Das Studium der Arbeits- und Organisationspsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt

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1 Prof. Dr. Dieter Zapf Institut für Psychologie Das Studium der Arbeits- und Organisationspsychologie an der Goethe-Universität Frankfurt Einführungswoche Bachelor-Studium Psychlogie Oktober 2013 Dieter Zapf

2 Psychologie als Wissenschaft Psychologie ist die Wissenschaft vom menschlichen Erleben und Verhalten. Dazu gehören - Wahrnehmung, Denken, Gedächtnis, Problemlösen, Handeln - Motivation - Emotionen - Soziale Interaktionen/Gruppenprozesse Psychologie ist keinesfalls nur die Lehre von psychischen Störungen und deren Therapie! Stattdessen: Überall, wo Menschen sind, gibt es Psychologie! Außerdem: nicht alle, die Psychologie betreiben, sind ausgebildete Psychologen 2 Dieter Zapf

3 Rechtswissenschaft basiert bei der Zuteilung von Strafmaßen zum großen Teil auf Handlungs- und Motivationspsychologie! Beim Strafmaß ist entscheidend, Ob es eine Absicht gab Ob die Tat lange geplant war, Ob die Tat böswillig war, Ob sie ungewollt passierte, Ob sie unüberlegt war Ob sie aus dem Affekt geschah, etc. Überall, wo Menschen sind, gibt es Psychologie! 3 Dieter Zapf

4 Überall, wo Menschen sind, gibt es Psychologie! Fehlervermeidung In den 60er und 70er Jahren war es sehr beliebt, dass man bei seinem Auto die Tür zugeschlagen und dadurch verschlossen hat, um dann festzustellen, dass der Autoschlüssel noch im Auto ist. Bei modernen Autos geht das nicht mehr Wenn man den Menschen zwingt, mit dem Autoschlüssel die Türe abzuschließen (forcing function), ist es nicht mehr möglich, den Schlüssel im Auto liegen zu lassen Menschen sind fehleranfällige Wesen. Was kann man tun, damit Fehler gar nicht erst passieren können (Fehlervermeidung) oder zumindest keine schwerwiegenden Folgen haben (Fehlermanagement) 4 Dieter Zapf

5 Produktergonomie (TU Darmstadt) Was hat die Psychologie mit Staubsaugern zu tun? Wann habe ich eigentlich genug gesaugt? 5 Dieter Zapf

6 Was hat die Psychologie Menschliches mit Handeln ist zielgerichtet Staubsaugern zu tun? Ziel Plan Handlungs- Feedback ausführung Produktergonomie FEEDBACK: (TU Darmstadt) Bin ich auf dem Weg zum Ziel? bzw. habe ich das Ziel erreicht? Staubsauger mit Feedback-Funktion 6 Dieter Zapf

7 Angewandte Psychologie An den meisten Universitäten: Klinische Psychologie Pädagogische Psychologie Arbeits- und Organisationspsychologie 7 Dieter Zapf

8 Ansonsten gibt es: Ingenieurspsychologie Marktpsychologie Verkehrspsychologie Rechtspsychologie (Forensische Psychologie) Polizeipsychologie Sportpsychologie. 8 Dieter Zapf

9 Warum Arbeits- und Organisationspsychologie? 9 Dieter Zapf

10 Die Bedeutung der Arbeit (Ruiz Quintanilla & Wilpert, 1991) ,6 29,9 39,2 38,4 30,9 26,1 0 Aufhören andere Bedingungen weiterarbeiten Lotteriefrage Die Lotteriefrage: Was würden Sie tun, wenn Sie 1 Million Euro im Lotto gewinnen würden? 10 Dieter Zapf - Einführung in die Arbeitspsychologie

11 Warum Arbeits- und Organisationspsychologie? Arbeit hat eine substantielle Bedeutung für den Menschen Selbstverwirklichung Arbeiten ist eine ökonomische Notwendigkeit Menschen verbringen einen Großteil ihres Lebens am Arbeitsplatz Entscheidung für Arbeits- und Organisationspsychologie als Fach im Bachelor und Master, weil es hier klare berufliche Perspektiven gibt 11 Dieter Zapf

12 Was ist Arbeits- und Organisationspsychologie? Und was ist Personalpsychologie? Thema: psychologische Fragen der Wirtschaft und der Arbeitswelt eines der Anwendungsfächer im Bachelor- und Master- Programm 12 Dieter Zapf

