Der Markt der Gesundheit. Daten, Fakten, Trends

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1 Der Markt der Gesundheit Daten, Fakten, Trends

2 Inhalt Gesundheitswesen S 1 Prävention S 8 Medizinische Versorgung S 11 Selbstmedikation S 16 Sanfte Medizin S 20 Pharmaindustrie S 22 Life-Science S 26 Augenoptik S 30 Informationsverhalten S 31 Werbemarkt S 35 Mediaplanung S 39 Anhang S 45 Zukunftstrend Gesundheit International guter Ruf Reformbewusstsein wächst Entlastung der Krankenkassen Arzneimittelindustrie fordert Paradigmenwechsel Kostanstieg gefährdet Sparerfolg Reformvorschläge der PKV Aus akut wird chronisch Prävention wird immer wichriger Disease-Management-Programme Strukturwandel bei Kliniken Private Häuser machen Gewinn Alles auf eine Karte ehealth sorgt für Wachstum Zuerst zum Hausarzt Rezeptfrei gut beraten Selbstmedikation nimmt zu Werbung und Apotheker beraten Alte Hausrezepte wieder gefragt Schlank und gesund Viele wollen natürlich geheilt werden Pfl anzliche Heilmittel ohne Rezept Ganzheitliche Ansätze Wachstum durch Innovation Positive Halbjahresbilanz Teure Forschung Vorsprung durch Forschung Generika generieren Wachstum Hoffnungsträger Life-Science Deutschland Spitze in Europa Exportschlager Medizintechnik Jeder Zweite trägt Brille Wachstumsimpulse durch die innovative Brille nach Maß Vielfalt bei Gesundheitsmedien Transparenz schafft Vertrauen Apotheken werden (inter)aktiv Online-Versandhandel wächst Werbefreudige Branche Global Player dominieren den Werbemarkt Gesunder Werbemarkt im Aufwärtstrend Werbung in unterschiedlichen Dareichungsformen Hohes Interesse an Medizinthemen in Medien Publikumszeitschriften werden intensiv genutzt Effektiv durch Crossmedia FOCUS Gesundheit: Fundierte Fakten im TV schaffen Vertrauen Übersicht Markt-Media-Studien Verbände und Institutionen der Branche Quickfi nder Download sowie Branchen-Infos und Werbeinvestitionen unter

3 Vorwort Gesundheit Bitte bleiben Sie gesund! Dieser Slogan eines Pharmaunternehmens ist ein guter Wunsch, den alle Beteiligten im Gesundheitswesen sofort unterschreiben würden insbesondere wohl die Politik. Sie muss mit entsprechenden Maßnahmen dafür sorgen, dass Gesundheit auch in Zukunft bezahlbar bleibt. Ein Kern dieser Anstrengungen ist folglich auch das Gesundbleiben, die Prävention, die nachhaltig gefördert werden soll. Das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) soll seit Anfang 2004 erst einmal zu einer Entlastung der Solidargemeinschaft führen. Praxisgebühr, höhere Zuzahlungen bei Medikamenten und Einschränkungen bei der Erstattung von Medikamentenkosten gehören inzwischen zum Alltag der Versicherten. Probleme stellen zur Zeit wachsende Arzneimittelkosten dar. Die Pharmaindustrie verweist auf hohe Investitionen in die Forschung. Gerade die intensive Forschung bringt den Pharmaunternehmen bei der deutschen Bevölkerung ein hohes Ansehen. Das Bewusstsein, für seine Gesundheit selbst verantwortlich zu sein, wächst weiter. Die Verbraucher sind immer besser informiert, was zum Teil auch das Ergebnis eines riesigen Medienangebots in diesem Markt ist. Medizinischer Fortschritt, das Wissen um die richtige Vorbeugung und ein wachsender Markt an gesundheitsnahen Dienstleistungen machen Gesundheit zu einem Megatrend, der unsere Zukunft nachhaltig bestimmen wird. Die FOCUS-Marktanalyse beleuchtet die komplexen Entwicklungen in einem der wichtigsten Märkte unserer Wirtschaft. Dabei sind große Bereiche wie Krankenversicherungen, Prävention und Pharmaindustrie ebenso berücksichtigt wie kleinere Segmente, wie z.b. die Medizintechnik, die aktuell durch innovative Produkte einen Wachstumsboom erlebt. Neuauflage, November 2005

4 Gesundheitswesen Hauptsache gesund! Gesundheit rückt als entscheidende Voraussetzung für Lebensqualität immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses. Einer der Gründe hierfür ist die steigende Lebenser war tung der Bundesbürger. Das Gesundheits bewusst sein wächst und mit ihm die Ansprüche der Menschen an die Qualität der medizinischen Versorgung. In den Industrienationen gibt die Bevölkerung so viel wie nie zuvor für ihre Gesundheit aus und der Gesundheitsmarkt wird in Zukunft weiter wachsen. Steigende Ausgaben für die medizinische Versorgung und die schwie ri ge Situation der Krankenkassen erhöhen den Druck auf die Politik, aber auch auf Gesundheitsmanager in Kliniken und Kassen so wie niedergelassene Ärzte. Kein anderer Markt ist derzeit von solchen Umwälzungen gekennzeichnet. Weltweite Ausgaben für Arzneimittel* (in Mrd. US-Dollar) *Umsatz zu Herstellerabgabepreisen im Apothekenmarkt Quelle: IMS Health, Verband forschender Arneimittelhersteller (VFA) Dampfmaschine, Textilindustrie Basisinnovationen und gesellschaftlicher Bedarf 6 Kondratieffwellen Eisenbahn, Stahl Elektrotechnik, Chemie Automobil, Petrochemie Informationstechnik ges_01 Biotechnologie, Psychosoziale Gesundheit Zukunftstrend Gesundheit Bekleidung Massentransport Massenkonsum individuelle Mobilität Information, Kommunikation Ganzheitliche Gesundheit Die hohe Bedeutung des Gesundheitsmarktes macht ein einfacher Vergleich deutlich: Schon heu te wird in diesem Markt mehr umgesetzt als in der gesamten Automobilbranche. Der Megatrend Gesundheit entfaltet enorme Produktionsschü be. Seit Jahren rollt die Fitness- und Wellnesswelle. Die Menschen leben und ernähren sich bewusster. Der Zukunftsforscher Leo A. Nefiodow geht davon aus, dass der Gesundheitsmarkt die Informationstechnik als langfristige Wachstumslokomotive ablöst. Der renommierte Wissenschaftler stützt sich bei seinen Thesen auf die Theorie der langen Wellen, der so genannten Kondratieffzyklen. Charakteristisch für den neuen Zyklus sind laut Nefiodow alle Produkte und Verfahren, die der Verbesserung der ganzheit lichen Gesundheit des Menschen dienen. Prävention, alternative Heilmethoden und Psycho -Disziplinen gewinnen dabei an Be deutung. Das Volumen der Sektoren Gesundheit und Biotechnologie schätzt Nefi odow höher ein als jeden anderen Kondratieff Kondratieff 3. Kondratieff 4. Kondratieff XX Quelle: Leo A. Nefiodow: Der sechste Kondratieff, Sankt Augustin, 2001 (aus portfolio international, Ausgabe 3, April 2005) Andere Berufe im Gesundheitswesen 5. Kondratieff Beschäftigte im Gesundheitswesen nach Berufen (in %) Gesundheitsfachberufe 2) Zahl der Beschäftigten 2003 gesamt: Tsd. 34 Soziale Berufe (z.b. Altenpfleger) Kondratieff Ärzte, Zahnärzte, Apotheker ges_02 1) Z.B. Arzthelfer, Heilpraktiker, Krankenpfleger 2) Z.B. Optiker, Zahntechniker, Gesundheitstechniker Quelle: Statistisches Bundesamt ges_ Übrige Gesundheitsdienstberufe 1) 1

