Eingliederung vor Rente

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1 Eingliederung vor Rente Betriebliches Gesundheitsmanagement Prof. Dr. Roland A. Müller Business-Lunch, Gesundheitsamt Zug, 7. Juni 2011 Schweizerischer Arbeitgeberverband,

2 Agenda Aspekte der Arbeitsmarktintegration im Überblick Die Lösung arbeitsrechtlicher Probleme Exkurs: Umgang mit «Schwierigen Mitarbeitern» (Erkenntnisse aus dem Forschungsbericht des BSV Nr. 1/11) Schlüsselfunktion der kantonalen IV-Stellen Notwendige Sensibilisierung aller Stakeholder Ausblick 2 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

3 Aspekte der Arbeitsmarktintegration aus Optik Arbeitgeber im Überblick Allgemeine Wirtschaftslage - Situation auf dem Arbeitsmarkt Geeignete Arbeitsstelle (u.a. «Gesundheitsprofil») Abbau negativer Anreize für Arbeitgeber Abbau negativer Anreize für Betroffene Verhalten der Mitarbeitenden Weitere Faktoren Familiäres Umfeld der Betroffenen Gesellschaftliches Umfeld 3 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

4 Abbau negativer Anreize Negative Anreize für Arbeitgeber Bisher unklare arbeitsrechtliche Behandlung des sog. «Arbeitsversuchs» Prämienanstieg aufgrund erhöhtem Risiko bei der Krankenversicherung (KTGV), der Unfallversicherung bzw. der beruflichen Vorsorge Reduzierte Arbeitsleistung während der Einarbeitungsphase Zusätzlicher Betreuungsaufwand Anpassung des Arbeitsplatzes Negative Anreize für Betroffene Einkommensreduktion bei Arbeitsaufnahme (Schwelleneffekte) Rentenverlust 4 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

5 Vom Arbeitgeber beeinflussbare Faktoren Bestehende Arbeitsverhältnisse: Konkretisierung der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers (OR 328) Geeignetes Absenzen- und Case-Management Beurteilung des Verhaltens des/r Arbeitnehmers/in Persönliche Betreuung / Coaching Innerbetriebliche Information (Fürsorgepflicht des Arbeitgebers / Daten- und Persönlichkeitsschutz!) Prüfen von internen Versetzungen, Arbeitszeit-Modellen etc. Neue Arbeitsverhältnisse (Reintegration): Soziales Engagement / Commitment: Grundsätzliche Bereitschaft zur Aufnahme von Menschen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit Beeinflussung des Betriebsklimas (Mitarbeitermotivation) Persönliche Betreuung (je nach Betriebsgrösse) 5 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

6 «Exogene» Faktoren Bestehende Arbeitsverhältnisse: Erfassen / Beurteilen der Krankheitsbilder (arbeitsplatzbezogenes Erscheinungsbild) und Handlungsmöglichkeiten (Reaktionsart) Verhalten der Mitarbeiter (Umfeld) Mithilfe des/r Betroffenen Neue Arbeitsverhältnisse (Reintegration): Wirtschaftslage / Wettbewerbsdruck (geeignete, offene Stellen) Effiziente Stellenvermittlung /-plattform Geeignetes, externes Coaching, insbesondere bei Mehrfachproblematiken (finanzielle, familiäre Probleme) «Integrationsunterstützende», gesetzliche Rahmenbedingungen (z.b. Arbeitsversuch) Auffangnetz, wenn Integration nicht funktioniert (bei Rückfall) 6 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

7 Arbeitsrechtliche Fragen (1) Zustandekommen eines Arbeitsvertrages (OR 319 ff.) Ø Ø Arbeitsgericht ZH: Arbeitsleistung verwertbar, keine Beschäftigungstherapie Eingliederung in eine Organisation («Subordination») Ø Ø Dauerschuldverhältnis Entgelt (nicht nur Gefälligkeitsarbeit) Formlosigkeit eines Vertrages (OR 320 I) Instrument des Personalverleihs (www.xtrajobs.ch) 7 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

8 Arbeitsrechtliche Fragen (2) Arbeitnehmerschutzbestimmungen Ø Probezeit (OR 335b): 1 bis 3 (?) Monate; Verlängerung aufgrund von OR 335b III bei reduzierter Leistungsfähigkeit Ø Kündigungsfrist (1 Monat im ersten Dienstjahr): OR 335c I nach Ablauf der Probezeit? Ø Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle (OR 324a/b) Ø Missbräuchliche Kündigung (OR 336 I lit.a) (Kein Missbrauch bei Kündigung wegen gänzlicher oder teilweiser Verhinderung an der Erfüllung der Arbeitsleistung = Bezug zum Arbeitsverhältnis und nicht zur Person)? Ø Kündigungssperrfristen (OR 336c)? Ø Befristetes Arbeitsverhältnis «zur Probe» Ø Anwendbarkeit eines Gesamtarbeitsvertrages (Mindestlöhne)? 8 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

9 Wichtige Änderungen gemäss IV-Revision 6a 1. Beratung der Versicherten (inkl. Arbeitgeber) auch nach erfolgter Wiedereingliederung 2. Arbeitsversuch a) Kein Arbeitsverhältnis (Kündigungsschutz / Sperrfristen!) b) Keine Prämienbelastung für den neuen Arbeitgeber 3. Wiederaufleben der Rente bei Rückfall a) Keine Belastung der Krankentaggeldversicherung b) Keine Belastung der Vorsorgeeinrichtung des neuen AG 4. Vereinfachung des Einarbeitungszuschusses 9 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

