PATIENTEN FACHPERSONEN AUFENTHALT

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1 PATIENTEN FACHPERSONEN AUFENTHALT dialog Dezember 2011 Editorial Im Fokus Hausärzte-Plattform In Kürze Aktuell Persönlich Durchblick Silvia Langenskiöld bereitet ein Endoskop für den nächsten Untersuch vor. Gastroenterologie 2012 neue Gesichter, neues Angebot, neue Räumlichkeiten Die seit Jahren steigenden Untersuchungs- und Eingriffszahlen in der Gastroenterologie des Spitals Männedorf sind nicht zuletzt Ausdruck der guten Zusammenarbeit mit unseren Zuweiserinnen und Zuweisern. Mit zusätzlicher Fachkompetenz, neuen Untersuchungsgeräten und verbesserten Abläufen haben wir dieser Entwicklung Rechnung getragen. Auch wurde die Endoskopie baulich erneuert und erweitert. Die Stichwörter «Viszeralmedizin», «sanfte Endoskopie», «Coloncarcinom-Prävention» und «Hepatologie-Sprechstunde» standen beim Angebots- und Kapazitätsausbau im Vordergrund. Fortsetzung auf Seite 3

2 editorial Erfolg verpflichtet Liebe Leserin, lieber Leser «Mit den erteilten Leistungsaufträgen sind wir sehr zufrieden.» Anfang Oktober hat die Gesundheitsdirektion den Strukturbericht mit der «Zürcher Spitalliste 2012 Akutsomatik» und damit die definitiven Leistungsaufträge der Zürcher Akutspitäler veröffentlicht. Somit steht nun fest, welches Spital für welche Leistungen kantonale Beiträge im stationären Grundversicherungsbereich erhält. Das Spital Männedorf erhielt einen umfassenden Leistungsauftrag. Dieser beinhaltet die Grundversorgung inklusive Notfall sowie verschiedene zusätzliche Pakete in der erweiterten Grundversorgung. Zu den Leistungen, die das Spital bereits heute erbringt, kommen ab 2012 neu die Wirbelsäulen-Chirurgie und ein umfassender Leistungsauftrag für Urologie hinzu. Grosse Eingriffe an Leber und Pankreas fallen hingegen weg, ebenso die Entfernung von primären bösartigen Lungentumoren. Zudem wird ab 2012 keine stationäre Augenchirurgie mehr angeboten. Mit den uns erteilten Leistungsaufträgen sind wir sehr zufrieden. Sie erlauben uns, die umfassende Behandlung und Betreuung unserer Patientinnen und Patienten fortzuführen und Spezialitäten zu pflegen. Besonders gefreut hat uns, dass die Gesundheitsdirektion für unsere in den Nachverhandlungen angeführten Argumente zugänglich war und auf gewisse Einschränkungen bei komplexen chirurgischen Eingriffen, wie sie der Entwurf von Ende Mai noch vorsah, schliesslich verzichtete. Wir konnten aufzeigen, dass an unserem Spital in der jüngsten Vergangenheit gerade in den Bereichen Viszeralchirurgie und Urologie qualitativ und quantitativ eine ganz beachtliche Entwicklung stattgefunden hat. Unsere Anstrengungen haben sich also gelohnt, und unser Spital verfügt nun weitestgehend über die Leistungsaufträge, die wir uns erhofften. Aber: Dieser Erfolg verpflichtet. So werden wir in den folgenden Monaten die Voraussetzungen schaffen, die das neu geschnürte Angebotspaket erfordert. Im Bereich Wirbelsäulen-Chirurgie sind entsprechende Vorbereitungen bereits im Gange. Und auch der Bereich Viszeralmedizin wird weiterhin ausgebaut, so etwa durch verschiedene Neuerungen in der Gastroenterologie. Daneben sind wir uns stets bewusst, dass diese Erfolgsgeschichten ganz wesentlich auf der partnerschaftlichen und kontinuierlichen Zusammenarbeit mit Ihnen beruhen. Wir freuen uns deshalb, wenn Sie auch künftig daran «mitschreiben» und danken Ihnen dafür ganz herzlich. Ralph Baumgartner Direktor 2

3 im fokus Das Gastroenterologie-/Endoskopie-Team: Karina Presecki, Christine Baumann, Doris Schuler, Silvia Langenskiöld (stehend v.l.n.r.). Dr. med. Lutz Seebach, Dr. med. Peter Jaklin. Gastroenterologie 2012 neue Gesichter, neues Angebot, neue Räumlichkeiten Fortsetzung von Seite 1 Die Untersuchungszahlen in der Gastroenterologie des Spitals Männedorf haben sich in den letzten acht Jahren fast verdreifacht. Diese massive Zunahme ist nicht zuletzt Ausdruck der guten Zusammenarbeit mit den zuweisenden Kolleginnen und Kollegen und des dabei gewachsenen gegenseitigen Vertrauens. Die Zunahme der Untersuchungen widerspiegelt aber auch die dynamische Entwicklung, welche die Gastroenterologie des Spitals in den vergangenen Jahren prägte. Spezialisierte Gastroenterologie Die interventionelle Endoskopie konnte ihren Stellenwert weiter festigen und behaupten, sodass das Spital den Leistungsauftrag (ab 2012) für «spezialisierte Gastroenterologie» erhielt. Auch ERCPs gehören heute zum Alltag. Im Vergleich zu früher gibt es jedoch keine «diagnostischen» ERCPs mehr. Papillotomie mit Steinentfernung sowie Stenteinlage bei bösartigen Neubildungen des Pankreas und der Gallenwege sind die Hauptindikationen für die Eingriffe. Zunehmend werden auch Metallstents eingelegt. Aufgrund der fast immer komplikationslos durchgeführten Untersuchungen steigt auch der Anteil der ambulanten Eingriffe. Zudem konnte in den letzten Jahren in Männedorf die Endosonografie etabliert werden. Gerade auch bei onkologischen Patienten spielt sie in der Diagnostik eine wichtige Rolle. Mediastinale Raumforderungen oder Befunde im Bereich des Pankreas und der abführenden Gallenwege etwa können mit dieser Methode komplikationsarm und häufig ambu- Christine Baumann, Leiterin Endoskopie. lant endosonografisch gesteuert punktiert werden. Und auch Pankreaspseudocysten können, wenn nötig, heute trangastral endosonografisch drainiert werden. Ein Grossteil der endoskopischen Untersuchungen werden heute ambulant durchgeführt. Möglich ist dies dank der «sanften Endoskopie», auf die wir grossen Wert legen. 3