13 Was ist Arbeits- und Organisationspsychologie? Einige Beispiele Arbeitsunfälle: Jährliche Kosten von Arbeitsunfällen: 12,5 Mrd. Wie entstehen Arbeitsunfälle? Gibt es Menschen, die dazu neigen, Missgeschicke oder Unfälle zu haben? Wie kann man sicheres Verhalten trainieren? Wie kann man die Arbeitssituation so gestalten, dass nur wenige Unfälle auftreten? 13 Dieter Zapf

14 Was ist Arbeits- und Organisationspsychologie? Einige Beispiele Mobbing: Geschätzte jährliche Kosten von Mobbing für Deutschland: 25 Mill. Euro Wie entsteht Mobbing? Gibt es Menschen, die "geborene Opfer" sind? Welchen Anteil hat die Organisation? Oder liegt es eher an den Tätern? Was sind geeignete Interventionsmöglichkeiten? 14 Dieter Zapf

15 Was ist Arbeits- und Organisationspsychologie? Einige Beispiele Personalauswahl: Jedes Jahr werden in Deutschland mehrere Millionen Personen neu eingestellt Wie sollte man bei der Personalauswahl am besten vorgehen? Welche Instrumente sind wirklich tauglich und was taugen die Ratgeber? Wie kann man sich auf ein Auswahlgespräch vorbereiten? 15 Dieter Zapf

16 Was ist Arbeits- und Organisationspsychologie? Einige Beispiele Konflikte: Welche Arten von Konflikten gibt es? Welche persönlichen Faktoren fördern Konflikte? Welche organisationalen Faktoren fördern Konflikte? Wie kann man mit Konflikten am besten umgehen? Was bringen Kommunikationsund Konfliktmanagement- Trainings? 16 Dieter Zapf

17 Viele Untersuchungen zeigen: Interessante Aufgaben, die es ermöglichen, eigene Kompetenzen einzubringen Einflussmöglichkeiten bei der Arbeit Soziale Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen Gutes Arbeits- und Betriebsklima Gerechtigkeit und Fairness hohe Arbeitszufriedenheit gutes Wohlbefinden Wenig psychische und körperliche Beschwerden Wenig Fehlzeiten Wenig Kündigungsabsichten 17 Dieter Zapf

18 Die Arbeits- und Organisationspsychologie richtet oft das Augenmerk auf das Wohl des Mitarbeiters. Unternehmen würden aber die Psychologie nicht ernst nehmen, wenn wir nicht auch die Perspektive des Unternehmens einnehmen würden Es ist für das Fach deshalb von Interesse, zu zeigen, dass Konzepte und Maßnahmen, die wir als Arbeits- und Organisationspsychologen vorschlagen, auch im Interesse des Unternehmens sind oder zumindest diesem nicht schaden 18 Dieter Zapf

19 Mitarbeiterbezogene Maßnahmen und Leistung der Organisation Vorhersage der Produktivität 18 Monate später West et al., Aston Business School Mitarbeiterzufriedenheit 25% andere Faktoren 23% Frühere Produktivität 52% % der aufgeklärten Varianz 19 Dieter Zapf

20 Mitarbeiterbezogene Maßnahmen und Leistung der Organisation Mittlerer Mortalitätsindex <40% 40-59% 60-79% 80-99% 100% 20 Dieter Zapf Untersuchung in Krankenhäusern in England West et al., International Journal of Human Resource Management 2002 % Mitarbeiter in guten Teams

21 Mittlerer Mortalitätsindex Studium der Arbeits- und Organisationspsychologie Mitarbeiterbezogene Maßnahmen und Leistung der Organisation 25% 108 mehr Personal in guten Teams bedeutet weniger Tote pro 100,000 bei Notfalloperationen % Mitarbeiter oder in guten Teams 7.1% weniger Tote bei Notfalloperationen Untersuchung in Krankenhäusern in England West et al., International Journal of Human Resource Management 2002 West et al., International Journal of Human Resource Management 2002 <40% 40-59% 60-79% 80-99% 100% Dieter Zapf

22 Viele Untersuchungen zeigen: Handlungsspielraum Soziale Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen Gutes Arbeits- und Betriebsklima Gerechtigkeit und Fairness Etc. hohe Produktivität Hohe Kundenzufriedenheit Bessere Leistungen, weniger Fehler (s. Mortalitätsrate) höhere Kundenzufriedenheit Weniger Unfälle 22 Dieter Zapf

