Technische Universität Chemnitz. Prof. Dr.-Ing. habil.

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1 Technische Universität Chemnitz SFB 692 Newsletter Ausgabe 2 November 2010 Editoral Liebe Leserinnen und Leser, seit dem Beginn der zweiten Phase des Sonderforschungsbereichs 692 Hochfeste Aluminiumbasierte Leichtbauwerkstoffe für Sicherheitsbauteile ist nun schon wieder fast ein Jahr vergangen. Dass die vergangenen Monate gut genutzt wurden, zeigte die hohe Qualität des 2. SFB-Kolloquiums, welches am 01. Oktober an der TU Chemnitz stattfand. Ein Bericht hierzu findet sich auf Seite 7 des Newsletters. Mit der vorliegenden Ausgabe möchten wir beginnen, die einzelnen Projektbereiche und deren Teilprojekte näher vorzustellen. Den Anfang macht in dieser Ausgabe der Teilprojektbereich A, der sich mit dem Werkstoffdesign und den Halbzeugen befasst. Forschung wird von Menschen gemacht. In den Teilprojekten arbeiten junge Wissenschaftlerinnen und Wisssenschaftler unter der Anleitung der erfahrenen Teilprojektleiter. Diese Nachwuchsforscher sollen bei dieser Gelegenheit ebenfalls vorgestellt werden. Unser Newsletter soll vor allem aktuelle Themen reflektieren. In der vorliegenden Ausgabe werden mit dem Nanointender und der Mikrokorrosionsmesszelle zwei neue Untersuchungsgeräte vorgestellt, die dem Sonderforschungsbereich ab sofort zur Verfügung stehen. Ferner soll in der Rubrik Aktuelles auch über sonstige Neuigkeiten aus den Teilprojekten informiert werden. Neben der Anschaffung neuer Untersuchungstechnik betrifft dies u.a. auch die Beteiligung des Sonderforschungsbereichs an Tagungen, Messen usw. Natürlich sind wir dankbar für Hinweise und Ideen zur weiteren Verbesserung unseres Newsletters. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen. Prof. Dr.-Ing. habil. Bernhard Wielage Sprecher des Sonderforschungsbereichs Dr.-Ing. Gert Alisch Geschäftsführer des Sonderforschungsbereichs In dieser Ausgabe: Projektbereiche vorgestellt der Überblick 2 Teilprojekt A1 - Eigenschaftsoptimierung von hochfesten Al-Legierungen 3 Teilprojekt A2 - Werkstoffdesign und TMB von AMCs 4 Teilprojekt A3 - Halbzeugtechnologie für Al-Werkstoffverbunde 5 Teilprojekt A4 - Technologien für gradierte ultrafeinkörnige Werkstoffe 6 Aktuelles - Bericht vom 2. Wissenschaftlichen SFB-Kolloquium - Hightec für die Forschung - Auszeichnung mit dem Universitätspreis - Ankündigungen 7-8 Impressum 8

2 Seite 2 Newsletter des SFB 692 HALS Ausgabe 02/2010 Projektbereiche vorgestellt der Überblick Der SFB 692 umfasst 4 Projektbereiche, denen 13 wissenschaftliche Teilprojekte zugeordnet sind. Ergänzt werden diese durch einen Transferbereich mit zwei Teilprojekten. B2 Korrosions und Verschleißschutz von Al-basierten Werkstoffen Lampke, Nickel B3 Experimentelle Untersuchungen und numerische Simulation des Grenzschichtverhaltens von Al-Werkstoffverbunden Awiszus, Binotsch, Stockmann Kennwerte / Simulation / Modelle Die Teilprojekte befassen sich mit dem Versagensverhalten, Materialgesetzen und Auslegungs- und Sicherheitskonzepten. Darüber hinaus werden im Teilprojekt C4 ökonomische Fragestellungen untersucht. C1 Festigkeit/Versagen Halle Werkstoffdesign / Halbzeuge Die Teilprojekte im Projektbereich A befassen sich mit der Entwicklung und Herstellung der neuen Werkstoffe und der jeweiligen Halbzeuge. In einem neuen Teilprojekt (A4) stehen gradierte Werkstoffe im