Informationen des Projektes SeGeL Selbstgesteuertes Lernen Nr. 2 / Dezember Selbstgesteuerte Entwicklungsprozesse unterstützen

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1 DIE Deutsches Institut für Erwachsenenbildung Selbstgesteuerte Entwicklungsprozesse unterstützen Selbstgesteuertes Lernen ist als Thema in der pädagogischen Diskussion in Wissenschaft und Praxis in aller Munde. Für die einen leben alte Ideale von Mündigkeit und Emanzipation im Sinne eines selbstbestimmten Lernens wieder neu auf, für die anderen geht es um die Verlagerung der öffentlichen Verantwortung für die Weiterbildung auf das Individuum Weiterbildung wird zum individuellen Reproduktionsrisiko, so die Befürchtung. In diesem Spannungsfeld wird das Thema sehr unterschiedlich diskutiert. Einerseits herrscht eine ungekannte Einigkeit zwischen allen beteiligten Akteuren im Bildungssektor. Die Expert/ innenbefragung im Bildungs-Delphi machte deutlich, dass die Kompetenzen für es Lernen derzeit noch zu wenig gefördert werden, dass diese Fähigkeit aber unzweifelhaft als zentrale Anforderung an jedes einzelne Mitglied der Wissensgesellschaft noch weiter an Bedeutung gewinnen wird. Andererseits fürchten Institutionen der Erwachsenenbildung um ihre Existenz, wird nach den Motiven für die plötzliche Dominanz des Themas gefragt. Dabei scheint jeder etwas anderes unter em Lernen zu verstehen. Ist es das Lernen außerhalb von Institutionen, ist es die zielgerichtete Auswahl von Bildungsveranstaltungen traditionellen Typs, bestimmen die Lernenden über Ziele und Inhalte von Veranstaltungen oder geht es um das Lernen am Computer oder am Arbeitsplatz? Am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung arbeitet das BMBF-geförderte Projekt SeGeL an der Frage, welche Anforderungen und Veränderungen sich für die institutionelle Weiterbildung die Institutionen, die Lehrenden und die Lernenden in solchen Angeboten ergeben, wenn diese Lernkultur umgesetzt werden soll. Das Thema Die Erfordernis, zu, besteht seit jeher. Immer schon haben sich Menschen neues Wissen, neue Fähigkeiten und Fertigkeiten angeeignet sei es beim Hausbau, im Sport, in Erbschaftsangelegenheiten, bei Krankheiten und Schicksalsschlägen oder bei Reisen. Ebenso verläuft das Lernen am Arbeitsplatz häufig nebenbei und. Neue Aufgaben werden durch learning by doing und die Unterstützung durch Kolleg/ innen bewältigt. Daneben gibt es die Möglichkeit, Fortbildungskurse, Weiterbildungslehrgänge, Seminare oder Workshops zu Themen zu besuchen, zu denen man sich weiterbilden will oder muss. Lehrende haben dabei eine wichtige Funktion: die der Vermittlung des neuen Stoffes oder Wissensgebiets. Ihre Aufgabe als Professionelle ist es hierbei, die Lernziele zu bestimmen, die Lerninhalte und die Lernzeiten festzulegen, die Methoden sowie die Hilfsmittel vorzugeben, die Sozialformen zu bestimmen, die Lernenden zu motivieren und die Lernerfolgskontrolle durchzuführen. Diese Aufgabe wird mit der Diskussion um es Lernen zunehmend in Frage gestellt. Ständiges Lernen ist eine Anforderung an die Individuen in unserer Gesellschaft, und die Erfordernis, diesen Lern- oder Entwicklungsprozess zielgerichtet und zu gestalten, wächst. Herausforderungen in der Arbeitswelt sind ebenso wie Anforderungen im privaten Bereich kaum anders als durch es Lernen zu bewältigen. Für den Einzelnen wird es immer stärker erforderlich, benötigtes Wissen oder notwendige Kompetenzen in einer Verbindung aus selbstorganisiertem Lernen außerhalb von Institutionen und der Nutzung institutioneller Angebote zu erwerben. Die Kompetenz zum en Lernen wird so zu einem Auslesekriterium in unserer Gesellschaft, das zunehmend für alle Menschen Gültigkeit hat. Dies begründet eine Diskussion, in der gefordert wird, dass die Institutionen der Erwachsenenbildung zum einen die Kompetenz zum en Lernen stärker als bisher fördern, zum anderen e Lernprozesse der Individuen flexibler als bisher unterstützen. Diese Forderung wird unterstrichen durch die Situation, dass die individuellen Vorkenntnisse immer heterogener und die angestrebten Ziele immer differenzierter werden. Damit kommt das traditionelle Modell an seine Grenzen. Außer- Zu dieser Ausgabe: Erschienen ist bereits die Projektbeschreibung als Projekt-Info Nr. 1 im Juli vergangenen Jahres. Dort wird