4 im fokus Die sanfte Endoskopie Nach wie vor erleben wir täglich das Unbehagen der Patientinnen und Patienten vor der Endoskopie. Viele fürchten sich vor Schmerzen, Würgereiz, Atemnot oder einfach dem Kontrollverlust. Erfreulicherweise konstatieren die meisten nach der Spiegelung überrascht, dass «alles schon vorbei ist» und dass sie «nichts mitbekommen haben»! Neben der persönlichen Betreuung durch das Pflegepersonal und der Aufklärung durch den Arzt spielt das Sedativum eine wesentliche Rolle. Mit der ständigen Pulsoximetrie und dem Blutdruckmonitoring ist das kurzwirksame und gut steuerbare Sedativum Propofol ideal für die Anwendung im Rahmen der Endoskopie. Der Schlaf tritt sehr rasch ein und endet wenige Minuten nach der letzten Applikation, sodass im Vergleich zu dem früher eingesetzten Dormikum nur noch eine kurze, überwachte Aufwachphase nötig ist. Die Verträglichkeit der endoskopischen Verfahren hat auch wegen technischer Neuerungen grosse Fortschritte gemacht. Um die Schleimhaut eines Hohlorganes adäquat zu beurteilen, muss es aufgeblasen werden. Jeder Endoskopeur versucht möglichst viel Luft auch wieder abzusaugen, da verbleibende Luft nach der Endoskopie Bauchschmerzen verursachen kann. Eine Möglichkeit, die luftbedingten Beschwerden nach einer Koloskopie zu verringern, stellt die Insufflation von Kohlendioxid (CO 2 ) anstelle von Raumluft dar. Der Vorteil kommt durch die viel höhere Reabsorption zustande. Während sich Sauerstoff und Stickstoff den «Ausweg» über den Darm suchen müssen, kann das CO 2 durch das Gewebe einfach reabsorbiert und abgeatmet werden. Studien belegen signifikant weniger postinterventionelle Bauchschmerzen und eine geringere Dosis an Analgetika und Sedativa durch den Einsatz von CO 2. Auch bei uns wird in Kürze die freie Gaswahl zur Verfügung stehen. Besprechung am Viszeralboard. Credo «Viszeralmedizin» Die Patientinnen und Patienten sind bei uns in das Zusammenspiel von Viszeralchirurgie, Gastroenterologie und Radiologie eingebettet. Wir bezeichnen diese Zusammenarbeit als «Viszeralmedizin». Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit zugunsten unserer Patientinnen und Patienten ist eines unserer Hauptaugenmerke im Hinblick auf die Zukunft. Mit unserem wöchentlichen «Viszeralboard» haben wir hier einen Grundstein gelegt. Alle aktuellen Patientinnen und Patienten werden gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Viszeralchirurgie und der Radiologie besprochen, um so interdisziplinär die beste Lösung zu finden. Ergänzt wird dies durch das wöchentliche Tumorboard, in dem auch die gastroenterologischen Patientinnen und Patienten behandelt werden. Ein weiteres Beispiel für diese gute und fruchtbare Zusammenarbeit ist die Durchführung der chirurgischen Proktologie-Sprechstunde in den neuen Räumen der Endoskopie. Auf der einen Seite können dadurch räumliche und personelle Synergien genutzt werden, auf der anderen Seite rücken Viszeralchirurgie und Gastroenterologie damit noch ein Stück näher zusammen. 4

5 Qualitativer und quantitativer Ausbau Um auch weiterhin auf die steigende Nachfrage reagieren zu können, haben wir etwas getan: Neue Gesichter, ein neues Angebot und neue Räumlichkeiten haben die Gastroenterologie im 2011 geprägt. Neu zum Team gestossen ist Dr. med. Lutz Seebach, Facharzt Innere Medizin und Gastroenterologie FMH. Er unterstützt und bereichert das gastroenterologische und medizinische Team seit Mai dieses Jahres. Einer seiner Schwerpunkte ist die Hepatologie. So wird er die hepatologische Sprechstunde führen und insbesondere für die Betreuung von Patientinnen und Patienten mit viraler Hepatitis (B,C,D,H) NASH und Autoimmunerkrankungen zuständig sein. Daneben ist er selbstverständlich auch endoskopisch tätig. Die Untersuchungsräume wurden renoviert und um einen zusätzlichen Untersuchungsraum erweitert. Der Aufarbeitungsraum für die Endoskope wurde erneuert, vergrössert und an die Anforderungen eines modernen Ablaufs angepasst. Auch unser Wartebereich wurde neu gestaltet. Die letzten angejahrten Endoskope wurden durch neue, hochauflösende Geräte ersetzt, wobei wir nun über zwei Doppelkanalendoskope verfügen, die zwei Arbeitskanäle besitzen. Dies ist hilfreich bei der Entfernung von schwierigen Polypen, beim Einsatz des Argonbeamers und bei weiteren Interventionen. Die Endosonografiegeräte wurden ebenfalls erneuert. In Dr. med. Lutz Seebach ist Spezialist für Erkrankungen der Leber (oben). Doris Schuler bei der Arbeit im Aufbereitungsraum. Kürze werden die Endoskopien mit CO 2 durchgeführt werden (vgl. Kästchen «Sanfte Endoskopie»). Darüber hinaus werden wir in Zukunft auch gezielte Dünndarmdiagnostik durchführen können. 5

6 im fokus Bahnbrechende neue Therapie der Hepatitis C Auch in der Therapie der chronischen Hepatitis C wird sich in den nächsten Monaten und Jahren vieles ändern. Will man den Experten an den grossen Kongressen glauben, so stehen wir vor einem «Meilenstein in der Behandlung» der chronischen Hepatitis C. Das Hepatitis C-Virus ist in der Schweiz nach dem Alkohol die zweithäufigste Ursache für die Entstehung einer Leberzirrhose. Etwa jeder vierte Patient, der an der Infektion leidet, entwickelt eine Zirrhose, welche wiederum mit einer hohen Morbidität und Mortalität verbunden ist. Aktuell besteht die Standardtherapie aus der Verabreichung von subkutanem Interferon einmal wöchentlich und der täglichen peroralen Einnahme von Ribavirin. Die Erfolgsraten, das heisst eine anhaltende Viruselimination, liegen zwischen 45 und 80%. Entscheidend für den Therapieerfolg ist der sogenannte HCV-Genotyp. Das Virus wird dementsprechend in vier Subgruppen unterteilt, die Genotypen 1, 2, 3 und 4. Am häufigsten und damit bei knapp der Hälfte der Infizierten findet sich der Genotyp 1. Leider ist dieser auch mit der schlechtesten Ansprechrate auf die oben genannte Standardtherapie assoziiert, die wie gesagt nur bei 45% liegt. Gleich ein Dutzend Pharmafirmen sind an der Entwicklung neuer Medikamente, die gezielt gegen den in der westlichen Welt am verbreitetsten Genotyp 1 gerichtet sind. Dabei spricht man von «direct antiviral agents», kurz DAAs. Funktionell handelt es sich um kleine Moleküle, die als Proteasenhibitoren einzelne Schritte der Virusreplikation unterbinden. Zwei solche Substanzen sollen im nächsten Jahr von der FDA und sodann auch von der Swissmedic zugelassen werden. Es handelt sich um Telaprevir und Boceprevir. In grossen Studien konnten beide Medikamente zeigen, dass nicht mehr wie zuvor nur 45%, sondern neu 65 70% vom Genotyp 1 des Hepatitis C-Virus dauerhaft geheilt werden können. Die Therapiedauer wird bei einem bedeutenden Teil der Patienten von aktuell einem Jahr auf sechs Monate reduziert werden können und auch Patienten, die auf eine zurückliegende Standardtherapie nicht angesprochen haben, haben die Chance mit den DAAs geheilt zu werden. Wohlgemerkt, das Interferon und das Ribavirin müssen nach wie vor dazugegeben werden. Und auch jetzt schon ist die Therapie mit vielen Nebenwirkungen und einer Abbruchrate von 10% vergesellschaftet. Mit den neuen Medikamenten steigt die Abbruchrate auf 15%. Der Grund dafür liegt in den vermehrten Hautausschlägen, gastrointestinalen Beschwerden und der Hämatotoxizität. Auch wenn die Zahlen aus den Studien selten das Verhalten einer realen Patientengruppe widerspiegeln, ist doch ein «Silberstreifen» am Horizont für Patienten mit chronischer Hepatitis C vom Genotyp 1 in Sicht. Nicht nur für die Pharmafirmen. 6 6

