Sicher im Netz. Ein Blended-Learning-Kurs zum Jugendmedienschutz. Dagmar Missal, Bettina Sieding, Jörg Westhoff

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1 Sicher im Netz Ein Blended-Learning-Kurs zum Jugendmedienschutz Dagmar Missal, Bettina Sieding, Jörg Westhoff

2 Die Medienberatung NRW ist ein gemeinsames Angebot des LVR-Zentrums für Medien und Bildung und des LWL-Medienzentrums für Westfalen im Auftrag des Landes NRW und der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe.

3 Impressum Herausgeber Medienberatung NRW Bertha-von-Suttner-Platz Düsseldorf T F Hotline T Fotos Nicole Pientka, LVR-Zentrum für Medien und Bildung (Titel) Stefan Arendt, LVR-Zentrum für Medien und Bildung (Seite 14, 27, 48) Stephan Sagurna, LWL-Medienzentrum für Westfalen (Seite 10, 16, 22, 36, 43, 53, 58, 64) Gestaltung Druckerei Vereinigte Verlagsanstalten GmbH, 1. Auflage 2009 Die Medienberatung NRW ist ein gemeinsames Angebot des LVR-Zentrums für Medien und Bildung und des LWL-Medienzentrums für Westfalen im Auftrag des Landes NRW und der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe.

4 Sicher im Netz Ein Blended-Learning-Kurs zum Jugendmedienschutz Dagmar Missal, Bettina Sieding, Jörg Westhoff

5 Vorwort Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben mit unserem Blended-Learning-Qualifizierungsangebot zu Fragen der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen sehr gute Erfahrungen gemacht ein genau strukturierter Kurs mit vielfältigen Aufgabenstellungen und abwechslungsreicher Methodik ist zwar anstrengend, macht aber auch sehr viel Spaß. Wolfgang Vaupel, Geschäftsführer der Medienberatung NRW Blended-Learning also die Kombination von Lernangeboten in Präsenzphasen und über eine Internet-Plattform ist effektiv, man lernt inhaltlich sehr viel, lernt neue Methoden kennen und anwenden und spart deutlich Reisezeit und Reisekosten. Bei dem Thema Jugendmedienschutz ist es unerlässlich, diejenigen Medien in der Fortbildung zu nutzen und kennen zu lernen, über deren Gefahrenpotenzial man sich schlau machen will. Wir haben deshalb aufgeschrieben, was Sie wissen und beachten müssen, wenn Sie sich in diese neue Form des Beratens und Fortbildens einarbeiten wollen. Unsere Schrift enthält alle Aufgaben und die Beschreibung der Werkzeuge, die Sie für die Durchführung eines eigenen Kurses benötigen. Für Multiplikatoren, Lehrerinnen und Lehrer können Sie mit Hilfe dieser Materialien einen eigenen Kurs einrichten. Die Aufgaben können ebenso für andere Zielgruppen, beispielsweise Eltern, Schülerinnen und Schüler, adaptiert werden. Hierzu finden Sie weiterführende Hinweise jeweils am Ende der einzelnen Kapitel. Nachmachen ist also ausdrücklich erwünscht. Wir wünschen Ihnen eine intensive Auseinandersetzung mit der Thematik und würden uns über eine Rückmeldung Ihrer Erfahrungen freuen. Ich danke den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Pilotkurses Andreas Bahde, Bernd Baumgart, Bruno Tuchscherer, Christine McCready, Dirk Thiede, Egon Nießen, Erhard Klose, Georg Kuhlmann, Günter Piela, Henning Probst, Lothar Palm, Martin Niekämper, Raimund Radermacher, Reimar Gaebler, Richard Kröger, Silke Herrenbrück, Stefan Huppertz, Stephanie Morawietz und Wolfgang Unkelbach herzlich für ihre engagierte Mitarbeit und ganz herzlich Dagmar Missal und Jörg Westhoff aus dem Team der Medienberatung NRW für die vorliegende Broschüre. Vor allem danke ich Bettina Sieding für die ausführliche und kompetente Vorbereitung und Gestal tung des Blended-Learning-Kurses, die zuverlässige Betreuung der Gruppe und die Mitarbeit an dieser Schrift. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre! Herzlichst, Ihr Wolfgang Vaupel

