Groundhandling Spiel mit dem Schirm

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1 Groundhandling Spiel mit dem Schirm Einleitung: Das Spielen mit dem Schirm am Boden wird schon seit langem propagiert, um das Verständnis für die Abläufe am System Pilot & Gleitschirm besser zu verstehen und aktives Fliegen zu trainieren. Man denke an Mad Mike Küng, Chrigel Maurer und andere, welche ihre Trainingsstunden am Schirm durch Handlingsübungen am Boden perfektionieren. Die Gleitschirmentwicklung im Bereich Mini-Wing förderte in den letzten Jahren das Fliegen bei stärkeren Windbedingungen unter anderem an den Dünen und verlangt dadurch ebenfalls Pilotenkönnen im Bereich des Starkwindhandlings am Boden. Groundhandling gehört heute zum Pflichtrepertoire eines Gleitschirmpiloten und die Fähigkeiten darin geben Aufschluss über die Komplettheit des Piloten im Medium Luft. Definition: Das Wort Groundhandling aus dem Englischen setzt sich aus Ground = Boden (Grund) und Handling = Handhabung (Umgang) zusammen und bedeutet sprachlich übersetzt die Handhabung des Gleitschirms am Boden. Dabei wird der Begriff in der Szene so verstanden, dass er sowohl konkrete Startübungen wie Rückwärtsstartmethoden oder aber auch einfach nur Spielereien mit dem Schirm am Boden beinhaltet. Sinn: Groundhandling ist eine spielerische Auseinandersetzung mit den Reaktionen und dem Verhalten seines Gleitschirms am Boden. Es lädt zum Experimentieren ein und ist bei Beachtung gewisser Regeln fehlertolerant aufgrund der Tatsache, dass der Pilot immer Kontakt zum Boden hat. Dies heisst, dass man Manöver und Übungen ausprobieren kann und beobachten, wie sein Schirm darauf reagiert oder welche Pilotenreaktionen auf ein Schirmverhalten nötig sind. Dieses Erkennen und Verstehen-Lernen des Gleitschirms ist ein enormer Sicherheitsgewinn für den Piloten. Vorsichtsmassnahmen: Obwohl beim Groundhandling grundsätzlich der Bodenkontakt nie verloren gehen soll, können gerade aufgrund der Bodennähe und starken Windbedingungen gefährliche Situationen auftreten. Nachfolgend sind einige Punkte aufgelistet (ohne Anspruch auf Vollständigkeit), welche das Unfallrisiko minimieren: -geeignetes, grosses und leicht geneigtes Übungsgelände ohne Hindernisse, welches möglichst laminar vom Wind angeströmt wird -der Windstärke angepasste Grösse des Gleitschirms oder des Mini-Wings -Pilotenschutz durch ein Gurtzeug mit leichtem Schaumprotektor (Airbag füllt evt. am Boden nur ungenügend), Helm, Finger-Handschuhe, Sonnenbrille und gutes Schuhwerk. Zusätzlich empfiehlt es sich, Trainingseinheiten im Bereich von maximal 30 Minuten zu machen und danach wieder genügend Flüssigkeit aufzunehmen. Groundhandling kann sehr kräftezehrend sein und der Spass daran geht bald verloren, wenn man sich körperlich überfordert.

