Schüssel? keine. Selbstbilder, Fremdbilder, Vorbilder. Gehörlosen-Fürsorgeverein der Region Basel. insieme Lebenshilfe Basel

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1 2 10 Sprung in der Für mich Schüssel? keine Behinderung. 50 Jahre IV Bilderwelten: i n s i e m e setzt sich seit 50 Jahren für Menschen mit geistiger Behinderung ein. Selbstbilder, Fremdbilder, Vorbilder Schweizerische Vereinigung der Gelähmten ASPr/SVG Ortsgruppe beider Basel Gehörlosen-Fürsorgeverein der Region Basel Schweizerischer Gehörlosenbund Nordwestschweiz Schweizerischer Blindenbund Regionalgruppe Nordwestschweiz Schwerhörigen-Verein Nordwestschweiz insieme Lebenshilfe Basel Behindertensport Basel Schweizerischer Blindenund Sehbehindertenverband Sektion Nordwestschweiz Band-Werkstätten Basel insieme Lebenshilfe Baselland für Menschen mit Handicap Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft SMSG Regionalgruppe beider Basel FRAGILE Suisse Basler Vereinigung für hirnverletzte Menschen IVB Behindertenselbsthilfe Vereinigung Cerebral Basel Stiftung Melchior Tagesstätte, Treffpunkt, Angehörigen Selbsthilfe, Wohnheim Phoenix

2 BO_Inserat_HF_sw_10:Inserat BBS.qxp :02 Seite 1 B a s l e r O r t h o p ä d i e B a s l e r O r t h o p ä d i e R e n é R u e p p A G A u s t r a s s e 1 0 9, B a s e l Te l e f o n F a x i n f r e n e - r u e p p. c h Sie sind mit Ihrem Hörproblem nicht allein. Falknerstrasse 33, 4001 Basel, Tel Wir sorgen für Ihre Mobilität seit 1999 Keine Mitgliedschaftskosten Auch für Fussgänger ohne Rollstuhl Spontanfahrten mit Vorbestellzeit 2 Stunden Kleinbusse für Gruppenfahrten und Ausflüge Professionelle Fahrer Moderne Fahrzeuge WOHN- UND ARBEITSPLATZANGEBOT Als fortschrittliche Institution engagieren wir uns seit 1975 für eine umfassende soziale Integration von Behinderten. Bestmögliches Umfeld und hohe Kompetenz im Umgang mit Körperbehinderten zählen zu unseren Stärken. In unserem modernen Zentrum in Reinach Baselland haben wir noch wenige freie Wohn- und Arbeitsplätze für Körperbehinderte zu vergeben. Wir bieten die Chance, eine qualifizierte Leistung an einem sinnvollen Arbeitsplatz in einer behindertengerechten Umgebung zu erbringen und gleichzeitig einen modernen Wohnplatz mit unterstützender Pflege zu beziehen. Interessiert? Frau Cornelia Truffer steht für Auskünfte und Informationen unter Telefon oder gerne zur Verfügung. Weitere Informationen: Internet: Telefon: Wohn- und Bürozentrum für Körperbehinderte Aumattstrasse Postfach CH-4153 Reinach 1 Telefon Fax

3 50 Jahren für Menschen mit geistiger Behinderung ein. Inhalt Editorial Thema Der selbstbewusste Blick in die Kamera 5 7 Ich habe mein Leben in die eigenen Hände genommen 8 9 Aktuell Vom Almosen zum Rentenanspruch Beiträge Das andere Hotel erhält eine andere Trägerschaft Vorbilder 14 Ehrliches Interesse 15 Hinweise Compasso Orientierungshilfe für Unternehmen 16 Parkplätze 17 Musik 17 Behinderung ist keine Attraktion und kein Event 18 Tickets trotz Touchscreen plus Älter werden mit Handicap 21 Mitgliedorganisationen Procap:Pia Fankhauser wird Präsidentin von Procap Nordwestschweiz 22 Procap: Anlässe 23 IVB: Erfolgreiches Vereinsjahr Veranstaltungen Veranstaltungen 25 Die Zweitletzte Wichtige Adressen (BTD, Beratungsstellen etc.) 26 Sprung in der Für mich Schüssel? keine Behinderung. i n s i e m e setzt sich seit Insieme Schweiz feiert «50 Jahre anders als normal». Im Zentrum stehen Begegnungen von Menschen mit und ohne Behinderung. Mit den Plakaten der Sensibilisierungskampagne werden Vorurteile angesprochen und gleichzeitig sympathische, selbstbewusste Persönlichkeiten in Szene gesetzt. Liebe Leserin Lieber Leser Ein Mann fand bei einem Spaziergang das Ei eines Adlers, so beginnt eine bekannte Fabel. Er nahm es mit nach Hause und legte es zu den Eiern einer Henne. Zusammen mit den Küken schlüpfte der Adler. Er wuchs mit ihnen auf und verbrachte sein ganzes Leben mit ihnen. Er lernte mit den Füßen zu scharren, Körner zu picken und zu gackern. Gelegentlich tat er es auch den Hühnern gleich, flatterte etwas mit den Flügeln und flog ein paar Meter. Eines Tages sah er am Himmel einen wunderschönen Vogel, der anmutig und kraftvoll durch die Lüfte flog. Was ist das, fragte er die Hennen. Das ist ein Adler, der König der Lüfte, sagten diese. Du bist eine Henne und kannst nicht fliegen. Der Adler, der sich für eine Henne hielt, begnügte sich damit und starb eines Tages in dem Glauben, eine Henne zu sein. Wissen wir, wozu wir fähig sind oder glauben wir nur das, was andere über uns erzählt oder für uns vorgesehen haben? In der vorliegenden Ausgabe des Handicapforums befassen wir uns schwer punktmässig mit dem Thema Bilder: Selbstbilder, Fremdbilder, Vorbilder, Darstellungen und Vorstellungen. Lassen sie sich inspirieren. Was wäre, wenn Sie tatsächlich ein Adler und kein Huhn sind? Was wäre, wenn ihr Gegenüber ganz andere Fähigkeiten hätte als sie bisher angenommen haben? Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. Barbara Imobersteg Behindertenforum Barbara Imobersteg

