:info. Solidarität ist angebracht! Biografie-Projekt»Lebenswege« # Das Magazin der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v.

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1 :info # Das Magazin der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. Solidarität ist angebracht! Biografie-Projekt»Lebenswege«

2 Inhalt Impressum Editorial Termin-Ticker 3 Titelthema Solidarität Solidarität mit Menschen mit HIV und Aids noch aktuell? 4 Biografie-Projekt»Lebenswege«5 Ich wünschte, es würde ein Heilmittel gefunden! 6 :info aktuell Stein-Spender gesucht 7 Lücken in der Versorgung 8 Neue Organisationsstruktur der AIDS-Hilfe 8 Großer Unterstützer reduziert Zahlungen in Leute Leute Josef Mensen 10 Sandra Steinberg 11 Steve Hoffmann 11 Projekte und Gruppen AIDS-Hilfe übernimmt Trägerschaft 12 Safer Sex: weil ich es mir wert bin! 12 HEARTBREAKER füllt die Kassen der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. 13 Transkulturelle HIV- und Aids-Arbeit 14 News für Frauen 15 med:info Hepatitis 16 Innovative Wege in der HIV-Prävention 16 Bewertung der Reform des Gesundheitswesens 17 Test 17 Zahngesundheit bei HIV 18 Gesprächsreihe zu HIV und Aids 19 Termine EiEiEi Versteigerei August 2007: 6. Festival of Friendship 20 Mitgliederversammlungen 20»Heart Open«21 Rückblick Aktionen rund um den Welt-Aids-Tag Tuntenlauf 26 Angebote Kontakt 27 :info # Magazin der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. Herausgeber AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. (V.i.S.d.P.), Gemeinnütziger Verein, Mitglied der Deutschen AIDS-Hilfe, der AH NRW und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Redaktion Yvonne Hochtritt Mitarbeiter dieser Ausgabe Text Stefan Etgeton, Peter von der Forst, Marco Grober, Heike Gröper, Yvonne Hochtritt, Steve Hoffmann, Kerstin Kollenberg, Netzwerk Plus e.v, nrw.aidshilfe.de, Stefan Pischke, Silvia Salifou-Karegwa, Carsten Schultze, Sandra Steinberg, Dr. Dirk Stolley Foto AHD-Archiv, Hermann Bliesener, Marcus Brammertz, Heike Fähndrich, Silke Hochtritt-Maschke, Yvonne Hochtritt, Stefan Kraushaar, Volker Nünninghoff, Guido Schlimbach, Harald Schüll, Anne-Marie von Sarosdy Titelbild Anne-Marie von Sarosdy Illustration SchLAu-Archiv Layout Hanneli Hahn Redaktionsadresse AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v., Oberbilker Allee 310, Düsseldorf, Druck DRUCKSTUDIO Düsseldorf, Prof.-Oehler-Straße 10, Düsseldorf Auflage Exemplare Der Bezug der Zeitung ist kostenlos. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Stellungnahmen kann keine Haftung übernommen werden. Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Wenn Sie daran interessiert sind, Ihre Anzeige im :info zu veröffentlichen, schicken wir Ihnen unsere Mediadaten gerne zu, Anfragen unter Telefon 0211/ Diese Ausgabe wurde unterstützt von DRUCKSTUDIO und HEARTBREAKER, Förderkreis der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. 2 :info #1 2007

3 Editorial Termin-Ticker Liebe Leserinnen und Leser, Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister in NRW, unterstrich anlässlich seines Besuches in der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. am Welt- Aids-Tag 2006 die Notwendigkeit kontinuierlicher HIV-Prävention und zeigte sich tief beeindruckt von der Offenheit und Kompetenz der HIV-Positiven, die den Jugendlichen während der Aufklärungsveranstaltung Einblick in ihren Alltag und ihre Lebenssituation gewährten. Ein schönes Lob für die nachhaltige Aufklärungsarbeit, die der Jugendbereich der AHD seit vielen Jahren erfolgreich durchführt. Fantasien und (Vor-)Urteile über HIV und Aids, über die Menschen, die mit dem HI- Virus leben, sind weit verbreitet. Was liegt also näher, als diejenigen zu befragen, die mit HIV und Aids leben und aus eigener Erfahrung berichten können? Mit Hilfe von fünf HIV positiven Menschen haben wir das