7 Was wird uns weiter beschäftigen? An erster Stelle steht das Ziel, Ihnen stets gute Serviceleistungen in der Betreuung der stationären und ambulanten Patientinnen und Patienten zu bieten. Wir sind überzeugt, dass dabei unsere Bemühungen um «Viszeralmedizin» einen wichtigen Grundsatz darstellen. Im Weiteren werden wir uns auf einen noch grösseren Anteil an ambulanten Untersuchungen einstellen müssen, nicht zuletzt wegen der Entwicklungen in Zusammenhang mit der Einführung von SwissDRG. Doch mit unserem Verständnis von «sanfter Endoskopie» sind wir darauf gut vorbereitet. Ein weiteres Hauptaugenmerk schliesslich wird auf der Coloncarcinomvorsorge liegen. Mit der Koloskopie verfügen wir über ein anerkanntes Instrument, um die Mortalität des Coloncarcinoms zu senken und das Auftreten zu verhindern. Bei jedem neu diagnostizierten Coloncarcinom nehmen wir uns vor, mehr Menschen zur Vorsorge zu bewegen. Und deshalb: Wir werden etwas tun! Auf eine weiterhin vertrauensvolle und kollegiale Zusammenarbeit im Interesse unserer gemeinsamen Patientinnen und Patienten! Darmkrebs ist vermeidbar Adenom zu finden, zu entfernen und damit effektive Krebsvorsorge zu Auch wenn wir damit das Risiko betreiben, mussten 12 Patienten untersucht eingehen, Sie durch Wiederholung zu werden (Marbet, Regli Schweiz langweilen, wir lassen nicht locker, Med Forum 2011, 11 (13): ). denn: Weiterhin werden in der Schweiz pro Bei jedem neu diagnostizierten Darmkrebs Jahr 4000 Coloncarcinome neu haben wir vor Augen, dass diese diagnostiziert, ca Patienten Erkrankung eigentlich vermeidbar ist. sterben daran. Wie viel Mühe und Leid und auch wie Die effektivste Vorsorgemethode ist viel Ressourceneinsatz bedeutet die die Koloskopie, auch wenn andere Behandlung dieser Erkrankung. Methoden, z.b. Hämoccult oder Neue Schweizer Daten zeigen, dass 110 immunochemische Stuhltests, Patienten untersucht werden müssen, vorhanden sind. um ein Coloncarcinom zu entdecken. Wir können etwas tun! Um ein grosses, fortgeschrittenes Dr. med. Peter Jaklin Leiter Gastroenterologie/ Stv. Chefarzt Med. Klinik Dr. med. Lutz Seebach Oberarzt Med. Klinik 7

8 Hausärzte-Plattform Jede Medaille hat zwei Seiten Wir leben im Jahrhundert der Information. Kommunikation ist heutzutage die halbe Miete. Auf der einen Seite sind die Beziehungen zum Kader im Spital ausgezeichnet. Man kennt sich, man schätzt sich und ist mit den meisten per Du. Die Kommunikationswege sind sehr direkt und unkompliziert. Es ist gut zu wissen, wer wofür zuständig ist. Ich denke da beispielsweise an die Zusammenarbeit bei einem kürzlich von mir festgestellten Lungen-Carcinom bei einer jungen Frau. Innerhalb einer Woche waren die Grundabklärungen inklusive Bronchoskopie durch Christoph Tuor abgeschlossen. Das ergibt einen ärztlichen Delay von 0,0. Jede Medaille hat zwei Seiten. Deshalb kann es nicht verwundern, dass es auch Aspekte der Kommunikation gibt, die dringend verbessert werden können und müssen. So gut die Kommunikation zu Chefärzten und leitenden Ärzten funktioniert, so schlecht ist sie auf der Ebene der Assistenten. Wie oft habe ich einen Patienten vor mir, der vor ein paar Tagen entlassen wurde. Der Kurzbericht, den der Patient auf sich trägt, ist die grosse Ausnahme. Eine Weiterbehandlung ohne Informationen ist peinlich für uns Grundversorger und zwingt uns, solche Berichte einzufordern, damit wir endlich wissen, was geschehen soll. Es ist nicht die Menge der Information, nach der wir lechzen, sondern die Aktualität derselben. Gerade im Notfalldienst müssen wir ja mit relativ bescheidenen Mitteln eine erste Verdachtsdiagnose stellen. Ist es ein Blinddarm gewesen? Entspricht die Aufhellungszone auf dem Röntgenbild wirklich einer Fraktur? Da brauchen wir keine ausführliche Anamnese bis zurück zu Adam und Eva. Was ich mir wünschen würde, wären ultrakurze Berichte, am liebsten per Mail, aber auch per Fax (eventuell Telefon) nach folgendem Muster: «Patient XY, keine Appendicitis, nur Gastroenteritis.» «Patient XZ, tatsächlich Navi-Fraktur, Gips angelegt.» Oder: «Patient XW, Fernmetastasen in Lunge und Knochen, keine Chemotherapie, meldet sich bei Ihnen.» Wenn ich schon beim Wünschen bin: Die Fortbildungen werden mit viel Herzblut vorbereitet. Falls man einzelne Folien nochmals einsehen möchte, dann muss man jeden Referenten einzeln ansprechen. Mein Vorschlag wäre: Bitte, bitte in der Website des Spitals einen geschützten Bereich für Ärzte eröffnen und die Powerpoint-Folien dort zum Download anbieten. Im Voraus besten Dank! Dr. med. Martin Jost Facharzt Allgemeinmedizin FMH Winkelstrasse Meilen Tel Fax