6 Sicher im Netz Ein Blended-Learning-Kurs zum Jugendmedienschutz 1. Blended Learning Was ist das? Definition Plattform und Werkzeuge 9 2. Konzeption einer Blended-Learning-Fortbildung Planung Ablauf des Pilotkurses Übertragbarkeit auf andere Zielgruppen Themenwochen der Blended-Learning-Fortbildung Auftakt Wir lernen uns kennen Präsenzveranstaltung Einführung Vorstellungsrunde Wer bin ich und wer sind die anderen? Übertragbarkeit auf die Schule Chatten ist cool aber wer sitzt auf der anderen Seite? Wochenaufgabe Musterlösung Übertragbarkeit auf die Schule Lesehinweise zur Vertiefung Instant Messaging fast wie unterhalten Wochenaufgabe Musterlösung Übertragbarkeit auf die Schule Lesehinweise zur Vertiefung Wie viel Ich darf ins Netz? Soziale Netzwerke Wochenaufgabe Musterlösung Übertragbarkeit auf die Schule Lesehinweise zur Vertiefung 35

7 3.5. Alles so schön bunt hier Werbeformen im Internet Wochenaufgabe Musterlösung Übertragbarkeit auf die Schule Lesehinweise zur Vertiefung Das lade ich mir runter... Videoportale Wochenaufgabe Musterlösung Übertragbarkeit auf die Schule Lesehinweise zur Vertiefung Das Handy der ständige Begleiter Wochenaufgabe Musterlösung Übertragbarkeit auf die Schule Lesehinweise zur Vertiefung Das kann teuer werden Kostenfallen im Internet Wochenaufgabe Musterlösung Übertragbarkeit auf die Schule Lesehinweise zur Vertiefung Note 3,7 und jetzt? Bewertungen im Internet Wochenaufgabe Musterlösung Übertragbarkeit auf die Schule Abschluss Wir sind off Literatur 66

8 Medienberatung NRW > Ein Blended-Learning-Kurs zum Jugendmedienschutz 1. Blended Learning Was ist das? 1.1. Definition Blended Learning wird als eine Kombination aus einem Online- und Präsenzlernangebot verstanden, bei dem nicht die Technik, sondern die Schaffung einer Umgebung für individuelle und sowohl zeitlich als auch räumlich flexible Arbeitsphasen im Vordergrund steht. Präsenzveranstaltungen werden durch den Einsatz internetbasierter Werkzeuge didaktisch sinnvoll unterstützt und während der Online-Phasen moderiert und tutoriell begleitet. Blended Learning setzt voraus, dass die Teilnehmenden bereit sind, unter Anleitung (Moderation) in einer virtuellen Lernumgebung innerhalb eines bestimmten Zeitraumes Aufgaben zu lösen und in Foren miteinander zu diskutieren. Erfahrungen mit reinem Online-Lernen zeigen, dass Präsenzphasen zu Beginn, ggf. während und zum Abschluss der Lernphase wichtig für den Lernprozess sind, denn anders als bei einem Präsenzseminar, bei dem sich die Teilnehmenden sehen und ihre Mimik bzw. ihr Tonfall die Botschaft ihrer Worte unterstützt, ist die Kommunikation während Online-Phasen in der Regel auf die Schriftform begrenzt. Geschriebene Texte können von den verschiedenen Teilnehmern unterschiedlich interpretiert und verstanden werden. Schnell kann es dabei sowohl bei den Lernenden, als auch bei der Online-Betreu ung zu Missverständnissen kommen. Emotionen und Frustrationen sind allenfalls mit so genannten Emoticons darstellbar. Anhand dieser Zeichenfolgen lassen sich Ge fühle jedoch nur eingeschränkt wiedergeben. Ein Kennenlernen bei einer Präsenzveranstaltung hilft dabei, die einzelnen Persönlichkeiten einzuschätzen und deren Beiträge und ihren Humor besser zu verstehen. 7