Focus. A1 Eigenschaftsoptimierung von hochfesten Al-Legierungen Meyer, Wagner A2 Werkstoffdesign und TMB von AMCs Wielage, Wagner, Nestler, Meyer, Hockauf A3 Halbzeugtechnologie für Al-Werkstoffverbunde Neugebauer, Glaß A4 Technologien für gradierte ultrafeinkörnige Werkstoffe Neugebauer, Sterzing Oberfläche / Grenzfläche Im Projektbereich B befassen sich die Teilprojekte mit dem Design und den Eigenschaften der Oberflächen bzw. Grenzflächen von Halbzeugen und Bauteilen sowie mit der Oberfläche von Werkzeugen für das Massivumformen ultrafeinkörniger hochfester Aluminiumlegierungen. B1 Oberflächen-Engineering von Werkzeugen Lampke, Rupprecht, G. Schmidt C2 Materialgesetze, Identifikation und Modelle für die durchgängige Prozessführung Ihlemann, Putz C3 Entwicklung eines Auslegungs- und Sicherheitskonzeptes für Aluminium-Sicherheitsbauteile Matthes, Leidich C4 Target Life Cycle Costing und Management Götze, A. Schmidt Prozesse / Werkzeuge / Anlagen Im Projektbereich D stehen die Entwicklung von Prozessketten, die spanende Bearbeitung und das Fügen der neuen Werkstoffe im Fokus. D2 Erzeugen definierter Oberflächen durch spanende Endbearbeitung neuartiger Leichtbauwerkstoffe Schubert D4 Fügen von hochfesten Mischbauweisen und Al-Matrix- Verbundwerkstoffen Wielage, Hoyer, Grund Transferbereich T1 Oberflächenveredlung aluminiumbasierter Schrauben Lampke T2 Industrielle Umsetzung eines ECAP-Halbzeuges Halle

3 Spannung [MPa] Dehnung [%] Seite 3 Newsletter des SFB 692 HALS Ausgabe 02/2010 Teilprojekt A1 vorgestellt - Eigenschaftsoptimierung von hochfesten Al-Legierungen Zielstellung Teilprojekt A1 Eigenschaftsoptimierung von hochfesten Al-Legierungen beschäftigt sich zunächst mit der Entwicklung und Fertigung eines Werkzeugprototyps für die ECAP-Umformung. Mit dessen Hilfe sollen höchstfeste Aluminiumlegierungen hochgradig plastisch umgeformt werden. Als Versuchswerkstoff dient die Legierung EN AW In diesem Zusammenhang soll der Einfluss von vorliegenden Verunreinigungen untersucht und charakterisiert werden. Durch geeignete Wärmebehandlungsstrategien sollen optimierte Zustände eingestellt und anschließend an weitere Teilprojekte ausgeliefert werden. Ergebnisse Prinzipielle Darstellung von ECAP zur Herstellung von Halbzeugen mit hochgradig plastischer Verformung: Probleme bei der Umformung an der höchstfesten Legierung EN AW-7075: Durch das Anlegen eines Gegendrucks sowie dessen Variation kann die Verformbarkeit erhöht werden. Jedoch wurden bislang weder durch den Einsatz des Gegendrucks, noch durch die Verformung bei erhöhten Temperaturen, Eigenschaftsverbesserungen erzielt. R m R p0,2 A 3 Auf Grund des größeren Verformungsvermögens von kfz-metallen bei tiefen Temperaturen soll zukünftig ECAP bei kryogenen Temperaturen durchgeführt werden. Die Verbesserung der mechanischen Eigenschaften konnte mit Hilfe von Vorversuchen durch Tieftemperaturwalzen gezeigt werden. Die Anfangsfließgrenze konnte direkt nach dem Walzen bei 77 K um ca. 10 % gesteigert werden, jedoch bei gleichzeitiger Reduzierung der Duktilität. Eine an den Umformprozess angeschlossene Wärmebehandlung (optimiert) erbrachte eine zusätzliche Steigerung von Festigkeit und Duktilität. ECAP bei kryogenen Temperaturen mit Gegendruck mit Hilfe eines gekühlten Werkzeugkanals. Dipl.