5 Gesundheitswesen potenziellen Wachstumsmarkt. Gesundheit wird zum Träger neuer Wertschöpfungsketten und als Netz neuer Produkte, Dienstleistungen, Verfahren und Technologien immer wichtiger für unsere Wirtschaft werden. Jobmaschine Gesundheit Rund 4,2 Mio. Menschen waren 2003 in der Gesundheitsbranche tätig. Das entspricht einem Anteil von elf Prozent an allen Berufstätigen in Deutschland. Ständig entstehen im Gesundheitsmarkt neue Arbeitsplätze, die nicht immer leicht besetzt werden können. Schon spricht man von einem Personalnotstand. Mit dazu bei trägt das eher unattraktive Image der Branche: hohe Belastungen, niedrige Vergütung und begrenzte Aufstiegschan cen schrecken so manchen ab. International guter Ruf Durchgreifende Reformen sind gefragt Das deutsche Gesundheitswesen stößt an seine Grenzen. Unter Gesundheitswesen versteht man die Gesamtheit der vom Staat geschaffenen Einrichtungen zur Erhaltung und Förderung oder Wiederherstellung der Gesundheit der Bevölkerung. Reformen des staatlichen Gesundheitswesens, das sich zum allergrößten Teil durch Zwangsbeiträge zu den gesetzlichen Kassen fi nanziert, sind inzwischen unvermeidbar. Darüber besteht ein breiter gesellschaftlicher und politischer Konsens. Nur über den Weg herrschen grundlegend unterschiedliche Auffassungen. Klar ist jedoch: Ein Versorgungsparadies, in dem nur der bloße Bedarf zählt und es keine wirtschaftlichen Restriktionen gibt, lässt sich in Zeiten knapper Kassen nicht mehr fi nanzieren. Ein Rundum- Sorglos-Paket für die Versicherten führt zwangsläufi g zu einer überhöhten Nutzung. Die Besonderheit des deutschen Gesundheitswesens ist es, dass Ange bot und Nachfrage keinen Ausgleich über den Preis fi nden. An bieter verstehen sich darauf, die Nachfrage selbst zu schaffen. So krankt das deutsche System nach Ansicht der Sachverständigen am Nebeneinander von Über-, Unter- und Fehlver sor gung. Die bürokratische Verwaltung des Gesundheitswesens verschlingt enorme Summen, die den eigentlichen Gesundheitsdienstleistungen zwangsläufi g entzo gen werden müssen. Auch nach der letzten Reform des Gesund h eitswesens beurteilen 46 Prozent der Deutschen laut Emnid-Befragung das Kosten-Leistungs-Verhältnis des deut schen Gesundheitssystems mit sehr oder eher schlecht. Kein anderes Gesundheitssystem der Welt kennt eine so breite und qualitativ hochwertige Versorgung wie das deutsche. Die Gesundheitsversorgung ist hierzulande allen zugänglich und basiert auf dem modernsten Stand der Medizintechnik. Lange Wartezeiten sind eher die Ausnahme. Mit gesundem Selbstbewusstsein fordern die Versicher ten in Deutschland hohe medizinische Leistungen ein. Bei ihrer Gesundheit achten sie auf Qualität und Effizienz. Auch als Standort für pharmazeutische Unternehmen hat med in Germany weltweit einen guten Ruf. Dazu tragen ständige Qualitätsverbesserungen bei. Die medizinische Forschung schreitet permanent voran. Innovative Ge sundheitsprodukte und Dienstleistungen bieten große wirtschaftliche Chancen. Bislang ungeahnte Möglichkeiten eröffnen die Entwicklungen in der Gen- und Biotechnologie. Die Verbesserung der Qualität in der medizinischen Versorgung ist auch eines der Ziele der Gesundheitsreform. Um die Effizienz und Innovationsfreude gleichermaßen zu sichern, müssen im Gesundheitssystem Patient, Wettbewerb und Forschung stärker im Vordergrund stehen. Institut zur Verbesserung der Qualität und Wirtschaftlichkeit soll Transparenz schaffen Angesichts des schnell wachsenden medizinischen Wissens und einer riesigen Fülle von Publikationen und Studien brauchen Mediziner gesicherte Fakten. Sie müssen stets auf dem neuesten Stand erfahren, was machbar, sinnvoll und erfolgsversprechend ist. Die Patienten wiederum benötigen allgemein verständ liche Informationen zu Therapien, um ihre Kompetenz in eigener Sache zu stärken. Im Februar 2005 hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen in Köln seine Arbeit aufgenommen. Es soll künftig den Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen, Medizinern und Patienten mehr Aufklärung über die Wirksamkeit verschiedener Medikamente und Therapien bieten. Das neue wissenschaftliche Institut hat die Aufgabe, aus den zahlreichen, nicht selten von Sonderinteressen der Industrie beeinfl ussten Informationen und Angeboten, valide Standards zu ermitteln und auf dem neuesten Stand zu halten. Die Entscheidungsbefugnis über die Aufnahme von neuen Angeboten verbleibt allerdings beim Ausschuss von Krankenhäusern und Ärzten. 2

6 Gesundheitswesen Lieber solidarisch versichert 85 Prozent der Bevölkerung befürworten laut Gesundheitsmonitor der Bertelsmann-Stiftung die solidarische Krankenversicherung. 40 Prozent sind für die umfassende Absicherung und gemeinsame Finanzierung aller Krankheitsrisiken. 45 Prozent sind der Meinung, dass die Absicherung in Form einer umfassenden Grundsicherung von allen gemeinsam getragen werden sollte. Nur 15 Prozent sprechen sich für eine vollständige private Absicherung aller Krankheitsrisiken aus. Dementsprechend trifft eine Politik, die immer mehr Leistungen aus der gesetzlichen Kranken versicherung ausschließen will, auf wenig Akzeptanz. Der Fortschritt in der Medizin soll nach Auffassung der meisten Bürger allen zugute kommen und von den Krankenkassen fi nanziert wer den. Das ist ei nes der Ergebnisse einer repräsentativen Delphi-Studie des Pharma-Unternehmens Janssen- Cilag Mehr Eigenleistung im Gesundheitswesen... nach Parteiensympathie (in %) Gesamt, Jahre Prioritätenliste Gesundheitspolitik aus Sicht der Bürger Finanzielle Belastung der Patienten senken Finanzielle Belastung der Beitragszahler senken Qualität der medizinischen Versorgung erhöhen Einsatz neuartiger Behandlungsverfahren fördern Lohnnebenkosten senken Gesundheitsbewusstes Verhalten fördern Gleicher Zugang zu medizinischer Versorgung Bessere Informationen über Qualität Mitsprache der Patienten stärken Mehr Wahlmöglichkeiten für die Versicherten Frage: Welche Ziele sollten in der Gesundheitspolitik in den kommenden Jahren an oberster Stelle stehen? Quelle: Janssen-Cilag-Zukunftsarbeit (Ärzte Zeitung v )... sind nötig und ich bin auch bereit, diese selbst mitzutragen... sind nötig, aber ich bin nicht bereit, diese selbst mitzutragen ges_04 CDU/CSU Reformbewusstsein wächst SPD Bündnis 90/Grüne Fast jeder weiß, dass es Einschnitte im sozialen System geben muss. Das Bewusstsein ist also vorhanden, aber nur wenige möchten selbst davon betroffen sein. Nach Inkrafttreten der letzten Gesundheitsreform nahm der Anteil derjenigen, die bereit sind, persönliche Opfer für die Gesundheit zu bringen, laut Communication Networks (CN) von 30 Prozent in 2004 auf 27 Prozent in diesem Jahr ab. Mehr als jeder zweite 14- bis 69-Jährige glaubt, dass zur Sanierung unseres Gesundheitswesens mehr Eigenleistungen der Versicherten notwendig sind. Nur etwas mehr als die Hälfte ist bereit, diese Einschnitte auch persönlich mitzutragen. Je höher das Einkommen, desto stärker fällt die Zustimmung zu mehr Eigenleistungen aus. Betrachtet man diese Einstellung bezogen auf die Parteipräferenzen, so sind die Anhänger von FDP und Grünen am ehesten für eine stärkere fi nanzielle Eigenleistung. FDP PDS Quelle: Communication Networks GKV-Modernisierungsgesetz Das GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) führte zum Jahresbeginn 2004 ein Bündel von Maßnahmen zur Kostendämpfung der Ausgaben der gesetzlichen Kassen ein: - Erhöhung der Zuzahlungen der Patienten - Ausgrenzung verschreibungsfrei erhältlicher Arzneimittel aus der Erstattungsfähigkeit (mit wenigen Ausnahmen) - Erhöhung des Herstellerrabattes zu Gunsten der GKV von 6% auf 16% - Änderung der Arzneimittelpreisverordnung für Apotheken und Großhandel - Wiedereinführung der Möglichkeit, Festbeträge für Analogpräparate zu bilden - Das faktische Preismoratorium für festbetragsfreie Arzneimittel wurde bis Ende 2004 festgeschrieben ges_05 3

