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1 5 Jahre WUK ClearingPlus Scheitern Aufstehen - Weitergehen

2 Impressum: Medieninhaber und Herausgeber: WUK Verein zur Schaffung offener Kultur und Werkstättenhäuser, ZVR-Zahl: Währinger Straße 59, 1090 Wien Redaktion: Mag. a Marina Quast, Michael Biró, Mag. a Christine Sonntag, Mag. a Corinna Peter Grafik: Samara-Claudia Bittermann Fotos: WUK / Karin Schwanter und wenn nicht anders genannt von den Autoren der einzelnen Beiträge selbst Druck: Eigenvervielfältigung Kontakt: WUK Werkstätten- und Kulturhaus CoachingPlus Kaiserstraße Wien T Seite 2

3 Grußworte Grußworte Ute Fragner, Geschäftsleiterin WUK Bildung und Beratung Angst vor der Zukunft, finanzielle Probleme, Leistungsdruck, die Sorge um den Job und Existenzängste können psychische Krisen auslösen oder bereits vorhandene psychische Erkrankungen verstärken. Das Bestehen in der gegenwärtigen Arbeitswelt wird dadurch immer noch schwieriger zumindest ohne Unterstützung. Vor rund zehn Jahren hat das WUK begonnen, Jugendliche am Übergang Schule - Beruf im Rahmen der damals neu geschaffenen Maßnahme Clearing zu unterstützen. Das Angebot richtete sich an alle jungen Menschen bis 24 Jahre mit unterschiedlichen Behinderungen und Benachteiligungen, darunter auch Jugendliche mit psychischen Beeinträchtigungen. Je früher eine psychische Beeinträchtigung festgestellt und behandelt wird, desto größer sind die Chancen einer Heilung, bzw. einer langfristigen normalen Teilhabe in der Arbeitswelt. Zur Unterscheidung einer psychischen Erkrankung von normalen pubertären Stimmungsschwankungen und dem professionellen Umgang damit, bedarf es fundierter fachlicher Kenntnisse. Christine Sonntag brachte das nötige Wissen und die langjährige Erfahrung mit, als sie als Clearerin im WUK faktor.i begann. Das Angebot für die besondere Zielgruppe wurde sukzessive weiterentwickelt und mündete 2007 in einem speziellen Angebot für psychisch beeinträchtigte Jugendliche, WUK ClearingPlus. Das Plus steht für zusätzliche Angebote, die den jungen Menschen Orientierung und erste Erfahrungen in der Arbeitswelt ermöglichen und die Unterstützung geben, damit sie den Übergang von der Schule in den Beruf bestmöglich schaffen. Durch die Finanzierung von ClearingPlus ab dem Jahr 2007 und CoachingPlus ab 2012 dokumentiert das Bundessozialamt, dass die Unterstützung junger Menschen mit psychischer Beeinträchtigung ein wichtiges Anliegen ist. Im Namen der Betroffenen und ihrer Bezugspersonen möchte ich mich an dieser Stelle sehr herzlich bedanken. Ich freue mich, dass es mit dieser einzigartigen Einrichtung gelungen ist, viele junge Menschen nicht nur auf ihrem Weg in die Arbeitswelt, sondern in die Gesellschaft zu begleiten. Der ganzheitliche Ansatz von WUK CoachingPlus unterstützt die jungen Menschen und manchmal auch ihre Familien, nach einem möglichen Scheitern wieder aufzustehen und weiterzugehen. In diesem Sinne danke ich auch dem Team von CoachingPlus und wünsche uns viele weitere Erfolge in den nächsten zumindest fünf Jahren. Ute Fragner Geschäftsleiterin WUK Bildung und Beratung Seite 3

4 5 Jahre WUK CoachingPlus von Hofrat Mario Jursitzky, Stv. Leiter der Landesstelle Wien des Bundessozialamtes und Sabine Reinalter BA, Abteilung W1, Projektbegleitung Liebe Leserinnen, liebe Leser! Im Frühjahr 2007 startete das Projekt WUK ClearingPlus als Innovationsprojekt für Jugendliche und junge Erwachsene mit einer psychischen Beeinträchtigung. Ab Herbst 2008 wurde das bestehende Clearingangebot auch für Jugendliche mit der Diagnose AD(H)S geöffnet. Gerade für Jugendliche dieser Zielgruppen ist der Berufseinstieg oft mit größeren Hürden verbunden. Hier bietet WUK ClearingPlus professionelle Hilfe und Unterstützung bei der beruflichen Orientierung und beim Einstieg in die Arbeitswelt an. Speziell auf die Zielgruppe abgestimmte Gruppentrainings sowie sozialarbeiterische Beratung und psychologische Begleitung runden das Angebot ab. Ziel des Projektes ist die berufliche Integration von Jugendlichen auf einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich dieses spezielle Angebot für Jugendliche mit einer psychischen Beeinträchtigung und AD(H)S etabliert und wird sehr gut angenommen. Ab 2012 wird das bisherige Clearing Angebot durch das neue Jugendcoaching ersetzt und der Projektname auf WUK CoachingPlus geändert. Für diesen neuen Weg wünsche ich Ihnen weiterhin viel Erfolg und danke für die bisherige gute Zusammenarbeit. Das Projekt WUK CoachingPlus wird vom Bundessozialamt Landesstelle Wien gefördert. Mit freundlichen Grüßen Hofrat Mario Jursitzky Sabine Reinalter, BA Seite 4

5 Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis Grußworte... 3 Ute Fragner, Geschäftsleiterin WUK Bildung und Beratung Jahre WUK CoachingPlus...4 Inhaltsverzeichnis... 1 WUK CoachingPlus... 7 Fünf Jahre Erfahrung im Scheitern Aufstehen Weitergehen...7 Kennzahlen oder Was vom Tage übrig blieb ADHS im Jugendcoaching Scheitern Aufstehen Weitergehen Fünf Jahre schon? Kein Wunder Kooperationspartner Plattform Arbeit und Psyche (P.A.P.) Eine 5-jährige Erfolgsgeschichte Was für uns Eltern wertvoll und wichtig ist Angehörigenrunden im WUK CoachingPlus Jahre Zusammenarbeit mit WUK CoachingPlus Wirtschaft Hürden in der Arbeitsintegration von psychisch erkrankten Jugendlichen Initiative Partnership für psychisch beeinträchtigte Jugendliche Partnership - Firmen Chance Arbeit Umgang mit BorderlinepatientInnen (BLP) am Arbeitsplatz Seite 5

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7 WUK CoachingPlus WUK CoachingPlus Fünf Jahre Erfahrung im Scheitern Aufstehen Weitergehen von DSA Mag. a Christine Sonntag, Projektleitung Vierdreiviertel Jahre WUK ClearingPlus und ein Viertel Jahr WUK CoachingPlus liegen mit vielen Erfahrungen hinter uns. Das österreichweite Konzept des Clearings wurde in das Konzept des Jugendcoachings umgewandelt, eingebettet in das Netzwerk der beruflichen Assistenz NEBA. Wie vieles hat auch diese Veränderung Auswirkungen auf unser Projekt. Seit arbeiten wir unter dem neuen Namen WUK CoachingPlus. Ein Name, der noch besser ausdrückt, was unsere Kernaufgabe darstellt: Jugendliche von 14 bis 25 Jahren mit psychischen Erkrankungen auf ihrem Weg in Richtung Zukunft, Arbeitswelt und Gesellschaft zu unterstützen. Im April 2007 starteten wir zu viert: Marina Quast, Barbara Killian und Christine Sonntag im Clearing/Jugendarbeitsassistenz und Monika Simon unterstützte uns tatkräftigst in der Organisation und Verwaltung. Im Laufe der ersten Monate wurden das Team und das Konzept vervollständigt. Ludovika Gindl (bis Feb. 2009) hat den Bereich der Sozialarbeit und Kleingruppenarbeit (EDV/Medien und Kreatives Gestalten) übernommen und Camilla Bensch (bis Okt. 2008) die therapeutische Unterstützung der Jugendlichen und das soziale Kompetenztraining. Eine psychische Erkrankung bedeutet nicht nur Stress für die/den betroffenen JugendlicheN, sondern sehr häufig auch für die Familien. Durch eine eigene Wohnung oder einen Wohngemeinschaftsplatz, Sicherung der finanziellen Überlebensmöglichkeiten oder Klärung der Krankenversicherung kann Stress reduziert und der Kopf für die Berufsorientierung wieder frei werden. Dabei unterstützt seit März 2009 Magdalena Vonach - unsere Sozialarbeiterin im Team - gut vernetzt in der sozialen Landschaft. Damit die Ziele, die sich die Jugendlichen oft mit viel Anstrengung auch schmerzhaften Erkenntnissen - erarbeitet haben, auch längerfristig umgesetzt werden können, braucht es ein gutes Netzwerk, das auch in Zukunft und nach dem Ende unserer zeitlich begrenzten Begleitung trägt. Eltern bemühen sich meist, ihre Kinder nach bestem Wissen und Gewissen zu unterstützen. Diese Aufgabe fordert viel Zeit und Energie. In Krisenzeiten haben sie die Möglichkeit, von unserem Psychotherapeuten Michael Biró (seit Mai 2010) unterstützt zu werden. Gemeinsam mit Barbara Killian leitet er auch die regelmäßigen Elternabende ( da bringen dann die Jugendlichen zur Abwechslung ihre Eltern vorbei ). Jugendliche, die psychisch sehr belastet sind, ziehen sich häufig nach dem ersten Scheitern im Berufsleben (Abbruch der Lehre oder Schule) in sich und ihre vier Wände zurück. Soziale Seite 7