-Ing. Sebastian Fritsch 1982 in Karl-Marx-Stadt Maschinenbaustudium mit Fachrichtung Werkstofftechnik an der TU Chemnitz Seit 2009 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Werkstofftechnik Seit 2010 Abteilungsleiter Mechanische Prüfung am Institut Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnik Bearbeiter des Projektes Untersuchung der Prozesskette zur Herstellung einer beta-titan Hohlwelle Seit Januar 2010 Doktorand und Bearbeiter im Teilprojekt A1. A g EN AW-7075 T651 Im Gegensatz zu den hochfesten Aluminiumlegierungen EN AW-6056 und EN AW-6082 zeigt die Legierung EN AW-7075 keine Erhöhung der Festigkeit nach den einzelnen Umformschritten. Literatur: Fritsch, S.; Hockauf, M.; Schönherr, R.; Hunger, S.; Meyer, L.W.; Wagner, M. F.-X.: Untersuchung zum Einfluss von ECAP und Tieftemperaturwalzen auf die mechanischen Eigenschaften der Aluminiumlegierung 7075, Materialwissenschaft und Werkstofftechnik, 41 (2010) 1,

4 Temperatur Seite 4 Newsletter des SFB 692 HALS Ausgabe 02/2010 Zielstellung Teilprojekt A2 vorgestellt - Werkstoffdesign und TMB von AMCs Herstellung partikelverstärkter Aluminiumlegierungen (AMCs - engl.: Aluminum Matrix Composites) Eigenschaftsoptimierung durch das ECAP-Verfahren und eine Wärmebehandlung Umfassende Charakterisierung zum Verständnis der Zusammenhänge zwischen Mikrostruktur und mechanischen Eigenschaften Ergebnisse Herstellung (a) und Ergebnisse (b) einer 5 vol.-% Al2O3- verstärkten Al-Legierung Hochenergiekugelmahlen (HEM ) 5 % Al 2 O 3 (0,2 bis 2 µm) Rotor AA2017 Pulver (< 100 µm) Heißentgasen a) Dipl.-Ing. Steve Siebeck 1979 in Karl-Marx-Stadt Maschinenbaustudium mit Fachrichtung Antriebstechnik/ Werkstofftechnik an der TUC Stahlkugeln Herstellung der Halbzeuge mittels Strangpressen Stahlmantel Kompaktieren mittels Heißisostatischem Pressen (HIP) Seit 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Verbundwerkstoffe Seit September 2008 Doktorand und Bearbeiter des Teilprojektes A2 Wärmebehandlung ECAP RT Literatur: Zeit TEM-Aufnahme der Mikrostruktur - deutliche Verbesserung der Festigkeit durch ECAP - zusätzliche Erhöhung der Festigkeit und der Verformungsfähigkeit durch optimierte Wärmebehandlung - gute Partikelverteilung und -einbettung - keine ausgeprägte Agglomeration - porenfreies Gefüge - keine Reaktionsphasen zwischen Partikel und Matrix Technische Dehnung (%) Podlesak, H.; Siebeck, S.; Mücklich, S.; Hockauf, M.; Meyer, L.; Wielage, B.; Weber, D.: Pulvermetallurgische Erzeugung von SiCund Al 2O 3-verstärkten Al-Cu-Legierungen, Materialwissenschaft und Werkstofftechnik, 40 (2009) 7, Wagner S.; Podlesak H.; Siebeck S.; Nestler D.; Wagner M.F.-X..; Wielage B.; Hockauf M.: Einfluss von ECAP und Wärmebehandlung auf Mikrostruktur und mechanische Eigenschaften einer SiC-verstärkten AlCu-Legierung, Mat.-wiss. u. Werkstofftech. 41, (2010) 9, Wielage, B.; Nestler, D.; Siebeck, S.; Podlesak, H.: Untersuchungen zur Herstellung siliziumkarbid-partikelverstärkter Aluminiumpulver durch Hochenergiekugelmahlen., Materialwissenschaft und Werkstofftechnik, 41 (2010) 6, Technische Spannung (MPa) Mechanische Eigenschaften E1 b) 400 T4 kaltausgehärteter Ausgangszustand E1 ECAPierter Zustand 200 E1opt ECAPierter Zustand mit nachfolgender Optimierungsglühung bei 140 C nach 40 min LG+WQ+E1+Auslagerung bei 140 C LG+WQ+E1+Auslagerung bei 200 C 170 C_5%Al2O3 vs Col 14 E1opt T4 Dipl.-Ing. Swetlana Wagner 1983 in Tschimkent Maschinenbaustudium mit Fachrichtung Fertigungstechnik an der FH Mittweida Maschinenbau- Aufbaustudium mit Fachrichtung Werkstofftechnik an der TUC Seit 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Werkstofftechnik Seit Oktober 2009 Doktorandin und Bearbeiterin des Teilprojektes A2

