Kurzbericht über die im Rahmen der Infektionskrankheiten-Surveillance nach IfSG in Hamburg registrierten Krankheiten

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1 Infektionsepidemiologisches Landeszentrum INFEKT - INFO Ausgabe / 204, 28. Mai 204 Kurzbericht über die im Rahmen der Infektionskrankheiten-Surveillance nach IfSG in Hamburg registrierten Krankheiten Erstmaliges Auftreten von Schistosomiasis (Bilharziose) in Europa: Aufmerksamkeit bei bestimmten Krankheitsbildern und bei der Reiseanamnese Korsika ist geboten Bis zum sind in Europa Fälle einer autochthonen Infektion mit dem Pärchenegel Schistosoma haematobium, der die Blasenbilharziose verursacht, bekannt geworden. Es handelt sich um sechs Personen aus Frankreich und fünf aus Deutschland, und zwar sowohl solche mit Symptomen (Hämaturie und Veränderungen der Blasenwand), als auch asymptomatisch infizierte. Alle hatten eine Exposition zu einem Fluss in Süd- Korsika, der von Touristen gerne zum Schwimmen genutzt wird (Abb. ). Daher ist davon auszugehen, dass es über die schon bekannten Fälle hinaus vermutlich weitere Personen geben könnte, die in dem Fluss Cavo/Cavu in Südost-Korsika (Abb. ) gebadet haben und ähnlich exponiert waren. Eine Infektion lässt sich gut behandeln. Abb. : Lage des Flusses Cavo in Korsika Quellen: Große Karte: 069#map=/4.646/ Kleine Karte:

2 Infektionsepidemiologisches Landeszentrum / INFEKT-INFO /204 Seite 2 von 6 Korsika ist bei deutschen Touristen sehr beliebt, laut Statistischem Bundesamt reisten aus Deutschland in den letzten beiden Jahren allein mit dem Flugzeug jeweils im Juli bis September etwa Personen dorthin. Natürlich baden nicht alle Touristen in diesem Gewässer. Eine generelle Expositionsabschätzung ist zurzeit nicht möglich. Die Deutsche Tropenmedizinische Gesellschaft empfiehlt in ihrer Leitlinie Diagnostik und Therapie der Schistosomiasis (Bilharziose), Ausgabe 7-203, dass bei beschwerdefreien Rückkehrern aus einem Endemiegebiet eine Screening-Untersuchung durchgeführt werden sollte, und zwar bei allen Personen, die in Schistosomiasis-Gebieten Süßwasserkontakt gehabt haben, oder wenn bei Mitreisenden eine Schistosomiasis nachgewiesen wurde. Personen, die sich längere Zeit in Schistosomiasis-Gebieten aufgehalten haben (z.b. bei Arbeitsaufenthalten) sollten auch dann gescreent werden, wenn ein Süßwasserkontakt nicht erinnerlich ist. Weiteres unter: Für die Schistosomiasis existiert zwar keine Meldepflicht nach IfSG, es wäre jedoch trotzdem nützlich, wenn die zuständigen Gesundheitsämter von den Ärzten über diagnostizierte Fälle informiert werden würden. Diese Fälle können wie die meldepflichtigen Infektionskrankheiten anonym über die Infektionsepidemiologische Landesstelle am Institut für Hygiene und Umwelt an das RKI übermittelt werden, damit mehr Informationen über die Häufigkeit der Infektion bei deutschen Korsika-Reisenden zur Verfügung gestellt werden können. Das ECDC hat ein Rapid Risk Assessment herausgegeben, welches unter folgendem Link anzusteuern ist: 286c-fe2d-476c-933-8ff4cbb68&ID=007 Die Bilharziose gehört laut WHO zu den sog. Neglected Tropical Diseases und kommt eigentlich nur im außereuropäischem Raum vor (Abb. 2), weltweit werden jährlich mindestens 249 Millionen Personen in Endemiegebieten mit mittlerem bis hohem Infektionsrisiko präventiv behandelt, um die Morbidität zu verringern oder gar zu verhindern. Die urogenitale Form der Schistosomiasis kommt nur in Afrika, einigen Ländern des Mittleren Ostens

