Erfahrungsbericht ERASMUS Aufenthalt an der Université Bordeaux. Theresa Brandt. Sommersemester 2014

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1 Erfahrungsbericht ERASMUS Aufenthalt an der Université Bordeaux Theresa Brandt Sommersemester 2014

2 Im Sommersemester 2014 habe ich acht wunderbare Monate in Bordeaux verbracht und möchte euch hier von meinen Erfahrungen berichten. Bordeaux ist eine wunderschöne kleine Stadt, die mittlerweile ihre alte schwarze Fassade gegen den schönen, einzigartigen Sandstein, der durch großräumige Reinigungsarbeiten wieder hervorgeholt wird eingetauscht hat. Sie ist in ihrem Charme und Größe Heidelberg sehr ähnlich VORBEREITUNG Sprache Bereits für das Sprachzeugnis ist es sinnvoll noch mal einen Sprachkurs zur Auffrischung zu belegen. Vom Zentralen Sprachlabor in Heidelberg (ZSL) werden jedes Semester zahlreiche Kurse auf allen Niveaus angeboten. Auch der Kurs Francais Medical, der gut auf Anamneseerhebung und körperliche Untersuchung auf französischer Sprache vorbereitet, ist zu empfehlen. Je mehr Sprachkenntnisse, desto besser! Vor allem in Frankreich wird von den Studenten viel Patientenkontakt gefordert und ohne Sprachkenntnisse ist keine Kommunikation möglich. Ihr macht es euch also einfacher, indem ihr euch ordentlich vorbereitet. Ich persönlich habe kurz vor Semesterbeginn in Bordeaux noch einen 4- Wochen- Sprachkurs an der Alliance Francaise (http://www.alliance- bordeaux.org) absolviert, der mir wirklich sehr weiter geholfen hat. In den 4 Wochen, die ich schon vor Semesterbeginn vor Ort war, konnte ich außerdem schon mal mein Leben in Bordeaux organisieren Stadt und Leute kennenlernen, Bankkonto eröffnen, Handyvertrag organisieren, Fahrrad kaufen, CAF- Antrag stellen, etc. etc. Die Université Bordeaux bietet jedes Semster für alle ERASMUS- Medizinstudenten auch noch einmal einen kostenlosen Kurs Francais Medical an. Bei uns fand dieser Sprachkurs für Mediziner in der vierten Stagewoche statt. Es war kein Problem hierfür dem Stage fernzubleiben. Insgesamt war der Kurs in der Anfangszeit nützlich für die Anamneseerhebung und Fragestellung an die Patienten. Über das ganze Semester gibt es die Möglichkeit weitere Sprachkursen zu Schwerpunkten wie Grammatik oder Literatur zu belegen. Genauere Informationen bekommt man vom Sprachlehrer Bruno Le Mière (http://www.univ- bordeauxsegalen.fr/en/studies/learning- french/french- courses- for- foreign- students.html) Wohnungssuche Die Wohnungssuche in Bordeaux ist mit der Situation in Heidelberg zu vergleichen: es ist ziemlich schwierig, etwas Brauchbares zu angemessenem Preis zu finden. Wenn man ins Wohnheim möchte, darf man die Bewerbungsfrist nicht verpassen! Bei uns war die schon Mittte April, angeblich auch für diejenigen, die erst im Sommersemester nach

3 Bordeaux kamen. Man muss sich zunächst im Internet beim CROUS (http://www.crous- bordeaux.fr) anmelden und dann die dort beschriebenen Schritte befolgen. Ich habe mich allerdings gegen das Studentenwohnheim entschieden, da ich unbedingt mit Franzosen in einer WG leben wollte, um meine Französisch- Kenntnisse zu verbessern. Wenn man nicht ins Wohnheim möchte, lohnt es sich, sich bei anzumelden und hier auch die Kosten der Premiummitgliedschaft in Kauf zu nehmen, da die meisten dort angemeldeten Mitglieder oft nicht auf die