Flüchtlingsschutz wir alle sind in der Verantwortung

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2 Flüchtlingsschutz wir alle sind in der Verantwortung Foto: Gisela Schuster Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder, während ich Ihnen dies schreibe, könnten Bomben auf syrischem Gebiet explodiert sein. Giftgas, Artilleriegeschosse, Bomben, marodierendes Militär zu Millionen, so heißt es in den Nachrichten, seien Familien schon jetzt auf der Flucht in die angrenzende Türkei, ins heillos überforderte Jordanien. Wer kann, sucht Rettung im sicheren Europa. Angesichts dieser Flüchtlingstragödie ist die Zahl von 5000 Kontingentflüchtlingen aus Syrien, die Deutschland aufnehmen will, eine erbärmliche Ziffer. Nach Berlin werden 250 von ihnen kommen, das entspricht dem geltenden Barbara John ist Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin Verteilungsschlüssel für die Bundesländer. Wir sollten uns darauf einrichten, dass noch viele Familien aus Syrien nach Deutschland kommen werden, und wir sollten sie selbstverständlich willkommen heißen. Das bedeutet ganz praktisch: Unterkünfte bereit stellen, in Bezirken und Kommunen Ausschau nach geeigneten Wohnungen halten, Deutschunterricht für Jung und Alt gewährleisten, Kita- und Schulplätze für die Kinder vorhalten, berufliche Ausund Weiterbildung anbieten, denn diese Flüchtlingen bekommen gleich eine Aufenthaltserlaubnis. Sie durchlaufen, anders als Asylbewerber, kein Asylverfahren, sondern bekommen gleich alle Möglichkeiten zur Eingliederung. Die Auswahl und Aufnahme wird vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen organisiert, in deren Anlaufstellen im arabischen Raum sich die Flüchtlinge anmelden. Was Berlin tun kann, ist, schon jetzt Unsicherheit und Unkenntnis bei den Berlinern abzubauen, damit skeptische Haltungen schrittweise zur Akzeptanz und zum Willkommen für die Leidgeprüften führen. All das braucht gute Vorbereitung, angemessene Organisation, Professionalität, Engagement und viel, viel Geld. Mit eher bescheidenen Mitteln müssen die Mitgliedsorganisationen zurechtkommen, die sich unter dem Dach des Paritätischen Berlin um Flüchtlingsschutz und Flüchtlingssozialarbeit kümmern, etwa Xenon e.v., der Verein Iranischer Flüchtlinge in Berlin ev. oder die Kontakt- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und MigrantInnen e.v. (KuB). Aus dem Interview mit Dietrich Koch von Xenion und Jochen Schwarz von Oase Berlin in diesem Rundbrief (Seiten 13 bis 17) geht hervor, dass es in Zeiten wieder zunehmender Flüchtlingszahlen immer schwieriger wird, die Qualität der Beratungen und der Vermittlungen auf dem gewohnt hohen Qualitätsniveau zu halten, um Hilfen in sozial- und aufenthaltsrechtlichen, psychosozialen und anderen existentiellen Fragen geben zu können. Ähnlich nah an Selbstverständlichkeiten und Alltagspraxis orientieren sich unsere paritätischen Forderungen zur Flüchtlingspolitik (nicht nur) in Berlin, an die wir neulich noch einmal erinnert haben. Die Teilnahme an Integrationskursen darf nicht länger verwehrt werden. Flüchtlinge müssen Zugang zu Deutschkursen erhalten, um mit ihren neuen Nachbarn sprechen und Teil des Gemeinwesens werden zu können. Das Asylprüfverfahren darf nicht Monate oder Jahre dauern! Das Arbeitsverbot für Asylsuchende muss aufgehoben werden. Menschen zum Nichtstun zu verurteilen ist inhuman. Der Zugang zur Krankenversorgung, nicht nur zur Notfallhilfe, ist zu sichern. Folteropfer und Opfer von Menschenrechtsverletzungen benötigen psychosoziale Hilfen. Die in Deutschland geltende Residenzpflicht muss abgeschafft werden! Sie verpflichtet den Flüchtling dazu, den zugewiesenen Wohnsitz nicht ohne Genehmigung der Ausländerbehörde verlassen zu dürfen. Das ist mit der EU-Grundrechtecharta nicht zu vereinbaren! Ein Blick ins Internetportal des Flüchtlingsrates (www. fluechtlingsrat-berlin.de) zeigt: In Berlin gibt es zahlreiche Organisationen und Initiativen, die sich um Lobbyarbeit, Rechtsberatung, Sprachmittlung und Bildung für Flüchtlinge kümmern. Bürgerschaftliches Engagement muss oft überall dort einspringen, wo der Staat zu wenig ausrichtet. Wie kreativ und beherzt in Berlin die Defizite des Staates zu Stärken der Zivilgesellschaft gewendet werden, das können Sie am Berliner Freiwilligentag 2013 (13. und 14. September) und in der Woche des Bürgerschaftlichen Engagements 2013 (10. bis 21. September) selbst erleben zu den Veranstaltungen und Aktionen lade auch ich Sie an dieser Stelle herzlich ein. Herzlich, Ihre August / September

3 Inhalt Landesgeschäftsstelle Humane Aufnahmebedingungen für Flüchtlinge gefordert Droht das Aus für die HIV-Schnelltestkampagne? Ihre Mitarbeit ist gefragt! Gesamtverband Paritätischer fordert Steuererhöhungen für Bildung und Soziales Bürgerengagement Viele Mitmachaktionen am Tag für Deine Nachbarschaft JobPiloten helfen auf dem Weg ins Berufsleben 3. Berliner-Engagement-Woche: Am Puls des hauptstädtischen Engagements Engagiert gegen Rechts und besonders wirksam! Ehrennadel für verdiente Berliner Pressespiegel Im Gespräch Interview mit Dietrich Koch, Geschäftsführer von Xenion - Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.v. sowie mit Jochen Schwarz, Leitung Asylrechts- und Sozialberatung bei Oase Berlin. Wettbewerbe, Förderpreise Aktuell Thema Gewalt: Wie die Berliner Justiz sich selbst widerspricht Ein Päckli für die Schule in Freiheit Vita e.v. Berlin: Ein Vierteljahrhundert ambulant vor stationär In Ghana unterrichtet Boa Nnipa Sexualkunde Einwanderung Pflegeeltern mit Migrationshintergrund gesucht Ältere Bürger Familie Frauen und Mädchen K.O.-Drogen -Nein danke - Prävention und Beratung in Berlin Kinder- und Jugendhilfe Interview mit Andreas Schulz, einem der Macher des Internetblogs Futterspende aus dem Spendenlauf Kompetenz der Träger - wie kann sie am besten eingesetzt werden? DSDS war gestern: Pflegekinder drehen Short Cuts FSJ ist ein Hit - auch in Berlin Bettengebühr für Kitafahrten? Kindertagesstätten Interview mit Claudia Gaudszun, Kita- Referentin des Paritätischen Berlin zu neuen Vorstellungen in der Berliner SPD und in der Berliner CDU. Kita-Website ist online Kultur Fasziniert von der Vollkommenheit des Unvollkommenen Vergissmeinnicht Menschen mit Demenz im Scheinwerferlicht Menschen mit Behinderung Berufliche Bildung erstmals berlinweit zertifiziert Pflege Unterfinanzierung geht der Pflegebranche an die Substanz Wenn die Seele Pflege Psychiatrie Soziales Fachtagung: Soziale Teilhabe braucht Stadtteilzentren Aus- und Weiterbildung, Recht & Rat, Service, Pinnwand Titelseite links oben: fotografiert von Paul Leon Mitschke (11 Jahre), Fotoprojekt Hingucker des Humanistischen Verbandes Berlin Brandenburg e.v. Links Mitte: Präsentation einer Bewohnerbefragung-Nachbarschaftshaus Urbanstraße e.v. Foto: Pia Domani Unten: fotografiert von Raik Wolter (12 Jahre), Fotoprojekt Hingucker des Humanistischen Verbandes Berlin Brandenburg e.v. Foto rechts oben: Tag der offenen Tür_ Jüdisches Krankenhaus, Foto: Kerstin Wüstenhöfer-Loges Großes Foto: fotografiert von Lucas Malinowski (13 Jahre), Fotoprojekt Hingucker des Humanistischen Verbandes Berlin Brandenburg e.v. 2 August / September 2013

4 Impressum So gesehen... Foto: Petra Engel Seit 2010 bietet der Paritätische Landesverband Berlin künstlerisch wirkenden Menschen aus Mitgliedsorganisationen die Möglichkeit in den Tagungsräumen des Verbandes besondere Werke (Malereien oder Fotografien) auszustellen. Kuratorin der Ausstellungen ist Heide Schostek. Aktuell und noch bis zum 30.Oktober sind die Bilder von Joanna Katarzyna Hofbauer zu sehen. Die Malerin ist Absolventin der Oberschule für Künste Constantin Brâncui in Stettin, sie studierte an der HdK in Berlin und war Stipendiatin des Programms Erasmus-Socrates-Vienna 2000 in Österreich. Seit 1988 stellt Frau Hofbauer ihre Werke in Stettin, Vienna und Berlin aus. Über ihre Portraitmalerei schreibt Joanna Katarzyna Hofbauer: Gerade in der Malerei besteht die Möglichkeit, ganz individuell Realitäten zu entwerfen, auch in der Portraitmalerei eröffnen sich unterschiedliche Dimensionen. Ich male mit Emotionen, vor allem mit Kummer, Sehnsucht, Nostalgie, aber auch Liebe, Freundschaft und Dankbarkeit Die Bilder sollen Energie und Lebenskraft ausstrahlen, Motivation und Engagement. Schauen Sie selbst, lassen Sie sich vor oder nach Tagungsterminen im Haus von den Werken inspirieren. Für Ausstellungsbesichtigungen außerhalb von Tagungszeiten ist eine Terminvereinbarung erforderlich: Bitte geben Sie den Rundbrief auch an Ihren Vorstand und Ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen weiter. Impressum Herausgeber: Paritätischer Wohlfahrtsverband Landesverband Berlin Brandenburgische Str. 80, Berlin Tel. (030) , Fax (030) Geschäftsführung: Oswald Menninger Elke Krüger (Stv.) Redaktion: Uli Schulte Döinghaus Tel.: (030) Computerfax Paritätische Pressestelle, Elfi Witten Tel. (030) Fax (030) Herstellung: Union Sozialer Einrichtungen gemeinnützige GmbH. Gedruckt auf 100 Prozent chlorfrei gebleichtem Papier. Erscheinungsweise monatlich (Doppelausgaben im Januar/Februar und August/ September). Der Rundbrief hat eine Auflage von 1100 Stück. Der Verteiler umfasst alle Mitgliedsorganisationen der Paritätischen Landesverbände Berlin und Brandenburg. Weitere Adressaten: Gesellschaftliche Institutionen, Verbände, Verwaltung, Einrichtungen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Redaktionsschluss ist jeweils der 15. des Vormonats. Pressemitteilungen und Beiträge bitte möglichst per an die Redaktion senden. Private Kleinanzeigen (Stellengesuche) bitte an die Redaktion schicken und den Anzeigentext mailen an Die Anzeigen sind maximal vier Monate im Internet sichtbar. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Für unverlangt eingesandte Manuskripte wird keine Haftung übernommen. Der Rundbrief wird unter im Internet veröffentlicht. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit verzichtet die Redaktion auf eine Genderschreibweise. Die Bezeichnung von Personengruppen bezieht die weibliche Form jeweils ein. August / September