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5 Thema Der selbstbewusste Blick in die Kamera Mark Zumbühl ist Leiter für Kommunikation und Mittelbeschaffung bei Pro Infirmis Schweiz. Handicapforum hat sich mit ihm über die Bildsprache im Wandel der Zeit unterhalten. Handicapforum, bim: Sie befassen sich mit Bildern von Menschen mit Behinderungen, mit neuen und alten Bildern. Mark Zumbühl: Ja, mich interessiert die Frage, wie behinderte Menschen dargestellt werden. Ich sage bewusst «behinderte Menschen». Diese Formulierung bringt zum Ausdruck, dass Behinderung nicht nur etwas ist, das den Betroffenen aufgrund gewisser Beeinträchtigungen anhaftet, sondern immer auch durch die Zuschreibung der andern zustande kommt. Das gesellschaftliche Umfeld macht Menschen zu behinderten Menschen, durch alle möglichen Einschränkungen, Vorstellungen und Sichtweisen. Da wären wir bei den Bildern. Sie haben sich damit auseinandergesetzt, wie behinderte Menschen gesehen werden und Bilder aus verschiedenen Zeiten kritisch betrachtet. Wo fängt die Spurensuche an? In der Renaissance. Die niederländischen Maler dieser Zeit, zum Beispiel Pieter Breughel, haben das bäuerliche Leben dargestellt. Unter den vielen Protagonisten einer solchen Szene, kann man auch behinderte Menschen entdecken. Sie gehörten offensichtlich zum Dorfleben und werden wie alle andern detailgetreu abgebildet. Man sieht sie meist bettelnd eher am Rand des Geschehens. Im 16. Jahrhundert tauchen aber erstmals Porträts auf. Das hat mich fasziniert. Weshalb? Da werden Menschen mit ihren Behinderungen ganz direkt gezeigt. Sie schauen den Betrachtenden ins Foto: zvg Foto: zvg

6 Thema Gesicht. Sie werden auch mit ihrem Namen oder Beruf vorgestellt. Das deutet auf ein besonderes Interessen hin Es gab vermutlich verschiedene Interessen. Es ist anzunehmen, dass Bilder von Behinderungen als Kuriosität ausgestellt wurden und es gab ein wachsendes wissenschaftliches Interesse. Es gibt aber auch Zeugnisse von Bildern, die gedruckt wurden mittlerweile konnte man ja drucken und vor den Kirchen verteilt wurden. Behinderte Menschen waren ja auf Almosen angewiesen. Sozusagen die ersten Bettelbriefe... Noch heute werden Spenden mit bildlichen Darstellungen von behinderten Menschen akquiriert. Welche Bildsprache soll, kann und darf denn angewandt werden? Die Kampagne der Pro Infirmis «Wir lassen uns nicht behindern», hat wieder zu dieser direkten Bildaussa- ge gefunden. Das war aber ein langer Weg. Die ersten Werbebilder unserer Organisation Anfang des 20 Jahrhunderts waren alles andere als direkt. Behinderung zu zeigen, war damals offenbar tabu. Mit welchen Mitteln hat man denn auf das Thema aufmerksam gemacht? Mit Symbolik, zum Beispiel mit einer geknickten Blume und einer schützenden Hand. Mitleiderregend Genau. Später kam ein Bild mit einem Flügel, der in Ketten gelegt ist. Das assoziiert immerhin die Vorstellung, dass einem jemand Ketten verpasst und vor allem die Möglichkeit, Ketten zu sprengen. Noch immer ist aber kein Mensch im Bild. Das war auch in den siebziger Jahren noch so. Damals wurde eine lachende Sonne publiziert, also kein Jam- Foto: zvg Foto: zvg

7 Thema mern, kein Mitleid, sondern die Botschaft: behinderten Menschen soll und kann die Sonne lachen. Menschen werden bei unseren Archivbildern erstmals 1986 sichtbar. Menschen mit Behinderungen? Das sieht man eben nicht. Man sieht beispielsweise ein herziges Kind. Es könnte eine unsichtbare Behinderung haben oder eine Behinderung, die der Bildausschnitt nicht zeigt. In Verbindung mit dem Namen Pro Infirmis, nimmt man an, dass da noch etwas sein könnte. Wir müssen bis in die neunziger Jahre gehen. Da beginnt es mit einem Rollstuhl von hinten. Nach wie vor schaut uns niemand an und umgekehrt sehen wir keinem ins Gesicht. Zehn Jahre später haben Sie die Kampagne «Wir lassen uns nicht behindern» gestartet. Die erste Serie zeigte erwachsene Menschen mit körperlichen Behinderungen und Missbildungen ohne Hilfsmittel, ohne Prothesen, dafür mit einem selbstbewussten, wachen Blick in die Kamera, mit Namen und Angaben zum Beruf. Die Bilder haben Aufsehen regt. Das kann man sagen. Es gab eine riesige Diskussion, ein Medienecho vom «Zischtigsclub» bis zur Annabelle. Diese Reaktionen haben uns in der Wahl unserer Bildsprache bestärkt. Wir wollten Fragen aufwerfen und Diskussionen auslösen. Ist das nach Einführung des Behindertengleichstellungsgesetzes und all den Fortschritten der letzten Jahre noch nötig? Es gibt nach wie vor viele Barrieren, nicht nur bauliche, und die Assistenzbeiträge, die für ein selbstbestimmtes Leben benötigt werden, sind immer noch nicht gesichert und schon gar nicht für alle. Ich glaube, man muss die Leute immer noch und immer wieder aufrütteln. Foto: zvg Foto: zvg