ausführlich in die Thematik und die Struktur des Projekts eingeführt. Sie kann im Projektsekretariat angefordert werden. Diese Ausgabe informiert über die bisherigen Aktivitäten und schlaglichtartig über das Thema. Weitere Informationen im Internet unter Inhalt dieser Ausgabe: S. 1: Selbstgesteuerte Entwicklungsprozesse unterstützen S. 3: Selbstgesteuertes Lernen: Chiffre für Innovation S. 4: Expert/innen aus Theorie und Praxis diskutieren zum Thema S. 5: Zwischenbilanzveranstaltung positive Ergebnisse in den Einrichtungen S. 6: Positive Resonanz auf die Fortbildungsmodule S. 7: Literatur des Projekts zum Thema S. 8: Literatur des BMBF zum Thema

2 2 Weisheit ist nicht ein Produkt der Schulbildung, sondern das Resultat des lebenslangen Versuches, sie zu erwerben. Albert Einstein dem wird zunehmend deutlich, dass traditionelles Vorgehen häufig ineffektiv ist. In der Psychologie setzte sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass den Lernenden eine deutlich aktivere Rolle im Lernprozess zukommt, als in hergebrachten Modellen lange Zeit angenommen wurde, und dass aus diesem Grund stärker die individuelle Situation, die jeweiligen Fragestellungen, Voraussetzungen und Kompetenzen der einzelnen Person Berücksichtigung finden müssen. Viele Gründe sprechen also für die Sinnhaftigkeit der (Mit-)Steuerung des Lernprozesses durch die Lernenden und ein stärker individualisiertes Lernen. Die Diskussion birgt allerdings die Gefahr, daß es Lernen als für alle Zusammenhänge beste Methode eingestuft wird. Zunächst müsste hier unterschieden werden, ob die Lernenden wollen oder sollen und ob die Förderung der Kompetenz zum en Lernen tatsächlich ein wichtiges Lehrziel im konkreten Zusammenhang ist. Selbstgesteuert wird nicht selten mit selbstbestimmt gleichgesetzt und dies als uneingeschränkt anzustrebende Lernform verstanden. Dabei wird jedoch vernächlässigt, dass eine Vielzahl von Lernsituationen wenig Selbstbestimmung zulassen. Häufig werden Weiterbildungsmaßnahmen aufgrund äußeren Drucks erforderlich, sind die Lernenden gezwungen, sich neue Inhalte anzueignen. Beachtet werden muss außerdem, dass der Prozess zunächst zeitaufwendig ist und häufig umfangreiche Ressourcen bindet. Schließlich ist zu berücksichtigen, dass es Lernen nicht zwangsläufig den Bedürfnissen der Lernenden entspricht und keinesfalls grundsätzlich zu positiven oder erfolgreichen Lernergebnissen führt. Im Gegenteil kann es Frustrationen bei Lehrenden wie Lernenden auslösen. Außerdem setzt es bestimmte Kompetenzen voraus (siehe hierzu auch Projekt-Info Nr.1). Auf der anderen Seite ist offensichtlich, dass in zahlreichen Feldern ein in dieser Weise individualisiertes Angebot den Anforderungen an den Bildungsprozess weit besser gerecht wird. Hinzu kommt die eingangs formulierte Feststellung, dass die Förderung der Kompetenzen zum en Lernen zu einem immer wichtigeren Bildungsauftrag für die institutionelle Weiterbildung wird. Es ist also im konkreten Einzelfall zu entscheiden, wie weit es sinnvoll und möglich ist, den Lernenden die Steuerung des Lernprozesses stärker zu übertragen etwa durch Projektphasen, aufgabenbezogenes Arbeiten oder die Mitbestimmung über Ablauf, methodisches Vorgehen oder die Inhalte. Dabei geht es nicht um die Frage, den Lernenden entweder das Lernen vorzugeben oder sie damit alleine zu lassen. Die Frage ist vielmehr, wie bestehende Angebote so verändert werden können, dass den Lernenden mehr Selbststeuerungsmöglichkeiten eröffnet werden, und welche zusätzlichen, neuen Angebote sinnvoll erscheinen, um für das individuelle Lernen außerhalb der Institutionen eine hilfreiche Unterstützung zu bieten und die individuellen Bedürfnisse von Teilnehmenden zielgerichteter und adäquater zu befriedigen. Traditionelle Aufgaben der Erwachsenenbildung werden damit nicht abgelöst, sondern ergänzt. Selbstgesteuertes Lernen in einem umfassenden Sinne setzt auch voraus, dass die Lernenden die Möglichkeit haben, auf Wunsch stark durch die Lehrenden gesteuerte Angebote zu besuchen und diese in ihren Gesamt-Lernprozess zu integrieren. Zusätzlich sind aber zeitlich und inhaltlich flexiblere Angebote ebenso erforderlich wie differenzierte Beratungsleistungen. Auswirkungen In einem Lernarrangement, in dem die Teilnehmenden, ändert sich die Rolle der Lehrenden. Sie haben