Biografie-Projekt Lebenswege begonnen und stellen es in diesem :info vor. Im Frühjahr werden viele Veranstaltungen stattfinden, an denen die AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. und HEARTBREAKER beteiligt sind. Von der EiEiEi-Versteigerei über den CSD bis hin zum Benefiz-Golfturnier ist für jeden etwas dabei! Wir bedanken uns beim DRUCKSTUDIO, dass wir ab sofort ohne Mehrkosten komplett in Farbe erscheinen können. Ich freue mich auf ein Wiedersehen! Peter von der Forst Termin-Ticker +++ Termin-Ticker +++ Termin-Ticker +++ Termin-Ticker +++ Terminzusammengestellt von Yvonne Hochtritt +++ Am Karfreitag, den 6. April findet um Uhr die EiEiEi Versteigerei im Haus der Freude von Manes Meckenstock zugunsten der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. statt. Mehr dazu auf Seite Am Samstag, den 12. Mai wird auf der Steinstraße 25 das 15jährige Jubiläum des Salons»Heavensgate«gefeiert. Von bis Uhr kann man sich zum Sonderpreis von 15 Euro die Haare schneiden lassen. Kleine Überraschungen warten auch noch auf die Kunden. Alle Einnahmen des Tages gehen an die AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. Also, nix wie hin! Mehr Infos unter +++ Am 16. Juni startet das Benefiz-Golfturnier Heart Open auf der Meisterschafts-Clubanlage des Rittergut Birkhof. Mehr Infos dazu auf Seite 21 Die Organisatoren versprechen einen attraktiveren Zugweg und mehr Zuschauer. Wer sich für die AIDS-Hilfe an der Demo-Parade beteiligen möchte, meldet sich bitte bei Marco Grober Telefon 02 11/ Das DüsselDorfFest von A.I.D.S. e.v. (Alle Im Dienste Solidarisch) wird am Samstag, den 23. Juni im Rosengarten des Stadtmuseums gefeiert. +++ Am 8. Juli nimmt HEARTBREAKER zusammen mit den Health!angels an der Kölner CSD-Parade teil. +++ Am 16. Juli findet der Pink Monday auf der großen Rheinkirmes statt. Die AIDS-Hilfe wird dort auch unterwegs sein. +++ Am 16. und 17. Juni findet der nächste Düsseldorfer CSD unter dem Motto:»Das andere Ufer am Rhein«statt. Mittelpunkt wird wieder der Schadowplatz in der Innenstadt sein. Am Sonntag wird auch wieder eine Demo-Parade stattfinden. +++ Am Sonntag, den 19. August geht das 6. Festival of Friendship unter Schirmherrschaft von Prof. Dr. Rita Süssmuth auf dem Burgplatz über die Bühne. Mehr dazu auf Seite 20 :info #

4 Titelthema Solidarität Solidarität mit Menschen mit HIV und Aids noch aktuell? War Solidarität in der Gründungsphase der AIDS-Hilfen eine wesentliche, wenn nicht die entscheidende Triebfeder, stellt sich bei einigen Menschen heute die Frage: Warum eigentlich solidarisch sein? Was hebt Aids, die von Aids Betroffenen denn von anderen ab, so dass sie eine spezielle Unterstützung und Lobby brauchen? Die Frage nach dem Warum stellt sich vielen Menschen gerade auch deshalb, weil sie oft nur wenig oder keinen Einblick haben in das Leben der von HIV und Aids Betroffenen. Wie also leben Menschen mit HIV und Aids heute? Zu allererst ist Vorsicht im Hinblick auf verallgemeinernde Aussagen angebracht, denn die Biografien und Schicksale HIV-Infizierter sind so vielfältig wie es Betroffene gibt. Für eine große Zahl Infizierter gestaltet sich das Leben oberflächlich betrachtet nicht anders als für die meisten anderen Menschen auch: sie leben, lieben, arbeiten, wohnen, vergnügen sich, bangen und hoffen wie ihre nicht infizierten Mitmenschen auch. Schließlich kann es viele Jahre dauern bis eine symptomlose, also nicht spürbare HIV-Infektion in die Phase der Erkrankung tritt, ein meist schleichender, nicht abrupt verlaufender Prozess. Und hier liegt ein wesentlicher Unterschied zu Nichtinfizierten: das Wissen um die Möglichkeit, zu erkranken, möglicherweise schwer, unheilbar. Ein Wissen, das sicher nicht ständig präsent ist, aber im Hintergrund existiert. Eine manchmal plötzlich auftauchende Ungewissheit und Angst, die lähmen kann, für Alpträume