Dokumentation Fünf Jahre Hessischer Landespreis für die beispielhafte Beschäftigung und Integration schwerbehinderter Menschen

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1 Hessisches Sozialministerium Dokumentation Fünf Jahre Hessischer Landespreis für die beispielhafte Beschäftigung und Integration schwerbehinderter Menschen

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3 3 Inhaltsverzeichnis Seite Vorwort 4 Der Landespreis für die beispielhafte Beschäftigung und Integration schwerbehinderter Menschen - Hintergrund und Informationen 6 Die Preisträger 2006 bis 2010 stellen sich vor Die Preisträger 2006 freesort GmbH, Langenfeld 10 Huhle Stahl- und Metallbau GmbH, Wiesbaden 12 Fleischwerk Hessengut GmbH, Melsungen 14 Die Preisträger 2007 Gesundheitszentrum Limburg GmbH 15 Dura Tufting GmbH, Fulda 16 Fraport AG, Frankfurt 17 Die Preisträger 2008 VDBS Versicherungsdienst GmbH, Cölbe 19 Faubel & Co Nachfolger GmbH, Melsungen 20 Energieversorgung Offenbach AG 22 Die Preisträger 2009 Aral Center Dörigmann, Petersberg 23 Schaum Industrievertretungen GmbH, Hüttenberg 24 Carl Zeiss Sports Optics GmbH, Wetzlar 25 Die Preisträger 2010 Hermann Sinning Holzverpackungen & Paletten, Baunatal 26 Skoberne GmbH, Pfungstadt 27 ESO Offenbacher Dienstleistungsgesellschaft mbh 28 Adressverzeichnis Wichtige Adressen, die bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung weiterhelfen können 29 Unterstützungsmöglichkeiten für Arbeitgeber 1. Finanzielle Förderung Beratung und Information Sonstige Angebote 38

4 4 Vorwort Die selbstbestimmte Teilhabe schwerbehinderter Menschen am gesellschaftlichen Leben ist das Ziel der Politik der Landesregierung. Arbeit ist für behinderte wie für nicht behinderte Menschen dabei ein wesentliches Element. Ziel einer aktiven Arbeitsmarktpolitik muss es sein, Ausbildungs- und Arbeitsuchende erfolgreich in Beschäftigung zu vermitteln. Dies gilt insbesondere für diejenigen, die spezifische Schwierigkeiten am Arbeitsplatz haben und einen Bedarf an Qualifizierung aufweisen. Politik für Menschen mit Behinderungen muss die rechtlichen und tatsächlichen Rahmenbedingungen immer wieder auf ihre Wirksamkeit überprüfen und Antworten für die kontinuierlichen Veränderungen der Arbeitsgesellschaft finden. Die Eckpunkte, die den aktuellen Handlungsbedarf beschreiben, werden u. a. definiert durch technischen Fortschritt und globalisiertem Wettbewerb, strukturellen und demographischen Wandel, Zunahme von Dienstleistungstätigkeiten, steigende Qualifikationsanforderungen. Das zentrale Anliegen, die Teilnahmechancen behinderter und schwerbehinderter Menschen zu verbessern, erfordert, Wege zu bauen, die die Menschen möglichst alleine gehen können. Mit dem Neunten Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX) und den Behindertengleichstellungsgesetzen des Bundes und der Länder sind zwar rechtliche Rahmenbedingungen vorhanden, den Menschen eine selbstbestimmte Teilhabe zu ermöglichen und Hindernisse zu beseitigen, die der Chancengleichheit entgegenstehen. Für die berufliche Integration ist aber vor allem das Zusammenspiel aller erforderlich, im Besonderen auch der Unternehmen in Hessen. Das System von Beschäftigungspflicht und Ausgleichabgabe ist dabei bedeutsam: Derzeit haben öffentliche und private Arbeitgeber auf mindestens 5 v. H. ihrer Arbeitsplätze Schwerbehinderte und gleichgestellte Menschen zu beschäftigen, sofern sie mehr als 20 Arbeitsplätze haben. Auch wenn wir in Hessen sowohl im Bereich der öffentlichen als auch privaten Arbeitgeber bei der Erfüllung der Beschäftigungspflicht weit über dem Bundesdurchschnitt liegen, ist es erforderlich, sich weiterhin sozial zu engagieren, denn eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik schafft die Grundlage für sozialpolitisches Engagement und gleichzeitig ist wirksame Sozialpolitik die beste Wirtschaftspolitik. Es gilt, künftige Herausforderungen mit realistischem Blick zur Kenntnis zu nehmen: Bereits heute sind 40 v. H. der Bevölkerung Transferleistungsempfänger und können ihren Unterhalt nicht selbst erwirtschaften und dieser Anteil wird aufgrund des demographisch 5