2 Motivierend beim Groundhandling ist meist das Training in Gruppen, so dass man auch durch Beobachten der anderen Trainingsteilnehmer Erkenntnisse und Ideen gewinnen kann. Übungsvorschläge: Sind die erwähnten Vorsichtsmassnahmen erfüllt, steht nichts mehr im Wege, selber zu probieren. Nachfolgende Übungen liefern eine Auswahl möglicher Spielereien im Wind: Schirm Vorbereitungen: Schirm auslegen und sortieren: Ohne sich mit dem Schirm zu verbinden mittels der australischen Methode (eine Hand nimmt beide A-Gurten, andere Hand nimmt beide hinteren Traggurten) den Schirm etwas aufziehen und sogleich wieder mittels hinteren Gurten runterbremsen, bis die ganze Kappe über die Spannweite kontrolliert werden kann. Einhängen des Piloten: Der Beginner hängt sich meist vorwärts in Startrichtung stehend ein und dreht sich nach der Aufnahme der Bremsen dann auf die bevorzugte Seite zum Schirm ein. Probiere doch mal die direkte Methode des Rückwärtseinhängens aus: Mit Blick zur Schirmkappe (=rückwärts stehend zur Startrichtung) die Traggurten gemeinsam in einer Hand in seine bevorzugte Drehrichtung um 180 eindrehen und danach am rechten und linken Karabiner einhängen. Anschliessend das Speedsystem einhängen (von aussen dem A-Gurt folgend) Schirm am Boden halten: Sobald die Austrittskante des Gleitschirms nicht auf den Boden gepresst wird, kann Luft unter das Tuch gelangen und der Schirm beginnt zu schlagen. Das Aufliegen der Austrittskante kann durch leichtes Anfüllen der Kappe mittels Zug auf die A-Gurten bewirkt werden. Die Kammern sind in dieser Position leicht gefüllt, ohne jedoch merklich Widerstand zu liefern. Es ist ein Spiel mit Zug an den A- Gurten und dosiertem Entgegenlaufen zum Schirm, so dass gerade genügend Schirm offen ist, aber nicht zu viel, dass man fortgeschleift wird. Notbremse: (falls des Schirm einem fortziehen will) Kammgriff in hintere Traggurten: Zum Einholen der Kappe kann, bei zum Schirm eingedrehter Pilotenposition, mittels gespreizten Fingern im Kammgriff in die hinteren Fangleinen unmittelbar oberhalb der Leinenschlösser der hinteren Traggurten gegriffen werden, um diese dann nach unten zu ziehen. Dabei sofort den Druck aus der Kappe nehmen durch Entgegenlaufen zum Schirm. Gewickelte Bremsen: Da voll durchgestreckte Arme bei den wenigsten Schirmen diesen genügend stallen, werden die Bremsen 3-4 x gewickelt und danach voll betätigt. Der Schirm entleert nun vollkommen und durch Entgegenlaufen zur Kappe, fällt dieser nach unten. Rückwärtsstart-Training: Beschleunigen - Entschleunigen : Bei allen der nachfolgenden Starttechniken (ausser der Cobra-Methode) muss die Schirmkappe am Anfang einen Hochsteigimpuls erhalten durch Zug an den A-Gurten. Sobald die Kappe zu steigen beginnt, wird die Bewegung der Kappe je nach Windbedingungen gebremst (=entschleunigt), indem der Pilot der Kappe entgegenläuft. Eine leicht angewinkelte Knieposition vor dem Aufziehen kann evt. zusätzlich helfen, den abrupten Anfangsimpuls auszugleichen, indem der Pilot sich vom Schirm aus dieser leichten Kniestellung in die Aufrechte ziehen lässt.

3 Die beste Rückwärtsstarttechnik ist jene, welche der Pilot gut und intuitiv beherrscht. Jede Methode hat Vor- und Nachteile und jeder Pilot darf selber entscheiden, welche Methode für ihn die Beste ist. Nachfolgende 3 Techniken sind eine Auswahl der Möglichkeiten und werden exemplarisch unter alle den möglichen Varianten und Kombinationen beschrieben: Überkreuzte Bremsen, A-Gurten in einer Hand, Bremse einer Seite in anderer Hand: Eingedrehte Pilotenposition zum Schirm, Bremsen entlang der hinteren Traggurten überkreuzt fassen. Danach beiden A-Gurten in eine Hand nehmen sowie einen Schritt aus der Mitte zu jener Schirmseite hin, welche nachher beim Aufziehen die tiefere Seite sein wird, damit die höher steigende Seite mittels der freien, zweiten Bremshand kontrolliert werden kann. Schirm aufziehen, höher steigende Seite mittels freier Bremshand dosiert bremsen und kurz vor dem Zenit der Kappe ausdrehen in Startrichtung mit anschliessendem sofortigem Druck auf den Brustgurt (Geierposition). A-Gurt und hintere Gurten: Eingedrehte Pilotenposition zum Schirm, jede Hand fasst ungekreuzt einen A-Gurt, Bremsen sind nicht in der Hand, sondern am hinteren Traggurt befestigt. Durch Impuls am A-Gurt die Kappe hochziehen und schon während dem Hochziehen umfassen auf die hinteren Gurten zum Abbremsen der Kappe vor dem Zenit. Stabilisierung der Kappe über dem Piloten mittels Spiel an den C- evt.- D- Gurten. Bei Startentscheid, Bremsen vom hinteren Gurt lösen und in die Hand nehmen, dann ausdrehen mit Handübergabe der Bremsen in Startrichtung. Cobra Start: Der handorgelförmig geraffte Schirm wird mit dem Stabilo voran seitwärts mittels A-Gurte und Bremse am Rande des Windfensters aufgezogen, so dass die Kappe schräg hochsteigt. Je mehr der Schirm hochsteigt, desto stärker kommt der Pilot dem Schirm in die Mitte entgegen und dreht den Schirm mittels Bremse und Gewichtsverlagerung in die gewünschte Abflugposition. Als gute Vorübung zum Cobrastart empfiehlt sich, den Schirm aus der stabilisierten horizontalen Lage über dem Piloten durch Bremseinsatz und Verdrehen des Körpers am Rande des Windfenster von der horizontalen in die vertikale Position zu bringen (Stabilo parkieren).danach den Schirm wieder aufrichten und gleiche Übung auf die andere Seite machen. Schirm stabilisieren in Abflugposition: Kontrolle über die Bremsen: Im eingedrehten Zustand den Schirm über die Bremsen kontrollieren und korrigieren. Dabei darauf achten, dass der Pilot aktiv dafür sorgen muss, dass er sich in der Mitte des Schirms befindet. Gleiche Übung im ausgedrehten Zustand ohne Blick zum Schirm, sondern nur über das Gefühl an den Traggurten und über den Brustgurt (Geierposition mit Blick auf den Boden).

