Technik als Kultur. Tragödie der Kultur : Was bleibt von der kulturpessimistischen Technikkritik? 2. Vorlesung ( ): Christoph Hubig

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1 Technik als Kultur 2. Vorlesung ( ): Tragödie der Kultur : Was bleibt von der kulturpessimistischen Technikkritik? Christoph Hubig

2 Gliederung 1. Kulturpessimistische Technikkritik (Schema) 2. Hans Freyer 2.1 Dominantwerden technischer Kategorien 3. Günter Anders 4. Hannah Arendt 5. Kultur als menschliche Natur Prof. Dr. Ch. Hubig Institut f. Philosophie FG Philosophie der wissenschaftlich-technischen Kultur 2

3 1. Kulturpessimistische Technikphilosophie (Simmel, Spengler, Freyer, Gehlen, Arendt, Anders) Schema: a) Kultur als Objektivation des Geistes vs Zivilisation b) Sachzwangcharakter der Technik ( bloße Zivilisation ) c) Tragödie der Kultur d) Konsequenzen: Konservative Revolution Askese historische Besinnung etc. Prof. Dr. Ch. Hubig Institut f. Philosophie FG Philosophie der wissenschaftlich-technischen Kultur 3

4 2. Hans Freyer, Theorie des gegenwärtigen Zeitalters (1955) Kritik der vier Kultur- Trends Steigerung der Machbarkeit der Sachen Organisierbarkeit der Arbeit Zivilisierbarkeit des Menschen Machbarkeit der Geschichte Verlust von unmittelbarem Natur- und Selbstbezug Unterwerfung unter Funktionszusammenhänge Wert- und Bedürfnisverluste Kontrollverlust und -delegation an Maschinen der Weltgestaltung sekundäre Systeme : Artifizialisierung der Stoffe und der Umwelt Managementsysteme kompensatorische Kultur- und Abenteuerindustrie Entscheidung der Expertensysteme Prof. Dr. Ch. Hubig Institut f. Philosophie FG Philosophie der wissenschaftlich-technischen Kultur 4

5 2.1 Hans Freyer, Über das Dominantwerden technischer Kategorien (1960) Kategorien (im Unterschied zu Begriffen) betreffen Aussageweisen Beispiele: Ankurbeln, Schalten, Belastung, Einstellung, Leerlauf Schnittstelle Selbstbilder und Lebenswelt werden unter technischen Modellen gedacht (Organismus / Leben unter mechanischen (Descartes) elektro-, thermodynamischen (19. Jhd.) informatischen Modellen (seit 1950) Prof. Dr. Ch. Hubig Institut f. Philosophie FG Philosophie der wissenschaftlich-technischen Kultur 5

6 3. Günther Anders, Die Antiquiertheit des Menschen (1956/1980) Technik als Vorentscheidung prometheisches Gefälle prometheische Scham Welt als Matrize Passivierung(-sdefizit) Antiquiertheit - des Aussehens: technische Gestalt verbirgt Inhalte - der Menschenwelt: Technik als Renommee-Träger - der Produkte: Nachfrage wird produziert - der Masse: Vereinzelung des Menschen - der Arbeit: technische Subjekte arbeiten - der Maschinen: technische Netze - des Individuums: Selbst ist nur noch Defizit - der Ideologien: Technik als Selbstläufer - der Privatheit: gläserner Mensch - der Freiheit: schwindende Alternativen - der Geschichte: Technik als historisches Subjekt Prof. Dr. Ch. Hubig Institut f. Philosophie FG Philosophie der wissenschaftlich-technischen Kultur 6

7 4. Hannah Arendt, Vita activa oder vom tätigen Leben (1958) Arbeit (persönliche Entfaltung und Reproduktion) Herstellen dominiert Politik (Koordination freien Handelns) nicht mehr dauerhafte Welt von Gütern Maschinen leiten die Arbeit des Körpers sondern verbrauchsorientiert Messen dominiert die Bewertung Sinnverlust beim Planen Reflexion auf Verfallsgeschichte kompensatorische Funktion der Geisteswissenschaften Prof. Dr. Ch. Hubig Institut f. Philosophie FG Philosophie der wissenschaftlich-technischen Kultur 7

8 5. Kultur als menschliche Natur (Weiterführung) Stabilisierung der Handlungsbedingungen (seit der Agrikultur) Einschränkung des Handelns auf die realen Bedingungsverhältnisse des Einsatzes technischer Mittel ( Kulturpessimismus) Eröffnung der Möglichkeiten neuer, kreativer Erweiterung der Handlungsspielräume, weil durch die Sicherungen der Existenzbedingungen Energien für die Suche nach neuen Mitteln freigesetzt werden. Diese Mittel als Potenziale (Herbeiführbarkeit) ermöglichen neue Zwecksetzungen ( Kulturoptimismus) Prof. Dr. Ch. Hubig Institut f. Philosophie FG Philosophie der wissenschaftlich-technischen Kultur 8

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