5 5 bedingten Wandels weiter steigen. Der Erfolg einer aktivierenden Arbeitsmarktpolitik wird sich daher auch an der Eingliederung von Menschen mit Handicaps in den Arbeitsmarkt messen lassen müssen. Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (Behindertenrechts-Konvention - BRK) legt weltweit die Rechte von behinderten Menschen in einem universalen Dokument nieder. Artikel 27 der BRK gibt den Vertragsstaaten auf, Arbeitgeber und Sozialverwaltung stärker in die Pflicht zu nehmen, die Inklusion von Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt zu fördern. Neben den verschiedenen Programmen der Landesregierung und ihrer Partner, mit denen wir den Zugang zum Arbeitsmarkt öffnen wollen, hatte die Landesregierung beschlossen, privatwirtschaftlich tätige Unternehmen in Hessen, die sich durch ein besonderes soziales Engagement bei der Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen auszeichnen, mit einem Preis zu würdigen. Diese Anerkennung soll gleichzeitig eine positive Signalwirkung auf das Einstellungsverhalten weiterer Unternehmen ausüben. Ich hoffe, dass die Darstellung der Preisträger der Jahre 2006 bis 2010 in dieser Broschüre andere Unternehmen dazu bewegt, sich dem Thema Beschäftigung und Ausbildung von Menschen mit Handicaps anzunehmen und diesen eine faire Chance in ihrem Unternehmen zu geben, denn die Beschäftigung von Menschen mit Handicaps stellt sowohl für die Betroffenen als auch für das Unternehmen einen Gewinn dar. In diesem Jahr findet die Preisverleihung bereits zum sechsten Mal statt und die bereits jetzt schon vorliegende Zahl der Bewerbungen macht deutlich, dass sich hessische Unternehmen ihrer sozialen Verantwortung bewusst sind. Dafür danke ich und verbinde die Hoffnung, dass auch künftig eine rege Beteiligung an dieser Auszeichnung erfolgen wird, um nicht nur den Menschen mit Behinderungen einen beruflichen Einstieg bieten, sondern damit auch einen wichtigen Beitrag zur Stärkung unserer Wirtschaftskraft leisten zu können. Auf den nachstehenden Seiten sind die Voraussetzungen für die Bewerbung zum Landespreis für die beispielhafte Beschäftigung und Integration schwerbehinderter Menschen dargelegt sowie eine Kurzübersicht über wichtige Adressen und Unterstützungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit der Beschäftigung schwerbehinderter Menschen. Ich appelliere an alle Unternehmen in Hessen, den Menschen mit Behinderungen auch weiterhin eine Chance zu geben, denn nur, wer Inklusion will, sucht auch Wege, sie zu erreichen. Stefan Grüttner Hessischer Sozialminister 6

6 6 Der Landespreis für beispielhafte Beschäftigung und Integration schwerbehinderter Menschen Hintergrund und Informationen Die Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderungen ist bundesweit, so auch in Hessen, ungebrochen hoch, obwohl die konjunkturelle Entwicklung am Arbeitsmarkt sehr positive Signale setzt. Umso erfreulicher ist es, dass es immer mehr Unternehmen unterschiedlicher Größenordnung in Hessen gibt, die mit der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Diese erfolgreichen und engagierten Unternehmerinnen und Unternehmer, die Arbeitsplätze und Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderungen bereitstellen, übernehmen gesellschaftliche Verantwortung. Die Landesregierung hat dies zum Anlass genommen, eine Auszeichnung ins Leben zu rufen, die diese unternehmerischen Leistungen würdigt und im Sinne einer Vorbildfunktion bekannt machen soll. Im Jahre 2010 wurde der Preis zum fünften Mal verliehen und die bis dahin seit Preisträger, die in der Broschüre vorgestellt werden, zeigen, dass Engagement und betriebswirtschaftliche Einzellösungen zu nachahmenswerten Ergebnissen führen können. Aber nicht nur die Preisträger, sondern alle bisher eingereichten Bewerbungen haben gezeigt, dass soziale Verantwortung mit einer darauf ausgerichteten Unternehmensphilosophie dafür Sorge trägt, dass vorhandene und neue Arbeitsplätze den Bedürfnissen und Fähigkeiten von Menschen mit Behinderungen angepasst werden und somit die Integration der Betroffenen erleichtern können. Die wirtschaftliche Entwicklung zeigt, dass Erfolg zukünftig viel schneller noch als heute mit dem gesellschaftlichen und sozialen Handeln des Unternehmens verbunden sein muss. Gehandicapte Menschen reagieren auf jede Form der Diskriminierung sehr sensibel und nutzen ihre Kaufkraft gezielt als Steuerungselement. Mit der Auszeichnung soll die gezeigte Sozialverantwortung der Unternehmen in Hessen mehr in die Öffentlichkeit gerückt werden, damit solche Unternehmen Vorbild und Ermutigung für andere Arbeitgeber und Entscheidungsträger sein können. Bei der Auswahl der Preisträger standen und stehen die Entwicklung und Verwirklichung von gelungenen Integrationsbeispielen im Vordergrund. Hierzu zählen insbesondere die 7