sorgt, die Stimmung eingraut. Eine Angst, die oft besonders stark wird, wenn die regelmäßigen Arztbesuche zur Vorsorge anstehen: welche Werte werde ich wohl haben, muss ich beginnen, Medikamente zu nehmen, die mich noch stärker und öfter daran erinnern, dass da etwas in meinem Körper nicht stimmt? Es ist für viele ein immer wieder zu führender Kampf, sich nicht von dieser Angst und Ungewissheit dominieren zu lassen, dennoch möglichst unbeschwert zu leben. Für viele besonders heikle Themen sind Liebe und Sexualität. Sofort ist die Erinnerung an HIV da, die Frage, wann sage ich es dem neuen Partner, der neuen Partnerin, wenn ich es nicht sofort sage, habe ich das Vertrauen missbraucht? Wenn ich es sofort sage, lässt er/sie mich sitzen? Wie schaffe ich es, Safer Sex durch zu setzen? Und wenn dies nicht gelingt, die Ungewissheit und Schuldgefühle: habe ich den Virus weitergegeben? Auch die eigene Erfahrung, infiziert worden zu sein, spielt hier eine Rolle. Der Selbstvorwurf,»ich hätte besser aufpassen müssen ich bin doch selber schuld«,»ich habe zu sehr, zu naiv vertraut«, belastet das eigene Selbstbewusstsein, die empfundene Peinlichkeit des Versagens, aber auch die Schuldzuweisung an den infizierenden Partner macht es schwer, offen zu seiner Infektion zu stehen, sie als Tatsache anzunehmen, mit der man nun leben muss. Das immer wieder vorkommende, teils großspurig wirkende Gerede anderer»mir passiert so etwas nie, ich habe alles immer im Griff«macht einen guten Umgang mit diesem Thema für die Betroffenen nicht gerade leichter. Aids als Stigma und Armutsursache: Die soziale und ökonomische Problematik»Menschen, die HIV-infiziert oder aidskrank sind, befinden sich in einer ganz besonders schwierigen Situation. Neben der Tatsache, dass Aids unheilbar ist was auch für einige andere Krankheiten zutrifft leiden Betroffene oft an Diskriminierung und gesellschaftlicher Ausgrenzung. HIV und Aids sind immer noch Tabu-Themen: Die Folge ist, dass Aidskranken häufig sowohl das Aufgehoben-sein im privaten Umfeld in der Familie und bei Freunden wie auch im beruflichen Bereich fehlt. Dies bedeutet eine besonders hohe psychische Belastung der Betroffenen. Hinzu kommt die Tatsache, dass die von HIV und Aids betroffenen Menschen im Vergleich mit anderen chronisch Kranken vergleichsweise jung sind. Im Jahr 2004 waren zum Beispiel 36 Prozent der Antragstellenden bei der Deutschen AIDS-Stiftung 30 bis 39 Jahre alt, 60 Jahre und darüber nur zwei Prozent. Durch die Infektion in jungen Jahren ergibt sich die besondere Problematik, dass die soziale Sicherung der Betroffenen, etwa durch Rentenansprüche oder Ersparnisse, nicht gewährleistet ist. Dies führt dazu, dass viele HIV-infizierte und aidskranke Menschen, die nicht mehr arbeiten können, auf Sozialhilfe angewiesen und daher akut von Armut bedroht sind. Die hohe Zahl der Anfragen bei der Deutschen AIDS-Stiftung im Juni 2004 ging der ste Hilfsantrag ein weist auf die materiell schwierige Lage der Betroffenen hin. Nur 12,5 Prozent der Antragsteller können auf Lohn oder Gehalt zurückgreifen. Darunter befinden sich auch immer mehr HIV-positive und an Aids erkrankte Frauen. Im Jahr 2004 kamen 29,6 Prozent der Hilfsanfragen von Frauen. Aidskranke Frauen wenden sich doppelt so oft mit der Bitte um Hilfe an die Deutsche AIDS-Stiftung, als es aufgrund der epidemiologischen Situation in Deutschland eigentlich zu erwarten wäre. Die Zahlen belegen, dass Frauen in Deutschland öfter in Not geraten als Männer. Einer der Gründe: Sie tragen meistens die Verantwortung für die Kinder. Frauen sind häufiger als Männer auf Sozialhilfe angewiesen und beziehen seltener Rentenleistungen. Noch problematischer ist die Lage für Migranten, die sich in steigender Zahl an die Stiftung wenden. Aufgrund der für sie fremden Umgebung und oft mangelnder Sprachkenntnisse erfahren sie eine noch größere Ausgrenzung als andere von der Immunschwächekrankheit betroffene Gruppen.«(Quelle: Auch in der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. und bei Care24 zeigt sich die oft schwierige materielle Situation der Menschen mit HIV und Aids. Die überwiegende Zahl der Ratsuchenden bezieht Sozialhilfe, Arbeitslosengeld (meist ALG II) Text: Peter von der Forst 4 :info #1 2007