ebenfalls eine Vermittlungsfunktion aber in dem Sinne, dass sie zwischen Inhalten und den Teilnehmenden vermitteln. Sie beantworten nicht mehr Fragen oder halten Vorträge, sondern unterstützen die Lernenden dabei, zunächst selbst Fragen zu entwickeln, und beraten und begleiten sie dann dabei, die Antworten auf ihre Fragen selbst zu finden. Man kann hier von einem stärker aktiven Aneignungsprozess anstelle eines eher passiven Vermittlungsprozesses sprechen. Für die am Bildungsgeschehen Beteiligten entstehen damit bei der Umsetzung en Lernens erhebliche Änderungen. Die Lernenden werden gefordert, in mühsamer Eigentätigkeit Lösungen und Antworten zu suchen und sind in deutlich stärkerem Maße für ihren Lernerfolg oder Misserfolg verantwortlich. Die Lehrenden stehen vor der Aufgabe, sich auf eine Vielzahl von Anforderungen einzustellen, sie verlieren Kontroll- und Einflußssmöglichkeiten und müssen deutlich aufwendigere Vorarbeiten leisten, um die vielfältigen individuellen Lernwege zu ermöglichen und die heterogenen Bedürfnisse zu befriedigen. Dabei wird zuneh-

3 3 mend Beratungskompetenz erforderlich, die zusätzlich erworben werden muss. Die Institutionen kommen damit an organisatorische Grenzen. Flexible Raum- und Zeitplanung, schwerer kalkulierbare Kosten und flexibilisierter Personaleinsatz bedingen organisationale Veränderungen. Insgesamt entsteht die Erfordernis für Lernende, Lehrende und Institutionen, ein neues Selbstverständnis zu entwickeln. Projekt SeGeL Das Projekt SeGeL Selbstgesteuertes Lernen: Serviceleistungen zur Entwicklung einer neuen Lernkultur arbeitet genau an diesen Fragestellungen. Wie können Institutionen der Erwachsenenbildung auf die neu erkannte Anforderung eingehen, wie lässt sich der Veränderungsprozess sukzessive verwirklichen? Das Projekt arbeitet mit mehreren Institutionen unterschiedlicher Trägerschaft zusammen, die sich diesem Prozess stellen und neue Konzepte für ihre Arbeit entwickeln. Dabei sollen Prozesse in den beteiligten Institutionen angeregt werden, die über die Projektlaufzeit hinaus weiterlaufen. Die Ergebnisse der Arbeit werden aufbereitet und für weitere Einrichtungen, die ihr Angebot in dieser Weise erweitern wollen, zur Verfügung gestellt. Selbstgesteuertes Lernen Chiffre für Innovation In der Zusammenarbeit mit den Einrichtungen zeigt sich, dass der Begriff Selbstgesteuertes Lernen zu einer Chiffre für innovative Lernarrangements wird haben die Prozesse in den beteiligten Einrichtungen begonnen. In zwei Einführungsworkshops wurden interessierte Institutionen für das Projekt gewonnen und den individuellen Fragestellungen entsprechend Beratungspersonen vermittelt. In drei Berater/innenworkshops wurde zunächst an einem einheitlichen Verständnis von em Lernen gearbeitet und das Vorgehen für die Beratungstätigkeit festgelegt. In zwei weiteren Workshops wurden die Erfahrungen ausgetauscht, die Prozesse untersucht, weiteres Vorgehen festgelegt und die Fortbildungsmodule abgestimmt. Gestaltungs- Kompetenz neue Formen der Zusammenarbeit Selbstlernzentrum Abb. 1: Vorhaben SGL Chiffre für Innovation Neue Lernaktivitäten SGL Lernwerkstatt Suche nach neuen Wegen In den Einrichtungen wurden im Rahmen der Eingangsberatung zunächst die Potentiale und Entwicklungserfordernisse der Beteiligten eruiert und ein Ziel- und Zeitplan für die jeweiligen Vorhaben entwickelt. Die Fragestellungen Supportstruktur des Beitrag Projekts SeGeL Materialien Überblick Hintergrund, Anregungen Methoden Beratung Klärung Weckung eigener Ressourcen Initiierung von Kommunikation Projektworkshop- Input module Methoden Übungsfeld Austausch mit Anregungen den Anderen Kraft Partnerschaften ggf. Einbindung von Know-how ExpertInnen Bearbeiten von Fragestellungen Evaluation Abb. 2: Supportstruktur der Einrichtungen sind sehr unterschiedlich sie reichen von einem konkreten Seminarkonzept bis zur Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsbereichen. Der Aufbau eines Selbstlernzentrums, die intensivierte Abstimmung der verschiedenen Lehrenden an einem Lehrgang bei Vernetzung der Inhalte, die Entwicklung eines Lernberatungsangebots oder die stärkere Anknüpfung einer Lernwerkstatt an den Ausbildungsbereich eines Trägers sind konkrete Beispiele. Dies zeigt, dass die Bandbreite dessen, was unter em Lernen gefasst wird, au-