8 Thema Ich habe mein Leben in die eigenen Hände genommen Foto: Barbara Imobersteg Macht sich immer wieder auf den Weg: Thomas Z Rotz Sich einbringen und etwas bewegen Thomas Z Rotz hat seinen Platz gefunden, schliesslich das Gymnasium absolviert und erfolgreich abgeschlossen. Der Umgang mit den Leuten «ausserbim. «Seit meiner Geburt habe ich verdrehte Arme, die ich nicht biegen kann und auch meine Hüfte ist nicht gerade, weil das eine Bein länger geraten ist als das andere.» Mit dieser Einführung beginnt Thomas Z Rotz seine Lebensgeschichte zu erzählen. Die körperlichen Beeinträchtigungen haben seinen Start ins Leben und den weiteren Verlauf seiner Kindheit geprägt. Als jüngstes von zehn Kindern konnte er nicht Zuhause bei der Familie auf dem Bauernhof aufwachsen. Die Eltern waren froh, dass sie den Jungen schon mit drei Monaten in die Rehabilitationsstation in Affoltern am Albis geben konnten. Sie hatten keine Zeit und keine Möglichkeiten, ein Kind mit besonderem Betreuungsbedarf zu begleiten. Oftmals verschwiegen sie auch das behinderte Kind in ihrer Hilflosigkeit. Im Heim wurde Thomas Z Rotz von den Schwestern liebevoll betreut. Den fröhlichen, lebhaften Blondschopf hatten alle gern, auch wenn er immer wieder über die Stränge schlug. Er hatte nicht nur eine grosse Lebensenergie, er wollte auch stets seine Grenzen ausloten weitergehen als es andere für ihn vorgesehen hatten. Und er wollte selbständig werden. Einmal im Jahr, zu Weihnachten durfte er für ein paar Wochen nach Hause fahren, da war Selbständigkeit gefragt. «Ich kannte meine Familie etwa so gut wie eine Tante, die man in den Ferien besucht», erinnert sich Thomas Z Rotz. Ein riesiges Wagnis Schon im Primarschulalter konstruierte er seine eigenen Hilfsmittel. Es begann mit einer Kratzbürste und einem Kamm, dann folgten Ankleidehilfen. Bis heute beschäftigt er sich mit immer neuen Ideen und ihrer Umsetzung, um die nötigen und richtig angepassten Mittel zur Verfügung zu haben für eine autonome Lebensführung. «Ich hatte immer Menschen, die ich begeistern konnte und die mich dann unterstützt haben», erzählt Thomas Z Rotz. Solange er im Heim wohnte, sorgte er für Stimmung und Abwechslung mit seiner Unternehmungslust und seiner Kreativität. Er war aber auch kritisch, Einer, der Vieles hinterfragte. Das ist ihm geblieben. Mit guten Fragen kann man etwas auslösen, Prozesse in Gang bringen. «Das hat mich immer wieder darin bestärkt, nicht einfach alles hinzunehmen, weiterzugehen als meine Umwelt es von mir erwartete», fasst Thomas Z Rotz zusammen. Etwa mit zwölf Jahren reifte in ihm der Entschluss, so viel Selbständigkeit zu erlangen, dass er das Heim verlassen konnte. Diese Motivation trieb ihn an. Nach der Grundschulzeit wurde der Austritt tatsächlich aktuell bloss gab es keine Einrichtung, die den Jugendlichen aufnehmen wollte. Mit Hilfe seiner Lehrkräfte und Betreuerinnen gelang es ihm aber schliesslich, eine Internatsschule zu finden. «Es war für mich ein riesiges Wagnis,» erinnert sich Thomas Z Rotz. Er musste sich fragen, ob seine Schulleistungen und seine Vorbildung genügten. Er wusste nicht, ob er seine Beweglichkeit ohne das stete Therapieangebot aufrecht erhalten konnte. Er war vor allem auch unsicher, ob er sich unter den nicht behinderten Klassenkameraden zurecht finden würde. Das Heim war nicht nur vertraute Umgebung, es bot ihm auch Schutz. Er war beliebt dort, er hatte eine gute Position. Der Wechsel ins Internat, das war ein Sprung ins kalte Wasser. «Plötzlich war ich auf die Gunst der andern angewiesen und bekam auch deren Gleichgültigkeit zu spüren. Im Heim war alles selbstverständlich, zu jeder Tagesund Nachtzeit war jemand da, der einem half», erläutert Thomas Z Rotz. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis er sich im sozialen Leben unter Nichtbehinderten gut und sicher fühlte. Die «Sandkastenkämpflein», die Kinder normalerweise schon in frühen Jahren durchstehen, hätten ihm lange gefehlt, meint er rückblickend. Es musste noch einiges auch Schmerzhaftes lernen

9 Thema Foto: zvg halb» war ihm nun vertraut, den Kontakt zu behinderten Kolleginnen und Freunden suchte und pflegte er aber nach wie vor. Er wollte auch andere dazu ermutigen, mehr aus sich zu machen. Zum Beispiel mit «Sputnik». Unter dem Namen des ersten russischen Erdsatelliten fuhren behinderte und nicht behinderte Motorradfahrer in die Welt hinaus. Kopf, Herz und Initiant des Vereins war Thomas Z Rotz, einer der mit Fahrzeugumbau in Eigenkonstruktion Erfahrungen hatte seit seinem ersten Kinder-Dreirad. Nach dem Schulabschluss plante der angehende Wirtschaftsstudent ein Zwischenjahr als Juniorprogrammierer. Aus der Probezeit sind zwanzig Jahre geworden. Thomas Z Rotz ist geblieben und hat sich berufsbegleitend zum Wirtschaftsinformatiker ausbilden lassen. Inzwischen ist er auch verheiratet und vierfacher Familienvater. «Das möchte ich meinen Kindern gern weitergeben: dass man sich einbringen und etwas bewegen kann in seinem Leben,» sagt er bestimmt. Thomas Z Rotz erzählt seine Geschichte auch, weil sie nicht dem gängigen Bild entspricht. Trotz Behinderung bezieht er keine IV-Rente, sondern verdient seinen Lohn. Das überrascht die Leute. Auch Menschen mit Behinderungen sehen häufig andere Vorbilder. Gerade wenn es um Erfolge geht, werden in der Öffentlichkeit gern behinderte Sportler und Sportlerinnen gezeigt. «Ich habe mein Leben auch in die eigenen Hände genommen,» sagt Thomas Z Rotz, «aber ich habe einen andern Weg gemacht, meinen Weg mit meinen Möglichkeiten.» Das Behindertenforum Zentralschweiz (BfZs) engagiert sich in der lokalen Behindertenpolitik und vernetzt und koordiniert die Arbeit in der Selbsthilfe. Thomas Z Rotz ist als ehrenamtlicher Mitarbeiter Teamleiter, Redaktor und Webmaster. Sein Statement: Niemand ist gegen Behinderte, aber wenn Menschen mit einer Behinderung auf Selbstverständliches pochen, hat man kein Geld, zuwenig Personal, oder sonst eine plausible Erklärung, weshalb ein begabtes, behindertes Kind nicht in die öffentliche Dorfschule kann, oder im neuen Kirchenzentrum keine Induktionsanlage installiert wird, obwohl zwei in der Gemeinde lebende Hörbehinderte darum gebeten haben. Wir haben es satt, immer als Bittsteller dazustehen. Wir fordern keine sechsspurigen Autobahnen, keine Prestigebauten oder... Unser Anliegen ist, dass wir uns wie jeder andere auch, in unserer Gesellschaft bewegen und am Leben teilhaben können. Ist das wirklich zuviel verlangt? Thomas Z Rotz mit «Sputnik» unterwegs

