Mikroökonomie I Kapitel 4 Die individuelle Nachfrage und die Marktnachfrage WS 2004/2005

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1 Mikroökonomie I Kapitel 4 Die individuelle Nachfrage und die Marktnachfrage WS 2004/2005

2 Themen in diesem Kapitel Die individuelle Nachfrage Einkommens- und Substitutionseffekte Die Marktnachfrage Die Konsumentenrente

3 Die individuelle Nachfrage Preisänderungen Mit Hilfe der im vorangegangenen Kapitel entwickelten Abbildungen können die Auswirkungen einer Änderung des Lebensmittelpreises mit Indifferenzkurven illustriert werden.

4 Die Auswirkungen einer Preisänderung Bekleidung (Einheiten pro Monat) 10 Es sei angenommen: I = 20 P C = 2 P F = 2, 1, 0,50 6 A 5 4 U 1 B D U 3 Drei separate Indifferenzkurven berühren jede Budgetgerade. U Lebensmittel (Einheiten pro Monat)

5 Die Auswirkungen einer Preisänderung Bekleidung (Einheiten pro Monat) Die Preis-Konsumkurve stellt den nutzenmaximierenden Warenkorb für verschiedene Lebensmittelpreise dar. 6 A Preis-Konsumkurve 5 U 1 B D 4 U 3 U Lebensmittel (Einheiten pro Monat)

6 Bekleidung inheiten pro Monat) A U 1 B Preis-Konsumkurve D U 3 U 2 bensmittelpreis 2, E Lebensmittel (Einheiten pro Monat) 1,00 0,50 G Nachfragekurve H Lebensmittel (Einheiten pro Monat)

7 Die Auswirkungen einer Preisänderung Lebensmittelpreis 2,00 E Die individuelle Nachfrage setzt die Menge eines Gutes, die ein Konsument kauft, in Beziehung zu dessen Preis. 1,00 0,50 G Nachfragekurve H Lebensmittel (Einheiten pro Monat)

8 Die individuelle Nachfrage Die individuelle Nachfragekurve Zwei wichtige Eigenschaften von Nachfragekurven 1) Das erzielbare Nutzenniveau ändert sich, wenn wir uns entlang der Kurve bewegen. 2) In jedem Punkt der Nachfragekurve maximiert der Konsument seinen Nutzen, indem er die Bedingung erfüllt, dass die GRS von Bekleidung durch Lebensmittel gleich dem Verhältnis der Preise von Lebensmittel und Bekleidung ist.

9 Die Auswirkungen einer Preisänderung Lebensmittelpreis 2,00 Sinkt der Preis, sinken auch P f /P c & GRS. E 1,00 0,50 G Nachfragekurve H E: P f /P c = 2/2 = 1 = GRS G: P f /P c = 1/2 = 0,5 = GRS H:P f /P c = 0,5/2 = 0,25 = GRS Lebensmittel (Einheiten pro Monat)

10 Die individuelle Nachfrage Änderungen des Einkommens Wenn wir das in Kapitel 3 eingeführte Beispiel zu Bekleidung und Lebensmitteln verwenden, können die Auswirkungen einer Änderung des Einkommens mit Hilfe von Indifferenzkurven illustriert werden.

11 Die Auswirkungen von Einkommensänderungen Bekleidung (Einheiten pro Monat) Es sei angenommen: P f = 1 P c = 2 I = 10, 20, A U 1 B U 2 D U 3 Einkommens-Konsumkurve Ein Anstieg des Einkommens bei unveränderten Preisen führt dazu, dass die Konsumenten ihre Wahl des Warenkorbs ändern Lebensmittel (Einheiten pro Monat)

12 Die Auswirkungen von Einkommensänderungen Lebensmittelpreis Bei einem Anstieg des Einkommens von 10 auf 20 und auf 30 bei unveränderten Preisen verschiebt sich die Nachfragekurve des Konsumenten nach rechts. 1,00 E G H D 3 D 2 D Lebensmittel (Einheiten pro Monat)

13 Die individuelle Nachfrage Änderungen des Einkommens Die Einkommens-Konsumkurve stellt die mit jedem Einkommensniveau verbundenen nutzenmaximierenden Kombinationen von Lebensmitteln und Bekleidung dar.

14 Die individuelle Nachfrage Änderungen des Einkommens Bei einem Anstieg des Einkommens verschiebt sich die Budgetgerade nach rechts, wobei sich der Konsum entlang der Einkommens-Konsumkurve erhöht. Gleichzeitig wird durch den Anstieg des Einkommens die Nachfragekurve nach rechts verschoben.