8 Ängste bilden manchmal auch die Grundlage für depressive Zustände. Das Tor zur Außenwelt: Der Computer und das Internet. Um einen Wiedereinstieg in soziale Interaktion mit anderen zu erleichtern, bieten wir unterschiedliche Kleingruppen an, wie die EDV- und Mediengruppe. Gemeinsame Projekte wie die Zeitschrift ClearingPlusNews oder das Erarbeiten eines Kochbuches bieten die Möglichkeit, neue Fähigkeiten zu erlernen, sich mit anderen und deren Ideen auseinander zu setzen und zu lernen, in unserer vernetzten Welt an relevante Informationen zu kommen. Befriedigende Beziehungen gestalten zu können, stellt eine Basis von psychischer Gesundheit von Menschen und einem gelingenden Leben dar. Daher ist die Wiedererlangung und Verbesserung von Kommunikationsfähigkeit mit anderen eine wesentliche Herausforderung für Jugendliche. Auch viele Ausbildungsmöglichkeiten sind in Gruppen organisiert. Übungen in Gruppenfähigkeit und Kommunikation sind daher wesentliche Bereiche der Berufsorientierung und Vorbereitung auf die Arbeitswelt. Mangelndes Verhaltensrepertoire in der Kommunikation bedeutet häufig Stress, führt zu Überforderung und Meidung dieser demütigenden Erlebnisse im Privat- und Arbeitsbereich. Dies führt auf Dauer auch zum Verlust eines guten Selbstwertgefühles. Dazu kommt häufig auch ein erhöhtes Erleben von Angst. Soziale Kompetenztrainingsgruppen (Michael Biró seit Mai 2010) unterstützen beim Ausprobieren und Erlernen von neuen Mustern im Umgang mit diesen und vielen brisanten Themen unserer Jugendlichen. Die Kreativgruppe (Magdalena Vonach, seit März 2009) ermöglicht, wieder Freude am Tun zu erfahren, Vertrauen in die eigenen Handlungskräfte zu steigern und den Umgang mit Materialien zu bieten sowie das Planen und Umsetzen von Ideen zu üben. Damit Jugendliche, die ihre Aufmerksamkeit nicht gut fokussieren können und/oder oft von Hyperaktivität abgelenkt werden, lernen, sich besser zu organisieren und zu konzentrieren, bietet Iris Gube seit Okt spezielle Module an und unterstützt mit speziellen Methoden im Jugendcoaching Jugendliche mit AD(H)S in ihren Lernbedürfnissen. Durch verschiedene Lebenswege, Einflüsse, oft auch Mobbingerfahrungen wird manchmal die Angst vor der Schule so groß, dass ein Schulbesuch nur in speziellen Klassen möglich ist. Corinna Peter und Alex Oesterreicher begleiten Jugendliche im Schulprojekt Schlangenfuß gemeinsam mit den KollegInnen vor Ort durch die schwierige Zeit der Pubertät und den Beginn der Suche nach einer passenden Berufsausbildung oder einen weiteren Schritt zum gelingenden Erwachsenwerden. Jugendliche kommen mit sehr unterschiedlichen Diagnosen und Verlaufsformen und Unterstützungsbedarf zu uns. Beim Verständnis von Gefühlswelten, der Biologie und dem Seite 8

9 WUK CoachingPlus Verhaltensrepertoire sowie Unterstützungsmethoden und neuen Erkenntnissen aus der Wissenschaft werden wir bei Bedarf von unseren KonsiliarpsychiaterInnen Frau Dr. Elisabeth Dolak und Herrn Dr. Johann Windhaber unterstützt. Wesentlich für den Erfolg ist auch die gute Zusammenarbeit mit den extramuralen Therapieeinrichtungen. Um gut in die reale Arbeitswelt eintauchen zu können, initiierte und betreut Corinna Peter die Initiative Partnership für Jugendliche mit psychischer Erkrankung. Engagierte Firmen ermöglichen Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen Praktika in unterschiedlichsten Berufsbereichen. So gelingt es den Jugendlichen, ihre Vorstellungen vom jeweiligen Beruf in der Realität des Arbeitslebens überprüfen zu können. So wie es notwendig ist, für Jugendliche ein wohlwollendes Netzwerk aufzubauen, damit sie ihre Ziele in Teilschritten umsetzen können, so notwendig ist für den Erfolg eines Projektes - im Sinne der Jugendlichen - die gute Zusammenarbeit im Team und außerhalb mit den unterschiedlichsten Organisationen, Einrichtungen und Firmen, hinter denen immer auch engagierte Menschen stehen - im Scheitern, Aufstehen und Weitergehen. Nach fünf Jahren ist es Zeit, kurz inne zu halten und allen zu danken, insbesondere unserem Fördergeber (Bundessozialamt Wien und bis 2011 Europäischer Sozialfonds) in Person von Herrn Hofrat Mario Jursitzky und Frau Sabine Reinalter für die finanzielle Grundlage aber auch das Interesse und Verständnis für die Bedürfnisse von Jugendlichen mit psychischer Erkrankung im Kontext der Arbeitsmarktintegration. Frau Ute Fragner, der Geschäftsführerin des Werkstätten- und Kulturhauses WUK als Trägerverein sei stellvertretend für alle gedankt, die uns in diesem Netzwerk mit Know-how in vielen Bereichen unterstützen. Besonderer Dank an all unsere Jugendlichen und deren Eltern, von denen wir auch immer wieder viel lernen dürfen und die tagtäglich gemeinsam im Scheitern Aufstehen und Weitergehen mit uns den Beweis nach Winston Churchill antreten: Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird Mit diesem Motto sind wir 2007 angetreten. Den Teamgeist bis jetzt haben auch mitgestaltet: Camilla Bensch, Britta Kollmann und Ludovika Gindl sowie unsere FachausbildungskanditatInnen zur/zum Klinischen- und GesundheitspsychologIn. Allen, die uns in unserer Arbeit unterstützen: Danke! Seite 9

10 FachausbildungskandidatInnen und PraktikantInnen: Mag. a Marlene Wimler (verehelichte Müller) Angelika Kube Mag. a Christa Sieber Mag. a Anna Grabner Claudia Tamara Barth Abhilasha Mayerhofer Mag. a Eva Stocker Claudia Gross Daniel Schönbauer Mag. a Corinna Peter Mag. a Ulrike Lavicka Mag. a Verena Hubinger Veronika Obkircher Mag. a Raphaela Taborsky Mag. a Jasmin Celikbas Petra Hochedlinger Mag. a Julia Duris Mag. a Simone Wieser Mag. Mario Karolyi Mag. a Anna Proyer Mag. a Julia Mahler-Hutter Mag. a Britta Schmidjörg Mag. a Nicole Steinmüller Mag. a Cornelia Sacken Mag. a Marlene Piffl Mag. a Birgit Wenty Das WUK CoachingPlus Team (v.l.n.r.): 1. Reihe: Magdalena Vonach, Michael Biró, Christine Sonntag. 2. Reihe: Marina Quast, Corinna Peter, Iris Gube, Monika Simon, Alex Oesterreicher Sekretariat (v.l.n.r.): Martha Grubmüller, Elli Cheung, Monika Simon Derzeit in Bildungskarenz: Barbara Killian Unser Motto für die Zukunft Jugendliche können ihr Verhalten dann ändern, wenn sie Hoffnung haben. Hoffnung haben sie nur dann, wenn es ihnen möglich ist, Visionen zu entwickeln. Visionen können Sie nur entwickeln, wenn man ihnen Alternativen zeigt. Seite 10