5 Titelthema Solidarität oder eine oft kleine Rente. Der Hilfsfonds der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. kann die steigende Zahl der Anträge inzwischen nur über eine Kürzung des Höchstbetrages (von 100, auf 80, Euro pro Jahr und Antragssteller) kompensieren, da nicht mehr als , Euro im Jahr zur Verfügung stehen. Der Bezug von Sozialhilfe oder ALG II bedeutet, von 345, Euro im Monat leben zu müssen (Miete und Nebenkosten werden zusätzlich gewährt). Seit der Einführung der sog. Hartz IV Gesetze und der letzten Gesundheitsreform hat sich die materielle Lage Betroffener teilweise verschlechtert: beispielsweise werden Zuzahlungen zu Behandlungskosten bis zu 1 % des Einkommens fällig, nicht verschreibungspflichtige, aber dennoch wichtige Medikamente oder Zusatzpräparate wie z. B. Mineralstoffe oder Vitamine müssen selbst bezahlt werden, der Mehrbedarfszuschuss für kostenaufwendige Ernährung wurde für ALG II Empfänger gekürzt, die so genannten einmaligen Leistungen wie der Ersatz für eine kaputte Waschmaschine oder Zuschuss zu Schönheitsreparaturen in der Wohnung wurden gestrichen bzw. sind nur noch als Darlehen erhältlich. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die augenblicklichen Diskussionen um die zukünftige Gesundheitsreform bei chronisch Kranken große Besorgnis auslösen. Vertrauen, dass die Politik eine ihren Bedürfnissen gemäße Reform beschließen wird, ist nach den gemachten Erfahrungen bei Menschen mit HIV und Aids kaum vorhanden. Daher setzt sich die AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. dafür ein, dass chronisch kranke Menschen, deren Einkommen der Grundsicherung oder ALG II entspricht oder knapp darüber liegt, generell von Zuzahlungen zu medizinischen Behandlungen und von ähnlichen anderen Eigenleistungen befreit werden! Ebenso sollten für diese Gruppe wieder notwendige einmalige Bedarfe finanziert werden können. Die materielle Absicherung ist sehr wichtig, aber zu menschenwürdigen Lebensbedingungen gehört auch und wesentlich die Akzeptanz: es ist kein Zufall, dass nur wenige Menschen mit HIV bereit waren, im Rahmen der Lebenswege-Aktion einem nicht anonymen Portrait zuzustimmen. Trotz aller Entspannung im Umgang ist die Sorge, durch die Veröffentlichung Diskriminierung und andere Nachteile erleiden zu müssen, bei vielen Menschen mit HIV und Aids groß oft vor dem Hintergrund schlechter Erfahrungen. Nach wie vor gilt: Für Sympathie, Akzeptanz und Toleranz zu kämpfen ist und bleibt ein zentrales Anliegen von AIDS- Hilfe und ihren Bündnispartnern! Solidarität ist angebracht! Biografie-Projekt»Lebenswege«Text: Yvonne Hochtritt Seit einiger Zeit geht es wieder häufiger durch die Medien: Die Zahl der Neuinfektionen ist deutschlandweit auf einem hohen Niveau. HIV und Aids sind wieder Thema. Aber wer sind die Menschen hinter den Zahlen? Wie geht man oder frau mit der Mitteilung eines positiven Testergebnisses um? Wie reagieren die Familie, die Freunde, die Kollegen? Wovon leben sie, wenn sie nicht mehr arbeiten können? Wie hat das Virus ihr Leben verändert? Wovon träumen sie, was wünschen sie sich für die Zukunft und welche Botschaft haben sie für uns? Hinter jeder Zahl im HIV-/Aids-Melderegister verbirgt sich ein ganz individuelles Schicksal. Seit September 2006 gibt es deshalb die»lebenswege- Aktion«der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle sammeln die Biografien von Menschen mit HIV und Aids in Düsseldorf. Die Düsseldorfer Fotografin Anne-Marie