5 Landesgeschäftsstelle Paritätischer Berlin Humane Aufnahmebedingungen für Flüchtlinge gefordert Der Paritätische Berlin appelliert in einer Pressemitteilung an die Hellersdorfer Bürger und an die Politik, sich nicht von professionell organisierten rechtsextremen Stimmungsmachern gegen Flüchtlinge instrumentalisieren zu lassen. Gefordert ist Dialog statt Konfrontation: Die Sorgen der Anwohner sind ernst zu nehmen und in Ruhe zu besprechen. Austausch und Kontakt mit den Flüchtlingen können helfen, gegenseitiges Verständnis zu schaffen. Die Konzentration von Hunderten von Flüchtlingen in einem Heim darf nur eine zeitlich begrenzte Übergangslösung sein. Der Paritätische fordert, Flüchtlingen kleinere Wohneinheiten und Einzelwohnungen zur Verfügung zu stellen. Das Land Berlin ist gefordert, dafür in einer sozial orientierten Wohnungspolitik Vorsorge zu treffen. Es ist ein Gebot der Mitmenschlichkeit, Menschen die aus Kriegs- und Krisensituationen ihrer Länder geflüchtet sind, nicht noch weiter anzugreifen oder zu bedrohen. Das Menschenrecht auf Asyl ist im deutschen Grundgesetz verankert. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin fordert, die vielen Hürden abzuschaffen, die Flüchtlinge in Deutschland ausgrenzen und stigmatisieren und bessere Bedingungen zur Aufnahme und Integration zu schaffen: Die Teilnahme an Integrationskursen darf nicht länger verwehrt werden. Flüchtlinge müssen Zugang zu Deutschkursen erhalten, um mit ihren neuen Nachbarn sprechen und Teil des Gemeinwesens werden zu können. Das Asylprüfverfahren darf nicht Monate oder Jahre dauern! Das Arbeitsverbot für Asylsuchende muss aufgehoben werden. Menschen zum Nichtstun zu verurteilen ist inhuman. Der Zugang zur Krankenversorgung ist zu sichern. Folteropfer und Opfer von Menschenrechtsverletzungen benötigen psychosoziale Hilfen. Die in Deutschland geltende Residenzpflicht muss abgeschafft werden! Sie verpflichtet den Flüchtling dazu, an einem zugewiesenen Wohnsitz leben zu müssen und diesen ohne Genehmigung der Ausländerbehörde nicht verlassen zu dürfen. Das ist mit der EU-Grundrechtecharta nicht zu vereinbaren! Rechtsextremismus-Experten weisen darauf hin, dass es sich bei der Hellersdorfer sogenannten Bürgerinitiative um keine Initiative von Anwohnern handelt, sondern um eine rechtsextreme Tarnorganisation, die aus dem direkten Umfeld der NPD zu Wahlkampfzwecken aufgebaut und gesteuert wird. Der Paritätische begrüßt deshalb die Initiative der Wahlkreiskandidaten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, sich einhellig und einstimmig dem Stimmenfang im rechten Lager zu verwehren. Paritätischer Berlin Droht das Aus für die HIV- Schnelltestkampagne? 2300 Berliner mit HIV wissen nicht, dass sie infiziert sind. Aber anonyme Schnelltests für HIV-, Syphilis- und Hepatitis C ab 2014 sind bisher ohne Finanzierung! Nach Schätzung des Robert-Koch-Instituts leben in Berlin Menschen mit HIV Menschen mit HIV wissen nichts von ihrer Infektion. Die Berliner Schnelltestkampagne hilft, HIV- Infektionen, Syphilis und Hepatitis C frühzeitig zu entdecken, eine Behandlung einzuleiten und weiterer Ansteckung vorzubeugen. Die Testkampagne ist ein Modellprojekt der Berliner Aids-Hilfe, der Schwulenberatung Berlin, Mann-O-Meter und Fixpunkt, das im September 2011 startete und von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin befristet finanziert wird. Der Paritätische Berlin koordiniert das Modellprojekt. Die Test-Sprechstunden enden Januar 2014 und sind dann ohne Finanzierung. Appell, an die politisch Verantwortlichen, die Weiterfinanzierung möglich zu machen Der Paritätische Berlin und das Bündnis für Schnelltests appellieren an Abgeordnete und Entscheider in den Senatsverwaltungen für Gesundheit und Soziales sowie für Finanzen, die nötigen Mittel zu sichern, damit die Schnelltests für HIV-, Syphilis- und Hepatitis C im Jahr 2014 weitergeführt werden können. Noch ist es Zeit, die Mittel in den kommenden Haushalt einzustellen. Leider hat Gesundheitssenator Mario Czaja dem Antrag zur Weiterfinanzierung der Schnelltests im Jahr 2014 keine Chance eingeräumt. Das grenzt an unterlassene Hilfeleistung durch das Land Berlin - finden der Paritätische und die vier freien Träger des Berliner Bündnisses für HIV-, Syphilis- und Hepatitis C-Schnelltests. Früherken- 4 August / September 2013

6 Landesgeschäftsstelle nung rettet Leben und kann die Anzahl der Menschen, die in Berlin an HIV/Aids neu erkranken, verringern. Hier zu sparen zieht hohe Folgekosten nach sich. Die aktuelle Zwischenbilanz des Modellprojekts zeigt: Für Schnelltests ist ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe nötig, das auf einen Teststreifen aufgebracht wird Über 4000 Menschen ließen sich in 15 Monaten testen. Rund Tests wurden durchgeführt, darunter Schnelltests HIV, Syphilis-Schnelltests und 339 Schnelltests für Hepatitis C (HCV) Über die Testkampagne sind 53 Menschen mit HIV-Infektionen 52 Menschen mit Syphilis und 30 mit Hepatitis C gefunden worden, bei denen durch Beratung und eine frühzeitige leitliniengerechte medizinische Versorgung die Kette der Weiterinfektion durchbrochen werden kann. Die Tests richten sich vor allem an schwule und bisexuelle Männer und Drogengebraucher. Eine HIV-Infektion geschieht oft unbemerkt. Für Schnelltests ist ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe nötig, das auf einen Teststreifen aufgebracht wird. Das Ergebnis liegt nach etwa 60 Minuten vor. Die Ängste, die mit dem Ansteckungsrisiko und einem eventuell positiven Testergebnis verbunden sind, werden von den erfahrenen freien Trägern der Testkampagne kompetent aufgefangen und eine medizinische Betreuung ermöglicht. Die Berliner Testkampagne darf kein einmaliges befristetes Angebot bleiben, fordert der Paritätische Berlin in einer Pressemitteilung im Rahmen einer Pressekonferenz. Neue Namen, neue Adressen von Mitgliedsorganisationen Förderverein der Kurt-Löwenstein-Oberschule e. V. neue Adresse: Wildenbruchstraße 53, Berlin, Tel , Fax: Für eine kulturvolle, solidarische Welt e. V., neue Adresse: Bayerischer Platz 9; Berlin Onkologisches Patientenseminar Berlin-Brandenburg e. V., im Universitätsklinikum Charité Campus Virchow-Klinikum, Augustenburger Platz 1 // Nordring 5, II. Etage; Berlin Neu im Paritätischen Berlin herzlich willkommen! Advent-Wohlfahrtswerk e. V., Kinderhaus Waldfriede, Wilskistraße 55, Berlin, Tel.: ; Fax: , Stiftung Bildung, Kamillenstraße 63; Berlin, Tel ; Fax: ; Servicestelle Jugendbeteiligung e. V. Schreinerstraße 58; Berlin, Tel Fax: ; Jakobs-HAUS e. V. Kurzebracker Weg 1; Berlin, Tel , Fax: Ihre Mitarbeit ist gefragt! Soziale Innovationen unter Paritätischem Dach: Das Thema Soziale Unternehmen und soziale Innovationen gewinnt immer mehr an öffentlicher Aufmerksamkeit. Damit einher kursiert das Vorurteil, dass Wohlfahrtspflege und Innovationen sich widersprechen. Der Paritätische Berlin plant für 2014 ein Themenheft Soziale Innovationen unter Paritätischem Dach. Er möchte damit anhand von Beispielen zeigen, wie innovativ soziale Träger im Paritätischem sein können. Um welche Innovationen es sich handelt, wie sie entstanden sind und was sie an Neuem beitragen, um soziale Probleme zu lösen, soll Thema des Heftes sein. Aber auch welche Schwierigkeiten und Hindernisse auftreten, um neue Ideen umzusetzen. Der Paritätische Berlin und seine Mitglieder fördern eine Vielzahl von Projekten, die soziale Probleme mit einem neuen Ansatz zu lösen versuchen. Beispiele sind preisgekrönte Projekte wie Nueva und Quista. Es gibt noch vieles mehr. Hier ist Ihre Mitwirkung gefragt. Das Heft bietet die Chance, besonders innovative Best-Practice- Beispiele darzustellen. Wir erwarten mit Spannung Ihre Rückmeldungen bis 15. Oktober 2013 an: Rita Schmid, Tel August / September