11 WUK CoachingPlus Kennzahlen oder Was vom Tage übrig blieb von Mag. a Marina Quast, Jugendcoaching Das 5jährige Bestehen von WUK ClearingPlus bzw. seit 1. Jänner 2012 umbenannt in WUK CoachingPlus spiegelt einen Bedarf in unserer Gesellschaft wider, der sich durch die Zahlen darstellen lässt, die sich hier durch den Artikel ziehen. Sehr viel komplexer wird die Wirklichkeit von Wiener Jugendlichen mit einer psychischen Erkrankung durch ihre 331 Lebensentwürfe (in Form von sog. Entwicklungsplänen zusammengefasst, die als Ergebnis eines Clearingprozesses gelten) abgebildet, die sie sich während ihrer Zeit bei uns im Clearing (bis 6 Monate) und etwas mehr als die Hälfte (52%) von ihnen zusätzlich in der Jugendarbeitsassistenz (vormals Integrationsbegleitung bis , max. 12 Monate) erarbeitet haben. Durchschnittlich wurden sie intensiv 6 ½ Monate durch eine Clearingberaterin (seit Jugendcoach), GruppentrainerInnen, sozialarbeiterische und psychotherapeutische BeraterInnen intensiv begleitet und unterstützt. Die Ausgangssituation unserer jugendlichen KlientInnen im Clearing stellt sich wie folgt dar: Der Altersdurchschnitt beträgt 17 Jahre. Die Anzahl der Jugendlichen in der Altersgruppe von 13 bis 15 Jahre hat sich von 2008 bis 2011 von 11% auf 29% mehr als verdoppelt. Ein Fünftel von ihnen geht noch zur Schule, die meisten jedoch (57%) haben den Schulbesuch beendet oder abgebrochen und sind seit mindestens einem ½ Jahr zu Hause bevor sie bei uns andocken, 7 % sind ohne positiven Schulabschluss. Zumeist sind sie ohne Tagesstruktur (50%), leben oft sozial zurückgezogen. Ein Drittel der Jugendlichen, die bei uns im Clearing beginnen, war kurz zuvor oder aktuell in einer Gesundheitseinrichtung (Tageklinik, Psychiatrie, PSD Wien). Von unseren KlientInnen haben über ein Drittel neben einer Hauptdiagnose noch bis zu drei psychiatrische Nebendiagnosen. Zu den häufigsten Nebendiagnosen gehören die Angststörungen und/oder Zwangsstörungen (F40-49, 24%). Verhaltens- u. emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit u. Jugend (F90-98), zu denen auch die Jugendlichen mit AD(H)S zählen, ist inzwischen die am häufigsten an unserer Beratungsstelle vorkommende Seite 11

12 Diagnose (24%). Am zweithäufigsten leiden unsere Jugendlichen an einer affektiven Störung (16%), gefolgt von Jugendlichen mit einer Persönlichkeitsstörung (hier am häufigsten Borderline diagnostiziert und zumeist Mädchen betreffend, 11%) und Schizophrenie (11%). Jugendliche sollen ihre eigenen Wege gehen, aber ein paar Wegweiser können nicht schaden Pearl S. Buck Ein Fünftel der Jugendlichen hat eine Lehrausbildung (18%) gestartet oder einen Arbeitsplatz (2%) gefunden. Wir sehen es aber ebenso als großen Erfolg an, wenn es Jugendlichen gelingt, wieder eine Schule zu besuchen (13%), um eine höhere Ausbildung zu erwerben oder einen positiven Schulabschluss bzw. Hauptschulabschluss zu erlangen. In Fachkreisen ist bekannt, dass eine Beeinträchtigung und ein niedriger Ausbildungsgrad ein Garant für besonders geringe Chancen am Arbeitsmarkt sind. Für die meisten Jugendlichen hat es sich als besonders hilfreich erwiesen, dass sie sich in sog. beruflichen Qualifizierungsoder Nachreifungsprojekten (39%) auf einen Berufseinstieg vorbereiten können. Manche Jugendliche benötigen aber zur Erlangung von ausreichender psychischer Stabilität und Belastbarkeit noch etwas mehr Zeit. Dann werden therapeutische Maßnahmen empfohlen, wie z.b. das Tageszentrum für Borderlinestörung vom PSD Wien (siehe Graphik zu Vermittlungsergebnissen: sonstiges (18%) beinhaltet Rehabilitationsmaßnahmen, aber außerdem Ergebnisse wie z.b. Alphabetisierungskurs Arbeitsassistenz, Arbeitstraining, Geringfügige Beschäftigung u.v.a.). Hinter unseren Zahlen verbergen sich aber auch viel Arbeit und Engagement, die es ebenso für eine gelungene Projektarbeit braucht, wie z.b.: 1. in die Tat umgesetzte Ideen des Teams, wie z.b. Elterninformationsabende (seit 2008, 4mal pro Jahr), Nachbetreuungsgruppen (durchgeführt von 2008 bis 2010), die ClearingPlus News (herausgegebene Zeitschrift der Jugendlichen aus unserer IT- und Medienwerkstatt, 11 Ausgaben, 2008 Feb.2011), Workshops für unsere Jugendlichen, Partnership-Initiative mit Firmen u.v.m.; 2. Öffentlichkeitsarbeit (z.b. 5 Schwerpunkt-Veranstaltungen: Soziale Angst Soziale Kompetenz, Depression, ADHS, Arbeit und Angst, das Unterstützungspotenzial der Angehörigen von psychisch erkrankten Jugendlichen); 3. Aufbau von Kooperationen zur zusätzlichen Unterstützung der KlientInnen und ihrer Angehörigen z.b. HPE (Hilfe f. Seite 12

13 WUK CoachingPlus Angehörige psychisch erkrankter Menschen), Psychosenetzwerk (www.psychosenetz.com, Renate Skoda et al.), Elternnetzwerk (Integration Wien), Pro mente Wien Peerberatung u. Mentoring (Fr. Ballauf), Plattform für Arbeit und Psyche P.A.P. (www.arbeitundpsyche.at); 4. intensive Vernetzungsarbeit mit Kinder- und Jugendpsychiatrien, Tageskliniken, FachärztInnen für Psychiatrie, PsychotherapeutInnen, Wohngemeinschaften, Schulen, Amt für Jugend und Familie, Fonds Soziales Wien, Arbeitsmarktservice f. Jugendliche u.v.a.; 5. Weiterbildung der MitarbeiterInnen denn nur gut informierte und geschulte MitarbeiterInnen können in der Beratung die Flexibilität und den Ideenreichtum aufbringen, die das Finden individueller Lösungen für unsere Klientel erst ermöglicht. Und nicht zuletzt braucht es die Arbeit und das Engagement unserer KlientInnen, die für mich zu den wahren Mutigen zählen. Denn es braucht viel Mut, Ausdauer und Willensstärke, wenn sie sich einer Lebensveränderung stellen und schließlich auf den Weg begeben, der immer auch ein Risiko beinhaltet. Seite 13

