INVALIDENVERSICHERUNG. Dr. med. Christian A. Ludwig, M.H.A. Universität Bern

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1 VERSICHERUNGSMEDIZIN INVALIDENVERSICHERUNG Dr. med. Christian A. Ludwig, M.H.A. Universität Bern

2 Lernziele Social insurance C PH 75 Definitions in the general section of the social insurance regulations (ATSG/LPGA): sickness, accidents, inability to work, incapacity to work, disability, helplessness, subsidiarity principle. C Disability insurance (IVG/LAI): insured persons, benefits, including re-integration measures, PH 80 special training and auxiliary equipment. 2 1

3 Grundlagen > Bundesgesetz vom über die Invalidenversicherung (IVG) admin.ch/ch/d/sr/c831_20.html > Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein; wichtigste IVG-versicherte Invaliditätsursachen sind psychische Erkrankungen (40%) und Erkrankungen der Knochen und der Bewegungsorgane (23%). > Wer in der Schweiz zivilrechtlichen Wohnsitz hat, ist obligatorisch gemäss IVG versichert (wie AHV) > Für die Invalidenversicherung ist der Bundesrat zuständig, ausführende Behörde ist das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV)

4 Organisation > Kantonale IV-Stellen (~ AHV-Stellen) Prüfung des Leistungsanspruchs Durchführung von Wiedereingliederungsmassnahmen g Bestimmung von Invaliditäts- und Hilflosigkeitsgraden Verfügungen im Leistungsbereich iv-stelle.ch > Medizinische Abklärungsstellen (MEDAS) Leistungsverträge mit dem Bundesamt für Sozialversicherungen Beurteilungen im Auftrag der IV-Kommissionen Gutachten für die Invalidenversicherung (und andere Auftraggeber) Einrichtungen ngen werden von Ärzteteams, Spitälern oder einer anderen Trägerschaft betrieben. > Berufliche Abklärungsstellen (BEFAS)

5 Organisation > Regionale Ärztliche Dienste (RAD) Unterstützung der IV-Stellen bei der Beurteilung der medizinischen Anspruchsvoraussetzungen Prüfung medizinische Unterlagen, speziell bei Gesuchen für berufliche Massnahmen und Renten Anordnung oder Durchführung ergänzender Untersuchungen Begutachtung

6 Auftrag > Eingliederung vor Rente > Invalidität ist mit geeigneten, einfachen und zweckmässigen Eingliederungsmassnahmen zu verhindern, zu vermindern oder zu beheben. Medizinische Massnahmen Integrationsmassnahmen Massnahmen beruflicher Art Abgabe von Hilfsmitteln > Erst wenn die Eingliederungsmassnahmen im Einzelfall erschöpft sind, kommt es zur Prüfung der Rentenfrage ökonomische Folgen der Invalidität sind auszugleichen (Deckung des Existenzbedarfs)

7 Medizinische Massnahmen > Behandlung von Geburtsgebrechen bis 20. Altersjahr gemäss Liste / Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV) admin.ch/ch/d/sr/8/ de.pdf > Behandlung, die vom Arzt selbst oder auf seine Anordnung durch medizinische Hilfspersonen in Anstalts- oder Hauspflege vorgenommen wird. > Medikamente K i K t b t ili d V i h t > Keine Kostenbeteiligung des Versicherten > Leistungsverrechnung gemäss Tarmed

8 Integrationsmassnahmen > Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mind. 50% arbeitsunfähig sind, haben Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung, g sofern dadurch die Voraussetzungen für die Durchführung von Massnahmen beruflicher Art geschaffen werden können. Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation, namentlich Belastbarkeits- und Aufbautraining, wirtschaftsnahe Integration und Support am Arbeitsplatz ( Erst plazieren, dann trainieren ), Arbeit zur Zeitüberbrückung Beschäftigungsmassnahmen > Beiträge für Arbeitgeber bei Integrationsmanagement im Betrieb

9 Massnahmen beruflicher Art > Berufsberatung > Erstmalige berufliche Ausbildung (z.b. Vorbereitung auf Hilfsarbeit) > Umschulung > Arbeitsvermittlung Aktive Unterstützung bei der Stellensuche Begleitende Beratung Beiträge an Arbeitgeber bei Anstellung Behinderter Einarbeitungszuschüsse zur Kompensation von initialen Leistungsdefiziten (während max. 180 Tagen) > Kapitalhilfe

10 Abgabe von Hilfsmitteln > Liste in der Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die IV (HVI) admin.ch/ch/d/sr/c831_232_51.html > Hilfsmittel, derer die versicherte Person zur Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedarf; z.b. Prothesen, Brillen, Rollstühle, motorisierte Invalidenfahrzeuge, Geräte am Arbeitsplatz oder im Haushalt, Kommunikationsgeräte. > Versicherte, die infolge Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedarf, haben Anspruch auf solche Hilfsmittel ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit.

11 Mitwirkungspflicht des Versicherten > Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist. > Die versicherte Person muss alles ihr Zumutbare unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit zu verringern und den Eintritt einer Invalidität zu verhindern. Sie muss an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich dienen, aktiv teilnehmen. Kür ng nd Ver eiger ng der Leist ng bei Verlet ng > Kürzung und Verweigerung der Leistung bei Verletzung der Mitwirkungs- bzw. Schadenminderungspflicht.