7 7 Förderung in das Arbeitsleben, der Einsatz für betriebliche wie außerbetriebliche Aus- und Fortbildung von Menschen mit Behinderungen, Initiativen zur Entwicklung neuer Arbeitsplätze, zur Errichtung von Barrierefreiheit oder andere Maßnahmen. Das Engagement der Preisträger soll gleichzeitig als eine Signalwirkung im Sinne einer Vorbildfunktion für andere Unternehmen fungieren. Informieren Sie sich über die Voraussetzungen für eine Bewerbung zur Auszeichnung mit dem Hessischen Landespreis für die beispielhafte Beschäftigung und Integration schwerbehinderter Menschen und vor allem: Schaffen Sie Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen, denn Arbeit erschließt alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und ist die Grundlage für soziale Sicherung, Selbstbestimmung, Chancengleichheit und Anerkennung. WER kann sich bewerben? Das Sozialgesetzbuch verpflichtet Arbeitgeber, die jahresdurchschnittlich monatlich über mindestens 20 Arbeitsplätze verfügen, auf mindestens 5 v. H. dieser Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen ( 73 SGB IX). Teilnahmeberechtigt sind Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen mit Haupt- oder Nebensitz in Hessen, die die Beschäftigungspflicht (5 v. H.) erfüllen, Unternehmen, die eine Beschäftigungsquote von mindestens 4 v. H. haben und in besonderer Art und Weise sozialpolitische Verantwortung als Arbeitgeber durch nachhaltige Maßnahmen zeigen oder die durch die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen für schwerbehinderte Menschen zum Abbau der Arbeitslosigkeit Jugendlicher beitragen, Arbeitgeber, die nicht der Beschäftigungspflicht unterliegen, also unter 20 Mitarbeiter beschäftigen. Bei allen Unternehmen soll die Unterstützung nach dem individuellen Bedarf des Menschen mit Behinderung im Vordergrund stehen, d. h. das Leitbild einer Inklusion in das Arbeitsleben und am Arbeitsplatz soll Teil der Unternehmensphilosophie sein. WANN UND WO kann eine Bewerbung erfolgen? Bewerbungen oder auch Vorschläge sind spätestens bis zum 15. Juli eines Jahres beim Hessischen Sozialministerium einzureichen; die Bewerbungsunterlagen stehen ab März eines Jahres auch auf der Homepage des Hessischen Sozialministeriums (www.hsm. hessen.de) unter der Rubrik Arbeit und Soziales Menschen mit Behinderungen Landespreis für die beispielhafte Beschäftigung und Integration schwerbehinderter Menschen zum Download zur Verfügung. 8

8 8 WAS beinhaltet die Auszeichnung? Jedem Preisträger wird eine Anerkennungsurkunde sowie ein Preis (derzeit 3.000,00 ) im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung überreicht. Er ist für den Zeitraum von drei Kalenderjahren berechtigt, sich öffentlich auf den Preis zu berufen, insbesondere in Kundenmitteilungen und Werbemaßnahmen. WIE VIEL Preisträger werden jährlich ausgezeichnet und von wem? Es werden jährlich insgesamt drei Unternehmen - unabhängig von der Unternehmensgröße und ihrem Wirtschaftsbereich - ausgezeichnet, die die Kriterien erfüllen. Als Jury für die Preisvergabe fungiert der Beratende Ausschuss für behinderte Menschen bei dem Integrationsamt des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen ( 103 SGB IX), der die Aufgabe hat, die Teilhabe der Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben zu fördern und bei der Durchführung der besonderen Regelungen für die schwerbehinderten Menschen zur Teilhabe am Arbeitsleben unterstützend tätig zu werden. Der Ausschuss besteht aus Vertretern der Arbeitnehmer, der Arbeitgebervereinigungen, der Organisationen behinderter Menschen, der Bundesagentur für Arbeit, des Hessischen Sozialministeriums. 9

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10 10 Die Preisträger 2006 bis 2010 stellen sich vor freesort GmbH, Langenfeld Preisträger 2006 Hochmotivierte Menschen in die Arbeitswelt integrieren das ist das Ziel der freesort GmbH aus Langenfeld. 180 Angestellte sind derzeit an den acht Standorten der Tochtergesellschaft der Francotyp-Postalia Holding AG beschäftigt, rund 67 Prozent davon sind Menschen mit Behinderung. Seit Gründung der freesort im Jahr 2005 bieten wir Behinderten einen vollwertigen Arbeitsplatz an und erleben sie im Arbeitsalltag als hochmotivierte und zuverlässige Mitarbeiter, erklärt freesort-geschäftsführer Christian Queißer. Es ist uns ein Anliegen, behinderten Frauen und Männern einen Zugang zum Arbeitsprozess zu ermöglichen. Die freesort ist deutschlandweit führend in der Konsolidierung von Ausgangspost. Konsolidieren heißt: freesort-mitarbeiter holen die Briefe in den Unternehmen ab, sortieren sie nach Postleitzahlen und geben sie gebündelt an Briefzusteller weiter. Hierauf gewähren Zusteller wie die Deutsche Post AG und andere Zusteller Rabatte, welche die freesort als Porto-Optimierung an ihre Kunden zurückgibt. In der hessischen freesort-niederlassung in Frankfurt arbeiten 25 Menschen, 23 von ihnen mit Behinderung, fast die Hälfte davon gehörlos. Im Arbeitsalltag bedeutet das zum Beispiel, dass jeder von uns immer Stift und Zettel dabei hat - falls es mit der Gebärdensprache doch mal nicht klappen sollte, erklärt Roland Hoffmann aus der Niederlassung Frankfurt. Die Menschen mit Behinderung arbeiten in allen Bereichen des Sortierzentrums - checken die hereinkommende Post auf Vollständigkeit, speisen die Dokumente in die Frankiersysteme ein und kontrollieren, ob die Sortiermaschine richtig sortiert hat. Die Menschen mit Behinderung werden in den alltäglichen Ablauf voll integriert: Für einen Kollegen, der eine Augenfehlstellung hat, wurde kurzerhand eine Spezialbrille angeschafft, so dass er nun problemlos an der Frankier- und Sortiermaschine mitarbeiten kann. Die doppelten Gläser haben ihm bei uns den Rufnamen 'Professor' eingebracht - der Kollege findet's 'cool' und wir freuen uns über ein weiteres Beispiel gelungener Integration." Auch einige Gehörlose sind zusätzlich zur Arbeit im Sortierzentrum als Fahrer unterwegs und sammeln die Post bei verschiedenen Kunden ein oder liefern diese fertig sortiert zum Beispiel in der Großannahmestelle der Deutschen Post AG ab. Neukunden werden kurz darüber informiert, was sie im täglichen Umgang mit Menschen mit Behinderung berücksichtigen müssen. Wir haben ein kleines Merkblatt, das den Kunden einige Tipps für die Kommunikation mit Gehörlosen gibt. Viele Leute wissen zum Beispiel nicht, dass es dabei ganz entscheidend ist, den Augenkontakt zu halten, um etwa ein Ablesen von den Lippen zu ermöglichen, erläutert Hoffmann. 11