10 Aktuell Vom Almosen zum Rentenanspruch Die IV hat nicht erst jetzt eine Krise. Schon ihre Entsteheungsgeschichte war sehr bewegt. Es brauchte eine äusserst günstige wirtschaftliche Grosswetterlage, damit sie den Durchbruch schaffte. bim. Die Invalidenversicherung feiert dieses Jahr ihr fünfzigjähriges Bestehen. Eine junge Versicherung. Es gibt noch viele Menschen, die sich gut an die Zeit erinnern, als es noch keine IV gab. Ein Gebrechen, eine unheilbare Krankheit das waren Schicksalsschläge, die nebst allen andern Beeinträchtigungen grosse finanzielle Einschränkungen, wenn nicht sogar wirtschaftliche Not mit sich brachten. Invalidität war schon immer ein Armutsrisiko. Bis die staatliche Wohlfahrt einsetzte, waren Menschen mit Behinderungen mehr oder weniger auf Almosen angewiesen. Sie gehörten, wie viele andere Armutsbetroffene dem Stand der Bettler an. Im Mittelalter wurde diese Situation als gottgegeben betrachtet. Es gab noch kein Bewusstsein für soziale Probleme. Allerdings fühlten sich die Besitzenden auch verpflichtet, etwas abzugeben und erhofften sich durch solche Nächstenliebe den Erlass ihrer Sünden. Mit der Industrialisierung und den Umwälzungen des neunzehnten Jahrhunderts veränderte sich der Armutsbegriff. Man begann die Armut zu erforschen, zu erklären und zu bekämpfen. Armut wurde in selbst verschuldet oder unverschuldet unterteilt. Die Armen wurden als arbeitsunwillig, als Müssiggänger und somit auch als unmoralisch oder gar unsittlich verurteilt. Die Reichen begannen sich abzugrenzen, der Zusammenhang von Barmherzigkeit, Armut und Seelenheil ging verloren. Die Bekämpfung der Armut wurde zunehmend zu einer staatlichen Aufgabe. Das Almosenwesen wurde reglementiert und es gab neue Institutionen, die das Armutsproblem verwalteten. Die Betroffenen wurden zur Arbeit erzogen. Wie viele Menschen mit Behinderungen schon damals als arbeitsscheu eingestuft wurden, sei dahingestellt. Anerkannte Invalide, die als armutsgefährdet ohne eigenes Verschulden angesehen wurden, erhielten nun aber auch Unterstützung. Es entstanden vorab Einrichtungen für Blinde und Taube. Foto: zvg Zum 50-Jahr-Jubiläum wandert eine Ausstellung über die IV durch die Schweiz. Vom 28. August bis zum 1. September wird sie auf der IV-Stelle in Binningen zu sehen sein

11 Aktuell Das Misstrauen grosser Kreise... Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts wurden der Schutz der Gesundheit und die Vorsorge gegen krankheits- und invaliditätsbedingte Arbeitsausfälle ein politisches Thema trat das eidgenössische Fabrikgesetz in Kraft, das Mindeststandards bezüglich Arbeitszeit und -bedingungen setzte. Später folgte ein Gesetz über die Fabrikhaftpflicht. Das deutsche Reich begann mit der Einrichtung einer Alters- und Invaliditätsversicherung. In der Schweiz wurde vorerst debattiert. Die «Lex Forrer», die eine umfassende Krankenund Unfallversicherung vorgesehen hätte, scheiterte aber 1900 an der Urne. Realisiert wurden in der Folge nur einzelne Versicherungszweige, so 1902 die Militärversicherung und 1918 schliesslich die Unfallversicherung. Die Pläne für eine AHV/IV, die vor allem von Seiten der Sozialdemokraten und der Gewerkschaften gefordert wurden, kamen noch immer nicht voran sprach sich der Bundesrat für einen vorläufigen Verzicht der IV aus. Er erhoffte sich, dadurch die Chancen für die Annahme der AHV zu erhöhen. Er begründete den Entscheid mit der «Willkürlichkeit» eines gesetzlichen Invaliditätsbegriffs und «einem nicht zu leugnenden Misstrauen grosser Kreise gegenüber der Invalidenversicherung». Damit blieben viele Behinderte von familiärer oder karitativer Unterstützung abhängig. Für Blinde, Hörgeschädigte und geistig Behinderte bestanden Fürsorgeeinrichtungen, die seit 1920 in der Pro Infirmis zusammenwirkten. Daneben zahlten verschiedene Sozial- und Privatversicherungen Invalidenrenten. Der Bund beschränkte sich auf einen jährlichen «Anomalen- und Gebrechlichkeitskredit» an Heime und an die Pro Infirmis sowie auf punktuelle Massnahmen zur Schul- und Berufsbildung. Eingliederung vor Rente... Als 1948 endlich die AHV eingeführt wurde, hielt man die Realisierung der IV noch immer nicht für dringlich. Vorrang erhielten die Revisionen der Erwerbsersatzordnung und der Unfallversicherung sowie die Einführung der Mutterschaftsversicherung und die Regelung der Familienzulagen in der Landwirtschaft. Auch die Pro Infirmis setzte zunächst auf die Erhöhung der Bundeskredite. Eine rasche Einführung der IV forderte dagegen die Selbsthilfeorganisation «Invalidenverband». Nach und nach mehrten sich aber auch im Parlament die politischen Vorstösse. In den fünfziger Jahren erhielt die Idee der beruflichen Integration Aufwind. Die Arbeitsgemeinschaft für die Eingliederung Behinderter (SAEB) wurde ins Leben gerufen und initiierte entsprechende Projekte. Es zeichnete sich ab, dass eine IV mit dem Prinzip «Eingliederung vor Rente» die besten Erfolgschancen hatte reichten sowohl die SP als auch die PDA IV-Initiativen ein, die die Arbeitsintegration ins Zentrum stellten. Nun wurde der Bundesrat aktiv, setzte eine Expertenkommission ein und legte die Richtlinien für das Sozialwerk fest. Er sah ein Versicherungsobligatorium für die ganze Bevölkerung vor. Unabhängig von der Ursache sollten alle leistungsberechtigt sein, deren Erwerbstätigkeit infolge eines körperlichen oder geistigen Gebrechens dauernd eingeschränkt war. Als Leistungen wurden sowohl Massnahmen zur beruflichen Eingliederung als auch Renten definiert. Die bundesrätliche Botschaft kam 1958 vor das Parlament. Inzwischen war die Einführung der IV unumstritten, diskutiert wurden nur noch versicherungstechnische Fragen. Die Räte waren nun sogar bereit, auf einzelne Forderungen zu verzichten um die Vorlage nicht zu gefährden.... entsprechend der Konjunkturlage Der Gesinnungswandel hatte wohl verschiedene Ursachen. Man war seit der Einführung der AHV vertraut geworden mit dem Sozialversicherungssystem es funktionierte. Die Wirtschaft florierte, der Bund konnte Einnahmenüberschüsse verzeichnen. Die Stellung von behinderten Menschen in der Gesellschaft hatte sich aber auch verändert Das Anliegen, sie zu fördern und zu einem möglichst selbständigen Leben zu befähigen, fasste langsam Fuss. Hinzu kam, dass in den fünfziger Jahren der Arbeitsmarkt ausgetrocknet war und eine grosse Anzahl schlecht qualifizierter Arbeitskräfte benötigt wurden. «Zur Zeit wo in verschiedenen Wirtschaftszweigen nach zusätzlichen Arbeitskräften gesucht wird, erscheint es uns gegeben, in vermehrten Mass nach Möglichkeiten zu suchen, um Behinderten verschiedener Art Arbeit zu verschaffen», liess die SAEB 1952 verlauten. Dass Arbeitgeber entsprechend der Konjunkturlage Menschen mit Behinderungen einstellen, weiss man also schon seit Anbeginn. Trotzdem setzt noch heute eine politische Mehrheit auf deren Freiwilligkeit und dies in einer Situation, in der die Versicherung durch eine deutlich höhere Eingliederungsrate massiv entlastet werden müsste. Quellen: Soziale Sicherheit CHSS 1/2010 «Schwerpunkt 50 Jahre IV» Schweizer Personalvorsorge 2/2010 «Die IV war fast immer umstritten»