7 Gesamtverband / Bürgerengagement Handlungsbedarf jetzt! Paritätischer fordert Steuererhöhungen für Bildung und Soziales Expertise belegt Milliardenbedarf bei sozialen Leistungen: Nach einer aktuellen Expertise des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sind jährlich mindestens rund 35 Milliarden Euro zusätzliche Investitionen notwendig, um drängende soziale Projekte umzusetzen. Der Verband fordert eine stärkere Besteuerung großer Vermögen und Einkommen, um die Finanzierung des Sozialstaats sicherzustellen. In einer Expertise beziffert der Verband den Mindestinvestitionsbedarf für insgesamt acht sozialpolitische Handlungsfelder von der Bildung bis zur Pflege. Es geht hier um das absolut notwendige Minimum, nicht um einen Wünsch-Dir-Was-Katalog. Ausgewählt wurden ausschließlich Themen, bei denen parteiübergreifend unbestrittener Handlungsbedarf gesehen wird wie beispielsweise die Vermeidung von Altersarmut oder die wachsende Wohnungsnot. Ohne gezielte und deutliche Investitionen wird der Sozialstaat von heute in Zukunft nicht mehr funktionieren, so Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes. Die drei größten Ausgabenblöcke stellen die Bereiche Armutsbekämpfung, Pflege und Teilhabe von Menschen mit Behinderung dar. Mit zusammen über 20 Milliarden Euro pro Jahr machen sie allein 58 Prozent der ermittelten Gesamtsumme von 35 Milliarden Euro jährlich aus. Für die gesamte nächste Legislaturperiode ergibt sich ein zusätzlicher Finanzbedarf von insgesamt 142 Milliarden Euro. Um die anstehenden sozialen Projekte und Ausgabeverpflichtungen zu finanzieren, fordert der Paritätische eine stärkere Besteuerung großer Vermögen und Einkommen: Sozialpolitik, die diesen Namen auch verdient, ist nicht zum Nulltarif zu haben. Wir brauchen eine spürbare Umverteilung durch eine neue solidarische Steuerpolitik, damit Politik wieder Gestaltungsspielraum erhält, so Rosenbrock. Darüber hinaus mahnt der Verband: Wer Wahlversprechen abgibt, muss dazu stehen, dass diese Geld kosten und sagen, woher das Geld zur Finanzierung kommen soll. Politik kann sich nicht mehr vor der Verteilungsfrage drücken. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, ruft der Paritätische zur Teilnahme an der bundesweiten Demonstration des Bündnisses Umfairteilen - Reichtum besteuern! am 14. September in Bochum auf. Die Expertise finden Sie unter: Berliner Freiwilligentag 2013 Viele Mitmach- Aktionen am Tag für Deine Nachbarschaft Der Paritätische Landesverband Berlin führt dieses Jahr wieder den Berliner Freiwilligentag am 13. und 14. September 2013 durch. Der Freiwilligentag 2013 lädt Berlinerinnen und Berliner unter dem Motto Ein Tag für Deine Nachbarschaft zum Engagement auf Probe ein. Der Tagesspiegel unterstützt den Berliner Freiwilligentag mit einer Medienpartnerschaft. Eine Vorabberichterstattung zu den geplanten Aktionen lädt zum Engagement ein und stellt die Arbeit sozialer Organisationen vor. Zum Abschluss des Freiwilligentages am 14.September werden wir den Engagierten im Rahmen einer Party danken, schreibt Dr. Gabriele Schlimper in einer Einladung zum Freiwilligentag. Gabriele Schlimper, Leiterin der Geschäftsstelle Bezirke, ist für den Paritätischen Berlin federführend für den Freiwilligentag in Berlin. Damit der Berliner Freiwilligentag ein möglichst breites Spektrum an Mitmachaktionen in ganz Berlin bietet, möchten wir Sie gewinnen: Beteiligen auch Sie sich mit einer oder mehreren Mitmachaktionen am Berliner Freiwilligentag. Für die Mitmach-Aktionen sind der kreativen Phantasie keine Grenzen gesetzt Alle Projekte, die sich zusammen mit Engagierten innerhalb eines Tages umsetzen lassen, können eine Mitmachaktion im Rahmen des Berliner Freiwilligentages sein. Von Aufräumaktionen über Begrünungen, gemeinsam kochen, musizieren, Putzen, Renovieren, von Handwerkern lernen, bis zum Zaunstreichen der Phantasie seien keine Grenzen gesetzt. Gabriele Schlimper: Wir freuen uns auf unseren gemeinsamen Berliner Freiwilligentag, der unter dem Motto Ein Tag für Deine Nachbarschaft zahlreiche Engagierte auf Probe ansprechen soll und bedanken uns für Ihre Mitwirkung! Ansprechpartner für den Freiwilligentag ist Markus Pleyer, Geschäftsstelle Bezirke Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin e.v. Kollwitzstraße 94/96, Berlin Tel.: (030) Fax: (030) August / September 2013

8 Bürgerengagement Job-Pilotin Ickert (r.) mit ihrer Mentee Kathrin Integra ggmbh JobPiloten helfen auf dem Weg ins Berufsleben Im neuen Patenschaftsprojekt JobPiloten begleiten ehrenamtlich Engagierte Reinickendorfer Förderschülerinnen und Förderschüler auf ihrem Weg ins Berufsleben. JobPiloten wird gefördert von dem Paritätischen Berlin und der Aktion Mensch. Schule und dann? Die Wege die sich jungen Menschen mit Förderbedarf nach ihrem Schulbesuch eröffnen sind vielfältig: Es gibt ein großes Spektrum von Angeboten der Berufsvorbereitung, mögliche Ausbildungen in den unterschiedlichsten Berufen oder die Option Schulabschlüsse nachzuholen - um nur ein paar Möglichkeiten zu nennen. Da ist die Verwirrung schnell groß. Den eigenen, optimalen Anschluss zu finden ist häufig eine echte Herausforderung. Gut, dass es da die Jobpiloten gibt. Begleitung und Unterstützung auf dem Weg ins Berufsleben Angekommen und nun? Bisher war der Alltag vertraut. Man kannte die Schule wie seine eigene Westentasche und wusste was von einem erwartet wird. Plötzlich steckt man mitten in einer neuen Umgebung, fremde Menschen, unbekannte Aufgaben. Sich hier zurechtzufinden und sich den Anforderungen zu stellen ist nicht einfach. Kein Wunder, dass es im ersten Ausbildungsjahr zu den meisten Abbrüchen kommt. Gut, dass es da die Jobpiloten gibt. Mit dem Projekt JobPiloten wurde ein Patenschaftsprojekt ins Leben gerufen, das Reinickendorfer Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf auf ihrem Weg ins Berufsleben begleitet und unterstützt. Die in den Schulen erfolgende berufliche Orientierung und praktische Berufsvorbereitung wird durch die Job- Piloten individuell ergänzt und begleitet. Wertvoll ist, dass je ein JobPilot die Patenschaft für je einen Jugendlichen übernimmt. Diese 1:1-Betreuung ermöglicht es, auf den Einzelnen einzugehen und gezielt dort unter die Arme zu greifen, wo Hilfe von Nöten ist. Ziel des Projektes ist es, junge Menschen mit Lernschwierigkeiten in einen guten Anschluss zu vermitteln. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht eben die Schülerinnen und Schülern zu unterstützen, die beim Wettbewerb um Ausbildungs- oder Arbeitsplätze die schlechtesten Chancen haben, so die Leiterin des JobPiloten-Projektes, Magdalena Weinsziehr. Unseres Wissens nach sind wir das einzige Patenschaftsprojekt in Deutschland, das sich gezielt dieser Zielgruppe widmet Wer sind die JobPiloten? JobPiloten sind engagierte Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichsten Alters, Berufs und Herkunft. Eine von ihnen ist die ehemalige Journalistin (Vorname unbekannt) Ickert. Frau Ickert ist begeisterte JobPilotin. Sie beschreibt das Engagement als bereichernde Erfahrung, bei der man auf wertvolle Menschen trifft. Durch die gemeinsamen Erfolge mit ihrem Mentee spürt sie, welchen hohen Nutzen ihre Arbeit hat. Sie ist sich sicher, mit vereinten Kräften sind die gesetzten Ziele zu erreichen. JobPiloten gesucht! In einem Aufruf an alle Interessierten schreibt Projektleiterin Weinsziehr: Wir brauchen noch mehr engagierte Paten, denn es gibt noch eine lange Liste von Schülerinnen und Schülern, die sehnsüchtig auf einen JobPiloten warten. Wenn auch Sie für ein paar Stunden monatlich einen jungen Heranwachsenden auf seinem Weg ins Arbeitsleben begleiten wollen, kontaktieren Sie uns bitte unter der Telefonnummer: oder per Im Rahmen der dritten Berliner Engagement-Woche lädt das JobPiloten-Projekt zur Informationsverantsaltug. Datum 23. September Uhr sowie am 26. September Uhr in der Integra ggmbh, Lengeder Str. 48. Um Anmeldung wird gebeten. Weitere Informationen: Facebook: https://www.facebook.com/pages/ Jobpiloten/ August / September

9 Bürgerengagement Wie funktionieren wirkungsvolle soziale Kooperationen, wie kann man Ergebnisse von Kooperationsprojekten feststellen, welche Positionen gibt es in der Debatte um Transparenz und Berichterstattung, was verstehen Unternehmen unter Social Innovation, welche CSR-Strategien gibt es im Mittelstand und welche Trends gibt es im Corporate Volunteering? Diese und weitere Fragen stehen bei der Jahrestagung des UPJ-Netzwerks engagierter Unternehmen und Mittlerorganisationen am 12. November 2013 von 10 bis Uhr im Roten Rathaus in Berlin im Mittelpunkt. Bei einer Auftaktkonferenz am 25. September 2013 in Berlin will sich das Projekt Gute Sache erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vorstellen. Präsentiert werden auch die Erfahrungen aus der bereits abgeschlossenen Pilotphase an den Standorten Bielefeld, Ruhrgebiet und Metropolregion Rhein-Neckar, die von SAP und dem Jugendministerium des Landes NRW unterstützt wurde. Gute Sache ist das Ergebnis einer Kooperation: Die Qualifizierungsreihe wurde von einem Beirat entwickelt, in dem die Bertelsmann Stiftung, die Unternehmen Generali Deutschland, KPMG, RWE und das gemeinnützige UPJ-Netzwerk für Corporate Citizenship und CSR die Gute Sache gemeinschaftlich voran treiben. Bundesweit seien Vereine, Stiftungen, Genossenschaften und gemeinnützige Unternehmen in der Zivilgesellschaft aktiv. Insgesamt wurden Vereine erfasst und damit siebenmal mehr als noch vor knapp 50 Jahren, das ist das Ergebnis des Surveys Zivilgesellschaft in Zahlen (ZiviZ), der von der Bertelsmann Stiftung zusammen mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Fritz Thyssen Stiftung finanziert wurde. Aus der Studie geht hervor, dass sich 23 Millionen Bürger in Deutschland engagieren. Die Stiftung Gute-Tat.de wurde in der Kategorie Gemeinnütziger Dritter Sektor für den Deutschen Engagementpreis 2013 nominiert. Vom 12. März bis 12. Juni 2013 waren alle Bürger dazu aufgerufen, ihre Favoriten für den Deutschen Engagementpreis zu nominieren. Am 5. Dezemberwerden alle Gewinner im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung in Berlin ausgezeichnet. 3. Berliner-Engagement-Woche Am Puls des hauptstädtischen Engagements Die 3. Berliner-Engagement-Woche lädt dazu ein, die engagierten Seiten der Stadt näher kennenzulernen. Von 13. bis 29. September präsentieren sich Vereine und Initiativen. Bei Mit-Mach-Aktionen und Info-Veranstaltungen in ganz Berlin kann man den Puls des Engagements fühlen. Von der Öffentlichkeit wahr- und ernst genommen zu werden, das ist ein großes Be dürfnis engagierter Menschen, sagt Carola Schaaf-Derichs von der Landesfreiwilligenagentur. Aufmerksamsamkeit ist wichtig, denn sie bestärkt die Freiwilligen, stiftet die notwendige Anerkennung und ist deshalb entscheidend für eine lebendige Bürgergesellschaft. In diesen Tagen registrieren die Organisatoren laufend neue Aktionen. Mit am Start sind Kulturfestivals, Ehrenamtsbörsen, Putz- oder Mal-Aktionen. Freiwillig. Berlin lautet das Motto, unter dem die Landesfreiwilligenagentur zusammen mit dem Landes netzwerk Bürgerengagement aktiv in Berlin die Angebote auf ihrer Webseite zusam menstellt, in einem Veranstaltungskalender unter Spontan mitmachen - bei Putzeinsätzen oder beim Kulturfestival Die meisten Aktionen sind so angelegt, dass Neugierige sich informieren oder spontan mitmachen können. Damit sind es Einladungen, die Stadt und den Zusammenhalt mit zugestalten und sei es auch nur mit ein paar Handgriffen bei Putz-Einsätzen, wie sie in vielen Kiezen stattfinden werden. Aber ebenso gut möglich ist es, einfach zu betrachten, was Freiwillige ermöglichen, etwa beim Kulturfestival in Wedding. Um einen breiten Überblick zu ermöglichen, werden auf der Webseite auch Aktionen in Berlin aufgenommen, die bei Netzwerkpartnern angemeldet wurden, etwa beim Trep tow-köpenicker Freiwilligentag oder bei der bundesweiten Aktionswoche Engagement macht stark. Alles zusammengenommen, wird die Vielfalt des Engagements erkennbar. Projektleitung Pressearbeit: Carola Schaaf-Derichs; Bernd Schüler Telefon: 030/ ; Telefon: 030/ August / September 2013