9 Medienberatung NRW > Sicher im Netz Da sich online gestütztes Lernen an einigen Stellen stark vom Präsenzlernen unterscheidet, müssen sowohl die Teilnehmenden als auch der/die Moderierende bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Voraussetzung: Teilnehmerinnen und Teilnehmer Die Teilnehmenden eines Blended-Learning-Kurses sollten die Fähigkeit besitzen, ihren Lern prozess selbstgesteuert zu organisieren und die gestellten Aufgaben selbstständig anzugehen. Hierzu gehört, die eigene Lernzeit, das Lerntempo und die Lerndauer fest zulegen und mit einem gewissen Maß an Disziplin einzuhalten. Ebenso spielt die Fähig keit zur Zusammenarbeit in einer virtuellen Umgebung und im Verbund mit anderen Lernenden eine wichtige Rolle. Darüber hinaus sollte die Bereitschaft bestehen, sich aktiv lesend und schreibend an Forendiskussionen zu beteiligen. Der gemeinsame Austausch innerhalb der Gemeinschaft und die unterschiedlichen individuellen Fähigkeiten innerhalb einer Lerngruppe wirken sich vorteilhaft beim Bearbeiten einer Aufgabe aus. Gegenseitige Hilfestellungen fördern den gemeinschaftlichen Austausch und die soziale Mitverantwortung. Eine hohe intrinsische Motivation der Teilnehmenden trägt ebenfalls dazu bei, den einmal begonnenen Lernprozess fortzusetzen und das eigene gesteckte Lernziel zu erreichen. Voraussetzung: Moderator bzw. Moderatorin Der Moderierende eines Blended-Learning-Arrangements nimmt mehrere Rollen ein. Eine wesentliche Aufgabe kommt der Kursbetreuung und Vermittlung der Lerninhalte zu. Der Online-Moderator/die Online-Moderatorin entwickelt E-Tivities (spezielle Aufga ben für die Online-Phasen), liest und beantwortet Forenbeiträge und s der Teilnehmenden, stellt Fragen, begleitet Chats und motiviert die Lernenden zur aktiven Teilnahme während der Online-Phasen. Die schnelle Reaktion spätestens nach 48, besser innerhalb von 24 Stunden auf die Beiträge und Fragen der Teilnehmenden sollte für einen Online-Moderator selbstverständlich sein. Die Antworten sollten so gestaltet sein, dass sie den Lernenden eine Hilfe zur Selbsthilfe geben und mögliche Lösungsschritte nicht zu schnell vorweg nehmen. Gleichzeitig sollten unterstützende und motivierende Antworten gegeben werden, die die Lernenden zur Problemlösung ermuntern. Bedeutsam ist dieses Vorgehen immer dann, wenn für die Online-Moderation an einzelnen Beiträgen ablesbar ist, dass ein Lernender Schwierigkeiten mit einer Aufgabe hatte. Der Online-Moderator sollte beim Schreiben eigener Beiträge möglichst neutral bleiben. Schwierige Situationen lassen sich meistern, indem er sensibel ist und bei entstehenden Spannungen mit angemessenen Worten reagiert. Empathie für die einzelnen Lernenden, das Schaffen einer Wohlfühlatmosphäre im vir tuellen Raum sowie ein unaufdringlicher Tipp zum richtigen Zeitpunkt sorgen für eine gute Stimmung und beeinflussen den Kursverlauf positiv. Der Online-Moderator kann den Lernprozess anregen und gruppendynamische Prozesse fördern, indem er seine Beiträge mit einer persönlichen Note versieht und damit Vertrauen innerhalb der Lerngemeinschaft aufbaut. Das Vertrauensverhältnis zwischen Teilnehmenden und Kursmoderation ist eine wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung eines Themas mit der Lernform des Blended Learning. 8

10 Medienberatung NRW > Ein Blended-Learning-Kurs zum Jugendmedienschutz 1.2. Plattform und Werkzeuge Eine Online-Plattform bietet, je nach Konfiguration, eine Reihe von Werkzeugen für die gemeinsame Arbeit. Nicht alle Werkzeuge sind für jeden Zweck geeignet, ihr Einsatz sollte daher gut geplant sein. Um Anfänger bei dieser Lernform nicht zu überfordern und zu verwirren, ist es ratsam, die Werkzeuge wohl dosiert einzusetzen und ggf. einige erst im Verlauf des Kurses einzuführen. Bei den Teilnehmern des Pilotkurses Sicher im Netz handelte es sich um Medienberaterinnen und Medienberater aus NRW, die bereits über Erfahrungen mit der im Rahmen der Lehrerfortbildung genutzten Plattform WebWeaver verfügten. Eine besondere Einführung war daher nicht notwendig. Mit WebWeaver steht ein Learning-Management-System (LMS) zum einfachen Erstellen von HTML-Seiten zur Verfügung. Es wird über eine Administrationsoberfläche bedient und erfordert keine Programmierkenntnisse. Synchrone und asynchrone Werkzeuge stehen zur Verfügung und lassen eine individuelle Gestaltung des Online-Bereiches zu. Folgende Werkzeuge wurden innerhalb der Fortbildung für die aufgeführten Arbeitsbereiche genutzt: Mitteilungsbereich und Lernaufgaben: Bekanntmachung und Bereitstellung der Wochen aufgaben Dateiablage: Bereitstellung von Dokumenten und Ablage von Arbeitsergebnissen Internes -System: Persönlicher Austausch zwischen Lernenden und Moderatorin Chat: Thematische Chats, unter anderem mit externen Experten Forum: Reflektierende Bearbeitung einzelner Themen und informeller Austausch Wiki: Kooperatives Erstellen eines Textdokuments Die in dieser Broschüre genannten Aufgaben lassen sich in gleicher Weise auf die für Schulen kostenfreie Plattform lo-net2 übertragen, da die dabei verwendete Technik identisch mit der des WebWeavers ist. Blended-Learning-Kurse in etwas abgewandelter Form können selbstverständlich genauso gut auf anderen Lernplattformen wie beispielsweise Moodle eingerichtet werden. 9