Kurznachrichten, die man über Appartager verschicken kann, antworten. Mit der Premiummitgliedschaft bekommt man auch die Handynummern und dies erleichtert die Kontaktaufnahme. Über Appartager findet man sowohl WGs als auch möblierte Zimmer bei den Vermietern. Eine weitere Möglichkeit ist wo man nicht nur Zimmer und Wohnungen, sondern auch gebrauchte Möbel, Fahrräder und Sonstiges finden kann. Ich habe meine WG über Facebook gefunden. Gleich nach meiner Zusage für den ERASMUS- Platz habe ich mich in diversen ERAMUS- Bordeaux- Gruppen für das jeweilige Semester/Jahr angemeldet. Hier stellen regelmäßig ERASMI oder auch französische Studenten ihre Zimmer als Anzeige ein. Bei mir hat das sehr unkompliziert und schnell geklappt nach einem Skype- Vorstellungsgespräch mit meinen beiden französischen Mitbewohnern hatte ich bereits im November mein WG- Zimmer für meinen ERASMUS- Aufenthalt ab Januar. Wenn man weder über Appartager, noch über Leboncoin oder Facebook etwas findet, gibt es noch die Möglichkeit über die Seite der Universität zu suchen oder dem Bureau Vie Étudiante eine Mail zu schicken und dort um Hilfe zu bitten. Wohngeld CAF - Auch als deutscher ERAMUS- Student kann man das CAF beantragen, was sich wirklich lohnt, denn anders als in Deutschland bekommt in Frankreich jeder Student dieses Wohngeld (ca. 90 /Monat für ein WG- Zimmer), das nicht zurück gezahlt werden muss. Hierzu ist ein Mietvertrag und ein französisches Bankkonto unabdingbar. Die Bewerbung war bei mir jedoch unendlich mühsam und ich musste über Monate hinweg immer wieder neue Unterlagen einreichen. Das Ganze blieb jedoch ohne Erfolg und ich hatte den Eindruck, dass es je nach Sachbearbeiter auch sehr willkürlich zugeht, zumal andere Studenten längst ihr Geld bekommen hatte und dabei nicht mal ihren Mietvertrag vorzeigen mussten. Versucht es aber in jedem Fall und bewerbt euch, denn ihr habt ja nichts zu verlieren, außer ein bisschen Zeit und Nerven. Ich musste folgende Sachen einreichen: Bewerbungsformular (online oder vor Ort erhältlich, das auch der Vermieter unterschreiben muss), Kopie des Mietvertrags, Kopie des Personalausweises, übersetzte Geburtsurkunde, Kopie der Immatrikulationsbescheinigung oder Kopie des Studentenausweises, Kopie einer Bescheinigung über eine Krankenversicherung.

4 Anreise Ich bin mit dem Auto nach Bordeaux gereist. So konnte ich einerseits viel Gepäck mitnehmen und andererseits hatte ich ein Auto für viele tolle Ausflüge an den Strand oder in die Region zur Verfügung. In der Stadt habe ich mich natürlich nur via Fahrrad bewegt, dennoch war es eine goldrichtige Entscheidung das Auto mitzunehmen. Ich war so immer flexibel und konnte auch mal unter der Woche am Nachmittag an den Strand fahren. Parken ist zwar relativ schwierig und man muss manchmal sehr lange nach einem Parkplatz suchen, aber irgendwie geht es immer und ist meist auch kostenlos. Trotzdem ist es empfehlenswert, keine Sachen sichtbar im Auto liegen zu lassen! Freunden von uns mit deutschem Kennzeichen wurde die Scheibe eingeschlagen und diverse Dinge aus dem Auto gestohlen. Hierfür besteht vor allem Gefahr in der Ferienzeit (Juli, August, September). Bankkonto Im September gibt es spezielle Angebote für Studenten ein kostenloses Girokonto mit 50 Startguthaben einzurichten (z.b. BNP Paribas). Für die Eröffnung eines