7 Gesundheitswesen Entlastung der Krankenkassen Zum ist das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) in Kraft getreten. Bei vielen Leistungen werden für die gesetzlich Versicherten seither Zuzahlungen fäl lig. Im Jahr 2004 zahlten die Versicherten pro Kopf rund 33 Euro für Arzneimittel dazu. Mit rund 2,3 Mrd. Euro haben die Patienten 2004 viermal so viel zugezahlt wie im Vorjahr. Durch die Ausgliederung von Leistungen, die neuen Zuzahlungen und direkte Steuerzuschüsse wurden die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) nachhaltig entlastet. Innerhalb eines Jahres wurde das Defizit der GKV in einen Überschuss von fast vier Mrd. Euro verwandelt. Ohne die Reform lägen die Beitragssätze heute statt bei durchschnittlich 14,2 Prozent bei über 15 Pro zent. Misstrauen gegenüber Politik -3,5 0,6 Jahresbilanz der GKV Defizit / Überschuss (in Mrd. EUR) 0,3 Quelle: Gesundheitsministerium / Reuters 0,3 Bewertung der Reformmodelle Bürgerversicherung vs. Kopfpauschale (in %) 51-1, Frage: Würden Ihrer Einschätzung nach die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung mit der Bürgerversicherung bzw. Kopfpauschale auf Dauer finanzierbar bleiben? 52-2,8-3,0-3,5 4,0 ges_06 Modell Bürgerversicherung Modell Kopfpauschale Jeder zweite Bundesbürger glaubt laut einer aktuellen dimap-umfrage nicht daran, dass Bürgerversicherung oder Kopfpauschale die GKV auf Dauer sanieren können. 54 Prozent der Befragten würden lieber für eine gleich gute medizinische Versorgung in Zukunft mehr bezahlen als Einschränkungen hinnehmen. Laut Gesundheitsmonitor der Bertelsmann-Stiftung glauben zwei Drittel der ge setzlich Versicherten, dass sich die Qualität der Leistungen im Gesundheitswesen in den nächsten fünf Jahren verschlechtern wird. Mehr private Vorsorge? Würde finanzierbar bleiben Würde nicht finanzierbar bleiben Quelle: dimap-studie im Auftrag der PKV (1.000 Befragte, August 2005) Für mehr private Vorsorge im Gesundheitswesen (in %) Weiß nicht, keine Angabe Frage: Wie sich das Gesundheitswesen weiter entwickeln soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Sollte Ihrer Ansicht nach der privaten Vorsorge in Zukunft ein größerer Stellenwert zukommen als heute? Weiß nicht / keine Angabe ges_07 Ein langfristig bezahlbares Gesundheitssystem braucht weitere Reformen. Hierfür sind unterschied liche Modelle in der Diskussion. Nach Ansicht einiger Gesundheitsökonomen soll die private Vorsorge ähnlich wie bei der Altersvorsorge in Zukunft einen größeren Stellenwert im staatlichen Gesundheitswesen erhalten. Eine sinn volle Möglichkeit, um Kosten zu sparen, ist eine gezielte Förderung der Gesundheit. 4 Nein 31 Quelle: dimap-studie im Auftrag der PKV (1.000 Befragte, August 2005) 65 Ja ges_08 4

8 Gesundheitswesen Mehr Bürger in die GKV? Das Solidarsystem wird nach Auffassung der meisten Bundesbürger nicht wirklich solidarisch fi nanziert. Zwei Drittel von ihnen halten es für gerechter, wenn sich künftig auch Selbstständige, Beamte und Besserverdienende gesetzlich versichern müssten. Alle Parteien wollen die Einnahmeseite der Krankenversicherung verändern und auf eine breitere Basis stellen. Dabei konkurriert das Modell Bürgerversicherung (SPD und Grüne) mit dem Modell Kopfpauschale (CDU/CSU). Welches Modell sich durchsetzt, ist bislang unklar.... oder es bleibt, wie es ist. Im aktuellen Gesundheitsmonitor der Bertelsmann- Stiftung sprechen sich zwei Drittel der deutschen Bevölkerung für das Modell der Bürgerversicherung aus. Zu abweichenden Ergebnissen kommt die dimap-umfrage im Auftrag des Verbandes der Privaten Krankenversicherungen vom August 2005: Demnach lehnt die große Mehrheit der Deutschen Kopfpauschale und Bürgerversicherung gleichermaßen ab. Stattdessen plädieren die Menschen für eine Weiterentwicklung des bestehenden Systems. Die Modelle Kopfpauschale Bei dem Modell der CDU/CSU soll jeder Bundesbürger eine Prämie von 109 Euro bezahlen, ausgenommen sind nur Kinder. Der Arbeitgeberbeitrag soll auf 6,5 Prozent eingefroren werden, was einem Arbeitgeberanteil von 60 Euro entspricht. Gesundheitskosten werden langfristig von den Lohnkosten abgekoppelt. Die Beiträge für Kinder sollen aus einem steuerfinanzierten Generationenfonds bezahlt werden. Niemand soll mehr als sieben Prozent seines Einkommens für die Prämie ausgeben. Im Einführungsjahr werden 44 Prozent der Versicherten unterstützt. Langfristig dürften bei dem CDU/CSU-Modell die Transferzahlungen an die Krankenkassen wachsen. Bürgerversicherung Die Bürgerversicherung hält an der einkommensabhängigen Beitragsbemessung fest, wie sie heute für die GKV typisch ist. Das von der SPD und den Grünen favorisierte Modell bedeutet eine Art GKV-Pfl ichtversicherung für jeden. Der soziale Einkommensausgleich wird hierbei auf eine breitere Basis gestellt durch die Einbeziehung der heute privat Versicherten, die Berücksichtigung weiterer Einkunftsarten sowie die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze auf das Niveau der Rentenversicherung. Der Grundsatz der paritätischen Finanzierung und das Prinzip der Familienmitversicherung bleibt beim Modell Bürgerversicherung erhalten. Der Nachteil dieses Modell liegt in der Umsetzung, da der Umverteilungsmechanismus sehr aufwändig ist und die Bürokratie weiter wächst. Arzneimittelindustrie fordert Paradigmenwechsel Ein klares Umdenken in der Gesundheitspolitik fordert der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI). Strategien zur Kostendämpfung setzen nach Auffassung des Verbandes die falschen Anreize. Sie bemessen die Höhe der Beiträge am Arbeitseinkommen und erhöhen die Last der Sozialabgaben. Die wiederholten Bemühungen des Gesetzgebers, die Arzneimitteltherapie zu reglementieren und zu standardisieren, sollten nach Ansicht des BPI aufgegeben werden. 5

9 Gesundheitswesen Kostenanstieg gefährdet Sparerfolg Steigende Ausgaben für Arzneien und stationäre Behandlungen lassen die Überschüsse der GKV im Vergleich zu 2004 im laufenden Jahr wieder schrumpfen. Im ersten Halbjahr 2005 sind die Ausgaben für Medikamente laut Apothekerverband ABDA um 1,86 Mrd. Euro gestiegen das entspricht einem Plus von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Betriebskrankenkassen rechnen für dieses Jahr mit einem Rekordanstieg bei den Ausgaben für Arzneimittel um 19 Prozent auf 25 Mrd. Euro. Nach Auslaufen des Preismoratoriums der Pharmaindustrie droht ein neuer Kostenschub. Der Zwangsrabatt, den die Hersteller an die Kassen abführen müssen, wurde zum 1. Januar 2005 wieder von 16 auf sechs Prozent gesenkt. Falls die Entwicklung ungebremst weitergeht, sind die durch die Gesundheitsreform erwirtschafteten Kassenüberschüsse bald wieder aufgezehrt. Bei einer anhaltend angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt könnten schon bald Beitragserhöhungen die Folge sein. Kaum Wettbewerb bei der GKV 2004 wurden rund 13,6 Mrd. Euro über den Risikostrukturausgleich zwischen den Kassen umverteilt. Die bislang günstigen Betriebskran kenkassen zahlen mit 9,1 Mrd. Euro am meisten ein und bü ßen dadurch allmählich ihren Wettbewerbsvorteil ein. Trotz der zum Teil erheblichen Beitragsunterschiede zwischen den einzelnen Orts-, Innungs- und Betriebskrankenkassen kam der Wettbewerb hier nicht recht in Gang. Nur 4,5 Prozent der Krankenversicherten haben in den letzten zwölf Mona ten innerhalb des gesetzlichen Versicherungssystem die Krankenkasse gewechselt, noch weniger (1%) sind laut TdW 05/06 in eine private Krankenkasse (PKV) übergetreten. Trotz der Wechselun willigkeit hält das Rheinisch-Westfä lische Institut für Wirtschaftsforschung teu re Krankenkassen langfristig nicht für wettbewerbsfähig. Entwicklung der Arzneimittelausgaben (in Mrd. EUR) Zuzahlung der Versicherten, Herstellerrabatte Arzneimittelausgaben der Krankenkassen 19,4 3,1 16,3 21,0 3,8 17,2 21,5 3,0 18,5 22,2 3,0 19,2 24,5 *Mit einmaligem Solidarbeitrag der Pharmaindustrie (205 Mio. EUR) **BKK-Prognose Quelle: BKK-Bundesverband 3,1 21,4 26,2 22,7 29,2 4,2 25, * ** Von privat in andere private Krankenversicherung Basis: 2,91 Mio. Personen Quelle: TdW 05/06 (Trend) 3,5 28,2 4,9 23,3 Beitragssenkungen blieben aus Wechsel der Krankenversicherung in den letzten 12 Monaten (in %) 26,1 5,1 21,0 Mit der Gesundheitsreform wurden sinkende Beiträge zur GKV in Aussicht gestellt. Bislang konnte nur ein Teil der Versicherten von den versprochenen Beitragssenkungen profitieren. Im Schnitt fi el der durchschnittliche Beitrag zur Krankenversicherung mit 14,2 Prozent marginal niedriger aus. Zum 1. Juli 2005 wurden die Beiträge lediglich um 0,9 Prozent gesenkt, um einen Ausgleich dafür zu schaffen, dass die Versicherten die Kosten für Zahnersatz und Krankengeld über einen Zusatzbeitrag alleine zahlen müssen. Bei rund 38 Millionen Versicherten blieben die Beiträ ge im letzten Jahr stabil, drei Millionen Versicherte mussten sogar Beitragserhöhungen hinnehmen, für 28 Millionen brachte die Gesundheitsreform Beitragssenkungen. Statt Beiträge zu senken, bauten die gesetzlichen Kassen ihre Schulden ab. Bis zum Ende des Jahres 2005 dürfte der Schuldenberg vollständig abgebaut sein. Da die fi nanzielle Situation einiger Krankenkassen immer noch angespannt ist, erlaubt die Bundesversicherungsanstalt einzelnen Krankenkassen keine Bei tragssenkungen. Dagegen wollen die betroffenen Krankenversicherer klagen. Von privat in gesetzliche Kasse 7,7 9,9 59,1 23,3 ges_09 Von gesetzlich in private Versicherung Von gesetzlich in andere gesetzliche Kasse ges_10 6