4 Kontrolle über die hinteren Traggurten: Im eingedrehten Zustand die Kappe mittels Kammgriff oder Runterdrücken der hinteren Traggurten stabilisieren. Es kann dafür nur die hinterste Leinenebene oder aber bei 4 Ebenen auch die C und D-Ebene verwendet werden. Schirm verschieben in Abflugposition: Seitliches Verschieben in Geierposition mit Bremsen: In Abflugposition kann in starker Geierhaltung mittels dosiertem Bremseinsatz der Schirm seitwärts verschoben werden. Seitliches Verschieben eingedreht mit Gewichtsverlagerung: Im Falle eines in Abflugposition stehenden Schirmes kann dieser mittels Gewichtsverlagerung seitlich verschoben werden. Darauf achten, dass im Falle der eingedrehten Position eine Gewichtsverlagerung gerade spiegelverkehrt erfolgen muss aufgrund der eingedrehten Pilotenposition. Hang Hochlaufen: Hochlaufen in Fall-Linie: Statt den Schirm den Hang hochzutragen, kann bei genügendem Wind im eingedrehten Zustand die Kappe ca. im Winkel stabilisiert werden mittels Zug an A- und hintersten Gurten, um sich dann in der Fall-Linie nach oben ziehen zu lassen. Hoch-Kiten schräg zur Fall-Linie: Aus der Vorwärtsposition wird der Gleitschirm mittels Bremse und Gewichtsverlagerung auf eine Seite gerollt bis die Kappe schräg im Wind steht. Der Pilot verschiebt nun seinen Oberkörper ausserhalb des talseitigen Traggurtes und lässt sich vom schräg im Wind stehenden Schirm den Hang diagonal hochziehen. Richtungswechsel, sobald die Platzverhältnisse dies erfordern. Darauf achten, dass die Traggurten nur immer ¼ Umdrehung eingetwistet sind. Manöver-Training: Ohren anlegen: Im eingedrehten Zustand die Ohren einklappen, kurz halten, dann wieder freigeben und sofort Schirm mittels A-Gurten aufziehen, ohne dass dieser den Boden berührt. B-Stall oder C-Stall: B- oder C-Traggurten fassen und runterziehen. Sobald der Schirm stallt und nach hinten wegkippt, wieder freigeben und evt. Schirm mittels A-Gurt wieder hochziehen. Klapper Simulation: Seiten- oder Frontklapper simulieren und durch Gegenmassnahmen den Schirm wieder öffnen, ohne dass er dabei den Boden berührt. Nützliches: Schirm Entleerung von Sand oder Schmutz: Den Schirm an den hintersten Traggurten dosiert mit der Austrittskante voran etwas aufziehen, so dass Sand oder Schmutz im Schirm zur Eintrittskante und durch die Öffnungen nach aussen rutscht. Achtung: Runterbremsen erfolgt nun mit Zug an den A-Gurten. Zug an den Bremsen kann dazu führen, dass die Kappe abrupt mit der Eintrittskante voran auf den Boden knallt und aufgrund des Druckstosses Nähte im Tuch platzen können.

5 Schlusswort: Probiere obige Übungen im geeigneten Umfeld aus und verfeinere Deine Flugtechnik dadurch. Falls Du dabei Hilfe brauchst, steht Dir das Team der Flugschule Emmetten & Titlis gerne zur Verfügung. Insbesondere empfehlen wir Dir folgende Weiterbildungswoche am grössten Sandkasten Frankreichs: Flugreise Dune du Pyla Stefan Christen Fluglehrer im Team der Flugschule Emmetten & Titlis

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