10 Bürgerengagement Cultures Interactive e. V. Engagiert gegen Rechts und besonders wirksam! Cultures Interactive e. V. wurde Anfang September in Berlin für seine vorbildliche Arbeit mit dem Wirkt-Siegel von Phineo ausgezeichnet. Der erfolgreiche Ansatz des Vereins: Mit dem Handlungskonzept für die Arbeit mit rechtsaffinen Jugendlichen (HaKo_reJu) lernen Mitarbeiter in der offenen Jugendarbeit, wie sie mit rechtsextrem gefährdeten Jugendlichen umgehen und durch die Gestaltung ihrer Angebote die Entfaltung von demokratischen und weltoffenen Haltungen fördern können. Die gemeinnützige Analysegesellschaft Phineo hat mit Unterstützung der Amadeu-Antonio-Stiftung gemeinnützige Organisationen, die sich gegen Rechtsextremismus in Deutschland einsetzen, auf ihre Wirksamkeit geprüft. Dabei ging es um die Frage, was nachhaltig gegen rechte Einstellungen, Alltagsrassismus, Antisemitismus oder menschenfeindliches Verhalten wirkt: Welche Handlungsansätze sind erfolgversprechend? Woran erkennt man professionell arbeitende Projekte? Und was sind Best-Practice-Beispiele? Ergebnis der Analyse: Im gesamten Bundesgebiet gibt es ein ausgesprochen vielfältiges und buntes Engagement gegen Rechts und für mehr Demokratie! 17 Organisationen wurden in Berlin für ihre herausragende Arbeit mit dem Wirkt-Siegel ausgezeichnet. Eine von ihnen ist der Verein cultures interactive aus Berlin/Weimar. Gemeinsam ist allen Projekten: Ihr Engagement gegen Rechts ist beeindruckend, und das trotz schwierigster Rahmenbedingungen. Viele Projekte kämpfen mit chronischer Unterfinanzierung, Misstrauen oder sogar persönlichen Bedrohungen. Mit der Auszeichnung möchte Phineo zu mehr Unterstützung und langfristiger Förderung gemeinnütziger Projekte ermutigen. Denn um rechte Gewalt zu stoppen, braucht es eine starke Zivilgesellschaft, die sich dauerhaft gegen rechtsextreme Einstellungen in der Bevölkerung engagiert. Phineo lud gemeinnützige Organisationen aus ganz Deutschland zum Verfahren ein und prüfte deren Arbeit über ein Jahr lang auf Herz und Nieren. Die Teilnehmer füllten umfangreiche Fragebögen aus, reichten Unterlagen ein und wurden von den Analysten vor Ort besucht. Eine unabhängige Kommission entschied im letzten Schritt, welches Projekt das Wirkt-Siegel erhält. Das Gütesiegel bestätigt den Projekten hohes Wirkungspotenzial und Transparenz. Es zeigt Spendern und Förderern, dass ihr Geld bei diesen Organisationen gut angelegt ist. Das Porträt des Vereins cultures interactive e. V. mit Informationen zum Handlungsansatz und Ergebnissen der Phineo-Analyse findet sich unter www. Phineo.org/empfohlene-projekte/engagement-gegen-rechts/ Unter steht der vollständige Analysebericht der Phineo-Themenreport Vielfalt wirkt! Report über wirkungsvolles zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rechts zum Download zur Verfügung. Infos zur Arbeit des Vereins und seinen Projekten finden Sie unter: Kontakt: Cultures Interactive e. V., Verein zur interkulturellen Bildung und Gewaltprävention Mainzer Str. 11, Berlin, Tel , Besonderes soziales Engagement Ehrennadel für verdiente Berliner Im Festsaal des Roten Rathauses hat der Berliner Staatssekretär für Soziales, Dirk Gerstle, am 12. August die Berliner Ehrennadel für besonderes soziales Engagement an zwölf ehrenamtlich tätige Berlinerinnen und Berliner verliehen. Darunter waren auch zwei Bürger, die sich Verdienste um Paritätische Mitgliedsorganisationen erworben haben. Dr. Günter Döring, tätig seit 40 Jahren, vorgeschlagen vom Landesverband Schulischer Fördervereine Berlin-Brandenburg e. V.; als Mitglied des Arbeitskreises Berliner FreiwilligenPass und SchülerfreiwilligenPass sowie der Kommission Berliner FreiwilligenPass setzt er sich ein für die Entwicklung der Anerkennungskultur des ehrenamtlichen Engagements, heißt es in der Verleihungsurkunde. Über Louis Seebauer, tätig seit 35 Jahren, vorgeschlagen vom Sozialverband VdK Berlin- Brandenburg e. V., heißt es: Er hat in Vorständen, in Kreisverbänden in mehreren Bezirken, auch als Vorsitzender, mitgearbeitet; besondere Verdienste hat er sich in der Öffentlichkeitsarbeit und bei der Entwicklung des VdK-Leitbildes erworben. August / September

11 Bürgerengagement / Pressespiegel Nach der Pilotphase jetzt Berlin Auf dem Marktplatz der sozialen Kooperationen Auftaktkonferenz zur Guten Sache am 25. September von 10:30 Uhr bis 17 Uhr in Berlin Die Marktplatz-Methode hat schon viele Unternehmen und gemeinnützige Organisationen in Deutschland für neue soziale Kooperationen aufgeschlossen und in über 90 Kommunen gut neue Kooperationen zwischen Nonprofit- Organisationen und Unternehmen angestoßen. Gute Sache soll diesen Impuls vertiefen und gemeinnützige Organisationen für Unternehmenskooperationen on the job innerhalb eines kurzen Zeitraums qualifizieren - und zugleich die vor Ort bestehenden und die mit Marktplätzen neu geschaffenen Strukturen stärken. Berliner Auftakt in der Landesvertretung von Nordrhein-Westfalen Bei der Auftaktkonferenz am 25. September 2013 in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund, Hiroshimastr ; Berlin- Tiergarten - kein Teilnehmerbeitrag, für Verpflegung ist gesorgt - wird Gute Sache erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Präsentiert werden das erprobte Curriculum und die entwickelten Materialien sowie die Erfahrungen aus der schon abgeschlossenen Pilotphase an den Standorten Bielefeld, Ruhrgebiet und Metropolregion Rhein-Neckar, die von SAP und dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt wurde. Netzwerk für Corporate Citizenship und CSR Gute Sache ist selbst das Ergebnis einer Kooperation: Die Qualifizierungsreihe wurde von einem Beirat entwickelt, in dem die Bertelsmann Stiftung, die Unternehmen Generali Deutschland, KPMG, RWE und das gemeinnützige UPJ-Netzwerk für Corporate Citizenship und CSR die Gute Sache gemeinschaftlich voran treiben. Die regionale Durchführung von Gute Sache liegt bei regionalen Partnern der Initiative, die dabei von Unternehmen, Stiftungen oder der öffentlichen Hand unterstützt werden. Weitere Informationen zum Programm der Auftaktkonferenz und zur Anmeldung auf finden Sie auf Notiert, zitiert, gedruckt Paritätische Themen in den Berliner Tageszeitungen die kompletten Beiträge sind über die zitierten Links im Internet abzurufen. Als Eine besondere Klinik würdigte die Berliner Morgenpost am 1. Juli das Paulinenkrankenhaus zu seinem 100. Geburtstag. Dass das Jubiläum gefeiert werden konnte, sei Verdienst einer Bürgerinitiative, die 1977 das Haus vor den Sparplänen des Senats rettete. Seither sicherten Westender Bürger, die sich in einem Trägerverein zusammengeschlossen haben, seine Existenz. bezirk-charlottenburg-wilmersdorf/westend/ artikel/20904-paulinenkrankenhaus-feierte- 100-geburtstag/ Engagierte Berliner in Paritätischen Mitgliedsorganisationen Säulen der Berliner Zivilgesellschaft In einer Reportage erzählt die Berliner Morgenpost am 6. Juli über die Arbeit der Telefonseelsorgerin Gitta B., die als Ehrenamtliche dei der Berliner Telefonseelsorge e.v. Dienst tut. Dabei spielt die berufliche Qualifikation für die Aufgabe hier gar keine Rolle, sagt Gitta B. Das Wichtigste sei, dass man dem Anrufer zuhört und versucht, ihn zu verstehen. Das Gespräch solle für ihn eine Entlastung sein, sagt die pensionierte Nervenärztin. ticle /bei-der-telefonseelsorge-kann- Sprechen-Leben-retten.html Keine Mutter muss sich schämen, Hilfe anzunehmen, sagt Katja Brendel, Landeskoordinatorin vom Verein wellcome am 17. August in der Berliner Morgenpost, die an diesem Tag beschreibt, wie der Verein wellcome ehrenamtliche Unterstützung nach der Geburt eines Kindes organisiert. Auf ihren Einsatz würden die Ehrenamtlichen von wellcome - aktuell sind es insgesamt 200 an 17 Standorten in ganz Berlin - sorgfältig vorbereitet. Alle zwei Monate träfen sie sich in kleinen Gruppen, es gebe Vorträge zu verschiedenen Themen über Kinderkrankheiten, Erziehung und auch zur Erkennung von Anzeichen für Kindesmisshandlung. article /keine-mutter-muss-sich-schaemen-hilfe-anzunehmen.html 10 August / September 2013