10 Gesundheitswesen Reformvorschläge der PKV Ginge es nach den Befürwortern der Bürgerversicherung, so würde die PKV das Geschäft mit der Vollkostenversicherung schon bald verlieren. Zwar könnten die derzeitigen Mitglieder nicht zum Wechsel in die GKV gezwungen werden, doch ohne Vollversicherungsneugeschäft würde der PKV langfristig die Grundlage entzogen. Die privaten Krankenversicherer setzen den Reformkonzepten der Politik deshalb ein eigenes Modell entgegen. Es sieht eine Koexistenz von umlagefi nanzierter gesetzlicher und kapitalgedeckter Privatvorsorge vor. Die gesetzlichen Krankenkassen würden dabei auf ihre Kernaufgaben beschränkt. Die Konsequenz: Mehr Leistungen und Menschen würden über die kapitalgedeckte PKV abgesichert werden. Durch den privat finanzierten Versicherungsschutz sollen dann zum Beispiel private Unfälle, Krankengeld und Zahnbehandlungen abgedeckt werden. Privatversicherte sorgen für das Alter vor Mehr als 16 Mio. Bürger haben in Deutschland einen privaten Krankenversicherungsvertrag entweder in Form einer Vollversicherung oder einer Zusatzversicherung. Die PKV finanziert sich nach dem Anwartschaftsdeckungsverfahren : Die Beiträge richten sich nach der versicherten Leistung und individuellen Merkmalen wie Alter und Geschlecht. Junge Gut verdienende zahlen demnach günstigere Beiträ ge. Zur Klientel der PKV zählen vor allem Beamte, Selbstständige und Frei berufler. Um einen altersbedingten Prämienanstieg zu min dern, wurden in der PKV Altersrück stellungen von fast 94 Mrd. Euro angespart. Auf alle PKV-Krankenkostentarife wird in der Vollversicherung ein 10%iger Zuschlag zur Beitragsentlastung im Alter erhoben. Zusätzlich wird seit 1992 ein Betrag von mindestens 1% der so bereits gebildeten Alters rückstellungen zur Beitragssenkung im Alter ange spart. Damit bewältigt die PKV das Problem der Bevölkerungsalterung weitaus besser aus die GKV ,3 6, Versicherungsbestand in der PKV Voll- und Zusatzversicherte seit 1991 (in Mio.) Vollversicherte Zusatzversicherte* 11,1 11,2 10,6 10,8 10,2 6, Zahl der privat Krankenversicherten (in Tsd. Personen) Vollversicherte mit Krankenhauswahlleistungen mit Krankentagegeld Zusatzversicherungen* Krankenhaustagegeld Pflegezusatzversicherung Krankenhauswahlleistungen** Ambulante und Zahnleistungen** Krankentagegeld** Auslandsreise-Krankenversicherung Pflegepflichtversicherung *Inkl. Doppelzählungen/Gruppenversicherungen **Nur gesetzlich Krankenversicherte Quelle: PKV-Verband / GDV-Jahrbuch , , ,9 7, *Inkl. Doppelnennungen/Gruppenversicherungen Quelle: PKV-Verband 13,9 13,8 12,8 7,1 7, Ende , , , , ,7 749, , , , , ,3 Verstärktes Interesse an Zusatzversicherungen Laut einer Umfrage des Emnid-Instituts vom Mai 2004 sehen 45 Prozent der GKV-Mitglieder die Notwendigkeit von privaten Kranken zusatz versicherungen. Seit zwei Jahren wächst das Interesse an Zusatz versicherungen aller Art. Die Zahl derjenigen, die in Er gänzung zur GKV eine private Krankenversi cherung abschließen möchten, erhöhte sich laut Com munica tion Networks seit 2003 um eine Million auf 2,4 Mio. Abschlusswillige im Jahr Dank der neuen Kooperationen mit den gesetzlichen Kran kenkas sen ist die Nachfrage nach ambulanten Zusatzversicherungen (ein schließ lich Zahnleistungen) im Jahr 2004 um 21% gestiegen. Insbeson dere jüngere Berufstätige, denen der Ein stieg in die private Voll versicherung auf Grund der hohen Ein kom mens hür de versperrt ist, interessieren sich für einen privaten Zusatz versiche rungs ver trag. An den ge sam ten Beitragseinnahmen der PKV ma chen die diversen selbstständigen Zusatzver sicherungs angebo te aller dings nur einen Anteil von 15% aus , ,9 7, Ende , , , , ,5 787, , , , , ,6 14,1 7, ,2 7, Veränd. In % +1,8% +0,2% +1,4% +9,9% +0,5% +5,0% +1,9% +21,3% +7,6% -0,1% +1,3% 14,7 8, ges_95 16,1 8, ges_96 7

11 Prävention Unsere Gesellschaft wird älter Verbesserte Gesundheitsvorsorge, Steigerung des Wohlstands und vor allem medizinischer Fortschritt sorgen dafür, dass wir immer länger leben. Mit dieser Entwicklung steigen gleichzeitig die Gesundheitskosten. Da die Behandlung altersbedingter Krankheiten auch in Zukunft entspechend Fort schritte machen dürfte, nimmt der Kostendruck weiter zu. Experten gehen davon aus, dass unser Gesundheitssystem in seiner jetzigen Form diesem Wandel nicht gerecht werden kann. Schon heute wird fast die Hälfte der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen für die Behandlung von Rentnern aufgewendet. Die Finanzierung des Gesundheitssystems wird zusätzlich erschwert durch den mit steigendem Lebens alter erhöhten Pflegebedarf. Dies belastet die Finanzierung des Gesundheits systems zusätzlich. Die pfl ichtversicherten Er werbs tätigten fangen mit ihren Leistungen ein jährlich durch altersbedingte Erkrankungen verursachtes Defi zit von 36 Mrd. Euro auf. Lebenserwartung steigt weiter Laut Statistischem Bundesamt ist die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland weiter angestiegen. Sie beträgt nach der Sterbetafel 2003/04 für einen neugeborenen Jungen 75,9 Jahren und für ein Mädchen 81,5 Jahre. Auch für die älteren Menschen ist die Lebenserwartung gestiegen. Nach der neuen Sterbetafel dürfen 60-jährige Männer statistisch von einer Lebens erwartung von zwanzig Jahren ausgehen. Noch aktiver sind die gleichaltrigen Frauen, für die sich im Schnitt noch 24,1 zusätzliche Lebensjahre ergeben. Experten gehen von einem weiteren Anstieg der allgemeinen Lebenserwartung aus. In zwanzig Jahren so die Prognosen der Statistiker sind 48 Prozent der Menschen in Deutschland älter als 50 Jahre. Bis zum Jahr 2050 soll die durchschnittliche Länge des Lebens um weitere sieben Jahre steigen. Aus akut wird chronisch Mit der Alterung der Gesellschaft verlagern sich die Krankheitsbilder von akuten zu chronischen Erkrankungen. Zwei Drittel aller Todesfälle sind heute auf chronische Krankheiten zurückzuführen. Auch der Anteil der Vielfach-Erkrankungen nimmt zu. Der Anteil der Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden ist im Alter erwartungsgemäß höher er liegt laut Statistischem Bundesamt bei älteren Frauen mit 21,2 Prozent etwas höher als bei älteren Männern (19,5 Prozent). Angesichts der demographischen Entwicklung wird es immer wichtiger, dass die Gesellschaft gesund altert. Viele Alterskrankheiten las sen sich durch frühzeitiges Vorbeugen vermeiden. Mit dem Alter wächst das Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise: So fühlen sich immerhin 80 Prozent der Senioren ab 60 Jahren gesund Jahre Quelle: TdW 05/06 Krankheitsvorbeugendes Verhalten nach Altersstufen (in %) Ich bin sehr darauf bedacht, durch mein Verhalten und meine Lebensweise Krankheiten vorzubeugen (Zustimmung: Auspr. 5/6) Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre + ges_12 8