11 2. Konzeption einer Blended-Learning-Fortbildung 2.1. Planung Ausgehend von den inhaltlichen Schwerpunkten und den zeitlichen Rahmenbedingungen müssen zu Beginn die geplanten Kursphasen festgelegt werden. Der Pilotkurs beinhalte te zwei Präsenzveranstaltungen und acht voneinander unabhängige Online-Themenwochen. Je nach Zielgruppe und zeitlichen Ressourcen kann die Zahl und Reihenfolge der Themenwochen variieren. Es ist ferner möglich, die Beschäftigung mit einem Thema über einen längeren Zeitraum auszudehnen. Es empfiehlt sich aber, sich insgesamt in einem abgegrenzten Zeitrahmen zu bewegen, um den Aufwand und die einzubringenden Ressourcen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer überschaubar zu halten. Die Umsetzung des mediendidaktischen Konzeptes erfordert bereits vor Kursbeginn eine geordnete, vorausschauende und verbindliche Planung. Bei der Einrichtung des Online-Bereiches muss beachtet werden, dass die Lernziele der einzelnen Aufgaben mit den zur Verfügung stehenden Werkzeugen und Medien von den Teilnehmern erreichbar sind. Die Reihenfolge der inhaltlichen Schwerpunkte muss hinsichtlich der zeitlichen Vorgaben und ggf. in Abstimmung mit externen Experten festgelegt werden und der Online-Bereich muss rechtzeitig zum festgelegten Termin freigeschaltet werden. 10

12 Medienberatung NRW > Ein Blended-Learning-Kurs zum Jugendmedienschutz Dem Moderator bzw. der Moderatorin kommt während der Online-Phase die Rolle einer Lernbegleitung und Lernberatung zu. Das Kursangebot sollte in erster Linie von den Aktivitäten und Beiträgen der Teilnehmenden leben. Um die Teilnehmer während der Online-Phasen nicht zu unter- oder zu überfordern, müssen komplexe Zusammenhänge analysiert und auf ein bearbeitbares Maß für die Teilnehmenden reduziert werden. Auf den Einsatz von gedrucktem Textmaterial kann verzichtet werden. Stattdessen erhalten die Teilnehmenden in der virtuellen Lernumgebung einen wöchentlichen Lernplan mit konkreten Aufgabenstellungen. Als Hilfsmittel können in einem digitalen Ordner zusätzlich thematisch passende Dokumente als PDF- Dateien zur Verfügung gestellt werden. Für das Lernen mit digitalen Medien werden von der Online-Moderation E-tivities entwickelt. Diese E-tivities beinhalten schriftliche, zielgerichtete und motivierende Aufforderungen an die Teilnehmenden. Sie sollen zum aktiven Online-Lernen in den Foren anre gen und das gemeinschaftliche Arbeiten verschiedener Lerntypen in einzelnen kleinen Lerngruppen fördern. Mit E-tivities lassen sich erprobte pädagogische Grundsätze in Online-Kursen umsetzen Ablauf des Pilotkurses Der Pilotkurs lief über acht Wochen. Das gesamte Angebot umfasste zwei Präsenzveranstaltungen und acht Themenwochen. Dem eigentlichen Beginn der Online-Phase wurde eine virtuelle Vorstellungsrunde vorgeschaltet. Pro Woche stand anschließend ein Thema im Mittelpunkt. Hierzu wurden am Wochenanfang Aufgaben eingestellt, die im Laufe der Woche bearbeitet werden sollten. Pro Woche sollte von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein Arbeitsaufwand von ca Minuten eingeplant werden. An drei feststehenden Terminen fanden synchrone Chats statt, zu denen zusätzlich externe Experten eingeladen waren. Der Kurs endete mit einer zweiten Präsenzveranstaltung, die hauptsächlich zur Evaluation und zur weiteren Planung genutzt wurde. 11