Kontos braucht ihr jedoch einen gültigen Mietvertrag. Da ich jedoch erst im Januar nach Bordeaux gekommen bin, galt dieses Angebot leider nicht mehr und ich entschied mich für ein Konto bei der Credit Agricole (CA Aquitaine). Dort musste ich zwar eine kleine monatliche Gebühr für das Konto (ca. 3 ) und einmalig 10 für die Bankkarte bezahlen, war aber insgesamt sehr zufrieden damit. Die Konten sind bei fast jeder Bank in der Regel flexibel kündbar, also kein Problem für ERASMI ist, die nur 6-8 Monate bleiben. Versicherung für das Stage und die Einschreibung Da man in den Stages weitgehend alleine arbeitet, benötigt man eine Berufshaftpflichtversicherung. Diese kann man günstig (15 ) bei MACSF abschließen, die eine Filiale gleich neben dem Hôpital Pellegrin haben (https://www.macsf.fr/nous- connaitre/contactez- nous/les- agences/agence- bordeaux- pellegrin.html). Für die Immatrikulation bei Madame Todesco benötigt man diese Versicherung, eine Krankenkassenversicherungskarte, ein Passfoto und den Personalausweis. Fahrrad / Tram Ich habe mich gegen die Tram und für ein Fahrrad entschieden. Für die erste Zeit, in der ich noch kein Fahrrad hatte, habe ich mir 10er Karten geholt (7,00 ). Das reicht vollkommen aus, um die Tram z.b. bei strömendem Regen als Ausweichmöglichkeit zu nutzen. Ich habe mein Fahrrad bei Recup R gekauft (http://www.recupr.org/spip/index.php). Recup R ist ein Verein hinter dem Bahnhof, der gebrauchte oder kaputte Bordelaiser Fahrräder wieder aufbereitet und weiter verkauft. Der Verein verfügt sowohl über eine

5 Werkstatt, in der man sein Fahrrad falls nötig mal reparieren kann, als auch über ein Atelier mit Fahrradaccessoirs, etc. Ich war sehr zufrieden mit meinem Fahrrad und kann Recup R nur weiterempfehlen. Es gibt sonst auch die Möglichkeit, über den TBC oder das Masion de Vélo Fahrräder zu leihen. Die Fahrräder vom Maison de Vélo sind für Studenten umsonst, nur muss man eine Kaution von 200 hinterlassen, falls es gestohlen wird. Für die Fahrräder des TBC, die VCubs registriert man sich am Schalter des TBC, zahlt je nach Abonnement (1 Tag : 1, 1 Monat: 7 oder 1 Jahr: 25 ) und muss seine Kontodaten als Garantie hinterlassen. Sollte man das VCub nicht zurück bringen, werden 250 fällig. Im Gegenzug bekommt man einen Code mit dem man an den Stationen die VCubs ausleihen kann. Das System mit den VCubs läuft wie folgt: an fast jeder Tramhaltestelle kann man eins ausleihen. Hierzu gibt man über die Steuereinheit seinen Code ein und kann damit das Fahrrad aus den Schlössern lösen. Im Anschluss kann dann damit eine halbe Stunde kostenlos fahren. Wenn man länger fahren möchte, auch kein Problem: man fährt innerhalb der halben Stunde eine Station an und stellt das Fahrrad kurz wieder ein, um es dann wieder auszuleihen. So hat man wieder eine halbe Stunde kostenlos zur Verfügung. Das Problem hierbei ist nur: nachts bekommt man in der Stadt nur sehr schwer ein Fahrrad (da keine Tram fährt, nutzen Viele mit Tramticket die Fahrräder) und morgens sind an der Uni alle Plätze belegt und man muss eine andere Stelle zum Abstellen suchen. Die Fahrräder sind aber immer mit Licht ausgestattet und relativ straßentauglich. Ansonsten lohnt es sich immer mal wieder in die ERASMUS Gruppen auf Facebook reinzuschauen. Handy Um auch in Frankreich mobil erreichbar zu sein, habe ich mir