12 Prävention Das Prinzip Selbstverantwortung Das Bewusstsein der Menschen für die eigene Ge sundheit nimmt zu. Laut Gong-Studie Selbstme dikation 2005 achten 47 Prozent der Befragten heu te mehr auf ihre Gesundheit als noch vor zwei Jahren. Wellness, Fitness und gesunde Ernährung liegen seit Jahren im Trend. Gesund heitsdienstleistungen werden immer mehr nachgefragt. Laut Typologie der Wünsche 05/06 zählt fast jeder zweite Bundesbürger ab 14 Jahren zu den Gesund heitsvorbeugern, die sich selbstverantwortlich um den Erhalt ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit kümmern. Rund jeder fünfte Deutsche be treibt gezielt Prävention, er beugt also rechtzeitig vor, um gar nicht erst krank zu werden. Frauen sind dabei grundsätzlich engagierter als Männer, die in diesem Bereich als Problemgruppe gelten und ärztliche Vorsorgeleistungen deutlich weniger wahrnehmen als Frauen. Die Ausnahme bilden gutverdienende Männer in Führungspositionen: Sie tun einiges, um fi t und leistungsstark zu bleiben. Überwiegend Ich fühle mich für meine Gesundheit selbst verantwortlich (Zustimmung in %) 32,1 Maßnahmen zum Gesundheitserhalt (in %) Ich bin darauf bedacht, durch mein Verhalten und meine Lebensweise Krankheiten vorzubeugen Ich achte auch bei ganz alltäglichen Dingen auf meine Gesundheit Weniger 4,3 1 Quelle: Stern TrendProfile Gesundheitsreform, März 2005 Überhaupt nicht 14,9 12,8 62,6 Voll und ganz 21,8 36,7 20,8 33,6 ges_13 Ich betreibe aktive Gesundheitsvorsorge, um meine Leistungsfähigkeit zu erhalten 8,9 15,9 24,8 Prävention wird immer wichtiger Ich versuche, durch vorbeugende Präparate meine Gesundheit zu erhalten 8,3 14,7 23,0 Trifft voll und ganz zu Trifft zu Die meisten Menschen wissen, dass sie durch eine gesundheitsbewusste Lebensführung aktiv Einfl uss auf ihr eigenes Wohlbefi nden und damit ihre Lebensqualität nehmen können. Dieses Bewusstsein möchte die Bundesregierung mit dem Gesetz zur gesundheitlichen Prävention weiter stärken und ausbauen. Durch gezielte Gesundheitsförderung und Prävention lassen sich immerhin bis zu 30 Prozent der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen einsparen. Daher fordern Poli tiker und Funktionäre einen Einstellungswandel zu Gunsten der Prävention. Ärzte-Präsident Jörg- Dietrich Hoppe geht sogar noch wei ter und regte an, dass die Krankenkassen die Kosten für Arzneimittel für jene nicht mehr übernehmen sollten, die ihre Krankheit durch eine Änderung der Lebensgewohnheiten selbst in den Griff bekommen Quelle: TdW 05/06 / Basis: Bevölkerung ab 14 Jahre (64,89 Mio.) 47,3 Gesundheitsvorsorgendes Verhalten* nach persönlichem Einkommen (Anteil in %) 39,9 Kein eigenes Einkommen Frauen (33,71 Mio.) Männer (31,18 Mio.) 54,4 43,5 Bis EUR 60,0 44, bis EUR 61,9 *Statements: Ich versuche, durch vorbeugende Präparate meine Gesundheit möglichst zu erhalten ; Ich bin sehr darauf bedacht, durch mein Verhalten/meine Lebensweise Krankheiten vorzubeugen ; Ich betreibe aktive Gesundheitsvorsorge, um meine Leistungsfähigkeit zu erhalten Zustimmung zu mindestens einer Aussage (Auspr. 5/6 auf 6er-Skala) Quelle: TdW 05/06 48,9 Über EUR ges_14 ges_15 9

13 Prävention könnten. Neben dieser schwerlich durchsetzbaren Anregung geht es aktuell vor allem darum, wie man aktiv vorsorgende Pa tienten für ihre Eigenleistung belohnen kann. Bonussysteme der Krankenkassen sind gute Bei spiele hierfür. Vor allem die gesetzlichen Krankenkassen sind in Sachen Prävention engagiert. Pro Versicherte gaben sie im letzten Jahr durchschnittlich zwei Euro für die primäre Prävention aus. 1,7 Mio. Menschen nahmen laut Präventions bericht der GKV in 2004 an Rückenschule, Ernährungskursen und anderen Maßnahmen teil. Die Teilnehmer sind dabei überwiegend weiblich und zwischen 30 und 59 Jahre alt. Eher selten erreichen Präventionsangebote Menschen mit ge ringem Einkommen. Gesetz zur Stärkung der Prävention Mit dem Gesetz zur Stärkung der gesundheitlichen Prävention wurde der Grundstein für den Ausbau der Prävention zu einer eigenständigen Säule des Gesundheitssystems gelegt. Mit diesem Gesetz verfolgt die Bundesregierung den Weg einer vo rausschauenden und nachhaltigen Gesundheitspolitik, um die Ge sund heit zu fördern und chronischen Krankheiten vorzubeugen, erklärte die zuständige Ministerin Ulla Schmidt. Das Anfang Februar 2005 verabschiedete Gesetz gilt als das wichtigste politische Vorhaben der Gesundheitsministerin. Durch die Förderung von Früherkennung und mit Aufklärungskampagnen sollen weit verbreitete Krankheiten vermieden werden. Stärker als bisher sollten Prävention und Gesundheitsförderung als gemeinsame Aufgabe angesehen werden, an deren Finanzierung sich die Sozialversicherung mit 250 Mio. Euro jährlich beteiligt. Prävention soll direkt im Lebensumfeld der Menschen verankert werden. Gesundheitsförderung setzt in den Kindergärten und Schulen, in den Betrieben und im kommunalen Bereich an. Lediglich vier Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben werden aktuell für Prävention und Ge sundheitsförderung ausgegeben. In unserem tra ditionell auf das Heilen von Krankheiten ausgerichteten System fehlen nach Ansicht von Experten bislang noch einheitliche Strategien zur Vermeidung bestimmter Volkskrankheiten. Disease-Management-Programme Für einen Qualitätsschub sollen so genannte Disease-Management-Programme (DMP) sorgen. Die AOK hat bei der Umsetzung von DMP eine Vorreiterrolle übernommen. Bei DMP handelt es sich um strukturierte Behandlungsprogramme, die dazu beitragen sollen, die medizinische Versorgung von chronisch Kranken zu verbessern. Denn im internationalen Vergleich ist die Betreuung der Langzeitkranken in Deutschland nicht optimal organisiert. Inzwischen gibt es DMP für Diabetes mellitus, für Brustkrebs und koronare Herzkrankheit. Das Programm für Asthma und chronische Atemwegserkrankungen befindet sich in Vorberei tung. DMP müssen gesetzlich festgelegten Qualitätskriterien entsprechen. Über Krankenhäuser beteiligen sich aktuell an einzelnen DMP. Über eine Million Versicherte nahmen bereits an den ersten DMP teil. 10