3 Infektionsepidemiologisches Landeszentrum / INFEKT-INFO /204 Seite 3 von 6 und auf der Arabischen Halbinsel vor. Die Erkrankung kann auch bei einem über Jahre asymptomatischen Verlauf zu schweren Langzeit-Komplikationen wie Hydronephrose, Infertilität oder Blasenkrebs führen. Abb. 2: Endemiegebiete der Schistosomiasis Übersicht über die aktuellen Meldezahlen in Hamburg Die folgenden Abbildungen und 2 zeigen die Zahlen der registrierten meldepflichtigen Infektionskrankheiten und Erregernachweise für die Kalenderwochen 20 und 2 des Jahres 204. Bei dem in der 20. KW gemeldeten Creutzfeldt-Jakob Fall handelt es sich um die sporadische Form der Erkrankung, der mit Abstand häufigsten in Deutschland. Seit Inkrafttreten des IfSG wurden in Hamburg pro Jahr 0 bis Fälle gemeldet. Bei den beiden Listeriose-Erkrankungen handelt es sich um Fälle ohne epidemiologischen Zusammenhang.

4 Anzahl der Fälle Anzahl der Fälle Infektionsepidemiologisches Landeszentrum / INFEKT-INFO /204 Seite 4 von 6 Abb. : Registrierte Erkrankungen in Hamburg 204 (mit und ohne erfüllte Referenzdefinition), 20. KW (n=27) vorläufige Angaben Erkrankung Abb. 2: Registrierte Erkrankungen in Hamburg 204 (mit und ohne erfüllte Referenzdefinition), 2. KW (n=02) vorläufige Angaben Erkrankung

5 Infektionsepidemiologisches Landeszentrum / INFEKT-INFO /204 Seite von 6 In der folgenden Tabelle sind die Zahlen der registrierten meldepflichtigen Infektionskrankheiten und Erregernachweise kumulativ für die Wochen bis 2 des Jahres 204 im Vergleich zum Vorjahr zusammengefasst. Tab. : Anzahl registrierter Infektionskrankheiten mit erfüllter Referenzdefinition, Kalenderwoche bis 2 kumulativ Hamburg 204 (n=330) mit Vergleichszahlen aus dem entsprechenden Vorjahreszeitraum (n=6848) vorläufige Angaben Krankheit Anzahl der Fälle 204 KW KW - 2 Norovirus Campylobacter Rotavirus Windpocken 2 37 Influenza Salmonellose E.-coli-Enteritis 8 40 Keuchhusten 6 Hepatitis C 8 Tuberkulose Giardiasis 42 6 Adenovirus MRSA Hepatitis B 22 2 Yersiniose 7 22 Shigellose 6 Kryptosporidiose 3 EHEC/STEC 2 6 Denguefieber 9 8 Masern 9 8 Mumps 7 9 Clostridium difficile 6 7 Hepatitis A 9 Hepatitis E 4 4 Haemophilus influenzae 4 3 Legionellose 4 3 Listeriose 4 2 VHF, andere Erreger 2 0 Meningokokken 4 HUS Leptospirose Röteln, postnatal Paratyphus Typhus 0 CJK 0 2 Botulismus 0 Q-Fieber 0 Hantavirus 0

6 Infektionsepidemiologisches Landeszentrum / INFEKT-INFO /204 Seite 6 von 6 Impressum Herausgeber: Redaktion: Freie und Hansestadt Hamburg Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz Institut für Hygiene und Umwelt Infektionsepidemiologisches Landeszentrum Marckmannstraße 29a 2039 Hamburg Tel.: Dr. Anita Plenge-Bönig, MPH Daniel Brandau Nachdruck mit Quellenangabe gestattet, jedoch nicht zu gewerblichen Zwecken.

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