15 Die individuelle Nachfrage Normale und inferiore Güter Änderungen des Einkommens Weist die Einkommens-Konsumkurve eine positive Steigung auf: steigt die nachgefragte Menge mit dem Einkommen. ist die Einkommenselastizität der Nachfrage positiv. ist das Gut ein normales Gut.

16 Die individuelle Nachfrage Normale und inferiore Güter Änderungen des Einkommens Weist die Einkommens-Konsumkurve eine negative Steigung auf: sinkt die nachgefragte Menge mit dem Einkommen. ist die Einkommenselastizität der Nachfrage negativ. ist das Gut ein inferiores Gut.

17 Ein inferiores Gut Steaks15 (Einheiten pro Monat) 10 Einkommens-Konsumkurve C Sowohl Hamburger als auch Steaks verhalten sich zwischen A und B wie normale Güter... U 3 5 B aber Hamburger werden ein inferiores Gut, wenn sich die Einkommens- Konsumkurve zwischen B und C zurückneigt. A U 2 U Hamburger (Einheiten pro Monat)

18 Die individuelle Nachfrage Engelkurven Engelkurven setzen die Menge eines konsumierten Gutes mit dem Einkommen in Beziehung. Ist das Gut ein normales Gut, ist die Engelkurve positiv geneigt. Ist das Gut ein inferiores Gut, ist die Engelkurve negativ geneigt.

19 Engelkurven Einkommen ( pro Monat) Bei einem normalen Gut ist die Engelkurve positiv geneigt Lebensmittel (Einheiten pro Mona

20 Engelkurven Einkommen ( pro Monat) 30 inferior 20 Bei inferioren Gütern neigt sich die Engelkurve zurück. normal Lebensmittel (Einheiten pro Mona

21 Die individuelle Nachfrage Substitutions- und Komplementärgüter 1) Zwei Güter werden als Substitutionsgüter betrachtet, wenn ein Anstieg (Rückgang) des Preises des einen zu einem Anstieg (Rückgang) der nachgefragten Menge des anderen führt. z.b. Kinokarten und Leihvideokassetten

22 Die individuelle Nachfrage Substitutions- und Komplementärgüter 2) Zwei Güter werden als Komplementärgüter betrachtet, wenn ein Anstieg (Rückgang) des Preises des einen zu einem Rückgang (Anstieg) der nachgefragten Menge des anderen Gutes führt. z.b. Benzin und Motorenöl

23 Die individuelle Nachfrage Substitutions- und Komplementärgüter 3) Zwei Güter sind voneinander unabhängig, wenn eine Änderung des Preises des einen Gutes keine Auswirkungen auf die nachgefragte Menge des anderen hat.

24 Die individuelle Nachfrage Substitutions- und Komplementärgüter Ist die Preis-Konsumkurve negativ geneigt, werden die beiden Güter als Substitutionsgüter betrachtet. Ist die Preis-Konsumkurve positiv geneigt, werden die beiden Güter als Komplementärgüter betrachtet. Sie könnten beides sein!

25 Einkommens- und Substitutionseffekte Ein Rückgang des Preises eines Gutes hat zwei Effekte: den Substitutions- & den Einkommenseffekt. Substitutionseffekt Die Konsumenten neigen dazu, größere Mengen des Gutes, das vergleichsweise billiger geworden ist, und geringere Mengen des Gutes, das vergleichsweise teurer geworden ist, zu kaufen.

26 Einkommens- und Substitutionseffekte Ein Rückgang des Preises eines Gutes hat zwei Effekte: den Substitutions- & den Einkommenseffekt. Einkommenseffekt Wenn der Preis eines Gutes sinkt, erleben die Konsumenten eine Erhöhung ihrer realen Kaufkraft.

27 Einkommens- und Substitutionseffekte Substitutionseffekt Der Substitutionseffekt ist die mit einer Änderung des Preises des Gutes verbundene Änderung des Konsums bei konstantem Nutzenniveau. Sinkt der Preis eines Gutes, führt der Substitutionseffekt immer zu einer Erhöhung der nachgefragten Menge des Gutes.

28 Einkommens- und Substitutionseffekte Einkommenseffekt Der Einkommenseffekt ist die durch die Erhöhung der Kaufkraft verursachte Änderung des Konsums eines Gutes, wobei der Preis des Gutes konstant bleibt. Erhöht sich das Einkommen einer Person, kann die nachgefragte Menge des Produktes steigen oder sinken.