11 11 Nach der Auszeichnung der Landesregierung im Jahr 2006 mit dem Hessischen Landespreis für die Integration schwerbehinderter Menschen hat das Unternehmen 2008 von der Stadt Frankfurt den Preis als barrierefreier und behindertenfreundlicher Betrieb und 2010 den Arbeitsplatzinvestor-Preis in der Kategorie Behinderten Arbeitsplätze erhalten. 12

12 12 Huhle Stahl- und Metallbau GmbH, Wiesbaden Preisträger 2006 Vermeintlich Schwächere haben sich oft zu sehr guten leistungsstarken Lehrlingen entwickelt. So ist es möglich, Jugendliche mit Behinderung zu integrieren Stahl ist eins der Materialien, auf denen unser modernes Leben aufgebaut ist. So umfassend wie seine Einsatzmöglichkeiten sind die Leistungen unseres Unternehmens: Vom Stahlbau für Hallen, Dächer und Fassaden über den Innenausbau mit Treppen, Fenstern und Türen bis hin zu Antennentragwerken, Unterkonstruktionen für Photovoltaik-Anlagen sowie Beschilderungen und Werbeanlagen. 2010! Ein für uns bedeutendes Jahr. 100 Jahre ist es her, dass der Gründer Emil Huhle diesen erfolgreichen Weg begonnen hat. Wir stellen heute ein traditionsreiches Familienunternehmen in 3. und 4. Generation dar, welches sich durch ständige Innovationen zu einer zeitgemäßen und leistungsstarken Firma entwickelt hat. Die Basis hierfür bilden unsere engagierten Mitarbeiter, treue Kunden, zuverlässige Lieferanten und stetige Investitionen in unsere betriebliche Ausstattung. Aktuell engagiert sich die Huhle GmbH seit Beginn des Programms Wiespaten in ihrem Stadtteil in Wiesbaden in Zusammenarbeit mit dem vom Bund geförderten Projekt Soziale Stadt. Dabei fördert die Firma insbesondere die schulischen Leistungen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Die Jugendlichen wurden von ihren Lehrern vorgeschlagen und das Unternehmen Huhle finanziert den Nachhilfeunterricht für die Schüler, der ihnen in ihren schwachen Fächern unter die Arme greifen soll. Neben dem Förderunterricht kommen die Schüler einmal in der Woche in das Unternehmen und bauen kleine Dinge. Die Arbeit in der Werkstatt soll den jungen Leuten einen Einblick in das Berufsleben ermöglichen befand sich Benjamin N. in der Ausbildung zum Metallbearbeiter. Er kam von der Bodelschwingh-Schule und galt dort als Mensch mit geistiger und körperlicher Behinderung. Bei einem Schulpraktikum lernte er unseren Betrieb kennen und trotz anfänglicher großer Sprachschwierigkeiten klappte die Integration durch seinen enormen Willen gut. Freiwillig wiederholte er dieses Praktikum mehrfach und bewarb sich schließlich um einen Ausbildungsplatz, den wir ihm auch aufgrund unserer Erfahrungen gerne anboten. Schon während der Praktikumsund anschließend während der Ausbildungszeit machte Benjamin sehr erfreuliche Entwicklungsfortschritte. Für mich ist es jeden Morgen eine Freude, ihn zu begrüßen, sagt Geschäftsführer Siegfried Huhle. Bei der Vorbereitung auf die Gesellenprüfung zeigte er enorme Ausdauer und Einsatz. Er ist nach seiner Ausbildung zum Metallbearbeiter (dies ist eine Ausbildung mit verminderten Ansprüchen speziell für Menschen mit Handicap) bei uns als Metallbearbeiter direkt übernommen worden. Sein Fleiß und seine Ausdauer machen sicherlich manche vorhandenen Einschränkungen wieder wett. Zwischenzeitlich ist er zu einem allseits anerkannten, freundlichen Kollegen und einem wertvollen Mitarbeiter in unserem Betrieb geworden. 13