12 Beiträge Das andere Hotel erhält eine andere Trägerschaft Eric Bertels, Initiant des Breitehotels nimmt Abschied. Das Breitehotel hat eine neue Trägerschaft. Die Stiftung Weizenkorn will den bisherigen Erfolg des Gastronomiebetriebs weiterführen und optimieren. bim. Das Breitehotel ist beliebt. Die Gästebewertungen, die in den Internet-Hotelportalen aufgeführt sind, zeigen Bestnoten. Hoteldirektor Ueli Genner ist sehr zufrieden. Das Dreisterne-Hotel hat sogar grössere und luxuriösere Häuser getoppt. Er führt dies vor allem auf die sorgfältige und aufmerksame Bedienung und die spezielle, gastfreundliche Ambiance zurück. Wer diesen Stil prägt, sind unter anderen die dreissig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit kognitiven Einschränkungen. Das zeigt: das Konzept des Integrationshotel hat sich bewährt. Als vor zwölf Jahren der Verein «Zämme läbe zämme feschte» entstand, war genau das die zündende Idee. Eric Bertels, Vereinspräsident und Initiant des Projekts, erinnert an die Anfangszeiten. Das «Zämme läbe»- Sommerfest auf dem Barfüsserplatz und das dazumal gefasste Vorhaben, Menschen mit kognitiven Behinderungen nicht nur ausnahmsweise, sondern dauernd im Gastgewerbe zu beschäftigen, und die Gäste nicht nur im Rahmen eines aussergewöhnlichen Anlasses, sondern mit einer fest etablierten Institution von der Qualität integrativer Arbeit zu überzeugen. Die Realisation eines Hotels mit Arbeitsplätzen für IV-BezügerInnen wurde ins Auge gefasst. Das Foto: Barbara Imobersteg Foto: Barbara Imobersteg Haus sollte selbstverständlich rollstuhlgängig sein, eine Bedingung, die nur wenige bestehende Hotels der mittleren Preisklasse erfüllten. So entschieden sich die PionierInnen für einen Neubau. Die Grosszügigkeit, die das Breitehotel nun dank der Rollstuhlgängigkeit ausstrahlt, respektive der Platz, der den Gästen effektiv zur Verfügung steht, ist ein weiteres sehr geschätztes Merkmal. Hinzu kommt der attraktive Bau der Architekten Larghi und Stula, der dem Haus zur Aufnahme unter den Design- und Lifestylehotels verholfen hat. Eine ideale Ergänzung Seit seiner Eröffnung im Jahr 2005 verzeichnet das Hotel eine steigende Auslastung. Vorwiegend Geschäftleute steigen in der Breite ab. Unter ihnen konnten mittlerweile viele Stammgäste gewonnen werden. Im gesamtschweizerischen Vergleich steht das Breitehotel punkto Auslastung gut da, in der Basler Konkurrenz liegt es leicht unter dem Durchschnitt. Trotz dieser Erfolgsgeschichte hatte der Betrieb stets mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Der kleine, ehrenamtlich tätige Gründerverein, hatte keinerlei Infrastruktur und vor allem keine Eigenmittel. Nach den beträchtlichen Investitionen in den Bau, brauchte das Hotel immer wieder Finanzspritzen um zahlungs- Unter neuer Trägerschaft kann das Breitehotel zehn neue Arbeitsplätze anbieten

13 Beiträge fähig zu bleiben und die Kapitalzinsen und Abschreibungen finanzieren zu können. Die Suche nach einer neuen Trägerschaft mit besseren Voraussetzungen drängte sich auf und konnte am 25. März 2010 erfolgreich abgeschlossen werden. Die Stiftung Weizenkorn übernahm des Breithotel und will seinen Fortbestand in der Zukunft sichern. Die Stiftung Weizenkorn besteht seit 1979 und beschäftigt in verschiedenen geschützten Werkstätten rund 200 Mitarbeitende vorwiegend junge Frauen und Männer, die aus psychischen Gründen vorübergehend oder dauernd keine Stelle finden. Geschäftsleiter Robert Roth sieht in der Übernahme eine ideale Ergänzung zum bestehenden Angebot. Dank der Unterstützung diverser Sponsoren kann er den Betrieb schuldenfrei übernehmen. Mit einer weiterhin steigenden Auslastung soll das Hotel in absehbarer Zeit selbsttragend werden. Um den Mehraufwand zu bewältigen, werden alsbald mehr Mitarbeitende mit Behinderung eingestellt. Zehn zusätzliche Arbeitsplätze konnte der neue Träger durch interne Unstrukturierungen bereits sicher stellen. Weizenkorn Oetlingerstrasse 81, 4057 Basel Tel / Arbeitsangebot Rund 110 geschützte Arbeits- und Ausbildungsplätze und zehn Beschäftigungsplätze Holzwerkstatt/Schreinerei 22 Plätze Maleratelier 16 Plätze Endmontage 12 Plätze Kerzenproduktion 20 Plätze Kreativatelier 6 Plätze Interner Hausdienst 4 Plätze Spedition 3 Plätze Gastronomie 20 Plätze Administration 7 Plätze Externe Gruppe 10 Plätze Ausbildungsangebot Arbeitstraining und berufliche Abklärung in allen Bereichen IV-Anlehren mit interner Schulung in den meisten Bereichen Attestausbildungen in der Holzwerkstatt, in der Gastronomie und im Büroservice mit eidgenössisch anerkanntem Abschluss Berufslehren als Schreiner mit eidgenössisch anerkanntem Lehrabschluss Praktikum (berufsbegleitend für eine soziale Ausbildung oder als Zwischenlösung) in allen Bereichen Sonntagsbrunch Sonntag, bis Uhr Ein Paradies für Geniesser, ob Jung oder Alt, Familien, Paare oder Gruppen. Von frisch zubereitetem Spiegelei mit Rösti, über saisonale Köstlichkeiten wie marinierte Spargeln oder einem Tomaten-Mozzarella-Salat, reichhaltigen Fleisch- und Käseplatten, kleinen Häppchen wie gefüllten Champignons oder gluschtigen salzigen Muffins bis zu hausgemachtem Birchermüesli, Schoggi- Mousse und Früchtekuchen, dazu Kaffees in allen Variationen und verschiedene offene Tees. CHF à Discrétion. Das Breitehotel Zürcherstrasse 149, 4052 Basel Tel / ww.dasbreitehotel.ch