12 Pressespiegel Freundschaft statt Einsamkeit im Alter, betitelt die Morgenpost am 20. Juli einen Bericht über den Verein Freunde alter Menschen, in dem Ehrenamtliche Senioren zu Ausflügen begleiten. Der ursprünglich in Frankreich gegründete Verein habe es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Einsamkeit und Isolation alter Menschen zu durchbrechen und ihnen wieder mehr Lebensfreude zu schenken. In seiner Arbeit konzentriere sich der Verein mit Standorten in Kreuzberg und Mariendorf besonders auf hochbetagte Menschen, die nicht mehr sehr mobil sind. article /freundschaft-statt-einsamkeitim-alter.html Am 27. Juli wendet sich die Berliner Morgenpost dem Patenschaftsprogramm biffy zu, und das Blatt überschreibt seinen Bericht: Verlässliche Begleiter in allen Lebenslagen - Der Verein biffy vermittelt Wahlverwandte für Kinder. Menschen (...) könnten sich dort anmelden und werden dann in Kontakt gebracht mit Kindern und Familien. Besonders bei alleinerziehenden Eltern, Familien mit vielen Geschwistern oder Krankheiten der Eltern sei eine Patenschaft für die Kinder eine große Unterstützung. Die Zeit und Kraft für ein Kind sei in diesen Familien oft zu gering, und viele hätten keine Verwandtschaft in der Stadt. article /verlaessliche-begleiter-in-allen- Lebenslagen.html Patenschaftsprojekte finden immer mehr Zuspruch Die Neuköllner Talente bringen Kinder und Studenten zusammen, überschreibt die Berliner Morgenpost am 11. Juli einen Artikel über das Patenschaftsprojekt, das inzwischen 165 Paare betreue. Etwa 80 Prozent der Paten seien Studenten, aber auch ältere Menschen seien willkommen, die sich um Kinder aus Neukölln kümmern wollen. Die Paten träfen die Kinder im Grundschulalter meist einmal in der Woche zu gemeinsamen Unternehmungen. Einige Kinder haben etwa noch nie vorher ein Museum besucht, sagt Carmen Wagle, die bei den Neuköllner Talenten als Familienbetreuerin arbeitet. cle /studenten-begeistern-neukoellner- Kinder-fuer-Kultur.html Der Motorradclub Hermsdorf e.v. engagiere sich seit zehn Jahren für die Familien im Berliner Kinderhospiz Sonnenhof der Björn Schulz Stiftung, schreibt die Mor- genpost am 10. August in einem kurzen Terminhinweis auf eine Bikertour zugunsten des Sonnenhofes. article /berlinnews-iii.html Ein vielgerühmtes Freiwilligenprojekt steht in Prenzlauer Berg auf der Kippe, wenn nicht... Freiwilligendienst fällt weg. Das Pfefferwerk bringt Jugendlichen in Prenzlauer Berg das Ehrenamt nahe. Damit ist ab kommenden Jahr Schluss. Die EU-Förderung fällt weg, der Bezirk kann nicht einspringen, das ist die Quintessenz eines Beitrags, den der Internetdienst Prenzlauer Berg Nachrichten am 26. Juli verbreitete. Gabriele Schlimper, die als Beauftragte des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin zusammen mit dem Senat über die Verteilung der EFRE-Mittel (Europäischer Fonds für Regionale Entwicklung) in den Bezirken berät, sehe das Bezirksamt in der Pflicht. Das Projekt vom Pfefferwerk ist brillant und erfolgreich. Da muss es möglich sein, dass der Bezirk Geld gibt. Das Neue Deutschland berichtet am über einen Krimi, der wachrüttelt. 18 Jungen und Mädchen im Alter von acht bis 14 Jahren aus dem Jugendklub Marzahner Kinderkeller des Kinderrings und aus der Ferienbetreuung im Pestalozzi-Fröbel-Haus an der Schöneberger Grundschule haben über die Osterferien an dem Filmprojekt Hände weg von unseren Klubs! gearbeitet. Das aktuelle Filmprojekt sei die mittlerweile fünfte Auflage der Hingucker-Reihe, eines Projekts des Kinder- und Jugendbüros Marzahn-Hellersdorf im Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg. Realisiert werden konnte es durch die finanzielle Unterstützung des Paritätischen Wohlfahrtverbands Berlin, der die Hingucker-Reihe seit Beginn fördert, schreibt das ND weiter. In Berlin fehlen nach Einschätzung von Sozial- und Bauverbänden mehr als barrierearme Wohnungen für Senioren, schreibt die Tageszeitung (taz) am 4. Juli. Dafür müssten in den kommenden Jahren rund 1,6 Milliarden Euro investiert werden, habe das Bündnis Wohnen 65plus mitgeteilt. Dem Bündnis gehört unter anderem der Sozialverband VdK an. sort=bl&dig=2013%2f07%2f04%2fa0106&chash =0268f98b37e cb1ee4 August / September

13 Pressespiegel Kombi-Tests für HIV unds yphilis vor dem Aus, warnte die taz am 25. Juli. Der Senat hat kein Geld mehr für ein von ihm selbst hoch gelobtes Modellprojekt. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin und freie Träger der Drogen- und Aidshilfe sähen ein wichtiges Instrument der Früherkennung und Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten in Berlin gefährdet, schreibt das Blatt unter Berufung auf Marcus Behrens von Mann-O-Meter und Astrid Leicht vom Fixpunkt. Stephan Jäkel von der Schwulenberatung Berlin sagte: Unsere Hoffnung ist, dass bei den Haushaltsberatungen im Abgeordnetenhaus noch Mittel verschoben werden. In einem Bericht über Kitaplätze in Berlin, lässt das rbb-infoadio am 3. Juli auch Martin Hoyer als Kita- Experten beim Paritätischen Landesverband zu Worte kommen. Er rechne, dass 70 Prozent aller Eltern den Rechtsanspruch auch nutzen wollen. Eng könne es in einigen Innenstadtbereichen wie Pankow oder Prenzlauer Berg deshalb trotzdem werden: Hoyer: Es wird nicht in allen Fällen dort sein, wo die Kinder unmittelbar wohnen. Aber wenn wir uns die Bezirke und die Stadt insgesamt anschauen, wird es gelingen, jedem Kind, das einen Platz benötigt, auch einen zu verschaffen. Martin Hoyer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband betonte, in den vergangenen Jahren habe es bei den freien Trägern einen massiven Ausbau der Kitaplätze gegeben, berichtet tv-berlin auf seiner Internetseite am 4. Juli. Dieser (Ausbau) müsse aber weitergehen, da nicht genau klar sei, wie viele Eltern vom Kitaplatz- Anspruch Gebrauch machen würden. Außerdem gebe es in einigen Kiezen derzeit nicht für alle Kinder einen Platz in Wohnort-Nähe. Problematisch sei laut Hoyer auch die Personalsituation. Werde eine Stelle kurzfristig frei, gebe es keine Reserven auf dem Arbeitsmarkt. sendungen/bme/201307/der_kita_ausbau.listall. on.printview.true.html Barbara John is chair of Berlin s Paritätischer Wohlfahrtsverband - an umbrella organization of around 4,000 social groups involved in a wide range of issues. She was previously Berlin city s ombudswoman for foreigners, so stellt The Local. Germany s News in English die Vorsitzende des Berliner Paritätischen vor, und der Internetdienst zitiert aus einer Kolumne, die Barbara John zuvor für den Tagesspiegel geschrieben hatte. html Im Rahmen eines Radiogesprächs mit dem Kulturradio des rbb wurde auch Holger Spöhr, Referent im Paritätischen Berlin, Ende August zu Flüchtlingspolitik und -schutz in Berlin befragt. kulturradio-am-mittag/index.html Kita-Experten wie Roland Kern vom Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden würdigten zwar die Berliner Kita-Landschaft, forderten gleichzeitig aber eine größere Platz-Reserve. Der Ausbauprozess muss weitergehen, nur dann haben die Berliner Eltern wirklich die freie Kita-Wahl. So zitiert die Berliner Morgenpost Kern am 30. Juli. Paritätischer mischt sich in Debatte um Kita-Pflicht ein In der aktuellen landespolitischen Debatte um eine Kitapflicht (siehe Interview auf den Seiten 27 28) zitiert der evangelische Pressedienst (epd) aus einer Presseerklärung des Berliner Paritätischen: Der Paritätische Wohlfahrtsverband hielt dem entgegen, es müsse zunächst alles unternommen werden, Kindern ab dem dritten Lebensjahr überhaupt einen Kita-Besuch ohne Hürden zu ermöglichen. Berlin habe es geschafft, die Kita-Besuchsquote der Drei- bis Sechsjährigen seit 2006 von 86 auf 96 Prozent zu erhöhen. Das Kita- Ausbauprogramm des Landes hinke jedoch hinterher und gehe noch immer von einer Versorgungsquote von 95 Prozent aus. Diese Planvorgabe blockiert jetzt den Ausbau und muss auf 100 Prozent korrigiert werden, heißt es in einer Erklärung des Verbandes. In Steglitz hat ein Wohnheim für Autisten eröffnet. Menschen mit dieser Entwicklungsstörung benötigen Rückzugsmöglichkeiten und dennoch Impulse, die sie aus der Reserve locken. So überschreibt der Tagesspiegel am 2. September einen Bericht über eine neue Wohnstätte für erwachsene Autisten, die vom Berliner Landesverband des Vereins Autismus Deutschland eingerichtet worden sei. Die Berliner Zeitung notierte am 1. September: Der strassenfeger wird obdachlos. Der Vermieter habe dem Strassenfeger-Verein die Räume gekündigt. Dort gebe es nicht nur die Straßenzeitung, sondern auch die einzige Notunterkunft für Obdachlose im Bezirk Pan- 12 August / September 2013

14 Pressespiegel / Interview kow. Mob e.v. gelte als Vorzeigeprojekt. Gilles Duhem, 46, Franzose, war bis 2006 Quartiersmanager im Neuköllner Rollbergviertel. Heute ist er dort Geschäftsführer des Vereins Gemeinschaftshaus Morus 14, in dem sich Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Kultur engagieren. Der Verein unterhält das Netzwerk Schülerhilfe Rollberg : 95 Erwachsene unterstützen 113 Jugendliche bei den Hausaufgaben und Alltagsproblemen. So beginnt der Tagesspiegel am 30. Juli ein langes Interviewporträt über Jugendarbeit im Neuköllner Rollbergviertel. Am 29. Juli berichtet das Anzeigenblatt Berliner Woche : Wer eine psychische Einschränkung oder Abhängigkeitserkrankung hat, bekommt selten eine Chance auf dem Arbeitsmarkt. Das Sozialamt hat jetzt mit sieben Trägern neue Angebote für betreutes Arbeiten geschaffen. Zu den Trägern gehöre auch die Pinel ggmbh, ein Träger der ambulanten psychischen Versorgung in Berlin. bezirk-tempelhof-schoeneberg/artikel/22187-traeger-und-bezirk-schaffen-14-arbeitsangebote-fuerpsychisch-erkrankte/ Neue Angebote von Trägern ambulanter psychischer Versorgung in Berlin Am 1. August widmet die taz der Galerie Art Cru Berlin einen langen Bericht. Tenor: Mit ihrem Angebot an Outsider-Kunst steht die Galerie Art Cru Berlin noch einzig in der Stadt da. Surreale Botanik heißt die aktuelle Schau mit Arbeiten aus dem Offenen Atelier im St.-Hedwig-Krankenhaus. el/?dig=2013%2f08%2f01%2fa0144&chash=fbef 4afce80c9fdc95dbff12b642edf5 Das Logo des Lesben-und Schwulenverbands (LSVD) Berlin-Brandenburg ziert neuerdings die Trikots des Kreuzberger Klubs Türkiyemspor, berichtet die taz am 16. August. Nun trägt die Botschaft jeder einzelne Spieler am Körper, das hat eine andere Qualität, sagte Jörg Steinert vom LSVD Berlin-Brandenburg. ort=ba&dig=2013%2f08%2f16%2fa0140&chash =7f414c0b241400d0569d0363b9a46594 Im Gespräch Viele Flüchtlinge erleben hier ein zweites Trauma Interview mit Dietrich Koch, Psychologe, Psychotherapeut und Geschäftsführer von Xenion - Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.v. sowie mit Jochen Schwarz, Leitung Asylrechtsund Sozialberatung bei Oase Berlin. Womit sind Sie im Augenblick am meisten beschäftigt? Woran arbeiten ihre Kolleginnen und Kollegen aktuell? Was erlaubt keinen Aufschub? Jochen Schwarz, Oase Berlin: Juristisch gesehen arbeiten wir an zwei Petitionsfällen, die wir nach Ablehnung durch die Innenminister bei der Härtefallkommission an den Senat gestellt haben, da geht es um einen humanitären Aufenthalt. Anhängig sind ferner Asylfälle bosnischer Roma vor dem Verwaltungsgericht, Anträge auf Niederlassungserlaubnis für Klienten trotz Jobcenterabhängigkeit (traumatisierte Flüchtlinge so z.b. Kosovaren, sowie Jugendliche und Kinder). Politisch gesehen bereiten wir uns auf die bevorstehende Auseinandersetzung um das Asylbewerberheim in Pankow vor. Wir sind mit den Anträgen an den Senat wegen Finanzierung 2014 beschäftigt und richten das Theaterstück Asylmonologe ein, das Ende September in der Oase oder im neuen Flüchtlingsheim Pankow aufgeführt werden soll. Xenion - Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte ist auf Ihrer Website zu lesen. Wie kommen oder finden politisch Verfolgte eigentlich zu Ihnen? Dietrich Koch, Xenion: Früher wurden die, die zu uns kamen, nahezu zu 100 Prozent vermittelt über Wohnheime, Krankenhäuser, Rechtsanwälte, alles Institutionen und Menschen, die mit Flüchtlingen arbeiten. Das hat sich im Laufe der Zeit verschoben, wir sind jetzt 25 Jahre in der Arbeit, da wird man bekannt. Einer meiner Klienten, er stand mit den Koffern vor der Tür, hat mir erzählt, dass er unsere Adresse in einem Flüchtlingslager im Irak bekommen hat. Viele seien traumatisiert, heißt es in Ihren Berichten. Dietrich Koch, Xenion: Ja. Sie schleppen psychische Beschädigungen mit sich herum, Verfolgungen, die sie nicht einfach so abschütteln können. Wir gehen von einer Prävalenz von Prozent für traumabedingte Erkrankungen bei neu ankommenden Asylbewerbern aus. Ist das Aufnahmeland Berlin darauf vorbereitet, womöglich besser als andere? August / September