14 Medizinische Versorgung Schneller raus aus dem Krankenhaus Versorgungssystem aus Sicht der Patienten Jeder dritte Euro aus den Pflichtbeiträgen der GKV wird für die stationäre Behandlung der Patienten in Krankenhäusern ausgegeben. Im letzten Jahr erhöhten sich die Kosten hierfür auf 47,6 Mrd. Euro wurden laut Statistischem Bundesamt 16,7 Mio. Patienten stationär behandelt, 3,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Zur Kostendämpfung wurde eine Festpreisregelung für die Behandlung bestimmter Krankheiten eingeführt. Sämtliche ärzt lichen und pfl egerischen Leistungen werden nun mit Pauschalen abgegolten. Der Effekt ist, dass die durchschnittliche Dauer des Krankenhausaufenthaltes gesunken ist. Die Zahl der Betten ist mit 528 Tsd. in Krankenhäusern (Stand: Ende 2004) jedoch weiterhin zu hoch. Der höchste Kostenfaktor in den Kliniken ist mit 60 bis 70 Prozent das Personal und das, obwohl Ärzte im Krankenhaus hierzulande deutlich weniger verdienen als ihre Kollegen in anderen Ländern. In den Tarifverhandlungen im Herbst dieses Jahres fordern die Krankenhausärzte denn auch eine kräftige Gehaltserhöhung von 30 Prozent. Strukturwandel bei Kliniken Ämter Beratungsstellen Selbsthilfegruppen Krankenhausbehandlung Ärztliche Leistungen Ärzte Patienten Krankenhäuser Ausgabenentwicklung der GKV (in Mrd. EUR) Arzneimittel Heil- und Hilfsmittel Übrige Leistungen Verwaltungskosten u.ä. 9,3 9,3 8,2 9,3 8,6 8,8 22,3 24,3 23,0 23,4 24,2 21,8 33,1 31,3 30,4 Pflegedienste ges_16 46,2 46,8 47,6 2002: 143,6 Mrd. EUR 2003: 144,5 Mrd. EUR 2004: 139,9 Mrd. EUR Quelle: BMGS/VFA / 2004: vorläufige Werte ges_17 Der Anteil der öffentlichen Krankenhäuser an al len Kliniken in Deutschland liegt bei 36 Prozent, der der frei gemeinnützigen Häuser bei 38 Prozent. Vie le Kliniken arbeiten defi zitär. Inzwischen wird der notwendige Inves titionsbedarf bei staatlichen und gemein nützigen Kliniken auf rund 50 Mrd. Eu ro geschätzt. Nach Auffassung des Wirtschaftsfor schungsinsti tuts RWI werden rund 250 der deutschen Krankenhäuser in den nächsten fünf Jahren schlie ßen müssen. Der Gesundheitsökonom Karl Lauterbach zeichnet für den kommunalen Kranken haus sektor ebenfalls ein wenig optimistisches Bild: Nach sei ner Auffassung wird jedes vierte Krankenhaus in den kommenden zehn Jahren seine Eigenständig keit verlieren oder ganz vom Markt verschwinden. Erhöhter Einsatz moderner Technik Bedingt durch den medizinischen Fortschritt führen immer aufwän digere Verfahren zu kontinuierlich steigenden Kosten im Kran kenhausbetrieb. Dank innovativer Materialien und Methoden in der Medizintechnik gehört der Einsatz von künstlichen Hüftgelenken und Bandscheiben in modernen Kliniken zum Standardprogramm. Weltweit an der Spitze stehen die Deutschen bei der Nutzung von Herzkathetern. Moderne Medizintechnik ist jedoch nicht nur Kostentreiber, ihr Einsatz bewirkt mehr Produktivität. Der Fokus liegt auf prozessunterstützenden medizinischen Diagnose-Geräten. Während die Zahl konventioneller Röntgenuntersuchungen rückläufi g ist, werden häufi ger Tomographie-Geräte eingesetzt. Durch die Straffung von Prozessen, den schnellen Durchlauf von Patienten und die verbesserte IT-Technik gelingt es den Kliniken, erhebliche Kosten einzusparen. Die Digitalisierungswelle in Krankenhäusern und Praxen hat gerade erst begonnen. Die Informationstechnologie wird hier schnell weiter wachsen. 11

15 Medizinische Versorgung Private Häuser machen Gewinn Während öffentliche und gemeinnützige Krankenhäuser mit Verlusten zu kämpfen haben, erzielen private Klinikbetreiber stattliche Gewinne. Ihr Anteil am Krankenhausmarkt ist im Jahr 2004 auf 26 Prozent gestiegen. Finanzkräftige Investoren kau fen in der Regel mehrere Krankenhäuser bevorzugt in Ballungszentren und nutzen dann konsequent alle Einsparpotenziale. Die vier großen privaten Betreiber (Helios, Asklepios, Rhön und Sana) besitzen aktuell zusammen bereits 145 Kliniken. Nach Ansicht von Experten werden in Zukunft vor allem Zentren mit spezialisierter Diagnostik entstehen, Krankenhäuser mit Allround- Versorgung werden an Bedeutung verlieren. Tu Gutes und rede darüber! Helios Asklepios Rhön Sana Eigene Kliniken Quelle: Der Spiegel (Nr. 38 v ) Krankenhauskonzerne im Jahr 2004 Zahl der Betten ,55 Vernetzungsmöglichkeiten durch die Gesundheitskarte Umsatz (in Mrd. EUR) 1,16 1,10 1,04 ges_18 Öffentliche und gemeinnützige Krankenhäuser müs sen auf Grund ihrer angespannten Finanzlage lernen, ihre Leistungen durch ein gezieltes Marketing zu kommunizieren. Seit 2005 ist die Vorlage eines Qualitätsberichts für Kliniken erstmals gesetzlich vorgeschrieben. Ein fundiertes, überprüfbares Qualitätsmanagement ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg im zunehmenden Wettbewerb. Inzwischen verstehen es immer mehr Krankenhäuser, ihre Leistungen öffentlichkeitwirksam in Szene zu setzen. Ein wich tiger Kommunikationskanal ist dabei heute das Internet. Denn immer mehr Patienten informieren sich auf diesem Weg vorab über Kliniken, die für sie in Frage kommen. Alles auf eine Karte Die elektronische Gesundheitskarte, auf der alle Patientendaten (personenbezogene Daten, Befunde, Untersuchungen, Rezepte etc.) gespeichert werden sollen, wird den Gesundheitsmarkt der Zukunft bestimmen. Derzeit laufen Pilotprojekte. Die deutschlandweite Einführung ist für das Hausarzt Heilberufler Facharzt Zahnarzt Apotheker Quelle: Bundesministerium für Gesundheit und soziale Sicherung (Grafik: Holger Grobusch / Foto: ddp) Im Gespräch zwischen Patient und Arzt stehen alle gespeicherten Daten zur Verfügung Patient ist Herr seiner Daten Während die heutigen Chipkarten nur über einen einfachen Datenspeicher verfügen, kommen in der neuen Gesundheitskarte so genannte Smartcards mit hochleistungsfähigen Mikrochips zum Einsatz. Pfl ichtinformationen auf der Karte sind per sonenbezoge ne Daten: Name, Adresse, Geburtsdatum, das Bild des Versicherten sowie der Versichertennachweis für Be hand lungen und Zuzahlungsstatus. Freiwillig ist der Zugang zu persönlichen medizinischen Daten wie Arzneimitteldokumen tation, Notfalldaten, elektronischer Patientenakte mit allen Diagnosen, Therapien und Impfungen. Nach Ablauf einer Übergangsfrist sollen Patienten die Gesundheitskarte auch für die Rezeptübermittlung an die Apotheke nutzen. Eine Arzneimitteldokumentation soll helfen, die parallele Einnahme unverträglicher Medikamente auszuschließen. Ärzte und Apothe ker müssen sich mit Hilfe eines elektronischen Heilberufe-Ausweises bei der Nutzung des Systems authentifi zieren. Durch den doppelt gesicherten Zugang soll verhindert werden, dass Außenstehende auf die sensiblen medizinischen Daten zugreifen können. ges_19 12