14 Beiträge / Inserat Vorbilder bim. Alle machen sich ein Bild von sich, haben eine Vorstellung der eigenen Persönlichkeit. Die Erfahrungen und Erlebnisse der Kindheit prägen dieses Selbstbild stark. Fehler, Verletzungen, Niederlagen und Erfolge formen mit. Am meisten wird das Selbstbild durch den Blick der andern beeinflusst, durch die Meinungen und Erwartungen des näheren und weiteren Umfelds. Bis man die eigenen Talente und Fähigkeiten erkennt, für seine Wünsche und Bedürfnisse einstehen kann, selbstbewusst zeigt, wer und wie man ist, muss man manchmal einen weiten Weg zurücklegen. Es gilt, das Fremdbild zu korrigieren und zu überwinden und das Selbstbild zu finden, das die Merkmale der eigenen, selbst bestimmten Persönlichkeit trägt. Für Menschen mit Behinderungen ist diese Entwicklung oft mit besonderen Anstrengungen verbunden. Zum einen können ihre Beeinträchtigungen zu belastenden Erfahrungen wie Abhängigkeit, Schmerzen, Hilflosigkeit und Fremdbestimmung führen, zum andern beschränken die vielfältigen Barrieren die baulichen und die gedanklichen ihr Entwicklungspotenzial. «Stärker als ihr denkt» heisst deshalb das Buch, das die Lebensperspektiven junger behinderter Frauen positiv beeinflussen möchte. Rita Vökt, die mittlerweile verstorbene Initiantin dieses Projekts und Geschäftsführerin von «avantidonne», liess sich von ihren eigenen Erlebnissen leiten. Hier ein Zitat aus dem Vorwort: «Es war mir so peinlich! Egal wo ich war, immer bin ich aufgefallen. Mein Rollstuhl, mein Korsett, das bis zum Kinn ging, meine Beine..., all das machte mir Mühe, denn ich hätte so gern gleich ausgesehen wie meine Schulkolleginnen. Ich traute mir wenig zu (...) ein ereignisloses Leben schien vor mir zu liegen. Es kam anders, aber wie konnte das geschehen? Ich traf Vorbilder! Zwei behinderte Frauen lebten mir vor, wie normal es sein kann, behindert zu sein und trotzdem hohe Ziele zu haben. Diese Begegnungen wirkten auf mich stimulierend und in meinem Kopf fing ein neues Denken an: das kann ich auch! Wer aus meinem Umfeld (...) hätte gedacht, dass aus dem scheuen behinderten Mädchen einmal eine kämpferische, selbstsichere und glückliche Frau würde?» Rita Vökt war verheiratet und hatte eine Tochter. Sie arbeitete erst als Sekretärin und war später über Jahre Geschäftsführerin einer Buchhandlung. Sie engagierte sich in der Behindertenselbsthilfe, in der Kirche und in der Politik. Sie kandidierte fürs Kantonsparlament und für den Nationalrat. «Ich bin ein typisches Beispiel, wie gute Vorbilder ein Leben beeinflussen können», fährt sie fort, «darum liebe Leserin, lebe dein Leben und lass dir von deinem Umfeld nicht weismachen, dass das nicht geht und jenes unmöglich ist.» «Stärker als ihr denkt», junge Frauen erzählen, wie sie ihren Weg gehen trotz Behinderung. CHF Herausgeberin: «avantidonne». Kontaktstelle für Frauen und Mädchen mit Behinderung / Fides-Assistenzhunde die Organisation für die Nordwestschweiz Fides bildet Assistenzhunde nach internationalen Standards aus. Einführung und Nachbetreuung am Wohnort der Rollstuhlfahrer/-innen. Natalie Corman Geschäftsführerin, Instruktorin Tel

15 Beiträge Ehrliches Interesse Begegnung ohne Grenzen Leben mit Behinderung: Die Sonderausstellung an der MUBA war erfolgreich, die VertreterInnen der mitwirkenden Organisationen ziehen eine positive Bilanz. Sie schätzten insbesondere die gute, unkomplizierte Zusammenarbeit und den Publikumskontakt mit vielen guten Begegnungen. «An der MUBA war für mich wichtig zu erfahren, dass die BesucherInnen ganz natürlich auf Menschen mit einer Behinderung zugingen und mit uns redeten. Wir von unserer Seite taten dies im umgekehrten Fall auch. Es war natürlich auch so, dass wir uns in einer geschützten Umgebung befanden, dadurch war auch Vieles leichter und somit natürlicher. Sind wir draussen, müssen wir doch aufpassen, dass nichts Unvorhergesehenes passiert. Da sind wir schon angespannter. Die Rückmeldungen, die wir von den BesucherInnen bekamen, die sich von uns durchs Dunkelzelt führen liessen und verschiedene Gegenstände abtasteten, waren stets positiv und daraus entstanden oft gute Gespräche. Wir waren auch erstaunt, wir gross das ehrliche Interesse war. Auf diese Weise können wir auf unsere verschiedenen Behinderungen auch viel lockerer aufmerksam machen. Diese Entwicklung wurde möglich, weil wir in der Öffentlichkeit mehr auf uns aufmerksam gemacht und gezeigt haben, dass wir ganz normale Menschen sind und trotz Behinderung mit unseren Möglichkeiten unseren Teil leisten. Früher war die Meinung über Menschen mit Behinderung so ganz anders. Es brauchte schon viel Einsatz der verschiedenen Menschen, dass wir dies erreichen konnten.» Verena Brösamle, Schweizerischer Blinden- und Sehbehindertenverband Foto: Georg Mattmüller Die Gewinnerin des Muba-Wettbewerbs freut sich über den ersten Preis: ein Home Cinema