13 Medienberatung NRW > Sicher im Netz 1) Präsenz-Phase Vorstellung der Online-Moderatorin Kennenlernen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander Informationen zur genutzten Plattform Informationen zum Kursverlauf 2) Online-Phase 0. Woche Y Einstimmung Virtuelle Vorstellungsrunde Wer bin ich und wer sind die anderen? 3) Online-Phase 1. Woche Y Themenwochen Chatten ist cool aber wer sitzt auf der anderen Seite? 2. Woche Instant Messaging fast wie unterhalten 3. Woche Wie viel Ich darf ins Netz? Soziale Netzwerke 4. Woche Alles so schön bunt hier Werbeformen im Internet 5. Woche Das lade ich mir runter... Videoportale 6. Woche Das Handy der ständige Begleiter 7. Woche Das kann teuer werden Kostenfallen im Internet 8. Woche Note 3,7 und jetzt? Bewertungen im Internet 4) Präsenz-Phase Auswertung und Ausblick 12

14 Medienberatung NRW > Ein Blended-Learning-Kurs zum Jugendmedienschutz 2.3. Übertragbarkeit auf andere Zielgruppen Der Pilotkurs war für Medienberaterinnen und Medienberater konzipiert, bei denen Besuche von regelmäßigen Präsenzveranstaltungen über einen längeren Zeitraum schwierig durchführbar sind. Ein Blended-Learning-Kurs eignet sich aber auch für andere Zielgruppen wie zum Beispiel Eltern, die sich nicht häufig in Präsenzveranstaltungen treffen und miteinander austauschen können. Bei Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die über wenig Erfahrungen mit Lernplattformen verfügen, sollte allerdings zu Beginn eine längere Phase für das Vertrautwerden mit den einzelnen Werkzeugen eingeplant werden. Darüber hinaus muss während des Kurses für die Supportleistung im Umgang mit der Plattform ein größeres Zeitkontingent eingeplant werden. Für Schülerinnen und Schüler gelten andere Bedingungen, da sie sich ja täglich im Klas senverband treffen. Dennoch können einige handlungsorientierte Elemente, angepasst an die Altersstufe, durchaus in den Unterricht integriert werden. Zum Abschluss der meisten Kapitel finden sich Hinweise zur Übertragbarkeit bzw. Erweiterungen für die Arbeit mit Jugendlichen in der Sekundarstufe I. Die angegebenen Internetlinks geben eine beispielhafte Auswahl wieder. Vor einer erneuten Auflage des Kurses müssen sie auf ihre Aktualität überprüft werden. Andere Themenbereiche und eine andere Reihenfolge der Kurswochen sind selbstverständlich möglich. Für eine jugendliche Zielgruppe bieten sich stellenweise andere Zugänge an. 13

15 3. Themenwochen der Blended-Learning-Fortbildung 3.1. Auftakt Wir lernen uns kennen Präsenzveranstaltung Einführung Die erste Präsenzveranstaltung, die im Rahmen des NRW-Praxistags stattfand, diente einer ersten Information zur genutzten Plattform, zum Kursverlauf, der Vorstellung der Online-Moderatorin und, vor allem, dem Kennenlernen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander. Die Themenwochen begannen nach einer zeitlichen Unterbrechung, in der die Teilnehmenden sich mit den Funktionalitäten der Plattform vertraut machen konnten. In den Themenwochen sollten die Teilnehmenden sich aktiv im Netz bewegen und dabei unter anderem die Erfahrung machen, dass hier neben einigen Risiken auch Ressourcen verfügbar sind, deren Nutzung Spaß machen kann. 14