einen flexiblen Vertrag bei Free Mobile geholt, der jederzeit kündbar ist und welcher Folgendes beinhaltete: unlimited Anrufe und SMS innerhalb Frankreichs, unlimited 3G, unlimited Anrufe ins Festnetz in fast ganz Europa (also auch nach Deutschland) und auf Handys in USA und Kanada. Und das alles für 19,99 im Monat! Bei solch einem Angebot kann man schon davon ausgehen, dass das Netz nicht zu den Besten gehört und so war es im Endeffekt auch, aber die unbegrenzten Anrufe ins deutsche Festnetz waren sehr hilfreich und angenehm. STUDIUM Noch in Heidelberg gilt es den Contrat Pedagogique auszufüllen. An der Université Bordeaux ist es möglich fast den kompletten Block III zu absolvieren. Hierzu zählen Neurologie, HNO, Ophthalmologie und Psychiatrie, welches der UE (unité d einseignement) Neurologie Psycho- Sensorielle entspricht. Block III in Heidelberg

6 wird von den Fächern Dermatologie und Infektiologie komplettiert, was in Bordeaux jedoch einer Riesen- UE mit zusätzlicher immenser Prüfung entspricht, während HeiCuMed nur 4 Wochen hierfür vorsieht. Ich würde euch also empfehlen 1 UE (Neurologie Psycho- Sensorielle) zu wählen, die Scheine Derma und Infektio lieber in Heidelberg abzulegen und den Rest der Zeit je nach gusto mit Stage Libre aufzufüllen, die ihr euch dann sogar als Famulaturen anrechnen lassen könnt. Block IV (Gynäkologie, Pädiatrie, ARSU, Humangenetik, EBI) ist leider nicht so einfach zu belegen, denn anscheinend gibt es nicht genügend Plätze für Gynäkologie und Pädiatrie in Bordeaux, um auch noch die ERASMI zu versorgen. Für mich erwies sich das als nicht so gravierend, da ich aus organisatorischen Gründen sowieso nur ein Semester gehen wollte und so hab ich mich dann einfach für Block III im Sommersemester entschieden. In jeder UE, die insgesamt 11 Wochen dauert, darf man eine Fachrichtung wählen, in der man diese 11 Wochen famuliert (stage), d.h. jeden Morgen auf Station erscheinen muss. Ich hatte mich für Neurologie entschieden und wurde Prof. Brochet im Hôpital Pellegrin zugeteilt. In welche Fachrichtung und bei welchem Professor ihr letztendlich eingeteilt seid, erfahrt ihr von Martine Todesco im Bureau des Stages. Bei ihr solltet ihr euch gleich nach eurer Ankunft zwecks Immatrikulation, Studentenausweis, etc. melden. Für die Anfangs- und Endbescheinigung für das ERASMUS Büro in Heidelberg müsst ihr allerdings zum DAERI (Département des Affaires Européennes et des Relations Internationales), also zum Internationalen Büro, wo seit diesem Semester Camille Cholet und nicht mehr Pedro Santiago für euch zuständig ist. Am ersten Tag des Stage sollte wir uns um 8:30 Uhr im Salle de Réunion einfinden (ist in jedem Stage anders, am besten schon mal ein paar Tage vor Beginn auf Station gehen, sich vorstellen und fragen, wo genau es am ersten Tag losgeht). Dort wurde uns der grobe Plan für die 11 Wochen Stage vorgestellt: zwei Mal die Woche (montags und mittwochs) gab es Kurs (1h) mit Prof. Sibon, welcher wirklich sehr gut war. Den Rest der Zeit ist man auf Station. Manche Studenten haben nach 6 Wochen rotiert, ich jedoch war 11 Wochen auf der selben Station. Auf meiner Station bekam ich einen guten Querschnitt durch verschiedene Krankheitsbilder der Neurologie zu sehen von multipler Sklerose, über Myasthenie, chronische Polyradikuloneuritis bis hin zu fokalen epileptischen Anfällen und Migräne mit Aura. Wir waren insgesamt 7 Externes (Studenten) auf der Station, so dass jeder Student für ca. 3 Patienten verantwortlich war. Neue Patienten, die auf Station kommen, müssen von den Externes aufgenommen werden, d.h. einmal komplett untersucht werden, natürlich mit Fokus auf der neurologischen Untersuchung. Danach kann man die Patienten mit dem Interne (Assistenzarzt) besprechen, sich die Bildgebung zu den