16 Hinweise / Inserat Compasso Orientierungshilfe für Unternehmen Sie suchen Informationen zum Umgang mit Mitarbeitenden, die eine veränderte Leistungsfähigkeit zeigen? Sie wollen einen Menschen mit Handicap einstellen? Oder Sie haben Fragen zu möglichen Unterstützungsangeboten, wenn Sie Arbeitnehmende beschäftigen, die gesundheitlich beeinträchtigt sind? bim. Das Informationsportal «compasso» gibt Arbeitgebenden Antworten auf mögliche Fragen im Zusammenhang mit der Integration von Mitarbeitenden mit gesundheitsbedingten Einschränkungen. Seit Ende August 2009 ist compasso.ch in den drei Landessprachen online und wird monatlich von rund fünf Tausend Usern besucht. Die Nachfrage ist gross. Mit der 5. IVG-Revision sind die Aktivitäten zur Eingliederung von Personen mit Behinderungen verstärkt worden. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Projekten, Massnahmen, Institutionen und Fachpersonen. Arbeitgebende sind aber oftmals überfordert. Das hat die Behindertenorganisationen Integration Handicap und Pro Mente Sana dazu bewogen, Orientierungshilfe in Form eines Internet-Portals zu schaffen. Die Website bietet alle relevanten Informationen zur beruflichen Integration gebündelt, zielgruppengerecht und praxisnah an. Es geht sowohl um den Erhalt von Arbeitsplätzen als auch um den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt sowie Praktikums- und Ausbildungssituationen. Umsetzung in der Praxis Zu den beiden Bereichen «Bestehende Arbeitsverhältnisse» und «Neueinstellungen» gibt das Informationsportal den Arbeitgebern Handlungsanleitungen für unterschiedliche betriebliche Situationen, stellt ihnen Hilfsmittel zur Verfügung, liefert einen Überblick über die wichtigsten Unterstützungsangebote und vermittelt Kontaktadressen. Unter «Wissenswertes» werden zudem Hintergrundinformationen zu den möglichen Ursachen von Behinderungen sowie die wichtigsten Behinderungsformen und Krankheitsbilder beschrieben. Die Website zeigt klar die betriebliche, gesellschaftliche und volkswirtschaftliche Bedeutung der beruflichen Eingliederung von behinderten Menschen auf, beschreibt aber auch die konkrete Umsetzung in der Praxis. So berichten Arbeitgeber aus verschiedenen Branchen von ihren Erfahrungen bei der Eingliederung einer beeinträchtigten oder behinderten Person. Fallbeispiele zu unterschiedlichen Krankheitsbildern veranschaulichen, wie Eingliederungen verlaufen können und helfen Arbeitgebern, Chancen und Risiken realistisch einzuschätzen. Unter der Rubrik «Aktuell» finden sich zudem laufend wichtige Meldungen zum Thema berufliche Eingliederung. Hinter dem Portal steht der Verein «Berufliche Eingliederung Informationsportal für Arbeitgeber». Wichtige Akteure in diesem Themenbereich bilden die breit abgestützte Trägerschaft des Vereins: Schweizerischer Arbeitgeberverband, Bundesamt für Sozialversicherungen (Leistungsauftraggeber), IV-Stellenkonferenz, Integration Handicap, Pro Mente Sana, Gesundheitsligenkonferenz, Schweizerische Unfallversicherungsanstalt SUVA, CSS, Helsana. Verschiedene private und staatliche Sponsoren haben zur Realisierung beigetragen. w w w. H E L B I N G - S H O P. C H der Onlineshop für Recht, Steuern, Wirtschaft. Portofreie Lieferung bei bestellungen über CHF 150. HLV_Ins_webshop_180x61mm.indd :36:46 Uhr

17 Hinweise Parkplätze Wer auf einen Behindertenparkplatz angewiesen ist, wird noch vor dem Sommerschlussverkauf wieder in die City gelangen können. Im März wurde die erfreuliche Medienmitteilung veröffentlicht. «In enger Zusammenarbeit mit dem Behinderten- Forum der Region Basel hat die Mobilität des Bauund Verkehrsdepartements fünfzehn neue Behindertenparkplätze in der Innerstadt geplant und zur Ausführung in Auftrag gegeben. Die Standortwünsche wurden durch das Behinderten-Forum (Dachorganisation der Behinderten-Selbsthilfe Region Basel) Mitte 2009 bei der Mobilität des Bau- und Verkehrsdepartements eingereicht. Alle Vorschläge wurden in einer Arbeitsgruppe geprüft, vor Ort unter Mithilfe einer betroffenen Person bezüglich Funktionalität und Sicherheit untersucht und im Detail projektiert. Die für solche Massnahmen nötigen Verkehrssicherheitsprüfungen durch die Kantonspolizei sind abgeschlossen. Die Allmendverwaltung, welche für das Anbringen von Markierungen und Signalisationen zuständig ist, wird die fünfzehn neuen Behindertenparkplätze einrichten. Sie liegen in den Bereichen Birsig-Parkplatz, Aeschenvorstadt, Kunstmuseum, Theater, Petersgraben, Marktplatz, Schifflände, Claraplatz und Messeplatz.» Musik Im April ist die Musikschule «Musik trotz allem» in Basel feierlich eröffnet worden. Unter dem Motto «ungehindert behindert musizieren» haben hier Kinder und Jugendlichen im Alter von sieben bis achtzehn Jahren verschiedenste Musiziermöglichkeiten. Das Angebot richtet sich nach ihren Stärken, Fähigkeiten und Ressourcen. Im Zentrum steht, wenn immer möglich, das gemeinsame Musizieren von verschiedenen Mitwirkenden mit und ohne Behinderung. Ab August werden entsprechende Gruppenkurse angeboten. Für nächstes Jahr sind regelmässige Veranstaltungen wie Ferienkurse, Workshops und Konzerte geplant sowie eine Diskussionsplattform zum Thema musikalische Bildung und Behinderung. Musik trotz allem geht auf die Initiative von Babette Wackernagel zurück. Sie ist Lehrerin für musikalische Grundkurse und diplomierte Trompetenlehrerin. Die neue Musikschule wird vorerst als Pilotprojekt geführt und aus den Schulgeldern sowie privaten Mitteln finanziert. «Musik trotz allem» Eulerstrasse 55, Basel Foto: zvg

