Einführung in die Wirtschaftswissenschaften für Nicht-ÖkonomInnen. Teil 4: Der Markt

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1 Einführung in die Wirtschaftswissenschaften für Nicht-ÖkonomInnen Teil 4: Der Markt Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzusehen, gehen Sie bitte zu 1

2 Das Marktmodell 2

3 Das Marktmodell Was ist ein Markt? Was sind die Voraussetzungen für einen Markt? Wie sieht das Marktmodell aus? Wie kommt ein Marktpreis (auf dem Gütermarkt) zustande? Was versteht man unter einem Marktgleichgewicht? Gibt es das wirklich? 3

4 Das Marktmodell Was ist Wohlfahrt? Was bedeutet und wie wirkt Wettbewerb? Was ist Marktmacht und wie wirkt sie sich aus? Was ist das Wohlfahrtsoptimum? Was versteht man unter dem Optimalpreis und der Optimalmenge? 4

5 Aber zuerst: Ein Experiment Markt selber machen!!! 5

6 Was ist ein (Güter-)Markt? jedes Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage wird als Markt bezeichnet Gütermarkt: Güter werden je nach Angebot und Nachfrage zu einem bestimmten Preis (=Geldbetrag) gehandelt Genauer: Gesamtheit aller Tauschbeziehungen von Anbietern und Nachfragern eines bestimmten Gutes (oder einer Gütergruppe) 6

7 Was ist ein Markt? kein geografischer Ort Beispiele: Ebay, Internetshops, mehrere Geschäfte Auch nicht ein Supermarkt, sondern alle Supermärkte -> jeweils in Bezug auf ein Gut Problem: Abgrenzung eines Marktes -> wann handelt es sich um das gleiche Gut? Getränke? Eigener Biermarkt? Kölsch-, Pils-, Altbiermärkte? 7

8 Was sind die Voraussetzungen für einen Markt? Märkte sind gesellschaftliche Institutionen: Hier nur einige Beispiele: Verträge haben rechtlichen Schutz -> Risikoverkleinerung Privateigentum (insbesondere an Produktionsmitteln) Geld (Vertrauen, Wertschätzung, Zentralbank, Staat) Verbote (z.b. Drogen) Marktfreiheiten (Grundgesetz und im EG-Verträgen: freier Waren-, und Personenverkehr) Die Voraussetzungen sind in den heutigen (freien) Marktwirtschaften in der Regel gegeben, aber selbstverständlich sind sie nicht. 8

9 Die Funktion des Marktes Der Markt ist der entscheidende, dezentrale Koordinationsmechanismus von den Präferenzen der Individuen. Die Koordination findet durch individuelle Entscheidungen statt und durch freiwilligen Tausch. Nur durch den Markt können die Akteure ihre Ziele erreichen: Die Unternehmen Gewinne erzielen Die Haushalte Konsumgüter erwerben 9

10 Das Marktmodell Für das Marktmodell gilt insbesondere das, was zu Modellen gesagt wurde: Abstraktion von der Realität Reduzierung auf relevante kausale Beziehung: Preis, Menge Unterstellung von rationalen, (eigen)nutzmaximierenden Akteuren. 10

11 Methodik der Marktbetrachtung Alle Märkte sind interdependent -> HH-Entscheidung: kaufe ich Gut 1 oder Gut 2 oder genieße ich meine Freizeit und kann mir dann keines von beiden kaufen... -> Partialanalyse: Hier wird lediglich ein Markt betrachtet und eine Veränderung von Faktoren, die diesen Markt direkt betreffen. 11

12 Vollkommene Märkte Die VWL betrachtet in der Regel Vollkommene Märkte. Diese zeichnen sich durch fünf Merkmale aus: Homogenität der Güter Fehlen von persönlichen Präferenzen Fehlen von zeitlichen Differenzierungen Fehlen von räumlichen Differenzierung vollständige Markttransparenz 12

13 Vollkommene Märkte Homogenität der Güter Fehlen von persönlichen Präferenzen: Keine Unterschiede / Produktdifferenzierungen Das Gut eines Marktes ist für alle Haushalte identisch. Fehlen von zeitlichen Differenzierungen Fehlen von räumlichen Differenzierung: Es gibt keine Transaktionskosten (Zeitverluste, Wege zwischen unterschiedlichen Geschäften, Lieferkosten für die Unternehmen 13

14 Vollkommene Märkte vollständige Markttransparenz: Die Haushalte und Unternehmen kennen die Angebote aller anderen Anbieter. Sie sind über die Alternativen vollständig informiert. Die Informationen haben sie ohne, dass ihnen dafür Informationskosten entstehen. Ist ein Kriterium nicht erfüllt => unvollkommener Markt => Institutionenökonomik: Transaktions-, Informationskosten, Vertragstheorie/Spieltheorie 14