7 Patienten anschauen oder die bisherige Krankengeschichte durchlesen. Neue Erkenntnisse bezüglich Anamnese oder der körperlichen Untersuchung sollten in der digitalen Krankenakte im Computer ergänzt werden. Neben den fast täglichen kleinen Visiten mit dem Interne findet zwei Mal die Woche eine große Visite mit dem Chef de Clinique statt, bei der man die Patienten, für die man verantwortlich ist, vorstellen muss und quasi zu ihnen abgefragt wird. Man muss dann z.b. anhand der körperlichen Untersuchungen, die man gemacht hat, mögliche Differenzialdiagnosen in Erwägung ziehen oder gemeinsam mit dem Chef de Clinique die Bildgebung durchgehen. Man ist also fest für seine zwei Patienten verantwortlich und darf dann auch kleine Interventionen, die bei den jeweiligen Patienten nötig sind, unter Anleitung des Interne durchführen, z.b. Hautbiopsien oder Lumbalpunktionen. Das Neurologie- Stage war also eher ein anstrengendes Praktikum und der ERAMSUS- Status hat mir hier nur gering bis fast keine Freiheiten eingebracht. 1- Wochen- Stages Zusätzlich zur theoretischen Ausbildung muss man sich für die Anrechnung in Heidelberg noch praktische Erfahrung in Form einer kleinen 1- Wochen- Famulatur in jedem Fach dazu organisieren. In Bordeaux habe ich diese kleine Famulatur noch in der HNO absolviert. Den Service der ORL in Bordeaux kann ich sehr empfehlen. Als Student in dieser Abteilung rotiert man jeden Tag zwischen Sprechstunde, OP, Audiogramm und Station meist kann man sich jeden Tag sogar selbst aussuchen, wo man hingehen möchte. Anmelden müsst ihr euch hierfür bei Prof. Valerie Franco Vidal bordeaux.fr). In jedem Fall müsst ihr hierbei das Bureau International und Madame Todesco MEIDEN. Die sehen das nämlich nicht gerne, wenn man sich hinter ihrem Rücken diese kleinen Stages organisiert, ist aber für uns Heidelberger sehr wichtig. Im Nachhinein hätte ich lieber 11 Wochen in der HNO als in der Neurologie famuliert, denn angeblich müssen hier die Studenten nur 3- Mal die Woche kommen, um ihre Validation für das Stage zu bekommen und diese restliche Zeit kann man gut nutzen, um in den anderen Fachrichtungen zu rotieren. Ich hatte leider keine Zeit mehr für 1 Woche in der Ophthalmologie oder Psychiatrie zu famulieren. Hierfür würde ich euch empfehlen, den Chef de Service eures 11- Wochen- Stage zu fragen, ob ihr eventuell drei Wochen in den jeweils anderen Fachrichtungen der UE famulieren dürft und in dieser Zeit vom Stage fernbleiben könntet. KLAUSUR Die Klausur fand bei uns am 11. Juni statt. Während die Franzosen MC- Fragen auf dem Tablet kreuzen, müssen die ERASMI sogenannte Cas Clinique zu drei der vier Fächer schriftlich bearbeiten. Bei uns wurde Neuro, Psychiatrie und Ophthalmo abgeprüft. Anscheinend wird jedes Jahr sicher ein Neuro- Fall und ein Psychiatrie- Fall gestellt und nur der dritte Fall wechselt zwischen HNO oder Ophthalmologie.