14 ADHS im Jugendcoaching von Mag. a Iris Gube, Jugendcoaching Seit etwa dreieinhalb Jahren führe ich innerhalb des Projekts WUK CoachingPlus ein spezielles ADHS-Konzentrationstraining, welches einmal wöchentlich in Form eines Gruppenangebots stattfindet. Scheitern, Aufstehen und Weitergehen Mit dieser Thematik sind sehr viele Jugendliche mit ADHS konfrontiert. Vor allem in ihrer Schul- und Berufsausbildung ergeben sich oftmals durch die mit ADHS verbundenen Schwierigkeiten Abbrüche und Misserfolge. Durch welche Schwierigkeiten sind ADHS Jugendliche nun genau belastet? Bei ADHS gibt es neben den drei Kernsymptomen der Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität noch weitere Symptome, die eine Schul- und Berufsausbildung erschweren können. Desorganisation und Störungen der Gefühlsregulation wie z.b. Affektlabilität, mangelnde Affektkontrolle und verminderte Stresstoleranz können neben den Kernsymptomen noch zusätzlich auftreten und die Schulbzw. Arbeitssituation erschweren. Es ist gut nachvollziehbar, dass ein/e Jugendliche/r mit ADHS, der/die unter Stimmungsschwankungen, eventuellen Wutausbrüchen und den Kernsymptomen leidet, kein leichtes Leben in seiner Ausbildungslaufbahn hat. Zudem bewirkt die Desorganisation, dass Tätigkeiten kaum zielgerichtet und effizient durchgeführt werden können. Weiters besteht eine Neigung, mehrere Tätigkeiten gleichzeitig zu beginnen, zwischen diesen hin und her zu wechseln und begonnene Tätigkeiten nicht zu Ende zu bringen. Oftmals berichten Eltern von ADHS-Jugendlichen, dass diese in der Schullaufbahn weit hinter ihren eigentlichen Fähigkeiten zurück bleiben und nicht ihr volles Potential zur Geltung bringen können. Ebenso erzählen LehreInnen häufig davon, dass der/die Jugendliche sehr wohl adäquate Schulleistungen erbringen könnte, wenn er/sie nur wollte. Jedoch stellt sich die Frage, ob es wirklich an der verminderten Willenskraft der Jugendlichen scheitert, oder ob nicht doch die ADHS- Symptomatik das Leben der Jugendlichen erschwert. Aufgrund ihrer mangelnden Potentialausschöpfung, Abbrüchen in der Schullaufbahn und auch schlechten Zeugnisnoten haben es ADHS Jugendliche am Arbeitsmarkt eindeutig schwerer, sich gegenüber anderen Bewerbern zu etablieren. Sie brauchen daher ein spezielles Jobcoaching und Unterstützung bei der Verwirklichung ihrer Berufsträume. Wichtig dabei erscheint eine klare Unterstützung zum Weitermachen. Denn ein Abbruch erhöht oft die Wahrscheinlichkeit eines nächsten Scheiterns und kann somit in einen Motivationsverlust und in Folge in einen Teufelskreis münden. Zudem benötigen Jugendliche ein spezielles ADHS Coaching, bei dem auf die Besonderheiten der ADHS Symptomatik ganz genau Seite 14

15 WUK CoachingPlus eingegangen werden kann. Dadurch werden die Jugendlichen hinsichtlich ihrer Organisations- und Planungsfähigkeit, in ihrem Umgang mit Ablenkbarkeit und in ihrer Emotionsregulation trainiert. Zusätzlich sollte das soziale Umfeld und dazugehörige Institutionen wie z.b. die Arbeitsstelle des Jugendlichen über ADHS, die damit verbundenen Schwierigkeiten und den richtigen Umgang damit genau informiert werden. Das ADHS Coaching wird in mehreren Modulen durchgeführt und soll den Jugendlichen hinsichtlich seiner ADHS-Problematik sowie der Entwicklung von arbeitsrelevanten Fähigkeiten unterstützen. Zum Beispiel wird in einem Modul die Selbstorganisation näher gebracht, in einem anderen Modul werden die Stimmungsregulation, die Impulskontrolle und das Durchhaltevermögen trainiert. Das folgende Fallbeispiel soll die mit ADHS verbundenen beruflichen und sozialen Schwierigkeiten verdeutlichen: Alexander, 17 Jahre alt: Alexander sucht gemeinsam mit seiner Mutter die Clearingstelle auf, da er nach einem schlechten Abschlusszeugnis der Hauptschule nun in einer Bürokaufmannlehre gescheitert ist. Hauptprobleme seien dabei seine Schulleistung in der Berufsschule und massive Probleme im Sozialverhalten von Alexander. Er beschimpft und beleidigt häufig seine Lehrer oder Arbeitgeber, ohne dass es ihm leid tut. Er halte die innere Unruhe beim langen Sitzen nicht aus und der Chef gehe ihm meistens auf die Nerven. In der Volksschulzeit ist eine klinisch-psychologische Untersuchung gemacht worden, wonach der Junge die Kriterien nach ICD 10 (Klassifikationssystem für psychische Störungen) einer ADHS-Diagnose erfüllt. Zusätzlich zu ADHS besteht eine Lese- und Rechtschreibschwäche. Vor der Volksschule besuchte der Junge ein Vorschuljahr. Während der 3. Klasse VS war Alexander medikamentös behandelt worden. Jedoch wurde die Therapie nach etwa 6 Monaten wegen leichter Nebenwirkungen beendet. Es folgte keine weitere Betreuung, Beratung oder Behandlung. Alexander selbst findet, dass er keine Probleme hat, nur die Eltern klagen über unklare und unrealistische Zukunftspläne sowie eine fehlende Motivation, angefangene Sachen und Ausbildungen abzuschließen. Schon als Kind habe er viele Hobbys begonnen und keines richtig fortgesetzt. Alexander verfüge aus Sicht der Eltern außerdem über keine zuverlässigen sozialen Bindungen, seine kurzfristigen Partnerschaften verliefen unbefriedigend für alle Seiten und innerfamiliär komme es häufig zu heftigen Streitereien vor allem zwischen Alexander und seinem Vater. Die Ehe der Eltern leide hauptsächlich darunter, dass der Vater Alexander gegenüber Härte zeige, die Mutter sich aber sorge, den Kontakt zu ihrem Kind vollständig zu verlieren. Im direkten Kontakt ist auffallend, dass Alexander zwischen Unsicherheit und Selbstzweifeln sowie Selbstüberschätzung und Überheblichkeit schwankt. In der Folge werden Alexander und seine Eltern ausführlich über das Krankheitsbild ADHS, seine möglichen Ursachen und therapeutische Möglichkeiten Seite 15

16 aufgeklärt und informiert. Alexander lehnt jedoch jeglichen therapeutischen oder medikamentösen Behandlungsversuch strikt ab. Aus dem Clearing ergibt sich noch ein weiteres Interessensgebiet bei Alexander, nämlich das des IT-Technikers. In seiner Freizeit beschäftigt er sich liebend gerne mit seinem Computer, wobei ihm Computerspiele am meisten Spaß machen. Nach einem erfolgreichen Schnupperpraktikum bekommt er schließlich von derselben Firma das Angebot einer Lehrstelle zum IT-Techniker. Zusätzlich besucht er während des Clearings die ADHS-Gruppe. Einerseits lernt Alexander sich selbst im Alltag zu organisieren, andererseits trainiert er seine Stimmungsregulation und Impulskontrolle, um in heiklen Gesprächen am Arbeitsplatz nicht gleich in die Luft zu gehen. Weiters führt ein Stressmanagement dazu, die Dinge lockerer zu sehen und sich nicht von Kleinigkeiten bei der Arbeit stressen zu lassen. Ebenso wird mit Alexander das Anfangen und Umsetzen von Arbeitsaufträgen trainiert, sowie Prioritäten setzen und Einteilen geübt. Darüber hinaus wird auch die Aufmerksamkeit und Konzentration durch spezielle Trainingsübungen verbessert. Alexander sieht ein, dass die Lehrstelle zum Bürokaufmann nicht das passende für ihn ist, da er ständig mit seinen mangelnden Rechtschreibkenntnissen kämpft. Mit dem neuen Chef der IT-Firma macht er gute Erfahrungen. Er bekommt klare Arbeitsanweisungen und hat geregelte Pausenzeiten. Der Chef begegnet Alexander mit einer humoristischen Ader, ist aber trotzdem in seinem Verhalten bestimmt und die Anweisungen sind für Alexander nachvollziehbar. Insgesamt kann Alexander vom Clearing und der ADHS-Gruppe gut profitieren, denn einerseits eröffnet sich durch das Clearing eine neue berufliche Perspektive, der Beruf des IT-Technikers, andererseits lernt er durch die ADHS-Gruppe mit seinen ADHS-Eigenschaften am Arbeitsplatz gut umzugehen. Seite 16