von Sarosdy hat HIV-positive Frauen und Männer fotografiert. Ihre Porträts zeigen Menschen gezeichnet von ihrem Leben. Aber auch, und vielleicht auch gerade deshalb, mit viel positiver Lebensenergie. Die Biografien machen deutlich, wie unterschiedlich das Leben mit HIV und Aids sein kann: Zukunftsoptimismus und Verzweiflung, Akzeptanz und Ausgrenzung, voll integriertes Leben in der Gesellschaft, einschließlich des Jobs sowie Einsamkeit und Armut. Dies sind Themen in den erzählten Lebensgeschichten. Gemeinsamkeiten aller Erzählungen sind die große Verantwortung, das Virus nicht weiterzugeben, und der Wunsch, dass Menschen mit HIV und Aids anerkannt und akzeptiert werden. Dieses Anliegen unterstützen wir! Tun Sie es bitte auch! Lebenswege ist ein Projekt der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. Projektverantwortlich ist Yvonne Hochtritt, Telefon 0211/ Die Aktion»Lebenswege«wird fortgeführt. Langfristig sind eine Ausstellung sowie ein Begleitbuch über Menschen mit HIV und Aids in Düsseldorf geplant. Möchten Sie unser Projekt unterstützen? Dann sprechen Sie mit uns. Vielen Dank. Für ihre kostenlose Unterstützung bei der Realisation des Projekts bedanken wir uns ganz herzlich bei: Anne-Marie von Sarosdy, Hanneli Hahn, Susanne Creutz, Grieger Düsseldorf, HSL Digital, HSL Fachlabor, Kodak und natürlich bei allen Betroffenen. Ohne ihr Engagement und ihre Offenheit könnte»lebenswege«nicht realisiert werden. Im :info werden wir einige der Biografien veröffentlichen. :info #

6 Titelthema Solidarität Ich wünschte, es würde ein Heilmittel gefunden! Kathy 1961 in Köln geboren, Floristin, heute Rentnerin. Ledig und heterosexuell. Früher war ich auf Drogen und habe mir Heroin gespritzt. Damit gehörte ich einer sogenannten Risikogruppe an. Meinen ersten HIV-Test habe ich anonym im Gesundheitsamt gemacht. Der war negativ, genauso wie weitere Tests, die ich im Rahmen von Entgiftungen gemacht habe fiel der HIV-Test dann positiv aus. Ich habe mich an unsauberen Spritzen angesteckt. Meine Partner und gute Freunde sind über meine Infektion informiert. Ich habe im privaten Bereich keine Ablehnung erfahren, dafür aber im beruflichen. Meinen Arbeitgeber habe ich nach meinem positiven Testergebnis sofort informiert und der hat es dann seinerseits den Kollegen erzählt. Diese hatten Angst, sich mit mir eine Toilette zu teilen oder das gleiche Geschirr zu benutzen. Das habe ich nicht ausgehalten und so kam es zu einer Kündigung im gegenseitigen Einvernehmen. Fast alles hat sich geändert. Ich bin nicht mehr so leistungsfähig. Ich kann leider nicht mehr arbeiten. Der Tag ist kürzer, weil ich nicht mehr so viel schaffe bzw. für vieles länger brauche. Ich kämpfe mit körperlichen und psychischen Nebenwirkungen. Die Krankheit bedingt viele Termine, Besuche bei Ärzten, Labortermine und Aufenthalte im Krankenhaus. Ich lebe von einer kleinen Rente und bekomme ergänzend die sogenannte Grundsicherung. Damit stehen mir im Monat 345 Euro zur Verfügung. Dies schränkt meine Lebensqualität und auch die Möglichkeiten gesunder Ernährung sehr ein. Ich lebe heute viel bewusster. Dinge, die mir früher selbstverständlich waren, erfahre ich heute als kostbar und wertvoll. Auch intensiver, weil es ja das letzte Mal sein könnte. Sex habe ich grundsätzlich nur noch mit Kondom. Die Erkrankung drückt mir aber auf die Libido, sodass Sex mir nicht mehr so wichtig ist. Die Krankheit wirkt sich auch auf meine Psyche aus. Meine seelische Verfassung ist nicht immer gut und ich leide an Depressionen, die sich auch auf meine Partnerschaft auswirken. Manchmal fehlt mir die Kraft, gegen die Krankheit anzukämpfen. Ich wünschte, es würde ein Heilmittel gefunden! Seit ich die Kombitherapie nehme, habe ich nicht mehr so viel Panik, dass sich mein Gesundheitszustand rapide verschlechtern wird. Privat gibt es auch Momente ohne HIV und Aids, die Krankheit ist im Hintergrund, aber immer präsent. Ärzte erlebe ich häufig als schlecht informiert und mit wenig Grundwissen ausgestattet. Da kommen auch mal verletzende Äußerungen wie:»ich behandle Sie nur als letzte Patientin. Danach muss ich ja die Praxis desinfizieren.