4 4 Bildung im nächsten Jahrhundert erfordert vor allem eine intelligente Abwehr unnötiger Informationen. Aus einem Seminar ßerordentlich groß ist. Der Begriff Selbstgesteuertes Lernen kann im Projektkontext als Chiffre für Innovation verstanden werden. Anliegen im Projekt ist es, den beteiligten Institutionen ein auf ihre jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittenes Supportangebot bereitzustellen. In einer ersten Bestandsaufnahme wurden die Rahmenbedingungen und die genauen Vorhaben eruriert, das gemeinsame Vorgehen abgesprochen und abhängig davon der Support festgelegt. Die Begleitung bei der Umsetzung orientierte sich am jeweiligen Bedarf. Es gab unterschiedlich umfangreiche Beratungsangebote, teilweise wurden Workshops in einzelnen Institutionen durchgeführt, teilweise für mehrere Institutionen gemeinsam. Der vom Projekt bereitgestellte Support setzt sich aus unterschiedlichen Bestandteilen zusammen (s. Abb. 2, Seite 3). Die prozesshafte Arbeitsweise ermöglicht für die beteiligten Institutionen eine enge Arbeit an den eigenen Fragen und Zielen der jeweiligen Einrichtung und eine individuelle Unterstützung. Expert/innen aus Theorie und Praxis diskutierten zum Thema In einem Expert/innenworkshop zum Thema mit fünf Vertreter/innen aus Wissenschaft und Praxis (Prof. Faulstich, Dr. Gnahs, Dr. Kraft, B. Krischausky, R. Klein) wurden die Aspekte Lernen, Lernbegriff und Lernende, SGL und pädagogische Qualität, SGL und die wissenschaftliche Debatte, SGL und Lernberatung und SGL aus institutioneller Sicht vorgestellt und diskutiert. Der Workshop wurde von E. Fuchs-Brüninghoff und S. Dietrich moderiert. Mit dem Weg in die Wissensgesellschaft werden die Lernenden zunehmend mit der Forderung nach mehr Eigenverantwortlichkeit und mit Trends zu em Lernen konfrontiert. Die Fähigkeit und Bereitschaft zu eigenverantwortlichem Lernen und Handeln stellt eine wesentliche Voraussetzung für den Erwerb von Kernkompetenzen in der Wissensgesellschaft des Jahres 2020 dar. Lernen Faulstich sieht das Thema Selbstgesteuertes Lernen als sehr wichtig an. Allerdings stellt er fest, dass in der aktuellen Situation oft die historischen Vorläufer von em Lernen in Vergessenheit geraten und die Frage nach einem tragfähigen Lernbegriff nicht hinreichend diskutiert wird. Was ist kennzeichnend für das Lernen in Situationen und Kontexten? Wie werden Handlungsproblematiken zu Lernproblematiken? Welche Bedeutung haben Offenheit und Situativität und wie stellen sich Bedeutungen für den Lernenden her? Welchen Stellenwert haben Intentionalität, Motivation und Interessen? Behavioristische Lernmodelle vernachlässigen diese Fragen weitgehend, deshalb ist ein Lernverständnis erforderlich, das das Selbst in den Mittelpunkt rückt und nicht von einem passiv-rezeptiven, sondern von einem aktiven, sich selbst Welt erschließenden Individuum ausgeht. Damit wird aus Faulstichs Sicht deutlich, dass für die Diskussion ebenso ein Begriff von Bildung erforderlich ist. Vor dem Hintergrund einer einschränkenden Wirklichkeit wird die Entfaltung der Delphi-Befragung, Integrierter Abschlussbericht, München/Basel, März 1998, S.69 Menschen eingeschränkt. Deshalb ist zu fragen, wann Lernanforderungen in Lernzwänge umschlagen und wieviel Selbststeuerung dann noch denkbar ist. Als Fazit wurde festgehalten, dass es nur Lernarrangements geben kann, die wahrscheinlich lernförderlich sind, und Ziel der Weiterbildner sollte hier eine laufende Optimierung sein. Entscheidend ist aber, dass es hierfür keine Rezepte gibt - Lösungen können nur individuell und kontextbezogen gefunden werden. Als wichtiger Aspekt ist hierbei Reflexionsorientierung im Sinne der Partizipation der Teilnehmenden zu nennen. Qualität Diese erhöhte Partizipation der Teilnehmenden hat auch Auswirkungen auf die Qualitätsproblematik. Zu der Thematik Selbstgesteuertes Lernen und pädagogische Qualität betonte Gnahs vor allem die aktive Rolle der Lernenden und ihren damit deutlich zunehmenden Einfluss auf die Qualität des Bildungsprozesses. Es wird keine grundlegende Neuorientierung der Qualitätsdebatte erforderlich, aber die Qualitätsverantwortung der Lernenden wird durch es Lernen stärker hervorgehoben. Auch ist eine Reihe von Aspekten der Einrichtungsqualität stärker zu werten, ebenso geraten einige Aspekte der Veranstaltungsqualität verstärkt ins Blickfeld. Dies erfordert eine teilweise Änderung oder Neuformulierung