17 WUK CoachingPlus Scheitern Aufstehen Weitergehen Bericht einer Betroffenen von Julia (29 Jahre) Mein Scheitern hat mich lange begleitet. Mein Weg zur Matura war lang und ich bin den Menschen, die mir dorthin geholfen haben, sehr dankbar. Ein wenig Angst vor Fremden (also allen Menschen, die nicht zu meiner erweiterten Familie gehören) hatte ich schon immer. Doch die vielen neuen Gesichter an der Universität überforderten mich dermaßen, dass ich mich verkroch. Einfach mal niemanden sehen. Weil mein Weg zur Matura sehr lang war, war ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich jung (knapp über 23). Ich hatte noch nie gearbeitet, bekam kein Arbeitslosengeld. Meine Vorstellungen von Arbeit waren nicht sehr konkret, aber sehr beängstigend. Als die Überlastung durch meine Unierlebnisse etwas nachließ, und mir die Möglichkeit gab, realistischer über meine Situation nachzudenken, bekam ich furchtbare Existenzängste. Ich wollte gerne ein Teil der Gesellschaft bleiben. Auf den Rat einer Bekannten meines Vaters hin machte ich einen Termin bei einer der Beraterinnen von WUK ClearingPlus aus, das damals noch nicht lange bestand. Das Erstgespräch war, glaube ich, für beide Seiten eher schwierig. Ich war sehr paranoid. Wollte einerseits nur zurück nachhause, in mein Bett, andererseits wusste ich, dass mir die Zeit davonlief. Marina (meine Beraterin) auf der anderen Seite war mit einer Jugendlichen konfrontiert, die 16 Stunden am Tag schlief, sehr schwer übergewichtig und furchtbar ängstlich war. Dennoch haben wir einander eine Chance gegeben. (Danke, Marina!) Nach der Überwindung einiger rechtlicher Hindernisse (ich war fast 24, also beinahe zu alt für einen Teilnahmestart) begann ich meine Berufsorientierung plus ein von der Gruppenteilnehmerzahl her kleines und deswegen für mich sehr feines Sozialkompetenztraining. In der ersten Zeit war es für mich besonders wichtig, immer ein vertrautes Gesicht zu sehen. Jemanden, mit dem ich mich über das Wetter unterhalten konnte oder Haustiere, Urlaub, was auch immer. Nur hauptsächlich freundlich, um anzukommen, an diesem für mich fremden Ort. Danke Monika (Sekretärin am Empfang), ich glaube, ohne dich wär ich nach dem zweiten Tag aus Angst zuhause geblieben. Die erste große Veränderung für mich war die Erkenntnis, dass ich nicht studieren MUSSTE. Ich hatte nie über Alternativen nachgedacht. Die zweite war der Kontakt mit anderen Menschen in ähnlichen Situationen wie der meinen. Das half Seite 17

18 mir, meine Fähigkeiten zu erkennen und Selbstvertrauen und Sicherheit im Umgang mit Gruppen und unbekannten Gesichtern aufzubauen. Diese Erfahrung hat meine Einstellung dem Leben gegenüber stark verändert. Meine Familie hat mich immer unterstützt. Und tut es noch. Als Marina mir aufzeigte, dass es Möglichkeiten gibt, von der Gesellschaft unterstützt zu werden, sollte ich nicht alleine zurechtkommen und die elterliche Unterstützung ausfallen, hat mir dies die Möglichkeit gegeben, meine Zukunft realistisch anzuschauen. Aufgestanden bin ich dann etwas widerwillig. Es beinhaltete die Erkenntnis und das Eingeständnis, dass ich mein Leben grundsätzlich ändern musste. Einerseits wollte ich die Situation nicht verändern, sie einfrieren. Andererseits wollte ich nicht auffallen, mich anpassen, die Vor- und Nachteile des gesellschaftlichen Dazugehörens genießen. Und ich wollte nützlich sein. Diese Veränderung haben viele Menschen begleitet und unterstützt. Zu viele, um sie hier alle zu nennen. Sie hat auch eher lange gebraucht, aber sie war es wert sie ist es wert. Weitergehen - seit Wintersemester 2009 studiere ich nun wieder an der Uni Wien. Mit wechselndem Erfolg, aber ich werde immer besser. Auch mit meiner Angst vor Fremden kann ich inzwischen besser umgehen. Ich bin schon gespannt, was meine Zukunft für mich bereithält. Ich bin auf dem Weg in die Unabhängigkeit. Jeden Tag einen Schritt. Seite 18

19 WUK CoachingPlus Fünf Jahre schon? Kein Wunder. von Birgit Primig, Teamcoach Sechs Menschen stehen auf einer Dachterrasse und grübeln. Sie sollen aus sich selbst ein Denkmal bauen, das ihr gemeinsames Projekt symbolisiert. Gefordert sind nicht die jugendlichen KlientInnen, sondern die Team-Mitglieder. Diese Szene ist mir aus den vergangenen fünf Jahren besonders gut in Erinnerung geblieben. Immer wieder durfte ich mit dem Team von ClearingPlus, jetzt WUK Coaching Plus, arbeiten. Mal waren es Veränderungen im Team, mal im Projekt, immer wieder Beziehungen und Kommunikationswege. Die Menschen, die im Projekt WUK CoachingPlus arbeiten, sind sehr verschieden. Sie haben ganz unterschiedliche Erwartungen an ihre Arbeit. Es gibt die leiseren, die lauteren. Jene, die lange nachdenken, und die anderen, die einfach anfangen. Die sensibleren, die robusteren. Die Stärke dieses Teams liegt darin, das zu nutzen. Während die einen noch besprechen, wie das Denkmal aussehen soll, probieren die anderen schon aus. Es wird diskutiert, reflektiert, inspiriert, umorganisiert. Eine Idee da, ein Argument dort. Der Druck von außen ist groß. Ein kleines, buntes Team, das enorm gefordert ist: Das birgt Konfliktpotential, aber die Konflikte werden rechtzeitig erkannt, es bleibt meist beim Potential. Es dauert nicht lange, und das Denkmal steht. Die Positionen der Teammitglieder werden noch einmal überprüft: Es passt. Jede und jeder hat im gemeinsamen Denkmal einen wesentlichen Platz gefunden. Es ist ein bewegliches Denkmal, das auffängt und weiterträgt und nur im Zusammenspiel funktioniert. Das Denkmal selbst und die Herangehensweise an diese Aufgabe haben mich gleichermaßen beeindruckt. Es steht für mich für die große Fähigkeit des Teams, mit Veränderungen kreativ umzugehen, Herausforderungen anzunehmen und dabei sorgsam auf einander zu achten. Fünf Jahre sind eine lange Zeit. Fünf Jahre erfolgreiche Arbeit wundern mich aber nicht. Es sind die Menschen im Projekt, die das Projekt zum Erfolg gemacht haben. Ich gratuliere! Seite 19

20 Kooperationspartner Plattform Arbeit und Psyche (P.A.P.) von Mag. a Christine Sonntag und Mag. a Marina Quast Seite 20 Die Plattform Arbeit und Psyche wurde Mitte 2009 gegründet. Aufbauend auf langjähriger Erfahrung im Bereich der beruflichen Integration von Jugendlichen und Erwachsenen mit psychischen Problemen und/oder Erkrankungen, kam es zum Zusammenschluss von mehreren Projekten. WUK CoachingPlus ist seit Anbeginn ein Teil dieser Plattform. Ziele: Unterstützung bei der Suche nach dem individuell optimalen Angebot der beruflichen Integration Öffentlichkeitsarbeit und Sensibilisierung für die beruflichen Potentiale von Menschen mit psychischen Erkrankungen P.A.P. ist eine Vernetzung zur wechselseitigen Unterstützung bei der Erfüllung unserer Aufgabe der Arbeitsintegration Internetseite: Mitwirkende Organisationen Jugendcoaching unterstützt Jugendliche und junge Erwachsene (14-25 Jahre) beim Einstieg ins Berufsleben Berufsorientierung (Jugendcoaching), Lehrstellensuche und Abklärung der integrativen Berufsausbildung sozialarbeiterische und therapeutische Unterstützung Gruppenangebote T (01) DW 11 Arbeitsassistenz Unterstützung von Jugendlichen und Erwachsenen bei Arbeitsplatzsuche und der Integration am Arbeitsplatz Unterstützung bei drohendem Arbeitsplatzverlust Einzelberatungen T (01) JobCoaching ist ein individuelles Unterstützungsangebot für Menschen mit einer psychischen Erkrankung bei: drohendem Arbeitsplatzverlust Krisen und Konflikten mit dem Arbeitsumfeld Umstrukturierungen im Betrieb uvm.