16 Medienberatung NRW > Ein Blended-Learning-Kurs zum Jugendmedienschutz Vorstellungsrunde Wer bin ich und wer sind die anderen? Die virtuelle Vorstellungsrunde diente zum Ice-Breaking in der Gruppe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Im Forenbereich sollten sie auf informelle Art miteinander ins Gespräch kommen und dabei, sozusagen nebenbei, einige Funktionalitäten der Plattform erproben. Aufgabenstellung: Schreiben Sie drei Dinge über sich: Ihre Vorlieben, z. B. was Sie gerne essen, welche Filme Sie mögen. Zwei Dinge müssen wahr sein, eine Äußerung ist eine Lüge! Eröffnen Sie dazu in unserem Kennenlern-Strang einen Neuen Beitrag mit Ihrem Namen. Bitte erledigen Sie diese Aufgabe bis zum 30. September Bis zum 08. Oktober 2008 haben Sie dann Zeit, die Wahrheiten und Lügen der anderen TeilnehmerInnen zu lesen. Geben Sie bei jedem Beitrag eine Vermutung darüber ab, welches denn die Lüge ist. Und ganz wichtig: Begründen Sie Ihre Vermutung! Mit diesem informellen Einstieg in das Kursgeschehen gelang es trotz Ferienzeit, die Teilnehmenden zur Reaktion auf die Beiträge der anderen Gruppenmitglieder anzuregen. Gleichzeitig wurde durch diese Maßnahme eine freundschaftliche und angenehme Stimmung im virtuellen Raum erzeugt. Gleich zu Beginn wurden von der Kursmoderatorin Tipps und Anregungen für das Online-Lernen gegeben: Der Lernraum sollte regelmäßig aufgesucht werden. Der regelmäßige Besuch erleichtert den Austausch mit anderen Teilnehmenden und man behält den Überblick. Besser jeden Tag 15 Minuten statt nur einmalig pro Woche 90 Minuten. Aktives Mitgestalten fördert den eigenen Lernerfolg und den der Gruppe Übertragbarkeit auf die Schule Der spielerische Ansatz, der über die Aussagen der anderen Teilnehmerinnen und Teil nehmer rätseln lässt, ist auch für Jugendliche gut geeignet. Die Antworten bieten Gesprächsstoff für die Pausen und auf diese Weise lernen die Klassenkameraden sicher neue Seiten aneinander kennen. Ebenfalls beliebt bei Jugendlichen ist das Erstellen von Profilen bzw. Steckbriefen hierzu bieten die gängigen Lernplattformen die nötigen Voraussetzungen. Das Erstellen eines Steckbriefs kann man als Anlass für eine Diskussion über die Veröffentlichung von persönlichen Daten im Internet nutzen und daran die Themenwoche Wie viel Ich darf ins Netz? anschließen. 15

17 3.2. Chatten ist cool aber wer sitzt auf der anderen Seite? Chatten per Webchat oder Instant Messenger steht bei Kindern und Jugendlichen nach wie vor weit oben in der Internetnutzung (siehe JIM-Studien 2007 und 2008). Es gibt Chat angebote, die für Kinder und Jugendliche weniger geeignet erscheinen, die sich aber großer Beliebtheit erfreuen oder die Kinder aus Neugier ausprobieren. Erwachsene hin gegen nutzen diese Kommunikationsform weniger, verstehen teilweise die verwendeten Abkürzungen oder Akronyme nicht und finden sich in dieser schnellen Form der schriftlichen Kommunikation nicht so leicht zurecht. Die Themenwoche Chatten sollte dazu dienen, dass die Teilnehmenden ausgewählte und öffentlich erreichbare Browserchatrooms nach vorgegebenen Kri te rien (Anmeldeprozedur, Altersverifikation, Jugendschutzmaßnahmen) selbst erkunden. sich ein eigenes Bild über diese Kommunikationsform machen. die Vor- und Nachteile der Anonymität in Chatrooms erfassen. die Unterschiede allgemeiner Chatforen und spezieller Angebote für Kinder kennenlernen. selbst innerhalb eines moderierten Chats Beiträge schreiben und dem Chatverlauf folgen können. erfahren, wie sich ein Chat steuern lässt, damit kein Chaos entsteht. eigene Ideen entwickeln, um diese Kommunikationsform für Unterrichtszwecke inner halb einer geschützten Lernumgebung zu nutzen. 16