5 5 der Instrumente zur Evaluation von Lernprozessen. Als bedeutender Aspekt wurde in der Diskussion hervorgehoben, dass es Lernen mehr Disziplin als traditionelle Lernformen erfordert. Dabei sollte jedoch nicht der Versuch unternommen werden, die Verantwortung von den Lehrenden weg zu delegieren. Die Verantwortung der Lehrenden bleibt ebenso bestehen wie die Kriterien der Arbeitsverwaltung. Wissenschaftliche Diskussion Kraft betonte, dass die theoretische Diskussion zwar relativ weit entwickelt sei, aber immer noch zu wenig Erkenntnisse über die Prozesse beim Lernenden sowie über dessen Bedürfnisse vorlägen. In der Diskussion wurden teilweise kontroverse Positionen vertreten. Einigkeit herrschte über den hohen Stellenwert des Themas für die pädagogische Arbeit und über die Einschätzung, dass der Stand der theoretischen Diskussion deutlich weiter fortgeschritten ist als die Umsetzung in der Praxis. Zur Frage, inwieweit es Lernen für alle Zielgruppen geeignet sei, ob bestehende Benachteiligungen eher verschärft oder reduziert werden oder wie die Motivation zum en Lernen erhöht werden kann, gab es hingegen unterschiedliche Einschätzungen. Festgehalten wurde, dass es Lernen nach wie vor eine große Herausforderung für die Erwachsenenbildung darstellt. Insbesondere erhalten reflexive Elemente in der Bildungsarbeit einen größeren Stellenwert. Lernberatung Lernberatung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die Teilnehmenden brauchen eine Klärungshilfe für die Festlegung von Zielen und Inhalten genauso wie für die Überprüfung des Lernprozesses. Hier liegt die eigentliche Qualität von em Lernen im institutionellen Zusammenhang: Der Lernende bleibt sich nicht selbst überlassen, sondern erhält wichtige Unterstützung in seinem Lernprozess. Damit ist Lernberatung nicht ein Element, das erst im Falle von Lernschwierigkeiten eingesetzt wird, sie zieht sich beim en Lernen durch den gesamten Lernprozess. Die erforderliche Beratungskompetenz ist aber eine Zusatz-Qualifikation, die nicht vorausgesetzt werden kann. Dieser Aspekt sollte zukünftig in der Ausbildung der Lehrenden stärker beachtet werden. Klein verwendet den Begriff Lernberatung nicht für den eigentlichen Beratungsprozess, sondern für ein didaktisches Arrangement, das Selbststeuerung ermöglicht. Lernquellenpool, Lernkonferenz, Lerntagebuch und andere didaktische Elemente, die es Lernen ermöglichen, werden von ihr unter diesem Begriff subsumiert. Institutionelle Aspekte Krischausky beleuchtete vor dem Hintergrund der Erfahrungen in der Stiftung berufliche Bildung den institutionellen Aspekt. Für Institutionen, die es Lernen ermöglichen, entstehen hier große Herausforderungen, angefangen von Abrechnungsfragen über die erforderliche räumliche Ausstattung und die mediale Ausrüstung bis hin zu der Schwierigkeit der tariflichen Einordnung der am Lehrprozess Beteiligten (Lehrer/innen, Pädagog/ innen, Sozialbetreuer/innen) und der Frage, wie die erforderlichen Kompetenzen auf Lehrendenseite sichergestellt werden können. So ergibt sich eine Vielzahl von Fragen, auf die die Institutionen eine Antwort finden müssen. Die Umstellung der Arbeit in einer ganzen Einrichtung setzt somit gravierende Veränderungen auf institutioneller Ebene voraus, die Organisationsentwicklungsprozesse erforderlich machen. Die Konfrontation von Lernenden der Zukunft mit der Forderung nach Eigenverantwortung wird im Bildungssystem der Gegenwart bisher kaum vorbereitet. Eigenverantwortung und Gestaltungsspielräume für die Lernenden spielen in allen Bildungsbereichen noch eine eher untergeordnete Rolle. Eigenverantwortung und Selbststeuerung setzen Gelegenheiten voraus, entsprechendes Handeln zu und einzuüben. Delphi-Befragung Integrierter Abschlußbericht, München/Basel, März 1998, S.69 Zwischenbilanzveranstaltung positive Ergebnisse in den Einrichtungen Im September fand eine Zwischenbilanzveranstaltung im Projektrahmen statt, an der die Vertreter/innen aus den Einrichtungen, die Beratungspersonen, die Moduldurchführenden und Prof. Faulstich teilgenommen haben. Faulstich formulierte auf der Basis von im Projekt erstellten ersten Erfahrungsberichten Thesen hinsichtlich der Beurteilung der bisherigen Arbeit.