5 Seite 5 Newsletter des SFB 692 HALS Ausgabe 02/2010 Teilprojekt A3 vorgestellt - Halbzeugtechnologie für Al-Werkstoffverbunde Zielstellung Das Teilprojekt A3 beschäftigt sich mit der umformtechnischen Herstellung von Halbzeugen aus Leichtmetallverbunden, bestehend aus Magnesium- und Aluminiumlegierungen. Der bereits erzielte stoffschlüssige Verbund soll in den geplanten Folgeversuchen reproduzierbar nachgewiesen und in seinen Eigenschaften durch gezielte Maßnahmen verbessert und charakterisiert werden. Für die Umsetzung der Verbunderzeugung wird das Querfließpressen unter Verwendung eines temperierten Werkzeuges genutzt. Mit der über den Umformvorgang zunehmenden Oberflächenvergrößerung und dem vorherrschenden Druck in der Wirkfuge kann bei Temperaturen von über 225 C eine stoffschlüssige Verbindung erzielt werden. Das sich über den Umformvorgang ausbildende Interface ist bei Raumtemperatur durch die spröden Eigenschaften der darin enthaltenen intermetallischen Phasen charakterisiert. Eine Verminderung dieser sich negativ auswirkenden Einschlüsse soll durch das Einbringen von Zwischenschichten untersucht werden. Die damit gewonnenen Ergebnisse dienen als Anhaltspunkte für die Durchführung der Strangpressverfahren, speziell für das hydrostatische und indirekte Strangpressen, zur Herstellung von Verbundhalbzeugen. Dipl.-Ing. (FH) Sebastian Porstmann 1984 in Freiberg Studium des Maschinenbaus an der Hochschule Mittweida (FH) Ergebnisse Abb. 1: Grenzschicht im Zapfenquerschnitt Al-Zn-Mg Durch das Querfließpressen konnte zunächst ein stoffschlüssiger Verbund der Leichtmetalle erzielt werden. Die Reproduzierbarkeit wird allerdings durch den stark adhäsiven Verschleiß der Aktivelemente erschwert. Das sich dabei ausbildende Interface ist bei Raumtemperatur durch spröde Eigenschaften definiert, was die Anwendbarkeit eines derartigen Stoffverbundes einschränkt. Daher wurde in Anlehnung an Erkenntnisse aus der Literatur die Einwirkung von Zwischenschichten der Werkstoffe Kupfer, Messing und Zink untersucht. Bei Umformtemperaturen von ca. 300 bis 350 C hat ausschließlich Zink eine positive Veränderung des Interfaces bewirkt. Eine qualitative Bewertung erfolgte anhand der in Abbildung 1 dargestellten Querschnitte, die aus einer Querfließpressprobe mit Zink als Zwischenschicht erstellt wurden. Nach der Optimierung des Tribosystems, in Zusammenarbeit mit dem Teilprojekt B1 (Oberflächen-Engineering), werden die Querfließpressversuche unter reproduzierbaren Bedingungen wiederholt. Hierbei sollen Verbunde mit Zink als Zwischenschicht nach qualitativen und quantitativen Merkmalen untersucht und Verbunden ohne Zwischenschicht gegenübergestellt werden. Seit 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IWU in Chemnitz Seit April 2010 Bearbeiter im Teilprojekt A3 Die Bewertung der sich über den Umformprozess ausbildenden Phasen erfolgt im Anschluss in Kooperation mit den Teilprojekten B2 (Werkstofftechnik) und B3 (Technische Mechanik). Parallel dazu werden Versuche auf einer indirekten Strangpresse mit dem Teilprojekt B3 (FE-Simulation) vorbereitet, um die Verbundbildung durch dieses Verfahren weiter untersuchen zu können.