21 Kooperationspartner Ziel: Arbeitsplatzerhaltung T (01) DW 38 Qualifizierung und Arbeitsintegration für Menschen mit psychischen Erkrankungen :ITS wien Laube GmbH Schulungen, Trainings, Arbeitstraining externe Praktika, Jobsuche, Outplacement 30 Wochenstunden T (01) Soziale Qualifizierung & berufliche Integration für Menschen mit psychischer Erkrankung Sozialtherapeutisches Gruppenangebot für Jugendliche und junge Erwachsene Verweildauer 1 Jahr 30 Wochenstunden Praktika T (01) F-13 FEM Süd FRAUENASSISTENZ Unterstützt Frauen und Mädchen (15 bis ca. 40 Jahre) mit psychischer oder körperlicher Beeinträchtigung auf dem Weg in den Arbeitsmarkt. Psychologische und soziale Einzelberatung in deutscher, türkischer, bosnischer-kroatischer-serbischer und englischer Sprache Kurse (Bewerbungstraining, EDV, Deutschkurse, Entspannungskurse,...) Verweildauer: max. 2 Jahre T (01) Betroffene beraten Betroffene Das Projekt unterstützt psychisch erkrankte Menschen bei der Arbeitsplatzsuche und/oder bei der Arbeitsplatzerhaltung in Form von Beratung-Selbsthilfegruppen & Mentoring. Alle Altersgruppen T(01) Seite 21

22 Eine 5-jährige Erfolgsgeschichte Zusammenarbeit WUK CoachingPlus und HPE Hilfe für Angehörige psychisch erkrankter Menschen von DSA Daniela Schreyer Angehörige, die Eltern, Geschwister, PartnerInnen etc. von psychisch erkrankten Menschen sind wirksam. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass informierte Angehörige nachweislich zu einer höheren Behandlungsbereitschaft und letztlich zu einem Senken der Rückfallsrate beitragen können. Ihr Einfluss auf den Betroffenen ist umso stärker, je jünger das erkrankte Familienmitglied ist und je enger die familiären Beziehungen sind. Alle Behandlungsleitlinien für psychische Erkrankungen betonen daher die Notwendigkeit, die Angehörigen als Partner in die Behandlung/Betreuung des Erkrankten mit einzubeziehen. Diese Botschaft versuchen wir MitarbeiterInnen des HPE Projektes Rückhalt durch Angehörige seit einigen Jahren im Rahmen von Seminaren an professionelle MitarbeiterInnen von Arbeitsrehabilitationseinrichtungen für psychisch erkrankte Menschen weiterzugeben. Zu den ersten BesucherInnen des Seminars gehörten auch 2 Mitarbeiterinnen des WUK CoachingPlus, wo unser Anliegen auf fruchtbaren Boden fiel und bei denen das Seminar eine Initialzündung dafür war, die Elternarbeit in ihrem Arbeitskonzept fix zu verankern. Es folgten Einladungen zu den MitarbeiterInnen-Teams, zu Elternabenden sowohl bei WUK CoachingPlus als auch bei HPE, zu Vorträgen bei den jeweiligen Öffentlichkeitsveranstaltungen der Beratungseinrichtungen, zu Info-Abenden im Rahmen von HPE-Seminaren etc. Auch erschienen mittlerweile einige Artikel in der HPE Zeitschrift KONTAKT, die den Prozess unserer Zusammenarbeit dokumentieren. Immer war es ein gemeinsames Anliegen, einerseits für die Probleme der Angehörigen zu sensibilisieren und andererseits Interventionen zu entwickeln, um das Potential der Familien hinsichtlich einer Rückhalt fördernden Begleitung der jungen erkrankten Familienmitglieder auf ihrem Weg der Ausbildung und beruflichen Rehabilitation und Integration zu unterstützen. Ein wesentliches Ziel der Vernetzung ist die wechselseitige Zuweisung von KlientInnen, die sich in den letzten Jahren intensivierte und vor 2 Jahren zur Gründung einer neuen Erfahrungsaustauschgruppe für Eltern psychisch erkrankter junger Menschen anregte. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass eine psychische Erkrankung nie nur das Problem einer einzelnen Person ist, sondern Auswirkungen auf das gesamte Familiensystem hat und dieses wiederum auf die erkrankte Person einen entscheidenden Einfluss ausübt. Angehörigen-Arbeit ist also nicht bloß ein zusätzlicher Luxus in der Palette der Seite 22

23 Kooperationspartner Hilfsangebote, die so nebenbei mitlaufen soll, sondern eine unverzichtbare, Beziehungsarbeit und daher Zeit (und Geld) beanspruchende Aufgabe. Wir wünschen dem Geburtstagskind viel Erfolg für die nächsten Jahre und bedanken uns bei allen CoachingPlus- MitarbeiterInnen für die von gegenseitiger Wertschätzung getragene, bereichernde und auch lustvolle Zusammenarbeit! Angehörige geben Rückhalt Ein Angebot der HPE Österreich Gut informierte und gestärkte Angehörige können psychisch erkrankte Menschen bei ihrem Weg aus der Erkrankung und bei einem (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben unterstützen. Wir unterstützen die Angehörigen Beratung (persönlich, telefonisch) Erfahrungsaustauschgruppen Informationsseminare Öffentliche Informationsveranstaltungen 1070 Wien, Bernardgasse 36/4/14 T Unser Angebot ist kostenlos. Ihr Anliegen wird vertraulich behandelt. Telefonische Terminvereinbarung erforderlich! Rückhalt durch Angehörige- Ein Projekt der HPE Österreich Ein vom Bundessozialamt/Landesstelle Wien finanziertes Projekt aus Mitteln der Beschäftigungsoffensive der österreichischen Bundesregierung für Menschen mit Behinderung. Seite 23

24 Was für uns Eltern wertvoll und wichtig ist von Silvia Ballauf Ich selbst hatte soziale Ängste und heute leite ich das Projekt: Betroffene beraten Betroffene bei pro mente Wien Ich bin Mutter von 2 Kindern und auch mich hat eine psychische Störung viele Jahre begleitet und mein Leben sehr eingeschränkt. Doch wenn ich heute zurückblicke, waren viele Lösungen und Bewältigungsansätze vorhanden, die jedoch in meiner Ohnmacht und Hilflosigkeit für mich nicht sichtbar waren. Wir Menschen haben die Gabe, uns auf das zu konzentrieren, was nicht so gut läuft und dadurch fühlen wir uns mutlos und handeln natürlich dann auch dementsprechend Hinsehen und wahrnehmen was da ist Mein Kind hat eine psychische Erkrankung. Niemand ist schuld, vielmehr stellt sich die Frage, wie ich, als erwachsene Person, meinem Kind unterstützend zur Seite stehen kann. Wen oder was brauche ich? Wen oder was braucht mein Kind? Wenn Sie sich Unterstützung geholt haben, ihre Hilflosigkeit und Ohnmacht begriffen haben, erst dann können Sie ihrem Kind eine wertvolle Begleiterin oder Begleiter sein. Unsere Kinder sind einzigartige Menschen und die Aufgabe von uns Erwachsenen ist es, sie dabei zu unterstützen, dass sie ihre Einzigartigkeit, ihre Eigenheiten und ihre Unterschiedlichkeiten schätzen lernen und diese zu fördern. Damit sich unsere Kinder und unsere jungen Erwachsenen selbst vertrauen. Wie sie dies umsetzen können? Konzentrieren Sie sich nicht auf den kleinen Teil, der in ihren Augen nicht ok ist, sondern auf die zahlreichen Anteile, die in ihrem Kind leuchten. Richten Sie ihren Blick auf all jenes, das ihr Kind gut kann. Schenken Sie viel Lob und Anerkennung, zeigen Sie, dass sie oder er das Wichtigste und Wertvollste für Sie ist und nehmen Sie ihr Kind an, wie es ist. Lassen Sie es Fehler machen, eigene Erfahrungen sammeln. Schaffen Sie für ihr Kind ein Umfeld, indem all seine/ihre bunten Seiten - auch die Emotionen - hervorkommen und gelebt werden dürfen. Wann sind Sie das letzte Mal auf einen Baum geklettert? Erwachsene stehen vor einem Baum und malen sich aus, was alles passieren könnte. Schon ist die eigene Spontanität erstickt und die Lust und Freude auf den Baum zu klettern erloschen. Und was ist, wenn ihr Kind hinaufklettert? Was rufen wir nach? Halte dich gut fest! Dies sollten wir hinaufschicken und unsere Ängste und Befürchtungen (du wirst runterfallen, du wirst wieder deine Kleidung zerreißen, dir etwas brechen ) bei uns lassen. Kooperation mit WUK CoachingPlus: Die Kooperation mit WUK CoachingPlus ist uns wertvoll und wichtig. pro mente Wien weist junge Menschen unter 18 Jahren WUK CoachingPlus zu, eine Stelle, an die sie sich vertrauensvoll Seite 24