6 6 Diese für die Prozesssteuerung wichtigen Anregungen ergaben ein insgesamt positives Bild. Die neun Thesen, die Faulstich hier einbrachte, wurden von den Beteiligten intensiv diskutiert. Ein wichtiger Aspekt war hierbei unter anderem die Diskussion über Erfolgskriterien für die en Entwicklungsprozesse in den Einrichtungen, die aufgrund der Unterschiedlichkeit der Vorhaben und der Rahmenbedingungen sehr verschieden sind. Insbesondere diese große Bandbreite an Herangehensweisen veranlassten Faulstich zu der Frage, ob hier nicht mehr Gemeinsamkeit erforderlich wäre. In der Diskussion wurde gerade die Prozessorientierung und die auf die individuellen Bedürfnisse der Institutionen zugeschnittenen Support-Leistungen als besondere Qualität des Projekts hervorgehoben. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Einrichtungen im Projekt wurde trotz der sehr unterschiedlichen Arbeitsfelder als stärkend und bereichernd empfunden. Die je individuellen Fragestellungen brachten für die anderen Einrichtungen vielfältige Anregungen. Als wesentliche Voraussetzung für die Einführung en Lernens wurde das Lernklima in der Institution benannt, also die Frage, wie die Beteiligten in der Einrichtung sich neuen Aufgaben und Herausforderungen stellen und welche Freiräume ihnen dabei von den Leitungsebenen eingeräumt werden. Die Lernkultur der Institution hat unmittelbaren Einfluss auf die Möglichkeiten zur Veränderung der Lernkultur mit den Lernenden. Dabei spielen auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Als problematisch wurde in diesem Zusammenhang auch benannt, dass die Erfolgskriterien der Arbeitsverwaltung oft zu wenig Spielraum für es Lernen zulassen. Hier besteht die Schwierigkeit, dass zunächst die von außen gesetzten Erfolgskriterien zu erfüllen sind. Positive Resonanz auf die Fortbildungsmodule Welche Methoden und Medien sind für das e Lernen geeignet und welche Ansätze zur Lernberatung gibt es? Zu diesen Fragestellungen wurden im Projektkontext zwei erste Fortbildungs-Module angeboten. In der Beratung der Einrichtungen zeigte sich, daß bezogen auf die Themen Methoden und Medien sowie Lernberatung der größte Fortbildungsbedarf bestand. Erstes Anliegen war, mehr über geeignete Methoden zu erfahren. Im Modul Methoden und Medien wurde zunächst die eigene Praxis reflektiert. Nur vor dem Hintergrund der konkreten Situation hinsichtlich Zielsetzung, Teilnehmenden-Gruppe, Inhalt, Institution, Lehrendem bzw. Lernberater/in und Rahmenbedingungen kann die Wahl der Methoden erfolgen. Aufgezeigt wurde dabei, dass eine Vielzahl althergebrachter Methoden für solche Lernarrangements geeignet ist: Fallarbeit, Leittextmethode, Tandem, Lerntagebuch, e Wiederholungseinheiten, Aquarium, Rollenspiel... die Palette an Möglichkeiten ist groß. Über die Methoden allein entsteht jedoch noch nicht es Lernen. Entscheidend sind nicht nur aktivierende Methoden, sondern vor allem die Einbindung der Lernenden und die Haltung der Lehrenden. Dabei sollte der Schwerpunkt auf der Fragestellung liegen, wie die Selbststeuerungsmöglichkeiten für die Teilnehmenden sukzessiv erhöht werden können. Für die Begleitung er Lernprozesse hat das Thema Lernberatung einen hohen Stellenwert. In diesem zweiten Modul wurde der personenbezogene Ansatz vorgestellt und in konkreten Übungen die eigene Beratungspraxis reflektiert. In der Praxis der Mehrzahl der Teilnehmenden hat Beratung bereits einige Bedeutung. Hier gibt es ein breites Spektrum von unterschiedlichen Beratungsverständnissen, mit denen die Teilnehmer/innen am Modul diese Aufgabe derzeit bewältigen. In dem Workshop wurden diese Ansätze diskutiert und Beratungssituationen erprobt. Hier stieß auch die kollegiale Beratung auf Resonanz. In ihr wird einiges Potential gesehen, die Umsetzungsprozesse im Kolleg/innenkreis zu reflektieren. Das Echo auf die Angebote war sehr positiv. Allerdings wurde der Wunsch nach einer Vertiefung geäußert. Diese wird im Rahmen des Moduls mit dem Titel Arbeit an Erfahrungen angeboten. Als weiterer Bedarf zeichnete sich das Thema Lernsoftware ab. Auch hierzu wird ein Modul angeboten.