9 in kürze Start der neuen chirurgischen Sprechstunde Patientenanmeldung (bereits gültig) Vreni Brändli Unsere Sprechstunde ist aktuell für die folgenden Ärztinnen und Ärzte eingerichtet: Dr. med. Marco Di Lazzaro, Stv. Chefarzt. Leitende Ärzte: Dr. med. Barbara Freitag und Dr. med. Adrian Schwaller. Oberärzte: med. pract. Joana Mürmann, Kontakt: Dr. med. Tel. Birgit 044 Oberreiter, / med. pract. Andrea Schoke und Dr. med. Fax Stefan Gutknecht / Ebenfalls ist Dr. med. Hans Zaugg, Belegarzt Handchirurgie, in der Sprechstunde integriert. Aufgrund der deutlichen Zunahme der Patientinnen und Patienten waren wir gefordert, einen neuen Ansatz bei der Sprechstundendurchführung zu suchen. Wir freuen uns nun sehr, Sie nach einer gelungenen Anlaufzeit über die Neuorganisation der chirurgischen Sprechstunde zu informieren. Für die Durchführung der chirurgischen Sprechstunden konnten wir neu Vreni Brändli gewinnen. Viele von Ihnen kennen Vreni Brändli aus ihrer langjährigen Tätigkeit in unserer Disposition. Aufgrund ihrer profunden Kenntnisse des Spitals und der Abläufe, war es für uns ein Glücksfall, sie mit dieser neuen Aufgabe zu betrauen. Schriftlich: Spital Männedorf, Ärztliche Leitung, Chirurgische Klinik, Asylstrasse 10, 8708 Männedorf. Telefonisch: Fax: Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag: h. Die Sprechstunde von Dr. med. Jörg Wydler, Chefarzt Chirurgische Klinik, wird weiterhin über sein Sekretariat organisiert: Franziska Knecht, Tel , Fax oder Die Sprechstunde von Dr. med. Peter Šandera, Leitender Arzt, läuft über das Sekretariat: Tel , Fax Herzlichen Dank Wir bedanken uns herzlich beim Team der Tagesklinik, namentlich bei Barbara Linguanti, Isabelle Haymoz Gemperle und Ursula Grossmann, welche bis anhin, neben ihrer Tätigkeit in der Tagesklinik, die chirurgische Sprechstunde durchgeführt haben. Die Patientinnen und Patienten haben sich sehr wohl und aufgehoben gefühlt, die Durchführung war professionell und von einer grossen Freundlichkeit begleitet. Die Damen werden sich künftig wieder ganz der Tagesklinik widmen können. Bei Fragen und für weitere Auskünfte stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung: Franziska Knecht, Assistentin Dr. med. Jörg Wydler: oder Dr. med. Jörg Wydler direkt: 9

10 In kürze News aus dem Onkologie Zentrum Rücktritt Ende März 2012 Liebe Kolleginnen und Kollegen Nachdem ich Ende Mai 2008 mit 63 Jahren den Posten als Chefarzt Medizin aufgegeben habe, werde ich Ende März 2012 wie geplant meine Tätigkeit als Onkologe beenden. Ich habe keinen direkten Nachfolger. Das hat damit zu tun, dass ich meinen Kolleginnen und Adrian Dubs nur einen Teil meiner bisherigen Patienten übergeben werde, bzw. muss. Denn ich habe seit 2010 nur noch in Ausnahmefällen neue Patienten übernommen und meine Tätigkeit beschränkte sich vorwiegend auf die Behandlung von Patienten mit chronischem Verlauf oder mit Rückfällen sowie auf die Nachsorge. Onkologisch behandlungs- oder betreuungspflichtige Patienten werde ich im kommenden Frühling Frau Kapp, Frau Dröge oder Herrn Dubs übergeben. Patienten in anhaltend kompletter Remission, die in der Mehrzahl geheilt sind, werde ich fragen, von wem sie sich weiter betreuen lassen möchten. Einen Teil werde ich an den Hausarzt verweisen und Frauen mit Brustkrebs an ihre Gynäkologin. Denn dass ich Patienten in Remission oft über viele Jahre klinisch kontrolliert habe, hatte viel damit zu tun, dass ich sie auf einem schwierigen Lebensabschnitt begleitet habe und so eine starke persönliche Bindung entstand, die den Wunsch der Patienten nach einer langjährigen Kontrolle begründet hat. Selbstverständlich werde ich alle Kolleginnen und Kollegen, welche «meine» Patienten weiter behandeln, mittels einer Zusammenfassung der Krankengeschichte und einem Vorschlag zum Prozedere orientieren. Ich werde in der nächsten «Dialog»- Ausgabe Gelegenheit erhalten, mich von Euch allen zu verabschieden. Dr. med. Urs Strebel Leitender Arzt Onkologie Zentrum Sollte man Brustkrebs medikamentös vorbeugen? Eine neue randomisierte Studie zeigt, dass die regelmässige Einnahme des die Östrogensynthese senkenden Aromatasehemmers Exemestan die jährliche Inzidenz von invasiven Mammakarzinomen relativ um zwei Drittel senken kann. Teilnehmerinnen der Studie waren postmenopausale Frauen mit erhöhtem Risiko für eine Brustkrebserkrankung. Die Senkung des absoluten Risikos ist jedoch geringer, wenn 94 gesunde Frauen 3 Jahre mit Exemestan behandelt werden müssen, um eine Brustkrebserkrankung zu verhindern. Dazu braucht es eine hohe Motivation, z.b. bei einem sehr hohen Erkrankungsrisiko, auch wenn die Verträglichkeit von Exemestan gut war. Angesichts der guten Ergebnisse bei der Behandlung eines Frühkarzinoms werden viele Frauen dem Brustkrebsscreening weiterhin den Vorzug geben. Literatur: PE Goss et al.: Exemestan for Breast-Cancer Prevention in Postmenopausal Women; NEJM 2011; 364: Prof. Dr. med. Ursula Kapp Leitende Ärztin Onkologie Zentrum 10