13 13 Diese positiven Erfahrungen mit Benjamin sind kein Einzelfall. Wir konnten ähnliche Erfahrungen, jedoch bei Menschen mit weniger schweren Behinderungen, feststellen. Zurzeit haben wir wieder einen Jugendlichen mit Handicap in der Ausbildung und wir hoffen, dass er trotz seiner Lernblockaden diese Ausbildung auch erfolgreich abschließen kann. Wir haben in den vergangenen Jahren stets gute Erfahrungen bei unseren Auszubildenden mit unterschiedlichen Schulabschlüssen in einem Jahrgang gemacht. Vermutlich Schwächere haben sich oft zu sehr guten leistungsstarken Lehrlingen entwickelt. So ist es auch möglich, Jugendliche mit Behinderung zu integrieren. Aus unserer Erfahrung können wir berichten, dass wir keinen Mangel an geeigneten Ausbildungsbewerbern haben. Die Jugendlichen verfolgen und erreichen ehrgeizig die mit ihnen vereinbarten Ziele. Durch unsere Zusage, alle Jugendlichen nach der Ausbildung befristet zu übernehmen, haben wir auch keinen Fachkräftemangel zu verzeichnen. So konnten wir unsere Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahren durch eigene Ausbildung auf heute 95 Mitarbeiter steigern. Mitarbeiter aus Planung, Herstellung und Montage...ein starkes Team! 14

14 14 Fleischwerk Hessengut GmbH, Melsungen Preisträger 2006 Die Integration von schwerbehinderten Menschen sehen wir als eine soziale Verpflichtung an Die Fleischwerk Hessengut GmbH ist ein mittelständisches Unternehmen und Tochtergesellschaft der EDEKA Handelsgesellschaft Hessenring mbh mit Stammsitz in Melsungen. Wir produzieren ca. 250 verschiedene Wurst- und Schinkenprodukte mit einer Wochenproduktion von 140 t und handeln Fleisch- und Wurstwaren vieler namhafter Wurst- und Schinkenhersteller. Derzeit sind 350 Mitarbeiter bei der Fleischwerk Hessengut GmbH beschäftigt, von denen 34 Mitarbeiter schwerbehindert oder gleichgestellt sind. Die Integration von schwerbehinderten Menschen sehen wir als eine soziale Verpflichtung an. Die informelle Basis für das rechtzeitige Erkennen einer sich anbahnenden Schwerbehinderung wird in sogenannten Gesundheitsgesprächen gelegt. Unter Hinzuziehung des Betriebsarztes, Betriebsrates und der verantwortlichen Mitarbeiter des Betriebes können aufgrund der Informationen umgehend die richtigen Weichen gestellt werden. Somit können die vorhandenen Arbeitsplätze den Bedürfnissen und Fähigkeiten der behinderten Mitarbeiter auch präventiv angepasst werden. Bei unserem Ansprechpartner, dem Integrationsamt, finden wir immer ein offenes Ohr, um die Arbeitsplätze behindertengerecht auszustatten. Das Ziel ist darauf ausgelegt, dass auch die behinderten Beschäftigten im Rahmen ihrer Möglichkeiten optimale Leistungen bringen können. Die behinderten Mitarbeiter sind voll integriert und brauchen und wollen auch keinen Sonderstatus. Die behindertengerechte Gestaltung und Ausstattung der Arbeitsplätze dient auch gleichzeitig der Vorbeugung nicht behinderter Menschen. Sollte aufgrund einer körperlich sehr anstrengenden Arbeit keine praxisgerechte Möglichkeit der Unterstützung gefunden werden, bekommt der Beschäftigte innerhalb des Betriebes eine neue Aufgabe. Auch Arbeitszeitflexibilisierung ist ein geeignetes Angebot. Eine gelungene Eingliederung der Schwerbehinderten ist nur durch Arbeitsplatzgestaltung, Arbeitsumfeld und den richtigen Arbeitsplatz unter Einbeziehung der Fähigkeiten möglich. Aufgrund dieser Maßnahmen haben wir durch den selbstverständlichen und unkomplizierten Umgang der Beschäftigten miteinander eine positive Basis geschaffen. 15