18 Hinweise / Inserat Behinderung ist keine Attraktion und kein Event Im Kloster Rathausen-Luzern ist ein neues Erlebniszentrum zum Thema Behinderung geplant. Die denkmalgeschützte 760 Jahre alte Klosteranlage gehört der Stiftung für Schwerbehinderte Luzern SSBL, die das Areal auch heute schon teilweise für sich nutzt. Mit einem so genannten Paradrom soll nun eine besondere Attraktion geschaffen werden, eine Welt der «geistigen und körperlichen Phänome und Wahrnehmungen, die den Besuchern Faszination und Facettenreichtum des Themas Behinderung vermittelt». Ein neu gegründeter Verein nimmt sich des ehrgeizigen Projekts an. Man rechnet mit Kosten in der Höhe von 22 Millionen Franken, einer so genannten Attraktionsfläche von 1700 Quadratmetern, einer durchschnittlichen Besucherzahl von 30 Tausend pro Jahr und der Eröffnung im Jahr Als Vereinszweck werden die Sanierung und nachhaltige Erhalt der Klosteranlage, die Realisation des Projektes Paradrom sowie die Integration von Menschen mit Behinderungen genannt. Der Kanton Luzern will das Projekt mit sieben Millionen Franken unterstützen. Die restliche Finanzierung soll über Sponsoring und Spenden erfolgen. Das Behindertenforum Zentralschweiz nimmt wie folgt Stellung: (Auszug) 22 Mio. für die Restaurierung der Klosteranlage lassen sich nicht unter dem Titel «Behinderungs-Erlebniszentrum» rechtfertigen, solange für elementare Belange der Direktbetroffenen nach wie vor über Jahre demütigend und unzumutbar gebettelt werden muss. Behinderung ist keine Faszination wie die fragwürdige Diktion lautet, sondern ein ernstes zu lösendes sozialpolitisches Problem. Die Gesinnungsethik von Nichtbehinderten wird unter dem Feigenblatt der Begegnungsstätte für ein nicht nachhaltiges Alibi-Projekt und die Restaurierungsfinanzierung missbraucht, Direktbetroffene vermarktet. Der Zweck heiligt das Mittel eben gerade nicht. Stattdessen sind verantwortungsethisch nachhaltige Verbesserungen zu realisieren. Wir fordern Gerechtigkeit statt Wohltätigkeit. Das behinderungspolitische Unwissen nichtbehinderter Experten über die Prioritäten erachten wir als entwicklungsbedürftig. Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Wir brauchen weder Event noch Expo-Spektakel. Wir brauchen nur Respekt und finanzpolitische Solidarität. Respekt = Anerkennung. Nur so gewinnt die Gesellschaft anstelle der Unkultur der Macht und des Geldes eine Kultur der Wahrhaftigkeit und Würde. Gerechtigkeit darf nicht durch Wohltätigkeit verhindert werden. Behinderte können im Berufsleben sehr weit kommen. Wenn man sie nicht behindert

19 Hinweise / Inserat Tickets trotz Touchscreen bim. Auch bei der Bahn werden in den letzten Jahren immer weniger Mitarbeitende beschäftigt und immer mehr Schalter geschlossen. Dienstleistungen werden durch «Selbstbedienung» ersetzt, Tickets erhält man mancherorten nur noch an den Automaten. Genau dort können sich Menschen mit Behinderung, insbesondere sehbehinderte und blinde Passagiere, nicht selber bedienen, da die Touchscreen-Oberfläche nicht tastbar und keine Sprachausgabe verfügbar ist. Dank den Behindertengleichstellungs-Gesetztes (BehiG) müssen die Transportunternehmen aber eine Ersatzlösung anbieten. Seit Dezember 2007 können Reisende mit Handicap ihren Fahrausweis telefonisch bestellen. Berechtigt sind allein reisende Personen mit einer «Begleiterkarte» (offiziell: Ausweiskarte für Reisende mit einer Behinderung). Die Bestellung muss natürlich vor Antritt der Fahrt erfolgen und ist frühestens 24 Stunden im Voraus möglich. Wer ein Halbtax-, Strecken- oder Verbund Abonnement besitzt, gibt die Nummer dieser Karte an. Alle andern müssen sich erstmalig mit ihrer ID an einem Bahnschalter registrieren lassen. Kommt während der Fahrt eine Kontrolle, klärt diese telefonisch ab, ob eine Fahrkarte in Auftrag gegeben worden ist. Die Bezahlung erfolgt über Kreditkarte nach Bekanntgabe der Nummer bei der Bestellung oder gegen Rechnung. Dieser Service ist natürlich für alle Beteiligten etwas aufwändig und für die Bahn mit erheblichen Kosten verbunden. Deshalb wird empfohlen, nach Möglichkeit eine andere Variante zu wählen. Hilfe beim Ein- oder Aussteigen Über die Gratis-Telefonnummer (täglich von 6 bis 22 Uhr) des SBB-Callcenters- Handicap» können an rund 170 Stützpunktbahnhöfen in der Schweiz Hilfen beim Ein-, Aus- oder Umsteigen organisiert werden. Generalabonnement Reisende mit Handicap können vergünstigt ein Generalabonnement beziehen. Sie bezahlen (Kategorie Erwachsene, 2. Klasse) CHF 2200 statt CHF 3100 pro Jahr. Berechtigt sind BezügerInnen einer IV oder Hilflosenentschädigung, Personen im Rollstuhl mit einem Arztzeugnis, das die Notwendigkeit attestiert, sowie AHV-RentnerInnen, die früher bereits Anspruch auf ein «GA Behinderte» hatten. Telefonnummer: (täglich während 24 Stunden) Fahrzeugumbau für mehr Unabhängigkeit Mobilität ist Lebensqualität Wir sind für Sie da. Mit über 25 Jahren Erfahrung im Umbau von Fahrzeugen für Personen mit einer körperlichen Behinderung. Weitere Angebote der Orthotec Orthopädietechnik Rollstuhlmechanik Rehabilitationstechnik Inkontinenzartikel Orthotec AG Fahrzeugumbau (Paramobil) Eybachstrasse 6 CH-6207 Nottwil T F

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