«zum Glück gibt es in Düsseldorf einige Fachärzte. Dort fühle ich mich gut behandelt. Ich wünsche mir, dass Ärzte auf ihre Patienten mehr ganzheitlich eingehen. Ich wünschte, es gäbe für Frauen bessere Medikamente, sie sind bisher nicht ausreichend getestet. Ich engagiere mich in der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. Ich möchte damit etwas Wichtiges und Sinnvolles tun. Ich gehe offen mit meiner Erkrankung um und stelle mich Schulklassen und Gruppen für Gespräche zur Verfügung. Ich möchte dazu beitragen, Neuinfektionen zu verhindern! Die AIDS-Hilfe Düsseldorf hat mir sehr geholfen, die Mitarbeiter haben mich beraten und mir einen Substitutionsplatz vermittelt. Die Sozialberatung half mir, meinen Rentenanspruch durchzusetzen, und im Loft-Café treffe ich andere Betroffene zum Austausch. Das gibt mir Kraft und ich finde Unterstützung. Einen neuen Partner habe ich auch gefunden. In den Anfangsjahren war der Gedanke an den Tod präsenter. Heute denke ich eher an den Weg dorthin. Ich habe Angst, irgendwann austherapiert zu sein oder vor Siechtum. Religionen bieten mir keine Hilfe, ich finde im Glauben keine Kraft. Die Gesellschaft sollte verinnerlichen, dass HIV und Aids jeden treffen können. Nicht nur Risikogruppen. Die Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit HIV und Aids muss aufhören! Text: Kathy Foto: Anne-Marie von Sarosdy aus dem Biografie-Projekt»Lebenswege«6 :info #1 2007

7 :info aktuell Text: Heike Gröper, Yvonne Hochtritt Fotos: Harald Schüll Stein-Spender gesucht Anlässlich der documenta IX 1992 hatte der Künstler Tom Fecht Steine mit den Namen von an Aids verstorbenen Menschen versehen und diese an öffentlichen Plätzen eingelassen, um damit Räume der Erinnerungen als eine zeitgenössische Form des Denkmals zu schaffen.»namen und Steine«besteht aus einer größeren Anzahl von Steinen, die zuvor als Pflastersteine zur Befestigung von Straßen und Wegen dienten. Präsentiert werden diese Steine als künstlerische Installation, eingelassen in Straßen und Plätze. Seither hat das Projekt in der Öffentlichkeit eine erhebliche Wahrnehmung erfahren. Seit 1992 wurden etwa Steine in über 20 Städten Europas dauerhaft installiert. Seit Oktober 2000 gibt es auch einen»denkraum«in Düsseldorf. Die Installation heißt»dreizeiler II«und wurde auf dem Burgplatz oberhalb der Freitreppe realisiert. Die Form des Dreizeilers entsteht aus drei Streifen Großpflaster in einem Messingwinkel, ca. 60 cm breit und 20 Meter lang. In der Installation liegen bereits zahlreiche Steine mit den Namen Düsseldorfer Bürger und Bürgerinnen sowie einiger Prominenter, die an den Folgen von Aids verstorben sind. Der Installationsort gewährleistet eine große Öffentlichkeit. Im Gegensatz zu dem sonst oft verschwiegenen und ignorierten Sterben an Aids wird hier veröffentlicht und ein Gedenkraum mitten im Leben geschaffen. Ein deutlich sichtbares Zeichen für Akzeptanz, Toleranz und Sympathie im Herzen von Düsseldorf erfolgte eine Erweiterung. Freunde und Angehörige eines an Aids Verstorbenen konnten einen Stein stiften. Auf Wunsch wurde der Name des Verstorbenen von Tom Fecht in den Stein graviert. Nun denkt die AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. darüber nach, eine Erweiterung in diesem Sommer durchzuführen. Für die Herstellung und Installation eines Steins ist eine Spende von 150, Euro erforderlich. Eine Spendenquittung stellen wir gerne aus. Ein Teil des Geldes wird für die Bearbeitung des Steines investiert, der restliche Betrag kommt Projekten für Menschen mit HIV und Aids zugute. Da mit der Erweiterung