29 Einkommens- und Substitutionseffekte Einkommenseffekt Selbst bei inferioren Gütern ist der Einkommenseffekt nur selten groß genug, um den Substitutionseffekt auszugleichen.

30 Einkommens- und Substitutionseffekte: Normale Güter Bekleidung Einheiten pro Monat) R C 1 A Sinkt der Lebensmittelpreis, erhöht sich der Konsum um F 1 F 2,, während der Konsument von A zu B wechselt. Durch den Substitutionseffekt F 1 E (von Punkt A zu D) ändern sich die relativen Preise, aber das reale Einkommen (Befriedigung) bleibt konstant. C 2 D B Der Einkommenseffekt EF 2 (von D zu B) hält die relativen Preise konstant, erhöht aber die Kaufkraft. O F 1 Substitutionseffekt Gesamteffekt E S F 2 U 1 T Einkommenseffekt U 2 Lebensmittel (Einheiten pro Monat )

31 Einkommens- und Substitutionseffekte: Inferiore Güter Bekleidung (Einheiten pro Monat) R A Da Lebensmittel ein inferiores Gut sind, ist der Einkommenseffekt negativ. Allerdings ist der Substitutionseffekt größer als der Einkommenseffekt. B D U 2 O Substitutionseffekt Lebensmittel F 1 E S F 2 T (Einheiten pro Monat) Gesamteffekt Einkommenseffekt U 1

32 Einkommens- und Substitutionseffekte Ein Sonderfall Das Giffen-Gut Der Einkommenseffekt kann theroetisch so groß sein, dass die Nachfragefragekurve eines Gutes positiv geneigt ist. Dies tritt selten auf und ist von geringem praktischen Interesse.

33 Marktnachfrage Von Von der derindividuellen Nachfrage zur zurmarktnachfrage Marktnachfragekurven Eine Kurve, in der die Menge eines Gutes, die alle Konsumenten auf einem Markt kaufen, mit dessen Preis in Beziehung gesetzt wird.

34 Die Bestimmung der Marktnachfragekurve Preis Person A Person B Person C Markt ( ) (Einheiten) (Einheiten) (Einheiten)(Einheiten)

35 Addition zu Bestimmung einer Marktnachfragekurve Preis 5 4 Die Marktnachfragekurve wird durch die Addition der Nachfragekurven der Konsumenten ermittelt. 3 2 Marktnachfrage 1 D A D B D C Menge

36 Marktnachfrage Zwei wichtige Punkte: 1) Die Marktnachfragekurve verschiebt sich nach rechts, wenn mehr Konsumenten in den Markt eintreten. 2) Faktoren, die sich auf die Nachfrage vieler Konsumenten auswirken, beeinflussen auch die Marktnachfrage.

37 Marktnachfrage Die Elastizität der Nachfrage Wir erinnern uns: Die Preiselastizität der Nachfrage misst die aus einer Änderung des Preises um ein Prozent resultierende, prozentuale Änderung der nachgefragten Menge. Q/Q Q / P EP = = P/P Q / P

38 Preiselastizität und Verbraucherausgaben Nachfrage Entwicklung der Entwicklung der Ausgaben bei Preiserhöhungen Ausgaben bei Preisrückgängen unelastisch (E p <1) Anstieg Rückgang einselastisch (E p = 1) unverändert unverändert elastisch (E p >1) Rückgang Anstieg

39 Marktnachfrage Die Punktelastizität der Nachfrage Bei erheblichen Preisänderungen (z.b. 20%) hängt der Wert der Elastizität davon ab, wo der Preis und die Menge auf der Nachfragekurve liegen.

40 Marktnachfrage Die Punktelastizität der Nachfrage Die Punktelastizität misst die Elastizität in einem Punkt auf der Nachfragekurve. Die Formel lautet: E P= (P/Q)(1/Steigung)

41 Marktnachfrage Probleme bei der Verwendung der Punktelastizität Wir müssen eventuell die Preiselastizität über einen bestimmten Bereich der Nachfragekurve und nicht nur in einem einzelnen Punkt berechnen. Der als Grundlage verwendete Preis und die Menge verändern die Preiselastizität der Nachfrage.