15 Vollkommene Märkte Weiteres Kriterium: Marktzutrittsmöglichkeiten Können weitere Anbieter auf einem Markt hinzukommen? Dies betrifft die Einrichtung des Marktes als gesellschaftliche Institution z.b. rechtliche Beschränkungen, aber auch technische und natürliche Gegebenheiten Die Folge von begrenzten Marktzutrittsmöglichkeiten ist fehlender Wettbewerb. 15

16 Erinnerung: Die Güternachfrage der Haushalte 16

17 Das Angebot der Unternehmen bei (vollständiger) Konkurrenz 17

18 Das Marktmodell Zusammentreffen der individuellen Angebote und Nachfragen. Dadurch dass die Akteure jeweils auf die Angebote und Nachfragen der Anderen reagieren ergibt sich der Marktpreis. 18

19 Der Preismechanismus Versinnbildlicht durch den sog. Wallras Auktionator Er ruft solange höhere oder niedrigere Preise aus, bis es keine Angebots- oder Nachfrageüberschüsse mehr gibt. Dann gilt der Gleichgewichtspreis p* 19

20 Angebotsüberschuss Es werden zum geltenden Preis mehr Güter angeboten als nachgefragt. Dann besteht für die Unternehmen, die ihre Produkte nicht verkauft haben ein Anreiz, ihre Preise zu senken. Die anderen Unternehmen müssen nachziehen (Wettbewerb) 20

21 Nachfrageüberschuss Geltender Preis: Weniger Güter werden angeboten als nachgefragt. Für die Haushalte, die kein Gut erhalten, besteht ein Anreiz mehr zu bieten. Die Unternehmen können die Preise heben und mehr produzieren. Auch die Haushalte konkurrieren! 21

22 Das Marktergebnis bei Wettbewerb Ergebnis: Das Marktgleichgewicht! Die individuellen Kalkulation von Unternehmen und Haushalten pendeln kontinuierlich zum GG. Angebot und Nachfrage sind ausgeglichen und es bestehen keine Anreize mehr. 22

23 Das Marktgleichgewicht Probleme: Der Anpassungsprozess braucht Zeit (-> Dynamik anderer Größen) Märkte sind in der Realität nicht vollkommen. Aber: Die Tendenz zum GG ist logische Folge der Rationalität der Akteure. GG für Analyse notwendig! 23

24 Komparative Statik Analyse der Wirkung von Änderungen durch Vergleich von GGen Änderungen beim HH: - Preise anderer Güter - Einkommen - Präferenzen Änderungen beim Unternehmen: - Faktorpreise - Produktionstechnologie ceteris-paribus-analyse 24

25 Was ist Wohlfahrt? Wohlfahrt ist der aggregierte Nutzen von den Akteuren. Sie teilt sich auf in: Konsumentenrente und Produzentenrente Auch: Sozialer Überschuss 25

26 Was ist bei anderen Marktformen? Keine vollständige Konkurrenz. Beispiele: Monopol, Oligopol Die Unternehmen sind nicht gezwungen zu Marktpreisen anzubieten. -> Marktmacht Durch Verknappung der Menge können die Unternehmen höhere Preise nehmen. Folge: Wohlfahrtsverlust 26

27 Langfristige Entwicklung Wenn auf einem Markt große Gewinne erzielt, werden und Marktzutrittsmöglichkeiten bestehen, werden neue Unternehmen in den Markt eintreten und die anderen unterbieten, bis der Markt langfristig ausgeglichen ist. Dann: Wohlfahrtsoptimum 27

28 Das Wohlfahrtsoptimum Das Marktgleichgewicht stellt das Wohlfahrtsoptimum dar. GG-preis und -menge sind gleichzeitig Optimalpreis und Optimalmenge Mehr Handel als im GG wird nicht stattfinden, weil dann Verluste gemacht würden; Alle freiwilligen Tausche finden statt! Mehr Produktion ist wegen Knappheit nicht möglich 28

29 Fazit: Das Marktmodell Auf Märkten realisieren die Unternehmen ihre Erlöse und die Haushalte ihre Konsumnachfrage Durch Preis - als Signale - gleichen sich dabei Angebot und Nachfrage aus Es kommt zu der Produktion der wohlfahrtsoptimalen Menge zu optimalen Preisen Allerdings nur unter der Voraussetzung von Wettbewerb (keine Marktmacht) Langfristig entscheidend die Martzugangsmöglichkeiten => Wettbewerb 29

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