15 15 Gesundheitszentrum Limburg Preisträger 2007 Als Unternehmen im Gesundheitswesen übernehmen wir bewusst soziale Verantwortung und investieren gerne in die Integration von schwerbehinderten Menschen Das Gesundheitszentrum Limburg ist ein Sanitätshaus mit eigener orthopädischer Meisterwerkstatt für höchste, individuelle Ansprüche. In unserer orthopädischen Werkstatt fertigen wir mit modernster Technik Prothesen, Orthesen, Korsette und Stützmieder nach Maß an. Nach computergestützter Fußdruckoder Laufbandanalyse stellen wir individuelle Einlagen her. Außerdem ist das GZL auf DiabetikerVersorgungen sowie Venen- und Lympherkrankungen spezialisiert. Im hauseigenen Lymphkompetenz-Zentrum garantieren speziell ausgebildete Mitarbeiter eine individuelle Beratung und Betreuung, wenn es um die fachgerechte Versorgung von lymphatischen Ödemen geht. Die breite Angebotspalette reicht von Kompressions-, Krankenpflege- und Inkontinenzprodukten über Gesundheitsschuhe, Bandagen, Körpermessgeräte, Gehhilfen, Brustprothesenversorgung bis hin zu Hausbesuchen. Damit sind wir ein kompetenter Ansprechpartner in Sachen Gesundheit, Pflege, Vorsorge, Fitness und Wohlbefinden (zertifiziert nach DIN EN ISO 13485:2003 und zugelassen bei allen Krankenkassen). Die enge Zusammenarbeit zwischen Facharzt, Physio- bzw. Lymphtherapie und Sanitätsfachhandel ist entscheidend für den Therapieerfolg und die Akzeptanz beim Patienten. Damit unser Unternehmen weiterhin so erfolgreich arbeitet, gehört die Sicherung der Qualität, die Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz zur Aufgabe eines jeden Mitarbeiters. Als Unternehmen im Gesundheitswesen übernehmen wir daher auch bewusst soziale Verantwortung und sehen die Integration von schwerbehinderten Menschen als einen menschlichen Faktor unserer Unternehmensphilosophie. So wurde für eine 34-jährige Mitarbeiterin, die querschnittsgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen ist, durch kleine Umbauarbeiten und die Installation eines Treppenliftes ein behindertengerechter Arbeitsplatz in der Verwaltung geschaffen. Mit diesen einfachen Maßnahmen funktionierte die Integration in den Arbeitsalltag ohne jegliche Probleme. Die Kollegin leistet gleichwertige Arbeit. Sie ist nun bereits seit 12 Jahren im Unternehmen tätig und die positiven Erfahrungen, sowohl im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen als auch auf die Resonanz von Kunden zeigt, dass Menschen mit Behinderung genauso leistungsfähig sind wie ihre nichtbehinderten Kollegen. Sie ist daher ein Stützpfeiler des Gesundheitszentrums. 16

16 16 Dura Tufting GmbH, Fulda Preisträger 2007 Die Integration Schwerbehinderter braucht Offenheit und konkreten Umsetzungswillen Als Marktführer im Bereich Teppichboden sind die Unternehmen der Dura-Gruppe sowohl Partner des Handels als auch der Automobilindustrie. Zur Unternehmensgruppe gehört die Dura Tufting GmbH am Stammsitz in Fulda. Hier beginnt 1955 die Geschichte des traditionsreichen Unternehmens. Im Tufting-Verfahren werden seither textile Bodenbeläge in großen, vier und fünf Meter breiten Textilmaschinen gefertigt. Die Förderung schwerbehinderter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist nicht erst seit der Teilnahme am hessischen Modellprojekt Integratives Betriebliches Gesundheitsmanagement selbstverständlicher Bestandteil der betrieblichen Gesundheitsförderung. Traditionell weist Dura einen hohen Anteil an Beschäftigten mit Schwerbehinderung auf. Die Quote erhöhte sich allerdings seit 2004 noch einmal stark: Die Krise am Markt für textile Bodenbeläge und die darauf folgende Wirtschafts- und Finanzkrise führten zu unvermeidbaren betriebsbedingten Entlassungen, mit der Konsequenz, dass überdurchschnittlich viele ältere, schwerbehinderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterbeschäftigt wurden. Personalleiter Hans Pfleger: In dieser Zeit war es für uns umso wichtiger, die bereits selbstverständliche Zusammenarbeit mit dem Landeswohlfahrtsverband Hessen und dem Integrationsfachdienst noch einmal zu intensivieren und nach individuellen Lösungen, vor allem auch für ältere Mitarbeiter mit Behinderung, zu suchen. Die Tatsache, dass über das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) als integraler Bestandteil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements bereits die nötigen Strukturen geschaffen waren, erleichterte dem Unternehmen die Umsetzung. Einige Beispiele: Um beschwerliche Transport- und Laufwege zu vermeiden bzw. zu verkürzen, wurden Lastenaufzüge zu Personenaufzügen umgebaut. Durch die gezielte Anschaffung von Stehhilfen oder ergonomischen Arbeitsplatzmatten wurden körperliche Belastungen für Schwerbehinderte reduziert. Im Bedarfsfall wurden Arbeitszeiten flexibel gestaltet. Es gibt viele Möglichkeiten, flexible und gesundheitsgerechte Lösungen vor Ort zu gestalten. Häufig profitieren dann alle gleichermaßen - gesundheitlich eingeschränkte wie nicht eingeschränkte Kolleginnen und Kollegen, so Patricia Naujoks, Beauftragte für das Betriebliche Gesundheitsmanagement bei Dura. Zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine funktionierende Integration Schwerbehinderter zählen die Verantwortlichen eine aktive Gesprächsführung zwischen den beteiligten internen und externen Stellen, ausreichende Unterstützung durch die Entscheidungsträger im Unternehmen und nicht zuletzt eine starke Einbindung der betroffenen Schwerbehinderten. Die Integration Schwerbehinderter braucht Offenheit und konkreten Umsetzungswillen. Vorbehalte sind oftmals unbegründet und daher völlig fehl am Platz, so Naujoks. Zurzeit wird eine junge Schwerbehinderte ausgebildet, die mit sehr guten Leistungen in Theorie und Praxis glänzt - eine echte Win-Win-Entscheidung und sicher nicht die letzte 17

