NEWSLETTER WINTER 2014

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1 NEWSLETTER WINTER 2014

2 GRUßWORT Lieber Beirat, Liebe Unterstützer, Liebe Sponsoren, im Frühjahr 2013 entstand erstmals die Idee auch hier in Heidelberg eine studentische Rechtsberatung zu schaffen. Heute, eineinhalb Jahre später, gilt es nun, erstmals ein Resümee zu ziehen. Was als Einfall zweier Einzelner begann, hat sich in kurzer Zeit zu einer Initiative entwickelt, die heute eine wichtige Anlaufstelle für alle diejenigen ist, die anwaltlichen Rat brauchen, ihn sich aber nicht ohne Weiteres leisten können. Als gemeinnütziger Verein Pro Bono Heidelberg beraten wir nun - nach einer intensiven Phase der Vorbereitung seit April 2014 Menschen unentgeltlich im Zivil- und Migrationsrecht. Mit mittlerweile über 90 Mitgliedern haben wir uns zu einer der größten studentischen Rechtsberatungen in ganz Deutschland entwickelt. In dieser Form einmalig ist außerdem die Kombination unserer beiden Rechtsgebiete. Dies ist eine Leistung, die ohne das Engagement aller Mitglieder und Unterstützer so nie möglich gewesen wäre Daher möchten wir uns bei jedem einzelnen Mitglied für seinen Einsatz, seine Zeit, das Einbringen seiner Ideen und nicht zuletzt natürlich für die aktive Beratung von Ratsuchenden bedanken Aufgrund Eurer Fähigkeiten und Eurer Motivation ist der Verein Anfang November 2014 mit dem vierstellig dotierten Engagement-Preis des Ehemaligenvereins der Friedrich-Ebert-Stiftung ausgezeichnet worden- eine Ehrung über die wir uns besonders freuen -1-

3 Weiter lebt unsere Verein von der großartigen Unterstützung unseres Beirats aus Volljuristen, die in ihrer Freizeit Workshops für uns anbieten oder uns beim Erstellen von Gutachten unterstützen. Wir wissen, dass ein solches ehrenamtliches Engagement, wie wir es erfahren durften, etwas Besonderes ist und möchten uns daher auch bei unseren Beiratsmitgliedern für ihren außergewöhnlichen Einsatz im Namen aller Mitglieder ganz herzlich bedanken Auch von der juristischen Fakultät Heidelberg und dem Zentrum für anwaltsorientierte Juristenausbildung haben wir von Anfang an Unterstützung erfahren, welcher ebenfalls besonderer Dank gilt Unsere weiteren Kooperationspartner, wie das Diakonische Werk und der Asylarbeitskreis Heidelberg, haben unserer Arbeit von Beginn an wichtige Impulse gegeben und sich als Unterstützer von herausragender Bedeutung erwiesen, wofür wir sehr dankbar sind Durch unsere vielfältigen Partner ist es uns möglich, auch in Zukunft neue Projekte zu planen und unser Beratungsangebot auszuweiten. Über die neusten Entwicklungen werden wir daher in Form eines solchen Newsletters regelmäßig berichten. Unter dem Motto Helfen Lernen Verantwortung übernehmen wollen wir voller Tatendrang die begonnene Beratung weiterführen und ausbauen, um mit unseren juristischen und sozialen Fähigkeiten auch in Zukunft anderen helfen zu können Jan-Willem Prügel (1. Vorsitzender) Annika Bergelt (2. Vorsitzende) -2-

4 ENTSTEHUNG UND STRUKTUR Recht für alle Hohe Anwaltskosten und Furcht vor der Justiz dürfen den Ansprüchen des Bürgers nicht entgegenstehen. Anders als in der Welt von Kafkas Das Schloss, wo das gleichnamige Gebäude die Unnahbarkeit des Staatswesens symbolisiert, möchten wir bedürftigen Menschen in Deutschland dabei helfen, Barrieren zu überwinden und ihre Rechte geltend zu machen. Die zündende Idee Im März 2013 trafen sich die beiden Initiatoren nach längerer Zeit in einer Kneipe und kamen unverhofft zu dem Schluss, Pro Bono Heidelberg gründen zu wollen. Einerseits um Studierenden schon früh Praxisbezug zu ermöglichen, andererseits um die Zivilgesellschaft, insbesondere sozial Benachteiligte, durch Rechtsberatung zu unterstützen. -3-