6 Seite 6 Newsletter des SFB 692 HALS Ausgabe 02/2010 Teilprojekt A4 vorgestellt - Technologien für gradierte ultrafeinkörnige Werkstoffe Zielstellung Das seit 2010 integrierte Teilprojekt A4 befasst sich mit der Entwicklung und systematischen Durchdringung von Verfahren, die umformtechnisch einen definierten Gradienten der Korngröße von grobkörnig bis ultrafeinkörnig im Werkstoffvolumen einstellen und zur gezielten Eigenschaftsverbesserung am Bauteil führen. Unterschiedliche Massivumformverfahren sollen hinsichtlich ihrer Eignung zur Gradierung wissenschaftlich untersucht und Halbzeuge zur Fertigung des Demonstrators Al-Schraube bereitgestellt werden. Schraube mit Korngrößengradient Ergebnisse Die Kombination eines normalkörnigen Bereiches im Kern und ultrafeinkörnigen Arealen im Oberflächenbereich soll zu herausragenden Bauteileigenschaften führen. Dabei liefert der ultrafeinkörnige Bereich eine hohe statische und dynamische Festigkeit, einen verbesserten Korrosionswiderstand und verbesserte Beschichtbarkeit. Mit dem normalkörnigen Kern wird eine gute Duktilität und Zähigkeit und ein hoher Widerstand gegen Rissausbreitung bereitgestellt. Im Ergebnis wird eine für hochfeste Sicherheitsbauteile relevante Charakteristik des Bauteiles erzielt. Vorarbeiten zeigen, dass inkrementelle Massivumformverfahren eine definierte lokale Feinkörnung herbeiführen können. Auf Basis dieser Erkenntnis wurde ein inkrementelles Walzverfahren für stabförmige Halbzeuge entwickelt. Für das als Gradierungswalzen bezeichnete Verfahren wurde das Patent DE erteilt, welches das Verfahren und das Halbzeug umfasst. Im Prinzip handelt es sich um einen vom Drückwalzen abgeleiteten Prozess für Vollquerschnitte, wobei die Zielstellung nicht in der Geometriebildung besteht. In der Walkzone werden vielmehr kleine Umformschritte zu hohen Umformgraden kumuliert, um damit die Mikrostruktur des Bauteiles gezielt zu modifizieren. Während des Prozesses dringen die Drückrollen in das Halbzeug ein und reduzieren den Durchmesser. Hinter den Drückrollen wird der Werkstoff wieder aufgestaut. Im idealisierten Fall sind Ausgangs- und Enddurchmesser gleich. Ein wesentli- Prinzip Gradierungswalzen cher Vorteil des Verfahrens insbesondere bei der Verarbeitung ausscheidungshärtender Aluminiumlegierungen ist die Möglichkeit der Temperatursteuerung durch Zuführung eines Kühlmediums an die Umformzone. Erfolgreich wurde u.a. an der Legierung EN AW-6082 eine Gradierung der Korngröße und der Eigenschaften eingestellt. Dipl.-Ing. Markus Bergmann 1979 in Lichtenstein Studium des Maschinenbaus an der TU-Chemnitz wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IWU in Chemnitz Seit 2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Werkzeugmaschinen und Produktionsprozesse Seit Februar 2010 Doktorand und Bearbeiter im Teilprojekt A4 Gradierte Werkstoffe In Fortführung der Untersuchungen werden Ausprägung und Eigenschaften der Gradierung durch Variation der Parameter des Verfahrens erforscht. Die Breite der UFG Zone und die Intensität der Kornfeinung ist über Eindringtiefe, Vorschub und Breite der Umformzone steuerbar. Das für die Halbzeugmodifizierung einsetzbare Gradierungswalzen wird am Anfang der Demonstrator-Prozesskette durchgeführt. Durch eine umformtechnische Prozesskette wird der ultrafeinkörnige Bereich an die Endgeometrie angepasst. Mit Temperaturführung über die Prozesskette und Wärmebehandlun- Prozesskette gradierte Schraube gen werden die Potenziale des Werkstoffes ausgenutzt. Aktuelle Schwerpunkte der Arbeiten sind die mechanische Charakterisierung mit Minizugproben, die Skalierung des Gradierungswalzens auf Durchmesser im Bereich 10 mm und die Entwicklung einer Presstechnologie, welche eine Gradierung der Mikrostruktur ermöglicht. Ein weiterer Meilenstein wird die Verarbeitung der Legierung EN AW-7075 im Jahr 2011.