nicht nur die Bearbeitung der Steine, sondern auch erhebliche bauliche Maßnahmen verbunden sind, ist die Durchführung erst ab 10 Steinbestellungen möglich. Möchten Sie einen Namensstein spenden? Sie können auch gerne eine Patenschaft übernehmen. Dann wird die AIDS- Hilfe den Stein mit einem Namen versehen. Bitte melden Sie sich bis 30. April bei Heike Gröper Telefon 02 11/ oder Anzeige Wir suchen, ab sofort, examiniertes Krankenpflegepersonal (auch AltenpflegerInnen) zur ambulanten Versorgung junger Schwerstkranker im Rahmen von Früh- und Spättouren sowie von Beatmungspatienten im Tag- und Nachtdienst Entsprechende Schulungen werden garantiert. Bitte melden Sie sich umgehend bei Elke Leuchtenberg/Stephan Gottesleben Tel: 02 11/ :info #

8 :info aktuell Lücken in der Versorgung von schwerstpflegebedürftigen Menschen mit HIV und Aids endlich schließen! Menschen, die mit dem HI-Virus leben, haben ein hohes Risiko, so schwer zu erkranken, dass sie nicht mehr alleine für sich sorgen können. Besonders HIV-Positive, die schon sehr lange mit einer Aids-Diagnose leben, haben zunehmend auch psychiatrische Krankheiten. Die Folgen sind Sprachund Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen, Psychosen und Beeinträchtigungen des Gedächtnisses bis hin zur Demenz. Wenn die Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst oder betreutes Wohnen nicht mehr sichergestellt werden kann, bleibt meistens nur der Weg in eine stationäre Einrichtung. Gerade in Regionen mit schlechter sozialer Infrastruktur werden schwerstpflegebedürftige Aids-Patienten dann mangels anderer Alternativen in Altenheimen oder psychiatrischen Kliniken untergebracht, die für ihre Versorgung ungeeignet sind. Mit Unterstützung der modernen antiretroviralen Therapie werden viele HIV-Positive heute immer älter: 1989 war nur etwa ein Viertel von ihnen über 40 Jahre alt, 2006 war es mehr als die Hälfte. Sie haben andere Bedürfnisse als alte Menschen. Menschen mit HIV und Aids fühlen sich in Altenheimen und Psychiatrien ins Abseits abgeschoben und vergessen. In ganz Deutschland gibt es nur etwa ein halbes Dutzend stationärer Einrichtungen, die ihre Leistungen speziell für jüngere schwerstpflegebedürftige Bewohner anbieten. Im Vordergrund stehen nicht nur die Pflege, sondern individuelle Therapien für eine bestmögliche Rehabilitation. So muss stationäre Pflege nicht in jedem Fall die»endstation«sein. Gerade angesichts der Zunahme jüngerer Pflegebedürftiger mit HIV und Aids sind solche Einrichtungen ein wichtiger Baustein in der Versorgung, der bisher weitgehend fehlt. Anmerkung von Peter von der Forst, Geschäftsführer der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. und Care24 PflegeService ggmbh Diese Meldung des Netzwerkes Plus e.v. gibt genau das wieder, was wir in der psychosozialen Beratung der AIDS- Hilfe, im Betreuten Wohnen und in der Pflege bei Care24 erleben. Wir haben uns daher seit Jahren darum bemüht, eine den Bedürfnissen und Notlagen der schwerkranken Aids- Patienten entsprechende Versorgungskette aufzubauen. Ein Baustein, den wir für dringend erforderlich halten, ist das Gruppenwohnen für Schwerstkranke, in dem die Betroffenen auch dann eigenständig und selbstbestimmt leben können, wenn ihr Versorgungs- und Pflegebedarf sehr hoch ist. Anders als in einer stationären Einrichtung kann sich jeder Bewohner innerhalb der durch die Sozialversicherung refinanzierten Grenzen genau die Unterstützung hinzukaufen, die er benötigt. Leider reichen aber die refinanzierten Leistungen bei der Versorgung und Pflege Schwerstkranker nicht aus. Soziale und menschliche Begegnung, um (die häufige) Vereinsamung zu lindern, der hohe Organisationsaufwand, um Pflege zu ermöglichen, wenn kein soziales Umfeld sich kümmern will, und die Fahrzeiten sind oft nicht ausreichend oder überhaupt nicht refinanziert! Wir hoffen, das