16 Medizinische Versorgung Jahr 2007 geplant. Dabei handelt es sich um ein hoch ambitioniertes IT-Projekt: 80 Mio. Versicherte müssen mit der neuen Chipkarte ausgestattet werden. Für das System müssen niedergelassene Ärzte und Zahnärzte, Apotheken, Krankenhäuser und alle Krankenkassen elektronisch vernetzt werden. Die Krankenkassen wird die Gesundheitskarte rund eine Milliarde Euro kosten; für Krankenhäuser, Arztpraxen und andere Gesundheitseinrichtungen entstehen Kosten in ähnlicher Höhe. Doch das durch diese technische Innovation erwartete Einsparpoten - zial ist groß: Es liegt bei über 300 Mio. Euro jährlich. Trotz aller Vorteile äußern Datenschützer Bedenken. Sie sehen sensible Gesundheitsdaten gefährdet, da hoch vertrauliche Daten zentral gespeichert werden. Da der Speicherplatz auf der Chipkarte allein nicht ausreicht, sollen die Patienteninformationen zusätzlich auf verschiedenen Servern hinterlegt werden. Das wiederum stellt IT-Techniker vor neue Herausforderungen. Unter allen Beteiligten herrscht noch kein Konsens über die konkrete Umsetzung. Gerne würden die Krankenkassen die komplette Verwaltung der Daten übernehmen, um das Einsparpotenzial der Technik voll ausschöpfen zu können. Die Ärzteschaft ist von dieser Vorstellung wenig begeistert. Elektronische Patientenakte Elektronischer Arztbrief Elektronische Überweisung Elektronisches Rezept Patienteninformations-Systeme Elektronische Gesundheitskarte Health Professional Card Elektronische Gesundheitsakte* Nutzen von elektronischen Health-Lösungen (in %) Telemedizin-Portal Patienten-Monitoring-Systeme *In Kontrolle des Patienten Basis: Niedergelassene Ärzte Quelle: Studie Monitoring ehealth Deutschland 2005/06 von Wegweiser GmbH, Berlin Sehr hoch Hoch ges_20 ehealth sorgt für Wachstum Die Berliner Wegweiser GmbH hat in der Studie Monitoring ehealth 2005/06 gemeinsam mit dem Fraunhofer IAO rund Investitionsentscheider im Gesundheitswesen zum Einsatz von elektronischen Systemen befragt. Als wichtigs tes Ergebnis zeigt sich ein deutlicher Bedeutungszuwachs für ehealth und steigende Investitionsbereitschaft in die IT in allen Bereichen des Gesundheitswesens in den nächsten drei Jahren. Mehr als 60 Prozent der niedergelassenen Ärzte sind vom hohen Nutzen der elektronischen Informationssysteme überzeugt. Ärzte, Apotheker und Krankenhäuser versprechen sich von der Vernetzung mehr Effi zienz und Transparenz. Visionen vom total vernetzten Krankenhaus Die Vernetzung von Gesundheitsdaten zu einem großen Datenpool, auf den Kliniken und Ärzte zugreifen können, ist ein wichtiger Schritt zu mehr Produktivität in der stationären und ambulanten Behandlung. So ließen sich bei der Betreuung von Patienten zu Hause durch vernetzte Datensysteme bis zu 30% der Krankenhauskosten sparen. Führende Unternehmen der Medizintechnik wie General Electric und Siemens treiben seit geraumer Zeit die Vision eines integrierten Krankenhauses voran, in dem alle Bereiche vernetzt sind. Kernstück ist bei diesem innovativen Konzept die elektronische Patientenakte, auf der alle medizinischen und organisatorischen Informationen gespeichert werden. Von der Aufnahme des Patienten bis zur Entlassung aus dem Kran kenhaus sollen nicht nur Diagnosen und Röntgenbilder für alle abrufbar sein, sondern auch Informationen über die Belegung des Krankenhauszimmers und die Rechnungsstellung. Zur Steuerung dient eine einheitliche Software, die auch in der Materialwirtschaft eingesetzt wird. Bei der Umsetzung will Siemens Medical Solution vom Know-how der Telekommunikationssparte Siemens Com profi tieren. 13

17 Medizinische Versorgung Zuerst zum Hausarzt Arztbesuche pro Kopf und Jahr Deutsche konsultieren häufi ger einen Arzt als Bür ger anderer Industrienationen. Neun von zehn Patienten haben laut Wido-Monitor 2005 einen Hausarzt, den sie in der Regel bei Beschwerden auch zuerst aufsuchen. Das Vertrauen zum Arzt spielt für sie eine besonders große Rolle. Eine Einschränkung der freien Arztwahl würden die Bun desbürger nach den Ergebnissen einer dimap- Umfrage nur dann akzeptieren, wenn die Versicherungsbeiträge dadurch auch gleichzeitig drastisch sinken. 2,9 5,0 5,4 5,8 6,7 7,7 9,1 9,7 Patienten haben sich an die Praxisgebühr gewöhnt Schweden Dänemark Quelle: BASYS (Die Zeit) Frankreich Niederlande Österreich Schweiz Deutschland Belgien ges_21 Die Zahlung von zehn Euro pro Quartal für den Arztbesuch hat die GKV-Versicherten insgesamt 2,2 Milliarden Euro gekostet. Inzwischen haben die Patienten die Praxisgebühr akzeptiert. Im zweiten Quartal 2005 besuchten vier Prozent mehr Patienten die Arztpraxen als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Bei den Fachärzten gab es nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung durchschnittlich ein Plus von fünf Prozent, Hausärzte verzeichneten zwei Prozent mehr Patienten. Allerdings versuchen die Versicherten, Arztbesuche so effizient zu organisieren, dass unnötige Zahlungen vermieden werden. Die Position des Hausarztes wurde gestärkt Die Praxisgebühr hat den Hausarzt in seiner zentralen Funktion gestärkt. Fast 84 Prozent der vom Wido-Institut der Ortskassen Befragten gaben an, sie hätten sich von ihrem Hausarzt an Fachärzte überweisen lassen. Leicht gesunken ist die Zahl der Patienten, die direkt zum Facharzt gehen. Damit sind die Krankenkassen dem Ziel näher gekommen, den Hausarzt zum Lotsen im Reaktion der Verbraucher auf die Gesundheitsreform (in %) Arztbesuche Gehe genauso oft zum Arzt wie früher Gehe genauso oft wie früher, überlege aber genau wann Gehe weniger oft zum Arzt, aber öfter in die Apotheke Gehe seltener zum Arzt und nicht öfter in die Apotheke Kauf rezeptfreier Medikamente Kaufe sie weiterhin, wenn ich sie benötige Habe den Kauf gegen günstigere Medikamente ersetzt Habe den Kauf ersatzlos gestrichen Sparen an anderer Stelle Spare bei anderen Gesundheitsprodukten Senke den Verbrauch, verbrauche Restbestände Verschreibung durch den Arzt Mein Arzt verschreibt mir Medikamente, die die Kasse bezahlt Mein Arzt hat mir ein Privatrezept ausgestellt Frage: Durch die Gesundheitsreform ist ja nicht nur die Praxisgebühr eingeführt worden, sondern der Verbraucher muss bestimmte Arzneimittel, die die Krankenkasse bisher bezahlt hatte, jetzt selbst bezahlen. Wie haben Sie bzw. Ihr Arzt darauf reagiert? Quelle: Gong-Studie Selbstmedikation 2005 / Basis: 426 gesetzlich Versicherte ges_22 14

18 Medizinische Versorgung Gesundheitssystem zu machen. Die Barmer Ersatz kasse kreierte ein interessantes Hausarztund Apothekenmodell. Ihre rund sieben Mio. Krankenversicherten können seit Frühjahr 2005 bis zu 30 Euro Praxisgebühr sparen, wenn sie sich verpfl ichten, den Hausarzt stets zuerst aufzusuchen. Die im Rahmen dessen ausgewählte Hausapotheke führt bei diesem Modell eine Liste aller erworbenen Arzneimittel und kontaktiert den Hausarzt, falls die Gefahr riskanter Wechselwirkungen besteht. Rezeptfrei gut beraten Verschreibungspraxis der Ärzte steht in der Kritik Zwischen Kassen und Ärzten ist ein Streit um explodierende Arzneimittelkosten entbrannt. Die Verschreibungspraxis wird dabei heftig kritisiert. Bis zum Jahr 2001 wurden Verschreibungen durch vereinbarte Höchstkosten bei Arzneimittelbudgets in Grenzen gehalten, bei Überschreitungen wurden die Honorare gekürzt. Weitere Instrumente zum Sparen fi elen den Konsensverhandlungen zum Opfer. Seitdem werden wieder mehr teure Arzneien von den Medizinern verordnet. Das Interesse der Patienten an der Verordnung eines kostengünstigen Medikaments ist gering. Der Unterschied zwischen einem Generikum und einem teuren Originalpräparat ist den Verbrauchern nicht bewusst. Nach Ansicht von Marktbeobachtern könnten auch Pseudo-Innovationen der Pharmaindustrie maßgeblich zum aktuellen Anstieg der Ausgaben der Krankenversicherer beitragen. Seit 2004 müssen die Patienten rezeptfreie Mittel aus eigener Tasche bezahlen. Die Ärzte verschreiben deshalb deutlich öfter teure Medikamente anstelle der rezeptfreien wahrscheinlich um die Geldbörse ihrer Patienten zu schonen. 47 Prozent der Patienten sagen ihrem Arzt laut einer Studie von Cap Gemini, welches Mittel sie verschrieben haben möchten. Bei rezeptfreien Medikamenten ist der Arzt für seine Patienten wiederum ein wichtiger Ratgeber. 28 Prozent der Befragten gaben in der Gong-Studie Selbstmedikation 2005 an, dass der Arzt ihnen ein rezeptfreies Medikament zum Kauf empfohlen habe. Umsatzwachstum mit IGel optimal wünschenswert nützlich sinnvoll notwendig ausreichend zweckmäßig wirtschaftlich Abgrenzung von Kassen- und Privatmedizin Schmerzfreiheit Lebenserhaltung Privatbehandlung im Krankheitsfall Kassenmedizin Lebensqualität Quelle: MedWell Gesundheits-AG Der zweite Gesundheitsmarkt Heilung Linderung Sicherheit Wohlbefinden Behandlungsintensität Behandlungsanlass Privatmedizin Individuelle Gesundheitsleistungen (IGEL) maximale Sicherheit Komfort Fitness Schönheit ges_23 Individuelle Gesundheitsleistungen (IGel) sind medizinische Angebote, die nicht Bestandteil des GKV-Leistungskatalogs sind. Dabei handelt es sich z.b. um zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen oder Labortests, die vom Patienten zur eigenen Sicherheit on top gewünscht werden. Die IGel- Liste der kassenärztlichen Bundesvereinigung umfasst aktuell über 70 verschiedene Angebote. Immer mehr Ärzte entdecken die IGel als zusätzliche Einnahmequelle für sich und bieten sie den Patienten als Service an. So steigt der Anteil der privat fi nanzierten Leistungen in der ambulanten Versorgung. Experten glauben, dass ihr Anteil bis 2010 bei 30 Prozent liegen wird, eine Vervierfachung gegenüber dem Jahr GKV- und privat finanzierte Leistungen in der ambulanten Versorgung* (Prognose bis 2010) GKV Privat 48 Mrd. EUR GKV 90% Privat 10% *Ärztliche Leistungen, Arzneimittel, Heilmittel Quelle: MedWell Gesundheits-AG Der zweite Gesundheitsmarkt 84 Mrd. EUR GKV 70% Privat 30% ges_24 15