42 Marktnachfrage Punktelastizität der Nachfrage (Beispiel) Nehmen wir an: Der Preis steigt von 8 auf 10, die nachgefragte Menge fällt von 6 auf 4. Die prozentuale Änderung des Preises ist gleich: 2/ 8 = 25% bzw. 2/ 10 = 20% Die prozentuale Änderung der Menge ist gleich: -2/6 = -33,33% bzw. -2/4 = -50%

43 Marktnachfrage Punktelastizität der Nachfrage (Beispiel) Die Elastizität ist gleich: -33,33/25 = -1,33 bzw. -50/20 = -2,5 Welche ist korrekt?

44 Marktnachfrage Bogenelastizität der Nachfrage Die Bogenelastizität ermittelt die Elastizität über eine Reihe von Preisen. Die Formel lautet: EP = ( Q/ P)( P / Q) P = Durchschni ttspreis Q = Durchschni ttsmenge

45 Marktnachfrage Bogenelastizität der Nachfrage (Beispiel) E P = ( Q/ P)( P / Q) P Q 1 1 Ep = 8 P 2 = 10 P = = 6 Q = 4 Q = 2 2 = ( 2 / 2)( 9 / 5) = 1,8 2 8 = = 5 9

46 Beispiel: Die aggregierte Nachfrage nach Weizen Die Nachfrage nach US-amerikanischem Weizen setzt sich aus der Binnen-nachfrage und der Exportnachfrage zusammen.

47 Die aggregierte Nachfrage nach Weizen Die Binnennachfrage nach Weizen wird durch die folgende Gleichung angegeben: Q DD = P Die Exportnachfrage nach Weizen wird durch die folgende Gleichung angegeben: Q DE = P

48 Die aggregierte Nachfrage nach Weizen Die Binnennachfrage ist relativ preisunelastisch (- 0,2), während die Exportnachfrage preiselastischer ist (-0,4).

49 Die aggregierte Nachfrage nach Weizen Preis ($/Scheffel) A C E D Exportnachfrage Binnennachfrage B Die Weltgesamtnachfrage ist gleich der horizontalen Summe der Binnenachfrage AB und der Exportnachfrage CD. Gesamtnachfrage F Weizen(Millionen Scheffe

50 Die Konsumentenrente Konsumentenrente Differenz zwischen dem Betrag, den ein Konsument für den Kauf eines Gutes zu zahlen bereit ist, und dem von ihm tatsächlich gezahlten Betrag.

51 Die Konsumentenrente Peis ( pro Karte) Die Konsumentenrente des Kaufs von 6 Konzertkarten ist die Summe der aus jeder einzelnen Karte erzielten Konsumentenrente Konsumentenrente = 21 Marktpreis Eintrittskarten für Rockkonzert

52 Die Konsumentenrente Die Nachfragekurve in Treppenform kann durch eine Verkleinerung der Einheiten des Gutes in eine gerade Nachfragekurve umgewandelt werden.

53 Die Konsumentenrente Preis ( pro Karte) Konsumentenrente für die Marktnachfrage Konsumentenrente 1/2x(20 14)x6.500 = Tatsächliche Ausgaben Marktpreis Nachfragekurve Eintrittskarten für Rockkonzert

54 Die Konsumentenrente Durch die Verbindung der Konsumentenrente mit den von den Produzenten erzielten Gesamtgewinnen können wir folgendes bewerten: 1) Kosten und Vorteile verschiedener Marktstrukturen 2) Staatliche Politiken, die das Verhalten von Konsumenten und Unternehmen ändern.

55 Zusammenfassung Die Nachfragekurven einzelner Konsumenten nach einem Produkt können aus Informationen über ihren Geschmack im Hinblick auf alle Güter und Dienstleistungen sowie aus ihren Budgetbeschränkungen hergeleitet werden. Engelkurven beschreiben die Beziehung zwischen der konsumierten Menge eines Gutes und dem Einkommen.

56 Zusammenfassung Zwei Güter sind Substitutionsgüter (Komplementärgüter), wenn ein Anstieg des Preises des einen Gutes zu einem Anstieg (Rückgang) der nachgefragten Menge des anderen führt. Die Auswirkungen einer Preisänderung auf die nachgefragte Menge können in einen Substitutionseffekt und einen Einkommenseffekt unterteilt werden.

57 Zusammenfassung Die Marktnachfragekurve ist die horizontale Addition der individuellen Nachfragekurven für alle Konsumenten. Die aus einer Änderung des Preises um ein Prozent resultierende, prozentuale Änderung der nachgefragten Menge bestimmt die Elastizität der Nachfrage.

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