5 Gründungsversammlung Hier stehen wir nun und können nicht anders. Nach einem langen Planungsprozess mit vielen Diskussionen entstand letztendlich Deutschlands erste studentische Rechtsberatung für Zivil- und Migrationsrecht. Zugang schaffen Sowohl Nachwuchsjuristen als auch Menschen mit rechtlichen Problemen treffen bei uns auf offene Türen und offene Ohren. Auf der Flucht Vertriebene Menschen haben bereits viel erlitten, wenn sie in Deutschland ankommen. Doch auch hier enden die Probleme nicht. Ohne Sprachkenntnisse müssen sie sich durch die komplizierten migrationsrechtlichen Prozesse manövrieren. -4-

6 Zuflucht Bei unserer migrationsrechtlichen Beratung bereiten wir jede Woche verunsicherte Menschen aus aller Welt auf eine wichtige Anhörung vor einer Behörde vor. Wir können nicht allen Asyl verschaffen, wohl aber etwas Unsicherheit nehmen und das Gefühl geben, dass sich jemand anderes für sie und ihre Probleme interessiert. Von A wie Antrag bis Z wie Zufriedenheit Unser zivilrechtlicher Beratungsprozess gliedert sich in mehrere Arbeitsschritte, in denen wir eine Anfrage prüfen, im Team besprechen, zu ihr recherchieren und letztendlich in einem persönlichen Mandantengespräch unsere Handlungsempfehlung aussprechen. Gerade hier können Studierende ihre bereits erworbenen Kenntnisse anwenden und vertiefen. -5-

7 PRO BONO GEWINNT ENGAGEMENTPREIS 2014 Was als Idee in einer Heidelberger Studentenkneipe im März 2013 entstand, hat kaum 18 Monate später die erste Auszeichnung gewonnen - Pro Bono. Die Alumni der Friedrich-Ebert-Stiftung verliehen am 1. November in Berlin ihren jährlichen Engagementpreis - und Pro Bono gewann den 3. Preis, der mit 1500 Euro dotiert ist. Der Engagementpreis fördert neue soziale Ideen, die Benachteiligte unterstützen und ein brisantes Thema besetzen. Erfahrungsgemäß ist der Engagementpreis ein Türöffner zu neuen Partnern und Förderern. Jurymitglied Anja Mihr, Direktorin des The Hague Institute for Global Justice, betonte in ihrer Laudatio, dass Pro Bono mit dem Ziel, Zugang zu Gerechtigkeit zu schaffen und der nachhaltigen und erfolgreichen Umsetzung der Idee überzeugt habe. Damit setzte sich Pro Bono - neben dem Erst- und Zweitplatzierten - gegenüber 70 anderen Bewerbungen durch. Der Engagementpreis ist für die Mitglieder von Pro Bono Grund zum Stolz - und weiterer Ansporn, Zugang zu Gerechtigkeit zu schaffen -6-

8 ZIVILRECHT Arbeit der Zivilrechtsgruppe Seit Ende des Sommersemetsers 2014 sind in der Praxisgruppe Zivilrecht konstant etwa zehn bis 15 Studierende und Referendare beratend tätig gewesen. Von Anfang an erwies sich als besonders erfreulich das selbstlose Engagement der Beiratsmitglieder: Wann immer diese es für die kautelarjuristische Qualität der Gutachten für erforderlich halten, scheuen sie nicht die Zeit, in oftmals mehreren Stagen ausführlich ihren Rat zu erteilen. So entsteht mitunter ein Spirit der Kollegialität, der auch maßgeblich darauf gründet, dass es vor allem Alumni der Fakultät sind, die durch ihre Mitwirkung im Sinne von 6 S. 2 RDG an unsere ehrenamtliche Tätigkeit anknüpfen. Das Interesse der Öffentlichkeit wächst stetig: Mittlerweile haben wir über 30 Mandate bearbeitet. Zivilrechtsgruppe: Ausblick Mehr als 50 Studierende besuchten am das erste Treffen der Zivilrechtsgruppe im aktuellen Semester. Nahezu alle Interessenten konnten dabei einem der bei dieser Gelegenheit rund 15 gegründeten Ressorts zugeteilt werden. Einzelne Kompetenzgruppen im Überblick: Aufbaugruppe Sozialrecht Kooperationsgruppe für die StuRa-Zusammenarbeit Ressort für Mandatsakquise Ressort für Finanzakquise Logistik Ressort für Öffentlichkeitsarbeit Ressort für Beiratsakquise Pro Bono Heidelberg dürfte damit in der Wahrnehmung der meisten im Wintersemester 2014/15 neu Eingeschriebenen die attraktivste Möglichkeit extrakurrikularen Engagements sein. -7-