19 Selbstmedikation Selbstmedikation nimmt zu Weltweit ist der OTC-Markt (OTC= over the counter) im Aufwind und verzeichnete im letzten Jahr ein Plus von vier Prozent. Hierzulande entfallen rund 14 Prozent des Arzneimittelumsatzes auf die Selbstmedikation. Mit OTC-Medikamenten wurden im Jahr 2004 laut Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) 4,63 Mrd. Euro umgesetzt 8,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz der Apotheken mit OTC-Produkten legte um zehn Prozent auf 4,34 Mrd. Euro zu. Laut GfK gaben die Deutschen in 2004 pro Kopf rund 53 Euro für den Kauf von rezeptfreien Medikamenten in der Apotheke aus, zehn Prozent mehr als Die Ratgeberfunktion der Apotheker ist nach der Gesundheitsreform noch wichtiger geworden. Bereits 10,6 Mio. Menschen lassen sich mittlerweile lieber in der Apotheke beraten, als sofort einen Arzt aufzusuchen (Quelle: TdW 05/06). Im Durchschnitt haben sich die Mitglieder der GKV in den letzten zwölf Monaten 4,9 Mal ein rezeptfreies Medikament in der Apotheke gekauft, ohne vorher einen Arzt zu konsultieren. Wenn ich mich mal nicht wohl fühle, versuche ich meistens mit Medikamenten, die ich ohne Rezept in der Apotheke bekomme, etwas dagegen zu tun dieser Aussage stimmen in der aktuellen TdW 05/06 gleichermaßen 37 Prozent Frauen und Männer zu. Entwicklung: Deutscher Arzneimittelmarkt Ärzteverordnungen / Selbstmedikation Ärzteverordnungen (in Mrd. EUR) Verordnete rezeptfreie Arzneimittel Rezeptpflichtige Arzneimittel 29,85 2,81 27, Quelle: BAH / IMS HEALTH ,26 1,54 26, Selbstmedikation (in Mrd. EUR) Selbstmedikation außerhalb der Apotheke Selbstmedikation in der Apotheke 4,26 0,31 3, Mehr Selbstmedikation bei Bagatellerkrankungen (in %) ,63 0,29 4, ges_25 Frage: Gehen Sie auch wegen einer Kleinigkeit generell zum Arzt oder besorgen Sie sich in diesem Fall lieber selbst Medikamente? Ich besorge mir selbst Medikamente Unentschieden Ich gehe generell zum Arzt Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach (Apotheken Umschau 11/04) ges_26 Leicht erkrankt leicht geheilt Leichte Erkrankungen wie Kopfschmerzen und Er kältungen werden am häufigsten mit rezeptfrei erhältlichen Mitteln aus der Apotheke bekämpft. Die gefragtesten Mittel bei Schmerzen und Erkältung heißen Aspirin, ACC akut, Grippostad, Nasi vin, Thomapyrin und Paracetamol (TdW 05/06). Etwa jeder Zehnte greift zumindest gelegentlich zu Mitteln gegen Zahnschmerzen, Magenbe schwer den, Herz-Kreislaufstörungen und Schlafstörungen. Nutzung von rezeptfrei erhältlichen Mitteln nach Indikationsbereichen (Top 15, in %) Häufig/gelegentlich: Kopfschmerzen, Migräne Husten Schnupfen Halsschmerzen Rückenschmerzen Rheumaschmerzen 15,8 Zahnschmerzen 10,5 Magenbeschwerden 10,3 Schlafstörungen 8,8 Herz-/Kreislaufstörungen 8,8 Erschöpfung 8,4 Durchblutungsstörungen 6,9 Blähungen 6,6 Tagesnervosität 6,5 Darmträgheit 6,5 Quelle: TdW 05/06 (Trend) / Basis: Gesamtbevölkerung ab 14 Jahre (64,89 Mio.) 22,5 25,0 31,6 29,3 29,3 ges_27 16

20 Selbstmedikation Im Jahr 2004 erhöhte sich der Selbstmedikationsumsatz mit Husten- und Erkältungsmitteln nach den Berechnungen von IMS HEALTH um sieben Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro. Danach folgt der Indikationsbereich Magen und Verdauung mit rund 600 Mio. Euro und einem Plus von neun Prozent. Auf die dritte Position abgerutscht sind Schmerzmittel, bei denen die Umsätze leicht zurückgingen. Den höchsten Zuwachs gab es im letzten Jahr bei den Herz-, Kreislauf- und Venenmitteln hier zogen die Umsätze um 26 Prozent an. Zu den Verlierern 2004 zählen die Gruppen Tonika, Geriatrika und Knoblauchpräparate. Auch der Preis zählt Beruhigung und Schlaf Haut-/ Schleimhäute, Wundheilmittel *Zu Endverbraucherpreisen Quelle: BAH / IMS HEALTH Umsatzstärkste Indikationsbereiche der Selbstmedikation 2004 (in %) Selbstmedikation* in Apotheken, Drogerie- und Verbrauchermärkten 2004: Mio. EUR Tonika, Geriatrika Herz-, Kreislauf-, Venenmittel 8 Alle anderen Rheuma- und Muskelschmerz Vitamine und Mineralstoffe Husten- und Erkältungsmittel 13 Schmerzmittel Magen und Verdauung ges_28 Laut der Gong-Studie Selbstmedikation 2005 sind die Bundesbürger beim Kauf rezeptfreier Arzneimittel preissensibler geworden. 27 Prozent der Befragten ziehen günstigere Präparate vergleichbaren teureren vor. Fast jeder Zweite versucht, bei anderen Gesundheitsprodukten zu sparen. Apothekenpflichtige Arzneimittel sind zwar in 2004 von der Preisbindung befreit worden. Unter den Apothekern ist jedoch kein Preiskampf entbrannt. Der durchschnittliche Preis für ein Selbstmedikationspräparat aus der Apotheke ist 2004 im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent auf 7,48 Euro gestiegen. Dagegen ist der durchschnittliche Packungspreis für freiverkäufl iche Mittel in Droge rie- und Verbrauchermärkten um neun Prozent auf 3,34 Euro gesunken. Werbung und Apotheker beraten Quelle: BAH / IMS HEALTH Selbstmedikation nach Bereichen Veränderungsrate 2004 zum Vorjahr (in %) Herz-, Kreislauf-, Venenmittel Haut-/Schleimhäute, Wundheilm. Magen und Verdauung Beruhigung und Schlaf Rheuma- und Muskelschmerz Husten- und Erkältungsmittel Vitamine und Mineralstoffe Schmerzmittel Tonika, Geriatrika (inkl. Knoblauch) Alle anderen Wertmäßiger Marktzuwachs Kriterien bei der Entscheidung für OTC-Präparate Top-Boxes* 2005 (in %) Wird vom Arzt empfohlen Hat wenig Nebenwirkungen ges_ Bei OTC-Präparaten spielt das Vertrauen in die Marke eine große Rolle. Wer einmal gute Erfahrungen mit einem Medikament gemacht hat, bleibt in der Regel dabei. Große, stark beworbene Top- Marken sind gegenüber No-Name-Produkten angesichts der unübersichtlichen Fülle des Angebots im Vorteil. Sie erlangen beim Patienten die größere Aufmerksamkeit. Wichtig bei der Entscheidung für ein Medikament ist immer auch der Rat des Apothekers. Schnelle, zuverlässige Wirkung Habe gute Erfahrungen damit gemacht Ist leicht, einfach anzuwenden Bietet verständliche Informationen Wird vom Arzt verschrieben Wird vom Apotheker empfohlen Produkt auf pflanzlicher, natürlicher Basis Ist ein altbewährtes Medikament Frage: Welche Kriterien spielen bei der Entscheidung zu Gunsten frei verkäuflicher Arzneimittel eine Rolle? *Top-Boxes: 510 Befragte, die auf einer 5er-Skala die drei höchsten Werte vergeben haben Quelle: Gong-Studie Selbstmedikation 2005 ges_

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