25 Kooperationspartner wenden können um berufliche Perspektiven zu entwickeln. Sollten junge Erwachsene nach dem Projekt von WUK CoachingPlus noch weitere Unterstützung und Begleitung benötigen, können sie bei pro mente Wien an einer Selbsthilfegruppe teilnehmen. Somit kann das Gefühl wieder alleine dazustehen für sie ein Stück aufgehoben werden. Seite 25

26 Angehörigenrunden im WUK CoachingPlus von Dr. Windhaber, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie Angehörige von Menschen mit psychischen Störungen sind häufig starken Belastungen ausgesetzt, sie geraten vermehrt in gravierende Überlastungs- und Übermüdungssituationen. Um in dieser Stress-Situation nicht selber krank zu werden, brauchen Angehörige professionelle Unterstützung. Sie haben dringende Fragen zu den Krankheitsbildern, Medikamenten und zum praktischen Umgang mit ihren Angehörigen: ihren Kindern, Geschwistern, PartnerInnen und FreundInnen. Die Angehörigen sind Teil eines stark belasteten Familiensystems und sollten darum aktiv in den Behandlungsprozess einbezogen werden. Informierte und vernetzte Angehörige stabilisieren das ganze Familiensystem und leisten so einen wesentlichen Beitrag zur Rezidivprophylaxe, das heißt Krankenhausaufenthalte können vermieden werden und die Lebensqualität aller Beteiligten wird positiv beeinflusst. Angehörigenrunden für Angehörige von PatientInnen mit psychischen Erkrankungen entstanden Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts in England. Sie waren ein zentrales Element von sozialpsychiatrischer Versorgung in der gemeindenahen Psychiatrie: die Pat. wurden nicht weit weg von der Familie behandelt, sondern waren bald wieder zu Hause. Zu Beginn der 80er Jahre fand der Begriff Angehörigenarbeit auch Eingang in die klinische psychiatrisch-psychotherapeutische Arbeit. Die Arbeit mit Angehörigen hatte das Ziel, die Rezidivprophylaxe psychosekranker Menschen zu verbessern. Heute ist Arbeit mit Angehörigen von psychisch Kranken aus dem Klinikalltag nicht mehr wegzudenken. Unter den Stichworten Psychoedukation, Angehörigenarbeit oder auch Trialog finden sich unterschiedliche Aspekte der Einbeziehung der Angehörigen psychisch kranker Menschen. Seit meiner Tätigkeit für das WUK CoachingPlus sind mir auch die Angehörigenrunden ein großes Anliegen; Angehörigenrunden sind eine Möglichkeit, die Angehörigen zu informieren, zudem werden die Angehörigen entlastet, und finden im besten Fall andere Angehörige, mit denen sie sich austauschen können und die ihr Schicksal gut verstehen. Angehörigenrunden ganz allgemein sind also Betreuung und Unterstützung in emotionaler und praktischer Weise. Häufige Themen in den Angehörigenrunden im WUK waren die Ursachen der psychischen Erkrankung, medikamentöse und nicht medikamentöse Therapiemöglichkeiten, Fragen zur Prognose, wie es denn weiter gehen wird, und Fragen zur Schuld: Was habe ich/was haben wir falsch gemacht? Seite 26

27 Kooperationspartner 5 Jahre Zusammenarbeit mit WUK CoachingPlus von Birte Paulhart, Sozialpädagogin der Tagesklinik Rehabilitation an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, AKH Wien Wir, das Team der Tagesklinik / Rehabilitation der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Wien, arbeiten seit unserer Eröffnung 2009, gerne und regelmäßig mit ClearingPlus zusammen. Das Konzept von WUK CoachingPlus erweist sich als sehr gewinnbringend für unsere PatientInnen. Jugendliche, die unsere Klinik zur Rehabilitation nützen, brauchen sehr oft professionelle Unterstützung, um berufliche Perspektiven zu entwickeln und um im Berufsalltag Fuß zu fassen. Zu Beginn dieses Prozesses steht ihnen mit dem/der BeraterIn im Projekt ein Personal Coach zur Seite. Diese Form der Einzelberatung ist sehr wesentlich, um vertrauensvoll neue Wege zu gehen. In Absprache auch mit unserem Team werden im Laufe der Coachingphase Gruppenangebote gemacht, die zur weiteren Selbstkompetenzsteigerung führen. Unser jugendliches Klientel steht einerseits in der Entwicklung vom Jugendlichen zum/zur jungen Erwachsenen und da ist die Zunahme der Selbstständigkeit und Selbstbestimmung sehr wesentlich. Andererseits haben sie in dieser sensiblen Phase auch eine psychische Erkrankung durchgemacht. Sie sind dadurch oft mit Themen wie Scheitern, Versagen und ausgegrenzt sein, in Berührung gekommen. Wieder Selbstbewusstsein zu gewinnen, sich zu stabilisieren, zurückzufinden in die alltägliche Welt, stellt eine große Herausforderung dar. Vor allem in dieser Lebensphase wo es heißt, auf eigenen Beinen zu stehen und zu bestehen. Das Konzept von CoachingPlus hat sich vor allem vom zeitlichen Ausmaß und von den Angeboten her als sehr förderlich erwiesen. Weiters zeigen die MitarbeiterInnen großes Verständnis und Feingefühl in ihrer Arbeit mit psychisch erkrankten Menschen. Das ist zu Beginn der Coachingphase notwendig, um den jungen Menschen wieder Mut zu machen, eine berufliche Zukunft anzudenken und diese in Folge zu gestalten. Noch während der Rehabilitationsphase an unserer Station wird der Kontakt zu dem/der CoachingmitarbeiterIn, der/die für den/die PatientIn zuständig ist, hergestellt. SozialpädagogInnen der Tagesklinik / Rehabilitation, CoachingmitarbeiterInnen sowie die Jugendlichen arbeiten des Öfteren über einen längeren Zeitraum intensiv zusammen. Sie sind in regem Austausch, um die Phasen des Clearingprozesses und zeitgleich den Verlauf der Rehabilitation von mehreren Blickwinkeln aus zu reflektieren und zu fördern. Die MitarbeiterInnen von WUK CoachingPlus zeichnen sich durch breites Fachwissen für den aktuellen Arbeitsmarkt aus und sind gut vernetzt mit Praktikumsplätzen, welche von unserer Klientel gerne genutzt werden. Sie sind Profis im Umgang mit ungewöhnlichen Lebensverläufen. Sie entwickeln gemeinsam mit den Jugendlichen berufliche Perspektiven und ermöglichen erste Berufserfahrungen. Seite 27

28 Die Regelmäßigkeit, mit der PatientInnen unserer Tagesklinik zum Coaching gehen, die Art und Weise wie sie davon berichten, ist für uns eigentlich das schönste Zeichen des Erfolges von WUK CoachingPlus. Sie erlangen dort wieder Selbstbewusstsein, werden gefordert aber nicht überfordert. Diesen Spagat zu schaffen ist nicht leicht. Wir, das multiprofessionelle Team der Tagesklinik / Rehabilitation bedanken uns für die gute Zusammenarbeit und freuen uns auf weitere, gut vernetzte Arbeit in den nächsten Jahren. Seite 28