11 Kastrationsresistentes Prostatakarzinom eine hoffnungslose Situation? Für das kastrationsresistente metastasierte Prostatakarzinom gab es bis 2005 kaum effektive Chemotherapien wurden zwei neue Substanzen zugelassen, deren Wirksamkeit bisher bei Progression nach der seit 2005 etablierten Chemotherapie mit Docetaxel gezeigt wurde. Studien zum primären Einsatz werden folgen. Cabazitaxel, ein tubulinbindendes Taxan, ist einer oft eingesetzten Zweitlinientherapie mit Mitoxantrone überlegen, einigermassen verträglich und verlängert die Lebenszeit. Eine andere Studie zeigt, dass der Androgenrezeptor auch nach Chemotherapie ein sehr wichtiger Angriffspunkt bleibt. Orales Abiraterone hemmt die Androgenbiosynthese und zeigt im Vergleich zu Placebo eine signifikante Verbesserung der Lebensqualität, eine Reduktion von Knochenschmerzen und eine Überlebensverlängerung bei sehr günstigem Nebenwirkungsprofil, auch in eher schwieriger therapierbaren Situationen bei über 75-jährigen Patienten oder bei viszeralen Metastasen. Eine sinnvolle, d.h. an die individuellen Gegebenheiten angepasste, Therapie ist also auch bei Kastrationsresistenz noch möglich. Literatur: De Bono et al. Prednisone plus Cabazitaxel or mitoxantrone for metastatic castration-resistant prostate cancer progressing after Docetaxel treatment. A randomised open-label trial Lancet 2010: 376; De Bono et al. Abiraterone and increased survival in metastatic prostate cancer N Engl J Med 2011: 364; und Fizazi et al. abstract 7000 ESMO Stockholm Dr. med. Cornelia Droege Leitende Ärztin Onkologie Zentrum Kontakt Onkologie Zentrum Onkologie Zentrum Spital Männedorf Asylstrasse 10 Postfach 8708 Männedorf Erreichbarkeit Montag Freitag und Uhr Tel Fax Onkologischer Hintergrunddienst Rund um die Uhr steht Ihnen ein Onkologischer Hintergrunddienst für dringliche onkologische Fragen zur Verfügung unter Tel (ausschliesslich für Ärztinnen und Ärzte). Adjuvante Chemotherapie beim Coloncarcinom spätestens 8 Wochen postoperativ Bis anhin war unklar, wie rasch eine adjuvante Chemotherapie beim Coloncarcinom eingeleitet werden sollte. Eine im JAMA publizierte Metaanalyse zeigt nun, dass das Rezidiv- und Mortalitätsrisiko signifikant ansteigt, wenn erst nach 12 Wochen statt innert 8 Wochen postoperativ mit der adjuvanten Chemotherapie begonnen wird. Diese Studiendaten bestätigen uns darin, die interdisziplinäre Besprechung frühzeitig an unserem wöchentlichen Tumorboard durchzuführen. So können wir in der Regel die adjuvante Chemotherapie bei allen Nodal-positiven Coloncarcinomen sowie bei Hochrisikopatienten mit Nodal-negativen Coloncarcinomen innert 8 Wochen beginnen. Literatur: Biagi JJ et al. Association between time to initiation of adjuvant chemotherapy and survival in colorectal cancer: a systematic review and meta-analysis. JAMA. 2011;305(22):2335. Dr. med. Adrian Dubs Leitender Arzt Onkologie Zentrum Interdisziplinäres Tumorboard Das Interdisziplinäre Tumorboard am Spital Männedorf findet jeweils am Mittwoch um Uhr im Befundraum der Radiologie SMA statt. Sie haben die Möglichkeit, Ihre Patientin/ Ihren Patienten durch eine/n unserer Onkologinnen/Onkologen vorstellen zu lassen oder persönlich am Tumorboard teilzunehmen. Sie sind herzlich willkommen. Informationen zur Anmeldung erhalten Sie durch unser Sekretariat (Tel ). 11

12 aktuell Orthopädie: Ein ausserordentlicher Fall und Verlauf 2010 operierte ich eine Patientin mit einem bemerkenswerten Langzeitverlauf: 1962 wurde sie wegen Epiphysiolyse an der rechten Hüfte operiert. Erst 48 Jahre später stellte sich eine sekundäre Arthrose ein, die den Einsatz einer Hüftendoprothese nötig machte. Frau D.E., jetzt 61-jährig, wurde mir 2010 wegen Coxarthrose mit der Frage nach Hüftgelenksersatz zugewiesen. Ich erkannte bei der Anamneseerhebung, dass ich sie bereits 1988 als Assistent an der Schulthess Klinik im Rahmen einer wissenschaftlichen Nachuntersuchung meines Lehrers und damaligen Chefarztes, Professor Norbert Gschwend, untersucht hatte. Erstoperation in der Adoleszenz (1962) Frau D.E. war 12-jährig, als sie 1962 wegen Epiphysiolyse von Professor Norbert Gschwend operiert wurde. Sie war eine der Ersten, bei welchen er die Technik der subcapitalen Osteotomie anwandte. Professor Gschwend favorisierte bei der Epiphysiolyse bei geeigneten Fällen diese Technik. Dabei wird die Hüfte dargestellt und unmittelbar kaudal des Hüftkopfes vom Schenkelhals ein trapezförmiges Stück Knochen entnommen, um den abgerutschten Kopf aufzurichten und mit Schrauben in einer «physiologischeren» Stellung zu fixieren. Dies bedeutet eine Verbesserung der Anatomie, aber nicht eine vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen Form. Der kritische Punkt bei dieser Technik ist die Schonung der dorsalen Gefässe. Eine Verletzung derselben würde zu einer Kopfnekrose führen, was zur damaligen Zeit mit der Entfernung des Hüftkopfes ohne Ersatz geendet hätte. Die Hüfte von Frau D.E. konnte mit der Osteotomie «gerettet» und erhalten werden. Nachteile waren die Verkürzung des Schenkelhalses und mit der Verschraubung auch das Beenden des Wachstums im Schenkelhals durch Epiphysendurchbohrung, was sich aber im Alltag weniger auswirkt als andere mögliche Korrektureingriffe auf intertrochanterer Ebene. Kontrolle nach 26 Jahren (1988) Die Schrauben wurden 2 Jahre nach der Erstoperation wieder entfernt stellte ich bei der jetzt 38-jährigen Patientin, 26 Jahre nach der Korrekturoperation, eine recht gute Hüftfunktion fest, mit einer Flexion von 95 und einer leicht eingeschränkten Rotation. Es bestand eine Beinlängendifferenz von etwa 0,5 cm und eine ausgeprägte Adipositas. Schmerzen hatte sie damals keine. Das Röntgenbild zeigte nur minime Arthrosezeichen. Gelenksersatz der Hüfte (2010) Es dauerte weitere 20 Jahre, bis die leichte Inkongruenz von Kopf und Pfanne zu einer Arthrose führte. Der Bewegungsumfang wurde eingeschränkter, die Gehstrecke kürzer und auch die Beinlängendifferenz wegen eines Streckausfalles grösser auf funktionell ca. 2,5 cm. Klinisch und radiologisch war die Indikation zum Gelenksersatz klar gegeben. Beim Entscheid, welchen Prothesentyp man empfehlen sollte, war zu berücksichtigen: das Alter (die Patientin hat eine Lebenserwartung von weiteren 22 Jahren) die erhebliche Adipositas mit einem BMI von 37 der deutlich verkürzte Schenkelhals die eher kleine Pfanne die Beinlängendifferenz von funktionell 2,5 cm die Vernarbungen durch den Eingriff von 1962 und der Schraubenentfernung Ich habe mich für eine zementfreie Pressfitpfanne und einen zementfreien Kurzschaft entschieden. Ich konnte damit bei der Pfanne die Anteversion und die Neigung mit weniger Aufwand einstellen als mit einer Schraubpfanne und der Kurzschaft benötigte weniger Ablösung von Weichteilen als ein Standard-Geradschaft. Der Hautschnitt musste länger werden als üblich, um die massive Subcutis möglichst wenig zu traumatisieren. Im Zentrum des Schenkelhalses war der Knochen überraschend stark sklerosiert, obwohl die Schrauben schon vor über 30 Jahren entfernt worden waren. Der sehr harte Knochen zeigte beim Raspeln eine Fissur, die mit einer Drahtcerclage abgesichert wurde; somit konnte der Schaft wie geplant eingesetzt werden. Die Beinlänge konnte bis auf wenige Millimeter Differenz zur Gegenseite verbessert werden. Ein vollständiger Ausgleich der Beinlänge ist bei starken Vernarbungen meist nicht möglich. Wegen der Fissur durfte die Patientin für 6 Wochen nur mit Sohlenkontakt belasten. Die Wundheilung war günstig, die Knochenheilung auch und die Prothese bewegte sich trotz der Fissur nicht und ist fest eingewachsen. Es dauerte einige Monate und Physiotherapien, bis eine gute Beweglichkeit 12