15 Interview Dietrich Koch, Xenion: Auf jeden Fall! Wir sind mittlerweile in Berlin sehr gut vernetzt, es gibt das Berliner Netzwerk für besonders schutzwürdige Flüchtlinge, auch über die Awo mit ihren Erstaufnahme-Wohnheimen kommen viele zu uns, über das über Rechtsanwälte, Ärzte, Kliniken und verschiedene andere. Berlin ist auf diese Flüchtlinge einigermaßen vorbereitet, weil es eine lange Tradition im Vergleich zu den neuen Bundesländern um uns herum gibt und weil wir ganz andere beispielsweise transkulturelle - Strukturen haben, auf die die Menschen zurückgreifen können. Welche psychosozialen Hilfen können die Verfolgten, die Flüchtlinge von Ihnen erwarten? Wo stoßen Sie an Grenzen? Dietrich Koch, Xenion: Die Grenzen liegen in den Kapazitäten. Wir sind eine Einrichtung mit zehn fest angestellten Personen auf Teilzeitstellen, wir kommen im Augenblick auf acht ganze Stellen. Davon sind drei Psychotherapeuten, eine Sozialarbeiterin; angesiedelt ist auch das sogenannte Akinda-Netzwerk mit drei Sozialarbeiterinnen, die sich um Vormundschaft für unbegleitete Minderjährige und der Koordination von Ehrenamtlichen kümmern. Hinzu kommen Verwaltung und Sekretariat. Worin besteht Ihre Arbeit und die Ihrer Kolleginnen und Kollegen? Dietrich Koch, Xenion: Wir sind mittlerweile in Berlin und dem Netzwerk die Fachstelle für die Früherkennung von Traumata Psychotrauma bei neu ankommenden Asylbewerbern, das sind ca. 250 Neuaufnahmen im Jahr, bei denen wir einen Gesundheitscheck durchführen, hauptsächlich in Richtung bezüglich psychischer Beeinträchtigung und Trauma. Wir sind mit jedem Klienten im Gespräch, mit Sicherheit bei der Neuaufnahme zwei bis vier Stunden, bis wir einigermaßen Überblick einen Überblick über Symptomatik und Verfolgungsgeschichte haben. Das, was wir dabei hören ist nicht immer leicht auszuhalten. Der andere Teil ist, dass wir natürlich mit der Spezialisierung Psychotherapie für Folteropfer tätig sind, und auch da haben wir ca. 80 Klienten im Jahr, die wir mitbetreuen können. Gefolterte brauchen viel Zeit, ihre Erfahrungen lassen sich nicht durch gutes Zureden aus der Welt schaffen. Dietrich Koch, Xenion: Jean Amery hat es so formuliert: Wer der Folter erlegen ist, der wird nicht mehr heimisch in dieser Welt. Bei chronischen Fällen von Traumatisierung, die sehr schlimm waren, über eine lange Zeit hinweg andauerten und bei denen lange nichts getan wurde - da kann man durchaus lebenslange Folgen voraussetzen, die gar nicht mehr therapeutisch zu behandeln sind im Sinne von Heilung. Da kann man wirklich nur stabilisieren und aufpassen auf denjenigen, dass er nicht diese Traumata in einer schlechten Weise für sich selbst bearbeitet, also sozusagen destruktiv. Wie werden die Menschen, die bei Ihnen jährlich neu aufgenommen werden, untersucht, gescreent? Dietrich Koch, Xenion: In dem Screening versuchen wir herauszufinden, ob eine Traumatisierung vorliegt. Danach geben wir eine Empfehlung auf weitere Diagnostik oder Psychotherapie. Diese Empfehlung ist zunächst aber nicht viel wert, weil es dann darauf ankommt, ob diejenigen hier in Berlin überhaupt Hilfe erfahren können. Es gibt vereinzelte niedergelassene Kollegen/innen, die in schweren Fällen in der Muttersprache zur Verfügung stehen, aber bei weitem nicht genug. Psychotherapie über Sprachen und Kulturen hinweg das stellen wir uns schwierig vor. Dietrich Koch, Xenion: In dieser Begegnung treffen sich Welten im Sinne von geistigen Welten, von Traditionen, von Geschichte, die in einem 10-minütigen Dialog gerinnen - und das soll der Dolmetscher übersetzen. Das ist nicht einfach. Wir haben zwar eine ganze Reihe von ehrenamtlichen und freiberufliche Kollegen mit einem breiten Spektrum von Muttersprachlern. Aber wir arbeiten eigentlich fast grundsätzlich mit Dolmetschern in der Psychotherapie, was ein absolutes Novum ist, weil das eigentlich nicht in das erlernte psychotherapeutische Setting passt. Psychoanalyse hat mit solchen Veränderungen im Setting ganz große Probleme, weil Sprache was Unmittelbares ist und auch sein soll. Sie können sich vorstellen, dass die sprachvermittelte Therapie eine ganz andere Herausforderung darstellt als man in der Muttersprache miteinander leisten kann. Was beflügelt Ihre Arbeit? Dietrich Koch, Xenion: Das Transkulturelle, die Internationalität all das macht auch den großen Reiz meiner Arbeit aus, bei allen schlimmen Erfahrungen, mit denen unsere Klienten konfrontiert sind. Soviel wie ich in meiner Arbeit an Schlimmem erfahre, soviel erfahre ich auch an Stärken, an Überlebenswillen, an Strategien des Überlebens, an Familienzusammenhalt und Kraft, die aus der Liebe erwächst, durch die wir alle überleben. Das erfährt man praktisch täglich, wenn man mit den Überlebenden solcher Traumata arbeitet. Aus welchen Regionen der Welt kommen die Verfolgten heute in der Regel und wie hat sich das in den vergangenen 10, 15 Jahren verschoben? Dietrich Koch, Xenion: Wo die Kriege toben, da kommen irgendwann mit einiger Verzögerung auch die Menschen 14 August / September 2013

16 Interview her. Im Moment kommt die größte Gruppe aus Tschetschenien, aus dem Kaukasus. Als ich 1986 anfing, da waren es die letzten Flüchtlinge aus Lateinamerika, die ich getroffen habe. In den 90er Jahren kamen die Kriegsflüchtlinge aus dem Balkan, jetzt aus dem Kaukasus, und wir kriegen auch die ersten Flüchtlinge aus Syrien. Jochen Schwarz, Oase Berlin: In den letzten Jahren kommen die meisten Flüchtlinge aus Iran, Syrien, Tschetschenien, afrikanischen Ländern, dem Westbalkan. Derzeit beraten wir einige Flüchtlinge, die ursprünglich in Griechenland, Italien, Spanien Asyl beantragt hatten und aufgrund der prekären Zustände weitergewandert sind, teilweise im sogenannten Dublin-II-Verfahren, teilweise anerkannt bzw. mit Aufenthalt, teilweise irregulär Wie finden die zu Ihnen? Dietrich Koch, Xenion: Viele, nachdem sie sich bei den Schleppern heillos überschuldet haben. Ich habe schon über die Jahre, vereinzelt immer wieder, vor allem Kurden aus Syrien betreut, yezidische schiitische Kurden, die dort schon lange unter politischem Druck standen. Von daher kannte ich einige syrische Kurden; und jetzt als der Krieg ausbrach, haben viele ihre kommen Familienangehörigen nachgeholt. Man sollte meinen, dass Asylverfahren für Menschen, die knapp dem Tod entkommen sind, einfach und zügig vonstatten gehen. Wie aufwändig, wenn nicht bürokratisch kompliziert, sind diese Verfahren wirklich auch für Flüchtlinge? Wie ist Ihre Arbeit eingebunden in Asylverfahren? Jochen Schwarz, Oase Berlin: Es geht insgesamt sehr stressig zu: Sie finden keine Ruhe durch sofortige Umverteilung in Deutschland bzw. in Europa durch das Dublin II Verfahren, das noch immer keine richtige Härtefallregelungen kennt. Es gibt keine Mitteilung wie lange das Verfahren dauert, wenig Hilfe oder Beratung bei der Asylvorbereitung, Es gibt keine Dolmetscher außer beim Interview, es gibt keine kostenlosen Sprachkurse, dafür Arbeitsverbote, Wohnheimzwang für einige Monate und noch immer in einigen Bundesländern die Residenzpflicht. Viele berichten, erst im Asylverfahren wurden sie traumatisiert. Dietrich Koch, Xenion: Das, was ich erlebe, ist ein dramatischer Anstieg von Belastungen bei Menschen durch das Asylverfahren selbst. Wenn jemand nicht mit dem Flugzeug hier einreist, dann hat er wegen der Drittstaatenregelung - immer geringere Chancen, dass er hier ein Asylverfahren durchsetzen kann. Nach abstrusem rechtlichen Hin und Her heißt es jetzt, dass viele Asylverfahren, die in Deutschland durchgeführt werden, als Folgeverfahren gelten, egal ob zuvor eins stattgefunden hat oder nicht., d.h. es werden nur noch Gründe geprüft, die nicht mit den ursprünglichen Fluchtgründen zu tun haben, also ein Verfolgungsgrund oder ein Bedrohungsgrund, der sich auf der Situation in einem Drittstaat ergibt. Asylverfahren waren zwar schon immer ein Gnadenrecht. Aber durch diese Verengung ist fast nichts mehr zu machen. Menschen mit traumatischen Flucht- oder Verfolgungserfahrungen erleiden bei der Aufnahme ein zusätzliches Trauma. Kein guter Anfang für eine Therapie. Dietrich Koch, Xenion: Überhaupt nicht. Ich habe unter meinen Klienten junge Leute, die eine Odyssee durch ganz oder halb Europa durchgemacht haben. Manchmal drei Länder, mit mehrfachen Abschiebungsversuchen nach Polen, um dann am Schluss doch in Deutschland zu landen. Ein Beispiel: Ein Klient, der meines Erachtens außer dieser dramatischen Schädigung völlig gesund war, hat sich irgendwann bei seinem dritten Abschiebeversuch gewehrt, und zwar ziemlich massiv. Er wurde in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen und dort mit Psychopharmaka bis zur Halskrause behandelt. Und er war danach wirklich gestört und ist verrückt gemacht worden. Das, was wir machen in den europäischen Staaten ist für Menschen tragisch, die eine Foltergeschichte hinter sich haben. Weil es im Grunde genommen ein neues Trauma oder eine Retraumatisierung bedeutet. Das führt meist in ein Misstrauen allen Menschen gegenüber, auch zu mir als Therapeut. Dieses Mißtrauen klinkt sich aus der Erfahrung heraus permanent in die Realität ein und führt zum Teil zu ganz bizarren Verhaltensweisen bei den Menschen. Wie reagieren eigentlich Ihre Flüchtlinge, wenn sie Gegenstand von rechtsradikalen Krawallen werden, wenn sie mit Hetzparolen und Ausländerraus Geschrei bedacht werden? Jochen Schwarz, Oase Berlin: Sie haben Angst und manche ziehen sich zurück. Die Gefahr der Retraumatisierung z.b durch Polizei besteht (einige Asylbewerber wurden mit Polizeischutz ins Wohnheim eskortiert). Sie können oft wegen der Sprache und weil sie die Verhältnisse hier nicht kennen können auch nicht unterscheiden, wer links und rechts ist, wer es gut mit ihnen meint etc. sind verunsichert. Martialische Plakate wie Rassismus tötet obwohl richtig in der Aussage sind da eher kontraproduktiv, obwohl gut gemeint Was muss sich ändern, damit Sie Ihre Arbeit für die politisch Verfolgten noch besser machen können? Was würden Sie ändern, wenn Sie König von Deutschland wären? Jochen Schwarz, Oase Berlin: Eine Regelförderung der Be- August / September