29 Wirtschaft Wirtschaft Hürden in der Arbeitsintegration von psychisch erkrankten Jugendlichen von DSA Sandra Daubek, Kinder- und Jugendpsychiatrisches Ambulatorium mit Tagesklinik des Psychosozialen Dienstes Wien Seit fast zehn Jahren arbeite ich als diplomierte Sozialarbeiterin in einem Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulatorium mit Tagesklinik, wobei mein Schwerpunkt in der Betreuung der tagesklinisch aufgenommenen Jugendlichen liegt. In diesen Jahren erlebte ich einen kontinuierlichen Zuwachs an Möglichkeiten für meine Zielgruppe, vor allem im Bereich der Qualifizierung und Nachreifung, genauso wie in der Berufsorientierung für benachteiligte Jugendliche. Trotz dieses stetigen Anstiegs an Angeboten und professioneller Unterstützung seitens der Clearingstellen, erscheint es mir nach wie vor sehr schwierig zu sein, eine geeignete und dauerhafte Tätigkeit für psychisch erkrankte Jugendliche zu finden. Arbeit stellt auch für meine Patienten einen hohen Stellenwert und eine Grundlage zur Existenzsicherung dar, genauso wie eine sinnvolle Tätigkeit zur Identitätsentwicklung und zum Aufbau von Selbstvertrauen und Anerkennung dient. Allerdings führen die wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen zu einer Verringerung geeigneter Arbeitsplätze, mehr Wettbewerb und Konkurrenz und zu deutlich weniger Nischen am Arbeitsmarkt für beeinträchtigte Menschen. Genau diese Personengruppe leidet besonders unter den immer komplexer werdenden Anforderungen im Berufsleben wie z.b. erhöhte Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, die Bereitschaft zur Mobilität und die vernetzten Arbeitsabläufe. Bei vielen der geforderten Fähigkeiten haben diese Jugendlichen deutliche krankheitsbedingte Schwierigkeiten. Oft stellen schon die erforderlichen acht Arbeitsstunden pro Tag und der teilweise sehr frühe Arbeitsbeginn die ersten von vielen Hürden in der Arbeitsintegration dar. Grund dafür können die mangelnde Belastungsfähigkeit und die geringe Ausdauer sein. Durch die meist bestehenden Konzentrationsprobleme werden mehrere kürzere Pausen benötigt, die oftmals nur ungern erlaubt und auch eingesehen werden. Außerdem habe ich in der Praxis erlebt, dass es zu großen Missverständnissen bei Arbeitsversuchen kam, weil die Mitarbeiter vor Ort mit den Symptomen der diversen Krankheitsbilder wenig vertraut waren. Natürlich ist es schwierig, mit Jugendlichen umzugehen, die an einem Tag tolle Leistungen erbringen und am nächsten Tag kaum zu motivieren sind. Oft interpretiert der Arbeitgeber diese Schwankungen als ein Nicht-Wollen seitens des Jugendlichen, nur leider ist es weitaus öfter ein Nicht/Nicht mehr Können. Auch sehe ich ein großes Problem in der sehr langen Wartezeit Seite 29

30 auf diverse Bewilligungen für Projektstarts und Arbeitsbeginne z.b. bei Tagesstruktureinrichtungen durch die jeweiligen Träger und die oft zeitlich begrenzte Dauer und Finanzierung von durchaus sinnvollen Projekten. Gute Erfahrungen machte unsere Einrichtung mit folgender Vorgehensweise beim Versuch der Arbeitsintegration: Ambulante Weiterbetreuung durch unsere Einrichtung Weitergabe von Informationen über die Erkrankung und die möglicherweise auftretenden Probleme ausschließlich wenn die PatientInnen und Eltern/BetreuerInnen einwilligen und diesen Schritt wünschen Einbegleitung seitens der Tagesklinik bei der neuen Arbeitsstelle Eine fixe Ansprechperson vor Ort und eine klare Aufgabeneinteilung Zusammenarbeit aller beteiligten Organisationen mit den Eltern/BetreuerInnen Nachgehende Betreuung Aufbau eines unterstützendes Netzwerk Frühzeitige Erarbeitung einer Alternative, falls es zu einem Abbruch kommt Dieser rechtzeitige Aufbau von Alternativen, falls es zu einem Scheitern am ersten Arbeitsmarkt kommt, ermöglicht einen besseren Umgang mit möglichen Kränkungen und Rückschlägen. Ideal wäre die Schaffung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen, wo Jugendliche unter fachlicher Anleitung und individuellen Rahmenbedingungen z.b. sinnvolle Produkte erschaffen können. Dass dies natürlich ein große Weiterentwicklung sozialpsychiatrischer Konzepte erfordern und massive Veränderungen bedeuten würde, ist mir bewusst. Trotzdem wünsche ich mir, dass kein(e) Jugendliche(r)/Erwachsene(r), der/die seinen/ihren Beitrag leisten möchte, das Gefühl haben sollte, völlig überflüssig am Arbeitsmarkt zu sein! Seite 30

31 Wirtschaft Initiative Partnership für psychisch beeinträchtigte Jugendliche von Mag. a Corinna Peter, Jugendcoaching Es ist leichter ein Atom zu zerstören als ein Vorurteil - Zitat Albert Einstein Psychische Gesundheitsprobleme können in jeder Familie auftreten. Dennoch stoßen die Betroffenen oft auf Ablehnung und Vorurteile, was gerade den Schritt in die Arbeitswelt zu einer besonderen Herausforderung für sie macht. Dabei wäre eine berufliche Integration der Jugendlichen und jungen Erwachsenen trotz Beeinträchtigung vielfach gut möglich. Für dieses Versäumnis zahlt die Gesellschaft einen hohen Preis - sowohl in Form von menschlichem Leid als auch von enormen sozialen und volkswirtschaftlichen Kosten. WUK CoachingPlus hat es sich zum Ziel gemacht, an einer aufgeklärten Umgebung mitzuarbeiten und somit für beeinträchtigte junge Menschen die Übernahme von Verantwortung und eine Teilhabe an unserer Gesellschaft zu ermöglichen. Im Herbst 2011 wurde beispielsweise die Initiative Partnership für psychisch beeinträchtigte Jugendliche gestartet, wobei Betriebe am ersten Arbeitsmarkt gesucht wurden, die sich bereit erklären, Jugendliche mit einer psychischen Beeinträchtigung zu unterstützen. Uns ist es ein großes Anliegen, dass die KlientInnen einen Eindruck bekommen, wie ein Arbeitsalltag (Pünktlichkeit, langes Stehen, Kontakt mit Kunden und MitarbeiterInnen, längere Konzentrationsdauer usw.) im Bereich ihrer Interessen aussehen könnte. Oft haben sie falsche Vorstellungen von der Praxis und mit Hilfe von Schnuppertagen kann ein realistisches Bild vermittelt werden. Somit wurden Kontakte mit Firmen hergestellt, die es unseren Klientinnen und Klienten ermöglichen, praktische Arbeitserfahrung zu sammeln. Da sie ganz unterschiedliche Interessen haben, wurden Betriebe in verschiedenen Bereichen angeschrieben. Folgende Firmen haben sich zu einer Kooperation mit WUK CoachingPlus bereit erklärt und auf diesem Weg möchten wir noch einmal ein herzliches DANKE sagen! Es stimmt optimistisch zu sehen, dass sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Menschen für andere Menschen engagieren. Digidruck.at, Triesterstraße 33, 1100 Wien Einszueins Architektur, Meravigliagasse 1/25, 1060 Wien Platypus Media Design, Gonzagasse 1, 1010 Wien Burgkino, Opernring 19, 1010 Wien Baumax AG, Gr.-Enzersdorferstraße 39, 1220 Wien Thalia Buch und Medien GmbH, Landstraße Hauptstraße 2a/2b, 1030 Wien dennree Naturkost GmbH, Kaiserstraße 57 59, 1070 Wien Falter, Marc-Aurelstraße 9, 1011 Wien Seite 31

32 Seite 32 Herold Business Data GmbH, Guntramsdorferstraße 105, 2340 Mödling Ebswien Hauptkläranlage GmbH, Haiderquerstraße 7, 1110 Wien GEA Schuhe und Möbel, Niederschremserstraße 4b, 3943 Schrems Folgeeins, Lindengasse 32, 1070 Wien Create-Mediadesign GmbH, Taubstummengasse 7/3, 1040 Wien

33 Wirtschaft Partnership - Firmen Wir danken unseren Partnership Firmen für ihre Unterstützung Seite 33

34 Seite 34

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