23 Was ist Arbeits- und Organisationspsychologie? Arbeitspsychologie: Untersuchungsgegenstand der Arbeitspsychologie ist das Erleben und Verhalten des Menschen bei der Arbeit in Abhängigkeit von Arbeitsbedingungen, Arbeitsaufgaben und den dazu erforderlichen Leistungsvoraussetzungen wie wirken sich Arbeitsbedingungen auf den arbeitenden Menschen aus und wie wirkt der Mensch auf die Arbeitsbedingungen ein? 23 Dieter Zapf

24 Was ist Arbeits- und Organisationspsychologie? Organisationspsychologie: thematisiert die psychologischern Aspekte der Wechselbeziehungen zwischen Individuum und Organisation Themenbeispiele für die Organisationspsychologie: - Merkmale einer Organisation aus psychologischer Sicht - Personalauswahl und Personalentwicklung - Mitarbeiterführung - Arbeitsgruppen - Macht in Organisationen, Kooperation und Konflikte - Unternehmenskultur, Betriebsklima - Organisationsentwicklung 24 Dieter Zapf

25 Was ist Arbeits- und Organisationspsychologie? Personal - Definition: (nach Nerdinger, Blickle & Schaper, 2008, S. 7) Mit dem Begriff Personal bezeichnet man die in abhängiger Stellung arbeitenden Menschen, die innerhalb einer Organisation (Betrieb, Firma, öffentliche Verwaltung) eine Arbeitsleistung erbringen und. dafür bezahlt werden. Personal wird im betriebswirtschaftlichen Sinne als eine Ressource aufgefasst, die es zu managen bzw. zu steuern gilt. Dabei geht es sowohl um die Verhaltenssteuerung im Sinne einer Mitarbeiterführung als auch die Gestaltung von Systemen zur Steuerung der Personalfunktionen wie Beschaffung, Auswahl, Entwicklung, Beurteilung, Vergütung etc. 25 Dieter Zapf

26 Was ist Arbeits- und Organisations- psychologie? Personalpsychologie: Die Personalpsychologie behandelt sowohl Aspekte der Verhaltenssteuerung als auch die Frage, wie Personalfunktionen der Beschaffung, Auswahl, Entwicklung, Beurteilung und Vergütung aus psychologischer Sicht wirkungsvoll unterstützt werden können. (Nerdinger, Blickle & Schaper, 2008) Personalpsychologie ist ein Teil der Organisationspsychologie 26 Dieter Zapf

27 Praktische Anwendungsfelder Studium der Arbeits- und Organisationspsychologie Arbeitsmöglichkeiten für A&O-Psychologen In Unternehmen: - Personalabteilungen: Personalauswahl und Personalentwicklung - Abteilungen für Organisationsentwicklung Unternehmensberatungsfirmen (überwiegend Weiterbildung, z.b. Führung, Motivation von Mitarbeitern, Kommunikations- & Konflikttraining, Stressmanagement, u.a.m.; Coaching) Weiterbildungsinstitutionen (überwiegend Weiterbildung, z.b. Führung, Motivation von Mitarbeitern, Kommunikations- & Konflikttraining, Stressmanagement, u.a.m.) Institutionen zuständig für Fragen betrieblicher Gesundheitsförderung (Krankenkassen, Unfallkassen, Gewerbeaufsichtsämter, Berufsgenossenschaften; betriebliches Gesundheitsmanagement) Selbständiger Psychologe (nachdem man Erfahrung gesammelt und ein Netzwerk aufgebaut hat!!!) Lehre & Forschung 27 Dieter Zapf

28 Was ist Arbeits- und Organisationspsychologie? Studium der Arbeits- und Organisationspsychologie Analyse zu den Anforderungen an Psychologen im Bereich A&O-Psychologie Stock (2006) 28 Dieter Zapf

29 Was ist Arbeits- und Organisationspsychologie? Studium der Arbeits- und Organisationspsychologie Analyse zu den Anforderungen an Psychologen im Bereich A&O-Psychologie Sehr wichtig Sehr unwichtig Stock (2006) 29 Dieter Zapf

30 Bachelor & Master Studium der Arbeits- und Organisationspsychologie Themengebiete im Frankfurter Bachelor- und Masterstudium BSc 9 Personalpsychologie Personalauswahl; Personalentwicklung; Personalbeurteilung BSc 17/18 Personalentwicklung MSc 3C MSc 3A MSc 3B Personalpsychologie Vertiefung der Themen aus dem BSc Arbeitspsychologie Arbeit & Gesundheit betriebliche Gesundheitsförderung Organisationspsychologie Führung & Team Konflikte in Org 30 Dieter Zapf