8 Ich habe mit verschiedenen Büchern aus der Bibliothek gelernt (Le Masson, Intermemo,...), parallel ein bisschen im ALLEX gelesen und die Altklausuren der letzten Jahre bearbeitet (gibt es im Gebäude links neben der Bibliothek, wo man sie sich kopieren darf). Die Klausur besteht dann wie gesagt aus drei Fällen, zu denen je 6-8 Fragen gestellt werden (Diagnosestellung, Interpretation von Zusatzuntersuchungen, therapeutische Maßnahmen usw.), die ihr dann handschriftlich beantworten müsst. Dafür habt ihr zwei Stunden Zeit und solltet am Ende mindestens 10 von 20 Punkten erreichen. Für alle, die nicht bestanden hatten, wurden Anfang Juli Nachschreibeklausuren angeboten. STAGES LIBRE / FAMULATUREN DERMATOLOGIE ET VENEROLOGIE Im Juni absoliverte ich eine Stage Libre in der Fachabteilung Dermatologie und Venerologie von Madame Prof. Marie- Sylvie Doutre im Hôpital Haut- Lévêque. Die ersten zwei der insgesamt vier Wochen war ich im sogenannten Hôpital du Jour eingeteilt, einer Station, auf der die Patienten früh morgens aufgenommen werden, den Tag über ambulant behandelt werden und am Nachmittag bzw. frühen Abend wieder nach Hause gehen können. Hier wechseln die Patienten jeden Tag. Neben dem Hôpital du Jour gab es natürlich auch ein Hôpital Traditionel, also eine traditionelle Station, auf der die Patienten längere Zeit im Rahmen einer dermatologischen Behandlung oder Therapie verweilten. Jedem Studenten wurden von beiden Stationen, also Hôpital du Jour und Hôpital Traditionel, zwei bis drei Patienten zugeteilt, für die man, natürlich in Zusammenarbeit mit dem Interne, verantwortlich war. Die Patienten mussten morgens aufgenommen werden, d.h. es musste Anamnese und eine vollständige körperliche Untersuchung durchgeführt werden, sowie Gewicht, Blutdruck, Puls und Temperatur gemessen werden. Danach wurden die Patienten gemeinsam mit dem zuständigen Interne visitiert und nochmals gemeinsam untersucht. Manchmal sogar ein drittes Mal mit dem Chef de Service. Neben diesen kleinen täglichen Visiten fand zwei Mal wöchentlich eine große Visite entweder mit dem leitenden Oberarzt/- ärztin oder der Chefärztin Madame Prof. Doutre statt, auf der die Patientenfälle ausführlich besprochen wurden. Hier wurde ausführlich die Krankengeschichte, die aktuelle Symptomatik und die anstehende Therapie jedes Patienten zusammen mit den Studenten diskutiert. Jeder Student war für seine Patienten verantwortlich und sollte sich möglichst genau mit der Krankengeschichte auskennen. Dieses Wissen wurde von den Oberärzten vorausgesetzt und auch während der Visite abgefragt.