7 7 Literatur des Projekts zum Thema Eine erste Veröffentlichung des Projekts ist in der Reihe DIE-Materialien (Band 18) unter dem Titel Selbstgesteuertes Lernen auf dem Weg zu einer neuen Lernkultur erschienen. In diesem Band werden erste Ergebnisse aus dem Projekt veröffentlicht. Selbstgesteuertes Lernen steht als Symbolbegriff für innovative Gestaltungen in der Weiterbildung und hat eine bedeutsame programmatische Kraft entwickelt. Häufig wird es verstanden als das Lernen alleine oder das Lernen mit dem Computer. Dieses Begriffsverständnis greift aber deutlich zu kurz. Tatsächlich stecken in dem Konzept wichtige pädagogische Prinzipien, die hier auf einen neuen Begriff gebracht sind. Für die institutionelle Weiterbildung entstehen neue Herausforderungen, aber auch zahlreiche bedeutsame Anregungen. Während die theoretische Diskussion relativ weit fortgeschritten ist, bestehen bei der Umsetzung in die Praxis immer noch viele Fragezeichen. Diesen Fragezeichen geht das vom BMBF geförderte Projekt SeGeL nach. Aus dieser Arbeit ist die vorliegende erste Publikation entstanden. Die Beiträge aus wissenschaftlicher und aus praktischer Sicht beleuchten, wie es Lernen mit dem Lernen im institutionellen Kontext in Einklang gebracht werden kann. Dabei werden Fragestellungen behandelt, die sich in der Projektarbeit als besonders relevant herauskristallisiert haben: Wofür steht es Lernen, wie wirkt es sich im institutionellen Kontext aus, was heißt Selbststeuerung im engeren und weiteren Sinn und welche Voraussetzungen müssen auf institutioneller Ebene gegeben sein? (Fuchs-Brüninghoff) Was ist unter em Lernen zu verstehen, worüber wird derzeit diskutiert, warum ist das Thema so wichtig, welche Anforderungen stellt es an Lernende, Lehrende und Institutionen und was bedeutet es für den Fortbestand der institutionellen Weiterbildung? (Dietrich) Welche historischen Vorläufer gibt es und was kennzeichnet die aktuelle Diskussion? Welche Aspekte spielen beim Lernenden in den Prozess hinein und welcher Lernbegriff trägt? Wofür steht das Selbst, was kann der Bildungsbegriff für die Diskussion leisten und unter welchen Bedingungen wird aus defensivem Lernen expansives Lernen? (Faulstich) Die amerikanische Diskussion wird seit den 70er Jahren vom Begriff des self-directedlearning geprägt. Welche Forschungsergebnisse liegen vor, welche Erkenntnisse können wir aus der Entwicklung in den USA gewinnen und welchen Stellenwert hat das Thema dort aktuell? Wovor muss gewarnt werden? (Reischmann) Ist es Lernen tatsächlich die bessere Alternative gegenüber traditionellem Lehrverhalten, welche Bedeutung hat Wissen heute noch und wie können die Kompetenzen zum en Lernen aufgebaut werden? (Dubs) Welche Umsetzungsformen sind derzeit in der Praxis vorzufinden, welche Richtungen von und welche Erfahrungen mit em Lernen gibt es? Welche Anforderungen ergeben sich und wie kann die Qualität der Angebote eingeschätzt werden? (Gnahs/Seidel) Welche Erfahrungen Die Vermittlung von Kompetenzen zur Erschließung und Aneignung von Wissen zählt zu den prioritären Aufgaben des Bildungssystems in der Wissensgesellschaft, und nicht zuletzt von diesen Fähigkeiten wird die Antwort auf die Frage nach Zunahme oder Stagnation des Wissens zumindest für den Einflussbereich des Bildungssystems abhängig sein. zeigen sich aus langjähriger Praxis auf der institutionellen Ebene und welche Veränderungen entstehen dort aufgrund der Umsetzung in Bezug auf Personal, Räume, Materialien und Abrechnung? Wie steht es um die Akzeptanz der Angebote? (Himmel) Wie kann Selbststeuerung gefördert werden, welche Methoden sind geeignet und welche Voraussetzungen