17 17 Fraport AG, Frankfurt Preisträger 2007 Rehabilitation geht vor Rente Als Eigentümer und Betreiber des Frankfurter Flughafens stellt die Fraport AG den Fluggesellschaften sowie 500 weiteren Behörden, Firmen und Institutionen ihre Einrichtungen zur Verfügung und bietet ihnen hochwertige Dienstleistungen an, die den Airport zu einer leistungsund wettbewerbsfähigen Drehscheibe im internationalen Luftverkehr machen. Dazu zählen die Flugzeugabfertigung und Vorfeldregie genauso wie der Fracht- und Passagiertransport oder die Gepäckbeförderung begrüßte der Flughafenbetreiber in Frankfurt knapp 53 Millionen Fluggäste; über 2,2 Millionen Tonnen Luftfracht wurden abgefertigt. Bei den Passagieren liegt der Rhein-MainFlughafen europaweit hinter London-Heathrow und Paris auf Platz drei, beim Cargo-Umschlag steht er alljährlich mit Paris im Wettbewerb um den ersten Rang. Weltweit ist Frankfurt nach der Zahl der Passagiere der achtgrößte Flughafen. Täglich werden dort rund Starts und Landungen verzeichnet. Auf dem Vorfeld und im Büro: schwerbehinderte Mitarbeiter Von den insgesamt Beschäftigten am Frankfurter Flughafen gehören über Menschen zum Fraport-Konzern und seinen Tochterunternehmen. Den Anteil schwerbehinderter Mitarbeiter hat das Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt; er liegt heute bei fast elf Prozent. Rund Schwerbehinderte arbeiten damit bei Fraport - im Büro genauso wie bei den Bodenverkehrsdiensten oder dem Security Management. Darüber hinaus hat der Flughafenbetreiber im Jahr 2010 Aufträge an Werkstätten für behinderte Menschen in Höhe von circa Euro vergeben. Herzstück dieses Engagements ist die Integrationsvereinbarung, in der sich die Unternehmensführung im Jahr 2001 auf verschiedene Ziele und Handlungsstrategien bei der Integration schwerbehinderter Arbeitnehmer verpflichtet hat. Dieselben Chancen wie alle Mitarbeiter Die Integration Schwerbehinderter beginnt für den weltweit aktiven Flughafenkonzern schon vor dem eigentlichen Eintritt ins Berufsleben. Deshalb bietet er gezielt Praktikumsplätze für behinderte Menschen an - drei sehbehinderte Schülerinnen und Schüler haben dort etwa im vergangenen Jahr in verschiedenen Abteilungen ein Praktikum absolviert. Darüber hinaus ist die Einstellung schwerbehinderter Auszubildender für das Unternehmen ebenso selbstverständlich wie die gezielte Weiterbildung von Schwerbehinderten, die schon im Unternehmen beschäftigt sind. Sie erhalten dieselben Chancen wie alle Mitarbeiter, ihre Fähigkeiten voll zu entfalten und in entsprechende Positionen befördert zu werden. Anfang 2011 hat beispielsweise der erste Englischkurs für blinde und sehbehinderte Mitarbeiter stattgefunden. Entsprechend ausgestattete Arbeitsplätze Menschen mit Behinderung sollen bei Fraport genau die Arbeiten ausführen können, für die sie qualifiziert sind, und sich frei im Unternehmen bewegen und an betrieblichen Aktivitäten teilnehmen können. Deshalb achtet der Konzern darauf, dass ihre Einstellung und Beschäftigung nicht an baulichen oder technischen Hindernissen scheitert und stattet ihre Arbeitsplätze entsprechend der jeweiligen Behinderung aus. Wenn es deren Art und Schwere erforderlich macht, ist darüber hinaus die Einrichtung eines Teilzeitarbeitsverhältnisses möglich. Insbesondere die Führungskräfte werden in Seminaren außerdem gezielt für das Thema Behinderung sensibilisiert. 18

18 18 Rehabilitation vor Rente Um eine weitere Säule des Engagements für Schwerbehinderte handelt es sich schließlich bei der Arbeitsplatzsicherung. Jeder Fraport-Beschäftigte, der eine Behinderung erwirbt, erhält die volle Unterstützung seines Arbeitgebers sei es bei der Wiedereingliederung, eventuell notwendigen Umschulungen oder der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz innerhalb des Unternehmens. Es gilt das Motto: Rehabilitation geht vor Rente. 19