Gruppenwohnen für Schwerstkranke im kommenden Jahr realisieren zu können. Quelle: Netzwerk Plus e.v, Die AIDS-Hilfe hat eine neue Organisationsstruktur Seit 1. Januar 2007 rücken die AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v. und Care24 PflegeService ggmbh zwar nicht räumlich, aber organisatorisch näher aneinander: Das neue Leitungsteam ist geschaffen und kommt zweimal monatlich zusammen. Es besteht aus den Geschäftsführern der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v., Peter von der Forst und von Care24 PflegeService ggmbh, Elke Leuchtenberg. Hinzu kommen die Bereichsleitungen der einzelnen Abteilungen: Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising: Yvonne Hochtritt Prävention: Helmut Kiolbassa Beratung und Unterstützung: Klaus Bleymehl Betreutes Wohnen: Bernadette von Loë Pflege: Stephan Gottesleben Versorgung und Betreuung: Gerd Vogtmann Die neue Struktur soll die Geschäftsführungen entlasten sowie den wesentlichen Arbeitsbereichen von AIDS-Hilfe und Care24 in der Weiterentwicklung der Einrichtungen Gewicht geben. Der Umzug beider Einrichtungen in ein gemeinsames Haus ist ein weiterer wichtiger Schritt, der zurzeit aber Mangels geeigneter und bezahlbarer Räume scheitert. Wer passende Räumlichkeiten kennt, wendet sich bitte an Peter von der Forst Telefon 02 11/ oder Elke Leuchtenberg Telefon 02 11/ :info #1 2007

9 :info aktuell Großer Unterstützer reduziert Zahlungen in 2007: Pflege und Beratung brauchen Spenden! Text: Peter von der Forst Ein wichtiger Unterstützer und Großspender muss aufgrund eigener Schwierigkeiten seine Zahlungen von insgesamt Euro in den letzten Jahren auf Euro in 2007 reduzieren. Mit Euro aus diesen Spendengeldern wurden in den letzten Jahren die Pflegeleistungen für Aids-Patienten getragen, die nicht durch Krankenkassen oder andere Kostenträger refinanziert werden konnten. Wenn kranke Menschen kein unterstützendes soziales Umfeld wie Familie oder Freundeskreis haben, benötigen sie für viele Tätigkeiten wie Einkaufen, Putzen, Kochen, Waschen, Körperpflege, Kontakt zu anderen Menschen Unterstützung. Darüber hinaus trägt die zunehmende Armut an Aids erkrankter Menschen dazu bei, dass zumeist erst bürokratische Hürden gemeinsam mit den Betroffenen genommen werden müssen, um überhaupt Pflege leisten zu können. Vieles wird nicht ausreichend oder gar nicht refinanziert. Längere Anfahrten werden ohnehin nicht ausreichend vergütet. Mit einem weiteren Teil der nun gekürzten Gelder wurde die nicht öffentlich geförderte psychologische Beratung für Menschen mit HIV und Aids teilfinanziert. Gerade die Krisenintervention für neu infizierte oder gerade erkrankte Menschen ist ein besonders wichtiger Teil dieser Arbeit. Hier ist unser Förderkreis HEARTBREAKER in die Bresche gesprungen und übernimmt für das laufende Jahr die ausgefallenen Gelder in Höhe von Euro. Allerdings werden andere Projekte zunächst zurückstehen müssen. Wir benötigen dringen Spenden, um weiterhin Spezialpflege sowie Psychologische Beratung für Menschen mit HIV und Aids im notwendigen Umfang anbieten zu können. Sie wollen uns hierbei unterstützen? Das ist ganz einfach! Spenden Sie bitte unter Angabe der Stichworte Pflege oder Psychologische Beratung auf das Konto der AIDS-Hilfe Düsseldorf e.v bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank Düsseldorf, BLZ Vielen Dank! Spenden an die AIDS-Hilfe sind steuerlich absetzbar. Mannesmann-Auflage zugunsten Beratungsstelle Die 10. große Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Düsseldorf hat über die Aufteilung der Geldauflagen im»mannesmann-verfahren«entschieden Euro gehen gemeinnützigen Zwecken zu. Über Briefe waren bei Gericht eingangen. Auch die Düsseldorfer AIDS-Hilfe hatte sich beworben. Und sie wurde erhört : Euro gehen an die Beratungsstelle. :info #

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