18 Medienberatung NRW > Ein Blended-Learning-Kurs zum Jugendmedienschutz Wochenaufgabe 1. Diskutieren Sie die folgenden Fragen im Forum: a) Was macht Chatten für Kinder und Jugendliche so interessant? b) Welche Vorteile kann die Anonymität von Chatrooms haben? c) Welche Nachteile kann die Anonymität von Chatrooms haben? 2. Schauen Sie sich bitte die Chatangebote von a) und b) etwas genauer an und beantworten Sie zu beiden Angeboten folgende Fragen: Gibt es bereits vor der Anmeldung Informationen zum Chatangebot? (Bei ChatCity kann ihnen zum Beispiel Mr. Bob helfen.) Welchen ersten Eindruck haben Sie, wenn Sie die Internetseiten betrachten? Was benötigen Sie, um selbst bei den oben genannten Angeboten chatten zu können? War die Navigation auf der Seite für Sie einfach oder schwierig? Wenn ja, warum oder wobei hatten Sie Schwierigkeiten? Welche Informationen finden Sie zum Jugendschutz auf den Internetseiten? 3. Schauen Sie sich bitte die gesonderten Chatangebote für Kinder von a) und b) an. Wie beurteilen Sie unter den in 2. genannten Gesichtspunkten die Chatangebote, die sich speziell an Kinder richten? Musterlösung zu 1a) Was macht Chatten für Kinder und Jugendliche so interessant? Chatten ist eine von vielen Kommunikationsmöglichkeiten, die Kinder und Jugendliche heutzutage anwenden. Es bietet bei entsprechenden Voraussetzungen (Flatrate) die Möglichkeit zu kostenloser, anonymer oder aber auch gezielter Kommunikation, ohne dass Entfernungen eine Rolle spielen. Es bietet weiterhin die Möglichkeit und die Versuchung in fremde Bereiche hinein zu lauschen und sich zu beteiligen, ohne dass man kontrolliert wird. Chatten passt zum Lebensstil der Jugendlichen. Es geht schnell, man kann es nebenbei machen, man muss sich nicht an Konventionen wie zum Beispiel Rechtschreibung halten, sondern kann eine eigene Sprache entwickeln. Selbst wenn in manchen Chatrooms Regeln vorgegeben werden (die so genannte Chatiquette) fallen viele gesellschaftliche Normen weg. Im Gegensatz zum traditionellen Briefeschreiben ist Chatten unmittelbar, d. h. in der Regel folgt auf einen eingestellten Beitrag eine sofortige Reaktion. In der Schnelllebigkeit des Chatrooms bestehen jedoch keine Verpflichtungen und jeder Chat-Besucher kann selbst bestimmen wann und in welcher Weise er sich äußern möchte. 17

19 Medienberatung NRW > Sicher im Netz Jugendliche sind auf der Suche nach neuen Bekanntschaften die kann man im Chat leicht finden. Auch schüchterne oder nicht so hübsche Menschen haben hier eine Chance. Auf manchen Seiten kann man mit Stars aus dem Fernsehen chatten und erhält so das Gefühl, diesen nahe zu sein. zu 1b) Welche Vorteile kann die Anonymität von Chatrooms haben? Ein wichtiger Vorteil der Anonymität des Chatrooms ist die Tatsache, dass man dort alles sagen kann, was einem gerade in den Sinn kommt, dass man sich trauen kann, Dinge zu sagen, die in der realen Welt so nicht gesagt werden. Deswegen ist die Hemm schwelle, sich über persönliche Themen und besonders private Probleme zu äußern, sehr niedrig. Oft fällt es schwerer, sich mit jemanden über Probleme zu unterhalten, der einem gegenüber sitzt. Im Chat dagegen kann man sich seinen Gesprächspartner beliebig und unverbindlich aussuchen und da einen ja niemand kennt, kann niemand nachvollziehen, ob man immer bei der Wahrheit bleibt. Ein weiterer Pluspunkt ist die Möglichkeit, dass man einen Chatroom jederzeit und zu weilen ohne Ankündigung einfach verlassen kann. Wenn einem eine Situation zu un angenehm wird, kann man das Fenster einfach zuklicken. In einem Chatroom kann man verschiedene Rollen ausprobieren. zu 1c) Welche Nachteile kann die Anonymität von Chatrooms haben? Die Hemmschwelle ist geringer, d. h. es kommt u. a. schneller zu Streitereien, Pöbelei en, Eskalationen. Anonyme Pöbler können (für den Laien) selten zur Rechenschaft gezogen werden, da sie schnell wieder in den Untiefen des Netzes verschwunden sind. Aber nicht nur Streitereien, sondern auch mögliche und teilweise sogar gezielte Belästigun gen machen das Internet besonders für die jüngeren Nutzer zu einer Gefahrenzone. Vieles hängt davon ab, mit welcher Absicht, welcher Zielsetzung ein Chatroom betreten wird: man kann dort rumalbern, jemanden anonym veräppeln, anmachen, fertig machen oder aber sinnvolle Inhalte austauschen. Man kann sich nie sicher sein, mit wem man es zu tun hat. Lügen gehören zum System. Enttäuschungen sind vorprogrammiert. zu 2a) Auf der Internetseite von ChatCity fallen sofort die Werbung und viele Animationen ins Auge. Das automatische Öffnen von Pop-ups ist negativ zu bewerten. Im zentralen Blick feld des Benutzers stehen die Bereiche zu den Themen Flirt & Dating und Erotik. Die Navigationsleiste auf der linken Seite ist übersichtlich gestaltet und die Handhabung der Seite ist einfach. Falls doch Fragen zur Benutzung der Seite oder rund um das Thema Chatten auftreten, ist Mr. Bob behilflich. ChatCity bietet bereits in der Gastfunktion die Möglichkeit, mit Akzeptieren der AGB (All gemeine Geschäftsbedingungen) und ohne Eingabe weiterer Daten, zu chatten. So kann ein Teil der Funktionen zunächst erprobt werden, ohne sich gleich kostenlos re gistrieren zu müssen. Zusätzliche Optionen, wie z. B. eine ChatCity -Adresse 18