19 19 Versicherungsdienst für Blinde und Sehbehinderte (VDBS), Cölbe Preisträger 2008 Bei Blinden sehen Versicherer schnell erhöhte Risiken Der VDBS, ein Versicherungsdienst für Blinde und Sehbehinderte, setzt sich für deren Bedürfnisse beim Abschließen von Versicherungen ein. Beim Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (Marburg) stapeln sich die Beschwerden: Wenn ein Sehbehinderter in der Vergangenheit eine ordentliche Versicherung abschließen konnte, waren häufig fragwürdige Ausschlussklauseln, absurde Ablehnungen und hohe Risikozuschläge enthalten. Rechtsexperte Dr. Otto Hauck hat eine ganze Liste mit den gravierendsten Fällen zusammengestellt. Da sind abstruse Fallposten drin, zum Beispiel wurde einem blinden Kunden zwar das Darlehen für ein Grundstücksgeschäft gewährt, nicht aber die dazu gehörige Risikolebensversicherung. Deswegen ist Hauck froh, dass es seit 2007 den Versicherungsdienst für Blinde und Sehbehinderte GmbH (VDBS) gibt, der von Marburg aus Blinde aus ganz Deutschland berät. Dahinter steht Versicherungsmakler Rainer Obenauer, für den das einzigartige Angebot eine Herzensangelegenheit ist. Der 65-Jährige hat 40 Jahre lang zunächst für die Allianz und dann als unabhängiger Versicherungsmakler gearbeitet. Blinde begegneten ihm bei seiner Arbeit häufig, weil nirgendwo in Deutschland so viele Sehbehinderte leben wie in Marburg: "Die private Vorsorge ist existenziell wichtig", sagt er. Jeder Vierte sei irgendwann von Berufsunfähigkeit betroffen, natürlich auch Blinde, von denen in der Vergangenheit kaum jemand eine Berufsunfähigkeitsversicherung hatte. Der VDBS ist froh darüber, dass sechs namhafte Versicherer Rahmenverträge mit verbesserten Bedingungen für Sehbehinderte abgeschlossen haben. Der VDBS berät unabhängig von Versicherungsunternehmen und Banken. Sozial engagiert ist der Dienst nicht nur für seine Kunden: Die Hälfte der Mitarbeiter ist selbst blind oder sehbehindert. Unsere Unternehmensphilosophie ist die bundesweite Vorsorgeberatung von blinden und sehbehinderten Menschen für blinde und sehbehinderte Menschen, so Obenauer. Zur Integration wurden die Arbeitsplätze barrierefrei gestaltet. Die schwerbehinderten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können flexible Arbeitszeiten in Anspruch nehmen und die Arbeitsprozesse, wie Kommunikation, werden intern und extern überwiegend durch elektronische Mittel geführt. Ein sechs-monatiges Sprach- und Kommunikationstraining durch Sprachwissenschaftler wird durch regelmäßige interne Schulungen ergänzt und sichert und optimiert die Arbeitsorganisation im Büro und bei Außenveranstaltungen, wie Vorträgen und Seminare. Mehrtägige Trainingsmaß-nahmen für die Geschäftsführer und Mitarbeiter tragen zum besseren Verstehen der Blindheit und deren Behinderung bei. 20

20 20 Faubel & Co. Nachf. GmbH, Melsungen Preisträger 2008 Schauen, wo andere hören; Brücken bauen Faubel ist ein global agierendes, inhabergeführtes Familienunternehmen der Druck-, Papier- und Folien verarbeitenden Industrie mit einer hohen Wertevorstellung und einer über 150-jährigen Tradition in Nordhessen. Zurzeit werden mit ca. 160 Mitarbeitern innovative Produkte für die pharmazeutische, chemische und technische Industrie hergestellt. Unser Portfolio umfasst die Produktgruppen Booklet Etiketten, mehrlagige und einlagige Etiketten, Minibroschüren und Packungsbeilagen. Ein umfangreiches Leistungsspektrum bieten wir im Bereich klinischer Studien. Qualität und Innovation beruhen auf Erfahrung. Mit dem Ausbau der internationalen Vertriebsaktivitäten setzt Faubel sich neue Ziele und dank modernsten Produktions-verfahren und innovativen Materialien macht Faubel das Etikett zu einem Informationsträger mit enorm vielen Zusatzfunktionen. Unseren Erfolg erreichen wir durch Wandel und Wachstum, permanente Investitionen in Produktion, Technologien und Produktentwicklung sowie motivierte und qualifizierte Mitarbeiter. Elisabeth Elberskirchen ist gehörlos und wurde zur Maschinenführerin ausgebildet Über 160 Mitarbeiter, davon 18 Auszubildende, beschäftigt das Unternehmen. Elisabeth Elberskirchen ist eine von sieben schwerbehinderten Mitarbeitern bei Faubel. Die Suche nach einem Ausbildungsplatz gestaltete sich nicht einfach - bis die Firma Faubel und Elisabeth Elberskirchen durch ein Praktikum im Sommer 2007 zusammenfanden. Dann, im August 2008 begann Elisabeth Elberskirchen ihre Ausbildung. "Ich bin unheimlich froh, dass es bei Faubel geklappt hat. Die junge Frau ist völlig gehörlos und hat - trotzdem - ihre zweijährige Ausbildung zur Maschinen- und Anlagenführerin mit Erfolg bei Faubel absolviert. Diese Art der Ausbildung war für alle neu, denn Elisabeth Elberskirchen besuchte eine Berufsschule, wie alle anderen, die eine technische Ausbildung bei Faubel absolvieren. "Wir trauten es ihr zu, denn sie ist interessiert und ehrgeizig genug. Aber sie musste in der Berufsschule mehr tun als andere", sagt Personalleiter Martin Kuge. Da ist es im Betrieb einfacher: Die Kollegen helfen, wenn es Probleme gibt. Jeder im Betrieb war sofort bereit, Fragen zu beantworten. Natürlich muss man sich im Unternehmen auf eine andere Art der Kommunikation einstellen und Brücken bauen. Inzwischen hat Elisabeth Elberskirchen ihre Ausbildung als Maschinen- und Anlagenführerin mit der Note zwei abgeschlossen und einen Arbeitsvertrag bei Faubel erhalten. 21

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