10 Konzept der Reintegration nach der IV-Revision 6a 1. Triage (Grobprüfung) 2. Triage (vertiefte Abklärung) IV: Herabsetzung / Aufhebung der Rente mind. 30 Tage arbeitsunfähig: «IV-Rente» lebt wieder auf (= Übergangsleistung) Entscheid IV-Stelle Ablauf Schutzfrist von 3 Jahren Wiedereingliederungsmassnahmen (Teil-)Erwerb Prüfung IV-Stelle Erwerb od. Rente je nach Entscheid Arbeitsversuch: 1) max. 180 Tage Beratung/Coaching der Arbeitgeber und Betroffenen: bis max. 3 Jahre 1) Kein Arbeitsverhältnis Rente IV und 2. Säule Quelle: BSV / SAV Säule: Rente läuft weiter Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011 Rente 2. Säule der bisherigen VE läuft während 3 Jahren weiter (Bestandesschutz); Erwerbseinkommen wird angerechnet

11 Exkurs: Umgang mit sog. «Schwierigen Mitarbeitern» (1) Erkenntnisse aus dem Forschungsbericht des BSV Nr. 1/11 (Pilotuntersuchung in den Kantonen BS und BL; Kontakt zu 8200 Kaderpersonen im April Juli 2010) Untersuchungszweck Empirische Basis zur Art und Häufigkeit psychisch bedingter Problemsituationen im Betrieb Erarbeitung einer Typologie der häufigsten Problemsituationen Identifikation von Einflussfaktoren und Unterstützungsbedürfnissen der Beteiligten Anknüpfung an der Wahrnehmung der Vorgesetzten (Praxisaspekt) 11 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

12 Umgang mit sog. «Schwierigen Mitarbeitern» (2) Psychische Störung im Betrieb Krankheitswertigkeit Reaktionen des Teams Ablehnung, Ärger und Wut (46%) Hilfsbereitschaft (33%) Ambivalenz, Verunsicherung, Stress (21%) Einbezug der Invalidenversicherung In 14% der Fälle involviert Gleich oft wie externe Beratungsstellen, externe soziale Stellen und Vertrauensärzte Weniger häufig als Problemlöser wahrgenommen als die anderen Stellen 12 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

13 Umgang mit sog. «Schwierigen Mitarbeitern» (3) Fazit 25% der Belegschaft leiden oder haben unter psychischen Problemen gelitten, welche die Arbeitsfähigkeit einschränken Belastung der Vorgesetzten sowie Verschlechterung des Teamverhaltens Geringer Einbezug der IV-Stellen u.a. wegen Kaum ausreichender Konkretisierungsgrad der Info der IV- Fachpersonen über Behinderung, angemessenen Umgang sowie mögliche Arbeitsplatzanpassungen Nichterkennen der Krankheitswertigkeit von Persönlichkeitsstörungen oder Meldung gegenüber IV-Stelle erst in fortgeschrittenem Krankheitsstadium Kein Mangel an Engagement, sondern an professioneller Unterstützung, an Info, Aufklärung und Schulung 13 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

14 Schlüsselfunktion der kantonalen IV-Stellen Adressatengerechte Beratung / Coaching durch Fachpersonen der kantonalen IV-Stellen Fachkundige Stellenvermittlung: «Matching» zwischen Stellen-, Ausbildungs- und Eingliederungsprofil im «Feldkontakt» mit den Arbeitgebern Verstärkung / Systematisierung der Kontakte «IV-Stellen Arbeitgeber» in sog. «Netzwerken Arbeit» o.ä. Einbezug privater Eingliederungsinstitutionen und Stellenplattformen wie z.b. IPT integration für alle (www.fondation-ipt.ch) Profil Arbeit & Handicap (www.profil.proinfirmis.ch) My Handicap (www.myhandicap.ch) 14 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

15 Notwendige Sensibilisierung aller Stakeholder Sensibilisierung aller Stakeholder für das Thema der Früherfassung bzw. (Re-)Integration erforderlich Arbeitgeber Betroffene Mitarbeitende Gesellschaft Sensibilisierungskanäle: Medien, Verbände etc. Abrufbarkeit/Verbreitung von Informationen zum Thema unter Hilfsmittel und Massnahmen der IV Beispielfälle Krankheitsbilder etc. 15 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

16 16 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

17 Sensibilisierungskampagne im Bereich «Integration» 17 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

18 Ausblick Fortführung der Anpassungen gesetzlicher Rahmenbedingungen mit der 6. IV-Revision (6a + 6b) Systematisierung der Zusammenarbeit mit den kantonalen IV- Stellen Erarbeitung evidenzbasierter Konzepte zur wirksameren und präventiven Unterstützung der Arbeitgeber durch die kantonalen IV- Stellen (Massnahmen, Abläufe und Settings zur Erkennung und Reaktion gegenüber psychischen Erkrankungen) Optimierung des Stellenvermittlungsprozesses (Ausbau der sog. «Netzwerke Arbeit»: Plattform Sensibilisierung und Information aller Stakeholder (www.compasso.ch) und Thematisierung psychischer Erkrankungen in der Öffentlichkeit 18 Schweizerischer Arbeitgeberverband, Gesundheitsamt des Kantons Zug, 7. Juni 2011

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