20 Medienberatung NRW > Ein Blended-Learning-Kurs zum Jugendmedienschutz oder ein Zeichenbrett zur Chatbenutzung, können durch eine gebührenpflichtige Premium-Mitgliedschaft freigeschaltet werden. Zum Thema Jugendschutz ist ein Link in der unteren, rechten Ecke der Internetseite zu finden. Von hier aus gelangt man zu einer Seite mit wichtigen Tipps für Teens und sieben Sicherheitsregeln. Die Nutzungsbedingungen besagen, dass Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren die Chatfunktionen nur mit Erlaubnis der gesetzlichen Vertreter benutzen dürfen. zu 2b) Die Seite ist durch die Zeichnungen im Comicstil eher zurückhaltend und verspielt gestaltet. Vermutlich hat man ein jüngeres Publikum im Blick. Die Navigation der Seite ist einfach zu handhaben und die Seite selbst wirkt auf den ersten Blick sehr übersichtlich. Um die Chaträume betreten zu können, wird eine Registrierung mit Nickname, Passwort und -Adresse verlangt. Ein Gaststatus ist nicht möglich. Von der Startseite führt der Link Jugendschutz zu ausführlichen Informationen rund um dieses Thema. Der Betreiber macht Angaben zu seinen Bemühungen, den Jugendschutz zu fördern. So werden z. B. technische Filter bei Gesprächen zwischen Erwachsenen und Kindern eingesetzt, nach den ersten zwei Onlinestunden wird ein Jugendschutztest durchgeführt, es gibt altersabhängige Chaträume und es werden Ratgeber für Kinder, Jugendliche und Eltern bereitgehalten. Darüber hinaus ist Knuddels ordentliches Mitglied der FSM (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter). Laut der AGB dürfen sich Minderjährige anmelden, wenn sie den Inhalt der Nutzungsbedingungen verstanden haben und in der Lage sind, diese Bedingungen einzuhalten. Zusätzlich müssen Eltern die Anmeldung ihrer Kinder genehmigen. zu 3a) Die Gestaltung des Internetauftrittes ist simpel und kindgerecht und die Navigation über große Schaltflächen verspricht eine einfache Handhabung. Auf Reklame wurde ganz verzichtet. Neben den Links zur Chatmöglichkeit, zu weiteren Aktionen und zu Informationen über den Anbieter, bietet Seitenstark eine Vielzahl von Verlinkungen auf andere Kinderseiten im Netz. Das betreute Chatangebot richtet sich an Kinder und Jugendliche zwischen acht und 15 Jahren. Der Chat ist Montag bis Freitag von 15 bis 19 Uhr, also außerhalb der Unterrichtszeit, geöffnet und kann nach der Registrierung mit einem Nickname, Passwort und -Adresse betreten werden. Die Moderatoren werden namentlich aufgelistet und ein Mal im Monat findet ein Themenchat aus den Bereichen Haustiere, Medien, Berufe, etc. mit Experten statt. Auf der Seite Chatregeln finden die jungen Besucher Hinweise zur richtigen Verhaltensweise im Chatraum und zum Thema Sicherheit. Zusätzlich gibt es für Mobbing-Opfer die Möglichkeit, sich in einen speziellen Mobbing-Chat einzuloggen. Für die Eltern stehen Informationen zu dem Angebot und zu den Sicherheitsmaßnahmen bereit. 19

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