9 ASYLRECHT Unterdessen ist auch die Arbeit in der Asylrechtsgruppe vorangeschritten. Sie umfasst inzwischen 30 Mitglieder und trifft sich alle zwei Wochen im Lautenschläger-Hörsaal der Juristischen Fakultät Heidelberg, für dessen Zurverfügungstellung wir uns herzlich bedanken möchten. Anhörungsberatung Anfang Mai konnten wir mit der Anhörungsberatung als Kernanliegen des asylrechtlichen Zweigs unseres Vereins beginnen. Seither bieten wir jeden Mittwochabend von 18:00 bis 21:00 Uhr in den Räumen des Asylarbeitskreises Heidelberg (Plöck 101, Heidelberg) eine Sprechstunde für all diejenigen an, die sich über die Anhörung im Rahmen des Asylverfahrens informieren möchten. Im Rahmen der Anhörung hat der Asylsuchende die Gelegenheit, aber auch die Pflicht, alle Gründe darzulegen, weshalb er sein Herkunftsland verlassen musste und welche Konsequenzen ihm bei einer Rückkehr drohen. Neben der Frage, ob die persönlichen Erlebnisse als asylrechtsrelevant einzustufen sind, dient die Anhörung dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auch dazu, sich ein Bild von der Glaubwürdigkeit des Asylsuchenden zu machen. Bei Zweifeln droht der gesamte Vortrag als unglaubwürdig eingestuft und der Asylantrag als offensichtlich unbegründet abgelehnt zu werden. Nach 30 Abs. 3 Nr. 1 AsylVfG gilt der Vortrag insbesondere dann als unglaubwürdig, wenn er in wesentlichen Punkten nicht substantiiert oder in sich widersprüchlich ist, offenkundig den Tatsachen nicht entspricht oder auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel gestützt wird. Die Anhörung ist für den Asylsuchenden regelmäßig mit Stress und großer Angst verbunden, weshalb es uns ein Anliegen ist, auf diese Situation vorzubereiten: Gemeinsam simulieren wir die Befragung vor dem Bundesamt und weisen konstruktiv auf mögliche Widersprüche in der Erzählung hin. Inzwischen haben bereits ca. 40 Asylsuchende zu uns gefunden, überwiegend aus dem arabischsprachigen Raum und Ostafrika. -8-

10 Kooperationen Wir freuen uns sehr, mit dem Diakonischen Werk und dem Asylarbeitskreis Heidelberg zwei erfahrene und gut vernetzte Kooperationspartner gewonnen zu haben Erst die Zusammenarbeit hat es möglich gemacht, unser Angebot an potenzielle Klienten heranzutragen und die Idee einer Anhörungsberatung Realität werden zu lassen. Ohne die vom Asylarbeitskreis zur Verfügung gestellten Räume und die von allen Seiten vermittelten Dolmetscher könnte unsere Sprechstunde nicht stattfinden. Die vom Diakonischen Werk und Herrn RA Münch angebotenen Hospitationsplätze in seiner wöchentlichen asyl- und ausländerrechtlichen Beratung bieten uns immer wieder lehrreiche Einblicke und sensibilisieren für Besonderheiten asylrechtlicher Beratung: Wie begegnet man dem Mandanten, wenn eine Sprachbarriere besteht? Was tun bei unglaubwürdigen Erzählungen? Und wie professionellen Abstand gewinnen zu den oftmals sehr bewegenden Schicksalen? Die Kooperation mit anderen Refugee Law Clinics in Deutschland erlaubt uns darüber hinaus den Rückgriff auf die Erfahrung bereits länger laufender Projekte. Neben Informationsmaterial zum Asylrecht tauschen wir uns über verschiedene Möglichkeiten aus, die Gruppenarbeit zu organisieren. Daher sind wir auch dem im August diesen Jahres gegründeten Dachverband refugee law clinics Germany beigetreten. Schließlich ist es uns gelungen, eine Schlüsselqualifikationsveranstaltung zum Asylrecht ins universitäre Programm zu integrieren. Dazu zählen im Rahmen des universitären Lehrplans alle Veranstaltungen, in der die Studierenden eine eigene, rhetorisch-kommunikative Prüfungsleistung erbringen. Ab dem Wintersemester 2014/2015 finden Studierende der juristischen Fakultät das Angebot im Vorlesungsverzeichnis. Die Teilnahme an der Schlüsselqualifikation soll zugleich Bedingung für eine beratende Tätigkeit im Rahmen unseres Vereins sein und garantiert so dauerhaft die Qualität der Anhörungsberatungen. Fortbildungen Da das Asyl- und Flüchtlingsrecht ansonsten aber nach wie vor nicht in den Lehrplan der juristischen Fakultät eingebunden ist, sind wir neben Eigenstudium und Austausch innerhalb der Gruppe auf Fortbildungen durch unseren Beirat angewiesen. Frau RAin Feßenbecker, Herr RA Münch, Herr RA Schmidt-Rohr, Herrn RA Blechinger und Herr RA Werther bieten uns immer wieder die Gelegenheit zur Fortbildung in den für unsere Beratung einschlägigen Rechtsgebieten. Für dieses Engagement möchten wir uns ganz herzlich bedanken -9-