9 Für die zweite Hälfte der vier Wochen wechselte ich auf die Seite der dermatologischen Konsultationen und Interventionen. Hier folgte man den Dermatologen während ihrer normalen Sprechstunde und bekam so einen Einblick in ihre alltägliche Arbeit. Auch kleine Eingriffe, wie Biopsien oder Muttermalentfernungen konnten beobachtet werden. Außerdem bestand die Möglichkeit mit in den Operationssaal zu gehen und bei dermatologischen Operationen, entweder zuzuschauen oder sogar zu assistieren. Ein Mal wöchentlich fand ein sogenanntes Staff mit Studenten/- innen, Assistenzärzten/- innen und Oberärzten/- innen statt, eine Art Mitarbeiterversammlung oder Sitzung, in der Patientenfälle beispielhaft vorgestellt und diskutiert werden. Dies diente vor allem der klinischen Lehre und Weiterbildung für die Studenten. Die Studenten/- innen bereiteten die Krankenakten bestimmter interessanter Patientenfälle auf und stellten diese zusammengefasst in einer PowerPoint Präsentation inklusive Bilddokumentationen der pathologischen Befunde vor. Symptomatik, Diagnostik und (Leitlinien- )Therapie konnten so effektiv mit den Ärzten/- innen besprochen werden. RADIOLOGIE ADULTES Im Juli absoliverte ich ein Stage Libre in der Fachabteilung Radiologie von Monsieur Prof. Nicolas Grenier im Hôpital Pellegrin in Bordeaux. Der Tag in der Radiologie begann jeden Morgen um acht Uhr mit Fortbildungen der Internes mit den Chef de Clinique in denen Befundungstechniken und Feinheiten in der Bildgebung zu verschiedenen Themen vorgestellt wurden. Zusätzlich fand zwei Mal wöchentlich Kurs mit den Chefarzt Prof. Grenier statt. Außerdem fanden montags sogenannte Staffs statt, interdisziplinäre Versammlungen oder Sitzungen verschiedener Fachrichtungen, hauptsächlich der Urologie mit den Radiologen, in denen spezielle, interessante, manchmal auch schwierige Patientenfälle gemeinsam besprochen wurden und die optimale Behandlung geplant wurde. Im Anschluss an der morgendlichen Kurs sind die Studenten der Abteilung täglich über vier Wochen in den sechs Hauptspektren der Radiologie rotiert: Ultraschall, Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT), Notaufnahme, Bloc opératiore und Befundung. Das bedeutete im Konkreten, das wir im Falle des Bloc opératiore den Internes und Chefs de Clinique bei interventionellen Katheter- Untersuchungen über die Schulter schauen konnten. Im CT und MRT konnten wir zunächst selbst die Bilddaten sichten und anschließend die Befunde mit dem zuständigen Arzt besprechen. Dies galt auch für die Notaufnahme, jedoch natürlich nur, wenn es sich nicht um dringende Notfälle wie zum Beispiel größere Traumen oder Schlaganfälle handelte. Im sogenannte Chambre Claire war wechselnd immer ein/- e Interne eingeteilt, der/die sich um die Befundung der erstellten Röntgenbilder der Abteilung gekümmert hat. Dies waren vor allem Aufnahmen von bereits stationären Patienten anderer Fachrichtungen, bei denen sich im Rahmen des Aufenthaltes Indikationen für eine radiologische Abklärung wie z.b. CT- oder MRT- Untersuchungen bei Verdacht auf maligne Prozesse, Röntgen- Thorax Aufnahmen zum Ausschluss einer Pneumonie, oder Wirbelsäulenaufnahmen zur Stabilitätsbeurteilung ergeben haben.

10 FREIZEIT Für Freizeittipps und nützliche Kontakte verweise ich auf den Bericht von Kathrin Barth, der wirklich alles Wichtige enthält! Studieren in Bordeaux war wie so viele ERASMUS- Erfahrungen nicht immer ganz einfach, jedoch lohnt sich jeder Aufwand immer. Ich habe die Zeit unglaublich genossen und hoffe ihr macht die gleiche Erfahrung. Ich empfehle euch wie ich das Sommersemester über nach Bordeaux zu gehen und im Anschluss noch die Semesterferien im Juli und August dort zu verbringen. Ihr könnte die Zeit entweder nutzen, um Urlaub zu machen oder ihr hängt einfach noch ein Stage d Été hinten dran. Bordeaux ist eine einzigartige Stadt mit seiner einmaligen Lage an der französischen Atlantikküste und seiner Nähe zum Baskenland und Spanien, seinen kulinarischen Spezialitäten und einfach dem französischen Savoir- Vivre. Freut euch darauf, die Stadt für euch zu entdecken! Solltet ihr noch Fragen haben, egal welcher Art, meldet euch einfach bei mir unter: theresa-

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