17 Interview ratung wäre immens wichtig, derzeit wird theoretisch die Beratungsarbeit für Flüchtlinge nicht gefördert (ehrenamtliche Arbeit neben der geförderten Projektarbeit) Dietrich Koch, Xenion: Ich würde beim Asylverfahren anfangen und bei der europäischen Verteilung von Flüchtlingen. Und bei den absurden und immensen Beträgen, die es kostet, Außengrenzen abzuschotten, statt mal daran zu denken, dass jeder, der da kommt, auch etwas mitbringt. Es gibt, was diese absurde Geldvernichtung angeht, eine beispielhafte Initiative one choice. Deren Ziel ist: Wenn jemand nach Europa einreist und irgendwo die Außengrenze berührt, dann darf er sich ein Land aussuchen, wo er hin möchte. Das wäre das Vernünftigste, das ich als erstes machen würde, und zwar deswegen, weil die Menschen mit einer bestimmten Vorstellung kommen. Die Menschen, die wissen, warum sie wohin gehen, die ein Ziel haben, die ertragen fast alles, die setzen sich ein. Das ist ein kraftvoller Motor, der beispielsweise, das hat uns mal ein amerikanischer Psychiater gesagt, Amerika stark gemacht hat. Weil die Auswanderer und Flüchtlinge in ihr Wunschland wollten und kamen. Dietrich Koch, Xenion: Ja. Spätestens in der 2. Generation wären das Erfolgsgeschichten. Das wäre hier genau so. Aber wir verschwenden und vergeuden Talent und Leidenschaft. Wie finanzieren Sie Ihr Engagement, wie nachhaltig und sicher ist der finanzielle Sockel, auf dem Ihre Arbeit steht? Jochen Schwarz, Oase Berlin: Teilweise geschieht das über Bezirksamtsprojekte (Berufsorientierungsprojekt für MigrantInnen), Spenden, Integrationskurse, Arbeitsamtsmaßnahmen, Freiwilligendienste, Senatsprojekt (Koordinierungsstelle gegen Rechtsextremismus) oder über EU-Projekte, nachhaltig sind diese Finanzierungen leider nicht, die Projekte für 2014 sind alle noch nicht gesichert Dietrich Koch, Xenion: Wir finanzieren uns z.zt. noch zu 80 Prozent aus Zuwendungsmitteln, etwa aus Stiftungen, etwa Amnesty International oder Deutsche Stiftung Flüchtlingshilfe. Das Land finanziert uns über den Integrationsbeauftragten mit 35 Prozent, dann kommen europäische Finanzierungen dazu, über die wir nicht besonders glücklich sind, weil eine administrative Hochrüstung betrieben wird, die uns die Geldbeschaffung sehr schwer und teuer macht. Einiges wird von Stiftungen übernommen, Amnesty International, Deutsche Stiftung Flüchtlingshilfe. Besonders schwierig ist die europäische Finanzierung, weil wir die Hälfte des Geldes erst nach Projektbeendigung bekommen - mit mindestens einem Jahr Wartezeit. Also sind sie auf Bankkredite angewiesen. Dietrich Koch, Xenion: Keine Bank macht das mehr mit. Diese Summen, die wir überbrücken müssen - das sind bei uns in 3 Jahren Euro - können wir als kleine Institution nicht mehr auf die Beine stellen. In unserem Falle springt der Berliner Paritätische ein, der uns mit einem Kredit nach Kräften unter die Arme greift. Sonst könnten wir die Arbeit nicht leisten. Flüchtlingspolitik ist kein attraktives Thema, schon gar nicht in Wahlkampfzeiten. Ist es angesichts einer gewissen nennen wir es staatlichen Hilf- oder Tatenlosigkeit nicht verständlich, wenn Anwohner die Ansiedlung von Flüchtlingen skeptisch bis ablehnend beäugen? Dietrich Koch, Xenion: Die sogenannte Angst vor dem Fremden ist dem Menschen angeboren, wahrscheinlich eine anthropologische Konstante, mit der wir leben müssen. Aber die Menschen sind eben auch ausgestattet mit Neugier, und die ist genau die Triebfeder, die den Motor darstellt, um solche Ängste zu überbrücken. Im neugierigen Dialog wird man überraschend feststellen, dass man mit diesen Menschen reden kann, dass das genau solche Menschen sind wie wir auch. Wenn die Menschen das mal aus der Nähe gesehen haben, dann sind sie für politische Instrumentalisierungen nicht mehr zu gebrauchen und ideologieresistent. Jochen Schwarz, Oase Berlin: Anwohner, die irrationale - und empirisch widerlegte - geäußerte Vorurteile wie Traumatisierte sind per se verrückt, die sind kriminell, wer schützt unsere Kinder, die sind dreckig und wollen nur den Sozialstaat ausbeuten etc äußern, suchen danach, ihre Vorurteile bestätigt zu wissen und suchen Sündenböcke für ihre eigenen Sorgen. Sie schüren die Feindlichkeit gegenüber Migrantinnen und Flüchtlinge, wenn man ihnen eine Plattform gibt. Das Problem ist in diesem Fall wirklich Rassismus bzw. gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Die Anwohner, die wirklich Interesse haben, die Flüchtlinge kennen zu lernen, erreicht man dagegen mit Aufklärung, Gesprächen und Beratung, sei es von staatlicher oder von NGO-Seite. Fühlen Sie sich als Anwälte der Flüchtlinge auch in der Pflicht, Aufklärungsarbeit bei den Bürgern in den Bezirken zu machen? Jochen Schwarz, Oase Berlin: In Pankow und Hellersdorf versuchen wir das, z.b. zusammen mit der Integrationsbeauftragten Pankow, dem Flüchtlingsrat Berlin anderen antirassistischen Gruppen oder der Alice-Salomon- Hochschule für Sozialarbeit und mit unserem Projekt Interkulturell - Gemeinsam gegen Ausgrenzung, zum Beispiel an einem Sonntag Anfang September auf einer ersten Bürgerversammlung zum Thema neues Asyl- 16 August / September 2013

18 Interview / Wettbewerbe, Förderpreise bewerberheim in Pankow, zu der eine Bürgerinitiative anonym aufgerufen hatte. Gehen auch Sie bei Xenion zu den Leuten, um sie zur Neugier und etwa zum Gespräch mit den Fremden zu ermuntern? Dietrich Koch, Xenion: Jetzt kommen wir auf unsere Ehrenamtlichen zu sprechen. Wir hatten in der Hoch-Zeit hier 150 ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger, die sich als Mentoren, Vormünder, für Flüchtlinge betätigt haben. Jetzt sind es nur noch immerhin. Das ist eine unserer Säulen, und das ist eben die Säule, die am weitesten in die Gesellschaft hinein reicht - mal abgesehen von dem, was wir für die Flüchtlinge selbst tun. Wir haben im Moment bei dem Mentorenprojekt einen gewissen Stillstand, weil eine Kollegin entlassen werden musste - und versuchen jetzt gerade, das mit Hilfe von Stiftungsmitteln wieder aufzubauen. Suchen Sie noch Freiwillige, die ehrenamtlich für politisch Verfolgte und Flüchtlinge arbeiten? Jochen Schwarz, Oase Berlin: Wir bauen gerade ein Mentorenprojekt auf, siehe Homepage: Berufliche Perspektiven eröffnen Integration für MigrantInnen durch Beratung und Mentoring - dieses soll auch 2014 weitergeführt werden. Infos: 8. Es gibt schon regelmäßige Treffen und Schulungen für die Mentoren, eine Mitarbeit ist aber jederzeit möglich. Alles ist erwünscht, nur die grundsätzliche Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge und Migrantinnen werden erwartet, Sensibilität und Empathiefähigkeit wären gut, Sprachkenntnisse von Vorteil Dietrich Koch, Xenion: Sofern sie sich für unbegleitete Jugendliche interessieren, sind Freiwillige und Ehrenamtliche herzlich willkommen und werden sofort aufgenommen. Sofern sie Erwachsene betreuen wollen oder Familien, können wir im Moment nicht zusagen. Aber wir sind zuversichtlich. Wir werden uns an Aktion Mensch wenden und die Bosch-Stiftung. Die Anträge sind fertig. Xenion - Psychosoziale Hilfen für politisch Verfolgte e.v., Paulsenstr ; Berlin; Tel: ; Fax: Oase Berlin, c/o InterKULTURelles Haus Pankow Schönfließer Straße 7; Berlin Tel.: ; Fax: Der Verein Berliner helfen startet gemeinsam mit der PSD Bank Berlin-Brandenburg zum fünften Mal die Aktion Schönes Klassenzimmer. Schüler, Lehrer oder Eltern können sich um eine Spende von je 2000 Euro bewerben, um das Klassenzimmer zu renovieren, Regale oder Schränke zu kaufen, kaputte Fensterbänke und Jalousien zu ersetzen was immer nötig ist, damit die Kinder sich in ihrem Klassenraum wohlfühlen. Das Deutsche CSR-Forum schreibt den Deutschen CSR-Preis aus. Er wird im Rahmen des 10. Deutschen CSR-Forums in Ludwigsburg bei Stuttgart am 7. Mai 2014 zum fünften Mal verliehen werden. Unternehmen und unternehmensähnliche Institutionen, die auf dem deutschen Markt tätig sind, sind aufgerufen, sich an der Ausschreibung zu beteiligen. Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen - Corporate Social Responsibility (CSR) lebt von guten Beispielen. Mit dem Deutschen CSR-Preis werden vorbildliche Aktivitäten auszeichnet. Die Einreichungsfrist endet am Im Rahmen der befristeten Förderaktion Miteinander gestalten können bei der Aktion Mensch bis zum 31. Dezember 2013 Förderanträge für neue Projekte und Aktivitäten gestellt werden. Aus einem breiten Spektrum fördert die Aktion Mensch Projekte von freien gemeinnützigen Trägern der Kinder- und Jugendhilfe, wenn sie jungen Menschen vor Ort Orientierungshilfen geben, sie in ihrer Entwicklung unterstützen, ihnen ermöglichen, Eigenverantwortung zu übernehmen und sich in die Gesellschaft einzubringen. foerderprogramme/kinder-und-jugendhilfe/ miteinandergestalten.php Zum vierten Mal loben die Ersatzkassen ihren vdek-zukunftspreis aus. Initiativen und Menschen sind aufgefordert, ihre zukunftsweisenden Versorgungsideen und konzepte für Generationenübergreifende Projekte im Bereich Gesundheit und Pflege einzureichen. Die besten Konzepte werden mit einem Preisgeld im Gesamtwert von Euro prämiert. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 15. September 2013; Mehr Information unter: August / September