11 Ausblick Neben der Weiterführung unserer Anhörungsberatung planen wir Besuche in den Asylbewerberheimen, um dort den Ablauf des Asylverfahrens zu erklären und auf die herausragende Bedeutung der Anhörung hinzuweisen. Eine Arbeitsgruppe hat dafür Übersichten über das Asylverfahren erstellt und die Übersetzung in verschiedene Sprachen organisiert. Zudem möchten wir Flüchtlinge, die gemäß der Dublin III-VO in einen anderen Mitgliedstaat abgeschoben werden sollen, beim Verfassen von Anfechtungsklagen gegen Überstellungsbescheide unterstützen. Anfang November haben wir gemeinsam mit Herrn RA Schmidt-Rohr und Herrn RA Werther begonnen, uns im Rahmen eines Workshops auf das Schreiben solcher Klagebegründungen vorzubereiten. Dies ist also ein weiterer Schritt zur Ausweitung unseres Beratungsangebots und dahin, uns als feste Anlaufstelle für Ratsuchende in Heidelberg zu etablieren Kontakt: -10-

12 Vor meinem Engagement bei ProBono Heidelberg habe ich zwar schon einmal in einer Beratungsstelle für Asylsuchende und Migranten gearbeitet. In der Asylrechtsgruppe des Vereins mache ich aber zum ersten Mal die Erfahrung, dass es auf meinen Einsatz wirklich ankommt. Das ist vor allem den organisierten Strukturen zu verdanken: Aufgaben werden konkret verteilt und individuelle Verantwortlichkeiten begründet. Claudia Kolba Gruppe Asylrecht -11-

13 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, stellen Sie sich vor, Sie kämen als Fremder nach Deutschland, geflohen vor Krieg oder Verfolgung, und müssten sich in einem für Sie fremden Rechtssystem in einer fremden Sprache und fremder Kultur zurechtfinden. Oder Sie sind auf staatliche Unterstützung angewiesen und haben nicht das Geld einen Anwalt aufzusuchen, um zu erfahren, ob Sie überhaupt Ansprüche gegen z.b. den Vermieter, ein Unternehmen etc. geltend machen könnten. Mit unserem Verein Probono Heidelberg Studentische Rechtsberatung e.v. konnten wir im vergangenen Jahr vielen Menschen helfen, die so oder so ähnlich hilflos und überfordert rechtlichen Fragen und Problemen gegenüber stehen. Damit wir auch weiter Ratsuchenden unsere Hilfe anbieten können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen möchten, würden wir uns sehr über Ihre Spende freuen. Geldspenden können Sie direkt auf unser Konto bei der GLS Gemeinschaftsbank Bochum BIC: GENODEM1GLS IBAN: DE überweisen. Sollten Sie eine Zuwendungsbescheinigung wünschen, können Sie uns gerne Ihre Daten via oder Post mitteilen. Für die Beratung von Flüchtlingen suchen wir darüber hinaus dringend Übersetzer, vor allem für die Sprachen Arabisch, Kurdisch, Persisch, Urdu, Serbisch, Russisch, Tigrinya usw. Möchten Sie uns mit einer Sachspende oder Ihrer persönliche Mithilfe unterstützen, wäre es nett, wenn Sie direkt mit uns Kontakt aufnehmen wir können dann alles Weitere besprechen. Wir bedanken uns an dieser Stelle ganz herzlich für Ihre Hilfe Für weitere Informationen über Pro Bono: probono-heidelberg.de Facebook: Pro Bono Heidelberg - Studentische Rechtsberatung e.v. -12-

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