechnung zeigt, dass in Berlin auch auf der Grundlage der vorhandenen Mittel eine Schule von morgen zumindest ansatzweise, falls man nicht die Billigversion wählt, finanzierbar wäre sofern sich die fiktiven Zahlen als realisierbar bzw. als reduzierbar erweisen. Der Verfasser ist zuversichtlich, dass sich hier in den Verhandlungen mit Partnern ein Spielraum ergibt, zumal bei einem Berliner Modell. Die bisherige Erfahrung hat gezeigt, dass durchdachte Konzepte, wie der Masterplan, die erfolgversprechend und letztlich auch erfolgreich sind, wie bewiesen werden konnte, stets Unterstützer finden. Der erste Schritt in diese Richtung wurde bereits gegangen. Am wurden an 10 Berliner Schulen im Rahmen des neuen Masterplan-Projekts Berlin goes mobile in learning 300 eingeworbene Notebooks ausgereicht. Dazu kommen noch in diesem Jahr 90 weitere eingeworbene Notebooks. Diese Notebooks werden zwar nicht individuell an Schülerinnen und Schüler als persönliches Eigentum abgegeben, vielmehr verbleiben sie im Eigentum der Schule (des Landes Berlin), aber sie ermöglichen mobiles Lernen. Zusammengefasst lässt sich feststellen: Die Richtung stimmt, die Industrie ist interessiert und steht bereit. Machen wir die nächsten Schritte gemeinsam dann werden wir sie in Berlin bekommen, die Schule von morgen, schneller als es uns im Augenblick möglich erscheint. Seite 15 von 15

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