19 Aktuell BERATUNG FÜR MÄNNER GEGEN GEWalt Thema Gewalt: Wie die Berliner Justiz sich selbst widerspricht Von Michael Rebien Berlins Justizsenator will ein einzigartiges Projekt voraussichtlich nicht weiterführen. Dabei überzeugt es auch international in punkto Qualität und Ergebnis. Anfang August kam die Nachricht, die die beiden Mitarbeiter in der Berliner Tieckstraße 41 fassungslos machte: Ab dem 1. Januar 2014 könnte es für die Beratung für Männer - gegen Gewalt, ein Projekt der Volkssolidarität Berlin, kein Geld mehr geben. Das jedenfalls ist dem Einzeletat des Justizsenators für den Entwurf zum Doppelhaushalt des Landes Berlin für die Jahre 2014 und 2015 zu entnehmen Euro gab es bisher jährlich, seit Jahren stand vor diesem Betrag Volkssolidarität, jetzt Zuwendung an N.N. (Trägersuche im Wettbewerb). Wieder ein Beleg für die Ökonomisierung der Wohlfahrt Wettbewerb gut und schön, gibt Diplompsychologe Gerhard Hafner vom Projekt Beratung für Männer - gegen Gewalt enttäuscht zu bedenken, aber niemand habe mit ihm oder seiner Kollegin gesprochen, auch nicht mit dem Paritätischen, der die Beratungsstelle wie alle anderen äußerst gewissenhaft evaluiert. Wahrscheinlich, sagt er besorgt, solle doch nur wieder der Billigste den Zuschlag erhalten. Das, worauf es ankommt, was auch in unzähligen internationalen Evaluationen erwiesen ist, nämlich die Einbindung in die Interventionskette gegen häusliche Gewalt, der enge Austausch mit der Hilfe für die Gewaltopfer, dies zähle nicht mehr. Qualität in der Sozialarbeit, so sein Resümee, sei anscheinend nicht mehr gefragt, das Unwort Ökonomisierung der Wohlfahrt scheine Realität zu werden. Noch sei es Zeit, dies zu verhindern. Das Berliner Abgeordnetenhaus entscheidet im Herbst über den Haushalt, und damit auch über die Arbeit der Beratung für Männer - gegen Gewalt. Hintergrund: Für das Jahr 2012 verzeichnet Berlins Kriminalstatistik exakt Fälle häuslicher Gewalt. In den allermeisten Fällen waren die Täter Männer, die sich an ihren aktuellen oder ehemaligen Partnerinnen vergingen. Mit Folgen nicht nur für die Frauen sondern auch für die Kinder, die unfreiwillig Zeugen wurden, oft danach traumatisiert zurückblieben. Fast sechzehntausend Schicksale, eine unvorstellbar große Zahl. Die Opfer in der Dunkelziffer sind hier nicht mal mitgezählt. im März 2013 initiierte Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine Gesetzesänderung, welche die so genannte Täterarbeit erleichtert. Seitdem können Beschuldigte bis zu einem Jahr zur Teilnahme an einem sozialen Trainingskurs verpflichtet werden. Es geht um den Schutz von Frauen und Kindern vor weiteren Gewaltausbrüchen der Männer Täter werden im Rahmen einer Ermittlung oder eines Gerichtsurteils Wege auferlegt, damit sie sich mit ihrem Tun auseinandersetzen und begreifen: nicht die anderen sind schuld sondern sie selber. Im besten Falle zeigen sie Einsicht und werden nicht rückfällig. Es geht also um den Schutz der Opfer, zumeist Frauen und Kinder, vor weiteren Gewaltausbrüchen der Männer. Dieser Arbeit widmet sich seit 1999 das Projekt Beratung für Männer gegen Gewalt. Es war und ist das einzige seiner Art in Berlin. Getragen wird es von der Volkssolidarität, seit 2010 im Rahmen eines Treuhandvertrags zwischen der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz und dem Paritätischen. Mit diesem öffentlich-rechtlichen Vertrag soll eine bessere Erfolgskontrolle und Planungssicherheit für Projekte erreicht werden. Mit 144 Männern haben Gerhard Hafner und seine Kollegin Andrea Schulze im vergangenen Jahr Beratungen durchgeführt. Darüber hinaus haben sie mit den (Ex-)Partnerinnen Kontakt aufgenommen, mit 31 Paaren ein Paargespräch geführt, um die Sichtweise auch der Frau kennenzulernen. Seit Anfang dieses Jahres kooperiert das Projekt eng in Sachen häuslicher Gewalt mit dem Sozialdienst katholischer Frauen, auch 18 August / September 2013

20 Aktuell dies ein richtungsweisendes Pilotvorhaben. Während die Männer die Kurse in der Beratung für Männer gegen Gewalt absolvieren, unterstützt eine Kollegin deren Partnerin in der Frauenberatung. Dieses gemeinsame Fallmanagement ist nicht nur in Berlin absolutes Neuland. Aufgrund ihres Alleinstellungsmerkmals, aber vor allem der Qualität seiner Arbeit, wurde die Beratung für Männer - gegen Gewalt im Jahr 2009 mit dem Berliner Präventionspreis ausgezeichnet, der die Qualititätsentwicklung und Evaluation fokussierte. Ende Juni diesen Jahres besuchte die ehemalige indische Botschafterin Neelam Deo das Projekt. Das Auswärtige Amt hatte sie im Rahmen des Visitors Program eingeladen, Projekte kennenzulernen, um zu zeigen, wie man sich in Deutschland dieses Problems annimmt. Volksinitiative Ein Päckli für die Schule in Freiheit Die Berliner Volksinitiative Schule in Freiheit setzt sich dafür ein, dass die Schulen die Inhalte und Qualitätsmaßstäbe ihrer Arbeit selbst bestimmen können - und sie wirbt dafür um Unterschriften, um im Abgeordnetenhaus gehört zu werden. Ab jetzt sind noch wenige Wochen Zeit zum Sammeln. Wenn mindestens gültige Stimmen zusammenkommen, dann kann die Initiative Schulein-Freiheit Ideen und Umsetzungsvorschläge im Abgeordnetenhaus vortragen. Dafür braucht die Initiative - wegen den nicht zu vermeidenden ungültigen Unterschriften - mindestens Stimmen. Das könne nur geschafft werden, schreiben die Initiatoren der Volksinitiative, wenn jetzt die unterstützenden Organisationen verstärkt aktiv werden und auch noch mehr Menschen in ihrem Bekanntenkreis mitsammeln. Bitte helfen Sie mit! Übernehmen sie ein Päckli Unterschriften, indem Sie sich vornehmen, eine bestimmte Anzahl Unterschriften zu sammeln, zum Beispiel 30 oder 100 Unterschriften. Ab einem Unterschriften-Päckli in Höhe von 50 Unterschriften gibt es fürs Mitsammeln eine prima Ausrüstung geschenkt, die aus einer Sammeltasche aus stabiler LKW-Plane mit Aufdruck besteht, einem Strohhut für kühlen Schatten, einem Klemmbrett mit Kuli und Unterschriftenlisten sowie die Infoblätter zum Mitgeben. Mach mit - nimm ein Päckli! (Siehe auch Beilage Unterschriftenliste): Tel Vita e.v. Berlin Ein Vierteljahrhundert Ambulant vor Stationär Der Vita e.v. Berlin, Verein für integrative therapeutische Angebote, feierte in der Woche vom sein 25-jähriges Jubiläum in vier Berliner Bezirken. Begonnen haben die Feierlichkeiten in Köpenick, gefolgt von Kreuzberg und Neukölln. Die große Abschlussfeier fand am , dem Gründungstag des Vereins, in den prominenten Räumlichkeiten des Hauptsitzes in Charlottenburg statt. Vor dem Eingang stand ein Leierkastenspieler, der die geladenen Gäste musikalisch in Empfang nahm. Eine kleine Überraschung hielt die ehrenamtlich organisierte Bücherstube für lesefreudige Besucher bereit. Wer sich für den psychosozialen Verein und seine Einrichtungen interessierte, war ab 13 Uhr vor dem Haupteingang zu einem gegrillten Würstchen eingeladen. Danach standen die Türen zum Haus der offenen Türen für Jedermann offen. Die Besucher (Foto oben) wurden mit einem mediterranen Buffet, der Geschicklichkeit eines Scherenkünstlers und einer beeindruckenden Fotoausstellung verwöhnt. Wer seinen Gesundheitsstand prüfen wollte, hatte die Möglichkeit sich seinen Blutdruck und Blutzucker messen zu lassen. Der Verein für Integrative Therapeutische Angebote Vita e.v. Berlin wurde von Fachleuten aus den Bereichen der Psychiatrie und Geriatrie gegründet, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, zeitgemäße Modelle zur ambulanten und komplementären Versorgung von geriatischen und gerontopsychiatischen Patienten zu entwickeln und zu etablieren. Unter der Maxime Ambulant vor Stationär wurden in den Berliner Stadtbezirken Charlottenbug-Wilmersdorf, Friedrichhain-Kreuzberg, Treptow-Köpenick und Neukölln Netzwerke zur Versorgung von pflegebedürftigen Menschen geschaffen. August / September

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