7 Seite 7 Newsletter des SFB 692 HALS Ausgabe 02/2010 Aktuelles Bericht vom 2. SFB-Kolloquium am 01. Oktober 2010 Am 01. Oktober 2010 fand an der Technischen Universität Chemnitz das 2. Kolloquium des Sonderforschungsbereichs 692 Hochfeste aluminiumbasierte Leichtbauwerkstoffe für Sicherheitsbauteile (HALS) statt. Die Konferenz war eingebettet in das 13. Werkstofftechnische Kolloquium (WTK). An der Veranstaltung nahmen neben den SFB-Mitgliedern und Mitarbeitern zahlreiche Gäste und Gutachter des SFB sowie Fachexperten aus der Industrie und aus den Forschungsinstituten teil. Das ganztägige, außerordentlich gut besuchte SFB-Kolloquium mit über 90 Teilnehmern wurde mit einer Einführung durch den Sprecher, Herrn Professor Bernhard Wielage, eröffnet. Im Anschluss daran berichteten die Wissenschaftler in ihren Fachvorträgen über die aktuellen Ergebnisse, die angeregt diskutiert wurden. Eröffnung der Veranstaltung durch den Sprecher des SFB 692, Prof. Dr. Bernhard Wielage Bereits im ersten Jahr der zweiten Förderperiode konnten für alle drei Werkstoffgruppen (hochfeste Al-Knetlegierungen, AMCs, Al- Mg-Verbunde) herausragende neue Forschungsergebnisse präsentiert und somit der Fortschritt gegenüber der letzten Begutachtung im September 2009 nachgewiesen werden. Sämtliche Beiträge des SFB-Kolloquiums wurden im Heft 9/2010 der Zeitschrift Materialwissenschaft und Werkstofftechnik veröffentlicht.

8 Seite 8 Newsletter des SFB 692 HALS Ausgabe 02/2010 Aktuelles Auszeichnung Dr. M. Hockauf (Foto links hinten), seit 2010 Teilprojektleiter im SFB 692, erhielt den Universitätspreis an der Fakultät Maschinenbau für seine Dissertation über das Fließspannungsverhalten ultrafeinkörniger Aluminiumwerkstoffe unter besonderer Berücksichtigung der Dehnrate. Bild: Pressestelle der TU Chemnitz Ankündigungen Hightec für die Forschung Im Rahmen der 2. Förderperiode des SFB 692 HALS konnten ein Nanoindenter (TP B1) und ein Mikro-Korrosionsmesszellen-System (TP B2) neu beschafft und bereits im Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnik in Betrieb genommen werden. Große Erkenntnisse mit kleiner Kraft Der Nanoindenter wird zur Bestimmung von lokalen mechanischen und tribologischen Eigenschaften von Werkstoffen, insbesondere von Dünnschichten (CVD und PVD), verwendet. Die integrierte hohe Kraft- und Wegauflösung ermöglicht es: - Indentationen (Härte, Elastizitätsmodul), - Mikroscratche (Schichtadhäsion) und - Mikroverschleißuntersuchungen (oszillierender Verschleiß) durchzuführen. Mit diesem neuen Großgerät können bei Schichtsystemen auf Probekörpern, Bauteilen und Werkzeugen die Schichteigenschaften verlässlich auf mikro- und nanoskopischer Ebene unabhängig vom Substrat ermittelt werden. Mit Mikrokapillaren der Korrosion auf der Spur Oben: Blick in die Probenkammer Rechts: Eindruck in einen Al-Matrix- Verbundwerkstoff Ansprechpartner: Dipl.-Ing. S. Nehrkorn Indenterspitze Probenoberfläche EUROMOLD Der SFB 692 tritt mit einem eigenen Ausstellungsstand auf der Messe EURO- MOLD 2010 (01. bis ) in Frankfurt/Main auf und beteiligt sich maßgeblich an dem darin eingebetteten Werkstoffforum. Die nächste Ausgabe des SFB 692- Newsletter erscheint im Mai Das Mikro-Korrosionsmesszellen-System wird zur Untersuchung lokaler Korrosionscharakteristika eingesetzt. Korrosionsschäden, die durch µm -große Schwachstellen im Werkstoffgefüge hervorgerufen werden, sind gezielt detektierbar. Neben den Oberflächen von Metallen und seinen Legierungen lassen sich auch Grenzflächen von Fügeverbindungen im Hinblick auf ihre mikrostrukturabhängige Korrosionsanfälligkeit untersuchen. Durch die hohe Stromauflösung können zusätzlich elektrisch nichtleitende Beschichtungen auf mögliche Defekte (Poren, Löcher) hin analysiert werden. Rechts: Lichtmikroskopische Aufnahme einer mit Silikon beschichteten Kapillare Unten: Blick in die Probenkammer Ansprechpartner: Dipl.-Chem. M. Händel 200 µm Prüfflächenöffnung Impressum Ausgabe: 02/2010 Herausgeber Prof. Dr.-Ing. habil. B. Wielage Sprecher SFB Chemnitz Tel.: +49(371) Fax: +49(371) Erscheinungsweise: 2 x jährlich Redaktion, Inhalt, Layout: Dr. G. Alisch Geschäftsführer SFB Chemnitz Tel.: +49(371) Fax: +49(371) Newsletter des SFB 692 HALS Online-Version:

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