12 Invaliditätsgrad > Invaliditätskonzept > Erwerbsminderung = Prozentsatz Invaliditätsgrad (Differenzmethode) > Hilfsfunktion des behandelnden Arztes Beurteilung des Gesundheitszustandes Einschätzung ng der Arbeitsunfähigkeit (AUF) Medizinische Beurteilung der Zumutbarkeit von Tätigkeiten Der Arzt äussert sich nie zum Invaliditätsgrad oder zur Frage der Rentenberechtigung!

13 Renten > Voraussetzungen Eingliederungsmassnahmen ausgeschöpft Rentenanspruch frühestens, wenn die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40% arbeitsunfähig gewesen ist. > Rente aufgrund Invaliditätsgrad mind. 40% ¼ - Rente mind. 50% ½ - Rente mind. 60% ¾ - Rente mind. 70% Vollrente > Obere Altersgrenze = AHV-Altersgrenze > ev. Ergänzungsleistungen, ngsleist ngen Hilflosenentschädigung ng (wie AHV)

14 Leistungen > Im Jahre 2009 bezogen Personen Leistungen der Invalidenversicherung, davon eine Rente. Entwicklung der IV-Rentenleistungen > Gründe für Rentenleistungen Krankheit 79% Geburtsgebrechen 12% Unfall 9%

15 Finanzierung > Die Versicherten und Arbeitgeber kommen für die eine Hälfte des Aufwandes auf (Lohnabzug 2 x 0.7%), die öffentliche Hand für die andere Hälfte (¾ Bund, ¼ Kantone) > Defizit Ende 2010 > CHF 15 Mia. > Befristete Zusatzfinanzierung (bis 2017) durch Mehrwertsteuer- Befristete Zusatzfinanzierung (bis 2017) durch Mehrwertsteuer zuschlag (Normalsatz 7.6% 8.0%)

16 Früherfassung > Zur Früherfassung einer versicherten Person werden der zuständigen IV-Stelle die Personalien und Angaben der versicherten Person und der meldenden Person oder Stelle schriftlich gemeldet. Der Meldung kann ein ärztliches Arbeitsunfähigkeitszeugnis beigelegt werden. Diese Meldung entspricht nicht einer IV-Anmeldung. > Meldeberechtigt sind die versicherte Person, Familienangehörige, Arbeitgeber, behandelnde Ärzte, Unfallversicherung, Militärversicherung, Taggeldversicherung, Pensionskasse, Arbeitslosenversicherung, Durchführungsorgane der kantonalen Sozialhilfegesetze (abschliessende Liste im Gesetz).

17 Frühintervention > Die IV-Stellen können folgende Massnahmen anordnen Anpassungen des Arbeitsplatzes Ausbildungskurse Arbeitsvermittlung Berufsberatung sozialberufliche Rehabilitation Beschäftigungsmassnahmen. > Auf Massnahmen der Frühintervention besteht kein Rechtsanspruch; keine Taggeldzahlung. > Die versicherte Person ist zur aktive Teilnahme verpflichtet.

18 Auskunfterteilung > Die versicherte Person ermächtigt mit der Geltendmachung des Leistungsanspruchs die in der Anmeldung erwähnten Personen und Stellen, den Organen der Invalidenversicherung alle Auskünfte zu erteilen und alle Unterlagen zur Verfügung zu stellen, die für die Abklärung von Leistungs- und Regressansprüchen erforderlich sind. Diese Personen und Stellen sind zur Auskunft verpflichtet. > Die in der Anmeldung nicht namentlich erwähnten Arbeitgeber, Leistungserbringer, Versicherungen und Amtsstellen sind ermächtigt, den Organen der Invalidenversicherung auf Anfrage alle Auskünfte zu erteilen und alle Unterlagen zur Verfügung zu stellen, die für die Abklärung von Leistungs- und Regressansprüchen erforderlich sind. Die versicherte Person ist über den Kontakt zu diesen Personen und Stellen in Kenntnis zu setzen.

19 Rechtspflege > Streitsachen zwischen Versichertem und IV Vorbescheidverfahren ( Rechtsmittelverfahren): Gewährung des rechtlichen Gehörs Verfügung Kantonales Versicherungsgericht Verwaltungsgerichtsbeschwerde an die Sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts > Streitsachen zwischen Arzt und IV Paritätische Vertrauenskommission (Schlichtungsinstanz FMH + IV) Kantonales Schiedsgericht Sozialrechtliche Abteilung des Bundesgerichts

20 6. IVG-Revision > Mit der laufenden 6. IVG-Revision soll eine nachhaltige, finanzielle Sanierung erzielt werden. Massnahmen in Vernehmlassung: Wiedereingliederung g von Rentnern in das Erwerbsleben Stufenloses Rentensystem Reduktion der Zusatzrenten für Kinder Verstärkung der Betrugsbekämpfung Begrenzung der Übernahme von Reisekosten Massnahmen zur Entschuldung der Invalidenversicherung etc.

21 Dr. med. Christian A. Ludwig, M.H.A. Chefarzt Suva Fluhmattstrasse 1 CH Luzern Dezember 2010

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