31 Themengebiete im Frankfurter Bachelor- und Masterstudium PsyBSc 9 Personalpsychologie Personalbedarfsplanung Personalrekrutierung Personalauswahl Personalentwicklung Personalbeurteilung Personalberatung PsyBSc 17/18 Personalentwicklung WS: Vertiefendes Seminar zum Thema (Referate) SS: Projektseminar: Erarbeitung konkreter Trainings, die im Rahmen der PE relevant sind, z.b. Kommunikationstraining Konfliktmanagement Stressmanagement Crew Resource Management Motivationstraining Führungskräftetraining Kundenorientierung Fehlertraining 31 Dieter Zapf

32 Bachelor & Master Studium der Arbeits- und Organisationspsychologie Personalpsychologie im Frankfurter BSc-Studium Modul PsyBSc 9: Angewandte Psychologie: Grundlagen 1. Vorlesung (im 4. Sem): Personalpsychologie: Einführung und Überblick Modul-Teilprüfung: Multiple Choice Klausur (60 Min.) Modul PsyBSc 17/18 Angewandte Psychologie: Vertiefung (optional) 2. Seminar (im 5. Sem): Personalentwicklung: Vertiefte theoretische Auseinandersetzung mit den Themen der Personal entwicklung, Training und Qualifizierung Studienleistung: Referat Modul-Prüfung: schriftliche Hausarbeit 3. Projektseminar (im 6. Sem): Personalentwickung: Vertiefte praktische Auseinandersetzung mit einzelnen Verfahren; z.b. Kommunikations- & Konflikt-Training; Fehler-Training; Cockpit-Training, etc. Studienleistung: Referat und schriftliche Projektarbeit 32 Dieter Zapf

33 Was ist Personalpsychologie? Themen der Personalpsychologie (1/3) Personalbedarfsplanung Rekrutierung von neuen Mitarbeitern - Anzeigen - Headhunting - Mundpropaganda - Spontanbewerbungen - Veranstaltungen/(Hoch-)schulmarketing Personalauswahl - Auswertung der Bewerbungsunterlagen - Einstellungsinterviews - Psychologische Tests - Biographische Fragebögen - Assessment Center - Arbeitsproben 33 Dieter Zapf

34 Was ist Personalpsychologie? Themen der Personalpsychologie (2/3) Personalentwicklung - Entwicklung von Qualifizierungskonzepten (Personalentwicklungskonzepten) - Z.B. Konzept zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter - Kenntnis von kognitiven sowie behavioralen Trainingsverfahren - Lerntransfer Beratung von Mitarbeitern - Allgemeine Prinzipien von Beratung - Mentoring - Coaching 34 Dieter Zapf

35 Was ist Personalpsychologie? Themen der Personalpsychologie (3/3) Mitarbeiterbeurteilung - regelmäßige Mitarbeitergespräche - tägliches Feedback an die Mitarbeiter - Mitarbeiterbeurteilungssysteme Führungskräfteentwicklung - Was ist Führung? - Führungstheorien - Führungstrainings Betriebliche Gesundheitsförderung - Arbeit und Gesundheit (Stress am Arbeitsplatz) - Maßnahmen zur Gesundheitsförderung 35 Dieter Zapf

36 Abteilung Arbeits- und Organisationspsychologie: Büroräume: PEG, 5. Stock, Campusseite Prof. Dr. Dieter Zapf: Sprechstd.: Di, 15-16, Raum 5.G Dipl.-Psych. Lena Beitler - Dipl.-Psych. Sabine Machowski - Dipl.-Psych. Kai Trumpold - Dr. Laura von Gilsa Assoziiert (Lehrbeauftragte): - Dr. Melanie Holz - Dr. Claudia Eilles-Matthiesen Sekretariat: Frau Rita Friedrich (Öffnungszeiten beachten) Studentische Mitarbeiter: Stella Kister; N.N. 36 Dieter Zapf

37 PEG- Gebäude Psychologie 5. Stock Arbeits- & Organisationspsychologie 37 Campus-Seite Sekretariat Rita Friedrich 5.G 028 Prof. Zapf 5.G 027

38 38 Dieter Zapf - Einführung in die Arbeits- und Organisationspsychologie I

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