13 1 Bild 1 Beispiel einer Epiphysiolyse höheren Grades. Der Kopf ist nach dorsal abgekippt. (Originalbild von Frau D.E. nicht mehr greifbar) Bild 2 Beckenaufnahme vor der Ersatzoperation. Der Gelenkspalt ist rechts aufgehoben, der Offset vermindert. Die ehemalige Eintrittstelle der Schrauben ist noch sichtbar. Das ganze Becken hat sich etwas «verdreht» wegen der fehlenden Rotation der Hüfte. Bild 3 Beckenaufnahme 1 Jahr postoperativ zeigt einen eingewachsenen Schaft mit der Cerclage am Schenkelhals (Pfeil), die Verlängerung axial und die Verbesserung des Offsets sowie die Verbesserung der Beckenstellung als Ganzes. Bild 4 Gezielte Aufnahme: Kurzschaft Typ Nanos mit guter Abstützung lateral (x), Pressfitpfanne ohne Saumbildung (Pfeile), Cerclage am Schenkelhals (xx), wird nicht entfernt werden. wiederhergestellt war. Die leichte Beinlängendifferenz stört nicht und die Gehstrecke ist wieder uneingeschränkt. Die Patientin hat keine Schmerzen mehr, ich habe sie kürzlich bei der Jahreskontrolle untersucht. 2 h Bemerkenswertes Ungewöhnlich an diesem Fall: Es dauerte 48 Jahre nach der Operation einer schweren Epiphysiolyse, bis sich eine sekundäre Arthrose einstellte. Dabei hatte man sich zum Zeitpunkt der Operation lediglich etwa 20 Jahre erhofft. Da die angewandte Technik damals noch recht neu war, verfügte man über keine Langzeitergebnisse. Weiter ist bemerkenswert, dass der Operateur, Professor Norbert Gschwend, 48 Jahre nach einer Operation, den Verlauf und die von einem seiner Schüler ausgeführte Prothesenversorgung bei guter Gesundheit beurteilen kann. Er hat mit der Patientin Kontakt aufgenommen, was diese sehr gefreut hat. Noch recht neu, aber schon bewährt, ist das Implantat mit beschichteter Pressfitpfanne und Kurzschaft, die sich für die in diesem Fall veränderte Anatomie besser eigneten als die Standardimplantate. Ich hoffe, dass sich dieser neue Schaft ähnlich gut bewähren wird wie die damals noch neue Operationstechnik von R 4 h xx h h h h Dr. med. Matthias U. Rubeli Belegarzt Orthopädie Spital Männedorf Praxis Goethestrasse Stäfa h x 13

14 Persönlich aktuell 20 Jahre Chefarzt Chirurgie: Eine Tour d Horizon von Andreas Vollenweider Ende November tritt Dr. med. Andreas Vollenweider in den Ruhestand. Mit persönlichen Reflexionen zu einem beträchtlichen Stück erlebter und mitgestalteter Spitalund Chirurgiegeschichte verabschiedet er sich von der Leserschaft des «Dialog». Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen Nach 20-jähriger Chefarzt-Tätigkeit am Spital Männedorf geht mein eigentliches Lebenswerk zu Ende. Es war eine intensive, teilweise sehr konsumierende, im Ganzen aber schöne Zeit, trotz sehr einschneidenden Erschütterungen. Immer aber war die Zusammenarbeit mit Albert Hollinger die Basis, auf die wir zurückgreifen konnten. So haben wir beide eine ganze Chirurgen-Generation am Spital Männedorf geprägt und den guten Ruf unseres Spitals über unsere Grenzen hinaus verankern können. Es erfüllt uns beide mit einer grossen Befriedigung, zu sehen, an wie vielen Orten in der Schweiz chirurgische Kaderärzte tätig sind, die einen Teil ihrer Ausbildung bei uns erhalten haben. Stolz bin ich auch darauf, dass wir gerade im traumatologischen Bereich bis heute innovativ bleiben konnten und gewisse Operationstechniken als Erste in der Schweiz einführen durften ich erinnere an den Targon-Nail im proximalen Humerus-Bereich. Trotzdem ist es nun an der Zeit, dass eine neue Generation mit neuen Impulsen und Konzepten die Chirurgische Klinik weiterbringt; und es erfüllt mich mit grosser Genugtuung, zu wissen, dass «meine Klinik» auch in Zukunft in besten Händen ist. Rasante Entwicklung Ich hatte das Privileg, in meiner Zeit eine rasante Entwicklung der Medizin und insbesondere beispiellose Fortschritte in der Chirurgie hautnah miterleben zu dürfen. Speziell in der Unfallchirurgie und Osteosynthese wurden dabei auch Behandlungsmethoden entwickelt, die von gesamtökonomisch unschätzbarem Nutzen sind, vor allem wenn man bedenkt, wie viele Unfallgeschädigte heute vollständig wiederhergestellt werden können, mit entsprechender Einsparung von Invaliditäts- und Rentenkosten. In Bezug auf den ungebremsten Fortschritt der Medizin bereitet es mir allerdings etwas Sorge, dass dieser zunehmend nicht aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse und gesicherter Studien abläuft, sondern auf Druck der verkaufsorientierten Industrie. Dass wir aber im Zeitalter der Ökonomie leben und diese Aspekte immer entscheidender werden, ist eine notwendige Tatsache, da auch hier die Ressourcen nicht unbeschränkt sind. Leider haben das einige unserer Kollegen immer noch nicht richtig erkannt, und gerade die ärztliche Medienpräsenz fördert mit häufig unrealistischen Versprechungen oft eine zusätzliche, unnötige Verteuerung des Gesundheitswesens. 14