sind für die Umsetzung erforderlich? Wie kann die Bewertung der Lernleistung erfolgen, und bedeutet Selbststeuerung im Zusammenhang mit Bildungsbenachteiligten eher eine Chance oder eine Überforderung? (Becker/Corcilius) Mit den hier dargestellten Fragestellungen wird eine Reihe zentraler Probleme behandelt. Dabei ist zu bedenken, dass es nicht länger eine Frage des Geschmacks oder eine Sache der Wahl ist, zu. Unabhängig von Bildungsniveau oder Tätigkeitsfeld der Lernenden wird die Kompetenz zum en Lernen zunehmend zum Auslesekriterium in unserer Gesellschaft. Delphi-Befragung, Integrierter Abschlussbericht, München/Basel, März 1998, S.90

8 8 Aufgabe der Institutionen wird es immer mehr, für dieses lebenslange Lernen die bestmögliche Unterstützung zu leisten. Wie diese konkret zu gestalten ist, kann nur in der jeweiligen Situation entschieden werden. Welche Möglichkeiten es Lernen dafür bietet und welche Konsequenzen zu erwarten sind, darüber gibt dieser Band Auskunft. Literatur des BMBF zum Thema Die folgenden Veröffentlichungen, die einen breiten Überblick über theoretische Aspekte und Konzepte der Umsetzung in der Praxis geben, sind kostenlos erhältlich beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, Referat Öffentlichkeitsarbeit, Bonn. BMBF (Hrsg.): Selbstgesteuertes Lernen. Möglichkeiten, Beispiele, Lösungsansätze, Probleme. Bonn Gnahs, Griesbach und Seidel (Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung IES) haben im Auftrag der Konzertierten Aktion Weiterbildung eine Studie erstellt, in der 29 Fallbeispiele dargestellt und kategorisiert werden. Vorangestellt ist eine sehr prägnante Ausführung zu den Rahmenbedingungen en Lernens. BMBF (Hrsg.): Selbstgesteuertes Lernen. Dokumentation zum KAW-Kongress vom 4. bis 6. November Bonn Ende letzten Jahres trafen sich über 120 Vertreter/innen aus Politik, Wissenschaft und Praxis der Erwachsenenbildung, um am Thema zu arbeiten. In zahlreichen Plena, Arbeitsgruppen, Diskussionsforen und auf einer Informationsbörse wurden unterschiedlichste Aspekte vorgestellt und beleuchtet. Diese Dokumentation enthält die Beiträge aller Beteiligten und die Ergebnisse der Arbeitsgruppen. Die Themenstellung reicht von Lernen innerhalb und außerhalb von Institutionen über Lehrende und Lernende bis zu den Medien. Theoretische Beiträge und aktuelle Praxisbeispiele geben einen breiten Überblick. BMBF (Hrsg.): Weiterbildungsinstitutionen, Medien, Lernumwelten. Rahmenbedingungen und Entwicklungshilfen für das e Lernen. Bonn In dieser Studie mit Beiträgen von Dohmen, Fischer, Stadelhofer, Rebel und Steffen werden Möglichkeiten der Unterstützung des lebenslangen, en Lernens aufgezeigt, aktuelle Trends und Erfahrungen dargestellt und praktische Konsequenzen abgeleitet. Dabei wird insbesondere der Aspekt aufgegriffen, wie das Lernen außerhalb von Institutionen durch diese unterstützt werden kann. Weitere Literaturtipps auch im Internet Gesamttext: Stephan Dietrich Layout: Grafisches Büro Horst Engels Am Thema Interessierte erhalten weitere Informationen über das Projekt SeGeL. Bitte schildern Sie uns Ihr Anliegen und Ihre Fragestellungen. Information: Stephan Dietrich, Fortbildung und Beratung, Projekt SeGeL, Tel: 069/ , Fax 069/ , URL: IMPRESSUM Deutsches Institut für Erwachsenenbildung Hansaallee 150 D Frankfurt/M. Stephan Dietrich (Projektleitung) Fon: 069/ Fax: 069/ Bettina Schaper (Projektsekretariat) Fon: 069/ Elisabeth Fuchs-Brüninghoff (institutionelle Projektkoordination) Fon: 069/ URL: Das Projekt wird von März 1998 bis Juni 2000 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

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