15 Zwei nötige Sichtweisen Es ist aber ohne Zweifel nötig, dass gerade Spitalstrukturen noch mehr ökonomischen Ansprüchen genügen müssen. Folgerichtig ist deshalb das Spitalmanagement bestrebt, Prozesse und Strukturen zu optimieren. Gerade so wichtig ist allerdings, dass wir direkt therapeutisch Tätigen die Patienten nicht als Fälle, sondern als Individuen sehen und deshalb Therapieempfehlungen immer massschneidern. Diese beiden prinzipiell unterschiedlichen Betrachtungen sind nötig, müssen aber gegenseitig erkannt und respektiert werden; nur so resultieren ein zufriedener Patient und eine optimale Spitalfunktion. Oft ist deshalb auch nicht der Caseload entscheidend so wie Massenprodukte nicht immer die besten sind! Viel häufiger ist eine individuelle Patientenbetreuung in enger Zusammenarbeit mit Euch Hausärzten nötig, was bei verantwortungsbewussten Therapeuten letztlich auch ein ökonomisch viel besseres System zur Folge hätte, mit Verwendung der Ressourcen vor allem und direkt für den Patienten. Dagegen bedeutet Einpressen der Patienten in sture Prozesse sofort aufgeblähte Kontrollapparate, deren Aufwendungen bei der Patientenbetreuung eingespart werden. 1 2 Bild 1 Von war ich an einem Missionsspital in einem südafrikanischen Homeland tätig. Bild 2 Beim Operieren (Mitte) im damaligen «Kreisspital» Männedorf. «Spezialisten für die Breite» Die Medizinentwicklung wird neben der Ökonomie auch Klärungsbedarf in Bezug auf Fachkompetenz zur Folge haben. Differenziertere Prozedere erfordern zunehmend eng fokussierte Spezialisten. Aber gerade in der Akutversorgung sitzen wir Spitalärzte im gleichen Boot wie Ihr Hausärzte, indem wir eigentliche Spezialisten in der integralen Versorgung mit ganzheitlicher Beurteilung des Patienten sein müssen: Auch von Euch wird der Spagat verlangt, eine holistische, fächerübergreifende Denkweise zu pflegen, um die anvertrauten Patienten effizient zu beurteilen und zu behandeln und dies in bester Kenntnis der neusten Spezialitäten. Nur mit gut ausgebildeten «Spezialisten für die Breite» kann die hohe Qualität der chirurgischen Akutversorgung garantiert werden, was mit einer Unzahl von Dienst leistenden Spezialisten, die nur einzelne Organe oder zukünftig sogar nur einzelne Gelenke behandeln können, niemals gewährleistet wäre dies auch aus ökonomischen Überlegungen heraus! Darum bin ich sehr froh, dass auch in Zukunft in unserer Chirurgischen Klinik drei Leitende Ärzte mit sehr breiter und gründlicher Ausbildung 15

16 Persönlich 3 Und nach wie vor ist die unsägliche 50-Stunden-Arbeitswoche aktuell, obwohl mit dieser Arbeitszeit auch innerhalb optimaler Strukturen niemals genügend Erfahrung und Fertigkeit, z.b. in Allgemein- und Unfallchirurgie, gesammelt werden kann. Es ist mir übrigens kein anderer akademischer Berufsstand bekannt, bei dem man eine solche Ausbildungsbehinderung vorschreibt. Eine weitere Herausforderung für unsere jungen Kolleginnen und Kollegen ist der Lifestyle unserer westeuropäischen Gesellschaft: Das von der Werbung als selbstverständlich erklärte Easy Life und Partywesen widersprechen diametral der Notwendigkeit von Nacht- und Wochenendarbeit in unserem Beruf! 4 Bild 3 Als Instruktor an einem AO-Kongress. Bild 4 Ein «MultiLoc»-Nail zur Frakturversorgung. tätig sind natürlich unterstützt von zwei zusätzlichen Spezialisten für aussergewöhnliche Fragestellungen. Erschwerte Ausbildung So eine breite Fachanforderung wirft aber schon Fragen auf im Zusammenhang mit einem zukünftigen Ausbildungs-Curriculum in Akutchirurgie: Nicht die Motivation und Einsatzbereitschaft der jungen Generation macht mir Sorgen; ganz im Gegenteil. Es war auch in den letzten Jahren für mich eine unwahrscheinlich schöne Erfahrung, immer wieder eine hoch motivierte und engagierte neue Generation von Ärztinnen und Ärzten erleben zu dürfen! Vielmehr mangelt es an genügenden Rahmenbedingungen für eine gute Ausbildung: Gerade anhand der aktuellen DRG- Problematik erfahren wir, wie dieses absolut wichtige Thema (Finanzierung der Assistenzarzt-Ausbildung in den Spitälern) von der Politik einfach ausgeblendet wird. Spital «in guten Händen» Nach ganz erheblichen Wirren an unserem Spital und Wechseln in obersten Kadern in vielen Positionen sind immer noch etwas Nachwehen spürbar. Alles in allem sind jetzt aber die richtigen Leute am richtigen Platz, die gute Strukturen aufgebaut haben, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Und nach Abschluss der Bauten wird die neue Crew auch eines der schönsten Spitäler der Schweiz führen können. So kann ich getrost zurücktreten im Wissen, dass «mein Spital» in guten Händen ist. Euch Kolleginnen und Kollegen danke ich für die jahrelange, engagierte und immer freundschaftliche Zusammenarbeit. Mit den besten Wünschen für Eure Zukunft Dr. med. Andreas Vollenweider Chefarzt Chirurgische Klinik Spital Männedorf 16

17 persönlich Dr. med. Marco Di Lazzaro Dr. med. Marco Di Lazzaro Chefarzt Stv. Chirurgische Klinik und Leiter Traumatologie Vor 21 Jahren habe ich als Assistenzarzt meine klinische Ausbildung auf der Chirurgischen Abteilung am Spital Männedorf begonnen. Rasch wurde mir klar, dass meine Berufung im Fach Chirurgie liegt und dank der grosszügigen Förderung und Unterstützung durch die damaligen Chef- und Oberärzte, durfte ich nach dem Erwerb der ersten chirurgischen Fertigkeiten meine Ausbildung am Universitätsspital Zürich fortsetzen. Dort hatte ich das grosse Glück, gemäss meinen primären Interessen auf der Unfallchirurgie (Prof. O. Trentz) und auf der Hand-, Plastischen- und Wiederherstellungschirurgie (Prof. V. Meyer) ausgebildet zu werden. Eine noch breitere Ausbildung, mit Kenntnissen und Fähigkeiten auch in der Viszeralchirurgie, konnte ich mit Aufenthalten auf der Viszeralchirurgie USZ bei Prof. Largiadèr, im Kinderspital Zürich und später auf der Viszeralchirurgie am Kantonsspital Winterthur bei Prof. M. Décurtins erwerben. Am Spital Bülach konnte ich erste Führungserfahrungen in einer Oberarztposition sammeln. Nach Erreichen der Facharztreife kehrte ich wieder ans USZ auf die Unfallchirurgie zurück, wo ich eine Teamleiterfunktion übernahm. Später wechselte ich ans Kantonsspital Winterthur als Oberarzt auf die Unfallchirurgie. Von dort aus wurde ich 2001 an das Kantonsspital Aarau als Leitender Arzt Traumatologie und Stellvertreter des Chefarztes gewählt. Zusätzlich zur Ausbildung in Allgemein- und Unfallchirurgie und der Polytraumaversorgung eignete ich mir Kompetenz in Arthroskopischer Chirurgie und Sporttraumatologie an. Am Universitätsspital Zürich erhielt ich in diesem damals rasch wachsenden Bereich eine fundierte Grundausbildung und konnte dieses Gebiet von da an weiter vertiefen. Am Kantonsspital Aarau war ich für dieses Fachgebiet innerhalb der Abteilung Traumatologie fachverantwortlich. Es war mein lange gehegter Berufswunsch, im späteren Abschnitt meiner beruflichen Laufbahn an einem Spital wie dem SMA die Fachverantwortung und Leitung in meinem Schwerpunktgebiet zu übernehmen und meine Erfahrung einzubringen. Ich bin überzeugt, dass gerade in einem kleineren, persönlich sehr verbundenen Umfeld und mit Konzentration auf ausgesuchte Kompetenzen, qualitative medizinische Spitzenleistungen möglich sind. Aufgewachsen bin ich auf der anderen Seite des Pfannenstiels in Dübendorf und nach der Heirat haben meine Frau und ich zunächst in Männedorf, dann in Zürich und später in Aarau gewohnt. Seit Mitte dieses Jahres wohnen wir mit unseren beiden Kindern wieder in Männedorf. Meine freie Zeit verbringe ich so viel wie möglich mit meiner Familie, und neben etwas Sport finde ich selten auch noch Zeit, mich an astronomischen Beobachtungen zu erfreuen. 17

18 Persönlich Dr. med. Birgit Oberreiter 1 med. pract. Andrea Schoke Dr. med. Birgit Oberreiter Oberärztin Chirurgische Klinik Geboren und aufgewachsen bin ich in Tirol (Österreich) und habe dort auch an der Medizinischen Universität Innsbruck mein Medizinstudium begonnen und abgeschlossen. Schon während des Studiums entdeckte ich meine Begeisterung für die Chirurgie, sodass ich 2005 meine klinische Laufbahn an der Thoraxchirurgie im Universitätsspital Zürich begann. Nach 2 Jahren wechselte ich 2007 ins Spital Männedorf, wo ich mich als sowohl im Team der Chirurgie als auch in der familiären Atmosphäre des gesamten Spitals sehr wohlgefühlt habe ging ich ins Triemlispital und absolvierte weitere zwei Assistenzjahre an den dortigen chirurgischen Kliniken (inklusive Rotation auf die Intensivstation). Es freut mich nun besonders, als Oberärztin quasi «heimkommen» zu dürfen und hier am schönen Zürichsee neue Erfahrungen sammeln zu können. Meine Freizeit verbringe ich (wohl durch meine Heimat vorbelastet) häufig in den Bergen, ausserdem schwimme und laufe ich regelmässig und bin oft mit Rennrad oder Mountainbike unterwegs. med. pract. Andrea Schoke Oberärztin Chirurgische Klinik Ursprünglich aus der Lüneburger Heide stammend, verschlug es mich zum Studium der Humanmedizin in den Süden von Deutschland an die Universität Ulm. Mein Weg ging weiter gen Süden und so lernte ich im Rahmen meines Wahlstudienjahres am Spital Wetzikon einen Teil der Schweiz kennen. Nach einem kurzen Abstecher nach Liverpool für das letzte Unterassistenten-Tertial habe ich dann nach Abschluss meines Studiums meine erste Assistenzarztstelle im Spital Bülach auf der Chirurgie angetreten. Hier entstand mein Interesse für die chirurgische Tätigkeit wechselte ich an das Kantonsspital Winterthur, wo ich unter anderem auf der Traumatologie, der Gefäss- und der Viszeralchirurgie gearbeitet und auch ein halbes Jahr Handchirurgie absolviert habe. Seit Juni 2011 bin ich nun als Oberärztin im Spital Männedorf tätig. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit in einem familiären Umfeld. 18

19 Personelle Änderungen ärztliche Mitarbeiter/-innen ( bis , ausgenommen Unterassistentinnen und -assistenten) Medizinische Klinik Eintritte Dr. med. Vera Stucki Oberärztin Dr. med. Stefanie Kündig Dr. med. Rahel Freiburghaus Dr. med. Anna-Lea Silberschmidt med. pract. Stefanie Boll Austritte Dr. med. Cathrin Cheridito med. pract. Dominic Klingler Assistenzarzt Dr. med. Jan Wasik Assistenzarzt Dr. med. Daniela Bircher Funktionswechsel: Dr. med. Peter Jaklin Stv. Chefarzt Innere Medizin Chirurgische Klinik Eintritte med. pract. Charlotte Baltin med. pract. Sylwia Szjkowski Dr. med. Birgit Oberreiter Oberärztin Dr. med.sidika Yakarisik Marrel Dr. med. Marco Di Lazzaro Stv. Chefarzt / Leiter Traumatologie med. pract. Dimitri Graf Assistenzarzt Austritte Dr. med. Thomas Fuchs Assistenzarzt Dr. med. Susanne Habelt Oberärztin Dr. med. Fabian Müller Assistenzarzt med. pract. Marco Franzi Assistenzarzt med. pract. Sarah Lünstedt Dr. med. Andreas Vollenweider Chefarzt Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe Eintritte Dr. med. Tatiana Georgi Dr. med. Kerstin Blickenstorfer Dr. med. Astrid Sticker Austritte med. pract. Anja Maria med. pract. Melanie Wittwer 19

20 h Durchblick Zeichen in der Radiologie Das Coffee- Bean-Zeichen In der Rubrik DURCHBLICK stellen wir regelmässig, kurz gerafft, interessante Phänomene der bildgebenden Diagnostik dar. Das Coffee-Bean-Zeichen entspricht dem Befund eines Sigmavolvulus im konventionellen Leerbild des Abdomens (liegend). Zustande kommt das Zeichen durch die Hypertransparenz der Luft im «verdrehten» (Volvulus), dem deutlich dilatierten (Obstruktion) Segment des Sigmas, wobei die medialen Sigmawände das Innere der Bohne und die lateralen Sigmawände die äussere Kontur der Bohne bilden (siehe Pfeile im Rö-Bild und Schema). Der Befund dehnt sich vom kleinen Becken in das gesamte Abdomen aus, die normale Luft im Rektum fehlt (siehe Rö-Bild) und das Zökum im rechtsseitigen Abdomen ist verdrängt. h h h Dr. med. Christoforos Stoupis FMH Radiologie Chefarzt Institut für Radiologie Spital Männedorf Coffee-Bean-Zeichen: Sigmavolvulus im konventionellen Leerbild des Abdomens (liegend). Die medialen Sigmawände bilden die innere und die lateralen Sigmawände die äussere Kontur der «Kaffeebohne». Impressum: Spital Männedorf, Kommunikation, 8708 Männedorf

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